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Diskutiere im Thema Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm! im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 36

    Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Hallo liebe Forums-Mitglieder.

    Ich bin 43 Jahre alt, seit vier Jahren arbeitslos, und lese mich seit fünf Monaten quer durch dieses Forum. Von ca. 70 (!) Prozent aller von euch gestarteten Beiträge fühle auch ich mich betroffen. Parallel zum Forum informiere ich mich auch sehr umfassend auf diversen ADHS- und ADS-Seiten.

    Eine fast zweijährige Gruppentherapie (2013 -2014) half mir nicht weiter: Ich konnte keinerlei Verbesserungen bei meinem „dumpfen Gefühls-Nebelerreichen.

    Obwohl nach Meinung meines Psychiater lediglich Hochbegabung vorliegt (was ich aus verschiedenen Gründen für abwegig halte [Erklärung weiter unten]), durfte ich einen Versuch mit MPH durchführen.

    Mittlerweile nehme ich das „Methylpheni TAD“ seit bereits sieben Wochen ein, und habe damit außerordentliche (???) Verbesserungen erfahren dürfen (weiter unten beschreibe ich das ausführlich)!




    Jedoch bleibt die "ADHS-Frage" für mich von sehr großer Wichtigkeit:

    - Habe ich wirklich kein ADHS oder ADS (stattdessen Hochbegabung)... und das alles ist nur ein Irrtum meinerseits? Womit ich durch das MPH lediglich „gedopt“ wäre?

    Oder ...
    - Liegt bei mir, wegen ADHS oder ADS, ein bio-chemisches Ungleichgewicht im Gehirn vor welches durch das MPH korrigiert wird... wodurch ich endlich mal wie ein „normaler“ (gesunder) Mensch funktionieren kann?

    Diese Frage interessiert mich auch in Hinblick auf meine Vergangenheit: Ob ich mein bisheriges Leben vielleicht wegen ADHS auf so arg "vergurkt“ habe?

    Weil nun viele Infos, versuche ich mich auf das Relevanteste zu beschränken...




    Meine Problematiken:

    Bis vor kurzem hatte ich mein ganzes Leben lang mit einer „dumpfen Gefühlswolke“ (Gefühls-Nebel) zu tun, durch die nie eindeutig erkennbare (und zuordnungsbare) Gefühle zu mir durchgedrungen sind.

    Mein Leben ist durchzogen von Problemen und Konflikten. Vieles tue ich im extrem: In den 90er-Jahren heftige Wochenend-Trinkereien, mit Motorrad rase ich mit 247 km/h die Autobahn entlang ohne mich dabei selbst bremsen zu können, extremes Essverhalten, und etliches mehr. Viele Dinge habe ich angefangen, und dann nach einiger Zeit abgebrochen (Interesse verloren).

    Folgendes trifft auf mich zu:
    - Im Grundschul-Zeugnis (1. Klasse) Vermerk bezüglich sehr leichter Ablenkbarkeit
    - Grenzenloses Handeln (Austesten von Grenzen) und Denken
    - Probleme mit Selbstwahrnehmung und Befinden
    - Lebenslang Konflikte mit Umwelt
    - Fahrweise: Riskant und unbelehrbar
    - Reizoffenheit, Reizfilterschwäche (<--- eventuell)
    - Phase starker Reizüberflutung (extrem unangenehm)
    - Impulsivität, Hyperaktivität
    - Impulsivität, Hyperaktivität in Gesprächen (unüberlegtes Reden, Abschweifen, sprunghafte Themenwechsel)
    - Hyperfokus, Auto-Pilot (?) beim Autofahren
    - Motorik (oft arg daneben)
    - Tics
    - Extreme Vergesslichkeit
    - Mangelhaftetes Kurzzeitgedächtnis (deshalb in Gesprächen oftmals „Nachkorrekturen“)
    - Probleme mit Wortfindung, Flüchtigkeitsfehler
    - Tag-Träumereien, Phantasien
    - Aufschieben, Prokrastination
    - Spezial-Interesse (dabei extremste Zeitverschwendung!)
    - Trennung von „Unwichtig“ und „Wichtig“ manchmal nicht gut möglich
    - Unerwünschte Gedanken
    - Angst vor Kontrollverlust („ungewollte Gewalt“), mangelhafte Impulskontrolle
    - Überreagieren
    - „Werte“-Losigkeit
    - Ein Leben im „Hier und Jetzt“
    - Alkohol (90er Jahre), Rauchen
    - Selbsthass, Angeberei, Resignation
    - Probleme bei Interaktion, Blickkontakt (Starren, relativ leblose Mimik)
    - Probleme mit Finanzen
    - Schnelles nachlassen anfänglicher Begeisterung
    - Starrsinn
    - Perfektionismus
    - Kein Zeitgefühl bei Einschätzungen Arbeitsaufwand
    - Häufige Jobwechsel
    - die alltägliche Müdigkeit, Einschlafprobleme, Ruhelosigkeit
    - Schrift (kann manchmal eigene Schrift nicht mehr entziffern)
    - Rigides Essritual, Binge-Eating-Störung, Magersucht (2005 - 10)
    - Passivität
    - Feindselig empfundene Umwelt (ungerechtfertigt)
    - In 20 Jahren nur zwei Freunde
    - Probleme mit Beziehungen (längste Beziehung 15 Monate)
    - Probleme mit Gefühlen (noch nie eine Empfindung von Liebe, kann nicht weinen)
    - Unfähigkeit zu Erkennen was mir gefällt (und: Was will ich?).
    - Unfähigkeit zu „großen“ (normalen ) Emotionen (z.B. Freude)... wenn mich jemand fragt wie es mir geht kann ich dass eigentlich nie richtig beantworten.

    Und jetzt kommt der Ober-Hit (jetzt schnallt euch an...):
    Ich weiß noch nicht einmal ob mir mein bisheriger „Beruf“ (den ich seit 2001 ausübe [mit Unterbrechungen und Arbeitgeber-Wechseln, seit vier Jahren arbeitslos]) eigentlich gefällt... und ich dies bisher lediglich nicht spüren (bzw. fühlen) konnte!!!!!


    Körperliche Komorbititäten (falls ADHS vorhanden):
    - Phase (2007-2009) mit wiederkehrendem Eisen- und Zink-Mangel (mein Leben lang sehr blässlich gewesen)
    - Schilddrüsen-Unterfunktion (seit einigen Jahren „richtig eingestellt“)


    Substitution Nahrungsergänzungsmittel:
    Seit fast einem dreiviertel Jahr nehme ich Zink, Magnesium und Omega-3, und habe den Eindruck dass es mich ruhiger gemacht hat.




    Zwei von mir durchgeführte Tests:


    1. Test: Die offiziellen Diagnosekriterien:
    (zutreffend nach Selbsteinschätzung)

    Forschungskriterien für Hyperkinetische Störungen gemäß ICD-10:
    G1. Unaufmerksamkeit: 8 von 9 zutreffend
    G2. Überaktivität: 4 von 5 zutreffend
    G3. Impulsivität: 4 von 4 zutreffend
    G4., G5., G6., G7.: 4 von 4 zutreffend

    Kriterienübersicht nach DSM IV:
    A1. Unaufmerksamkeit: 8 von 9 zutreffend
    A2. Hyperaktivität/Impulsivität: 8 von 9 zutreffend
    B., C., D., E.: 4 von 4 zutreffend


    2. Test: Online-ADS-Test:
    Diesen Online-Test habe ich sehr konservativ ausgefüllt. Bei Unsicherheiten (bzgl. Einschätzung einer bestimmten Eigenschaft) hatte ich das “harmlosere“ („normalere“) ausgewählt.

    Ergebnis:
    44 von 58 Punkten. Ab 39 Punkten ist ADS wahrscheinlich, bitte wenden Sie sich an einen Fachmann.

    Dazu noch das Ergebnis zu Hyperaktivität:
    5 von 6 Punkten: Ab 4 Punkten mehr ist ADS mit Hyperaktivität (ADHS) wahrscheinlich, bitte wenden Sie sich (…).




    (Juli 2013) Psychologischer ADHS-Test:

    In einem ADHS-Test (Asperger wurde in einem vorherigen Test ausgeschlossen) hatte ich ein „Ja“ zu ADHS relativ knapp „verpasst“:
    - WURS-K : 62 (Cut-Off = 30). Entspricht einer deutlichen bedeutsamen ADHS-Symptomatik
    - Checkliste DSM-IV: 20 (Cut-Off >/= 20). Entspricht einer knapp klinisch bedeutsame ADHS-Symptomatik
    - Wender-Reimherr-Interview: 26 (Cut-Off = 40)
    - d2-R- und TAP-Testung: Keine deutlichen ADHS-typischen Konzentrationdefizite (in zwei Untertests Hinweise auf mangelnde Impulskontrolle)

    Fazit: Das Vollbild von adultem ADHS wird nicht erfüllt.


    Eigene Gedanken hierzu:

    - Die Test-Ergebnisse können Tagesform-abhängig sein.
    - Während meiner 43 Lebensjahre habe ich mir Kompensations-Strategien angeeignet, um mich (in vielen Bereichen) „kompatibler zur Umwelt“ zu verhalten.
    - Ich hatte mich ziemlich arg in meine dortige Psychologin „verguckt“, und mich deshalb bei allen Terminen immer nur von meiner „besten Seiten“ gezeigt (negative Verhaltensweisen weitmöglichst unterdrückt).
    - Im Test-Fazit -wo es (bzgl. des Vorhandensein von ADHS) leider (!) keine Graustufen gibt, sondern lediglich „Ja“ oder „Nein“, wird ADHS nicht vollständig erfüllt (jedoch nur relativ knapp "verpasst"). Im Fazit der Satz „Ein Medikationsversuch mit Methylphenidat ist daher aus unserer Sicht nicht indiziert.“
    - Ich nehme an dass dieser Satz ("Medikationsversuch nicht indiziert") auch ziemlich viel Einfluss auf die Einschätzung (bzw. Meinung) meines Psychiaters genommen hatte.




    (April 2015) Erst-Termin bei Psychiater mit umgehender "Diagnose" (Meinung):

    Vor sieben Wochen der erste Termin bei meinem neuen Psychiater: Ich hatte einen sehr (!) langen Brief verfasst, an dem ich quasi einen Monat (!) lang gearbeitet hatte: 20 Seiten, in 60 Stunden Arbeit, verteilt auf 26 Tage. Alles Dinge, die bei mir auf ADHS (oder ADS) hinweisen.
    Zusätzlich erhielt er von mir den Bericht vom psychologischen ADHS-Test (der im Juli 2013 stattfand).

    Während er den Brief durchlas saß ich die ganze Zeit sehr ruhig (was mir jedoch nicht einfach fiel) auf einem Stuhl. Sicherlich half mir hierbei das stimmungs-stabilisierende Lamotrigin, welches mir ein anderer Psychiater vier Monate zuvor.verschrieb, und welches mich ruhiger machte (dies ist auch meinem Bruder aufgefallen).

    Nach dem Lesen des Briefs sagte er dass er nicht den Eindruck habe das ich ADHS habe. Ich sei Hochbegabt (und unterfordert).


    Die von ihm erwähnten Gründe:
    1. Ich bringe Dinge zustande zu denen ein ADHSler gar nicht fähig sei - z.B. ein dickes Buch zu lesen.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, können auch ADHS-Betroffene Bücher lesen (auch ich muss viele Absätze 3x lesen).

    2. Es gibt keine überdurchschnittlich intelligente ADHSler.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, gibt es auch sehr (!) intelligente ADHS-Betroffene.


    2013 wurde bei mir ein Wortschatz-IQ von 112 ermittelt. Damit befinde ich mich lediglich im Normal-Bereich. Eine Hochbegabung beginnt frühestens bei einem IQ von 130.

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    Eventuell könnte der Gedankengang meines Psychiaters nun so ausgesehen haben:

    1. Im ADHS-Testergebnis heißt es „ist nicht vom Vorhandensein einer adulten ADHS auszugehen“.
    3. Der Patient hat einen überdurchschnittlichen IQ von 112.
    2. Der Patient saß gerade eine Stunde ganz ruhig vor mir.
    4. Der Patient bringt Dinge zustande wozu ein ADHSler nicht fähig ist (z.B. Bücher lesen).
    5. Es gibt keine intelligenten ADHSler.
    6. Da es keine intelligenten ADHSler gibt, der Patient einen IQ von 112 hat, und Dinge kann wozu ein ADHSler nicht fähig ist (dickes Buch lesen), kann der Patienten nur hochbegabt sein – und Hochbegabung ist ein Ausschlusskriterium für ADHS.
    -----------------------------------------------------------------------------------------------------------------------




    Meine Recherchen (mit Ergebnis) „Differenzierung Hochbegabung und ADHS“:

    Ich war über diese Diagnose sehr verwundert, und hatte deshalb umfangreiche Recherchen zu „Anzeichen einer Hochbegabung“ und "Differenzierung von Hochbegabung und ADHS" begonnen.

    Das Ergebnis:
    Von (ca.) 14 Anzeichen für Hochbegabung sind höchstens 2 zutreffend (bei den restlichen 12 Anzeichen bin ich eher das genaue Gegenteil!).

    Bei einer direkten Gegenüberstellung von Hochbegabung und ADHS:
    Hier liege ich zu mind. 75 Prozent auf der ADHS-Seite.




    Die vielfältigen Auswirkungen von Methylpheni TAD auf mich:

    - Die ersten Tage wurde ich davon müde (teilweise sehr müde)
    - Ich bin ruhiger (im Kopf [Gedanken], sowie motorisch ruhiger)
    - Meine Wahrnehmung auf viele Dinge hat sich verändert: Klarer, „nüchterner“
    - Das Gefühl von „mehr in der Wirklichkeit zu sein“ (Dinge so zu sehen wie sie sind)
    - Viele Gefühle scheinen nicht mehr so diffus, sondern „eindeutiger“ spürbar.
    - Mehr Gefühle, Empathie und Gespür zu Personen und zur Umwelt (sowie bei Filmen)
    - Mehr Gesprächs-Interesse
    - Gefühle mancher Personen mir gegenüber (und umgekehrt) sind mir nicht mehr so gleichgültig (zumindest nicht mehr in dem Maße wie früher)
    - Meine gedanklichen Boshaftigkeiten (vieles davon nur scherzhaft) empfinde ich zum Teil nun abstoßend
    - Gedankliche Scherze spielen sich nicht mehr so oft im Kopf ab (höchstens noch 1/4 davon)
    - Mein Erinnerungsvermögen an vergangene Zeiten (z.B. 90er Jahre) hat sich verbessert
    - Bei Treffen mit Freunden eigentlich zum allerersten (!) Mal an deren oberflächlichen spaßigen Unterhaltung interessiert! Hat mir gefallen, war angenehm, und ich habe viele selbst einige Scherze beigesteuert
    - Weniger Prokrastination (fast schon eine Abneigung dagegen)

    Anfangs nahm ich 10 Milligramm, dann 20, aktuell bin ich bei 40 Milligramm.


    Anfängliche Erfahrungen bei Höherdosierungen:

    Bei meinen ersten drei Höherdosierungen -jeweils in Abständen von einer Woche- bin ich jedes Mal (nach 30-45 Minuten) müde geworden: Beim ersten Mal drei Stunden lang sehr müde (ziemlich "platt“!), beim zweiten Mal "lediglich" müde, beim dritten Mal nur noch leicht müde.


    Aktuelle Medikation:
    Mittlerweile nehme ich seit drei Wochen morgens 20 Milligramm, und nachmittags 40 Milligramm. Mit den 40 Milligramm (anstatt 20) bekam ich schnell den Eindruck, noch klarer und "noch normaler“ zu sein (also so wie ein gesunder Mensch zu sein).

    Die sehr heftigen Rebounds der letzten Wochen sind in den letzten Tagen, relativ betrachtet, ziemlich abgeflacht. Gegen Wirkungsende falle ich zwar oft in ein „Loch“, aber in meiner Situation (wo ich mit so ziemlich allem unzufrieden bin) ist das, denke ich mal, auch kein Wunder.


    Persönliche Meinung:
    Es kommt mir vor als ob das MPH bei mir so wirken würde wie es normalerweise nur bei ADHS-Betroffenen der Fall ist.
    Die typischen Reaktionen von MPH bei nicht ADHS-Betroffenen scheinen bei mir nicht aufzutreten: Keine erhöhter Puls, keine Unruhe, kein -parallel zur Dosis steigendes- Unwohlsein.

    Mein teilweise vorhandenes Unwohlsein dürfte ein Resultat meines klaren (nicht "vernebelten") Blickes auf meine aktuelle Situation (sowie auch meine vergurkte Vergangenheit) sein. Gerade der Rebound am Abend kann mich da schon ziemlich „runterziehen“. Jedoch komme ich da auch jedes Mal wieder relativ gut heraus (z.B. indem ich mir konstruktive Gedanken mache).




    Liebe Forums-Mitglieder, ich möchte euch sehr fürs Durchlesen danken (ist ja schon `ne Menge Text!).


    Mich würde sehr stark interessieren wie eure Meinungen zu "all dem da oben" sind?

    Z.B. ...
    - Wie ihr über die Einschätzung des Psychiaters denkt?
    - Ob bei mir vielleicht doch ADHS (oder ADS) vorliegt?
    - Oder ob ich lediglich gedopt bin?


    Ich freue mich über jede Antwort!


    Viele Grüße,
    Flupp
    Geändert von Flupp ( 5.06.2015 um 04:11 Uhr)

  2. #2
    Muh!

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 6.748

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Ja aber, wer hat dir das MPH verschrieben?

  3. #3
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 274

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Das kann ja keine Diagnose sein, höchstens eine Einschätzung vom Psychiater sein. Es wurden ja überhaupt keine Tests gemacht. Ist dieser überhaupt ein Spezialist was ADHS bei Erwachsenen angeht? Würde direkt bei einem der sich wirklich auskennt eine Diagnose mit umfassenden Tests durchführen lassen. All das was du erzählst klingt schon sehr nach ADHS.

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 36

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Steintor schreibt:
    Ja aber, wer hat dir das MPH verschrieben?
    Der Psychiater der nicht glaubt dass ich ADHS habe, stattdessen Hochbegabt (und unterfordert) sei.

    Grund für die Verschreibung: Da ich mich monatelang mit dem Thema ADHS (und ADS) beschäftigt hatte, ich mich quasi zu 100 Prozent darin wiedefinden konnte... also absolut von ADHS überzeugt bin, wusste der Psychiater, dass ich mich nicht zufrieden gebeb könnte wenn ich es nicht wenigstens mal mit MPH versuchen könnte. Er verschrieb mir deshalb zuerst einmal Methylphenidat (kleinste Packungseinheit, mit Nachgespräch kurze Zeit später).

    Berta schreibt:
    Das kann ja keine Diagnose sein, höchstens eine Einschätzung vom Psychiater sein. Es wurden ja überhaupt keine Tests gemacht. Ist dieser überhaupt ein Spezialist was ADHS bei Erwachsenen angeht? Würde direkt bei einem der sich wirklich auskennt eine Diagnose mit umfassenden Tests durchführen lassen. All das was du erzählst klingt schon sehr nach ADHS.
    Die ausführlichen psychologischen Tests fanden bereits 2013 statt (da war dann alles dabei was zu einer Erwachsenen-Testung auf ADHS dazugehört [angefangen mit den Grund-Schulzeugnissen...]). Die Teilergebnisse und das Fazit habe ich oben etwas ausführlicher beschrieben.

    Beim ersten Termin (April 2015) bei meinem (aktuellen) Psychiater legte ich diesem dann...
    - meinen 20-Seiten-Brief, und
    - den psychologischen ADHS-Testbericht (Juli 2013) vor.

    Somit hatte er eine Menge Material vorliegen... jedoch sah er mich persönlich nun zum allerersten Mal, und dies auch gerade mal für eine (!) Stunde (in der wir kaum redeten weil er ja den Brief las). Danach teilte er mir mit, dass er mich für Hochbegabt hält (was in seinen Augen ADHS ausschließt [seine Gründe siehe oben im Posting]).


    Eventuell eine hilfreiche Info:
    Ich ordne mich eher dem hypoaktiven Subtyp zu (mit kleinem hyperaktiven Anteil).
    Geändert von Flupp ( 5.06.2015 um 04:17 Uhr)

  5. #5
    Wer bin ich?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 230

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Hey Flupp

    Ich hab ja auch den Marathon jetzt hinter mir mit der Diagnostik.
    Es hat lange gedauert und es hat sich gelohnt.

    Mir ging es ähnlich wie dir, viele menschen haben an meiner Einschätzung gezweifelt und in der Vergangenheit wurde ich von mehreren Psychiatern fälschlich beurteilt was zu enormen Problemen geführt hat.
    Nach mehreren Wechseln bin ich bei einer Ärztin gelandet womit ich ganz gut klar kam als ich dann letztes Jahr im Juni meinen letzten Amphetamin Missbrauch meiner Ärztin erzählt habe hatte sie gesagt das mein Hauptproblem ADHS sei...
    Ich habe mich vollends wieder gefunden, habe verstanden warum mein gesamtes Leben so gelaufen ist wie es gelaufen ist.

    Ich sollte mir die Diagnosestellung auswärts holen, da meine Ärztin zwar Kinder/Jugendpsychiaterin ist und sich mit Stimulanzen zwar gut auskennt aber die Diagnose im Erwachsenen alter nicht stellen möchte.
    Dann ging es los, 3 Kliniken angeschrieben und die erste hatte auch sofort gesagt Traumafolgeerscheinungen und kein ADHS.
    Was zwar verhalten erklären aber nicht die paradoxen Medikamentenwirkungen rechtfertigen würde.

    Das ging alles hin und her und ganz ehrlich ich hab bis zum letzten Moment gezittert...

    Versuch mal dich nicht entmutigen zu lassen, such dir nen neuen Anlauf und versuch den Leuten zu erklären das es dir innerlich ganz anders geht als es äußerlich scheint.
    Der Psychologe der mich diagnostiziert hat war echt klasse, aufgrund meiner Traumatisierung, Persönlichkeitsstörung, Polarisierung und und ist es alles andere als einfach und ich wirke nach außen auch nicht wie ein typischer Adhs Patient.
    Er hat ganz klar deutlich gemacht das es wichtig ist was innerlich abläuft und nicht was man äußerlich sieht.

    Lass dich nicht entmutigen und versuch es mal bei Leuten die sich damit auskennen.
    Wenn du einen Therapeuten hast dann arbeite es mit ihm auf und versuch dir eventuell eine Einschätzung von ihm geben zu lassen und sie mitzunehmen.

    Ich drück dir die Daumen das du deinen Weg findest

  6. #6
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 952

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Die von ihm erwähnten Gründe:
    1. Ich bringe Dinge zustande zu denen ein ADHSler gar nicht fähig sei - z.B. ein dickes Buch zu lesen.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, können auch ADHS-Betroffene Bücher lesen (auch ich muss viele Absätze 3x lesen).

    2. Es gibt keine überdurchschnittlich intelligente ADHSler.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, gibt es auch sehr (!) intelligente ADHS-Betroffene.
    Die beiden sind schonmal falsch... viele (ich denke mal bei Forennutzer verstärkt) haben über keine Probleme mit dicken Wälzer.. es muss halt nur Interessant genug sein.

    Bei ADSler soll die Intelligenzverteilung genauso sein wie bei Nicht-Adslern sein.. dh. es gibt ebenso Hochbegabte.. Ein .. ehm Underarchiver? nannte man es.. also ein Hochbegabter, der wegen Unterforderung große Probleme hat kann einen ADsler teilweise sehr ähnlich sein. Anderseits kann man davon ausgehen, dass gerade überdurchschnittlich begabte ADSler besser kompensieren können und eventuell dadurch überhaupt nicht auffallen... (oder erst so mit 40 Jahren, wo die Energie altersbedingt zurück geht, man eventuell immer mehr Verantwortungen trägt und Kompensationsstrategie nicht mehr richtig greifen)


    Komisch finde ich dass er Dir MPH verschrieben hat - Ärzte sind damit eigentlich immer über vorsichtig
    Erstmal : Ob MPH bei Dir wirkt oder nicht wirkt sagt überhaupt nichts aus, ob DU ADS hast! Es gibt nämlich auch Non-Responder...

    Ich würde mich an Deiner Stelle nach einen ADS Spezialisten umsehen, dass er Dir eine Diagnose stellt.


    Ich finde, dass wenn Dein Psychiater meint, Du seist nur hochbegabt, dann die Ursache Deiner Probleme in den Bereich schiebt 'Du mußt Dich nur mehr anstrengen' ... das ist leider eine Sache, die ADSler oft erleben, wenn sie bei keinen richtigen ADS Spezialisten sind.

    Wie kommst Du ansonsten mit ihm klar? Hilft es Dir weiter, auch wenn ADS nicht anerkennt?

  7. #7
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 731

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Flupp schreibt:

    Die von ihm erwähnten Gründe:
    1. Ich bringe Dinge zustande zu denen ein ADHSler gar nicht fähig sei - z.B. ein dickes Buch zu lesen.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, können auch ADHS-Betroffene Bücher lesen (auch ich muss viele Absätze 3x lesen).

    2. Es gibt keine überdurchschnittlich intelligente ADHSler.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, gibt es auch sehr (!) intelligente ADHS-Betroffene.
    What the f***?
    Hat der schon mal was von impulsivem (Tagtraum-)Lesen gehört (dazu gehören logischerweise keine langweiligen Schul- oder Studienschinken)? 1'000 Seiten innert drei Tagen. Meinen beim Psychiater getesteten IQ nenne ich jetzt nicht, aber kurz und knapp; das ist totaler Bullshit. Der IQ besteht aus dem logisch abstrakten Denkvermögen zum Zeitpunkt des Testes. Logisch abstrakt denken kann man auch mit AD(H)S, oder eben nicht. Nur mit der Konzentration hapert's halt und das kostet je nach Zustand dann Punkte.

  8. #8
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Flupp schreibt:
    Die von ihm erwähnten Gründe:
    1. Ich bringe Dinge zustande zu denen ein ADHSler gar nicht fähig sei - z.B. ein dickes Buch zu lesen.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, können auch ADHS-Betroffene Bücher lesen (auch ich muss viele Absätze 3x lesen).
    Nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig, denn wenn das so pauschal gesagt wurde, hat der Arzt ADHS nicht verstanden.
    Denn ADHS-Betroffene sind sehr wohl dazu in der Lage und oh, sie können auch einen ganzen Film im Kino ansehen (auch das bezweifeln manche Ärzte).

    Dennoch haben sie recht.
    Der Grund ist ganz einfach darin begründet, das diese Ärzte wohl dem Glauben unterliegen, dass der Aufmerksamkeitsdefizit wörtlich zu nehmen und ein statisches Gebilde sei.
    Aber dem ist nicht so.
    Der korrekte Begriff wäre Aufmerksamkeitsinkonsistenz und der erklärt bereits, warum wir das sehr wohl können.

    Wenn ein Buch, und sei es noch so dick, inhaltlich uns so dermaßen interessiert, dass es die für uns erforderliche Reizschwelle zur dauerhaften Aufmerksamkeit überschreitet, können wir sogar komplett darin versinken.
    Dennoch müssen wir oft genug, Sätze und Absätze immer wieder erneut lesen, da das Arbeitsgedächtnis nun mal nicht vom Grad des Interesses gesteuert wird.
    Der Inhalt interessiert uns aber derart, dass wir trotzdem weiterlesen.

    Hat das Buch aber Inhalte, die uns weniger interessieren, wird diese Reizschwelle nicht gehalten und es liegt ganz schnell wieder in der Ecke.

    Auf der Basis dieser Betrachtung zeigt sich meiner Meinung nach, dass diese pauschale Aussage des Arztes unzutreffend ist und er einfach nicht ausreichend informiert ist.
    Es sei denn, er hätte genauer nachgefragt und dabei erkannt, dass das "Spektrum" des Lesestoffes eher untypisch für einen ADS'ler ist.



    Flupp schreibt:
    2. Es gibt keine überdurchschnittlich intelligente ADHSler.
    Meine Meinung dazu: Soweit mir bekannt ist, gibt es auch sehr (!) intelligente ADHS-Betroffene.


    2013 wurde bei mir ein Wortschatz-IQ von 112 ermittelt. Damit befinde ich mich lediglich im Normal-Bereich. Eine Hochbegabung beginnt frühestens bei einem IQ von 130.
    Inzwischen sollte sich in der Fachwelt eigentlich herumgesprochen haben, dass die Intelligenz von ADHS-Betroffenen genauso normalverteilt ist, wie bei Neurotypischen Menchen.
    Somit schließt sich die Aussage, dass es keine hochintelligenten ADHS'ler gibt schon mal aus.

    Desweiteren kommt hinzu, dass die Störung ADHS gar nichts mit Intelligenz zu tun hat.
    Betroffen sind bei ADHS, neben einigen anderen Dingen, in erster Linie die Exekutiven Funktionen und die stehen in keiner mir bekannten Relation zur Intelligenz, welche m.W. unter die Kognitiven Funktionen fällt.

    Dennoch muss man immer auch genau nachschauen und evl. eine zweite Meinung einholen, denn eines der Probleme einer ADHS ist dummerweise auch die Selbst- und Fremdwahrnehmung, als Teil der Exektuven Funktionen (EF).

    Es kann also durchaus sein, dass man an sich selbst Dinge wahrnimmt oder eben auch nicht wahrnimmt, die zur ADHS gehören, während andere im Umfeld das ganz anders sehen.
    Generell hat sich ergeben, dass die EF in ihrer Entwicklung verzögert sind.
    Man spricht dabei von einem sog. "Exekutiven Alter".
    Allgemein geht man davon aus, dass dieses Alter etwa 30% hinter dem Lebensalter liegt.
    Ein 20-jähriger ADHS-Betroffener hat demnach die Exekutiven Funktionen eines 14-Jährigen neurotypischen Menschen.
    Das betrifft auch die Selbstwahrnehmung.

    Mit dem Beginn der dritten Lebensdekade geht man davon aus, dass auch bei einem ADS'ler die EF ihren "Endstand" erreicht haben, demnach nicht mehr so sehr hinterher hinken, aber dennoch nicht den Level erreichen, den man bei gleichaltrigen Neurotypischen Menschen findet.

    ADS'ler haben also eine etwas "verzerrte" oder besser beeinträchtigte Fremd- und Selbstwahrnehmung und das machte sehr schwer, gerade eigene Berichte zu beurteilen.
    Das gilt auch für die Tests, die allenfalls Screenings sind, also eh' keine Diagnosewerkzeuge sind, sondern eher zur Bestätigung oder Vorabbetrachtung dienen.
    Kurioserweise zeigt sich bei den Screeningstests und in Gesprächen, aufgrund eben der verzerrten Selbstwahrnehmung auch nicht selten ein aradoxes Bild, nämlich dass die Betroffenen der Meinung sind, dass sie unmöglich von ADHS betroffen sein könnten.
    "Wenn die Menschen ein Problem mit ihnen haben, sind sie das Problem".
    Sie selbst nehmen das als von ihnen ausgehende Probleme gar nicht wahr.

    Komplizierte Sache gell?

    Deine Schilderung deuten schon auf eine ADHS, aber es könnten genauso gut auch andere Störungen sein, die möglicherweise noch nicht zur Sprache kamen, das Asperger Syndrom im autistischen Spektrum zum Beispiel.

    Umso wichtiger ist es, dass man für die Diagnose einen Fachmann findet, der auch bereit ist, genauer hinzuschauen und eben all diese Dinge zu hinterfragen und sie nicht einfach als Ausschlusskriterium hernimmt, sondern hinterfragt und auch andere Störungen mit in Betracht zieht.

    Viele Grüße
    Fliegerlein

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 77

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    @Flupp


    Ich kann nur sagen:
    Hol dir eine zweite Meinung von einem anderen Psychiater ein.

    Auch Psychiater können nicht alles wissen, und sich daher im Einzelfall irren.

    Eine zweite Fachmeinung einzuholen ist auch kein Vertrauensbruch zu deinem aktuellen Arzt.

    So aber bekommst du mehr Gewissheit.

    Gruss Geralt




  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 36

    AW: Überraschende Diagnose: Kein ADHS / Wirkung MPH jedoch ADHS-typisch enorm!

    Ui-ui... so ausführliche Antworten!! Vielen Dank!


    ADHS-Test bei Spezialisten (2013):
    Im Jahr 2013 wurde ich vom ZI Mannheim auf ADHS getestet (Details zum Ergebnis etwas weiter unten).
    Für einen erneuten Test wäre ich wahrscheinlich nicht mehr unbefangen genug. Und die Tages-Form spielt ja auch eine Rolle.


    Meinung meines ersten Psychiaters (Dezember 2014):
    Ich legte meinem Psychiater den Bericht des ZI Mannheim vor, in dem "das Vollbild eines adulten ADHS nicht erfüllt ist". Demzufolge sei ein Medikationsversuch mit MPH nicht indiziert. Nachdem mein Psychiater das gelesen hatte teilte er mir mit dass er sich bei mir bezüglich ADHS nicht sicher sei, und es bei mir erst mal mit "Lamotrigin" (ein stimmungs-stabilisierendes Medikament) ausprobieren möchte.

    Das machte mich zwar ruhiger... ansonsten half es mir jedoch null weiter. An meiner Haupt-Problematik -meinem "dumpfen Gefühls-Nebel" durch den nie eindeutig erkennbare (und zuordnungsbare) Gefühle zu mir durchdringen- hat sich dadurch nichts verändert.

    Also wollte ich eine Zweitmeinung einholen.


    Zweitmeinung (mein jetziger Psychiater (Mai 2015):
    Mit dem Psychiater komme ich gut klar, weil symphatisch und er weiterhin das MPH verschreibt. Ich hatte ihm ja von den vielfältigen positiven Auswirkungen berichtet, und für ihn ist wichtig dass ich etwas bekomme was mir wirklich hilft.

    Mir ist jedoch sehr (!) wichtig zu wissen ob ich von ADHs (oder ADS) betroffen bin. Dies auch sehr in Hinsicht darauf ob ich mit MPH lediglich "gedopt" bin, oder wirklich ein bio-chemisches Ungleichgewicht korrigiert wird.

    Nur habe ich bei diesem Psychiater nicht den Eindruck als ob seine Meinung auf korrekten Grundlagen beruhen würde (ADHSler könnten keine Bücher lesen, Es gäbe keine intelligenten ADHSler).
    Seine Einschätzung bezüglich welche Krankheit besteht (kein ADHS, stattdessen Hochbegabung) fehlen nun mal die korrekten Grundlagen.


    Selbstwahrnehmung:
    Die (hier angesprochenen) Probleme der Selbstwahrnehmung (als Folge der Probleme mit den exekutiven Funktionen) waren schon immer vorhanden.
    Auch kommt mir meine Entwicklung sehr verzögert vor: Aktuell (ich bin 43 Jahre alt) sehe/fühle ich mich eher auf dem Stand eines Dreißigjährigen.


    Selbstwahrnehmung im Sinne von "Wie wirke ich auf andere?" war mein ganzes Leben lang ein Problem (seit ich MPH einnehme habe ich den Eindruck mich auch diesbezüglich realistischer einschätzen zu können).

    In Bezug auf die für Außenstehende sicht- und spürbaren Auswirkungen meiner problematischen Verhaltensweisen und meiner Handlungen besteht eigentlich große Einigkeit zwischen mir und vertrauten Personen (Bruder, Freunde).


    Ich würde euch noch gerne die folgenden Infos mitteilen (chronologisch, in kompakter Form):
    1. Meine Krankheit wollte ich damals (das war 2013) möglichst exakt eingrenzen.

    2. Ich recherchierte wochenlang intensiv nach ALLEN in Frage kommenden Krankheiten: Für jede Krankheit hatte ich eine eigene Word-Datei erstellt, jeweils mit den Kriterien nach ICD-10 und DSM-IV, und zusätzlich ausführliche Informationen zum Krankheitsbild). Bei den zusammengetragenen Krankheiten handelte es sich um...
    - Asperger-Syndrom
    - ADHS
    - Selbstunsicher-vermeidende Persönlichkeitsstörung
    - Soziale Phobie
    - Zwanghafte Persönlichkeitsstörung
    - Antisoziale Persönlichkeitsstörung
    - Schizoide Persönlichkeitsstörung
    - Schizotypische Persönlichkeitsstörung
    - Kombinierte Persönlichkeitsstörung
    - Alexithymie
    Mit diesem Material habe ich mich bis zu den beiden Zutreffendsten vorgearbeit: Asperger-Syndrom und ADHS.

    3. Im ZI Mannheim ausführlicher Test auf Asperger-Syndrom (2013). Zudem legte ich alle Ausdrucke meiner zuvor angelegten Dateien (insgesamt über 60 Seiten) vor. Das Testergebnis war, das Asperger nicht vorliegt. Jedoch sah auch die Psychologin bei mir die Hinweise auf ADHS, und empfahl mir, mich an die zuständige Abteilung für ADHS zu wenden.

    4. In der zuständigen Abteilung für ADHS die ausführliche ADHS-Testung (2013). Das Ergebnis war, dass adultes ADHS nicht als Vollbild vorliegen würde. Im Ergebnis gibt es nur die Festlegung "Ja" oder "Nein". Also leider kein "Der Patient erfüllt die Kriterien für ADHS zu 85 Prozent.".
    Es gab auch Anzeichen für eine soziale Phobie, und so zog man eine Therapie in Erwägung.

    Anmerkung: Ich war mehrmals bei Konzerten ganz vorne an der Bühne und hatte 60.000 Menschen hinter mir - fand ich geil! Schüchternes Verhalten (und Unsicherheiten) im sozialen Bereich hatte ich jedoch schon immer.

    5. Fast zweijährige Einzel- und Gruppentherapie brachte jedoch null Fortschritte in meiner Hauptproblematik: Dem "dumpfen Gefühls-Nebel" durch die nie eindeutig erkennbare (und zuordnungsbare) Gefühle zu mir durchdringen.

    6. Weil ich mir auch auf keine andere Weise in irgendeiner Weise weiterhelfen konnte, kam bei mir (Anfang des Jahres) das Thema ADHS wieder hervor.

    7. Monatelange Recherchen zu ADHS (und ADS) auf Fachseiten (auch die Kriterien gemäß ICD-10 und DSM IV), parallel dazu Durchlesen der Problematiken ADHS-Betroffender in verschiedenen ADHS-Foren. Überall (!) ist mir aufgefallen wie "extrem" ADHS auf mich zutreffend wäre:
    - Von den Fachseiten und den Kriterien gemäß ICD-10 und DSM IV fast 100 Prozent zutreffend
    - In ADHS-Foren zu ca. 70 (!) Prozent ALLER gestarteten Beiträge bin auch ich betroffen

    8. Termin-Vereinbarung Psychiater

    9. Erstellung meines extrem umfangreichen Briefs (20 Seiten, 60 Stunden Arbeit, verteilt auf 26 Tage) mit all meinen Problemen (viele Beispiele aus Kindheit, Jugend, Erwachsenen-Alter), welche Hinweise auf ADHS geben, bzw.: ADHS-typisch sind (und eigentlich sind ALLE meine Probleme ADHS-typisch!).

    10. Psychiater möchte es bei mir erst mal mit "Lamotrigin" (ein stimmungs-stabilisierendes Medikament) ausprobieren. Das hilft mir jedoch null weiter.

    11. Termin-Vereinbarung bei anderem Psychiater/Neurologe zwecks Zweitmeinung.

    12. Der erste Termin beim Psychiater: Er liest meinen Brief durch, danach auch den ADHS-Bericht vom ZI Mannheim, in dem ja steht dass das Vollbild eines adulten ADHS nicht erfüllt wäre. Deshalb ein "Nein" zu ADHS. Also "logische Folge" steht dort dann der Hinweis, "dass ein Medikationsversuch mit Methylphenidat aus unserer Sicht daher nicht indiziert ist.".

    Anmerkung: Im Fazit des ADHS-Berichts gibt es leider (!) keine Graustufen... also beispielsweise ein: "Der Patient erfüllt die ADHS-Kriterien zu 85 Prozent." Sondern lediglich "Ja" oder "Nein".

    Ein kleiner Neben-Gedanke: Wenn jemand eine Grippe hat: Muss er ein festgelegtes Maß an Fieber, Schüttelfrost (etc.) abwarten, bevor ihm das Medikament zugestanden wird welches ihm bereits bei anfänglichen Symptomen gesund machen würde?

    13. Nun kommt die (im ersten Porting) erwähnte Argumentation des Psychiater (ADHSler könnten keine Bücher lesen, es gäbe keine intelligenten ADHSler, ...). Daraus folgernd teilte er mir mit dass er nicht denkt dass ich ADHS habe, sondern Hochbegabt sei (nach seiner Meinung schliesst das Eine das Andere aus, weil es keine ADHSler gäbe die auch intelligend sind).

    14. Trotzdem erlaubt er mir MPH auszuprobieren (weil ich so überzeugt von ADHS bin, und mich nicht zufrieden geben könnte wen ich es nicht wenigstens einmal ausprobiert habe).

    15. Die Wirkung vom MPH ist umfänglich positiv (wie oben beschrieben). Zudem gibt es in der Wirkung Hinweise darauf, die ein Vorliegen von ADHS wahrscheinlicher machen:
    - Anfängliche Müdigkeit nach Einnahme von MPH: Ich war die ersten vier, fünf Tage -ca. 30 Minuten nach Tabletteneinnahme- ca. 2,5 - 3,5 Stunden lang (teilweise sehr) müde (soweit mir bekannt würde ein Gesunder bei MPH sofort aufgeputscht).
    - Ruhiger im Kopf (auch motorisch ruhiger)
    - Gefühls-Nebel verschwunden, somit Wahrnehmung klarer (bin mehr „mehr in der Wirklichkeit"), viele Gefühle nicht mehr so diffus („eindeutiger“ spürbar), mehr Gefühle, Empathie und Gespür zu allem.
    - Besseres Erinnerungsvermögen an vergangene Zeiten


    Liebe Forums-Teilnehmer, wahrscheinlich könnt ihr mit all diesen Information die Gesamte-Situation nun noch etwas besser einschätzen, bzw. beurteilen.


    Viele liebe Grüße,
    Flupp
    Geändert von Flupp ( 5.06.2015 um 15:11 Uhr)

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