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Diskutiere im Thema Klingt das nach einem typischen Zeugnis im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 2

    Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Guten Tag!

    Puhh ich weiß nicht wie ich mein Problem erklären soll, aber vielleicht verstehts ja jemand.

    Zu meiner Vorgeschichte. Ich studiere seit drei Jahren und musste bis vor kurzem nie etwas lernen....hab alles ohne bestanden... nun ist es aber so weit, dass es schwieriger wird..... und null Konzentration habe.

    Ich war zuerst in einer Realschule und habe dann nach der mittleren Reife aufs Gymnasium gewechselt. So wirklich bewusst waren mir dort eigentlich nie irgendwelche Probleme, aber ich war auf Schulen, die sehr Wert auf Disziplin und Struktur gelegt haben und mir, wenn nötig immer einen Arschtritt verpassten.

    Ich wurde letztes Jahr wegen einer Depression behandelt, ich hab mich einfach nicht wohl gefühlt unter meinen Kommilitonen, bin immer angeeckt bei ihnen. Ich hab mich immer minderwertig gegenüber ihnen gefühlt. Ich nun gelte aber als geheilt und habe auch keinerlei Symptome mehr

    Nun ist es so, dass mir inzwischen sehr stark auffällt, dass ich extreme Konzentrationsschwierigkeiten habe... wenn ich lerne, fällt mir immer irgendwas ein, was ich nebenbei ja noch machen könnte, z. B. sinnlose Wikipediaartikel lesen, die nichts mit dem Thema zu tun haben. Oder nebenbei Fernsehen, oder Facebook, oder einfach aus dem Fenster sehen.
    Ich will am liebsten alles gleichzeitig lernen. Vorhin lag ein Buch vor mir und habe alle 5 Minuten weiter geblättert, ich könnte ja was verpassen.

    Auch bei Klausuren will ich am liebsten alle Aufgaben gleichzeitig lösen. Während ich die eine bearbeite, lese ich schon die andere.

    Eigentlich hab ich mir nichts dabei gedacht. Ich dachte mir, wenn ich das als Kind nicht hatte, wird das jetzt eben eine Phase sein.

    Jetzt habe ich gerade zufällig meinen Aktenordner rausgeholt um Unterlagen für eine Zwischenprüfung für die Uni rauszusuchen und bin auf meine Grundschulzeugnisse gestoßen.

    Hier ist der Wortlaut (Name durch xxx ersetzt)

    "In der letzten Zeit war xxx nicht mehr ganz so leistungsfähig wie zu Beginn des Schuljahres. Gerne wich sie Aufgaben aus. Mündliche häusliche Lernarbeiten sollte sie konzentrierter erledigen, um Gelerntes auf weiterführende Sachverhalte übertragen zu können. Schriftliches führte sie in der Regel besonders ordentlich aus. Sie engagierte sich sehr im mündlichen Unterricht und bei außerschulischen Projekten durch ihre rege Phantasie. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wurde in der Klasse anerkannt."

    Mein freund studiert Pädagogik und Psychologie und sagte auf einmal, dass klingt wie ein AD(H)S Zeugnis. Die anderen Zeugnisse sind meist positiver, aber zum Thema Konzentration und Impulsivität steht oft eher was negatives....

    Ich bin gerade überfragt, will aber natürlich auch eine Antwort, woran diese Konzentrationsprobleme liegen.

    Ich habe jetzt eben alles möglichen Ablenkungsquellen verbannt, heißt TV zu meinen Eltern, Handy liegt nie neben mir wenn ich lerne....

    Kann ein ADHS theoretisch auch erst so spät rauskommen??? Ich meine ich bin schon Mitte 20! Und wie kann ich am Ende ein 1er Abitur haben??? Liegt das alles nur an der nötigen Struktur durch die Schule und die HIlfe der Lehrer?


    Vielleicht kann mir ja einer bisschen was erzählen.

    Glg

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 3.871

    AW: Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Mit Struktur von außen (Schule, Eltern) und einem hohen IQ kann man ziemlich lang eine Menge kompensieren.
    ADHS wäre daher durchaus eine mögliche Ursache für Deine Konzentrationsschwierigkeiten.
    Dass einen die Kompensation irgendwann so sehr auszehrt, dass es in eine Depression mündet, ist auch nicht ungewöhnlich.
    Ob ADHS bei Dir die Ursache ist, könnte im Rahmen einer Diagnostik festgestellt werden.
    Aber vielleicht hilft Dir erst einmal das Stöbern und Lesen im Forum ausreichend weiter.
    Ansonsten gibt es noch den Bücher-Bereich im Forum...

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer.

    Es es kann auf ADHS hindeuten, muss es aber nicht. Die mündliche Mitarbeit und auch das Schriftliche sind ja eher das Gegenteil. Depressionen ziehen oft sehr lange noch Konzentrationsschwierigkeiten mit sich. ADHS zieht sich eigentlich durch das Leben wie ein roter Faden.

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 97

    AW: Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Hallo Kicherbombe,

    "In der letzten Zeit war xxx nicht mehr ganz so leistungsfähig wie zu Beginn des Schuljahres. Gerne wich sie Aufgaben aus. Mündliche häusliche Lernarbeiten sollte sie konzentrierter erledigen, um Gelerntes auf weiterführende Sachverhalte übertragen zu können. Schriftliches führte sie in der Regel besonders ordentlich aus. Sie engagierte sich sehr im mündlichen Unterricht und bei außerschulischen Projekten durch ihre rege Phantasie. Sie hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und wurde in der Klasse anerkannt

    Das ist schon ziemlich charakteristisch für ein zumindest latent vorhandenes ADHS. Es ist in der Tat oft so, dass insbesondere bei leichteren Fällen und/ oder recht hohem IQ die Betroffenen lange die latent und oft nur unterschwellig vorhandenen "Defizite" kompensieren. Wenn die Anforderungen höher werden und die Strukturierung nach der Schule abnimmt, insbesondere dann im Studium, nimmt das zuvor latent vorhandene "pathologische" Ausmaße an. Was studierst du denn?

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Hallo Kicherbombe,

    das Studium ist eine der typische Situationen, wo erst im Erwachsenenalter diagnostizierten ADSler ihre Diagnose bekommen. Wie stark sich ADS zeigt ist immer auch von der Umwelt abhängig - wie schon gesagt wurde, in einem gut struckturierten Umfeld kann es sein, dass es nie auffällt.. Auch gut möglich, dass Deine Eltern vielleicht auch ADS haben, aber sich dann ihr Leben so eingerichtet haben, dass alles funktionierte und eventuell deutliche ADS-Symptome nicht auffielen, weil sie Deine Eltern auch hatten und es für sie normal war.

    ADS begleitet Dich ein Leben langen, so kann auch die ADS Diagnose (= ab da wurden die ADS Symptome zum Problem) in verschiedenen Lebensphasen auftreten. Die ADSler mit starker Ausprägung und ungünstigen Umfeld werden ihre Diagnose in der Schulzeit bekommen oder sogar schon davor.

    Dann gibt es die nächste Gruppe, die die Schulzeit zwar problemlos meistert, aber auf einmal Riesenprobleme bei den ersten Schritten ins eigene Leben bekommen z.B. die erste eigene Wohnung, die erste Ausbildung und vor allem das Studium mit seinen sehr viel höheren Anforderungen an Selbstorganisation und Selbstmotivation.

    Die nächste Gruppe meistert diese Situation vielleicht noch problemlos (ja, da gibts auch die, die ihr Studium mit 1 abschliessen), aber voll 'erwischt' werden, wenn sie mehr Verantwortung übernehmen, sei es bei Geburt der Kinder, Haus bauen oder Karriere machen... wo die Anforderungen größer werden, ein geregeltes Leben zu führen.

    Wird diese Phase auch problemlos überwunden, kann es auf einmal den Burnout und Überforderung ab 40..50 Jahren geben - weil sie zwar ihr Leben in Griff haben, dass aber sie viel mehr Energie kostet und es auf einmal zusammenbricht, wenn die Energie altersbedingt nach läßt. Oder es kann sein, dass ihre Mitmenschen die ganze Zeit ihre Probleme kompensierten und dann irgendwann die Nase voll haben und sich abwenden also z.B. dass der Nicht-ADSler Ehepartner sich scheiden läßt und der ADSler dann von den Alltagsleben, das er nun alleine bewältigen muss, überfahren wird.

    Und darüber kommen viele im Erwachsenen-Alter diagnostizierte ADSler erst über ihre Kinder darauf.




    Lies Dich einfach mal hier ins Forum ein und lese mehr zu ADS. Die Diagnose kann natürlich nur ein Fachmann stellen - es gibt auch noch andere Krankheiten, Störungen etc. die über ein ähnliches Symptombild verfügen. Aber wenn es sich bei Dir wirklich um ADS handeln sollte, solltest Du Dich hier in den Beiträgen wieder erkennen können.

    Bei mir war es auch erst so, dass ich dachte, dass ich in meiner Kindheit keine Anzeichen für ADS hatte - ich hatte zwar Probleme, aber die lagen im Bereich soziale Ängste, starke Selbstunsicherheit (die übrigens eine der typischen Folgen vn ungehandelter ADS sind). Je mehr ich mich dann darüber informierte, umso mehr Sachen fand ich dann auch. Die traten halt nur nicht so auf, dass sie als Problem/negativ/störend wahrgenommen worden.

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.727

    AW: Klingt das nach einem typischen Zeugnis

    Hallo Kicherbombe,

    ausgeprägter Gerechtigkeitssinn wäre schon mal sehr ADHS-typisch.

    Engagement bei außerschulischen Projekten und rege Phantasie passt auch.

    Engagiert sich sehr im mündlichen Unterricht (das ist die höfliche Umschreibung für: Sie kriegt den Mund nicht zu , passt zu deinem Nicknamen), bereitet sich aber schlecht zu Hause vor und weicht gerne Aufgaben aus: Bingo!

    Ich sage jetzt nicht dass du auf jeden Fall ADHS hast, aber dieses Zeugnis ist dafür schon mal ein dickes Plus. Und deine unterbrechungslose mündliche Beteiligung (das war deine Möglichkeit, nicht so schnell abzuschalten- ich war auch so) und deine strukturierenden Eltern ermöglichten, dass du auch mit ADHS eine gute Schülerin warst.

    Mein Studium war ähnlich wie deines. Nach einer flotten Anfangsphase kam der große Durchhänger, als die Aufgaben zäher wurden. Abschließen konnte ich das Studium nur, weil ich ein sehr spezielles, mich interessierendes Thema wählte. Und die Diplomarbeit schloss ich nur ab, weil meine Frau immer wieder aufmunternd hinter mir stand.

    Meine ADHS-Diagnose und Behandlung kriegte ich viel später.
    Geändert von 4.Kl.konzert (25.04.2015 um 20:47 Uhr)

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