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Diskutiere im Thema Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #11
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 615

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Bei mir entsteht der Eindruck, dass viele Menschen sich mit Händen und Füssen sich dagegen wehren, eine Boderline-Diagnose zu haben, als ob es Lepra wäre.
    Und flüchten in eine ADHS-Diagnose, die übrigens in die Gesellschaft genauso stigmatisiert ist. Für viele Aussenstehende steht Aufmerksamkeits-Defizit für ein Elternversagen, die sagen dann, dass die Eltern dem Kind keine Aufmerksamkeit geschenkt haben und die Kinder deswegen an einen Aufmerksamkeitsdefizit leiden. Es wäre für mich ein purer Horror, wenn die Außenstehende denken, meine Eltern haben mich missachtet. Als Migrantin muss ich mich eh mehr beweisen, damit man nicht denkt, ich sei asozial


    Ich habe mich von meiner ADHS -Diagnose distanziert, da mir die Diagnose-Stellung zu unsicher ist und ich auf keinen Fall ein BTM-Pflichtiger Medikament nehmen will.
    Stattdessen lasse ich mich als Borderlinerin behandeln un des hilft mir, mich zu verstehen. Ich habe zwar einen Medikament (Melperon), aber nur als Notmedi, also nur wenn der Anspannungszustand unerträglich wird.
    Ich beschäftige mich nicht mehr mit meiner Hinrnchemie, die angeblich nicht in Ordnung sein sollte, sondern mit den Umständen, in denen ich aufwachsen musste (nicht zu Hause, sondern in die Schule) und die tatsächlich traumatisierend und fürchterlich waren. Es kann sogar sein, dass ich durch langandauernde Mobbing eine PTBS entwickelt habe.
    Ich entdecke meine Stärken, ein so massiver Mobbing( mitunter mit sexuellen Übergriffen) zu überleben und nicht vollkommen wahnsinnig zu werden sondern immer noch funktionieren und arbeiten zu können ist schon Hochleistung.
    Und das ich ab und zu vergesslicher und zerstreuter als die Menschen mit einer gesunder Vorgeschichte bin, ist verständlich.
    Ich lerne, meine Innere Chaos durch Ausmerksamkeitsübungen zu kontrollieren.
    Eine Klinik mit DBT-Behandlung (eventuell Rickling) steht auch auf dem Plan, aber erst wenn ich entfristet(oder gekündigt) bin.

    Wie gehst euch nach der ADHS Diagnose?
    Verletzt ihr euch nicht mehr?
    Seid ihr arbeitsfähig?
    Kene Gefühlschwankunden mehr?
    u.s.w.

  2. #12
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Hallo

    auch hier gilt, wie bei so vielen anderen Diagnosen auch:
    Beides ist möglich.

    Und so greift auch hier der leidige Satz, dass man sowohl Flöhe, als auch Läuse haben kann und, wen wunderts, Borderline gehört ebenfalls zu den nicht seltenen Komorbiditäten einer ADHS.

    Auch hier ist es wieder wichtig genau zu hinterfragen und hinzuschauen.

    Eine ADHS besteht lebenslang, eine Persönlichkeitsstörung üblicherweise nicht.

    Und auch hier kann man unterscheiden, wenn auch es mal wieder nicht einfach ist, sofern man nicht genau hinschaut und eine gründliche Anamnese durchführt.

    Leider stimmt es, oft wird versucht, sich gegen eine BPS- Diagnose zu wehren, ähnlich wie bei einer NPS.

    Aber wir dürfen eines nie vergessen und das ist ganz wichtig (und da zitiere ich mal wieder Martin Winkler):
    Eine Persönlichkeitsstörung ist immer eine Überlebensstrategie.

    Das sagt uns zum Einen, dass man kein "böser" oder "schlechter" Mensch ist, nur weil man davon betroffen ist und es erklärt uns zum Anderen auch, wie solche Persönlichkeitsstörungen unter einer ADHS entstehen können.

    Das ist immer auch eine Art Schutz.
    Aufgrund der ADHS-bedingten Beeinträchtigungen und Probleme entwickeln sich einige Fähigkeiten nicht so, wie es altersgemäß üblich ist, während die ADHS-Betroffenen aber in ihrer Altersgruppe zurecht kommen müssen.

    Irgendwie muss man also "da durch".
    Und über all die Probleme und die mangelnden Kenntnisse und Fertigkeiten, damit umzugehen, entwickeln sich Überlebensstrategien, und die enden nicht selten in Persönlichkeitsstörungen.
    Narzisstische, um sich vor Angriffen von Außen zu schützen, indem man eine große Fassade um sich herum aufbaut, zwanghafte, um das innere und äußere Chaos förmlich zu "bezwingen", Borderline, weil das innere Gefühlschaos und die Kontrolle darüber einfach immer wieder aus dem Ruder läuft und sein Ventil sucht.

    Um das nur seeeeehr vereinfacht anzuschneiden, dass das weitaus komplexer und komplizierter ist, muss ich gewiss nicht extra betonen.


    Borderliner haben diesen Ruf der unkontrollierten und gewaltigen Wutausbrüchen, von welchen ich selber schon einige miterlebt habe, aber das macht Niemanden zu einem schlechten oder bösen Menschen und daher muss man sich nicht gegen diese Diagnose wehren, genausowenig wie gegen jede andere, die letztlich doch nur aussagen soll, wo ein bestimmter Problembereich liegt, der so arg geworden ist, dass Menschen darunter leiden, oftmals sogar sehr schwer.

    Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir uns das immer wieder vor Augen führen.

    Was die Differenzierung betrifft .... Nunja, da sind wir wieder in einem Bereich, der wirklich nicht leicht zu erklären ist, eben weil es so komplex und nicht selten eng miteinander verzahnt ist.
    Auch hier hilft aber durchaus der gezielte Blick auf die Exekutiven Funktionen.
    Mein Lieblingsbeispiel wäre da wieder die ADHS-typische Zeitblindheit.

    Das ist so ein typisches ADHS-Symptom, das man üblicherweise nicht bei den anderen Erkrankungen findet und ein Hinweis darauf, dass die Person entweder ADHS oder auch ADHS hat ...

    ADHS'ler laufen ebenfalls emotionsseitig leicht aus dem Ruder, aber sieht für gewöhnlich anders aus, als bei einer Borderline Störung.
    Da wirkt sich das weitaus heftiger aus.
    Während man sagen kann, dass die Emotionsschwankungen bei ADHS zwar heftig und unvorhersehbar sein können, aber sich immer noch im Rahmen des "normalen Gefühlsspektrums" halten, gerät ein Gefühlsausbruch bei einem Borderline-Betroffenen eher weit außerhalb der Grenzbereiche, die man sonst so kennt.
    Die Ausbrüche laufen voll aus dem Ruder, während man das bei einem ADHS-Betroffenen nicht in diesem Ausmaß beobachtet.

    Für gewöhnlich wohlgemerkt ... das ist nichts, was man als feste Regel in Stein meißeln könnte .. das macht es ja so schwierig.

    Aber es sind Hinweise.
    Und es ist nur eines der Symptome, die eine BPS ausmachen, leider wohl das bekannteste....


    Felis schreibt:
    Ich habe mich von meiner ADHS -Diagnose distanziert, da mir die Diagnose-Stellung zu unsicher ist und ich auf keinen Fall ein BTM-Pflichtiger Medikament nehmen will.
    Auch wenn's ein wenig OT ist:
    Mir fehlt da offengestanden ein wenig die Logik ...

    Du suchst Dir lieber eine andere Diagnose, weil Du kein Medikament nehmen möchtest, das, bzw. nur weil unter das BtMG fällt?

    Das Medikament steht nicht unter dem BtMG, weil es ach so gefährlich ist, sondern weil man mit dieser Maßnahme einfach nur verhindern will, dass mit dem Medikament Schindluder getrieben wird.
    Da fallen mir auf Anhieb etliche Medikamente ein, die nicht unter das BtMG fallen und um die ich einen weitaus größeren Bogen machen würde, wenn ich an deren Wirkungen und Nebenwirkungen denke .... da reichen auch durchaus schon Schmerzmittel ....

    Allein auf ein Medikament zu verzichten, nur weil es unter das BtMG fällt, erscheint mir persönlich ein wenig oberflächlich und unlogisch, zumindest kann ich das Argument so ohne weitere Erklärung nicht verstehen, vielleicht magst Du mir dabei helfen.
    Das wäre aber auch ein gutes Thema für einen eigenen Thread, wenn Du Lust hast, denn hier soll es darum nicht gehen.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (25.04.2015 um 14:06 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  3. #13
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 615

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Fliegerlein schreibt:
    Mir fehlt da offengestanden ein wenig die Logik ...
    Bin eine Blondine, also nix mit Logik.

    Fliegerlein schreibt:
    Du suchst Dir lieber eine andere Diagnose, weil Du kein Medikament nehmen möchtest, das, bzw. nur weil unter das BtMG fällt?
    Nun ja, ich war eine kurze Zeit Heroinabhängig, habe mich dann substituieren lassen und ganz schnell runterdosiert und lebe seitdem frei von BTM-Pflichtiegen Medikamenten. Ich habe nicht so viel geschafft in diesem Leben, aber auf diese Sache bin ich verdammt stolz.
    Ein BTM-Pflichtigen Medikament nehmen zu müssen wäre für mich eine Niederlage, dann könnte ich eigentlich glatt wieder Subutex nehmen, das Zeug hilft nämlich auch gegen viele meine Problemen.

    Und ich bin mir immer noch nicht sicher, dass ich ADHS habe: 3 Termine in die Ambulanz sind mir einfach zu kurz, die Diagnose Borderline bekam ich schon dagegen öfter (also nix mit eine andere Diagnose aussuchen). eher im Gegenteil: ich haderte sehr lange mit der Borderline-Diagnose und kam so auf dei ADHS, machte mir einen Termin in ADHS-Ambulanz und bekam dann die Diagnose, die mich aber gefühlsmässig in Bodenlose riss.
    Das hatte aber auch was Gutes an sich: ich akzeptierte meine Borderline-Störung.

    Mit der Diagnose Borderline und dem Wissen, dass ich sehr viele schlimme Erfarungen mit Menschen gemacht habe, gehe ich anders mit meiner Unkonzentriertheit um: mache ich den Fehler, überlege ich mir, warum? Warum war ich unkonzentriert? Was zerstreute mich?
    Ich versuche, schädliche Einflüssen und Gedanken aus dem Weg zu gehen und toxische Menschen auf Abstand zu halten.
    Geändert von Felis (25.04.2015 um 14:17 Uhr)

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Felis schreibt:
    Bin eine Blondine, also nix mit Logik.



    Nun ja, ich war eine kurze Zeit Heroinabhängig, habe mich dann substituieren lassen und ganz schnell runterdosiert und lebe seitdem frei von BTM-Pflichtiegen Medikamenten. Ich habe nicht so viel geschafft in diesem Leben, aber auf diese Sache bin ich verdammt stolz.
    Ein BTM-Pflichtigen Medikament nehmen zu müssen wäre für mich eine Niederlage, dann könnte ich eigentlich glatt wieder Subutex nehmen, das Zeug hilft nämlich auch gegen viele meine Problemen.
    Oh keine Sorge, ... unabhängig von Diagnosen und Haarfaben finde ich dieses Argument sogar sehr logisch.
    So leicht können sich die Sichtweisen durch ein wenig zusätzliche Information ändern und ich finde das auch sehr verständlich.
    Sicher werde ich Dir nicht sagen müssen, dass das gewiss eher eine Art "Kopfsache" ist, denn all die Rauschmittel haben nichts mit dem Medikament gegen ADHS zu tun, auch wenn das gerne so dargestellt wird, aber ich verstehe nun Deinen Standpunkt und danke Dir für die Erklärung.


    Felis schreibt:
    Und ich bin mir immer noch nicht sicher, dass ich ADHS habe: 3 Termine in die Ambulanz sind mir einfach zu kurz, die Diagnose Borderline bekam ich schon dagegen öfter (also nix mit eine andere Diagnose aussuchen).
    Sorry falls ich das missverstädlich formuliert habe, das bezog sich nicht darauf, dass ich irgendwas an Diagnose anzweifeln würde, es las sich nur so in bezug auf die Medikationshaltung, ich fürchte, ich habe das nicht gut formuliert.

    Felis schreibt:
    eher im Gegenteil: ich haderte sehr lange mit der Borderline-Diagnose und kam so auf dei ADHS, machte mir einen Termin in ADHS-Ambulanz und bekam dann die Diagnose, die mich aber gefühlsmässig in Bodenlose riss.
    Um auch hier noch mal Martin Winkler zu zitieren:
    "Die Zweifel an der Diagnose sind ja fast schon ein Diagnosekriterium/ Symptom"

    Da ist ein bisschen was dran und ich schätze mal die meisten zweifeln immer wieder, so auch ich und vom Diagnostischen her und allen anderen Punkten kann ich eigentlich gar keine Zweifel haben dürfen... hab ich aber trotzdem ... .

    Und es es ja auch durchaus möglich, dass die ganze Vorgeschichte, von der Du berichtest hast und die schon sehr heftig war, wirklich "nur" (im Sinne von "ausschließlich" und nicht "lediglich", denn das ist schon so heftig genug) eine Borderline-Störung zur Folge hatte, ohne das eine ADHS gleichzeit vorliegt oder zu Grunde liegt.

    Hättest Du denn die Möglichkeit und würdest Du es in Betracht ziehen, eine Reha in einer Klinik zu machen, die auf so etwas spezialisiert ist?
    Dort ist man ja doch für einige Wochen und da bekommen die Therapeuten eine Menge mehr von einem mit und schaffen es in der Regel ja doch, eine etwas gründlichere Diagnose zu stellen.

    Ich selbst war in Bad Bramstedt und dort waren auf der ADHS-Station auch viele Borderline-Betroffene, sowohl mit, als auch ohne zusätzlicher ADHS.
    Das war schon sehr gut dort, kann ich nicht anders sagen.
    Auch wenn persönlich in einem klinischen Setting so meine Probleme habe (was bei Asperger Betroffenen wohl auch zu erwarten ist), so wurde dort doch eine wirklich gründliche Anamnese und eine gute Beobachtung während der Therapiezeit gemacht, so dass ich schon das Gefühl hatte, dass deren Diagnose wirklich gut fundiert waren und sind.

    Wobei ich dazusagen muss, dass mein Arzt und Thera ebenfalls eine sehr sehr gründliche Anamnese gemacht und die ganze Geschichte lange und gründlich hinterfragt hat, bevor er mit der Diagnose rausrückte.
    Von der ersten Therapiesitzung bis zur Nennung der DIagnose, hat er sich schon fast ein halbes Jahr Zeit gelassen und bis dahin immer mehr hinterfragt.
    Aber ich weiß auch, das so etwas extrem selten und ein echter Glücksfall ist.
    Trotzdem bin ich über die zusätzliche Diagnose in Bad Bramstedt recht froh, denn das minimierte meine Zweifel doch sehr.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  5. #15
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 615

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    @Fliegerlein

    von Bad Bramstedt habe ich schon viel gehört.
    Aber eine Klinik kann ich mir beruflich nicht leisten (Befristete Vertrag), und wenn, dann wäre die DBT-Programm wichtiger für mich und es gibt schon eine andere Klinik (Rickling), die ich vertraue.

    Und was bringt mir die zusätzliche ADHS-Diagnose, wenn ich den Medikament, der angeblich hilft, ablehne?

    Und vor allem, hat mir noch keiner meine Fragen beantwortet:

    Wie gehst euch nach der ADHS Diagnose?
    Verletzt ihr euch nicht mehr?
    Seid ihr arbeitsfähig?
    Kene Gefühlschwankunden mehr?

    Erfühlt ihr keine Borderline-Kriterien mehr?

    Das wissen über eine Diagnose, die eigentlich angeboren und unheilbar ist, ist schon ein heftiges Brocken.
    Und wenn diese Erkrankung nicht lebensbedrohlich ist, dann möchte ich schon lieber auf diese Wissen verzichten

  6. #16
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Felis schreibt:
    Und was bringt mir die zusätzliche ADHS-Diagnose, wenn ich den Medikament, der angeblich hilft, ablehne?
    Schwer, dazu eine allgemeingültige Antwort zu geben.

    Ich kann nur aus meiner Sicht und für meine Person sprechen:
    Unabhängig von der Medikation würde ich sagen, dass sich der Umgang mit der ADHS und ihren Beeinträchtigungen ändert.
    Das, wie ich es zu nennen bevorzuge, "ADHS-Management" ist ein anderes.

    Wenn ich die ADHS verstehe, erkenne, anerkenne und akzeptiere, kann ich damit anders, besser umgehen.
    Wenn ich akzeptieren kann, dass einige Beeinträchtigungen nun mal zur ADHS gehören und sich auch nicht ändern lassen, dann kann ich meine Energie auf das Management ausrichten und nicht darauf, die Beeinträchtigung zu bekämpfen/ loszuwerden.

    Kleines Beispiel:
    Jemand, der Farbsehgestört ist, kann bestimmte Farben nicht oder nicht richtig sehen.
    Er kann das trainieren, bis er umfällt, er wird die Farben niemals korrekt sehen können.
    Je mehr er aber übt und trainiert, desto mehr wird er sich seines Scheiterns, seiner Unfähigkeit bewusst und jede weitere, aber unausweichliche Niederlage wird ihn immer mehr und mehr in den Abgrund ziehen.

    Wenn ich aber nun von meiner Farbsehstörung weiß, dann kann ich damit umgehen.
    Ich weiß, dass ich diese bestimmten Farben (in meinem Fall ist es Grün) nicht richtig sehen kann, aber ich kann andere Menschen fragen.
    Und wenn ich vor dem Rechner sitze, habe ich spezielle Programme, mit denen ich die Farbwerte auslesen und daran die richtige Farbe zuordnen kann.
    Und außerdem habe ich inzwischen gelernt, dass ich z.B., wenn ich eine Farbkorrektur gemacht habe (ich habe mal Filme produziert), ich vom Grünwert immer etwas abziehen musste, denn da ich die Farbe schwächer sehe, neige ich dazu, diesen Wert zu hoch anzusetzen und nutze außerdem meine technischen Hilfsmittel.


    All das lässt sich auch auf ADHS übertragen.
    Ohne darauf hier im Einzelnen einzugehen, so gibt es doch viele Dinge, die sich managen lassen.
    Ich weiß, dass sie sind, wie sie sind und ich akzeptiere das, und nutze lieber "Ausweichmöglichkeiten" man könnte auch sagen, kleine "Krücken" oder "Prothesen", mit denen ich trotzdem ans Ziel komme und lasse mir auch von anderen helfen.
    Auf jeden Fall muss ich aber nicht mehr versuchen, meine Beeinträchtigungen unbedingt in den Griff zu bekomme und mglichst "normal" zu sein.

    Ich bin immer noch zerstreut und verpeilt, aber es belastet mich nicht mehr so sehr, es ist halt so.

    Dazu bedarf es aber natürlich keiner speziellen Diagnose, man sich auch einfach so akzeptieren wie man ist .


    Zu Deinen Fragen:
    Felis schreibt:
    Wie gehst euch nach der ADHS Diagnose?
    Da kommt eine ganze Palette an Gefühlen hinterher...:
    - Anfangs Erleichterung, endlich zu wissen, mit wem oder was man es zu tun hat, seinen "Gegner" nun zu können sozusagen.
    - Dann Wut darüber, es nicht früher erfahren zu haben, man hätte so vieles anders machen und vermeiden können
    - Dann folgte Traurigkeit und Verzweiflung, eben so wie Du es beschrieben hast, man hat eine unheilbare Störung ...
    - Zwischendurch gab es auch so etwas wie eine ... wie soll ich das beschreiben ... "Pseudo-Akzeptanz", es war keine wirkliche Akzeptanz.
    - Letztlich kam die echte Akzeptanz.
    Ich bin ok mit mir und den Störungen.
    Sie sind da, ich bin da, ich bin wegen dieser Dinge kein schlechterer und kein besserer Mensch, ich bin wie ich bin und weiß nun, dass ich auch so sein darf.
    Das ist unglaublich entlastend.

    Ich lerne, damit umzugehen, die ADHS zu managen und mit ihr zu leben, nicht gegen sie.
    Sie wird gewiss nie mein Freund sein, aber sie ist auch nicht mehr mein Feind.
    Genauso gilt es auch für die anderen Probleme, die die unentdeckte ADHS mit sich gezogen hat, darunter zwanghafte PS, schwere rezidivierende Depressionen, Angststörung, Spannungsschmerzen etc.

    Felis schreibt:
    Verletzt ihr euch nicht mehr?
    Ich habe es in einen anderen Kanal lenken können, war aber auch von SVV nicht in der Art betroffen.

    Felis schreibt:
    Seid ihr arbeitsfähig?
    Nein.
    Derzeit voll erwerbsgemindert.
    Das liegt aber nicht an der ADHS an sich.
    Sowas passiert halt, wenn man sich dagegen wehrt und meint, es mit einer solchen Störung aufnehmen zu können und natürlich hat sich da in den 45 Jahren bis zur Diagnose so viel aufgebaut, dass letztlich das alles zum Zusammenbruch geführt hat.
    Das ist das Problem bei unentdeckten ADHS-Betroffenen ... die Komorbiditäten im Schlepptau werden immer schlimmer und irgendwann kommt der Crash.

    Felis schreibt:
    Kene Gefühlschwankunden mehr?
    Erfühlt ihr keine Borderline-Kriterien mehr?
    Das kann ich leider nicht beantworten, da kein Borderline-Betroffener.
    Aber dennoch sind auch bei mir diese Symptome, aber eben ADHS-typisch vorhanden, aber besser.


    Felis schreibt:
    Das wissen über eine Diagnose, die eigentlich angeboren und unheilbar ist, ist schon ein heftiges Brocken.
    Und wenn diese Erkrankung nicht lebensbedrohlich ist, dann möchte ich schon lieber auf diese Wissen verzichten
    Das kann ich verstehen und es ist auch ok!

    Mir persönlich hat das Wissen geholfen, denn das war für mich der Weg in die Akzeptanz.
    Ob die Störung nun angeboren oder unheilbar ist, ist mir egal.
    Ich kann sie managen und kann damit leben, sogar inzwischen wieder gut leben.

    Es ist halt wie's ist

    Ich hab auch eine Zwanghafte PS, die ist zwar nicht angeboren, gilt aber auch als nicht heilbar.
    Ich bin eben so.

    Für mich ist es ok.
    Der Weg bis zur Akzeptanz war nicht leicht, wie bei keinem, den ich kenne, inkl. vieler hier im Forum, aber er war, zumidnest für mich, nützlich und hilfreich.
    Geändert von Fliegerlein (25.04.2015 um 15:50 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  7. #17
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 615

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Klingt für mich so, als wäre die ADHS ein Weg in die Frührente.
    Ich gehe lieber im Kampf zugrunde, als wenn ich es akzeptiere

  8. #18
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Felis schreibt:
    Klingt für mich so, als wäre die ADHS ein Weg in die Frührente.
    Ich gehe lieber im Kampf zugrunde, als wenn ich es akzeptiere
    Die meisten ADHSler gehen bis zur Altersrente arbeiten, die, die EU-Rente bekommen, haben dies wegen Komorbiditäten, ich kenne keinen der eine Rente allein wegen ADHS hat.

    Ich glaube sogar, das mehr Borderliner Rente haben, als reine ADHSler.

  9. #19
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Felis schreibt:
    Klingt für mich so, als wäre die ADHS ein Weg in die Frührente.
    Das ist natürlich Unsinn und stimmt nicht.
    Wie auch immer Du auf sowas kommst.
    Da gibt es genug andere Erkrankungen, die da weit schwerwiegender sind.

    Und ich habe extra auch, wie ich hoffte deutlich, dazugeschrieben, dass es ein ziemliches Gesamtpaket ist, das letztlich zu der momentanen Erwerbsminderung geführt hat.

    Dazu gehören neben den genannten auch andere Diagnosen, aber daraus nun den Schluss zu ziehen, dass ADHS ein Weg in die Frührente ist, ist Quatsch.


    Felis schreibt:
    Ich gehe lieber im Kampf zugrunde, als wenn ich es akzeptiere
    DAS ist der sichere Weg in die Frührente .

    Es war keineswegs die ADHS, die mich in die Erwerbsminderung gebracht hat, sondern genau dieser Kampf, den ich gegen mich selbst und meine Beeinträchtigungen geführt habe, der letztlich für den Zusammenbruch gesorgt hat.

    Ich habe "es" bekämpft, ich wusste ja nicht mal was es war ....

    Aber wie gesagt, da war mehr, als nur ADHS, ich bin ebenfalls zwanghaft, bzw. Asperger und gewiss ist auch durch väterliche Gewalterfahrungen in der Kindheit eine Traumafolgestörung vorhanden, aber all das ändert nichts an der ADHS, die ist und war so oder so da und ich kann nur sagen:
    Der Kampf ist der sichere Weg ins Aus, während die Akzeptanz der sicherere Weg in ein gutes Leben und Berufsleben sein kann.
    Um bis an den Punkt einer Erwerbsunfähigkeit zu kommen, bedarf es aber erheblich mehr, als "nur" einer ADHS ("nur" wieder im Sinne von "ausschließlich")
    Und bedenke, dass ich Mitte Vierzig war, als ich meine Diagnose erhalten habe und überhaupt wusste, was los war und bis dahin hat sich eine ganze Menge Dämonen angesammelt ...

    Deine Darstellung ist sehr fatalistisch und wie auch immer, ich hab nicht die Absicht sie Dir zu nehmen oder Dich von etwas anderem zu überzeugen, aber meine Erfahrung zeigt, dass genau das der direkte Weg in den Burnout ist ...
    Aber meine Erfahrung zeigt mir auch, dass jeder seine eigenen Erfahrungen machen muss und (leider) selber gegen die Wand fahren muss, um das zu realisieren, da helfen keine Worte.


    Aber die Schlussfolgerung, dass ADHS der Weg in die Frührente ist, ist vollkommener Quatsch, das stimmt nicht.
    Da braucht es schon ein ziemlich unfangreiches Gesamtpaket, bevor man dahin gelangt.
    Es sind vielmehr die Komorbiditäten, die letztlich dahin führen und das passiert, wenn eine ADHS unbehandelt oder unerkannt ist ...

  10. #20
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 85

    AW: Benötige Hilfe bei der Differenzierung ADHS / Borderline

    Felis schreibt:
    Klingt für mich so, als wäre die ADHS ein Weg in die Frührente.
    Ich gehe lieber im Kampf zugrunde, als wenn ich es akzeptiere
    Schulligung, aber kann's sein, dass du grade n bischen am Missionieren bist, oder so? ^^ Ich kann ja verstehen, dass man so viele Menschen wie möglich mit der für sich gefundenen Lösung erleuchten will, aber Menschen sind unterschiedlich, Umstände sind unterschiedlich und eine ADHS-Diagnose zu akzeptieren hat vermutlich noch nie jemandem die Frührente beschert.

    Um deine Fragen zu beantworten: Mir geht es nach der Diagnose DEUTLICH besser, habe schon vor der Diagnose das SVV weitestgehend eingestellt, bin arbeitsfähig (mit MPH definitiv mehr als ohne), habe immer noch Gefühlsschwankungen die aber nach wie vor zu den weniger beeinträchtigenden Problemen in meinem Leben gehören und die PBD-Kriterien habe ich ohnehin nur phasenweise erfüllt als ich meine erste fette Depression hatte.

    Übrigens würde ich schon sagen, dass die Stigmatisierung von BPD heftiger ist als bei ADHS. Zum einen in Beziehungsfragen, wo Borderliner ja zum Teil als das personifizierte Böse dargestellt werden. Zum anderen im medizinischen Bereich und das ist dann richtig übel. Ich habe mehrere Bekannte die mit nicht ganz eindeutigen Symptomen zum Arzt gegangen sind und aufgrund der Diagnose von Einbildung bis Manipulation alles mögliche unterstellt bekommen haben, nur keine tatsächliche Krankheit. Insofern bin ich echt froh, dass die Diagnose in meiner Krankenakte nicht mehr drin steht.

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