Seite 12 von 12 Erste ... 789101112
Zeige Ergebnis 111 bis 114 von 114

Diskutiere im Thema Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #111
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt?

    Die Diagnose "ADHS" werde ich niemals voll und ganz akzeptieren können. Diagnoserichtlinien- und Kriterien unterliegen einem kontinuierlichen Wandel. Wer weiß denn schon, in welche diagnostische Schublade man mich/uns in 50 Jahren packen würde? Wichtig zu sagen ist, dass mir ADHS spezifische Literatur/Therapie geholfen hat um wieder auf die Beine zu kommen, indem ich gelernt habe mich SELBST besser zu verstehen und, dass diese mir auch in Zukunft dabei helfen wird, Schritt für Schritt meine SELBSTakzeptanz zu festigen.
    Geändert von Pfandpirat ( 4.01.2015 um 22:51 Uhr)

  2. #112
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 909

    AW: Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt?

    Swidi schreibt:
    ... bei mir war das Akzeptieren der Diagnose ADHS ein recht langer Prozess mit vielen Zweifeln. Ob ich damit schon am Ende bin oder ob das ein lebenslanger Prozess ist, weiß ich noch nicht. Momentan habe ich es realisiert und akzeptiert. Das hat allerdings nach der offiziellen Diagnose über 1,5 Jahre gedauert...

    Wie habt ihr das erlebt?

    Hallo Swidi,

    für mich war die Diagnose erstmal eine Erlösung von schmerzhaften Schuld- und Versagensgefühlen, Selbstverachtung, Selbstvorwürfen und einem allgemeinen, ganz grundsätzlichen Gefühl von Minderwertigkeit.

    Als die Diagnose gestellt war konnte ich sie in der ersten Zeit auch nicht so richtig "glauben", weil ich beständig befürchtete, ich könnte es mir damit "zu einfach machen".

    In dem Zeitraum nach der Diagnose habe ich alles dazu gelesen und gelernt, was ich in die Finger bekommen konnte und habe mich auch für die Abschlussphase und in einigen Abschlussprüfungen mit dem ADHS-Thema als Spezialthema beschäftigt.

    Vor allem die neurophysiologische Forschung dazu hat es mir angetan.

    Mit dem Wissen über den (derzeitigen) Stand in der Forschung, was die Erblichkeit, die Neurotransmitter- und auch Strukturveränderungen im ADHS-Gehirn anbelangt, kann ich mich selbst endlich verstehen. Besser begreifen. Gnädiger mit mir selber sein.

    Ich bin stinkwütend, dass die öffentliche Diskussion in den Medien und die tendenziöse Berichterstattung über "Gehirndoping" und "ADHS als nicht-existente, gemachte Störung" usw., usw., mich Jahre meines Lebens gekostet hat. Denn aufgrund dieser Meinungsmache hatte ich mich lange nicht getraut, mit meinem Eigenverdacht eine Neurologin aufzusuchen.... Das passiert mir nicht nochmal!

    Ähnlich wie du empfinde ich das Leben *nach* der Diagnose auch als Prozess im Umgang mit der ADHS an sich.

    Wie sehen denn bei dir die beschriebenen "Zweifel" aus?

    Liebe Grüße,

    Luzie

  3. #113
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 770

    AW: Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt?

    Ich hatte damit keine großen Probleme, sondern war eher froh. Hatte immer irgendwie das Gefühl, am falschen Ort unter den falschen Leuten zu sein und hab dann nach möglichen Erklärungen für meine Wahrnehmung gesucht.

    Hab mich dann erst mit HB auseinander gesetzt und hab dann aber nicht die Resultate bekommen, die auf HB bei mir schließen lassen würden. Dann bin ich aber bei nem IQ-Test von ner Psychologin drauf hin gewiesen worden, dass ich ADHS haben könnte. Und ja, tatsächlich
    Insofern wars einfach das Ende einer längeren Odyssee, wobei die Diagnose für mich nie mehr als eine Erklärung war/sein wird.

    Fühl mich da jetzt nicht irgendwie ausgeliefert oder so, sondern finde, dass ich mein Leben doch irgendwie noch in der Hand habe

  4. #114
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 371

    AW: Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt?

    Einwenig lang, darf also vom Moderator gerne verschoben erden

    Ich wurde vor knapp 4 Jahren ADS diagnostiziert. Dies nahm eine große Last von meinen Schultern. Ob anerzogen, Bestandteil meine Individualität oder Trauma der Kinderseele mit Tod und Gewalt – ich hatte da meine Probleme und habe sie noch.
    Prägend war für mit die klare Ziel- und Aufstiegsorientierung im Rahmen meine Möglichkeiten. Damit setzte ich mir in aussichtslosen und als gescheitert gefühlte Lebensepisoden unter Druck.

    Fehler gehören zum Leben und ohne Fehler hat man nicht gelebt. Daraus folgt aber auch, das wir das sind, zu dem uns die kleinen und großen Lebensentscheidungen gebracht haben. Diese scheinbaren Fehler des Lebens sind das Salz in der Suppe des Lebens die uns zu dem machen was wir sind – und wer wollte jemand anderes sein als er selbst?

    Diese Zielorientierung zu einem einfachen Leben mit guten Job, Beziehungen die man aufbauen und pflegen kann weil man in einem festen Umfeld leben kann. Dies führte zu zahlreichen Anstrengungen der Weiterbildung. Irgendwann kam der techn. Betriebswirt IHK (ohne Meister) und weitere. Bei der Diagnose wurde ein wenig gestaunt und dies als Beispiel selbst entwickelter Kompensationsstategien interpretiert (sie haben leichtes Ads, ..., und noch was anderes, was wir in der kürze nicht ermitteln konnten). Auch diese Zielorientierung wurde mir attestiert.

    Den Rat eine Verhaltenstherapeutische Behandlung zu beginnen konnte ich nicht umsetzen. Ich schrieb zwar in der Umgebung alle an, aber zum einen war das feedback bescheiden und zum anderen ist mir das eigene Geld verdienen wichtig. So arbeite ich als Nordlicht als „Entwicklungshelfer in Bayern“. Die Zeit der Arbeitslosigkeit hat mich leider zu sehr geprägt.

    Die Diagnose nahm ich nach dem Tod meiner Mutter in Angriff. Aber wir das so ist: redest du noch mit deinen Geschwistern oder habt ihr schon geerbt. Genau, beim ersten mal lachte ich auch über diesen Spruch. Nach dem unter Druck setzen durch eine Schwester (naja, Magister der Sozialpädagogik wissen alles besser und Kommunikation ist ihre Schwäche), ist mir das Lachen vergangen. Eine weitere Lebenserfahrung, die mich tief geprägt und verändert hat. Leider nicht zum Besten.

    Als Resümee kann aber sagen, man darf nicht immer so verkrampft sein und sein Leben leben. Es sind viele Dinge, deren Eigenschaften ADSler so Anstrengend machen. Viele habe ich versucht bei mir zu entdecken und zu minmieren. Man muss nicht jedem die Welt erklären und verbessern. So genieße ich es inzwischen, wenn Leute mir etwas besserwisserisch erklären, was ich doch schon weiß oder man mir eben nur Blech erzählt. Ich muss andere nicht verbessern.
    Die Analysefähigkeit der Situation habe ich ein wenig ausgebaut. Dazu gehört das erkennen von Situationen, wo man weniger bis nichts erzählt.

    In dem Hobbybereich hineingerutscht bin, höre ich sehr genau zu. Bei einen Treffen erzählte jemand die Geschichte von ihrem Freund und seinem „Spezialrad“, das er endlich nach drei Jahren angeschafft hatte (nun hatten beide solche Teile). Fazit für mich: du kannst nicht bis 75 warten zur Erfüllung deiner Träume.
    Ok, wer mich kennt, weiß wovon ich rede. Also fahre ich nun auch so ein Spezialrad. Der Winter kam in diesem Jahr mild daher und ich entschloss mich also eine Radtour von Bayern in die norddeutsche Tiefebene und nach Weihnachten wieder zurück zu machen. Bestandteil der neuen Philosophie: lebe dein Leben. Und wenn etwas schief läuft, dann locker bleiben, Problem lösen soweit überschaubar – es wird schon gut.
    Natürlich übersehe ich eine Kurve und fahre geradeaus in einen Acker. Den Schaden konnte ich nicht ohne weitere lokalisieren und nach einigen Reparaturen im Wohnzimmer kam das böse erwachen auf der Rückfahrt: Bruch am GFK (Aufnahmepunkt eines tragenden Teils). Und natürlich geht alles schief. Nach dem dritten Platten entscheide ich nur noch 60km zu fahren und dann umzudisponieren. Nach 8 km der vierten Plattfuß und es ist klar, umdisponieren. Tatsächlich bringt mich jemand mit dem Anhänger zu einer Übernachtungsmöglichkeit. Ich hole mir aus einem anscheinend strategisch nah gelegenen Ort den Mietwagen. Natürlich hat der Mietwagen eine Panne und muss getauscht werden (nach 4 h). Natürlich schaffe ich es nicht mehr am gleichen Tag zum Spezialbetrieb um die Reparatur zu beginnen. Dennoch fahre ich hin, kann dort schlafen und am morgen wird mit der Reparatur begonnen. Im Grunde stressig, aber es ist doch schön wenn es klappt – alles wird gut.

    Die Tage sind intensiv wenn man sich traut. 4 Tage tolle Radtour die mich entspannt haben. Interessante Leute kennengelernt. 5-6 Tage Pannenbehebung und Rückfahrt mit ebenso interessanten Leuten. Und alles wird gut.

    Die Diagnose war ein Meilenstein. Es hat mit hingeführt zu eine Begabung und Nichtbegabungsliste. Zwar habe ich hier und da mal etwas von ADHS/ADS gehört, auch auf eine Sportweiterbildung, jedoch nur gehört. Verstanden habe ich es bis heute nicht was es ist – nur erahnen, was es sein könnte.
    Der Meilenstein zog die Erkenntnis hinterher, dass ich Muster in meinem Leben ändern muss. Dies beschrieb ich ansatzweise.



    Der Meilenstein ADS Diagnose

    Die Diagnose war kein Meilenstein, wie wir sie kennen. Kein Grenzstein am Weg des Lebens, wo man aufatmet, weil man es soweit geschafft hat. Er fiel langsam vom Himmel und wirbelte in meinem inneren viel Staub auf. Ein kleines Erdbeben, das Strukturen ermöglicht, verborgenes zum Vorschein bringt und einem Teil den Unbenannten einen Namen gibt.

    Dann dem Tode meiner Mutter traute ich mich eine Diagnose abzuklären. Eigentlich wollte ich nur bestätigt haben: kein ADS.
    Nun muss man hinzufügen, das ich eine seelisch belastende Kindheit hatte (angespannte ehe meiner Eltern, Todesfälle in der Familie).
    Bei einem Sportseminar habe ich das erstemal intensiver etwas über ADHS und dem stillen Bruder ADS gehört. Damals dachte ich noch:“ mhm, vielleicht .... ach nöööööö. „

    Also gut, die Diagnose gab dem einem Chaos einen Namen in meinem Leben. Es folgte eine sehr intensive Zeit der Beschäftigung im AD(H)S, besonders aus sehr guten Beiträgen im entsprechenden Forum.
    Die Beschäftigung war so intensiv, das mir im Job schon mal etwas herausrutschte auf dem Bezug zum AD(H)S.

    Die Vorteile zu AD(H)S, geprägt von schlecht erzogenen und undiziplinierten Kindern, kenne auch ich jetzt, nachdem ich mich so intensiv damit beschäftigte. Das Trennen von schlechtem benehmen, asozialem Verhalten und AD(H)S lernte ich erst hier. Ein sehr interessantes Thema.

    Wichtig war der Katalog von potenziellen Nachteilen und Vorteilen. Wie vielen anderen, erkannte ich mich wieder.
    Der Katalog ermöglichte mir, Defizite zu erkennen und bewusst damit umzugehen. Auch Vorteile fand ich. Es ist nicht nur eine Belastung.

    Ich hatte gerade mal einen Job in meiner Heimat und nahm paarmal an Treffen teil.

    Nach fast 1,5 Jahren sank mein Interesse merklich. Ich wusste, was ich hatte und therapeutische Hilfe fand ich nicht. Also Kompensationsstrategien entwickeln.
    Einem Leitspruch der Freimaurerei blieb ich treu: arbeite an deinen eigenen Stein. Leider arbeite ich immer noch alleine am Stein meines Lebens.

    Die Diagnose begleitet einen immer. Man sieht Leute mit und ohne, erkannt oder nicht erkanntem AD(H)S.
    Betroffene ohne und mit Kompensationsstrategien, einige jammern, andere kämpfen.
    AD(H)S ist immer verbunden mit der Individualität und Persönlichkeit des einzelnen.

Seite 12 von 12 Erste ... 789101112

Ähnliche Themen

  1. wie lange hat es denn bei euch gedauert?
    Von Kleinmelina im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 3.02.2014, 23:43
  2. Wie seid ihr zu eurem Job gekommen und wie lange hat es gedauert?
    Von Goshawk im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 0
    Letzter Beitrag: 14.08.2013, 20:56

Stichworte

Thema: Wie lange hat es gedauert bis ihr die Diagnose akzeptiert habt? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum