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Diskutiere im Thema Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 23

    Frage Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Hallo,

    Ich würde gerne eure Meinung und Erfahrung zu diesem Thema hören: Meint ihr, dass man auch im Erwachsenenalter unter AD(H)S leiden kann, auch wenn es in der Kindheit wenig bis keine Anzeichen dafür gegeben hat?


    Hintergrund ist folgender: Ich war mittlerweile bei 2 Psychiatern und habe mit diesen Gespräche geführt. Während der eine mich mit einer Verdachtsdiagnose ans AKH Wien weitergeleitet hat, meint der andere ich bin ein schwieriger Fall, da zwar jetzt schon die Symptome vorliegen, ich aber in der (auch höheren) Schule keine Probleme hatte und auch keine einschlägigen Verhaltensweisen im Kindesalter gezeigt habe bzw mich zumindest nicht daran erinnern kann.

    Es stehen noch weitere Tests aus, aber ich würde gerne wissen wie das bei euch so war - dass viele schon in der Kindheit hyperaktiv und unkonzentriert waren ist mir bekannt, aber gibt es auch jemanden hier, der eigentlich eine größtenteils "ADHS-freie" Kindheit hatte und nun eine Diagnose erhalten hat?

  2. #2
    Lysander

    Gast

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Klare Antwort: Ja. Ich war als Kind nicht sonderlich auffällig, lebhaft aber nicht hyperaktiv. Aber ich habe die Mischform. Erst in den 40er Lebensjahren wurden meine Probleme massiv.
    Allerdings wurden mir bestimmte syndromtypische Verhaltensweisen in der Adoleszenz erst im Laufe der letzten Jahre bewusst. Die Eigenwahrnehmung ist bei vielen ADSlern eh gestört und wir dissoziieren häufig. Da wird manche Erinnerung vergraben. Du brauchst also einen Spaten und viel Geduld.

  3. #3
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    da möchte ich folgendes dazu sagen:

    es ist als normal anzusehen, dass sich die Ausprägung im laufe des Lebens ändern kann.
    ich für meinen teil habe den verdacht, dass ich als kind eher hypo war (bis auf Redefluss) - als jugendliche bis zu den mittleren 20ern eher hyper - und dann zu einer Mischform kam.

    ich kann mich sehr erinnern, dass ich auch als kind schon hyperfokus hatte, mir Hausaufgaben wahnsinnig schwer fielen (ALLES am Schreibtisch war besser, toller, der blick aus dem Fenster etc) - aber ich war brav. ein Sonnenschein, ein Mädchen, das lange blonde haare hatte, ins Ballett ging etc. eine beliebte frage meines Vater war "sag mal, bekommst du eigentlich Muskelkater im Mund, wenn du soviel redest?" - vor allem wenn Tagesschau kam um 20 uhr.

    ich konnte damals sehr schlecht einschlafen, Mittagsschlaf war Horror. ich lag im Bett und langweilte mich zu Tode. ich musste trotzdem.

    dafür konnte ich STUN-DEN-LANG riesengroße Puzzles machen. ohne auch nur aufzublicken.

    soweit ich mich erinnere war meine grundschulzeit eine schöne, meine boten waren auch in Ordnung (ich kam dann aufs Gymnasium) - allerdings war in der zeugnisverhaltensbemerkung immer "gesellig" (redet viel) und so zeug drin gestanden. leider finde ich "ums verrecken" meine Zeugnisse nicht mehr (wenn ich bei meinen Eltern nachfrage, ob die sie haben - und ich habe meine Mutter sehr! stark im verdacht auch adhs zu haben - bekomme ich die Antwort "öh, keine Ahnung" - haha )


    was ich damit sagen möchte: ein adhs muss NICHT sein leben lang dasselbe bleiben. es ist normal, dass sich die ausrichtungen ändern können.

    u.u. versuchst du diesen Ansatz mal auf dein (vor)leben anzusetzen und bekommst da vielleicht neue Erkenntnisse?

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 88

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Bei den gängigen Diagnoseverfahren wird oft zuviel Fokus auf die Hyperaktivität und Impulsivität gelegt was zur Folge hat, dass die vorwiegend konzentrationsschwachen, Hypoaktiven durch das Raster fallen. Ebenso fallen die Hypoaktiven in der Schulzeit nicht besonders auf (wer ruhig vor sich hin träumt und keinem auf die Nerven geht ist halt unauffällig) weshalb in Zeugnissen auch nicht immer die entsprechenden Bemerkungen stehen.

    Ich kann mich erinnern, dass ich bereits in der vierten Klasse Schwierigkeiten hatte mich zu erinnern, also extrem vergesslich war. Ich vergaß, dass Hausaufgaben zu machen waren und war wohl sicher derjenige, welcher am häufigsten den Turnbeutel vergessen hatte oder sonstiges Arbeitsmaterial. Insbesondere wenn es hieß:" Zur nächsten Stunde bringt bitte jeder xy mit" war ich mit Sicherheit derjenige, der nix dabei hatte. Auch später war ich nie bei der Sache, hab nebenbei rumgekritzelt und noch später, in Fachoberschule und während des Studiums habe ich mir angewöhnt ständig Cola zu trinken um wach zu bleiben.

    Falls du dich an solche oder ähnliche Dinge erinnern kannst wäre das schon ein Anzeichen für AD(H)S

  5. #5
    ellipirelli

    Gast

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    ich denke, es kommt auch sehr drauf an, WANN du Kind warst..
    Vieles von dem, wo ich heute weiß, das es deutliche Anzeichen waren, wurde damals einfach anders eingeordnet:
    Meine Impulskontrollschwäche und Hyperaktivität war "Temperament", mein Hyperfokus "Begeisterung", mein Unvermögen "ordentlich" zu sitzen war Disziplinlosigkeit
    In den 60ern (meine Grundschulzeit) "gab`s" ja noch gar kein ADHS

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 87

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Ich hoffe ich kann auch ohne Diagnose etwas dazu sagen, schließlich bin ich ja wegen Eigenverdacht hier

    In meiner Kindheit/Jugend gab es auch wenig Anzeichen dafür. Ich war ein schlaues, lebendiges (aber nicht hyperaktives), wissbegieriges Mädchen. Die Leute mochten mich.
    ABER die Hausaufgaben waren schon damals ein total Disaster. Wenn ich etwas nicht gleich verstanden habe und ich einfach Lust auf diese "scheiß Hausaufgaben" hatte, habe ich alle meine Stifte rumgeschleudert und völlig ausgetickt. Meine Mutter hat mich damals Wutbeutel genannt, auch wegen anderen Sachen.

    In einer Mathestunde lernten wir dividieren mit so einem Divisionswal (so schön kindsgerecht ) Was habe ich gemacht? Ich fande diesen gezeichneten Wal total toll und habe die Stunde lang versucht ganz viele tolle Wale zu zeichnen. Dass ich gleichzeitig nicht aufpassen konnte, könnt ihr euch vorstellen.

    Dass ich zumindest einmal meine Hausaufgaben nicht dabei hatte, weiß ich dadurch, dass meine Lehrerin meiner Mutter einen Brief geschrieben hat.. Aber das kommt ja bei anderen Kinder auch vor.

    Mein Zimmer aufräumen sah wie folgt aus: Erst vehement dagegen wehren, was die Mutter von einem will, dann irgendwann merken, dass man keine Chance hat und dann der Versuch anzufangen.. OH, da ist ja eine Zeitschrift, interessant *lesen lesen* jetzt werde ich irgendwie so müüde *zzzZZzZZzzz*

    Also bei mir gibt es da schon so manche Momente, ABER die sind mir erst nach einer gewissen Zeit bewusst geworden/wieder eingefallen. Ich war nie auffällig, weil ich viele Ressourcen hatten und den Charme, dass andere darüber schnell über meine Fehler hinwegsehen konnten oder es einfach nicht aufgefallen ist. Ich denke ich kann einfach sehr gut kompensieren und habe genug andere Fähigkeiten, dass es vorher nicht so sichtbar war. Aber irgendwann versiegt jede Quelle mal - oder wird schwächer

    Vielleicht ist das ja ungefähr auch auf dich übertragbar.

  7. #7
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    ach ja... und obwohl ich in sehr vielem eher schnell bin - hatte ich schon damals das problem, wenn wir ein arbeitsblatt lesen sollten oder eine Seite im buch, dass ich doppelt so lange brauchte wie alle anderen und am ende eh nicht wusste, was drinsteht. puh.

    das sind so dinge, an die ich mich noch genau erinnern kann. das verstand ich nie, warum ich so langsam lese und oft Sätze 5x lesen musste, bevor ich sie mir merken konnte.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    oder lernen für proben - haha. ich habe NIE begriffen, wie andere das machen/konnten, wenn sie schon 1 oder 2 Wochen vorher meinten, sie würden sich schon auf die probe vorbereiten. ich begann immer 1 tag vorher, höchstens 2.

    ich glaub, das hab ich sogar beim Abi so gemacht (das ich übrigens über Umwege mit 23 machte, auch wenn ich anfangs ins Gymnasium kam).

  8. #8
    pi pa po

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 525

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Lilly117 schreibt:

    Mein Zimmer aufräumen sah wie folgt aus: Erst vehement dagegen wehren, was die Mutter von einem will, dann irgendwann merken, dass man keine Chance hat und dann der Versuch anzufangen.. OH, da ist ja eine Zeitschrift, interessant *lesen lesen* jetzt werde ich irgendwie so müüde *zzzZZzZZzzz*

    äh, ja... genau

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 1.388

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Per se schließt eine ADHS-freie Kindheit die Diagnose aus.

    Aber wie schon erwähnt ist die Frage eher, ob die Symptome nur einfach nicht so offensichtlich waren und du evtl ein gutes Umfeld hattest beispielsweise und gute Kompensationsstrategien.

    Man sagt ja nicht umsonst: kleine Kinder kleine Probleme, große Kinder große Probleme. Je älter wir werden desto komplexer unsere Herausforderungen. Daher finde ich es plausibel, dass man seine Symptome lange Zeit eher kompensiert und das irgendwann immer schwieriger wird. Das ist dann in meinen Augen aber keine ADHS freie Kindheit. Somit schließt das auch die Diagnose nicht aus.

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 23

    AW: Erwachsenen-ADHS ohne Kindheits-Auffälligkeiten?

    Schonmal danke für euren vielen hilfreichen Antworten! :-)

    Ich bin mir ziemlich sicher, dass die ADS-Vorzeichen schon in meiner Kindheit vorlagen, wobei ich aber eher der hypo- als hyperaktive Typ war/bin.
    Ja, ich hatte ein gutes Umfeld und gute Kompensationsstrategien.
    Lilly117's Beitrag trifft auch voll aus mich zu: schon wissbegierig, aber leicht ablenkbar, Fokus/Konzentration nur auf Dinge die mich wirklich interessier(t)en, oft Vorbereitungen/Hausübungen vergessen/einfach nicht gemacht, ... da ich aber immer einen sympatischen Eindruck mach(t)e und nicht negativ auffiel (eher verträumt) kam ich trotzdem mit guten Noten und ohne Probleme durch.
    All das passt voll und ganz auf mich.

    Die Probleme fingen dann erst richtig in den letzten Jahren der höheren Schule und im Job an... Erst als komplexes Denken und volle Konzentration auf ein Projekt wichtig wurden merkte ich meine deutlichen Defizite.

    Mein Problem ist nun, dass die Ärzte/Psychiater natürlich fast nur auf die Hyperaktivität im Schulalter prüfen/abfragen/eingehen. Ist die nicht gegeben, gibts auch keine Diagnose / weitere Schritte :-/

    Weitere Erfahrungen, wie ihr das gemanaget habt bzw wie euer Arzt/Psychologe/Psychiater darauf regiert hat bzw doch auf AD(H)S (oder auch etwas anderes) gekommen ist, sind natürlich willkommen :-)

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