Zeige Ergebnis 1 bis 5 von 5

Diskutiere im Thema Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks?

    Hallo,
    ich möchte Euch hier mal die Gründe für meinen Verdacht auf AD(H)S bei mir vorstellen.

    Evtl. kann der eine oder andere etwas dazu sagen und ggf. schon ein paar Tipps geben.

    Meine Probleme in zwei Schlagworten: Wut und Disziplinlosigkeit.

    Ausführlicher:

    Disziplinlosigkeit

    - Probleme mit dem Aufräumen: Entweder ging das gar nicht, da ich schon bei geringer Unordnung nicht wusste, wo ich anfangen sollte.
    Inzwischen habe ich eine Methode:
    Alles von einer Sektion (Boden, Tisch etc,) kommt in eine Kiste, von der aus es dann kein Problem ist, die Sachen weg zu legen. Liegen sie auf dem Boden etc. weiß ich nicht, was nehmen und wohin legen und lege es manchmal sogar aus Hilflosigkeit zurück.
    Dazu kommt, dass geringe Unordnung bei mir das Geühl hinterlässt, stunden- bis tagelang für die Beseitigung zu brauchen. Es sieht dann zwar aus Platzmangel auch für andere verboten aus, das Aufräumen dauert aber de facto meist nur eine halbe Stunde.
    Super aufräumen kann ich, wenn ich weg muss und nur 5 min Zeit habe.
    Wenn ich den ganzen Tag Zeit habe, schaffe ich nichts, da ich nicht weiß, wo und wie ich anfangen soll und mich vor einem riesigen Berg sehe...

    - Probleme mit der Regelmäßigleit:
    Typisch: Montag wird das Badezimmer gesäubert und gewischt.
    Dienstag sieht es noch ganz gut aus - wozu etwas machen, das sieht man doch nicht, es lähmt mich dann, dass es sauber ist.
    Mittwoch sieht es evtl. auch noch "zu sauber" aus.
    Donnerstag könnte man mal wischen, es geht aber noch einen Tag.
    Freitag MÜSSTE man wischen, inzwischen sieht man aber den Staub so deutlich, dass mich DIES wiederum lähmt.
    Im Endeffekt kommt es frühestens am folgenden Montag zur nächsten Reinigung, allerdings nicht aus Gewohnheit, oder weil wieder Montag ist.

    - Zeitstress:
    Ganz übel.
    Wiederholt diese Situation:
    Termin um 17 Uhr, dafür muss ich um 16:15 das Haus verlassen.
    Der ganze Tag ist von dem Termin überschattet, d.h. wenn ich frei habe, mache ich nichts anderes (Sinnvolles) an dem Tag, da ich ständig denke, dass ich dazu keine Zeit habe. Meist fange ich trotzdem etwas an, nach langem Überlegen und Planen um 14:30, das ich dann mittendrin abbrechen muss.
    Um 15 Uhr überlege ich dann, was ich bis 16:15 machen soll.
    Um 15:30 Uhr fange ich etwas an***, um 16:10 Uhr bin ich voll konzentriert und denke dann, ach, ein paar Minuten kannste ja noch.
    Um 16:20 Uhr könnte ich stundenlang mit dieser Sache weitermachen, denke aber parallel ans Aufbrechen, kann mich dazu aber noch nicht durchringen.
    Um 16:30 suche ich Tasche, Schlüssel, Busticket und Jacke.
    Um 16:40 renne ich zum Bus, den ich meist verpasse, so dass ich Punkt 17:00 Uhr, eher 17:15 abgehetzt ankomme.

    *** Das, was ich anfange entwickelt sich in etwa so: Ach, ich kann noch mal schnell Geschirr spülen.
    Oh, einmal das Bad wischen.
    Ach, schnell mal etwas im Internet nachschalgen.
    Stimmt, staubsaugen wollte ich noch.
    Muss ich nicht noch dringend jemanden anrufen?
    Wie wäre es mit Geige üben?

    Wut:

    Wut entwickele ich regelmäßig in mäßigen Stress-Situationen auf Dinge und ggf., mich selbst, nicht auf andere.

    Die Stress-Situatione sind meistens banal und wiederholen sich immer.

    Typisch ist z.B., dass ich alle Jubeljahre den Wohnungsschlüssel vergesse (glücklicherweise habe ich einen Mitbewohner).
    Das passiert immer dann, wenn ich etwas Außergewöhnliches mitnehmen oder bedenken muss, z.B. statt des üblichen Tascheninhalts für jemanden oder für einen Termin dringend eine Unterlage, jemandem etwas leihen oder zurückgeben wollte etc.
    Die Situation ist dann immer, dass ich aus der Tür will, Schuhe an, Jacke an, Tasche nehmen, Schlüssel nehmen... Halt! Ihc wollte ja noch X mitnehmen!
    Zurück ins Wohnzimmer, X 10 min suchen, dabei WZ verwüsten.
    Dann X finden, unter Zeitstress (Bus etc.) aus der Tür hetzen, an X gedacht, Schlüssel liegen gelassen.

    Wenn ich an mehrere Sachen denken muss oder im Zeitstress bin s. o. passiert es oft, dass ich zahlreiche Sachen auf einmal machen muss, die eigentlich schon fertig sein müssten (X suchen, Y einpacken, Schuhe anziehen, an den Schlüssel denken, Fenster schließen), so dass ich unfähig werde, z.B. die Schuhe schnell anzuziehen und das mehrfach ansetzen muss und am Ende laut vor mich hinschimpfe.

    Dies passiert auch, wenn ich wieder mal Sachen suche oder allg, ein normaler Ablauf gestört wird, ich etwa etwas kochen will und eine Zutat nicht sofort finde, eine Packung nicht sofort öffnen kann, am Computer etwas nicht sofort klappt.
    Das schlägt sich sofort in extremer motorischer Ungeschicklichkeit nieder und Wut gegen den Gegenstand, der dann gerne mal durch die Gegend geworfen wird (nicht der Computer .

    Lähmung:
    Ich setze mich sehr oft selbst außer Gefecht.
    Meist durch selbst gesetzte Grenzen oder Ziele, z.B. um oder bis 17 Uhr etwas zu tun/ schaffen. Um 17:01 Uhr verwerfe ich das völlig, wenn es noch nicht geschafft ist, und mache etwas ganz anderes. Oder: Im Monat 100 € für Lebensmittel auszugeben. Dann kommt etwas dazwischen, ich brauche mehr, aber statt dies knapp zu halten, sage ich mir, wenn ich bis zum 20. schon 80 € ausgegeben habe, ach, nu' is' eh egal und kaufe etwas anderes, statt 120 € auszugeben und den Rest zu sparen.
    Sobald eine Grenze ansatzweise überschritten ist, werde ich vollkommen disziplinlos.
    Meist sind die Grenzen zusätzlich zu eng gesteckt, z.B. 300 S. Fachbuch pro Tag lesen.

    Grundsätzlich fällt es mir sehr schwer, etwas anzufangen, wenn ich Zeit habe und leicht, etwas anzufangen, wenn ich (eigentlich) keine Zeit (mehr) habe.
    Und extrem schwer, jeden Tag das Notwendige/ Gleiche zu machen, jedenfalls rechtzeitig.
    Da kommen immer Gedanken wie "reicht das nicht noch morgen/ später", "das ist doch noch nicht notwendig", "stattdessen könnte ich auch...".

    Z.B.schaffe ich es (fast) NIE, morgens ohne Not aufzustehen und mich anzuziehen, sondern mache das meist in letzter Sekunde, bevor ich losmuss, egal, wann ich los muss.
    Am WE gehe ich so auch in letzter Sekunde in die Stadt, immer so, dass ich knapp vor Geschäftsschluss ankomme, selten so, dass ich noch ausreichend Zeit zum Bummeln habe.

    Dazu kommt ein enormer anerzogener Druck à là "Du darfst nicht so spät ins Bett gehen/ nicht so lange schlafen", "das hättest du früher anfangen/ fertig machen müssen", "das ist peinlich, jeder andere kriegt das auf die Reihe".

    Inzwischen ist es so weit, dass sogar selbst gesetzte Hobbyprojekte betroffen sind.
    Ich mache z.B. Foodfotografie und erstelle mir einen Plan, was ich die Woche fotografieren will.
    Das sieht so aus, dass ich Montag 10 Gerichte aufschreibe und dafür einkaufe.
    Pro Tag müsste ich also 1 bis 2 Gerichte kochen und fotografieren.
    Montag wird das nichts, es gibt Fertigpizza.
    Dienstag also 3 Gerichte zubereiten.
    Das wird wieder nichts, am Mittwoch dann auf jeden Fall 5 Gerichte zubereiten.
    Mittwoch ist das erste Gemüse von Montag (Blattsalat etc.) vergammelt.
    Mittwoch schaffe ich ein Gericht, müsste dann aber am Donnerstag am besten vier machen.

    Fazit der Woche ist, dass ich vielleicht 2 Gerichte schaffe, eine neue Liste von 20 Gerichten oder mehr habe, viele LM vergammelt sind.

    Die Liste wird allerdings immer länger, und dadurch komme ich zu gar nichts, denn statt anzufangen mit etwa ganz einfachen Gerichten, oder nur Zutaten zu fotografieren, setze ich mich selbst immer mehr unter Druck.

    Auch diese Situation ist typisch für viele andere, illustriert aber sehr gut, dass der Druck nicht von außen kommt, denn niemand schreibt mir vor, dass, was oder wie viel ich fotografieren soll.

    Das war's erst mal von mir, jetzt seid Ihr dran!

    Fidi

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks?

    War das denn schon immer so oder hat es sich entwickelt?

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 3

    AW: Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks?

    Hallo creatrice,

    danke für Deine Frage.

    Hm, tendenziell war das schon immer so, denke ich, nur früher wurden mir natürlich viele Entscheidungen abgenommen durch Eltern und Vorgaben von Lehrern etc.
    Den Zeitstress hatte ich schon immer - irgendwann habe ich bewusst das Frühstücken aufgegeben, damit ich morgens etwas mehr Zeit hatte bzw. im Bett bleiben konnte, bis ich nur noch 15 min übrig hatte - und dann ging's an Eilen.


    Die Wut hat sich evtl. langsam gesteigert.
    Das kann ich aber auch schlecht beurteilen, weil das in meinem Elternhaus eher ein "verbotenes" Gefühl war, für das man belächelt wurde und das man also versuchte, nicht zu zeigen.

    Halt das Grundproblem, Disziplin/ Ordnung und ggf. Wut, wenn etwas nicht so klappt, wie es soll, war aber auf jeden Fall schon mit 9 Jahren vorhanden, davor bin ich nicht sicher.

    Liebe Grüße von
    Fidi

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 108

    AW: Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks?

    Hallo Fidi,

    vieles von dem was Du schilderst erinnert mich an mich selbst. Vor allem diese Lähmung die Du beschreibst und das Problem mit der Zeit. Bei mir wurde letzte Woche (oder vorletzte Woche? Sorry kein Zeitgefühl) die ADS Diagnose gestellt. Ich kann also nur von mir berichten und so wie Du Dich beschreibst könnte AD(H)S bei Dir ebenfalls vorliegen.

    LG,
    Ainee

  5. #5
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 750

    AW: Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks?

    hallöchen,

    fasziniert habe ich deinen bericht gelesen.

    ich erkenne mich sofort wieder.

    ich werde mich nächsten monat vom facharzt diagnostizieren lassen und
    dann alle therapiemöglichkeiten in anspruch nehmen um eine besserung zu erzielen.

    selbst vor medikamenten schrecke ich nicht mehr zurück. der leidensdruck wird immer größer.

    du könntest versuchen nicht so streng zu dir zu sein und mal ganz bewusst versuchen es einfach laufen zu lassen
    und dich ein wenig locker zu machen. mir hat es geholfen und der druck ist weniger geworden.

    es gibt immer eine lösung und einen weg, jeder muss ihn selbst finden und gehen.

    ich hoffe du findest deinen weg schon bald. alles gute

Ähnliche Themen

  1. Vorschlag für Tipps/Tricks Studium und Beruf
    Von Ikarus im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 22.09.2013, 13:35
  2. Tipps und Tricks für ein angenehmes Arbeiten
    Von BlackShark im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 13
    Letzter Beitrag: 15.09.2013, 17:16
  3. Tipps & Tricks für Konzentration während Prüfungen?
    Von silent_bob im Forum ADS ADHS Studium Beruf und Ausbildung
    Antworten: 5
    Letzter Beitrag: 29.04.2013, 17:31
  4. Tipps und Tricks für unpünktliche ADHSler
    Von Schneewitti im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 6
    Letzter Beitrag: 19.11.2010, 00:04
  5. Tricks und Tipps - Sammlung in unserem Gesundheitssystem!
    Von Sally im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 7
    Letzter Beitrag: 6.05.2010, 15:29

Stichworte

Thema: Ursache AD(H)S? Evtl. Tipps und Tricks? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum