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Diskutiere im Thema Auf der Anklagebank... im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    tam


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 151

    Auf der Anklagebank...

    Huhu,

    nach einer halbjährigen Verhaltenstherapie wegen einem Zusammenbruch beim Praktikum zur Umschulung (Konzentrationsstörungen, Mobbing, Versagensängste), bezogen auf Sozialphobie und einem Verdacht auf ADS (von der Psychologin geäußert),
    einem Zusammenbruch (Versagensängste) nach drei Tagen im neuen Job nach der Umschulung und einem Aufhebungsvertrag,
    dem Einfall, eine Bäckerausbildung zu machen und zwei Testnächten in einer Großbäckerei inkl. dem Gefühl der Überforderung,
    einem positiven Vorstellungsgespräch für eine Stelle im alten Job und meiner Absage, weil ich mir den Job nicht zutraue,
    einem Termin beim Neurologen (wegen Sozialphobie und Verdacht auf ADS), der mir sagte, ich wäre dort falsch, weil er keine psychischen Krankheiten behandelt (mir aber doch Sertralin verschrieb, weil ich da gleich mal wieder losgeflennt habe...),

    hatte ich heute nun einen Termin bei einer Psychiaterin, bei dessen Terminansprache mir auf Nachfrage gesagt worden ist, sie würden auch Patienten mit ADS behandeln.

    Erst mal wurde ein EEG gemacht, wegen dem Verdacht auf ADS sagte mir die Arzthelferin. Da fiel mir ein Stein vom Herzen, weil ich vorher fürchtete, schon wieder falsch zu sein. Denn alle Psychiater in der Nähe von denen ich erfahren habe, dass sie ADS behandeln, haben Aufnahmestopp.

    Die Psychiaterin erklärte mir aber erst einmal, dass sie zwar Ängste und Sozialphobie behandelt, aber ADS bei Erwachsenen nicht. Das gäbe es ja auch nicht .

    Auf meine Nachfrage, was ich denn nun tun könne, sagte sie, wir können die Sozialphobie behandeln. Ich war einverstanden, weil irgendwie muss es ja weitergehen, ich kann einfach nicht mehr.

    Auf ihre Frage, wie es mir mit dem Sertralin geht, sagte ich, dass seit der ersten Einnahme meine Zwangsgedanken (vergangene negative und mögliche zukünftige Konfliktsituationen inkl. Gewalt anderen und mir gegenüber, Selbstmordgedanken) erheblich weniger geworden sind und mir dass eine grosse Erleichterung verschafft. Darauf meinte sie, wenn ich dass also gut vertrage, soll ich dass weiter nehmen und jetzt von 50mg auf 100mg steigern. Eine Wirkung würde erst in 4-5 Wochen eintreten und so lange müsse man erst einmal warten.

    Dann meinte sie bezogen auf die Zwangsgedanken doch noch, dass bei meiner Art Zwangsgedanken eine klassische ADS-Behandlung mit Metylphenidat gefährlich ist, weil Ängste und Depressionen verstärkt werden könnten. Und erst sollten also die Ängste behandelt werden, bevor man über eine ADS-Behandlung nachdenkt. Aha, dachte ich, also doch eine ADS Behandlung im Erwachsenenalter? Was denn nun... Das mit den Ängste und Depressionen hatte ich hier im Forum und an anderer Stelle auch schon gelesen. Aber unschöne Gedanken an unangenehme vergangene Situationen und Ängste hatte ich immer schon, habe lange Zeit Einschlafschwierigkeiten deswegen gehabt und mich mit THS oder Rotwein zum Schlafen abgeschossen (das ist zum Glück Jahre her).

    Auf meine Anmerkung, dass meine Psychologin mir eine stationäre Behandlung empfehlen würde, meinte sie, dass jetzt erst einmal ambulant behandelt werden sollte.

    Auf meine Nachfrage, was mit meinen emotionalen Überreaktionen und Konzentrationsschwierigkeiten ist, meinte sie, dass wüßte sie auch nicht woher das kommt. Und gab mir die Frage sogar zurück
    Ja, warum haben sie emotionale Überreaktionen? Ich weiß es auch nicht
    . Ich habe ihr erzählt, dass ich die emotionalen Überreaktionen schon immer habe, deswegen mich auch mit vielen Menschen verkracht habe, inkl. mehrerer Jobverluste deswegen. Ebenso wegen der Konzentrationsschwierigkeiten, wenn andere im Unterricht bei der Umschulung geredet haben, bin ich irgendwann ausgerastet, während andere normal weiterarbeiten konnten. Da kam zurück, dass ich doch ein erwachsener Mann bin, solche Probleme ja schon öfter hatte und warum ich denn erst jetzt solche Schwierigkeiten damit habe.

    Ich hab' mich wie im falschen Film gefühlt. Das kam so rüber, dass sie mir vorwirft, dass ich solche Schwierigkeiten habe. Vielleicht hatte ich früher einfach mehr Energie dass zu kompensieren bzw. neues anzufangen, habe ich gesagt. Ich kann aber mittlerweile einfach nicht mehr.

    Auf meine Nachfrage, wie es denn jetzt weitergehen kann, auch weil ich arbeitslos bin, meinte sie lapidar, ich müsse mir eben einen Job suchen, in dem man wenig mit Menschen zu tun hat. Meine Umschulung zum Anwendungsentwickler hat ja nun auch nicht den Menschen im Mittelpunkt, trotzdem bin ich im Grossraumbüro total untergegangen und konnte mich nicht konzentrieren. Irgendwie hat man doch in jedem Job mit anderen Menschen zu tun. Dieser Vorschlag von der Psychiaterin war für mich wie 'ne Ohrfeige, ich fühlte mich echt verarscht.

    Dann habe ich es noch gewagt nach einer Krankschreibung zu fragen, weil ich vom Jobcenter aufgefordert werde, mich zu bewerben, ich mir aber zur Zeit nichts zutraue.
    Sie meint, sie sieht mich jetzt zum ersten Mal und kann nicht erkennen, dass ich Schwierigkeiten hätte, mich zu bewerben. Auf mein Nachhaken, dass nach einer Bewerbung dass Vorstellungsgespräch folgt meinte sie
    Sie sind doch erwachsen und habe sich schon öfter beworben. Dann wissen sie doch, dass eine Bewerbung und ein Vorstellungsgespräch zwei verschiedene Dinge sind.
    . Vor allem der Ton war echt oberlehrerhaft. Da war ich mal wieder baff. Wahrscheinlich wollte sie andeuten, dass ich ja noch lange kein Vorstellungsgespräch bekomme, wenn ich mich bewerbe. Meine Quote bei den letzten Bewerbungen war diesbezüglich aber gut.

    Als ich dann meinte, dass ich wirklich nicht mehr könne und mir auch keinen Job zutraue, meinte sie plötzlich, dass sie mir wohl doch eine Überweisung in eine Klinik geben würde. Ich habe das Gefühl, die Psychiaterin wollte mich nur loswerden.

    Ich habe jetzt also eine Überweisung für eine psychosomatische Klinik für ADS mit der Diagnose Soziale Phobien (F40.1G) und ADS (F90.0G).

    Über das Zustandekommen kann ich mich nur wundern . Ich hatte die meiste Zeit das Gefühl dafür angeklagt zu sein, die Schwierigkeiten zu haben, die ich habe.

    Und was bedeutet das G am Ende der Kennzeichnungen?

    Eigentlich ein für mich positives Ergebnis mit einem echt faden Beigeschmack.

    Gleich Morgen frage ich aber bei der Klinik an und erkundige mich nach den Wartezeiten . Es wäre so schön, wenn es weitergeht...
    Geändert von tam (27.09.2013 um 09:07 Uhr)

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Auf der Anklagebank...

    Das G bedeutet gesichert. Echt krass. Keine Diagnostik, aber gesicherte Diagnosen stellen. Geh da bloss nie wieder hin und lass dich in der Klinik nochmal richtig diagnostizieren.

  3. #3
    tam


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 151

    AW: Auf der Anklagebank...

    Ich habe die Psychiaterin darauf hin angesprochen, dass ich für eine Überweisung doch eine richtige Diagnose brauche. Sie meinte, wenn sie das da rauf schreibt reicht das und die weitere Diagnose würde dann in der Klinik stattfinden.

    Ich habe mich auch entschlossen, für eine mögliche Folgebehandlung mir einen anderen Psychiater zu suchen.

  4. #4
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: Auf der Anklagebank...

    Hallo tam,

    das klingt ja wirklich nicht gut.
    Obwohl ErwachsenenADHS seit Jahren beforscht wird, und Thema bei Kongressen, ärztlichen Fortbildungen ist,
    gibt es einfach noch nicht genügend Ärzte, die sich darauf einlassen, sie haben es in der Ausbildung nicht gelernt
    und haben wohl eine Blockade gegenüber der Tatsache, dass irgendwann entdeckt wurde, dass die
    Erde keine Scheibe ist.

    Bei uns gehen die Kinderärzte aus unserem Netzwerk bei den Erwachsenen Neurologen/Psychiater
    hausieren und machen Fortbildung. Schließlich werden jedes Jahr wieder betroffene Jugendliche erwachsen und oft
    werden auch die Eltern behandlungsbedürfig, denn ADHS kann man immer weniger kompensieren.

    Ich wünsche dir, dass du in der Klinik bessere Erfahrungen machst.

    Liebe Grüße
    Gretchen

  5. #5
    Lysander

    Gast

    AW: Auf der Anklagebank...

    Ich glaube, diese Psychiaterin kompensierte selbst, indem sie dauernd den Satz "Sie sind doch erwachsen" wiederholte. Unglaublich. Man geht mit bestimmten Problemen zum Arzt und der Psychiater sagt: "Ich weiß nicht, warum sie diese Probleme haben. Sagen Sie es mir." Da kann man ja gleich mit einer Parkbank reden, die lädt einen wenigstens stumm zum Hinsetzen und Ausruhen ein.

  6. #6
    tam


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 151

    AW: Auf der Anklagebank...

    Ja, eine Parkbank hätte auch mehr Einfühlungsvermögen gehabt .

    Nachtrag:

    Die Verdopplung vom Sertralin auf 100mg macht sich nun genauso bemerkbar wie die ersten Tage mit 25mg und die ersten Tage in der Folgewoche mit 50mg. Ich stehe irgendwie unter Strom aber die Handbremse ist angezogen.

    Interessant finde ich aber noch, dass ich zwar auf die mögliche Verstärkung einer Depression und Ängsten bei einer Behandlung mit Metylphenidat hingewiesen wurde (welches ich ja [noch] gar nicht bekomme), auf die Gefahr, dass sich meine Depression, Zwangsgedanken und Selbstmordgedanken am Anfang der Einnahme vom Sertralin auch verstärken können, hat mir aber weder der Neurologe, noch die Psychiaterin gesagt. Den Beipackzettel habe ich mir aber vollständig durchgelesen, da stand alles drin, auch dass man bei Ängsten mit 25mg anfangen soll, was ich dann ja auch getan habe. Eine Einnahmeanweisung vom Neurologen gab es auch nicht.

    Toll fand ich aber, dass die Schrift vom Beispackzettel eine angenehme Größe hatte!

    So, nachdem ich heute Morgen mit ungutem Gefühl wegen gestern aufgewacht bin, entschließe ich mich jetzt, mich genug geärgert zu haben.
    Schließlich kann ich mich freuen, die Diagnose und damit eine Voraussetzung für eine stationäre Therapie bekommen zu haben.

    Das ich ADS habe, davon ist meine Psychologin auch überzeugt, welche mich ein halbes Jahr in einer Verhaltenstherapie hatte und was an Diagnostik fehlt muss eben in der Klinik nachgeholt werden.

    Viel wichtiger ist, dass es voran geht .
    Geändert von tam (27.09.2013 um 15:34 Uhr) Grund: Nachtrag

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