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Diskutiere im Thema Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 53

    Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Hi Leute!

    Vorgestern habe ich mein erstes Diagnose Ergebnis bekommen. Die zuständige Psychiaterin meinte, ich hätte so gut wie keine testpsychologischen Hinweise auf ADHS laut der Psychologin und wollte mich daher nochmal befragen. Am Ende der Sitzung riet sie mir, legendär, eine Zweitmeinung einzuholen. Und vielleicht eine Psychoanalyse zu machen.

    Zur Vorgeschichte: Ich bin 28, männlich, hochbegabt. Tests, die ich bisher durchgestanden habe (Ich habe ein Faible für Tests. Selber Psychologie und Diagnostik studiert, macht mir viel zu viel Spass), haben jeweils IQ Werte zwischen 131 (min) und 159 (max) ergeben. Je nachdem, wie verplant ich bin, springt mein Score also mal direkt um eine ganze Standardabweichung durch die Gegend. Ich habe meine Werte gespeichert und mein Mittelwert sind 142.
    Damit, allein von meiner Intelligenz und Leistungsfähigkeit, sollte ich im Vergleich eigentlich enorme Leistung bringen. In Schule und Universität. Die Realität: In Der Schule habe ich meine Hausaufgaben grundsätzlich vergessen, da ich am Mittagstisch nichtmal mehr wusste, welche Hausaufgaben es gibt. Ist es mir eingefallen, hatte ich vor der Stunde genug Stress, sie in der fünf Minuten Pause zu machen. Aufgefallen ist das nicht, da ich in diesem kurzen Konzentrationszeitraum unter Stress EASY die Hausaufgaben auf zufriedenstellendem Niveau erledigen konnte.

    In der OST (5.,6. Klasse Niedersachsen) hat mir dazu ein von mir sehr geliebter Englisch Lehrer im Elterngespräch mit meiner Mum mal gesagt: "Shronk, hey, ich weiss, dass du gleichzeitig lesen, nicht aufpassen und trotzdem durchkommen kannst. Sogar als einer meiner besten Schüler, könntest du dann aufhören Steffen abzulenken? DER kann das nämlich nicht!"

    Long story short: Nach meinem ersten Studium hab ich mich hochgewuselt, nach einem Praktikum dort als Assistent der Geschäftsführung angenommen, nach einem Monat dann aber direkt gefeuert worden. Ich war zu unkonzentriert, wirkte "zu sehr mit mir selbst beschäftigt" und absolut nicht detailorientiert. Ich habe Termine der GF vergessen, vergessen Aufgaben zu erledigen (Die ich am Ende sogar sehr aktiv mit Online To Do Programmen getrackt habe, aber man muss sie ja auch detailliert eintragen und war generell, sagen wir, etwas sehr verplant.

    Dann Diagnostik gestartet, zweites Master Studium angefangen. Nach Tests auf Schlafapnoe (Schnarche, Freundin gab Tipp), Tests von allem Möglichen schickte mein AG mich zum Neurologen zur Abklärung einer allgemeinen Aufmerksamkeitsstörung. Nach EEG Tests in Köln dann der Knaller: Er kann die Testpsychologie nicht machen, dazu müsste er mich weiterleiten. In ganz Köln schien jeder, den ich dazu angerufen habe, 400-500€ von mir zu wollen.
    Die UK Köln sagte mir dann, ich müsse nach Aachen da ich für Köln zu alt bin.

    Nach 1 Jahr Wartezeit auf meinen Termin (4 Monate Suche nach gefeuert werden, 8 Monate Wartezeit auf Termin) dann 3 Termine, mit jeweils 6 Wochen dazwischen und dann Ergebnis.

    Wie gesagt, man meine ich habe entweder kein ADHS oder, nur ganz ganz leicht. Eine Psychoanalyse würde mir helfen.
    Ich habe selber Psych. studiert und von einer Psychoanalyse halte ich aus wissemnschaftlicher Sicht ungefähr soviel wie von einem Einlauf mit heissem Kaffee.


    Mein Problem: Die Tests, die durchgeführt wurden, waren alle, bis auf den Vigilanz Test, bei dem ich fast eingeschlafen bin, recht kurz. Ich kann mich aber ca. 1-2 Minuten problemlos bei Tests hyperfokussieren. Teilweise auch bei IQ Tests. "Dieser Scheiss liegt mir im Blut" könnte man sagen. Der d2 Test war zwar unterdurchschnittlich, aber wohl nicht so schlimm. Mein Arbeitsgedächtnis ist überdurchschnittlich. Kein Wunder, bei einem IQ von 140 MUSS es das sein, vor allem da ich zur Stärkung meiner Verplantheit Dual N Back Training gemacht habe.

    Konzentrationsleistung aber insgesamt unterdurchschnittlich. Vigilanztest Unterdurchschnittlich. Bearbeitungsgeschwindigkeit d2 Test überdurchschnittlich (Kein Wunder, ich arbeite lieber SCHNELL.)

    Mein Problem: ich habe einige andere Tests selber gemacht, wie bspw. den Konzentrationstest von Onmeda, einen Long Time d2 (Hogrefe sei dank) und andere. Ich schneide nach 10 Minuten spätestens grottenschlecht ab. Kurze Tests bestehe ich aber mit Bravour.

    Ich habe folgende Fragen:

    Was würdet ihr tun? Verhaltenstherapien machen keinen Sinn. Erstens kenne ich fast alle Studien dazu (Abstracts schaffe ich schnell zu lesen, immerhin) und alle Metastudien sagen : Funzt nicht. Nicht ohne Medikation. VT funzt für Leute, die durch ADS depressiv werden, die Suizidgedanken haben, die Zwänge entwickeln, die Angststörungen entwickeln aber NICHT für ADHS. Macht ja auch keinen Sinn. Die VT war von Anfang für die Komorbiditäten gedacht... Zweitens, ich habe selber eine Coaching Ausbildung genossen, arbeite mit Leuten im Business Kontext. Meine Tipps, Tricks und Ideen funktionieren, nur nicht für mich. Ich kenne Time Management, Verhaltensmanagement, Anti-Prokrastrinationsstrategien zur Genüge, habe selber einen Tandem Coach, mit dem ich im gegenseitigen Coaching arbeite. ABER: Das nützt mir nichts, weil die Strategien, die bei bisher jedem meiner Klienten klasse funktionieren, bei mir absolut überhaupt nicht klappen. Ich vergesse sogar die einfachsten Strategien. Mein Kopf sagt dann "Irgendwas wolltest du heute machen, ja, toll, oh guck mal, ein Wikipedia Artikel über Galapagosschildkröten" und die Sache ist durch.



    Ich weiss jetzt noch nicht so ganz weiter. Ein Bekannter von mir, selbst in der Endphase seines Med Studiums, hat mir geraten "Such dir einfach 3-4 Neuros, bis es dir einer bescheinigt. Widerworte und Kritik an Testmethoden vertragen die Leute nicht. Vor allen Dingen nicht, weil du aus meiner Erfahrung wahrscheinlich um Längen smarter bist als die Leute, das kann deren Ego überhaupt nicht ab. Für die bist du dann faul, weil du ja eben smart bist. Und dann noch Widerworte, dann biste gleich Oppositional Defiant."


    Was würdet ihr machen? Der Rest der Diagnostik war für mich vorbildlich. Was mich gestört hat, war allerdings, dass keine Fremdeinschätzung vorgenommen wurde. Die Selbsteinschätzung wurde mit aufgenommen, aber die Fremdeinschätzung ist ja ähnlich. Meine Freundin wird wahnsinnig, weil ich vergesse die Bude aufzuräumen und schludrig bin, mir tut es dann verdammt Leid, will es ändern, verpeile es aber und "Ein Artikel über vietnamesische Eichhörnchen..." und dann ist die Küche vergessen. Meine alte Chefin hat mich dafür gefeuert. Sie hat mir sehr Nettes und detailliertes Feedback gegeben für ihre Entscheidung ich mache inzwischen part time andere Aufgaben für sie, bei denen ich nicht auf Details achten muss und meinen eigenen Schedule habe.

    Ich weiss momentan nicht so recht weiter. Meine Angst ist: Keiner der Neuros nutzt einen Test, der lang genug angelegt ist, um meine Verpeiltheit zu zeigen. Keiner redet mit meiner Mum (Die selbst so ist, und kompensiert), keiner redet mit meiner Freundin oder meiner alten Chefin. In den Schulzeugnissen stand immer "Seine Arbeitshaltung muss sich verändern" aber ich war nie ein Störenfried, weil ich mir lieber epische Fantasy Schlachten im Kopf ausgemalt habe, anstatt aufzustehen und Action zu machen im Unterricht. Meine Intelligenz maskiert die Problematik, weil ich in fast jeder Situation, die kurz genug ist, kompensieren kann. Ich bin Introvertiert und meine Aufmerksamkeit ist teilweise nicht existent. Meine Dozenten würden mich wohl als extrovertierten, intelligenten Studenten bezeichnen. Weil ich das eben vortäuschen kann.

    Gibt es da irgendwie noch Abhilfen? Mich macht das momentan ein wenig hilflos. Wäre ich, sorry, wenn das arrogant klingt, einfach ein bischen dümmer, würde vielleicht auffallen, dass ich richtige Probleme habe. Selbst meine Freundin checkt es nicht und meint ich bräuchte ein wenig mehr Disziplin. Ich habe mich,um diese Disziplin zu kriegen, nach meinem Abitur aber für einige Zeit in einem Kampfsportkloster untergebracht und dort gelebt. Selbst dort hatte ich die Problematiken, nur hat man mich früh genug geweckt und zum Training getreckt. Geholfen hat es nichts. Die Behandlung dort war auf dem Level der Armee, Trainingsniveau einer Spezialeinheit. Wenn ich DORT keine Disziplin lernen kann, dann sicher nirgendwo anders....

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 499

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Shronk schreibt:
    Die Realität: In Der Schule habe ich meine Hausaufgaben grundsätzlich vergessen, da ich am Mittagstisch nichtmal mehr wusste, welche Hausaufgaben es gibt. Ist es mir eingefallen, hatte ich vor der Stunde genug Stress, sie in der fünf Minuten Pause zu machen. Aufgefallen ist das nicht, da ich in diesem kurzen Konzentrationszeitraum unter Stress EASY die Hausaufgaben auf zufriedenstellendem Niveau erledigen konnte.

    In der OST (5.,6. Klasse Niedersachsen) hat mir dazu ein von mir sehr geliebter Englisch Lehrer im Elterngespräch mit meiner Mum mal gesagt: "Shronk, hey, ich weiss, dass du gleichzeitig lesen, nicht aufpassen und trotzdem durchkommen kannst. Sogar als einer meiner besten Schüler, könntest du dann aufhören Steffen abzulenken? DER kann das nämlich nicht!"
    Das kommt mir aber sehr bekannt vor. Ich habe ab der 6. oder 7. zum Schuljahresanfang immer ein Hausaufgabenheft von meiner Mutti bekommen - das war am Ende des Jahres bis auf 2-3 Einträge leer. Dann immer in der Pause die obligatorische Frage der Tischnachbarin: "Kann ich mal schnell die Hausaufgaben bei dir abschreiben?" meine Antwort meist "Wie? Hausaufgaben?" Hm...
    Aber wenigstens wurde ich nie aufgefordert, mein doodeln zu lassen - das hätte dann wohl zu verstärktem Stuhlkippeln geführt. Nur in der Oberstufe wurde mal ein Physiklehrer-Comic, den ich gerade gezeichnet hatte konfisziert. Glücklicherweise nicht vom Physiklehrer selber *schluck*. Hab ich dann in der nächsten Stunde neu produziert.

    Abgelenkt habe ich die Tischnachbar(inne)n damit trotzdem - oh ja, und als mal eine laut auflachen musste, wegen einer meiner Zeichnungen hat sie doch Ärger bekommen, mich aber nicht öffentlich blossgestellt.... ist nur textuell in Ihre Beschreibung meiner Person ins Abi-Jahrbuch eingegangen

    Shronk schreibt:
    Ich habe selber Psych. studiert und von einer Psychoanalyse halte ich aus wissemnschaftlicher Sicht ungefähr soviel wie von einem Einlauf mit heissem Kaffee.
    Der Eindruck hat sich mir ohne Studium schon erweckt. Seltsame Spezies, diese Leute, die meinen, dass Psychoanalyse der Wahrheit letzter Schluss sei


    Shronk schreibt:
    Mein Problem: ich habe einige andere Tests selber gemacht, wie bspw. den Konzentrationstest von Onmeda, einen Long Time d2 (Hogrefe sei dank) und andere. Ich schneide nach 10 Minuten spätestens grottenschlecht ab. Kurze Tests bestehe ich aber mit Bravour.
    Geht mir genauso Kurze Tests heisst bei mir aber wirklich maaaaaaaaaaaaximal 7-8 Minuten, dann fällt die Arbeitsgeschwindigkeit rapide. Bin gerade (oh, habe grad gemerkt, dass ich es in einem andren Fred falsch benannt habe...) mit dem Wender-Reimherr-Interview beschäftigt. Laut denen hier (das scheint mir irgendwie die bei mir angewendete Testbatterie zu sein) soll das 30 min dauern. Keine Ahnung, wie die darauf kommen, habe noch 3-4 Seiten vor mir und schon 1 1/2 Stunden damit verbracht. Am Ende wurde es mit der Konzentration echt brenzlich. Habe oft nach einem Satz vergessen, auf welche Frage ich jetzt eigentlich gerade antworten sollte



    Shronk schreibt:
    Was würdet ihr tun?
    Auch wenn es aufwendig scheint, doch noch mal eine weitere Meinung einholen. Wenn Du Dir so sicher bist und Du (oder Deine Lebenspartnerin, Dein Umfeld - hast Du nicht geschrieben, Du hast deswegen sogar den Job verloren?!?!?!) wirklich, wirklich ehrlich unter Deinen Problemen leidest, dann sollte Dir der Aufwand nicht zu hoch sein.

    Shronk schreibt:
    Meine Tipps, Tricks und Ideen funktionieren, nur nicht für mich.
    So siehts aus. Ich kann jedem seinen Haushalt strukturieren und Ablaufpläne erstellen und unter günstigen Voraussetzungen (gutes Thema, Motivation, ansonsten geringes Stresslevel) sogar ein komplettes Start-up zum Laufen bringen - aber mein eigenter Haushalt ist *ähem* und selbstständig sein geht nicht, da keiner dahinter steht und drauf wartet, dass es fertig wird


    Shronk schreibt:
    Mein Kopf sagt dann "Irgendwas wolltest du heute machen, ja, toll, oh guck mal, ein Wikipedia Artikel über Galapagosschildkröten" und die Sache ist durch.
    Oh bei mir war es heut ein Artikel über den Film über Julian Assange, da musste ich erstmal gucken, wann der rauskommt und wollte mich dann auch gleich über WikiLeaks mal etwas genauer informieren - gehört jawohl zu einer umfassenden Bildung dazu. Leider ist momentan meine Konzentrationsfähigkeit total den Bach runter. Hat gerade für die ersten 2 Absätze des Wikipedia-Artikels gereicht - oh da schwebt eine Fruchtfliege... muss mal in der Küche gucken, ob sie von da kommt oder dahin will

    Shronk schreibt:
    Was mich gestört hat, war allerdings, dass keine Fremdeinschätzung vorgenommen wurde.
    Halte ich nur für wichtig, wenn sie von Personen kommt, die Probleme mit Deinem Verhalten haben, da dann die Einschätzungsbögen - angeblich aufgrund eines den ADHSlern nachgesagten Mangels in der Selbsteinschätzung - schon gravierend unterschiedlich ausfallen können... so zumindest habe ich das nun in diversen Artikeln, Büchern, etc. gelesen. Versuch doch mal irgendwie an einen Fremdbeurteilungsbogen ranzukommen und lass Deine Freundin den mal so zum Scherz machen!?!? Mal sehen, wie unterschiedlich da so Eure Meinungen sind.

    Shronk schreibt:
    Keiner der Neuros nutzt einen Test, der lang genug angelegt ist, um meine Verpeiltheit zu zeigen.
    Also wenn Du so gesprächig bist wie ich und beim WRI auch 3 Stunden lang laberst, dann sollte das doch reichen, oder? Aber finde mal erstmal einen, der das macht. Auch wenn ein ausführliches Interview wirklich zu einer guten Diagnostik gehört (irgendwo hier hat glaube ich einer der Mods schonmal eine Must-have Liste für sowas erstellt), versuchen einige, die weniger darauf aus sind ADHS zu diagnostizieren einfach nur mit einem kurzen Test wegzukommen... und dich dann lieber - ohne lange rumzudiagnostizieren - in eine andere Sparte zu schieben m.E. fragwürdig.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    HI snowhopper!


    Schön, Leute zu sehen, denen man es genauso geht.


    Für mich ist die Problematik einfach das Geld. Ich habe nur fast 1,5 Jahre auf Diagnostik gewartet, weil ich das Geld für die private Diagnostik nicht hatte.

    Halte ich nur für wichtig, wenn sie von Personen kommt, die Probleme mit Deinem Verhalten haben, da dann die Einschätzungsbögen - angeblich aufgrund eines den ADHSlern nachgesagten Mangels in der Selbsteinschätzung - schon gravierend unterschiedlich ausfallen können... so zumindest habe ich das nun in diversen Artikeln, Büchern, etc. gelesen. Versuch doch mal irgendwie an einen Fremdbeurteilungsbogen ranzukommen und lass Deine Freundin den mal so zum Scherz machen!?!? Mal sehen, wie unterschiedlich da so Eure Meinungen sind.
    Sollte nicht so schwer sein... habe einen da. Meine Freundin hat allerdings den Test gesehen und meint nun, ich müsse mich ja nur am Riemen reissen. Das würde ja gehen, sage der Test. Leider versteht sie nicht unbedingt soviel von den Risiken und Grenzen der Psychometrie... ist auch schwer, ihr das beizubringen, da es immer nach Verteidigung und "krank sein wollen" aussieht. Dabei gehts mir tutti, meine Arbeitsleistung ist allerdings fürn Eimer und ich will das ändern. Da VT Techniken, die ich aus dem FF kenne, nicht helfen, ist meine letzte Stelle Stimulanzien. Dafür brauche ich aber entweder einen Doc Holiday der mit "diskreten Hinweisen" den Test der Medikamente mit mir macht oder eine neue Diagnostik, die ich mir aber nicht leisten kann.


    Zweitmeinungen sind irgendwie teuer und ich muss mir im Moment erstmal den Frust von der Seele schreiben. Vor allen Dingen "Ach bei so einer leichten Störung würden wir Psychotherapie empfehlen, da lohnen sich keine medis." Ja geil, meine Familiengeschichte ist nicht 100pro rosig, aber insgesamt doch sehr liebevoll gewesen und selbst meine getrennten Eltern sind heutzutage fest miteinander befreundet. Bevor ich mir von jemandem, der an ein Festhängen in analer Phase glaubt, meine Kindheit erklären lasse, lasse ich den Scheiss lieber gleich sein. Psychoanalyse ist von mir aus gesehen das Bastardkind der Psychologie. Es hat sie begründet, es war damals wichtig, aber wir werden den Scheiss einfach nicht mehr los. Und die Kacke ist, auch wenn es Humbug ist, hat es auch noch einen nachweisbaren Effekt. (Common Factors in der Therapie ermöglichen das, ist mein Forschungsgebiet...)

  4. #4
    Holdibaldi

    Gast

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Hallo Shronk,

    Shronk schreibt:
    Vorgestern habe ich mein erstes Diagnose Ergebnis bekommen. Die zuständige Psychiaterin meinte, ich hätte so gut wie keine testpsychologischen Hinweise auf ADHS laut der Psychologin und wollte mich daher nochmal befragen. Am Ende der Sitzung riet sie mir, legendär, eine Zweitmeinung einzuholen. Und vielleicht eine Psychoanalyse zu machen.
    Sieh es doch positiv. Zumindest weißt du jetzt, dass jene Psychiaterin mit ihrer Kompetenz am Ende ist und dir nicht weiterhelfen kann. Seit ich "Tiefenschwindel" von E. Zimmer gelesen habe, ist Psychoanalyse für mich überhaupt kein Thema mehr.

    Das Folgende ist nur eine Blindvermutung meinerseits, doch habe ich beständig das Gefühl, wenn ich mich mit einem/einer (meist ohnehin zeitlich viel zu knapp bemessenen) Psychologen/Psychologin unterhalte, dass ich mein Gegenüber in kurzer Weile gleichsam verinnerlicht habe und deren Eindruck von mir (so ich denn wollte) beliebig lenken könnte. Ich spüre sehr schnell, ob mir mein Gesprächspartner empathisch überlegen oder unterlegen ist, in aller Regel trifft das Letztgenannte zu.

    Solche Erfahrungen lassen sich auf alle Lebensbereiche übertragen, so gut wie immer stehe ich Menschen gegenüber - obgleich deutlich älter und vom gesellschaftlichen Status her weit überlegen -, die einem offenen Buch gleichen, das ich nach Belieben editieren könnte.

    Das klingt gewiss überheblich, spiegelt jedoch meine Erfahrung wider; und dabei nehme ich stark an, dass ich weit weniger begabt bin als du, der - so wie du schreibst - Schule als kleines Pausenbrot überwältigte. Mir war solch Glanztat verwehrt.

    Vorwärts komme ich dennoch nicht, was zur absurden Lebensfarce wird. Mein Umfeld sieht, dass ich in mancherlei Hinsicht herausrage und kann sich partout nicht erklären, weshalb der Holdi so gar nichts aus seinen Fähigkeiten zu machen weiß. Zusätzlich eben die sogenannten professionellen Instanzen der Psychologie; ich bin es schon Leid, in die hilflosen Augen der Neurologin zu schauen, von Stress und Hektik ihres undankbaren Berufsalltags sichtlich gezeichnet.

    Sind wir am Ende uns selbst überlassen? Ich finde mich zunehmend mit diesem Gedanken ab.
    Doch immerhin ahne ich heute ahnungsvoller, was es ist, das mich seit Jahren in Philosophieforen gefangen hält, alle nur denkbaren Kleinstinteressen verfolgen lässt, während meine gesellschaftlich tragfähige Zukunft beständig dem Nirvana entgegen driftet.

    Ich sehe dies mit Erschrecken, bevor es sich erneut schließt und mich in meine Traumwelten zurückholt: Mein kleines Barockfenster zur gemeinen Realität, das einem unerkannten Mechanismus verpflichtet ist.

    Vielleicht muss der Barock rocken?

    Es grüßt Dich,

    Holdi

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Sind wir am Ende uns selbst überlassen? Ich finde mich zunehmend mit diesem Gedanken ab.

    Das wäre wünschenswert. Ich habe nie verstanden, warum ich jemandem, der wahrscheinlich weniger Ahnung hat als ich, als Gatekeeper brauche.

    Ein Bekannter von mir, selber Arzt, meinte dazu: "Du bist halt der 0,01% Patient. Glaub mir, der Rest sind leider totale Vollpfosten. Leute wie dich trifft man einmal im Monat, das ist dann nett, aber man hat vielleicht zehn Minuten Zeit dafür."

    Einen Gatekeeper brauche ich nicht, eher ein Manual zur Selbstexperimentation. Aber dafür brauche ich auf dieser Welt einen Gatekeeper. Strange world.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Kann mir hier vielleicht jemand helfen, sich mit mir zu vergleichen?

    Ich würde dann eine geschwärzte und anonymisierte gemachte Kopie einiger Testresultate zeigen und gerne mit jemandem vergleichen, der eine "abschliessende" ADHS Diagnose hatte...

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 84

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    ADS und Hochbegabung; brrrrrr, 'ne echt eklige Kombi, weil man mit einem entsprechendem IQ das ADS gut kaschieren kann, zumindest zeitweilig.
    Ich habe am Freitag meinen ersten Diagnosetermin und ein wenig Angst aus den gleichen Gründen zu "versagen".
    Wenn's gelaufen ist, werde ich erzählen....

    Liebe Grüße vom

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Es wäre wichtig zu wissen, wie du dich in der Kindheit verhalten hast. Ich kann mir schon vorstellen, dass HB'ler eine Konzentrationsstörung entwickeln können, wenn sie als Kind nicht entsprechend behandelt und gefördert worden sind. Leider lässt sich das meistens nur sehr schlecht feststellen, ob tatsächlich doch ADS vorliegt oder man es antrainiert bekommen hat (antrainiert, weil es dem Kind nicht in seinen Händen liegt, wie es sich am besten entwickelt). Wenn zweiteres der Fall ist, sehe ich allerdings auch kein Problem medikamentös behandelt zu werden, sofern es keine andere Möglichkeit gibt (Couch zu teuer, keine Zeit für Therapie, nicht der richtige Therapeut, etc.). Ich für meinen Teil bin mir ziemlich sicher, dass ich trotz nicht schlechter Intelligenz schon als Kind ADS hatte. Mein Gemütszustand war ziemlich instabil und ich musste immer aufregende Dinge tun, um mein Gemüt stabil zu halten. Letzten Endes war es immer nur eine Flucht, aber als Kind erkennt man das natürlich nicht. Träumen war einer meiner Lieblingsbeschäftigungen und auch Anspruchsvolles für den Geist, was HB'ler ohne ADS lieben, war für mich nicht drin, weil ich keine "Kraft" verspürte mitzumachen aufgrund von Konzentrationmangels. Wenn man darunter leidet sind bildhaft gesprochen Türen gesperrt, die andere nutzen können, um sich zu entfalten. Das gilt auch für unerkannte HB'ler vom Prinzip, die nicht richtig gefördert werden. Übrigens hab ich Hausaufgaben auch nie in mein Hausaufgabenheft geschrieben. Das lag aber daran, weil ich sehr lange brauchte die Informationen von der Tafel abzuschreiben. Ich wollte nie der letzte in der Klasse sein und wollte dadurch nicht noch im Mittelpunkt des Lehrers stehen. Zudem war ich sowieso immer froh, wenn die Stunde um war. Leider ist es so, dass wenn man ADS hat, viele andere Ungünstigkeiten sich in das Leben einschleichen, die einen prägen und die Sache verschlimmern. Trotz meiner Kenntnis, die ich mir aus gelesenem angeeignet habe, ist es schwer zu beurteilen, ob du ADS hast. Es fehlen einfach zu viele Informationen. Klar, ich bin auch kein Therapeut und deswegen wendest du dich am besten an einen Spezialisten, der sich mit HB und ADS auskennt. Dem dürfte auch bekannt sein, dass eine hohe Diskrepanz zwischen Arbeitsgedächtnis und IQ ein Indiz für ADS sein kann, denn erst bei schwierigen Aufgaben muss ein HB'ler bewusst sein Arbeitsgedächtnis einsetzen. Was ich so geschrieben habe, dürfte dir eigentlich nicht neu sein, da so etwas meiner Meinung nach auch zum Stoff gehören sollte, den ein Psychologie Student in der Uni gelernt haben muss. Dir geht es ja eigentlich viel mehr darum einen Psychotherapeut zu überzeugen, was erfahrungsgemäß oft nach hinten losgeht. So wie du dich geschildert hast, würde ich weder ADS diagnostizieren noch dagegen plädieren. Ich würde auf feine Einzelheiten achten, die bei HB ADS'lern gehäuft auftreten. Neben Konzentrationsstörungen sind ADS'ler impulsiv und haben wie erwähnt ein unstimmiges Gemüt. Wobei selbst da falsche Erziehung zu solchen Problemen führen kann, dann sind die Probleme denke ich eher punktuell zu beobachten.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 53

    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Hi vakuum!

    Danke für deine Antwort!

    Es wäre wichtig zu wissen, wie du dich in der Kindheit verhalten hast. Ich kann mir schon vorstellen, dass HB'ler eine Konzentrationsstörung entwickeln können, wenn sie als Kind nicht entsprechend behandelt und gefördert worden sind. Leider lässt sich das meistens nur sehr schlecht feststellen, ob tatsächlich doch ADS vorliegt oder man es antrainiert bekommen hat (antrainiert, weil es dem Kind nicht in seinen Händen liegt, wie es sich am besten entwickelt). Wenn zweiteres der Fall ist, sehe ich allerdings auch kein Problem medikamentös behandelt zu werden, sofern es keine andere Möglichkeit gibt (Couch zu teuer, keine Zeit für Therapie, nicht der richtige Therapeut, etc.).
    Als Kind war ich ein Hans Guck in die Luft, der keine Hausaufgaben gemacht hat, weil er sie sich einfach nicht merken konnte. Mein Schriftbild war, wie heute noch, aufgrund der Feinmotorik massiv eingeschränkt, weswegen ich tierisch darunter gelitten habe, Schreibtraining machen zu müssen. Bis zum Heulen. Dafür kann man zumindest meine Schrift heute soweit entziffern, dass man sie bewerten kann...

    Man wollte mich in die Vorstufe stecken, weil ich Aufgaben, die Ausdauer erfordert hätten, auf meine Art gelöst habe. Beispielsweise wollte man, dass ich Dinge in der richtigen Farbe ausmale. Ich habe Punkte gemacht, in der richtigen Farbreihenfolge. Mir war es schlicht zu blöd und anstrengend, das vernünftig auszumalen, die wollten ja eh nur die Reihenfolge. Lehrerin meinte ich wär zurückgeblieben. Meine Mutter meinte, die Lehrerin hätte eine Klatsche, wenn ein sechsjähriger aus Witz die Inhaltsstoffe von Dosen vorliest, ihn als zurückgeblieben zu bezeichen.

    Aufpassen konnte ich nie, brauchte ich aber nicht. Ich hab ein Spiel draus gemacht, nicht aufzupassen, und trotzdem die richtigen Antworten zu kennen. Hat oft funktioniert, leider nicht immer.

    Mein Englischlehrer in der sechsten sagte spasshalber "Shronk, es ist halt so, dass andere nicht so wie du nicht aufpassen, mit anderen quatschen und gleichzeitig die Aufgaben lösen können. Auf den Englischunterricht konnte ich mich nie konzentrieren, Handwerken und Textilunterricht waren eine Qual. Englisch habe dann gelernt, indem ich englische Super Nintento Spiele von einem netten Videospielgeschäftbesitzer ergattert habe, die ich unbedingt spielen wollten.

    Fantasy Welten waren schon immer meins. Final Fantasy 3 war denke ich mein erstes Hyperfocus Erlebnis. Vier Tage, Spiel durch, sprach gutes Englisch.

    Meine Mum hat, als Pädagogin, die Probleme zwar sehr früh erkannt, aber sie haben mich nicht wirklich beeinträchtigt, da die Anforderungslatte einfach nicht so hoch war. War ich aber richtig gefordert, bin ich den Anforderungen nicht gewachsen gewesen. Das war wie eine Karotte, die vor mir bammelte: Normal war es langweilig, hohe Anforderungen konnte ich aber nur kurzzeitig schaffen und haben mich deswegen frustriert. Das erste Mal auf Mathe konzentrieren musste ich mich in der 8. Klasse und da wurde es knifflig, das war als würden sich die Zahlen auf dem Papier biegen und mir sagen "Hey du kannst es, aber Dude, vergiss es, wir tanzen hier solange."

    Letzten Endes war es immer nur eine Flucht, aber als Kind erkennt man das natürlich nicht. Träumen war einer meiner Lieblingsbeschäftigungen und auch Anspruchsvolles für den Geist, was HB'ler ohne ADS lieben, war für mich nicht drin, weil ich keine "Kraft" verspürte mitzumachen aufgrund von Konzentrationmangels. Wenn man darunter leidet sind bildhaft gesprochen Türen gesperrt, die andere nutzen können, um sich zu entfalten. Das gilt auch für unerkannte HB'ler vom Prinzip, die nicht richtig gefördert werden.
    Ich hab andere HBler, die ich für verballert und weltfremd hielt, an mir vorbeiziehen sehen. Später in Tests hat sich ergeben, sie hatten zwar die 1,0, waren mir aber 10 IQ Punkte unterlegen. Das passte schon nicht zusammen. Dass ich fast einen Dreierschnitt im Abitur hatte, hat alle dazu geführt zu sagen "Also, der Shronk ist auch total unter seinen Fähigkeiten, wenn er denn nur wollte!" Das hat mich so abge****t, dass ich am Ende am Wochenende lieber Gras geraucht habe als mich mit anstrengendem Kram zu beschäftigen.


    Trotz meiner Kenntnis, die ich mir aus gelesenem angeeignet habe, ist es schwer zu beurteilen, ob du ADS hast. Es fehlen einfach zu viele Informationen. Klar, ich bin auch kein Therapeut und deswegen wendest du dich am besten an einen Spezialisten, der sich mit HB und ADS auskennt. Dem dürfte auch bekannt sein, dass eine hohe Diskrepanz zwischen Arbeitsgedächtnis und IQ ein Indiz für ADS sein kann, denn erst bei schwierigen Aufgaben muss ein HB'ler bewusst sein Arbeitsgedächtnis einsetzen. Was ich so geschrieben habe, dürfte dir eigentlich nicht neu sein, da so etwas meiner Meinung nach auch zum Stoff gehören sollte, den ein Psychologie Student in der Uni gelernt haben muss.
    Zwischen Muss und "Sollte" sind leider noch Unterschiede. Die Problematik ist kaum angesprochen in der klinischen Psychologie, Fokalpunkt sind so Sachen wie Depression, Schizophrenie und anderer "Fancy Kram," den ich abgewählt habe, da mich immer nur interessiert hat, wie Motivation, Leistung und Elitedenken funktioniert.


    Dir geht es ja eigentlich viel mehr darum einen Psychotherapeut zu überzeugen, was erfahrungsgemäß oft nach hinten losgeht. So wie du dich geschildert hast, würde ich weder ADS diagnostizieren noch dagegen plädieren. Ich würde auf feine Einzelheiten achten, die bei HB ADS'lern gehäuft auftreten. Neben Konzentrationsstörungen sind ADS'ler impulsiv und haben wie erwähnt ein unstimmiges Gemüt. Wobei selbst da falsche Erziehung zu solchen Problemen führen kann, dann sind die Probleme denke ich eher punktuell zu beobachten.
    Gemütstechnisch bin ich ein Schaf. Du bringst mich mit nix aus der Ruhe, auch wenn ich noch so kotzen könnte. Keine Ahnung ob das nach innen gerichtete gehemmte Impulsivität ist, da ich schon viel runterschlucke, auf der anderen Seite gibt es einige wenige Situationen, wo mir dann mal richtig der Kragen platzt und zwar dann so absolut richtig. Da kriegt dann auch schon mal ne Tür nen Loch oder ein Zaun eine Delle, damit ich ein Ventil habe. Kommt aber sehr, sehr selten vor, vielleicht einmal im Jahr.

    Entscheidend für mich ist die Unfähigkeit, mich auf Texte zu konzentrieren. Ich will arbeiten, ich will Termine im Kopf haben, ich will meine Sachen dabei haben. Ich will in Meetings geistig abwesend sein. Ich bin der Kerl, der sich eine Liste macht, die Sachen fertig macht und dann alles zuhause liegen lässt, sein Handy vergisst und am falschen Tag zum Termin fährt. Bei meiner ADHS Diagnostik war ich fröhlich am Donnerstag in der Klinik und man schaute mich verdutzt an. Mein Termin war Mittwoch.
    Während in einem Meeting eine Seminarstruktur ausgebaut wird bin ich innerhalb von 10 Minuten dabei, zu träumen. Bereite ich den Meeting Raum vor, habe ich eine Liste dabei, weil ich sonst vergesse, wie ich einen Raum vorbereite. Als Klassiker decke ich dann für 3 Personen, es kommen aber fünf. Ich geb dem Kunden die Telefonnummer, damit er uns im Notfall erreicht, bei 10 Kundenterminen habe ich viermal einen Zahlendreher in der Nummer. Soll der Kunde in die Nummer 32 kommen, schicke ich ihn ruhigen Gewissens in die 32.

    Welche Abfolge die Monate von Januar bis Dezember haben, habe ich mir mit 16 erst merken können, nebenbei aber über Quantenphysik diskutiert. Für mich war "1-12" logischer als "Warum heisst das Oktober..." Wären die Geburtstage von mir, meinem Vater und meiner Mutter nicht jeweils am 17.,18, 19., würde ich sie heute noch vergessen. Meine Freundin hat am 07.07.1987 Geburtstag. 777, besser gehts nicht, ansonsten würde ich JEDES Jahr ihren Geburtstag vergessen.

    Ich rede viel. Dabei habe ich das Feedback gekriegt, ignoriere ich oft, obs die anderen interessiert oder anstrengt. Hab ich schon als Kind, da haben sich die Leute aber nicht beschwert ich war halt "aufgeweckt." Heute merke ich, dass ich sozial oft gar nicht richtig mitgekriegt habe, obs die anderen interessiert oder nicht. Und noch immer, obwohl ich es weiss und versuche, darauf zu achten, fällt es mir schwer, es zu deuten.

    Manchmal komm ich mir wie ein hyperaktiver Sheldon vor, manchmal wie ein totaler Idiot, der es trotz IQ 140 nicht gebacken kriegt, gute Abschlüsse zu machen. Auf der anderen Seite merke ich, dass die anderen Menschen viel langsamer denken, auf der anderen Seite outperformt mich ein Durchschnittsbürger, wenn es darum geht, sich aufs konzentrierte Arbeiten zu fokussieren...


    Ich will, und das muss ich auch betonen, auch keinen Psychotherapeuten überzeugen. Ich habe ein System, das ansatzweise hilft, mein Leben zu gestalten. Es ist aber tough, es gibt Tage, an denen ich nicht arbeiten kann, weil ich dem Text nicht folgen kann, weil es reicht, dass draussen ein Hund bellt, damit ich komplett vergesse, was ich gerade gemacht hab und mich zwei Stunden wiederfinde, wie ich Facebook oder G+ durchbrowse. Tracke ich das ganze oder banne, kommt mir ungewollt 30 mal oder mehr die "This site is blocked due to your Productivity list" Fenster in die quere. Ich merke es nichtmal, bis sich mein Auffangmechanismus meldet. Aber selbst den umgehe ich inzwischen, ohne es zu merken...

    Ganz ehrlich, ich will eigentlich nur eine von einem Arzt überwachte, 8 wöchige Methylphenidat oder Amphetamin Testphase, in der ich Symptome und Nebenwirkungen festhalte, meine Produktivität teste und vielleicht endlich mal die Systeme die ich meinen Klienten empfehle, endlich mal selbst einsetzen kann.
    Es ist unglaublich, wenn man ein System jemandem beibringt, der geht damit von 0 auf 100 in Sachen Organisation und Konzentration und man selbst sitzt da "Hhöh, das funktioniert ja... öhm... Gehirnfurz." Und man kriegt es selber einfach nicht umgesetzt. Das Letzte was ich brauche ist eine langjährige Therapie. Ich brauche einen Arzt, der mir in der Diskussion gewachsen ist, der micht regelmässig fragt, ob ich Resultate mit meinem System habe. Das wars für mich. Eine multimodale Einbindung, bei der ich lerne, wie man Zeit strukturiert ist absolut hirnrissig, weil ich, und das ist ja das Verrückte, solche Sachen anderen Menschen beibringe. Andere können es umsetzen, ich nicht. Ich will es können. Und das ohne Außenkontrolle. Jetzt klappt das nur, wenn ich meine Freundin als Aufpasserin mit einer Tagesliste hinter mir herlaufen hätte. Soetwas kann ich mir vielleicht später leisten, wenn mein Name vielleicht etwas bedeutet, aber jetzt im Moment belastet das nur unsere Beziehung. Sie ist nicht meine Vorarbeiter Aufpasserin und soll es niemals sein.

  10. #10
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    AW: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung

    Na das hört sich doch wesentlich deutlicher nach ADS an und ich finde mich in einigen Punkten wieder oder sie erinnern mich an das Verhalten meiner Mutter.

    Ich weiß jetzt nicht aus welcher Umgebung du kommst, vielleicht hab ich es gelesen und es fällt mir nicht mehr ein, auf jeden Fall würd ich mal hier im Ärzte Bereich im Forum schauen, ob es einen Spezialisten gibt, der dir weiter helfen kann (leider sind da auch Kappen dabei) und bei dem du noch nicht vorgesprochen hast. Um nicht so lange zu warten, würde ich zu jemanden gehen, der privat abrechnet. Ich habe damals um die 200€ im ADS-Institut in Frankfurt gezahlt. Außerdem könntest du mal nach einer Selbsthilfegruppe Ausschau halten. Da wird einem auch oft geholfen und es kommt denke ich auch gut an, wenn man dem Arzt seine Bemühungen schildert. Unter den "Spezialisten" sind halt auch wie gesagt Kappen dabei. Ich war bei zwei anderen Spezialisten, die haben mir nicht wirklich geglaubt, dass ich an ADS leide. Da werden anscheinend nur ADS'ler diagnostiziert, die ihr ADS nicht verschleiern können und es sehr offensichtlich ist.

    Bist du auch depressiv? Ich war mal in einer derpressiven Phase, da war ich weniger vergesslich als sonst. Nicht, dass ich wieder in diesen Zustand kommen möchte. Es ist halt irgendwie paradox...

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Thema: Diagnose "Diskrete Hinweise" bei "deutlicher Verplantheit" und Hochbegabung im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
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