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Diskutiere im Thema Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #61
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 102

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Gretchen schreibt:
    @junie
    Ich wollte nur mal fragen, "Was ist neurotypisch?" Und warum vergibst du so wenig "Dankes" und "Likes", wo du soviel bekommst?
    Blöde Frage, aber ich bin seit fünf Uhr wach und nicht mehr ganz reizgefiltert. Danke im voraus.
    @ Gretchen:
    Neurotypisch bedeutet ohne Auffälligkeiten, sozusagen der Neuronale Normalzustand.. Damit sind im allgemeinen Stinos gemeint

    Wenn du Junie nach der Dankesquote fragst, häng doch noch Nietzsche mit dran. Der hat die gleiche Quote.

  2. #62
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Fliegenpilz schreibt:
    Gerade das Umsetzen gehört nicht zur Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit bedeutet quasi nur, dass man glaubt, etwas tun zu können. Ob man das dann tatsächlich auch kann bzw. umsetzen kann, gehört nicht mehr zur Selbstwirksamkeit.
    Falsch - die Umsetzung ist ein elementarer Bestandteil von Baduras Konzept -
    die Umsetzung bzw. erfolgreiche Umsetzung(=eigene Erfolgserlebnisse ...) stärkt das Vertrauen und
    gibt überhaupt erst Bewusstheit dafür, dass ich selbst etwas bewirken kann ...

  3. #63
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    habitbreaker schreibt:
    Falsch - die Umsetzung ist ein elementarer Bestandteil von Baduras Konzept -
    die Umsetzung bzw. erfolgreiche Umsetzung(=eigene Erfolgserlebnisse ...) stärkt das Vertrauen und
    gibt überhaupt erst Bewusstheit dafür, dass ich selbst etwas bewirken kann ...
    Banduras Konzept geht über die Selbstwirksamkeit hinaus. Die Selbstwirksamkeit ist nur ein Bestandteil davon. Vergangene Erfahrungen sind sicher maßgeblich dafür wie ich meine eigene Selbstwirksamkeit einschätze. Eigene Erfahrungen sind nach Bandura eine (von insgesamt vier) Quellen für die Selbstwirksamkeitserwartung.
    Aber diese Erfahrungen sind nicht Bestandteil der Definition für den Begriff Selbstwirksamkeit. Da müssen wir unterscheiden, ob wir von der Selbstwirksamkeit allgemein sprechen oder speziell von Banduras Konzept.

    Auf dieser Seite kann man das ganz gut nachlesen. Dort ist auch Banduras Konzept im Zusammenhang mit der Selbstwirksamkeit kurz skizziert. Diese Seite definiert Selbstwirksamkeit folgendermaßen: "Selbstwirksamkeit bezieht sich also auf die Überzeugung, dass man fähig ist, etwa etwas zu erlernen oder eine bestimmte Aufgabe auszuführen."
    Einer meiner Psychologie-Profs hat in einer seiner Vorlesungen (und in seinem Skript) explizit darauf hingewiesen, dass Selbstwirksamkeit "nur" der Glaube an die eigenen Fähigkeiten ist.

  4. #64
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Fliegerlein schreibt:
    Wobei mir hierzu wieder ein Zitat von Barkley einfällt "ADHD is not a Disorder of Knowledge, it never was ... it's a Disorder of doing, what you know"
    Grundsätzlich stimme ich Barkley zu. Aber ich bin der Ansicht, dass viele ADHSler zwar wissen, wie "normale" Menschen ihr Leben auf die Reihe kriegen, aber sie haben keine Ahnung, wie sie selber es auf die Reihe bekommen können. Und das liegt daran, dass ADHSler eben bestimmte Strategien brauchen um ihre Schwächen zu kompensieren. Ein ADHSler kann nicht einfach das machen, was ein "Normaler" macht.
    Nunja, wobei das nicht nur ein Problem ist, das ADHSler betrifft. Viele Therapeuten und Psychiater haben ebenfalls keine Ahnung, mit welchen Strategien ein ADHSler sein Leben auf die Reihe bekommen kann.

  5. #65
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Fliegenpilz schreibt:
    Grundsätzlich stimme ich Barkley zu. Aber ich bin der Ansicht, dass viele ADHSler zwar wissen, wie "normale" Menschen ihr Leben auf die Reihe kriegen, aber sie haben keine Ahnung, wie sie selber es auf die Reihe bekommen können. Und das liegt daran, dass ADHSler eben bestimmte Strategien brauchen um ihre Schwächen zu kompensieren. Ein ADHSler kann nicht einfach das machen, was ein "Normaler" macht.
    Nunja, wobei das nicht nur ein Problem ist, das ADHSler betrifft. Viele Therapeuten und Psychiater haben ebenfalls keine Ahnung, mit welchen Strategien ein ADHSler sein Leben auf die Reihe bekommen kann.
    So sehe ich das auch und ich denke, dass ist das, was Barkley meint, wenn er von "vielen kleinen Prothesen" spricht, die wir anwenden müssen und die natürlich Ressourcen beanspruchen.
    Das sind eben Strategien, die auch speziell für uns gemacht und auf uns zugeschnitten sein müssen.
    Das kann auch sehr individuell sein.

    Und meiner Meinung nach gehört da auch die Medikation zu und wenn ich lese, was für ein, .. sorry, Mumpitz da von Klinikärzten abgesondert wird, dann wird mir ganz anders.
    Das klang mir mehr nach dem, was ein Nicht-ADS'ler im Selbstversuch erlebt, ...
    (Klar, es gibt Nebenwirkungen und die sollte man auch beachten und bedenken, keine Frage)
    Allein zu empfehlen, eine Verhaltenstherapie zu machen, statt der Medikation (so hab ich das verstanden), ist schon deshalb Unfug, weil sich inwischen ja doch herumgesprochen hat, dass eine V-Therapie bei ADS'lern ohne Medikation wirkungslos ist...
    Das allein zeigt schon, wie recht Du damit hast, dass viele Therapeuten und Psychiater keine Ahnung haben, welche Strategien für ADS'ler die richtigen sind, denn damit wird genau das empfohlen, was einfach nicht funktionieren kann.
    Schon traurig...
    (bekomme ich leider auch gerade mal wieder am eigenen Leib zu spüren ....)
    (Ich musste jetzt irgendwie noch einen Brückenschlag in Richtung Topic hinbekommen ... )

    Liebe Grüße
    Marcus

  6. #66
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 172

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    @Fliegenpilz:

    Es ist schon faszinierend zu verfolgen, wie gut und klar du den Begriff hier erklärst bzw. abgrenzt und dann Folgerungen ziehst...

    Zum Thema (Verhaltens-)Strategien: Was sind denn für dich persönlich die erfolgreichsten Massnahmen, wenn man mal versuchen würde,

    sie auf den Kern zu reduzieren und pointiert aufzulisten??


    Mir selber fallen da gerade spontan (eng an Barkley angelehnt) vor allem ein:

    1.) "Social Accountability"- kostet viel Überwindung, ist hart und kann sehr unangenehm sein, ist aber ggf. unterm Strich eine der produktivsten Strategien überhaupt:

    Erzähle anderen in deiner sozialen Umgebung öfter von deinen (realistischen) Plänen für den Tag, die Woche etc.
    - so machst du dich Ihnen gegenüber verantwortlich und machst so deine Ziele auch für dich selbst verbindlicher!
    Das kann einen starken Motivationsschub bewirken und beim Durchhalten helfen, weil das Vermeiden von sozialer
    Blosstellung, wenn man Zugesagtes nicht erreicht, natürlich ein sehr mächtiger Antriebsfaktor ist...

    Kritisch daran ist, dass man sich dabei ein Stück weit unter die Kontrolle von anderen begibt, was u.U. sehr demütigend
    für das eigene Ego sein kann...



    2.) Mache beim Lernen abstrakte Dinge möglichst gegenständlich und greifbar, damit das Arbeitsgedächtnis entlastet wird-
    Stichwort "mit der Hand begreifen und Lernen". Beispiele dafür wären z.B. Rechnen mit Murmeln/Rechenschieber oder
    Chemie lernen mit Experimentier- und Molekülbaukasten (bei mir extrem wirksam, viel besser als nur Theorie- obwohl es bei
    anderen, nicht-Betroffenen nach eigenen Aussagen fast keinen Unterschied gemacht hat).
    Aber das geht natürlich leider nicht mit jedem Stoff gleich gut...

    Laut Barkley könnte das interessanterweise ja auch ein Grund sein, warum überproportional viele ADHSler sich (intuitiv) für Handwerksberufe entscheiden-
    man tut dabei eben etwas manuell mit den Händen. Und ich glaube selbst Einstein - als theoretischer Physiker- hat mal sinngemäss irgendwo so etwas
    gesagt wie:
    "Ich hacke sehr gerne Holz: Man macht etwas mit den Händen und sieht das Ergebnis der Arbeit sofort."


    Was meinst du (und alle anderen) dazu und was würdest du hinzufügen?

    (Sorry ,habe gerade leider wie Fliegerlein zu spät gemerkt wie weit es off-topic driftet- hoffe es es kann trotzdem stehenbleiben.
    Werde mich jetzt wieder "auf Linie bringen"...
    Schade übrigens, dass es dafür keinen Militärsmiley gibt )
    Geändert von Addler86 (24.06.2013 um 04:27 Uhr)

  7. #67
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Addler86 schreibt:
    Laut Barkley könnte das interessanterweise ja auch ein Grund sein, warum überproportional viele ADHSler sich (intuitiv) für Handwerksberufe entscheiden-
    man tut dabei eben etwas manuell mit den Händen. Und ich glaube selbst Einstein - als theoretischer Physiker- hat mal sinngemäss irgendwo so etwas
    gesagt wie:
    "Ich hacke sehr gerne Holz: Man macht etwas mit den Händen und sieht das Ergebnis der Arbeit sofort."


    Was meinst du (und alle anderen) dazu und was würdest du hinzufügen?
    Das sind zum Beispiel genau solche (und gute) Beispiele.
    Dieses "Man macht etwas und sieht das Ergebnis sofort" ist ein wichtiger Punkt.
    Barkley beschreibt das als "direct Response".
    An anderer Stelle habe ich mal sein Beispiel übersetzt, warum ein Kind stundenlang an einer Konsole sitzen und spielen kann, aber seine Mathehausaufgaben nicht auf die Reihe bekommt.
    Beim Videospiel erfolgt die Rückmeldung sofort und unverzüglich.
    Wenn ich meine Aufmerksamkeit abwende, passiert mir (bzw. meiner Figur im Spiel) etwas und eine erfüllte Aufgabe hat eine sofortige Belohnung zur Folge.
    Nach dem Lösen einer Matheaufgabe passiert ... gar nichts.
    Der Belohnungsaufschub, mit dem Nichtbetroffene gut zurechtkommen, funktioniert bei uns nicht und so schlägt Barkley bei Kindern z.B. vor, ihnen für gelöste Aufgaben immer kleine Belohnungen zu geben ( wie das im Einzelnen aussieht erspare ich den Lesern hier).
    Wie sagte er mal so schön (sinngemäß) "das sind eben alles kleine Donald Trumps " jede Aktion wird sofort entlohnt.
    Das kann man wunderbar falsch verstehen, wir sind keine gierigen Materialisten, aber wir brauchen die direkte Rückmeldung und unser Belohnungssystem muss anders angesprochen werden, als das der Nicht-ADS'ler.
    Uns zu erklären, warum die hausaufgaben wichtig sind und dass ein höherer Schulabschluss in späteren Jahren einen besser bezahlten Job einbringt, hilft uns nichts.
    Wir wissen das, es ist für uns aber nicht "fassbar", nicht "greifbar".
    Im Gegenteil, Messungen im Scanner zeigen, dass bei uns in solchen Situationen das Angstzentrum aktiviert wird, ... ganz schlechtes Feng Shui...

    Jemand der, was auf viele ADS'ler, wenn nicht gar die meisten oder sogar alle zutrifft, zeitblind ist, muss sich die Zeitplanung, die Andere "von innen heraus" abrufen können, externalisieren, da er sie nicht internalisieren kann.
    Ich renne eben immer mit meinem Notizbuch, einer zentralen Stelle für alles, woran ich mich erinnern muss oder möchte, und meinem Buchkalender rum.
    Das ist halt "mein Gedächtnis" (so nenne ich es auch, wenn ich darauf angesprochen werde).
    Auch eine kleine "Prothese".
    Funktioniert im Allgemeinen ganz gut, natürlich nicht immer und es kostet Zeit, denn die brauche ich nun mal zum Schreiben und nachschauen.
    Das muss ich zu meiner Energiebilanz dazurechnen.


    Viele Grüße
    Marcus

  8. #68
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Fliegenpilz schreibt:
    Auf dieser Seite kann man das ganz gut nachlesen. Dort ist auch Banduras Konzept im Zusammenhang mit der Selbstwirksamkeit kurz skizziert. Diese Seite definiert Selbstwirksamkeit folgendermaßen: "Selbstwirksamkeit bezieht sich also auf die Überzeugung, dass man fähig ist, etwa etwas zu erlernen oder eine bestimmte Aufgabe auszuführen."
    Einer meiner Psychologie-Profs hat in einer seiner Vorlesungen (und in seinem Skript) explizit darauf hingewiesen, dass Selbstwirksamkeit "nur" der Glaube an die eigenen Fähigkeiten ist.

    hm hm hm hm ...

    die Blätter von Herrn Stangel sind ja bekannt ...

    was "einer deiner Psycholgoie-Profs" sagt, kann
    ich nicht beurteilen, da du ihn und seine Publikation
    oder den Link zu seinem Vorlesungstranskript nicht nennst ...

    Also - ich sagte
    Das ist beispielsweise die Fähigkeit,
    zu wissen, was man tun muss,
    damit es einem,
    trotz negativer äußerer Umstände,
    besser geht -
    und dieses Wissen dann auch umsetzen zu können.
    Da wir uns hier im öffentlichen Raum bewegen ist es mir
    wichtig, den Lesern den Kopf nicht gleich vor lauter
    Fachgequatsche schwummrig zu machen,
    eine explizite Unterscheidung von "Selbstwirksamkeit allgemein"
    oder dem Begriff im Kontext von Banduras Theorie
    ist m.E. deshalb "overdressed" und für ein
    Grundverständnis unnötig ...

    Aber nun gut:

    Zu meiner Aussage ...

    "zu wissen"
    bedeutet ebenso viel
    wie "ich bin absolut überzeugt davon".
    Ob das der Realität entspricht, ist zweitrangig -
    ich weiß ja auch, dass am Nordpol Pinguine leben,
    war aber noch nie dort ...

    Dieser Teil meiner Aussage entspricht der subjektiven
    Einschätzung, welche mit Selbstwirksamkeit oder
    genauer gesagt die "Selbstwirksamkeitsüberzeugun g"
    gemeint ist.

    Woraus gewinnt man diese subjektive Überzeugung?
    Genau, nach Bandura (zitiert durch Clemens,2003¹)
    sammle ich das Wissen aus
    den 4 Informationsquellen

    "zur Bildung von Selbstwirksamkeitsüberzeugung en

    1. eigene Handlungserfolge,
    2. stellvertretende Erfahrungen,
    3. verbale Überzeugung,
    4. physiologische und affektive Zustände.

    Wenn ich nach einer Inferenzierung dieser Informationen
    zu einem qualitativ positiven Ergebnis komme, wenn
    es beispielsweise um die Frage geht:
    was man tun muss,
    damit es einem,
    trotz negativer äußerer Umstände,
    besser geht -
    dann stärkt der daraus resultierende hohe Grad
    an positiver Überzeugung, bzw. dem hohen
    Grand an Selbstwirksamkeit/Selbstwirksamkeitsüberzeugung ,
    (also einer Form von Wissen), meine Motivation,
    überhaupt erst in Aktion zu treten,
    und er erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass
    ein gutes Ergebnis dabei heraus kommt ...
    Das meinte ich mit:
    und dieses Wissen dann auch umsetzen zu können.
    Deshalb meine ich immer noch, dass diese Aussage von dir falsch
    bzw. fehlinterpretiert ist:
    Fliegenpilz schreibt:

    Gerade das Umsetzen gehört nicht zur Selbstwirksamkeit. Selbstwirksamkeit bedeutet quasi nur, dass man glaubt, etwas tun zu können. Ob man das dann tatsächlich auch kann bzw. umsetzen kann, gehört nicht mehr zur Selbstwirksamkeit.
    Wenn es nicht darum ginge, irgendeine Handlung zu vollziehen,
    etwas umzuisetzen, dann gäbe es das Konstrukt der
    Selbstwirksamkeitsüberzeugung ja gar nicht.

    Handlungen, als etwas umzusetzen, sind zudem
    elementare Bestandteile, wenn es um die
    wissenschaftliche Messung von Selbstwirksamkeitsüberzeugung
    geht (zum Beispiel in der Activities-specific Balance Confidence (ABC)Scale (PDF)).

    Der Grad an Selbstwirksamkeitsüberzeugung ist
    ein elementarer Prädiktor bez. Erfolg/Misserfolg ...
    auch wenn 2 Personen physisch in der Lage sind,
    einen 5-Kilo-Klotz zu heben, wid diejenige mit
    der geringeren Selbstwirksamkeitsüberzeugung
    wesentlich größere Schwierigkeiten in der
    Umsetzung haben² ...

    Deshalb nochmal zu
    Fliegenpilz schreibt:
    Banduras Konzept geht über die Selbstwirksamkeit hinaus. Die Selbstwirksamkeit ist nur ein Bestandteil davon.
    Reden wir aneinander vorbei? Ich meine nicht Banduras Lerntheorie zum Lernen am Modell, wenn du darauf hinaus willst - habe ich mit keiner Silbe erwähnt ... dieser Einwand ist für mich aus nichts was ich geschrieben habe, logisch herzuleiten ...

    Fliegenpilz schreibt:
    Vergangene Erfahrungen sind sicher maßgeblich dafür wie ich meine eigene Selbstwirksamkeit einschätze.
    Können Sie sehr wohl - wenn ich aufgrund meiner eigenen Erfahrung sowas vor überzeugt bin, etwas nicht zu schaffen, dann haben stellvertretende Erfahrungen (Lernen am Modell ... *tüdelüüü), verbale Überzeugung oder physiologische und affektive Zustände absolut keine überzeugende Wirkung auf mich ...

    Fliegenpilz schreibt:
    Eigene Erfahrungen sind nach Bandura eine (von insgesamt vier) Quellen für die Selbstwirksamkeitserwartung.
    Aber diese Erfahrungen sind nicht Bestandteil der Definition für den Begriff Selbstwirksamkeit.
    Was verstehst du denn dann unter der "Definition" von Selbstwirksamkeit/Selbstwirksamkeitsüberzeugung ? Natürlich sind Erfahrungen Bestandteil der Definition ... das, was ich aus einer gemachten Erfahrung schließe, ist Bestandteil der Aufrechnung mit dem Ergebnis einer hohen oder niedrigen Selbstwirksamkeitsüberzeugung ...

    Kannst du mir näher erklären, was du meinst?

    1) Clemens, 2003
    Zur Entwicklung und Stärkung von Selbstwirksamkeitsüberzeugung en in ressourcenorientierten Kinder- und Jugendlichentherapien, Klemenz, Bodo,
    Verhaltenstherapie und psychosoziale Praxis, 35, (3), pp. 581-589. 2003. URL: dgvt-Verlag

    2) Präsentationsfolien von Prof. Dr. Matthias Jerusalem, Humbold Universität Berlin
    Entwicklungs- und Gesundheitsförderung durch Stärkung von Kompetenzen (zuletzt besucht am 23.6.2013)

  9. #69
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    Addler86 schreibt:
    @Fliegenpilz:

    Es ist schon fazinierend zu verfolgen, wie gut und klar du den Begriff hier erklärst bzw. abgrenzt und dann Folgerungen ziehst...
    Ui, dankeschön

    Das kann ich allerdings erst seit ich Medikamente nehme - um mal wieder die Kurve zum Thema zu kriegen
    Vorher hatte ich echt Probleme mich klar und verständlich auszudrücken. Da hatte ich zwar dann die ganzen Ideen imm Kopf, aber die waren da so chaotisch, dass ich sie nicht sinnvoll äußern konnte. Ich habe mich immer gefühlt wie ein Vogel, dem man die Flügel abgeschnitten hat


    @ habitbreaker: Vielen Dank für deinen ausführlichen Beitrag.
    Ehrlich gesagt bin ich aber etwas geschockt, welche Ausmaße das angenommen hat. Letzten Endes geht es doch nur darum, dass Fliegerlein wissen wollte, was Selbstwirksamkeit ist.
    Deine Definition finde ich nicht so passend, da für mich das Handeln, das als Konsequenz aus der Selbstwirksamkeit entsteht, nicht zur Selbstwirksamkeit gehört. Für mich ist es eine Folge davon.
    Die Skripte meiner Profs sind öffentlich leider nicht verfügbar. Allerdings bezieht sich eines der Skripte auf das Buch "Sicher und gelassen im Stress" von Prof. Dr. Gert Kaluza. Dort findet sich auf den S. 131-133 eine ausführliche Darstellung zur Selbstwirksamkeit und auch dort ist das Handeln nicht Bestandteil der Selbstwirksamkeit.
    Auch in der Skala, die du verlinkt hast, geht es ja darum, dass die Probanden ankreuzen sollen, wie zuversichtlich sie sind, dass sie unter bestimmten Bedingungen nicht ihre Balance verlieren. Es geht nicht darum, ob sie das dann auch tatsächlich so ausführen können.

    In dieser Dissertation findet man auf S.11 eine schöne Darstellung von Selbstwirksamkeit: "Nach den Vorstellungen der Selbstwirksamkeitstheorie (Bandura, 1977, 1995,1997, 199 werden psychische und behaviorale Veränderungen durch eine veränderte Einschätzung persönlicher Kompetenzen und durch die Erwartung zukünftiger persönlicher Wirksamkeit vermittelt. Diese selbstbezogenen Kognitionen initiieren kognitive, motivationale und affektive Prozesse, welche die Umsetzung von Wissen und Fähigkeiten in Handlungen steuern. Sie üben zusammen mit der Erwartung, daß eine Handlung zu einem bestimmten Ergebnis führt (Handlungs-Ergebnis-Erwartung, Kontingenzerwartung oder auch Konsequenzerwartung), eine herausragende Funktion bei der Selbstregulation aus und werden als Selbstwirksamkeitserwartungen oder Kompetenzerwartungen (oder einfach als Selbstwirksamkeit) bezeichnet."

    Die komplette Dissertation kann man sich hier runterladen.

    Bandura selber wird dann auf S. 12 zitiert: "In einer hohen Selbstwirksamkeitserwartung kommt somit die optimistische Überzeugung einer Person zum Ausdruck, über die notwendigen personalen Ressourcen zur Bewältigung schwieriger Anforderungen zu verfügen. Im Vordergrund stehen dabei nicht die objektiven Ressourcen, sondern der Glaube an diese: „Perceived self-efficacy is concerned not with the number of skills you have, but with what you believe you can do with what you have under a variety of circumstances.“ (Bandura, 1997, S. 37). Diese Gewißheit hat vielfache Konsequenzen. Sie bestimmt Motivation, Emotionen und Verhalten."

    Die letzten beiden Sätze drücken meine Meinung dazu recht gut aus. Die Selbstwirksamkeit bestimmt die Motivation, Emotion und das Verhalten. Motivation, Emotion und das Verhalten sind die Folge der Selbstwirksamkeit. Aber sie sind nicht die Selbstwirksamkeit sebst.
    Und Selbstwirksamkeit alleine reicht noch nicht aus, um ein entsprechendes Handeln in Gang zu setzen. Dazu bedarf es nach Bandura auch noch der Handlungs-Ergebnis-Erwartung. Schön wird das auf S. 11f zusammengefasst: "Menschen ergreifen die Initiative, wenn sie davon überzeugt sind, die notwendigen Handlungen ausführen zu können, und wenn sie zugleich sicher sind, daß diese Handlungen zu den angestrebten Ergebnissen führen."

    Ich möchte das Thema an dieser Stelle nicht weiter ausführen, denn ich denke, jeder hat seinen Standpunkt klar gemacht und wir haben dazu einfach unterschiedliche Ansichten.

  10. #70
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 466

    AW: Klinik rät von Ritalin auf Dauer ab

    hm, hm, hm.....

    eigentlich war ich eigentlich mehr bei Aaron Antonowsky als bei Banduras.

    .... und brauche immer noch ein Ergebnis, um von meiner Selbstwirksamkeit überzeugt zu sein, alles andere überzeugt mich mehr von meinen Unzulänglichkeiten, als davon, dass ich etwas bewirken könnte.

    Aber es war mir jetzt auch zu viel, alles komplett nachzulesen - morgen nochmal einen Anlauf nehme (muss "früh" ins Bett, eben ADHS-früh).


    Und das mit dem "wider besseres Wissen nicht besser können", da dachte ich bisher, es wäre eben menschlich, denn sonst wären wir perfekt.
    Aber stimmt ja, klar dass AD(H)Sler da noch größere Probleme haben.

    (Boh, was wird sich noch alles dazugesellen, zu dem, was typisch ist *stöhn*)

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