Seite 3 von 11 Erste 12345678 ... Letzte
Zeige Ergebnis 21 bis 30 von 108

Diskutiere im Thema ADHS und Jahrgang 1950 - 1975 im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #21
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 64
    Forum-Beiträge: 241

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Bin Jg.53 und war galt als "schwererziehbar". Meine Mutter - weiss ich rückblickend - hat versucht, mich zu schützen,
    wo sie konnte. So hat sie auch mit Drohungen verhindert, dass ich in ein Frauengefängnis kam.
    Sie drohte mir mit Kloster, damit ich einwilligte bei der alten (Schwester der Grossmutter) Tante zu wohnen.
    Sie schickte mich zur Schwester nach USA. Und so habe ich dann die Schulzeit überstanden.
    Mit 17 habe ich mein Leben selber in die Hand genommen und die Familie hat resigniert.

    Ich war impulsiv, also Vorlaut. Ich erinnere mich, dass ich oft nur mit etwas Glück um
    Schläge von Lehrpersonen oder Erzieherinnen herum kam.
    Ich lernte, dass ich nicht "warum" fragen durfte. Und wenn ich "Schimpf" bekam von der Mutter,
    musste ich zu Boden schauen, sonst kriegte ich Ohrfeigen. Offenbar blitzte mein "nicht einverstanden sein"
    in meinen Augen....

    Ich war Einzelgängerin, wurde in der Schule nur per Nachnamen gerufen, so wie das bei den eher handgreiflichen
    Jungs der Fall war. Ab der 4. Klasse hatten die meisten Jungs Angst vor mir und so hatte ich dann wenigstens
    meine Ruhe. Das Mobben war vorbei, nachdem ich jeweils handgreiflich zurück gab.

    Ich war immer das Schwarze Schaf in der Famile. Die kulturellen Regeln fand ich oft einfach nur doof oder
    ungerecht. Erstellte mir mein eigenes Bewertungssystem, andem sich mein Selbstwertgefühl ab 14J. orientierte.
    (Hätte sonst wohl nicht überlebt). Aber dieses hat auch einige Nebenwirkungen ergeben, an denen ich heute
    arbeite. Bin dadurch zu sehr in die Logik, in den Verstand gerutscht.....

  2. #22
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.418

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Hallo,

    Jahrgang 1971... Ich war immer anders, aber für meine eltern war es nicht schlimm... Ich war ehe nicht die erste die irgendwie kommisch ist in der familie. Ich war ähnlich (laut mein vater) als meine Oma vaterseite und da mein vater mühe mit ihr hatte, hatte er mit mich auch mühe gehabt... Oder einfach, 2 ADSler unten ein dach fetzen sich nun rasch...

    Ich war streng erzogen, mit körperliche straffen, aber bekam nicht mehr als meine stinosbrüdern... Ich galt als liebe mädchen, auch wenn ich sonst schon impulsiv sein konnte.

    Mit 5 jahre alt war ich an eine fachperson geschleppt die nun sagt, alles ok bei mich, nun falle ich deutlich aus der rahmen, aber kindern sind alt manchmal sehr unterschiedlich. War fèr meine eltern abgehackt.

    In der schule bekam ich problemen, konnte ich mich nicht wehren und war viel geplagt... es ging mit der zeit zu mobbing.

    es gab eine lehrerin die mit mich nicht klar kam und einiges kaputt gemacht hatte... Unten andere, fand sie mich zu sensibel. Dann bin ich echt aggressiv geworden, was mich nicht wirklich geholfen hatte. Obwohl ich es wollte, bin ich nie wie die andere geworden, ich bin immer auffällig gewesen, aber leider ehe im negative sinn, da ich aus diese zeit komorbiditäten entwickelt habe.

    Ich bin auf land aufgewachsen, konnte mich viel austobben, hatte freiraum, eltern die engagiert waren, aber war doch unglücklich, fühlte ich mich einsam und unverstanden. Zu hause war besser als in der schule, auch wenn mein vater immer wieder für kleinigkeiten laut war oder gerade noch gehaut hatte.

    Jetzt bin ich auch froh meine diagnose zu haben, aber habe auch der eindruck, der leistungsdruck ist stärker geworden, einiges ist schwieriger geworden. Dafür werden kindern heute viel weniger geprügelt und ehe gefördert...

    lg

  3. #23
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 795

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Bj. 1965
    In der Schule war ich richtig gut. Brauchte fast nicht zu lernen. Abschluß mit 1.

    Aber zu Hause bei meiner Mutter, heute weiß ich sie hatte auch ADHS, wars die Hölle. Lautstarke Auseinandersetzungen, Schläge mit der Hand, dem Gürtel, dem Teppichklopfer und einmal nahm sie den Feuerhaken.

    Als ich dann alt und groß genug war mich zu wehren wurde das besser, nachdem ich mal zurüch schlug. Naja sie nahm sich als ich 15 war das Leben. Alles in allem ´ne scheiß Kindheit.

  4. #24
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 499

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    epikur schreibt:
    ...
    ich ja 50 jahre gebraucht um zu begreifen dass ich wirklich anders bin und merke es täglich mehr. ich passe jeden tag weniger in die zeit.
    und die utopien, nicht nur die eigenen, sondern besonders die von einer anderen gesellschaft sind weiter weg denn je.
    verschulung und planung und eine in jedes geheimnis eindringende struktur, rigide und evaluierbar, mit harten zahlen und statistiken wird zum fetisch und zur grundlage der selbst- organisation und der regulierung. schließlich gibts ja messwerte...

    deine diagnose hast du heute vielleicht mit acht jahren und dann weisst du, dass du deine pillen einwerfen sollst, damit du dazu gehörst und mitmachen darfst beim rattenrennen. ich weiß auch nicht, aber ich denke ich hätte meine macke lieber vor 150 jahren gehabt... ist vielleicht teil meiner macke...
    r
    @ epikur - ich kann Deinen ganzen Beitrag zu 100% unterschreiben - und auch ich zweifle oft daran, ob ich in diese Zeit gehöre. Gedankengut von Ivan Illich oder E.F. Schumacher, sind voll mein Ding, denn die haben diese Entwicklung die Du da beschreibst, was die Gesellschaft betrifft, mit der wir geschlagen sind, bereits vor 40 Jahren erkannt. Leider hat sie keiner gehört. Alle anderen tönten lauter. So fühle ich mich auch manchmal. Es ist zum verzweifeln. Oder Eremit werden (obwohl ich eher mit Lammas, Findhorn oder Cae Mabon liebäugle). Oder Zeitreisen (150 Jahre? Stimmt, könnte reichen).

    Was mir dazu einfällt? David Bowie. Der Anfang von Thursdays Child...

    All of my life I've tried so hard
    Doing my best with what I had
    Nothing much happened all the same

    Something about me stood apart
    A whisper of hope that seemed to fail
    Maybe I'm born right out of my time
    Breaking my life in two

  5. #25
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 1.004

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Ich finde diesen Thread persönlich einen ganz wertvollen Beitrag für einen ehrlichen Umgang der Generationen untereinander, ohne die übliche Leugnung mit ihren Folgen, in einem berührenden Geist von Wahrheit u. Offenheit, auf dem sich eher stehn u aufbauen lässt. Danke auch für das Einfühlen in die Generation nach 1975. Tut gut.
    Geändert von Loyola (29.06.2013 um 23:38 Uhr)

  6. #26
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 284

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Ich bin Jahrgang 66. Die Lehrer durften nichtmehr schlagen es wurde keiner in die Ecke gestellt aber wir flogen aus dem Klassenzimmer. Ach ja und umerzogen von links auf rechts war auch nicht mehr,
    sehr zum frust meiner Mutter.

    Bei mir war es nicht so sehr die Gewalt, die Schläge die mich prägten sondern die Vorwürfe und das Ausgrenzen.
    Bei der Verwandschaft war ich nicht gerne gesehen. Meine Mutter war völlig überfordert mit mir. Die Kinder hatten immer ruhig zu sein in gegenwart der Erwachsenen.

    Überhaupt waren wir eine ganz furchtbare Familie. Es gab nur Streit und Geschrei.

    Da ich sehr schnell wütend wurde, wurde ich von allen gerne geärgert bis ich explodierte, danach kamen die Vorwürfe du wieder....., warum......, du bist......
    In der Schule war es ähnlich. Wir waren wohl eine schwierige Klasse, es gab einige aufällige in der Klasse so dass ich schon beinahe unterging.

    Durch die gesammte Schulzeit habe ich mich durchgemogelt und gehofft, dass es nach der Schule besser wird.
    Sollte aber dann doch nicht so sein.

    Seit 2008 habe ich meine Diagnose, aber auch schon ausgeprägte Komorbiditäten und ein völlig gestörtes verhältnis zu meiner Umwelt.

  7. #27
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 466

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Schon seltsam, was wir alles gemeinsam haben.

    Wäre es nicht eine "technische" Sache der Gehirnchemie, könnte man spätestens nach Lesen dieses Threads meinen, wie wären die, die (unbewusst aber ganz gesund) rebellieren gegen ein unmenschliches System.

  8. #28
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 140

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    [QUOTE=snowhopper;379365]@ epikur - ich kann Deinen ganzen Beitrag zu 100% unterschreiben - und auch ich zweifle oft daran, ob ich in diese Zeit gehöre. Gedankengut von Ivan Illich oder E.F. Schumacher, sind voll mein Ding, denn die haben diese Entwicklung die Du da beschreibst, was die Gesellschaft betrifft, mit der wir geschlagen sind, bereits vor 40 Jahren erkannt. Leider hat sie keiner gehört. Alle anderen tönten lauter. So fühle ich mich auch manchmal. Es ist zum verzweifeln. Oder Eremit werden (obwohl ich eher mit Lammas, Findhorn oder Cae Mabon liebäugle).

    Danke snowhopper
    aber ich habe nur Ein Bild bemüht,, daß eigentlich nicht weiterführt.
    vor 150 Jahren hätten wir vielleicht andere Probleme gehabt, zb . Mit Autoritäten, die seinerzeit mehr macht hatten,
    weil sie einen Talar, oder eine Uniform trugen. Ich fürchte dass an die stelle der alten Bevormundungen eine neue zeitkrankheit
    getreten ist : die maximale eigenverantwortlichkeit, die dir alles aufbürdet, was früher Staat und Kirche, das schweinesystem
    oder die Partei gegen dich unternommen haben. Die eigene Erkenntnis nicht zu passen ist ja nicht weniger grausam als der vorwurf
    von außen, den wir hätten ablehnen können. Nun müssen wir uns verstehen, und analysieren und heilen... Wir müssen uns medikamentieren und anpassen. Und alles trotz Ivan illich und Wilhelm reich, Rudolf Steiner und alle denen die weiter dachten.

    Es scheint also die Aufgabe zu sein immer in der Gegenwart zu kämpfen, damit die zukunft
    dann auf die Kämpfe von gestern zurückblicken kann, in der Hoffnung daraus zu lernen.
    ich denke es gibt wohl keine " Krankheit" die so sehr dem neuen und der Zukunft verpflichtet ist wie ads.
    Wie schön, sich nicht auf den Schmerz der Gegenwart konzentrieren zu können, ohne gleichzeitig den Trost der verVergangenheit
    und die hoffnung der Zukunft zu denken. Das können nur wir :-)
    epikur

  9. #29
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Draculine schreibt:

    Aber ich glaube schon das die meisten meines Alters
    Aufgrund der Strenge früher, sich nicht getraut hätten aus dem "Rahmen" zu fallen.
    ... richtig, statt dessen hat sich die ewige Angst eingebohrt,
    dauernd etwas falsch zu machen, etwas umzuschmeißen,
    zu laut zu sprechen, zu unruhig zu sein ... weil man
    ja gar nicht extra aus dem Rahmen fallen musste,
    das passierte eh schon dauernd, so sehr man auch
    von außen versucht hat, einen glatt zu bügeln ...


    Draculine schreibt:
    Wir haben draussen getobt, Buden gebaut und uns dreckig gemacht.
    Das war dann wahrscheinlich unsere eigene Therapie mit allem klarzukommen.
    ... und dauernd gingen die Klamotten kaputt, was wieder zu Ärger führte,
    oder man verlor eine Mütze oder einen Handschuh, was auch wieder
    Ärger bedeutete, oder man hat in seiner Wildheit einem anderen
    Kind etwas kaputt gemacht - was natürlich erst Recht Ärger gab ...

    Draculine schreibt:
    Das wir letztendlich mit mehr Komorbiditäten zu kämpfen haben,
    als die Kid`s heute, steht auch außer Frage.
    ... das glaube ich noch nicht mal - die haben heute andere Probleme ...
    dauernd diese Horrorstorys in den Medien bez. der Medis, immer
    noch das Stigma der wilden Rozlöffel, die sich nicht benehmen
    können ... nach wie vor Angst, die Diagnose im Job zu outen
    bzw. oftmals Nachteile, wenn die Diagnose bekannt wird ...
    oder sogar unter den Gleichaltrigen als "Psycho" zu gelten ...

    Geschweige denn von diesen wilden Indigo-Kind-Geschichten ...

    Eigentlich glaube ich auch, dass meistens nicht die unerkannte
    Diagnose unser eigentliches Problem war, sondern die Tatsache,
    dass wir so, wie wir waren nicht respektiert wurden ... dass
    uns dauernd alle Fehler gespiegelt wurden und uns jeder
    Tag Eselsohren im eigenen Selbstwert verursachte, an dem
    etwas kaputt ging, man etwas umgeschüttet hat oder da
    wieder ein blauer Fleck war, dessen Herkunft man
    nicht rekonstruieren konnte ... also jeder Tag halt ...

    Und die Probleme gibt es ja heute auch nocht ...

  10. #30
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 2

    AW: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975

    Hallöle in die Runde!

    Und gleich zu Beginn schon mal vielen Dank für die Einblicke in Euer Erleben - da klingt vieles vertraut, und einige Aussagen "kitzeln alte Erinnerungen wach".

    Hmja, als 68er-Modell scheine ich wohl das allerschlimmste verpasst zu haben (in dieser Erkenntnis steckt schon ein Quentchen Erleichterung, denn auch die "softere Variante" fand ich immer noch schlimm genug) . . .

    . . . jedenfalls wurde bei uns nich mehr wild rumgeprügelt, aber ein Grundschullehrer warf gern (und zuweilen recht zielgenau) mit großen Kreidestücken um sich und hätte wohl gerne, wenn er sich noch getraut hätte, manches Ohr massiv in die Länge gezogen . . .

    . . . auf´m Gymmi ging´s, bis auf unseren Sportlehrer, der mit (übelsten) Beschimpfungen meinte, uns motivieren zu können . . . und einige wenige Male flogen im Konfi-Unterricht Pfarrers Holzpantinen durch die Luft (wobei ich das noch am ehesten verstehe, da wir a. quantitativ eine Riesengruppe waren, und dazu dann noch b. ein ziemlicher "Sauhaufen").

    Nein, zu meiner Schulzeit waren es mehr so Themen wie "vor der Klasse runtergemacht zu werden", Ausgrenzung durch Mitschüler, ein stetiges "sich falsch fühlen" (ohne zu wissen, warum) und dann eben auch die eigene Verwunderung darüber, um die eigene Intelligenz zu wissen, die eigene (sehr hohe) Leistungsfähigkeit In Teilbereichen zu erleben, nur um direkt danach Zeuge eines "Komplettversagens" in anderen Fächern zu werden.

    Was mir als Kind wohl total abging (heute klappt das zum Glück ganz gut), war die Fähigkeit, mich selbst reflektieren zu können (klar, können die wenigsten Kids, aber in der weiterführenden Schule könnte das ja dann mal so langsam einsetzen . . . tat es bei mir aber nicht), und so dann wenigstens irgendwie einen Schlüssel, warum Andere mich offensichtlich so "seltsam" finden, daraus ableiten zu können.

    Jedenfalls kam ich mir meine Kindheit über nahezu ständig wie "im falschen Film" vor . . . . ich erinnere mich an Szenen, wenn ich - auf dem Klo sitzend - darüber nachdachte, wer es denn wohl sei, der dieses Drehbuch "verbrochen" haben könnte, und ob wohl das ganze Leben so ablaufen würde, stets mit diesem etwas surrealen Gefühl im Hinterhalt, nicht wissend, was von mir erwartet wird und, schlimmer noch, warum . . . oder ob dieses Rätsel dann vielleicht doch zu irgendeinem Punkt mal "aufgelöst" wird, ob jemand kommt und mir das alles erklärt . . "Schau, das musste alles so sein, weil . . ".

    Nun, die Erklärung erfolgte jedenfalls bis dato nicht, und so bin ich auch heute noch zuweilen damit beschäftigt, meine "losen Enden irgendwie verknotet zu kriegen".

    Wer weiss, vielleicht wäre meine Schullaufbahn etwas anders verlaufen, wenn nicht bereits der absolute Anfang derselben gleich unter negativen Vorzeichen erfolgt wäre . . jedenfalls war es für meine Mitschüler bereits "ausreichend anders", dass ich der einzige Schüler war, der keinen breiten Dialekt (na gut, ein paar Mädels haben auch nur minimalen Dialekt gesprochen, aber das waren eben 1. Mädels und 2. haben die eh so gut wie nie was gesagt, ergo fiel das auch nicht ins Gewicht) sprach, sondern komplett akzentfreies Hochdeutsch (und dies auch gern in längeren, aber immer in sich stimmigen Schachtelsätzen). However, in MEINER ersten Klasse war das hinreichende Qualifikation für die ultimative Outsiderrolle.

    Und das hiess damals leider nicht nur ausgegrenzt sein, sondern im Bestfall "gedisst" zu werden, konnte (und das tat es unerquicklich häufig) aber auch zu "erweiterten physischen Attacken" führen . . . . mit diesen lebte ich knapp 3 Jahre lang, bis ich gegen Ende der 3. Klasse dann mal komplett "ausklinkte" und 3 der "kleinen Gangster" gleichzeitig vermöbelt hab . . . danach hatte ich für den Rest der Grundschulzeit "Ruhe" (war also nur noch gemieden, aber kein "Opferrollenaspirant" mehr).

    Dummerweise war das keine lange Schonzeit, denn dann kam ja schon die weiterführende Schule, und das ganze Drama ging von vorne los . .

    Leider muss ich sagen, dass ich in dieser Hinsicht weder meine Eltern noch das Lehrpersonal als sonderlich hilfreich empfand . . . seitens der meisten Lehrer (es gab auch ein paar wenige engagierte und empathische darunter; die hatten nur leider oft "hierarchietechnisch" wenig zu sagen und gingen irgendwie in der Masse der gänzlich Pädagogikungeeigneten unter) wurde mir eben auch einfach nur mein "Anders-Sein" und mein "nicht reinpassen" wiedergespiegelt, und meine Eltern waren mit der Tatsache, ein "anderes" Kind zu haben, total und hoffnungslos überfordert.

    nun denn, HEUTE liegt ein gutes Vierteljahrhundert zwischen mir und diesen Ereignissen . . . und natürlich sehe ich Vieles jetzt aus einer ganz anderen Warte (allein schon, weil ich mittlerweile selbst 3 Kinder ver- ääääääh ERzogen habe). Was bleibt, ist eine umgebende Gesellschaft, die Einiges dazugelernt hat, aber auch heute noch tendenziell "allem, was anders ist", eher skeptisch und distanziert begegnet, und, wenn ich bei mir bleibe, ein durchaus relevantes Maß an "nicht-angepasst-sein-können" (bzw., je nachdem, worum es geht, auch nicht-WOLLEN!), sowie der Fakt, in bestimmten Kontexten entweder anders oder schlichtweg GAR NICHT zu funktionieren.

    Soooo, und nun freue ich mich darauf, heute abend alle vorausgegangenen postings noch einmal, mehr in Ruhe, zu lesen, denn da steckte viel "Weiterdenkenswertes" drin, und bin mal gespannt auf den weiteren Austausch.

Seite 3 von 11 Erste 12345678 ... Letzte

Stichworte

Thema: ADHS und Jahrgang 1950 - 1975 im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum