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Diskutiere im Thema Falsche Diagnose? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    Falsche Diagnose?

    Hallo zusammen,


    ich bin 21 Jahre alt und in den letzten Wochen wurden bei mir verschiedene Tests zur Diagnose von AD(H)S gemacht. Diese wurde von einem Arzt durchgeführt, der ein Fachmann auf dem Gebiet ist und es wurden alle Punkte erfüllt, die in dem ersten Thread stehen. Ergebnis war schließlich, dass kein AD(H)S vorliegt. Jedoch glaube ich, dass diese Diagnose falsch ist. Die Gründe werde ich nach einer kurzen Erläuterung der Begleitumstände nennen.

    Ich befinde mich seit einem guten Jahr wegen Depressionen in der Behandlung bei einem Psychotherapeuten. Dieser empfahl mir schließlich auch mich testen zu lassen. Diese Depressionen kommen einerseits zustande durch den Tod meines Vaters im Jahre 2008, den ich aufgrund mangelnder Kontaktpersonen nie wirklich verarbeiten konnte.
    Zwar habe ich zwei Geschwister und meine Mutter, jedoch habe ich zu allen dreien kein besonders gutes Verhältnis. Überdies war meine Mutter zum Zeitpunkt des Todes von meinem Vater geschieden und kam aufgrund der persönlichen Differenzen als Ansprechpartner nicht in Betracht. Mein Vater war erneut verheiratet, seine Frau war jedoch seitdem ich denken kann, nie wirklich an einer guten Beziehung zu seinen Kindern (also auch mir) interessiert. Nach seinem Tod wurde das Verhältnis zu ihr noch schwerer belastet, indem ein Rechtsstreit um das Erbe meines Vaters einsetzte, den sie so gut es ging sabotierte.Außer meinem Vater gab es in den letzten 10 Jahren keine Bezugsperson für mich, bei der ich Rat suchen konnte.
    Zwar habe ich seit knapp einem Jahr eine Freundin, die mich sehr gut versteht und unterstützt, doch bis auf sie habe ich eigentlich keine Menschen mit denen ich über meine Probleme sprechen kann. Meine Freundschaften sind alle durch meinen Umzug aufgrund des Studiums weniger intensiv geworden und in meinem Studienort gibt es leider nicht die Art von Freunden mit denen ich gerne über so etwas spreche.

    So nun zur Diagnose an sich.

    1. Verhaltensweisen

    Dabei wurde ich zu meinen Verhaltensweisen in der Kindheit und meinen Problemen im Alltag heute befragt. Antwort meinerseits war (durch Zeugnisse belegt), dass ich ein sehr lebhaftes und impulsives Kind war, das in der Schule öfters mal aneckte und starke Wutausbrüche hatte. Heute habe ich sehr starke Stimmungsschwankungen aufgrund kleinster Ereignisse kann jedoch in den meisten Fällen meinen Zorn bändigen.Dazu habe ich starke Probleme beim auditiven Verstehen in der Vorlesung, Konzentrationsprobleme beim Lernen und bin Meister der Prokrastination Jedoch kann ich mich in Drucksituationen, wie Klausuren, extrem auf etwas konzentrieren. Zudem vermeide ich es so gut es geht schlechte Nachrichten in den Medien zu lesen und mich damit auseinanderzusetzen, weil mich das Mitleiden sehr stark anstrengt. Überdies stehe ich unter einer stetigen inneren Unruhe und mich nur in ganz seltenen Fällen entspannen.

    2. Neuropsychologische Untersuchungen

    a) Intelligenztest
    Verbalteil: 154 Handlungsteil: 125 Gesamt: 148
    Ein Zeichen für AD(H)S ist laut meiner Recherche die große Diskrepanz beim IQ-Test zwischen Handlungs- und Verbalteil. In meinem Fall sind das fast 30 Punkte, jedoch kann ich nicht beurteilen, ob das ausreichend ist gerade weil der Test je höher der Wert ist, immer ungenauer wird.

    b) Computergestützte Testbatterie zur Aufmerksamkeitsprüfung TAP
    Arbeitsgedächtnis: Hier bin ich schlechter als 96% der Probanden
    Inkompatibilität: Hier bin ich schlechter als 79% der Probanden
    Visuelles Scanning: Hier bin ich schlechter als 46% der Probanden, wobei ich zum Schluss gefühlt extrem (!) viel länger gebraucht habe die Aufgaben zu bewältigen als zu Anfang. Dies wurde jedoch nicht berücksichtigt, sondern ausschließlich die Anzahl der Fehler gezählt und die mediane Bearbeitungszeit berücksichtigt.
    c) Checklisten
    DSM IV-Fragebogen: Unaufmerksamkeit 8/9; Hyperaktivität/Impulsivität 7/9
    Copeland Checkliste: insgesamt mäßige bis erhebliche Beeinträchtigung
    EEG und sonstige Körperwerte sind normal

    Eine biographische Anamnese seitens meiner Mutter fehlt leider aufgrund des schlechten Verhältnisses bzw. ich habe nachgefragt, aber leider noch nichts erhalten. Zudem befürchte ich, dass dieses sehr subjektiv gestaltet sein würde. Als ich sie auf die Problematik AD(H)S anprach, reagierte sie sehr abweisend.

    Ich leide sehr an meiner teils starken Impulsivität und meinen krassen Stimmungsschwankungen und hatte auf die AD(H)S-Diagnose als Erklärung für alles gehofft. Somit mag auch der Wunsch nach einer Lösung Vater meines Gedankens sein den Test anzuzweifeln. An sich ist der Arzt ja auf AD(H)S-Patienten spezialisiert und behandelt fast ausschließlich solche. Er hatte überdies Zweifel an der eigenen Diagnose und hat erst nach Rücksprache mit meinem Therapeuten von einer testweisen medikamentösen Behandlung abgesehen.Ich hoffe ihr könnt mir bei der Problematik weiterhelfen.
    Sollten noch Fragen offen sein, werde ich sie so umfassend wie möglich beantworten.

    Liebe Grüße
    Matt
    Geändert von Matt234 (25.05.2013 um 00:42 Uhr)

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Falsche Diagnose?

    hallo matt,

    hast du dich schon mal informiert wie hoher iq und adhs zusammenhängen? evtl. kommen dadurch falsche diagnosen zustande.
    z.b. dadurch, dass du durch intelligenz einige adhs symptome kompensierst und es daher nicht auffällt.

    und vielleicht besteht ja auch die möglichkeit eine zweite meinung einzuholen?

    ich wage da jetzt aufgrund deiner beschreibung zu sagen, dass der arzt falsch liegt. könnte sein, muss aber nicht.

    lg

  3. #3
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Falsche Diagnose?

    Hallo Matt,

    dass Du in irgendeiner Form "auffällig" bist, geht aus Deinem Bericht hervor, dass die von Dir beschriebene Problematik der AD(H)S sehr nahe kommt, sehe ich auch so, allerdings gibt es vielfältige "sozialisationsbedingte Verhaltensauffälligkeiten", die sich sehr ähnlich zur AD(H)S verhalten.

    Ein guter Freund, der auch mit "auffälligen Jugendlichen" arbeitet, hat bei sich lange eine ADHS vermutet, dann hat er ein Buch über Missahndlung gelesen (Ich glaube: "Phillip lernt das Schreien", oder so) und sich darin wiedergefunden. Heute sagt er: "Nein, ich habe keine ADHS, ich bin ein misshandeltes Kind." ( Beispielsweise bekam er von der Oma, mit der er in einem Haushalt lebte, oft einfach so im Vorbeigehen eine kräftige Ohrfeige, kann ja nie schaden...)

    Im frühkindlichen Alter wächst das Gehirn ja enorm, wenn da "was schiefläuft", kann das sehr prägend für die weitere Entwicklung sein....

    Welche Diagnose hast Du denn stattdessen?

    LG Tanja

  4. #4
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.214

    AW: Falsche Diagnose?

    Hallo Matt,

    ich danke dir für deine ausführliche Vorstellung.

    Hier bist du bestimmt nicht verkehrt, da hast ja bereits zwei Antworten bekommen, die auf deinen Bericht eingehen.

    Bald dran an der Sache, eine zweite Meinung wäre bestimmt nicht verkehrt.

    Liebe Grüße
    Gretchen.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Falsche Diagnose?

    Hallo Anna, Tanja und Gretchen,

    vielen Dank für eure schnellen Antworten.

    Explizit zum Zusammenhang zwischen Intelligenz und AD(H)S habe ich mir erst durch dich, Anna, gerade etwas durchgelesen, wobei der Arzt als Spezialist so etwas ja eigentlich berücksichtigen sollte, oder?
    Das Problem ist, dass die Ärzte in meiner Umgebung alle erst in mehreren Monaten Termine haben, ich jedoch in 1,5 Monaten für ein halbes Jahr in Ausland gehe. Demnach kommt eigentlich nur mein behandelnder Arzt zur Diagnosestellung in Betracht, weil die Praxis auch privat ist und dadurch nicht so überlaufen. Aber ich bin stetig dabei nach Alternativen zu schauen.

    Ich glaube schon, dass ich keine einfach Kindheit hatte. Einfach durch das Verhalten meiner Eltern, also die Trennung und den darauffolgenden Umgang miteinander. Ob das schließlich dazu ausreicht, um mich heute noch zu beeinflussen könnte ich mir sehr gut vorstellen. Jedoch habe ich im Moment nicht das Gefühl, dass meine Probleme daher rühren, ich werde mich aber auf jeden Fall morgen intensiver damit auseinander setzen. Bisher habe ich es noch nicht von dieser Seite betrachtet. Vielen Dank für deinen Hinweis!
    Die Diagnose lautet: Dysthymie, kein AD(H)S


    Liebe Grüße

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Falsche Diagnose?

    hm, also auf chronische depressionen hätte ich jetzt bei deinen beschreibungen nicht getippt.

    eigentlich sollte der arzt auch deine intelligenz berücksichtigen. immerhin hast du ja schon ein testergebnis.
    mir wurde erst jetzt nach der diagnose adhs geraten, ich solle einen iq test machen.
    hab mich da jetzt auch mal eingelesen und hab mich doch erschreckend wiedergefunden in den beschreibungen der underachiever. nach dem motto man ist auch unaufmerksam und frustriert durch die langeweile etc.
    dass ich scheinbar vieles mit intelligenz kompensiere, hat mir die psychologin sozusagen schon quittiert. könnte also bei dir evtl. auch der fall sein? sie meinte, dass das adhs wohl bei mir erst in phasen herauskommt, wo ich mich besser selbst strukturieren muss und anspruchsvollere aufgaben erledigen muss.

    geduld zählt ja hier nicht gerade zu unseren stärken, aber es kann leider recht lange dauern bis man zur (richtigen) diagnose kommt. also nicht den mut verlieren.

    sonst mach dir eben schon mal einen termin für nach deinem auslandsaufenthalt. dann bist du während der wartezeit wenigstens gut abgelenkt.

    alles gute!

  7. #7
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Falsche Diagnose?

    Ich habe mal Dysthymie gegoogelt,
    wenn ich ehrlich bin, kam mir beim Lesen des "Krankheitsbildes" einerseits der Gedanke, dass das eine "Alternativdiagnose" zur AD(H)S (für die AD(H)S-Gegner) sein könnte.... andererseits habe ich beim weiteren Lesen gedacht, dass die da so ziemlich alles unter einen Namen fassen, was sie anders nicht erklären können....

    Wenn ich das richtig gelesen habe, ist die Dysthymie auch eine sehr umstrittene Diagnose...

    In dem Fall würde ich auch auf jeden Fall eine weitere Diagnose einholen, gerade auch, weil die Kompensation durch Intelligenz ja durchaus als Schwierigkeit bei der Diagnosestellung gesehen wird, wer jahrelang gut kompensiert hat, "kann ja keine AD(H)S haben, weil der lebenslange Leidensdruck fehlt" .....

    Kennst Du das große Handbuch für Erwachsene mit ADHS von Russell Barkley? Das Buch kann Dir vielleicht gut weiterhelfen, allerdings vermisse ich beim Barkley die Ebene der Wahrnehmung (Selbst-, Fremd-, emotionale Wahrnehmung)....aber er hat "Fragebögen für Erwachsene" entwickelt, die derzeit gültigen Diagnosekriterien beziehen sich primär auf Kinder und werden eben auch bei Erwachsenen angewandt, bei Erwachsenen ist die AD(H)S ja noch nicht lange eine "anerkannte Erkrankung/Störung"....

    Die DSM 4 soll bald von der DSM 5 "abgelöst werden, wo das dann auch berücksichtigt werden soll...

    LG Tanja

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Falsche Diagnose?

    aha, ich dachte dysthemie sei sowas wie eine lang anhaltende depression? ist wohl eher eine vage diagnose.

    falls du die diagnosefragebögen zu adhd mal anschauen magst...



    http://www.divacenter.eu/Content/Ver...%202.0.pdf.pdf

    lg

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Falsche Diagnose?

    Naja grundsätzlich bin ich ja gerade deswegen bei einem Therapeuten in Behandlung. Das, was mich am meisten stört ist auch weniger die mangelnde Konzentration, die ich, wie du schon sagst, mit meiner Intelligenz kompensieren kann. Vielmehr ist es diese ständige innere Unruhe, diese Selbstzweifel, das Gefühl alles falsch zu machen und, dass ich manchmal wegen Kleinigkeiten jähzornig werde. Gerade der Umgang mit anderen Menschen wird mir dadurch sehr erschwert.
    Ja diese Geduld zu haben ist nicht einfach... aber den Tipp mit dem Termin nach dem Ausland werde ich beherzigen. Danke!

    Die Diagnose Dysthymie finde ich auch sehr schwammig. Das deckt ja auch eigentlich alles ab, was 1. chronisch ist und 2. das Seelenheil betrifft.
    Das einzige Buch, was ich bisher zu ADHS gelesen habe, ist "Zwanghaft zerstreut", aber das fand ich so schlecht und langweilig geschrieben, dass ich nicht lange durchgehalten habe.
    Hmm gerade diese Thematik der emotionalen Selbstwahrnehmung finde ich eigentlich am interessantesten, weil ich glaube, dass ich da die meisten Probleme habe. Ist ja auch nicht gerade billig das Buch, aber es setzt sich scheinbar eher wissenschaftlich mit dem Thema auseinander oder?

    Vielen Dank für diese Fragebögen, das erhärtet eigentlich meine Vermutung nur noch. Beim Überfliegen habe ich das Gefühl gehabt fast überall mind. ein Häkchen machen zu können.

    Liebe Grüße und gute Nacht!

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Falsche Diagnose?

    Hallo Matt,

    ich weiss nicht, ob es dir weiterhilft, aber meine Ärtze haben mir gesagt, dass eine ADHS-Diagnostik WÄHREND einer depressiven Episode nicht gewissenhaft zu stellen ist. Vielleicht hat genau dieses Problem dein Arzt. Ich würde mir nochmal alles genau von ihm erklären lassen, auch die Unterschiede.

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