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Diskutiere im Thema Falsche Diagnose? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 2.054

    AW: Falsche Diagnose?

    Wenn ich solche Fragebögen sehe, rege ich mich recht schnell auf. Aus verschiedenen Gründen.

    Viele der Fragen enthalten Bewertungen, meist aus Sicht eines Nicht-ADSlers. z.B. Kommt häufig zu spät.

    Wie kann man sowas mit ja oder nein beantworten? Was ist häufig? Und was ist zu spät? Aus wessen Sicht?
    Wenn ich als Kind 10 Minuten "zu spät" zum Essen komme, es trotzdem noch auf dem Tisch steht und vielleicht nicht mehr heiß ist, was solls? Wenn die Eltern gelassen reagieren, ist alles ok und ich beantworte die Frage mit nein. Regen sich meine Eltern auf, "Ständig kommst du zu spät!", bestrafen mich mit einer Ohrfeige oder Essensentzug, dann wird das wohl eher ein ja.

    Diese Fragebögen machen mir während ich sie Ausfülle Vorwürfe, vor allem, weil ich ja auch an meine Kindheit zurückdenken soll. Es kommen allerlei Emotionen hoch, viele Kränkungen, die ich damals erfahren habe. In diesem Streßzustand kann ich den Bogen nicht mehr Objektiv ausfüllen. Ich will auch möglichst schnell aus dieser unangenehmen Situation heraus, mache Kreuze, ohne weiter zu überlegen.

    Oder ich werde ärgerlich und zerpflücke die Fragen: "Verlieren Sie häufig Dinge, die zur Erledigung von Aufgaben oder Tätigkeiten erforderlich sind?
    Trat dies auch im Kindesalter auf?" Was soll das denn? Ist mein Spielzeug oder meine Jacke zur Erledigung von Aufgaben oder Tätigkeiten erforderlich? Doch eher nicht. Wenn ich alle 4 Wochen eine Jacke verliere, ist das für ein Kind vielleicht nicht oft, für die Eltern, die jeden Monat eine neue kaufen müssen schon.

    Wie soll ein Fragebogen, der unter solchen Bedingungen ausgefüllt wird, entscheidend sein, ob ein hilfesuchender Mensch die notwendige Diagnose bekommt, um schließlich die Medikamente oder Therapien zu bekommen, die er dringend braucht?
    Es ist völlig von der Bewertung des Ausfüllenden und der Interpretation der Fragen abhängig. Und dann noch diese Logik-Verknüpfungen. Trifft A und B oder C zu? Ein Mathematiker liest die Frage anders als ein Laie. Und in der Streßsituation wird die Logik vielleicht auch nicht richtig erfaßt. Manchmal habe ich auch den Eindruck, daß die Fragebogenersteller selbst nicht die Logig verstehen, die sie da zusammenbasteln.
    Warum fragt man nicht A, B, und C einzeln ab? Dann gibt es keine Mißverständnisse.

    "Folgen Sie häufiger Anweisungen nicht und gelingt es Ihnen nicht, Aufträge zu vollenden oder Ver-
    pflichtungen bei Ihrer Arbeit nachzukommen? Trat dies auch im Kindesalter auf?"

    Hallo? Ist das die Version für Indien mit Kinderarbeit?

    Ich höre jetzt besser auf.
    Meine Meinung: Wenn eine Diagnose mit solchen Fragebögen zustande kommst ist sie sehr wackelig. Würfeln würde schneller gehen.

    Wer also nach längerem Lesen in diesem Forum das Gefühl hat, daß ADS genau das Ding ist, das sein Leben bestimmt, der Arzt aber sagt, es sei kein ADS, dann sollte er sich eine zweite oder dritte Meinung einholen.

    Tiefseele

  2. #12
    Gibt´s Kaffee ?

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 1.610

    AW: Falsche Diagnose?

    Matt234 schreibt:
    Hmm gerade diese Thematik der emotionalen Selbstwahrnehmung finde ich eigentlich am interessantesten, weil ich glaube, dass ich da die meisten Probleme habe. Ist ja auch nicht gerade billig das Buch, aber es setzt sich scheinbar eher wissenschaftlich mit dem Thema auseinander oder?
    In dem thread kannst Du Dich über das Buch schlau machen. Das ist eher für Menschen mit AD(H)S Verdacht, oder gerade diagnostiziert, geschrieben, finde ich.
    Vor allem sehr AD(H)S-freundlich geschrieben, viele Absätze, Verweise zwischen den Kapiteln, so aufgebaut, dass man auch erstmal mit einzelnen Kapiteln anfangen kann, viele Fragebögen und Tipps zum Umgang mit der AD(H)S..

    https://adhs-chaoten.net/ads-adhs-bu...sene-adhs.html

    LG Tanja

  3. #13
    Immer eingeloggt

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 464

    AW: Falsche Diagnose?

    Tiefseele schreibt:
    Und dann noch diese Logik-Verknüpfungen. Trifft A und B oder C zu? Ein Mathematiker liest die Frage anders als ein Laie. Und in der Streßsituation wird die Logik vielleicht auch nicht richtig erfaßt. Manchmal habe ich auch den Eindruck, daß die Fragebogenersteller selbst nicht die Logig verstehen, die sie da zusammenbasteln.
    Tatsächlich, als ich gerade über diese Logik nachgedacht habe: Was ist es nun '(A und B) oder C' oder 'A und (B oder C)' etc.?
    Hat da noch nie jemand diese Art von Fragebögen kritisiert?

  4. #14
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Falsche Diagnose?

    Wenn die Fragen hier bei einigen solche Reaktionen auslösen, sie an Vorwürfe etc. erinnern, sind sie doch genau richtig oder?

    Ertappt sozusagen.......


    Und ein Diagnosegespräch danach klärt doch dann auch evtl. Kompensationsstrategien/Falsch- und Überinterpretationen auf. Die Fragebögen dienen doch nur zum Vorscreening.

  5. #15
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Falsche Diagnose?

    Vielen Dank für zahlreichen Antworten von euch allen.

    @Creatrice:
    Ich kann mir gut vorstellen, dass es schwierig ist ADHS aufgrund der vielen ähnlichen Symptome zu diagnostizieren, aber vielleicht wird die Depression ja auch durch das ADHS ausgelöst. Durch mein Scheitern an meinen selbst gesetzten Idealen, ziehe ich mich so runter, dass daraus eine Depression entsteht. Es ist demnach schwierig abzugrenzen, aber eine kompletter Ausschluss finde ich, ist gerade aufgrund der großen Möglichkeit einer Fehldiagnose, nicht richtig.

    @Tiefseele:
    Deine Kritik ist mit Sicherheit zu einem gewissen Punkt berechtigt. Jedoch haben solche Checklisten mE eine gewisse Daseinsberechtigung. Natürlich sind viele Antworten subjektiv und abhängig von den persönlichen Erfahrungen und Maßstäben, die man selbst setzt. Aber ich glaube nicht, dass dadurch ihr Zweck komplett verfehlt würde. Denn eine rein objektive Diagnose ist sowieso kaum möglich, weil die Untersuchungen viel zu umfassen sein müssten. Die Liste soll zudem ja nur einen Anhaltspunkt zu weiteren Tests bieten und die Diagnose nicht ersetzen. Überdies komme ich durch so etwas immer wieder zu Denkanstößen, die ich von alleine nicht in diesen Zusammenhang gebracht hätte. Zum Beispiel hatte ich schon immer die Angewohnheit meine Sachen zu verlegen, sodass ich, wenn ich schnell los musste, erstmal meine Sachen suchen musste. Oft habe ich dann auch so Sachen, wie Portmonnaie oder Schlüssel trotzdem vergessen. Ich habe mir jetzt zwar angewöhnt vor dem Schließen der Tür meine Hosentaschen abzuklopfen, um zu schauen, ob alles da ist, aber jedes dritte Mal fällt mir dabei auf "Oh wo ist eigentlich mein Schlüssel?!".
    Ohne diese Checkliste hätte ich das aber nicht mit ADHS in Zusammenhang gebracht.
    Anderes Beispiel, mir wird immer gesagt, ich solle leiser sprechen und nicht so "schreien". Also aus meiner Laiensicht habe ich keine Chance da eine Verbindung zu sehen.
    Ich gebe dir Recht, dass manche Fragen ungeschickt gestellt sind und auch eine sehr subjektive Wertung innehaben, doch schlussendlich erfüllt die Checkliste mE ihren Zweck.

    @Tanja:
    Vielen Dank noch einmal für den Hinweis, ich habe mir das Buch schonmal in der hiesigen Bibliothek vorgemerkt.

    Liebe Grüße
    Mattias

  6. #16
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Falsche Diagnose?

    Nein, nein! Ich meinte nicht einen kompletten Ausschluss...... bei mir ist ja auch beides festgestellt worden. Sie haben gemeint, dass WÄHREND einer depressiven Episode eine Diagnostik nicht gewissenhaft möglich ist. Danach kann man ja noch mal eine machen.

    Da eine Depr. Episode mit kognitiven Einschränkungen, schlechtem Selbstbild, etc. einhergeht ist es wirklich kaum abzugrenzen. Aber nach einer Episode verschwinden nunmal zumindest die kognitiven Einschränkungen. Das wurde mir auch genau als Unterschied genannt.

    Wenn erstmal eine akute Depression im Vordergrund steht, sollte man die eh erst behandeln. Wie bei einem eitrigen Schnupfen....... erstmal wird der akut behandelt..... ob da eine chronische Sinusitis dahinter steckt kann man dann gucken und ggf. behandeln.

  7. #17
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 2.054

    AW: Falsche Diagnose?

    Matt234 schreibt:
    Die Liste soll zudem ja nur einen Anhaltspunkt zu weiteren Tests bieten und die Diagnose nicht ersetzen.
    Das ist eben die Frage, ob nicht der Fragebogen die Hauptrolle spielt. Bei einem erfahrenen ADS-Spezalisten, der sich Zeit für ein ausführliches Gespräch nimmt, ist das sicher kein Problem. Der würde den ADSler wahrscheinlich auch ohne den Fragebogen erkennen. Ich denke, der Arzt sollte den Bogen zusammen mit dem Patienten abarbeiten, um zu sehen, ob der Patient die Fragen verstanden hat, ob er noch bei der Sache ist, ob er weitere Erläuterungen braucht, ob er unsicher ist usw.

    Tragisch ist es aber, wenn ein Allgemeinmediziner mithilfe des Fragebogens einen Test macht, zu dem Schluß kommt, daß kein ADS vorliegt, und der ADS-Patient dadurch keine Medikation und sonstige Hilfe bekommt. Wenn er die Diagnose "kein ADS" so hinnimmt leidet er u.U. sein ganzes Leben darunter als "fauler Versager".

    Es wird viel davon gesprochen, daß ADS zu oft und schnell diagnostiziert wird. Ich fürchte aber, daß es gerade bei Erwachsenen eher zu selten herauskommt. Mit fatalen Folgen für den Unerkannten.

    Tiefseele

  8. #18
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Falsche Diagnose?

    Nun ja, aber es bleibt ja jedem selbst überlassen, ob er sich an einen Allgemeinmediziner oder an eine (gründliche) Fachperson wendet......

    Es ist genauso tragisch wenn der Allgemeinmediziner falsch positiv diagnostiziert.

  9. #19
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 55
    Forum-Beiträge: 2.054

    AW: Falsche Diagnose?

    Das Forum ist voll von Schicksalen von zu-spät-Diagnostizierten.

    Von Nicht-ADSlern, die Probleme wegen einer falschen ADS-Diagnose bekommen haben, hört man sehr selten. Spätestens, wenn sie MPG nehmen und wie ein ausgeschäuchtes Huhn durch die Gegend rennen, wird man sehen, daß da ev. was mit der Diagnose nicht stimmt.

    Wer es sich leisten kann, ohne Überweisung zum Facharzt zu gehen, sollte das auf jeden Fall vorziehen.

    Tiefseele

  10. #20
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 9

    AW: Falsche Diagnose?

    Also mein behandelnder Arzt beschäftigt sich eigentlich ausschließlich mit AD(H)S Patienten, demnach hat er auch Erfahrung damit und sollte sich auskennen. Dennoch habe ich das Gefühl, dass bei der Auswertung meiner Ergebnisse geschlampt wurde. Gerade meine potenzielle Leistungsfähigkeit im Vergleich zu meinen Leistungen bei den Aufmerksamkeitstests, sowie die Diskrepanz zwischen Handlungs- und Verbalteil beim IQ-Test wurden praktisch unterschlagen.

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