Oha ....älterer Hausarzt....das ist eine Herausforderung kenne ich.

Ich habe dir nicht geschrieben, dass du deinen Beruf ausübst, damit andere glücklich sind. Natürlich sollst DU damit glücklich sein. Es sollte eine Metapher darstellen.

Und irgend einer muss es dir doch vor gelebt haben, erzählt haben, dich ermahnt haben, dass man sich um die Zukunft sorgen muss. Dass man nicht verantwortungslos so mit sich umgehen kann.
Oder du hast es in einem Magazin gelesen oder sonst wo.

Wer bestimmt denn, was verantwortungslos vor sich her leben überhaupt ist? Dieses Urteil, dass man verantwortungslos ist, macht man sich doch selber. Und liebe K_haos....du bist nicht verantwortungslos, im Gegenteil.

Ich sehe, dass bei dir das Gleiche passiert wie bei mir ist. Mein Vater hat mir bis ich ausgezogen bin mit 18 immer regelrecht gepredigt, dass man einen Beruf erlernen MUSS, dass man dem Staat nicht auf der Tasche liegen soll, dass man sparen muss für die Zukunft, dass man asozial ist wenn man arbeitslos ist.....etc.

Kaum war ich das erstemal arbeitslos (es waren nur 2 Wochen) bin ich schon fast aus dem Fenster gesprungen vor lauter Scham. Ich konnte noch nicht mal einem Nachbarn in die Augen sehen. Der sah mich ja tagsüber und da war ich ja normalerweise auf der Arbeit. Also hat er doch direkt gesehen, dass ich ne Arbeitslose bin !!!!! Um Gotteswillen ich war eine "Geschändete". Ja so kam ich mir vor. Klein, elend und mies. Und meinem Vater konnte ich gar nicht berichten von meiner Arbeitslosigkeit.

Das war jetzt nur ein Beispiel. Aber genauso wird es uns doch "beigebracht" von den Eltern. Oder wir sehen es bei Freunden, dass es so sein MUSS. Das ist doch alles nur Gehirnwäscherei.

Natürlich sind hier einige von uns, die einen lückenhaften Lebenslauf haben und heute ihre Geldsorgen, weil sie keinen Job mehr bekommen haben, weil sie ja so schlechte, blöde und dumme Menschen sein müssen, denn sonst wären sie ja nicht so oft ohne Arbeit gewesen.

Ja das ist unsere Gesellschaft, unser kapitalistischer Staat. Zum

Ich hab mich davon vollkommen frei gemacht. Ich BIN frei. Und arm. Und "krank". Und schon Frührentnerin. Aber jeden einzelnen Tag glücklich, mal mehr, mal weniger. Und manchmal kommen auch Stunden dazwischen, wo ich weine und mich unglücklich fühle, warum auch immer. Solche Momente gönne ich mir, weil ich weiss, in 1 Stunde kann es schon wieder anders sein.

Ich will dich hier nicht kritisieren für deine Denkweise. Ich möchte dir nur einen Weg zeigen, der auch existiert. Und dass du deine Diagnose haben möchtest.....klar kann ich verstehen. Wollte ich auch. Das Kind hatte einen Namen nach 48 Jahren. Aber so, wie ich viele hier lese, sind sie gar nicht glücklich darüber, plötzlich offiziell als "krank" bezeichnet zu werden und Medikamente nehmen zu "müssen". Weil sie plötzlich einer "Randgruppe" unserer ach so tollen Gesellschaft sind und damit weniger wert.

Das ist alles so traurig und es wird immer schlimmer. Ehrlich gesagt bin ich schon fast froh darüber, dass ich keine Kinder habe. Dann brauche ich mir nach meinem Tod keine Sorgen über sie zu machen, ob sie ne Lehrstelle finden, ob sie arbeiten, ob sie fleissig sparen.....nur um sich dieser Gesellschaft anzupassen.

Also bitte K_haos....nicht falsch verstehen ja? Ist ja nicht böse gemeint. Aber gerade macht mich dieser von mir genannte Gedanke einfach nur traurig. Aber auch das Traurigsein ist allein meine Entscheidung. Und ich werde den Teufel tun wenn z. B. mein Bruder jetzt sagen würde "Heike du Sensibelchen.....geh lieber arbeiten, dann haste nicht so viele dumme Gedanken über deinen Tod".