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Diskutiere im Thema Ich könnte kotzen (sorry)... im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #31
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 433

    AW: Ich könnte kotzen (sorry)...

    (Edit: ups, ich hatte nur bis zu Seite 2 gelesen und daraufhin diesen Beitrag verfasst, ich hols das Lesen von Seite 3 mal nach)

    Ich bin da jetzt kein Spezialist, lese erst seit 2 Monaten über AD(H)S, auch Fachbücher aus der Uni-Bibliothek.

    Nur denke ich, dass eine Sache wie "reine Genetik" bzw "reine Erziehung/Prägung" beides keine Antworten darauf sind, wie die Welt funktioniert.
    Ich glaube fast, dass sich die Fachwelt nichtmal so ganz einig ist, und deswegen beide Theorien nebeneinander existieren, weil sie sich gegenseitig ergänzen.

    Man kann davon ausgehen, dass man nicht 100%ig zwischen "Ursache und Wirkung" entscheiden kann.
    Was war zuerst da, das Huhn oder das Ei?
    Lässt sich nicht unbedingt bestimmen, aber fakt ist: das Huhn legt Eier; aus Eiern schlüpfen Hühner.
    Übertragen heißt das: Ursache und "Ergebnis" beeinflussen sich Gegenseitig.
    Beide Sachen stehen in enger Wechselbeziehung.
    Die "Ursache" von AD(H)S mag genetisch sein, aber ob und wie das ganze Probleme bereitet hängt nunmal davon ab, in welchem Umfeld jemand lebt und was er leisten muss.
    Auf welche Weise er erzogen wird, wie er wahrgenommen wird, ob er akzeptiert wird, was von ihm verlangt wird, wie es von ihm verlangt wird usw.

    Genetik stellt die Grundlagen her, nach deren Bauplan der Körper aufgebaut ist, wie und wann er welche Hormone, Neurotransmitter usw baut, auslöst usw.
    Aber: Dieser von der Genetik gebaute Körper wächst nicht vollkommen isoliert auf, ist kein Roboter der nur machen kann, worauf er programmiert wurde.
    Er reagiert immer auf Außenreize und passt sich den Bedingungen an. Nur "wie" er darauf reagiert, das regelt die Genetik.

    Das heißt: in einer "optimalen" Umgebung hätte ein AD(H)Sler vermutlich nicht so viele Probleme, hätte vielleicht sogar Vorteile von seiner Art zu denken und zu leben.

    So als Beispiel: ADHS-Kinder haben häufig auch mindestens ein Elternteil das ebenfalls ADHS hat. Was passiert nun, wenn zwei Menschen mit vielleicht geringem Selbstbewusstsein, Strukturlosigkeit und vielleicht aggressiver rechthaberischer Impulsivität aufeinander treffen? Natürlich schaukeln die sich gegenseitig hoch, das ist ein Teufelskreis der beide kaputt macht. Natürlich muss dieses Verhalten nicht ingesamt auf ADHS schließen, aber unter andere Bedingungen würde das ADHS-Kind vielleicht nicht ganz so heftig reagieren, sich ganz anders entwickeln, und vielleicht nicht so viele Komorbiditäten entwickeln, die das Leben noch schwerer machen, als es "nur" das ADHS tut.

    Ich vermute dass leichtes AD(H)S bei Kindern mit Eltern und sonstigem Umfeld, die die "richtigen" Mittel zur Erziehung anwenden, vermutlich meist nicht erkannt wird.
    Weil diejenigen sich trotz schwierigkeiten vielleicht dennoch einigermaßen anpassen können oder einfach ihre stärken Nutzen.

    Angeblich reicht es bei vielen ja bereits, wenn sie ein verständnisvolles Umfeld haben UND genügend Struktur da ist, dass sie unauffällig bleiben.


    Und woher kommt Struktur in Zeiten von Mobilitätszwang, fehlender Traditionen und angeblichem Individualismus und "Freiheit" und "Unabhängigkeit" und "endlosen Möglichkeiten".
    Der Preis von Freiheit ist: mangelnde "Sicherheit/Struktur".
    Wer das mit Selbstsicherheit und innerer Struktur kompensieren kann ist heutzutage Gewinner.
    Aber wer schon von Kindesbeinen das nicht entwickeln kann (sei es weil die äußere Struktur fehlt, sei es wegen der inneren Struktur, oder gar beidem gleichzeitig), der hat die Arschkarte.

    Man könnte sagen: Steter Tropfen höhlt den Stein. Nur bei AD(H)S tut er das sehr viel schneller, und das liegt an der Genetik.
    Ein "Normalsensibler" braucht natürlich einen sehr viel stärkeren Reiz um auszuflippen, als ein "Hypersensibler".
    Und wärend die Reize beim Lernen für einen "Normalaufmerksamen" ausreichen, um einen Lernreiz zu setzen, braucht der "ständig Abgelenkte" stärkere Reize, um am Ball zu bleiben.
    Geändert von tasseKaffee ( 1.02.2013 um 15:17 Uhr) Grund: Missgeschick :D

  2. #32
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 433

    AW: Ich könnte kotzen (sorry)...

    sorry für den Doppelpost:

    crazyrunner schreibt:
    Ich kann manche Kommentare in diesem Forum nicht verstehen, in denen suggeriert wird, ADS ließe sich nur mit kleinen Verhaltensänderungen behandeln. Klar gibt es ein leichtes ADS, das keiner Medikation bedarf, wo aber bitte ist der Beweis, dass der Anstieg der MPH-Verschreibungen auf leichtfertige Verordnungen fusst? Die Medien versuchen es so darzustellen, weil das einfach besser beim Mob ankommt.
    Ich verstehe diese Kommentare eher anders:
    Nur weil etwas durch "Umweltfaktoren/Umweltverhalten" entstanden ist, heißt das nicht dass man das durch reine Verhaltensänderung wegkriegt.
    Wenn es einmal im Hirn ist, ists im Hirn.
    Ein Trauma, Posttraumatische BElastungsstörung oder Depression kriegt man auch nicht einfach mal so weg durch Verhaltensänderung, selbst wenn diese Sachen durch Erfahrung und nicht immer primär durch Genetik entstehen.

    Wenn ich das richtig verstanden hab wird Ritalin (usw) ja nicht als "Lösung für alle Probleme" gegebenm sondern als Unterstürzung, damit "Therapie" oder "Verhaltensänderung" überhaupt funktionieren können.
    Das ist bei Depressionen (meine ich) auch nicht anders: ganz gleich ob diese Genetisch bedingt sind oder nicht, das Antidepressiva ist nicht die Lösung des problems, es bekämpft nur die Symptome (nach ein paar Wochen irgendwann), damit eine Therapie überhaupt vom Hirn aufgenommen werden kann.
    Es mag auch Depressionen geben, bei denen alles versucht wird und letztenendes nur noch Medikamente helfen. Vermutlich ist das bei AD(H)S auch der Fall, dass es Fälle gibt, die ohne Medikamente garnicht klarkommen.
    Aber es gibt sicherlich genau so diagnostizierte AD(H)Sler, die ihr Leben so strukturiert haben oder z.B. den richtigen Job gewählt haben, dass sie insgesamt recht gut klarkommen.
    (Ich sag ja nicht dass das alle sein müssen)


    Man könnte so eine Kritik an Ritalin und dem "Machen,-dass-jemand-der-Norm-entsprechend-funktioniert-wie-eine-Maschine" auch als Gesellschaftskritik verstehen. Gesellschaft die immer von Individualität spricht, aber auch immer die am meisten abstraft, die ganz individuell aus der Reihe tanzen.



    Und was die Medien angeht: Good News are Bad News. Solange es Klicks generiert schreiben die zum Teil den größten Scheiß.
    Man sollte auch nicht glauben das alles "wichtig" ist, was berichtet wird.
    Auch wenn es um Studien und "Wissensnews" geht wird nicht immer das berichtet, was wichtig oder genau erforscht ist. Sondern häufig auf Studien hingewiesen deren Schluss garnicht ist, was in der Headline steht. Da versuchen Journalisten komplizierte Sachen so zu vereinfachen, dass da nur Murks bei raus kommt. Oder irgendwelche Schlussvermutungen der Forscher, die garnicht Kern der Studie sind, werden dann als "neue Weisheit" abgetan, verallgemeinert und damit zu Brei verarbeitet.
    Dummerweise verdienen die auch an den Klicks derer, die sich über die Artikel aufregen. Vielleicht sogar noch mehr an denen, bei denen es starke Emotionen auslöst als an denen, denen das am einen Ohr rein und am anderen wieder raus geht.

    Ich geb zu: ich hab mich da auch oft genug drüber aufgeregt, und ich kann mich sicher hin und wieder trotzdem nicht bremsen so nen Müll anzuklicken und mich zu ärgern.
    Aber diese Art Berichte sind zu zahlreich als, dass man sie ausrotten könnte.
    Dummerweise sind diese Art Berichte genau die, die Diskussionen hervorrufen. Mit "good news" kriegt man das nicht hin, auch wenn da drin steht was man hören möchte.

  3. #33
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 57
    Forum-Beiträge: 140

    AW: Ich könnte kotzen (sorry)...

    Ja, crazyrunner, das ist so. Es gibt tasächlich in der Medizin sehr unterschiedliche Figuren und bei den Eltern auch.

    Eine Spannweite von 4% bis 20 % Kinder mit ADHS? Da stimmt doch was nicht!
    Wie sähe eine Welt aus in der 20% der Erwachsenen mehr oder weniger deutliche Symptome eines ADHS zeigen?

    Meine beiden Kinder sind jetzt sensibilisiert und erzählen mir von 1 bis 3 Schüler pro Klasse (ca. 25 Kinder) die sie für
    ADHSler halten.
    (jahrelange, verzweifelte Kämpfe in der Schule, kennen wir bestens diese Thema, war mit Ritalin innert Tagen und Wochen erledigt).
    Ihre Kriterien dabei sind das auseinanderklaffen von Schulleistung und Talent, Motorik, Sprache und eine intuitive
    Seelenverwandschaft.

    Meine Frau unterrichtet Musik in Einzellektionen, sie kommt auf einen ähnlichen Prozentsatz.
    Teils Diagnostizierter, teils nicht Diagnostizierter.
    Damit wären wir ungefähr bei den 4%
    Wie beim Würfeln gibt es statistische Schwankungen. Eine Schulklasse, oder ein Dorf mit 20% ADHS ist denkbar;
    aber als Phänomen auch denkbar selten.
    Das ausgerechnet Würzburg, die Chaoten Hochburg Deutschlands sein soll, die einzige deutsche Stadt die ich von diversen privaten Besuchen her kenne amüsiert mich!

    Es ist ein Fakt: Ritalin wird Kindern teilweise(!) zu unrecht abgegeben.
    Und andere Kinder, unsere, leiden jahrelang weil eine Schulpsychologin nur Erziehungsfehler wahrnimmt.


    Da hat eine Kaffetasse weitergearbeitet. Ich beziehe mich auf crazyrunners letzten Beitrag auf Seite 3
    Geändert von Adenium ( 1.02.2013 um 17:24 Uhr)

  4. #34
    cam


    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 255

    AW: Ich könnte kotzen (sorry)...

    @tasseKaffee: Ich würde dir Recht geben, dass weniger schwere Fälle von ADS-Kindern, die unter optimalen Bedingungen aufwachsen, oft unauffällig bleiben. Ist bei mir ja auch so gewesen. Wer sich nicht SEHR gut mit ADS auskennt, erkennt mein ADS auch dann nicht, wenn ich keine Medis nehme. Das heißt aber leider NICHT, dass ich nicht darunter gelitten habe. Ich war in der Schule etc immer unproblematisch und auch meine Eltern sagen, ich sei ein soooo unkompliziertes Kind gewesen. Schön für alle anderen. Dass ich fast zusammen gebrochen bin, weil mich die ganzen Kompensationen so viel Kraft gekostet haben und in einer Depression gelandet bin, weil ich einfach immer hinter meinen gefühlten Möglichkeiten zurück geblieben bin, hat ja keiner gesehen. Sogar bei meinem Diagnosegespräch meinte der Typ "naja, der Leidensdruck ist bei Ihnen ja nicht sehr hoch". Da bin ich ihm fast an die Gurgel gegangen. In sofern bin ich der Meinung, dass nur weil ein Mensch von aussen scheinbar gut kompensieren kann, das nicht bedeutet, dass eine Medikation nicht angebracht wäre.

  5. #35
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 433

    AW: Ich könnte kotzen (sorry)...

    Ich glaub auch nicht dass jeder der "unerkannten" AD(H)Sler sein Leben wirklich gebacken kriegt.
    Aber ich könnte mir vorstellen dass manche da konstruktiver drangehen, mehr nach ihrer Intuition leben und deshalb noch Erfolgserlebnisse haben.
    Oder einfach Kompensationsmechanismen entwickelt haben, sei es Perfektionismus, Sport, Kaffee, Sex, PC, Fernsehen, Drogen, Hokuspokus, was auch immer.
    Aber im Grunde ist das alles nur ne Mischung aus persönlicher Theorie und dem, was ich so gelesen hab dazu. Bin ja nur Laie und hab auch keine Diagnose.
    (Vor allem find ich ja die Theorie von Elisabeth Dägler interessant. Gut, eher weil ich das Buch grad les, ich weiß aber nicht ob sie das wirklich anhand von Studien oder sowas bestätigen kann. Also sie führt Beispiele an und die Sachen klingen auch plausibel, nur ob man daraus einen "Verbesserungsvorschlag" basteln kann der auch wirklich funktioniert ist die andere Frage)

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