Vielleicht interessiert es ja jemand, wie die COMT und Ausdauersport zusammenhängen. Dazu gibt es eine gut lesbare Dissertation. Im Folgenden ein Exzerpt mit verlinkten Fachausdrücken. Die Quellen […] finden sich am Ende.

Nach einer Studie von Ralf K. Reinhardt (2009) wurde gezeigt, dass Lauftraining eine Verbesserung kognitiver Funktionen bewirkt und die Verbesserungen umso stärker ausfallen, je größer der genetisch bedingte Nachteil ist, der durch eine höhere COMT-Aktivität verursacht wird, die Dopamin schneller abbaut und damit den durchschnittlichen Dopaminspiegel absenkt [3; 4; 5]:

COMT
ist ein Enzym das Catecholamine und somit auch Dopamin methyliert und damit abbaut.
Die COMT ist auf dem Chromosomenpaar 22 codiert, ihr Code ist also zweimal homolog vorhanden. Das die COMT codierende Gen gibt es in zwei Isoformen und so ist auch die COMT in zwei Isoformen verfügbar: Das kürzere Allel, die S-Variante (soluble / löslich), erzeugt die kürzere S-COMT-Isoform (221 Aminosäuren) und das längere Allel, die MB-Variante (membrane-bound / membrangebunden), erzeugt die längere MB-COMT-Isoform (271 Aminosäuren).

Der hierdurch gegebene Polymorphismus mit 2 möglichen Varianten auf zwei vorhandenen homologen Genen ergibt 4 Varianten (S-S, MB-MB, S-MB, MB-S) und erzeugt 3 verschiedene COMT-Aktivitäten im Körper: zwei homozygote (gleiche Paarung: S-S und MB-MB) und zwei gleichwertige heterozygote (ungleiche Paarung: S-MB und MB-S) Varianten, da die beiden Allele kodominant (https://de.wikipedia.org/wiki/kodominant) sind, d.h. die S- als auch die MB-Variante arbeiten unabhängig voneinander.

Eine Veränderung der COMT findet sich an der Position 158 ihrer Aminosäurenkette. Das MB-Allel erzeugt hier ein Methionin, wogegen das S-Allel ein Valinin erzeugt. Aus diesem Grunde wurden die beiden möglichen COMT-Varianten Met-158-Isoform und Val-158-Isoform genannt.

Die Met-158-Isoform (MB-COMT) besitzt unter physiologischen Bedingungen eine geringere Methylierungsaktivität, baut also Dopamin langsamer ab und bedingt somit einen höheren Dopaminspiegel. Die Val-158-Isoform (S-COMT) hat dagegen eine höhere Methylierungsaktivität, baut Dopamin schneller ab und bedingt einen niedigeren Dopaminspiegel. Ein Mensch mit Met-158-Homozygotie (beide Gene erzeugen MB-COMT) hat gegenüber einem mit Val-158-Homozygotie (beide Gene erzeugen S-COMT) nur ca. 66% Methylierungsaktivität und baut damit 33% weniger Dopamin ab, was die Halbwertszeit von Dopamin erhöht und damit zu einem höheren durchschnittlichen Dopaminspiegel führt. [4; Kapitel 2.2.2. Die Rolle der Catechol-O-Methyltransferase (COMT)]

Trivial: Je höher die Aktivität der COMT ist, umso schneller wird Dopamin abgebaut und umso niedriger wird der zur Verfügung stehende Dopaminspiegel sein.

Die Studie ergab: Je höher die COMT-Aktivität der Probanten, umso stärker wirkte sich das Lauftraining auf die getesteten kognitiven Leistungen aus [4; Kapitel 4.5. Psychologische Tests, Fitness und Genotyp]. D.h.: je ungünstiger der genetisch bedingte COMT-Typ war, umso mehr profitierten die Probanten vom Lauftraining der Studie. Ausdauersport (hier Laufen) kann laut dieser Studie die Effekte der COMT-Aktivität kompensieren. Wer aber bereits den optimalen Genotyp (Met-158-Homozygotie) besaß, profitierte vom Lauftraining bzgl. seiner kognitiven Funktionen kaum; wer dagegen den ungünstigsten Genotyp (Val-158-Homozygotie) besaß, profitierte am stärksten.

Fazit: Ausdauersport wirkt sich laut dieser Studie also nur dann auf die mentale Leistungsfähigkeit günstig aus, wenn das Enzym COMT ganz oder teilweise von einem bestimmten Phänotyp (mit Valinin statt mit Methionin) geprägt ist, der Dopamin schneller abbaut und damit einen durchschnittlich geringeren Dopaminspiegel im präfrontalen Cortex PFC erzeugt, der für die kognitive Leistungsfähigkeit nachteilig ist. Ausdauersport erhöht (auf bislang ungeklärte Weise) den Dopaminspiegel im PFC. Wem dagegen nur die Genvariante mit Methionin durch seinen Genotyp zur Verfügung steht (beide Chromosomen, auf denen sich das die COMT codierende Gen befindet, tragen das Dopamin schneller abbauende Allel für die COMT), profitiert von der Beeinflussung durch Ausdauersport nicht in dieser Weise, da der Dopaminspiegel bereits optimal ist.

Quellen:

1: https://secure.wikimedia.org/wikiped...hyltransferase (23.12.2012)

2: https://de.wikipedia.org/wiki/COMT-Hemmer (23.12.2012)

3: ZNL Newsletter Nr. 7 „Forschung für die Praxis“ 31. Januar 2010; Laufen macht schlau!
Der Einfluss von Lauftraining auf die Leistungsfähigkeit des Gehirns.; Dr. Dr. Ralf K. Reinhardt & Dr. Sanna Stroth ZNL Newsletter Archiv 2010 (23.12.2012)

4: Dissertation von Ralf K. Reinhardt; 2009; Laufen macht schlau! Aerobes Lauftraining, Genotyp und Kognition; KIT-Bibliothek | Publizieren | Elektronisches Volltextarchiv EVA STAR | Laufen macht schlau! Aerobes Ausdauer-Lauftraining, Genotyp und Kognition (23.12.2012)

5: Dissertation von Sanna Stroth; 2009; Einfluss eines Ausdauerlauftrainings auf exekutive Funktionen und deren hirnelektrische Korrelate unter Berücksichtigung eines genetischen Polymorphismus; VTS-ID/7022 | Einfluss eines Ausdauerlauftrainings auf exekutive Funktionen und deren hirnelektrische Korrelate unter Berücksichtigung eines genetischen Polymorphismus (23.12.2012)