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Diskutiere im Thema "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 43

    Frage "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo zusammen!

    Heute war meine Endbesprechung von der ADS-Testung. Ergebnis:Ich habe zwar ADS-Symptome, bin aber "in meinem Alltag nicht genug beeinträchtigt, um eine Erkrankung festzustellen". Hier mal ausführlicher:

    Der Arzt meinte, dass ich eindeutig ADS-typische Symptome hätte, aber meine Beeinträchtigung im Alltag nicht ausreicht, um eine Krankheit festzustellen, Ich bin also nicht beeinträchtigt genug. Meine momentane Situation (Umstellung von Schule auf Studium, obwohl ich ja jetzt auch schon dein Jahr studiere) trage jetzt dazu bei, dass es mir jetzt damit schlechter geht. Weil ich bisher auch so gut damit klargekommen bin, vermutet er, dass sich die ganze Problematik von selbst bessert, wenn ich mich in die neue Situation reingefunden habe. Außerdem ist bei mir der Nachweis des Bestehens der Erkrankung seit der Kindheit ein bisschen schwierig. Es gibt zwar Anzeichen, aber nichts eindeutiges. Er meinte, mein Umfeld (intakte Familienverhältnisse, wohlbehütet usw...) habe das natürlich begünstigt, dass ich davon wenig gemerkt habe.
    Ich bin jetzt also in einem Grenzbereich. Er meinte, dass ich in ein paar Jahren vielleicht auch positiv diagnostiziert werde. Aber für jetzt will er keine Diagnose stellen.


    Die Frage ist: Was jetzt? Ich fühle mich in meinem Alltag schon beeinträchtigt und ich weiß ehrlich gesagt nicht, ob ich das aus eigener Kraft bewältigen kann, meine Symptome so weit zu kompensieren. Der Arzt hat mir eine Verhaltenstherapie empfohlen und mir so einen Zettel mit Therapeuten mitgegeben. Aber da ich ja jetzt offiziell nicht krank bin, zahlt die Krankenkasse da doch nichts... Ich bezweifle, dass ich als Studentin das finanziell stemmen kann. Ich werde zwar von meinen Eltern unterstützt, aber ich habe noch 3 Geschwister.

    Was kann ich denn jetzt machen? Übernimmt die Kasse denn irgendwas in der Richtung Therapie/Coaching ohne Diagnose? Muss ich mich jetzt erstmal alleine durchschlagen? Warten, bis sich das Ganze zur Depression auswächst und ich zumindest in dieser Hinsicht behandlungsbedürftig bin?


    Entschuldigt, dass ich so negativ eingestellt bin, aber das Ganze ist ziemlich frustrierend für mich. Ich hatte mir erhofft, nach der Diagnose wenigstens mit irgendwas dazustehen, aber ADS oder was anderes oder doch ganz normal, aber jetzt steh ich quasi ohne alles da. Ich bin weder krank noch vollkommen normal. Ich habe zwar Probleme, aber keinen Behandlungsanspruch. Das ärgert mich.


    Liebe Grüße

    das Schäfchen

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Jaaaa das hätte ein Arzt bei mir vermutlich so zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr auch gesagt ... vorher: typische Schulprobleme, nachher: typische Komorbiditäten.

    Übernimmt die Kasse denn irgendwas in der Richtung Therapie/Coaching ohne Diagnose?


    Das wüsste ich auch gerne. Bauchgefühlt: Nein denn dann wäre Missbrauch Tür und Tor geöffnet. Aber vielleicht reicht die Diagnose ja fürs Coaching ohne Psychotherapie und zwar zur Vorbeugung - denn eine Diagnose ist es ja in gewisser Weise und damit eine Gefährdung, halt nur knapp am Schwellwert.

    Muss ich mich jetzt erstmal alleine durchschlagen?


    Nein. Ich halte es für sinnvoll vieeeel zu lesen und ggf eine Coach zu suchen und wenn's auf eigene Rechnung ist. Das kann ja sehr niederfrequent sein, also Beispielsweise alle drei Monate und nur bei akuten Problemen häufiger. Im übrigen kann auch ein Forum (überlies halt die MPH-Themen, brauchst du nicht) und eine SHG coachen. Es sind oft Kleinigkeiten die grosse Wirkung haben. Beispiele bei mir: Viiiiiele Pausen machen und die nicht und nie am Arbeitsplatz verbringen. Täglich austoben. Listen nicht zu lang werden lassen - Maximal 5 Aufgaben sonst passiert nix, besser nur 3. Für erledigte Aufgaben schön fett Zettelchen hinlegen - damit ich am Abend sehe was ich gemacht habe. Wecker stellen und 10-Minütig überprüfen ob man noch an der Aufgabe ist. So enfaches Zeug aber da muss man erstmal drauf kommen. Das kann ein Coach und das können SHGs.

    Warten, bis sich das Ganze zur Depression auswächst und ich zumindest in dieser Hinsicht behandlungsbedürftig bin?
    Klar, ist eine Möglichkeit aber die schlechteste.

    Glaub mir: Depressionen fühlen sich sch... an, richtig krank. Und das ist nicht nur unangenhmer sondern auch für dich teuerer. Die verpassten Abschluüsse, Chancen und Möglichketen bekomst du nicht zurück. Mach vorher was. Und freu dich dass du ein "leichter Fall" bist da sollten diese Methoden nämlich gut greifen wenn du sie kennst. Ausserdem tendieren Ärzte dazu Depressionen so zu behandeln dass das zugrunde liegende ADHS schlimmer wird und das wäre blöd.

    Ich bin übrigens ein "schwerer Fall, starke Symptomatik aber extrem gut kompensiert". Und du bist offenbar ein "schlecht kompensierter Fall mit schwacher Symptomatik". Hm. Das sieht man mal wie blöd diese Einteilungen sind.
    Geändert von Wildfang ( 5.12.2012 um 15:37 Uhr) Grund: Was ist denn mit der Ziterfunktion los? -> Zitate von Hand eingekästelt

  3. #3
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo Schäfchen,

    bin eigentlich auf dem Sprung, aber mein Mitteilungsbedürfnis ist leider zu groß.
    Vor über 12 Jahren habe ich einen Test bei einem Dipl. Psychologen machen lassen, der, weil das Thema
    "ADHS bei Erwachsenen" ja noch sehr neu war, ein Testverfahren entwickelt hat. Ich war sozusagen ein Versuchskaninchen.

    Dabei kam heraus, dass ich zwar ADHS habe, aber nicht so sehr daran leide, weil ich über so viele Ressourcen verfüge und im Laufe der Jahre gute Strategien entwickelt habe. Während einer großen Krise bin ich dann zu einem Neurologen und Psychiater, habe ihm das Ergebnis gezeigt, dann bin ich wieder bei diesem Psychologen gelandet zwecks VT. Aber leider stimmte die Chemie nicht. Obwohl meine Krankenkasse 25 Stunden bewilligt hatte, habe ich es abgebrochen. Nach dem Umweg über SSRI bin ich dann zu Methylphenidat gekommen, das ich für bestimmte Situationen brauche. Ich muss allerdings dazu sagen, ich habe zwei diagnostizierte Kinder.

    Ich weiß nicht, wie heute die Lage ist, aber ich denke, jeder der psychische Probleme hat, darf psychotherapeutische Hilfe suchen. In der "großen Krise" war auch mein Mann bei einer Psychologin in Behandlung. Er hatte dafür keine spezielle Diagnose, sondern hat von seiner Hausärztin eine Überweisung
    bekommen. Mit der Krankenkasse (GKV) gab es keine Probleme.

    Die Umstellung von Schule auf Studium ist sicherlich nicht einfach, und so gut behütende Eltern sind, irgendwann
    muss man selbst schwimmen. (Ich "coache" meine erwachsenen Kinder immer noch, in Ermangelung an geeigneten Personen). Selbst habe ich das Buch nicht gelesen, aber die Ärztin Dr. Helga Simchen, Mainz,
    ist eine Spezialistin auf diesem Gebiet. "Erfolgreich lernen und Studieren trotz AD(H)S" heißt ein Buch,
    wenn es mich nicht täuscht. In diesem Forum gibt es auch einen Thread bei Ausbildung und Studium, wo
    amerikanische Bücher (noch nicht auf Deutsch erschienen) empfohlen werden.

    Viel Glück wünscht dir Gretchen.

    P.S. Ich merke gerade, dass dir Wildfang schon eine gute Antwort geschrieben hat.

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 1.388

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo Schäfchen,
    nicht den Kopf hängen lassen! In mir kocht gerade alles hoch. Ich könntewenn ich sowas höre...

    Ich würde dir raten, zu einem anderen Arzt zu gehen und mit ihm darüber zu sprechen. Immerhin scheinst du dich eingschränkt zu fühlen und das ist in meinen Augen das entscheidende. Klar, für Therapieanträge müssen eindeutige Probleme vorliegen. Aber man kann alles auf unterschiedliche Weise formulieren. Deshalb, wenn du das Gefühl hast, dass du Hilfe brauchst, dann lass nicht locker.

    Warum ich gerade so koche, will ich dir kurz erklären: Ich habe im vergangenen Jahren psychisch viel mitgemacht. Unter anderem war ich vor 1 Jahr so schwer depressiv, dass ich eigentlich nichts mehr konnte. Bis das damals jemand als Problem angesehen hat und ich bei einem Psychiater einen Termin bekommen habe, war ein Drama. Mein Weg zur Selbsterkenntnis im Vorfeld war schon lang genug. Aber erst als ich mir einfach selbst direkt bei einem Psychiater einen Termin gemacht habe, weil mich kein Arzt verstehen wollte, bekam ich Hilfe. Das ist tragisch. Selbst Ärzte, die eigentlich wissen müssten, dass keiner grundlos gerne zu einem Psychiater geht, haben mich nicht hören wollen. Leider ist das keine Ausnahme. Ich kenne ähnliche Fälle. Wohl gemerkt, ich hatte zu diesem Zeitpunkt eine schwere Depression... Soviel zu mir.

    Was ich sagen will: Die Psyche kann man nicht messen wie 5 kg oder 37°C oder sowas. Deshalb, wenn du dich von einem nicht verstanden fühlst, dann heißt das noch lange nicht, dass nicht jemand anders deine Situation anders einschätzt und dir Hilfe aufzeigen kann.

    Ein Tip: Frag mal bei der Arzthelferin deines Frauenarztes, mit wem sie zusammenarbeiten. Diesen Weg bin ich dann auch gegangen. Die Überweisung bekommst du dann einfach und die Frauenärzte haben oft einen Psychologen oder Psychiater an der Hand.

    Bei dir geht es ja nicht wie bei mir damals primär um AD(H)S. Die Diagnose war bei mir damals noch nicht gestellt, weshalb es auch nicht Thema war.

    Wenn du hierfür einen guten Ansprechpartner suchst, schau mal, welche Uniklinik in deiner Nähe eine Institutsambulanz hat. Für die Diagnostik sind sie sicher gute Adressen.

    Leider ist heutzutage alles sehr mühsam. Vor allem, wenn man eigentlich gar nicht die Kraft hat, weil man psychisch ohnehin gerade angeschlagen ist.
    Im Zweifelsfall: Weihe Freunde ein und hol dir Hilfe bei der Suche nach geeigneten Ärzten oder Psychologen.

    Abwarten macht alles nur noch schlimmer. Ich weiß, wovon ich spreche...

    Und es ist nicht alles, das Studium zu schaffen. Das alleine macht nicht glücklich. Leider musste ich auch das selbst erleben...

    Kämpfe für dich! Du bist es dir schuldig!

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 1.943

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Wenn er keine ADS diagnostizieren will, dir aber zum Durchstehen der Situation einen Verhaltenstherapeut empfiehlt, dann muss er das auch begründen und dir ne Überweisung geben.

    Dann bezahlt die Krankenkasse auch den Therapeuten.

    Versuch das doch einfach mal, wenn ich da richtig liege.

    Bis du da jemandne findest mit dem du klar kommst vergeht einige Zeit, und wenn du dann den richtigen gefunden hast, kannst du mit dem ja gezielt auch Alltags- oder Studiums- oder generell Strukturcoaching vereinbaren. (Gleich sagen das es um undiagnostizierte ADS ohne Medikation und dein spezielles Thema (wo du eben Probleme hast) geht) Vielleicht gibt es auch Coaches die sich auf "Lernen kann man lernen" spezialisiert haben.

    Eine ADS Diagnose hat ja auch nicht nur Vorteile, Stichwort Versicherungen. Findest du hier im Forum noch mehr zu.
    So gesehen handelt Dein Arzt vielleicht verantowrtungsvoller als du denkst. Nur erklärt hat er es villeicht schlecht.

  6. #6
    Zelda Zonk

    Gast

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo Schäfchen,

    den vorangegangenen prima Beiträgen ist kaum noch etwas hinzuzufügen!

    Dennoch wollte ich Dir auch nochmal Mut machen.

    Ich habe viele Jahre vor meiner ADHS Diagnose zwei Verhaltens-Therapien
    gemacht, da ich mich permanent überfordert, blockiert, reizüberflutet, hyperaktiv,
    übersensibel, impulsiv, etc, gefühlt habe.

    Diese Therapien wurden von der Krankenkasse übernommen.
    Wobei ich der Vollständigkeit halber hinzufügen muss, dass die Bewältigung
    bestimmter Lebenskrisen ein Thema bei mir waren und sicherlich bei der Bewilligung
    der Therapiestunden ein Kriterium waren.

    Diese Therapien haben mir auch ohne Medikation und ADHS Diagnose schon sehr geholfen.

    Ich konnte mein Leben lang sehr gut kompensieren, was mir aber in zunehmenden
    Alter immer weniger gelang. Die Batterien waren einfach irgendwann leer.

    Nach meinem Burnout bekam ich die Diagnose ADHS. Meine Neurologin sagte den
    schönen Satz zu mir: "Die Beinträchtigungen durch das ADHS sind bei ihnen nicht so gravierend
    wie bei vielen anderen, aber dennoch beeinträchtigend genug."

    Sie nimmt mich jedenfalls sehr ernst.

    Wir sind alle unterschiedlich!

    Die Teilnahme an einer ADHS Selbsthilfegruppe brachte dann weitere
    Erkenntnisse, da ich mich sofort aufgehoben und unter meinesgleichen fühlte.
    Außerdem bekommt man da auch gute Tipps, die einem weiterhelfen können.

    Ach ja, und lesen, lesen, lesen....es gibt ja glücklicherweise heute genug Literatur zum Thema ADHS.

    Mir half ein gewissen Basiswissen auch immer bei den Gesprächen mit den Ärzten.

    Gib bitte nicht zu früh auf!

    Das wird schon!

    LG Zelda

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.392

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo Schäfchen,

    ich erkenne mich ein bisschen in Dir wieder, die Bedingungen waren ähnlich (behütet, strukturiertes Elternhaus), nur dass ich die ADS-Diagnose erst mit Ende zwanzig und ausgewachsener Depression / Burnout bekommen habe, nachdem ich mich halbwegs erfolgreich durchs Studium geschlagen hatte, aber dann nach einer Trennung mit dem Alleineleben und am Ende des Studiums mit einer größeren wissenschaftlichen Arbeit hoffnungslos überfordert war... es kommt immer auch auf die Konstellation und die Lebensumstände an, inwieweit einen diese Konstitution beeinträchtigt...

    Im Nachhinein würde ich einiges anders machen! Soweit muss es bei Dir ja nicht kommen. Ich nehme auch kein MPH und vieles, was schon geschrieben wurde, würde ich auch unterstützen - lies Dich ein, such Dir eine Selbsthilfegruppe und/oder einen Coach oder jemand, dem Du vertraust und der Dich durch die Uni etwas begleiten, das können auch Kommilitonen oder jemand aus deiner Familie sein... mittlerweile sind die Studiengänge ja durch Bachelor / Master stark verschult, ich weiß nicht, inwieweit das hilfreich ist, sich besser zurechtzufinden...

    Ich finde das folgende Buch ganz toll und lese immer wieder darin:

    Suche dir Menschen, die dir gut tun: Coaching für Erwachsene mit ADS: Amazon.de: Christine Beerwerth: Bücher

    Es muss kein professioneller Coach sein, es kann wie gesagt auch jemand sein, der Dich kennt oder eine Art Gruppe. Es gibt auch an jeder Uni eine psychologische Beratung, auch dahin könntest Du Dich wenden, und das geht nicht über die Krankenkasse und ist für Dich kostenlos... aber auch eine Verhaltenstherapie steht Dir zu, wenn Du das Gefühl hast, alleine nicht weiterzukommen...
    Ich habe im Lauf der Verhaltenstherapie gelernt, mir (wieder) Ziele zu setzen und mit Hilfe immer wieder zu schauen, wo ich stehe und wo ich hinwill, aber auch und vor allem bei ganz alltäglichen Sachen wie Haushalt Systeme probieren...

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 43

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Danke an all die lieben Antworten! Das baut mich wieder auf.

    Ich bin irritiert, was jetzt die Verhaltenstherapie und die Krankenkasse angeht. Viele schreiben ja, dass die auch ohne Diagnose übernommen wird. Auf dieser Seite --> Welche Therapieformen zahlt die Krankenkasse steht aber zum Beispiel, dass die Therapie nur gezahlt wird wenn eine seelische Behinderung vorliegt aufgrund:
    - einer psychischen Erkrankung
    - einer Suchterkrankung
    - einer chronischen Erkrankung, schwerer Kindheit, "extremer Situation"
    Das trifft ja alles nicht so auf mich zu... Ich werd morgen mal die Krankenkasse anrufen. Vielleicht weiß meine Hausärztin da auch weiter. Ich werde aber erstmal abwarten, bis der Befund bei ihr angekommen ist und dann mich nochmal mit ihr beraten.

    Der Arzt hat mir übrigens keine Überweisung ausgestellt und auch nichts verschrieben. Nur die Liste mit den Therapeuten gegeben und gesagt, dass ich mich da rechtzeitig drum kümmern soll...

    Ich werde mir wahrscheinlich erstmal ein paar Bücher bestellen und mir hier ein paar gute Strategien raussuchen. Vielleicht kann mich ja wirklich jemand aus meinem Umfeld coachen. Keine Ahnung ob das zumutbar für denjenigen ist . Eine Selbsthilfegruppe gibt es glaube ich auch in der psychiatrischen Institutsambulanz, ich bin mir aber nicht sicher, ob nicht vielleicht nur so ein stationsinternes Ding ist oder da jeder mitmachen darf.

    Erstmal werde ich jetzt versuchen ohne Diagnose klarzukommen. Der Psychiater ist spezialisiert bei Erwachsenen-AD(H)S an der Uniklinik und erscheint mir ziemlich kompetent. Ich denke nicht, dass die Diagnose bei einem anderen Arzt großartig anders ausfallen wird. Und ich möchte auch ehrlich gesagt nicht von Arzt zu Arzt rennen, bis sich einer "erbarmt" oder an jemanden geraten, der einfach nur "Ja und Amen" sagt. Vielleicht hat mein Psychiater mich ja auch ganz richtig eingeschätzt und ich brauche einfach nur ein paar kleine Kompensationsstrategien.

    Andererseits hat er mir auch gesagt, dass ich zu sehr versuche es anderen Recht zu machen und lieber auf mich selbst hören sollte. Hach verwirrend.

  9. #9
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.434

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Hallo dasschäfchen,

    Wegen coaching: ich habe zwar die diagnose bekommen und auch medis und bin sonst nicht gerade leicht betroffen... Aber eine professionelle coach hatte ich nie wirklich gebraucht, weil ich mit gute bücher, unterstützung von mitbetroffenen (auf forum) und SHG viel erreicht hatte. Auf eine seite war gut zu wissen "wie es geht" und "wie man es macht" aber von mitbetroffenen habe ich auch die emotionale unterstützung bekommen die mich motiviert hatte. Es war auch gut, da wir viele waren und es gab immer jemand da, ich konnte jeden tag etwas schreiben und konnte auch die andere unterstützen und mut machen. Alles kostenlos und praktisch!

    Es gibt auf diese forum eine gruppe der sich mit alltagbewähltigung unterstützt. Vielleicht wäre es etwas für dich?

    lg

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 2.680

    AW: "Nicht genug beeinträchtigt" - Was nun?

    Der psychiater, der dich (nicht) diagnostiziert hat: wie lange hat er sich zeit genommen?

    Ich kann grad nicht richtig sagen, was ich denken soll. Irgendwie finde ich es ja richtig, dass eben nicht jeder grad mal soo leicht so eine diagnose bekommt. (Das ist doch der vorwurf der typischen ads kritiker, das das alles viel zu leichtfertig gehandhabt wird)

    Andererseits finde ich, es ist ein sonderbares verantwortungsverständnis, dir schon mal anzukündigen, dass du in ein paar jahren vielleicht ja eine positive diagnose bekommen könntest.
    So nach dem Motto, dein Karren ist noch nicht weit genug im dreck, mach erst mal noch einen Haufen versagenserfahrungen, flieg wegen dämlichkeiten aus ein paar Jobs raus, leg dir eine anständige depression zu, vermassel dir mal noch ein bisschen dein Leben, dann schauen wir weiter.

    Sicher ist ADS ein phänomen mit unscharfen grenzen. Für dich gilt jedenfalls: informiere dich so viel wie möglich über alles, was mit dem thema zu tun hat, und schau, ob du von den Erfahrungen und erlebnissen anderer betroffener profitieren kannst, und wie gut du dich darin wiedererkennst.

    Für mich selbst gilt jedenfalls:
    Als ich mit dem Thema in berührung kam und mir so langsam dämmerte, dass ich zu diesem Chaotenhaufen dazugehören könnte, war mir noch lange nicht wirklich klar, was denn bei mir so alles ADS typisch war. Wenn man mich also nach entsprechenden erfahrungen und erlebnissen aus der kindheit oder aus der gegenwart gefragt hätte, hätte ich vieles nicht benennen können.

    Beim lesen von büchern oder auch jetzt beim lesen im forum oder beim austausch mit meiner Familie, wie ich denn so war, oder beim austausch mit sonstigen betroffenen habe ich seitdem jedesmal gemerkt, dass das thema überall, aus allen ecken und aus allen zeiten aus allen ritzen kam.
    Mein ADS bestimmt mein ganzes leben. Jeden Tag. Mehrmals täglich. Seit ich denken kann.

    Ich weiss nicht, ob es dir damit genauso geht oder gehen wird. Vielleicht spürst du angesichts solcher berichte ja auch, na ja, solchen drastischen aussagen kann ich mich ehrlicherweise doch nicht anschließen. Das musst du aber nicht übers Knie brechen. Mir ging es eben über eine gewisse zeit so, dass ich bei jeder beschäftigung mit dem thema auf neue aspekte gestoßen bin, und immer, immer wieder habe ich mich darin wiedergefunden.

    Hier gibt es eine ganze handvoll forenthreads, die jemand angefangen hat mit: ist das bei euch auch so , .....( dass irgendwas absurdes ein beständiger teil eures lebens ist)
    Ja. allermeistens. Oder eben das gegenteil. Aber jedenfalls nicht so, wie man das von einem normalen vernünftigen menschen meines Alters eigentlich erwarten könnte.

    ADS ist heftig. Solange man sich dessen nicht bewusst ist, verdrängt, beschwichtigt, kaschiert man das so gut es eben geht, man will ja schließlich eigentlich einfach ein bisschen normal sein. Aber seit ich dem gegenüberstehe und das ding einen Namen und ein Gesicht hat, bemerke ich immer stärker, wie stark das mein ganzes Leben beinträchtigt hat.

    Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein diagnostiker das ganz wegabstarhieren kann, ob du eine eigene ads ausprägung schon genauer kennst oder nicht. Wenn du es noch nicht so genau kennst, mag es vielleicht in einer diagnostik harmloser aussehen, als es ist.

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