Zeige Ergebnis 1 bis 7 von 7

Diskutiere im Thema ADHS und Essstörungen im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    ADHS und Essstörungen

    Ich bin gespannt ob es hier noch andere Betroffene von Esstörungen gibt.

    Ich war als Kind spindeldünn. Mein ADHS hat mich ständig in Bewegung gehalten, ich war sehr aktiv und hatte kein Interesse am Essen. Dass es dann ab der Pupertät in die andere Richtung ging, hatte verschiedene Gründe und nicht alle haben etwas mit meinem ADHS zu tun.

    Aber Übergewicht bekommt, wenn vorhanden, auch Funktionen. Man kann sich dahinter verstecken usw... und bei mir hatte es eben auch die Funktion, dass es mich träge gemacht hat. Also ruhig gestellt.

    Auffällig ist, dass ich in genau der Zeit stark übergewichtig war, in der ich mein Studium absolviert habe und dann ein beruflicher Aufstieg kam. Ich war nicht einfach mal eben dick, sondern schon Binge-Eaterin. Zwanghaftes Verhalten ist ja nun auch nicht unüblich für Betroffene.

    Ich arbeite seit über einem Jahr an mir, mit Hilfe und habe einiges an Gewicht verloren.

    Je mehr ich abnehme umso mehr kommt mein ADHS wieder. ich treibe inzwischen wieder sehr viel Sport, und bin an sich motorisch wieder sehr unruhig. Der Unterschied ist, ich merke, ich selbst habe eh noch nie darunter gelitten und ich bin heute in einer Position, dass ich es mir erlauben kann, auch beruflich meinen eigene Weg zu finden und einfach ich selbst zu sein. Ich muss mich nicht mehr mit Hilfsmitteln "downen" und beruhigen. Bzw. mit Übergewicht träge machen.

    Kennt das jemand? Bzw. sieht noch jemand einen Zusammenhang zwischen aktuellem oder früherem Übergewicht und einer ADHS - Selbstbehandlung?

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: ADHS und Essstörungen

    Oh, ich sehe gerade hier gibt es ein ganzes Unterforum, dass sich mit dem Thema beschäftigt. Sorry, dann war das hier überflüssig.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: ADHS und Essstörungen

    Junie schreibt:
    Ich bin gespannt ob es hier noch andere Betroffene von Esstörungen gibt.

    Ich war als Kind spindeldünn. Mein ADHS hat mich ständig in Bewegung gehalten, ich war sehr aktiv und hatte kein Interesse am Essen. Dass es dann ab der Pupertät in die andere Richtung ging, hatte verschiedene Gründe und nicht alle haben etwas mit meinem ADHS zu tun.

    Aber Übergewicht bekommt, wenn vorhanden, auch Funktionen. ... hatte es eben auch die Funktion, dass es mich träge gemacht hat. Also ruhig gestellt.

    Kennt das jemand? Bzw. sieht noch jemand einen Zusammenhang zwischen aktuellem oder früherem Übergewicht und einer ADHS - Selbstbehandlung?
    Kommt mir SEHR bekannt vor :o)

    Zu Übergewicht, Diät und Co schrieb ich schon etwas, ich zitiere das mal:

    Sinnstifter schreibt:
    ...

    Ich möchte dir auch den Hinweis geben das Übergewicht zwar verpönt aber nicht dein Problem ist. Übergewicht wird heute als ein Symbol des Versagens dargestellt. Weil es zumeist ausschließlich auf mangelnde Disziplin und angeblich "falsches" bzw. "ungesundes" Essen zurückgeführt wird. Das ist schlicht falsch.
    Übergewicht entsteht aus vielen Gründen und Bewegungsmangel und Überernährung sind nur zwei Elemente aus diesem Kontext. Streß ist ein weiterer Faktor, Medikamente und Essucht spielen auch eine Rolle. Psychostreß ist DER Faktor überhaupt, der über den Umweg eines Hypercortisolismus Morbus Cushing ähnliche Symptome und bei besonders langfristigem Streß über Jahre hinweg erheblich zu einer massiven Gewichtszunahme führen kann. Besonders übrigens bei sensiblen Kindern bzw. Menschen. Weiterhin spielen Jahreszeiten, Alkoholkonsum, sonstiger Medikamentenkonsum, Drogenmißbrauch, Altern und der eigene Körperbau und Stoffwechseltypus eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht. (Das kannst du http://www.lizenz-zum-essen.de/texte...enWorkshop.pdf hier mal prüfen. Das Buch ist übrigens sehr empfehlenswert)

    Das nur mal zum Übergewicht jetzt kombinieren wir das mit dem ADHS selbst. Essen ist nötig, der Mensch muss Essen, das ist Lebenswichtig. Darum heißen Nahrungsmittel auch LEBENS-MITTEL. Mittel zum Leben. Notwendig. Das Essen wird über Appetit gesteuert und der wird unter anderem auch durch den Hirnstoffwechsel gesteuert. ADHSler haben nun genau im Hirnstoffwechsel Besonderheiten, die ein gestörtes Essverhalten ZU KOMPENSIEREN versucht. Das hat nichts mit Unbeherrschtheit zu tun, sondern liegt im Problem eines gestörten Stoffwechsels schon begründet. Ein körperlich und geistig Gesunder ißt bis er satt ist und das mit mehr oder weniger Esslust und Freude. Je nach dem wieviele Bücher der Diätgurus er gelesen hat mit ihren Anti-Ess-Freude-ProgrammenDas regt mich immer wieder auf was für ein Schmarrn da auch von offiziellen Stellen und von Ärzten gelabert wird. Das ist oft nicht mehr als Quacksalberei, für die mancher Ernährungsberater eigentlich schon hinter Gittern muss.

    Jedenfalls ist der gestörte Hirnstoffwechsel eine mögliche Ursache für enthemmtes Essverhalten. Ausserdem entsteht durch den Streß hoher Leistungserwartungen und ständiger Versagensängste und unlösbarer Probleme dann auch wieder viel Appetit. Die HPA Achse verlangt zur Gegenregulation Fettreiche, Nährstoffreiche Nahrung. Alternativ hilft auch Sport beim Abbau der Streßhormone, bzw. erhöht man mit mäßigem Sport ja dann auch seinen Kalorienbedarf, das ist aber meist viel weniger als viele ihren 30 Minuten Sporthoppelprogramm unterstellen . Trotzdem es hilft weil es vor allem die Streßhormonpegel reguliert und damit auch das viszirale Fett weniger wird, das mit dem Cortisolabbau assoziert ist.
    http://www.uni-duesseldorf.de/Jahrbu...kirschbaum.pdf

    Wer nun Computerspiele spielt hat noch mehrere andere Faktoren, vor allem wenn er auch noch ADHSler ist. Meistens schläft man wenig, das ist schlecht und bringt Hormonhaushalt und Stoffwechsel durcheinander, macht jedenfalls ebenso dick. Das andere ist dann noch die Unart des Organismus sich gegen die Müdigkeit mit massiven Hungerattacken des nächtens zu wehren, was wieder die Gesamtkalorienzufuhr pro Tag erhöht.
    ....
    ...
    Ich habe auch massives Übergewicht, im Grunde wiege ich fast doppelt so viel wie der Durchschnitt. Hat viele Gründe, liegt vor allem auch an der gesundheitlichen Situation. Deshalb habe ich mir nach einigen Jahren Diätstreß gesagt ihr könnt mich alle mal und hab einfach selbst Informationen gesammelt. Zum Glück fällt mir das recht leicht, da ich in solchen Themen dazu neige in Hyperdingenskonzentration zu verfallen ...

    Jedenfalls lass dir von niemandem einreden und tu es dir auch nicht selbst an das du Schuldig bist. Du bist einfach mit weniger perfekten Genen geboren und letztlich dadurch mit deinen Schwächen geboren. Lebe damit. Das ist nicht so schlimm,. wenn man es akzeptiert.

    Ich rate dir übrigens nicht zu einer Diät. Das dauernde Jojoing macht dich nur erheblich fetter und es wird höchstwarscheinlich zum Jojoing kommen. Was dir helfen kann ist das MPH, das dir hilft deinen Appetit neu zu regulieren. Wenn du dann noch tust was Bulme schrieb, dir also deinen Grundumsatz zurechtrechnest (wenn du nur rumhockst, 100 Kilo wiegst, 1,80 Meter bist und halbwegs atheletisch veranlagt liegt dein Grundumsatz bei ca. 2200 Kalorien und dein Leistungsumsatz beim Rumhocken ca. 200-600 Kalorien. Pro Tag, nicht pro Woche... Du könntest also 5 Tafeln Schokolade oder ein Kilo panierte Schnitzel pro Tag mampfen oder 600 Gramm Reis, ungekocht.300 Gramm Tüte Chips geht auch oder 8 Bratwürste Ansonsten einfach 350 ml Mayonaise oder gleich einen Liter Sahne ...
    Ok es reicht der Witzigkeiten


    Alles Gute dir!
    Also ADHS ist sehr eng mit Esstörungen verknüpft. Die klassische Fettsucht könnte hier einen breiten Widerhall finden, bekannter ist aber der Zusammenhang mit der Magersucht, der darin begründet liegt, das die magersüchtigen ADHSler aus bestimmten Gründen wohl schneller oder dauerhafter in die für das radikale Abmagern nötige Euphorie gleiten können.
    Das es sich nicht oder nur wenig herumgesprochen hat, das sehr dicke Menschen auch in diese Kategorie fallen können, liegt wohl in der üblichen Schuld-Ankreidung und der verkürzten "Friss-Nicht-Soviel" Haltung begründet sein. Während Magersüchtigen viel Aufmerksamkeit zu teil wird und Respektabel mit ihnen umgegangen wird, werden die Übergewichtigen drangsaliert und mit Verstümmelungsoperationen und wilden Versprechungen "abgespeist". (Nur mal am Rande: BMI um 50 hat ein vergleichbares STATISTISCHES Risiko wie das Rauchen. Wieso sollen sich also superdicke Menschen gesunde Körperorgane entfernen und so ihren Körper verstümmeln lassen? Hat jemand schon mal die Forderung gehört, das Rauchern empfohlen wird, sich einen Lungenflügel entfernen zu lassen oder den Mund zuzunähen und dort fürs Essen dann einen Strohhalm durchzuschieben?)
    Jedenfalls plädiere ich für eine anständige Diagnose und dann kommt man auch bei sehr sehr fetten Menschen auf die verschiedensten Faktoren wie Schlafstörungen, Morbus Cushing oder anhaltender Psychostreß mit ähnlichen Auswirkungen, bestimmte Medikamente, Genetische Veranlagung, Körperbauextreme (untersetzt und extrem Breit und muskulös wie z.B. Benedikt Magnusson 1,83cm ca. 170Kilogramm!), Vireninfektionen ... überhaupt können längere Krankheitsphasen das Gewicht massiv erhöhen. Allergien, Diabetes und am Ende eben auch: ADHS.

    Leider gibt es eher eine mediale Hetzjagd auf Dicke anstelle einer anständigen Diagnostik. Heute werden schon Übergewichtige Eltern für das Gewicht des Nachwuchses verantwortlich gemacht, obwohl heute klar ist, das das definitiv ein primär genetisch vererbtes Körperbaumerkmal ist. Zwillingsstudien belegen das sehr deutlich.

    Ja, jetzt hab ich wieder viel erzählt, wenig gesagt. Ich hoffe da ist was dabei, das dir etwas bringt.

    Oh, ich sehe gerade hier gibt es ein ganzes Unterforum, dass sich mit dem Thema beschäftigt. Sorry, dann war das hier überflüssig.

    Wie mans nimmt... Man kann ja dort am Anfang weder lesen noch schreiben, müssen die Neulinge also erstmal draussen bleiben und sich einen Eintritt in die Erlauchte Leser- und Schreibrunde des betreffenden Unterforums verdienen
    Geändert von Sinnstifter (18.07.2012 um 18:55 Uhr)

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: ADHS und Essstörungen

    Ja, ich sehe es auch so, dass Binge-Eater und Menschen mit Adipositas eher um ihre Anerkennung im Suchtbereich kämpfen müssen als die anorexischen oder bulimischen Menschen.

    Extrem fett war ich wohl nicht, aber ich hatte mir schon einen BMI angegessen, der mich einfach ruhig gestellt hat - und das ist nun anders. Ich kann auch sehr schnell in die andere Richtung tendieren und ich habe mir HIlfe gesucht, dies nicht zu tun. Eine klassische diät halte ich nicht, weil ich mit Vorgaben von außen eh nicht gut klar komme. Ich habe nur meine Ernährung umgestellt, Kcal reduziert und treibe viel mehr Sport - treibe überhaupt mal wieder Sport. Seit über einem Jahr nun.

    Und die Person die zum Vorschein kommt ist - wer hätte es gedacht - hibbelig, und motorisch unruhig Und die ganze ADHS Persönlichkeit kommt wieder raus. Natürlich war sie auch nie weg. Aber schon unterdrückt.

    Und ehrlich - es geht mir so viel besser. Mit mir und meiner ganzen nicht neurotypischen Besonderheit.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: ADHS und Essstörungen

    Da bist du wohl schon ein Stückchen weiter als ich. Ich bin gerade wieder ein wenig "Nasser Sack". Aber deine Beschreibungen Essen als Betäubungsmittel zu nehmen, kann ich so nur bestätigen. Das gilt nicht nur für ADHSler. Der Zusammenhang ist ein Psychosomatischer. Durch die Überreizung im Gehirn findet eine Reizleitung in das Darmgehirn bzw. enterale Nervensystem statt. Das führt zu den bekannten "Bauchschmerzen" und Appetitlosigkeit in Streßsituationen bei dem einen und zu übermäßigem Essen und Appetitattacken bei dem anderen. Das Essen dient hier dann einmal als Lieferant für nötige erhöhte Nährstoffbedarfe aber auch als ein Beruhigungsmittel durch Aktivierung des Parasympatikus und damit der Drosselung des Sympathikus.

    Die Verbindung von Gehirn und enterales Nervengeflecht am Darm erklärt im übrigen auch die Flugzeuge im Bauch und anderes fühlen in der Bauchgegend

    Ich selbst habe da so meine Erfahrungen und der Wechsel von Essen als Betäubungsmittel hin zu einer Ernährungsweise und einer Alltagsbewältigung mit hohem Aktivitätsgrad ist mir noch nicht so gut gelungen wie dir. Aber ich sehne mich sehr danach selbst wieder zu laufen, Gewichte zu schieben und einfach aktiv zu sein und viel mehr zu meinem eigenen Wesen zu finden, als bisher. Leider ist die ADHS für mich sehr behindernd und einige andere Psycho-Soziale Faktoren rauben mir wirklich den letzten Nerv und schlussendlich viele Möglichkeiten. Wenn ich nur die Hälfte von dem Umsetzen könnte, was ich schon gelernt habe ...



    Naja dir auf jeden Fall weiterhin viel Erfolg

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 266

    AW: ADHS und Essstörungen

    @Sinnstifter, ich habe mir eine Selbsthilfegruppe gesucht und mache eine Köpertherapie, die sehr viel über das enterische Nervensystem arbeitet. Das ist mir einfach so passiert und hat sich als sher gut für mich herausgestellt. Genau richtig.

    Trotzdem fühle ich mich nicht weiter als du..ich gehe meinen Weg auch immer nur einen Tag nach dem anderen. Das habe ich gelernt und das war ganz wichtig für mich, gerade als personifizierte Ungeduld. Ich lebe nicht in der Zukunft, diese existiert noch nicht - ich kann immer nur heute das tun was zu tun ist. Das war ganz befreiend für mich. Ich muss nicht auf immer und ewig alles richtig machen, auch nicht was mein Essverhalten betrifft. Nur für heute.

    Wenn du also morgen eine Stunde früher aufstehst als ich, und an dem Tag das tust was du glaubst in der HInsicht für dich tun zu wollen - dann bist du eine Stunde weiter als ich.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: ADHS und Essstörungen

    Das hast du aber lieb gesagt Dank dir.


    Jedenfalls hinke ich schon wieder knapp 90 Minuten hinter dem Zeitplan her


    Schönen Tag Dir!

Ähnliche Themen

  1. ADHS und Essstörungen
    Von Phantasia im Forum ADS ADHS Erwachsene: Komorbiditäten
    Antworten: 23
    Letzter Beitrag: 10.02.2013, 12:27

Stichworte

Thema: ADHS und Essstörungen im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum