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Diskutiere im Thema Der erste Schritt zur Diagnose im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 20

    Ich wandere durch einen Dunst voller Unsicherheit - Wie soll ich anfangen?

    Guten Tag,
    wie soll ich anfangen?
    Ich schreibe einfach mal drauf los!
    In meiner Kindheit war ich oft zappelig, habe meine Mitschüler / Mitkindergartenkinder bei ihren Spielen beziehungsweise
    Arbeiten gestört, selber habe ich öfters Flüchtigkeitsfehler gemacht, fast immer mein Material vergessen
    und Aufgaben nicht zuende gebracht - die mir keinen Spaß gemacht haben. Ich war des Öfteren
    in schwierigen Situationen / habe oft vulgär gesagt „Scheiße" gebaut.
    Auf Grund der o.g. Indikatoren haben meine Eltern mich zum Psychologen (oder war es ein Psychiater?)
    geschickt. Er äußerte den Verdacht auf ADHS und stellte fest,
    dass meine soziale Komponente gestört sei, ich aber überdurchschnittlich Intelligent sei.
    In Folge dessen meldeten meine Eltern mich bei den Pfadfindern an - dort hatte ich sehr viel Spaß.
    Habe aber auch sehr oft und viel rumgealbert / andere gestört.
    Dies ging sieben Jahre so, bis ich Schlussendlich keine Lust mehr hatte an den Aktivitäten teilzunehmen -
    könnte an der Pubertätszeit liegen, da ich zum Eintritt ~7 Jahre alt war - und beim Austritt vierzehn Jahre.
    Parallel dazu ging ich von der Grundschule auf einer Gesamtschule in der ich nicht zurecht kam -
    konnte mich einfach nicht integrieren. Und es ging genau wie in der Vergangenheit zu -
    schlechte Noten, störendes Verhalten meinerseits, nicht vollendete Arbeiten, Material vergessen - zu spät kommen.
    Nach einigen „Tadeln", drei Klassenkonferenzen und einem Besuch beim Schulpsychologen, entschieden meine Eltern
    und die zuständigen Lehrer mich von der Schule zu nehmen und mich auf einer Hauptschule zu platzieren.

    Dort ging es mir, was die soziale Komponente betrifft um einiges besser.
    Habe viele Freunde kennen gelernt, aber mein Selbstbewusstsein ging immer weiter in den Keller.
    Meine Noten stiegen rapide in die Luft bei Themen die mich wirklich interessierten.
    Aber bei Aufgaben die nicht in meinem Interessensbereich fielen - verlor ich das Durchhaltevermögen.
    Alle sagten mir ich verschenke mein Potential - ich könnte viel mehr erreichen.
    Dort attestierte mir der Schulpsychologe und die Lehrer, dass ich meinen Mitschülern weit voraus war
    und ich ein exzellentes Allgemeinwissen besitze. Ich aber sofort enttäuscht war, wenn ich nicht
    sofort bei einer Frage drangekommmen bin.
    Meine Schrift bezeichnete man als unordentlich bzw. mundartl. "Sauklaue" u.a. wegen der
    Linkshändigkeit.

    Mein Weg war vorgeplant - Hauptschule -> Realschulabschluss -> Abitur -> Informatik Studium.

    Dies habe ich mir gewünscht, aber daran gearbeitet habe ich nie.
    War einfach zu Selbstzufrieden, habe mich den Anderen überlegen gefühlt,
    sodass ich nicht wirklich mein volles Potential ausgeschöpft habe.

    Deswegen habe ich nur den Hauptschulabschluss nach Klasse 10 erreicht und mir ist es peinlich darüber überhaupt
    ein Wort zu verlieren. Habe mich nach meinem Abschluss von meinen damaligen Freunden abgekapselt, als ich zum Berufskolleg wechselte
    um dort meinen Realschulabschluss nachzuholen.

    Die Schule besuchte ich drei Monate, dann habe ich diese abgebrochen - bin von zuhause ausgezogen, zu meiner jetzigen Freundin.
    Seitdem habe ich nichts mehr durchgezogen.
    Ein paar Versuche meinen Abschluss nachzuholen gab es.
    Volkshochschule - vier Wochen, dann habe ich es abgebrochen.
    Ein Praktikum als Fachinformatiker in der Anwendungsentwicklung habe ich ein Tag besucht,
    mich danach nie wieder gemeldet.
    Nicht nur mein schulisches Leben hat unter meiner Inkonsequenz gelitten -
    auch die verschiedenen Arbeitsstellen die ich hatte wurden nicht lange durchgeführt.

    Regalauffüller - einen Tag.
    Lagerarbeiter - einen Monat.
    Systemgastronom - drei Monate.

    Später, als ich ALG II bezog, habe ich diese 1-Euro Jobs auch nicht lange durchgezogen.

    Ich nahm sehr viel zu, momentan wiege ich über 100kg auf 1,80m Körpergröße - auf Grund dessen
    litt mein Selbstwertgefühl noch weiter.
    Alle Versuche abzunehmen scheiterten.
    Joggen, habe ich einmal ausprobiert und verworfen.
    Fitnesscenter - zwei Anmeldungen höchstens vier Besuche.

    Selbst im Hobbybereich - Programmieren - habe ich so oft angefangen und wieder verworfen.
    Obwohl es mir sehr viel Spaß gemacht hat.
    Mein anderes Hobby ist Online Gaming - insbesondere World of Warcraft.
    Dort fange ich wöchentlich mindestens drei Charaktere an, die ich nach kurzer Zeit
    wieder verwerfe - bislang spiele ich es zwei Jahre und habe nur einen Charakter auf dem Maximallevel.
    (Als Beispiel auf welche Lebenslagen sich das vermutete ADHS auswirkt)

    Ich gehe nicht gerne aus dem Haus, und das ist schwierig - weil ich eine zweijährige Tochter habe.
    Das liegt an meinem Übergewicht - fühle mich unwohl draußen.
    Die einfachsten Sachen, wie aufräumen, spülen und Wäsche waschen schiebe ich so lange wie möglich vor mir her.
    Amtsgänge und wichtige Anrufe tätige ich nur mit größter Not, oder verdränge es ganz.

    Außer meiner Familie (Freundin, Kind, Schwester, Schwager, Schwiegereltern) habe ich nicht
    viele Kontakte - alle Versuche meiner Bekannten sich mit mir zu treffen gehen ins Leere,
    weil ich mich nicht wirklich an Verabredungen halte.

    Mein letzter Versuch meinen Abschluss nachzuholen, lief anfangs sehr gut.
    Bin ins zweite Semester einer Abendrealschule gekommen - und habe dies bis Anfang des dritten Semesters durchgezogen.
    Meine Noten auf dem Semesterzeugnis waren sehr gut - alles sehr gut und gut. Bis auf eine drei in Ethik.
    Klassenbester, wiedereinmal.

    Dann kamen neue Leute und die bisweilen gut organisierte Klasse ging den Bach runter - eine Person
    in dieser Klasse war mein Bezugspunkt - habe mich gut mit ihm verstanden und wir waren auf dem gleichen Niveau.
    Diese Person verließ aber am Anfang des dritten Semesters die Klasse. Ab da war es schwer für mich weiter dorthin zu gehen -
    mir fehlte die Motivation.
    Nun - stehe ich wieder vor dem Nichts - habe Lücken im Lebenslauf, keine Sicht auf eine Ausbildungsstelle, oder einen Arbeitsplatz.
    Ende August beginnt das dritte Semester der Abendrealschule erneut - und ich möchte mich da wieder anmelden, habe aber Angst es wieder abzubrechen.

    Deswegen suche ich dringend Hilfe und weiß nicht wo und wie genau ich es anpacken soll,
    meine Schwester, mit der ich seit kurzem erst wieder Kontakt habe, sagte mir ich solle doch zu meinem Hausarzt gehen
    und mich zum Psychologen überweisen lassen.
    Das Problem ist aber - ich habe keinen Hausarzt und mein letzter Arztbesuch ist sehr lange her.
    Zudem habe ich Angst das meinen Probleme nicht ernst genommen werden.

    Ich hoffe ihr könnt mir irgendwelche Anlaufstellen zukommen lassen, ich tappe im Dunkeln und wäre für alles dankbar.

    In der Hoffnung dies war nicht zu viel Text,

    Marcel



    Nachtrag
    Meine bisherigen Recherchen ergaben folgendes Ergebnis:


    Klinik der Universität Duisburg-Essen, Essen:
    ADHS-Ambulanz für Erwachsene, Spezialsprechstunde für das Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) bei Erwachsenen

    Informationen und Kontakt: Ambulanz, Telefon 0201 – 7227-265

    Sprechzeiten: Mo 08:15 – 16:00 Uhr; Di bis Do 08:15 – 12:00 Uhr

    Die Uniklinik Essen ist nur fünfhundert Meter von mir entfernt - kann ich irgendwo Erfahrungsberichte nachlesen?
    Geändert von Ridiculum ( 4.07.2012 um 21:04 Uhr) Grund: Titel unpassend

  2. #2
    Bulme

    Gast

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    die story könnte direkt von mir sein! aber auch echt alles!
    leider kann ich dir nicht helfen, aber die andern könnens bestimmt

    ich wünsche dir ganz ganz viel glück!

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 10

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    hi mir gehts es ganz ähnlich wie dir, habe alles mögliche angefangen und wieder aufgehört und auch Wow gespielt über 3 jahre... kannst ja mal meinen beitrag in "vorstellung neuer mitglieder" lesen... wenn du möchtest

    naja jedenfalls wollte ich dir nur sagen das ich mich mein leben lang anders gefühlt habe und ich war auch schon jahre nicht mehr beim arzt...

    ich bin mit meinem freund in eine andere stadt gezogen und bin durch meinen chef auf das thema ads gekommen... also habe ich einfach einen termin beim nächstbesten "normalen" hausarzt gemacht und habe ihm mein lebenslauf erzählt und meine probleme die ich bis jetzt hatte...

    zu meiner verwunderung bin ich auf viel verständnis gestoßen. Es hat gesagt.. das hört sich wirklich sehr nach ads an und dann hab ich von ihm eine überweisung zu einem psychologen/neurologen bekommen.

    3 wochen später war ich dann beim psychologen und die hat erstmal nur eine kartei angefangen über mich und hat mich über mein ganzes leben ausgefragt... alle probleme

    man muss einfach ehrlich sein und sagen wie es ist... und sich nicht schämen über seine probleme

    ich freune mich schon sehr auf meinen nächsten termin den ich leider erst am 20 august habe (

    naja ich wollte dir nur etwas mut machen geh einfach hin, die beißen nicht... sie müssen deine probleme ja ernst nhemen und werden dich nicht wieder nach hause schicken!

    Also viel glück

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 20

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Vielen Dank euch beiden, für eure Antwort!
    Ich würde mich über mehr Resümee freuen.

    Gruß,

    Marcel

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 569

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Eine Testung auf Adhs angehen zu wollen halte ich für eine gute Idee. Aber versuch es nicht als Wunderlösung zu sehen. Adhs könnte vieles an deinem Lebenslauf erklären und Therapien möglich machen, die dir helfen könnten. Aber nichts davon funktioniert dauerhaft und löst all deine Probleme, wenn es nebenbei keine weiteren Veränderungen gibt.

    WoW und überhaupt Online-Games führen ins soziale Abseits. Sei froh wenn du noch nicht so abhängig bist, dass du auch Freizeit-Aktivitäten wahrnimmst für die du aus dem Haus gehen musst. Bei den meisten Betroffenen die ich kenne war das bereits nach sehr kurzer Zeit nicht mehr der Fall. Zudem kenne ich zwar viele die dadurch zugenommen haben, aber keiner den es schlanker gemacht hätte. D.h. da wären gleich mehrere Probleme die du angehen könntest, wenn du mit der Zockerei aufhörst.

    Übergewicht ist keine Schande. Viele sind betroffen, du musst damit nicht allein sein wenn du es nicht willst. In einer Gruppe - egal ob Yoga oder Punkte zählen oder sonstwas - in der sich Betroffene zusammentun um gegen ihre Pfunde zu arbeiten, wirst du automatisch neue Leute kennenlernen, durch Aktivität deine Stimmung und dein Selbstwertgefühl anheben können und auch weniger auf negative Vergleiche gucken müssen. Zwischen Menschen mit gleichen Problemen ist man nämlich auf einmal normal und hat viel weniger Grund für die eigene Scham.

    Ob in Therapie oder auf anderem Weg, versuch vom 'problemorientierten' Denken ein wenig abzurücken. Alles in deinem Beitrag beschreibt deine Probleme. Selbst kurz erwähnte gute Leistungen werden sofort von diesen Problemberichten wieder entwertet. Du kennst doch deine Probleme, es ist nicht nötig sie dauernd auf die Tafel zu schreiben um sie nicht zu vergessen! Das Zauberwort heißt 'lösungsorientiertes' Denken/Handeln.

    lösungsorientiertes Denken

    Nur ein Beispiel, da gibt es sicher bessere Seiten. Vielleicht guckst du bei Interesse einfach mal was du findest.

    Ich bin perfekt darin, mir das Leben damit zu versauen, auf meine Probleme zu gucken und mich deshalb mies zu fühlen. Dagegen bist du ein Anfänger.
    Darum glaub mir, das bringt nichts außer noch weiter in negative Gedanken und Gefühle abzurutschen!

    Wenn du andere Ergebnisse willst, tu andere Dinge! Starte die Testung, egal wo und wie. Und werde nebenbei aktiv. Es gibt tausend Wege die dich zu Lösungen führen könnten. Aber so lange du nicht losgehst, kann nichts davon funktionieren.

  6. #6
    Bulme

    Gast

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    vielleicht noch ein winziger tipp für eine diät (sofern du willst), die easy ist:

    ich bin seit ein paar monaten bei fddb (food datenbank), habe seitdem 15 kilo ohne anstrengung und vor allem ohne hunger abgenommen! (war auch sehr mopsig... bins auch jetzt noch, aber nur ein bissel )

    da wird deinen kalorien-gesamtumsatz ausgerechnet, dann musst du schauen, dass du weniger einnimmst, als du verbrauchst.
    jedes nahrungsmittel ist dort aufgelistet mit nährwerten, du kannst also sehen, wieviel du an kalorien isst!



    mir macht das sehr viel spaß, der lernfaktor ist auch groß und man hat es leicht am PC! und vor allem spornt es einen total an!

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 20

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Soeben beim Uniklinikum Essen angerufen, Daten angegeben und die freundliche Frau am Telefon gab mir wider:„Innerhalb von sechs bis acht Wochen rufen wir Sie zurück".
    Ob es wohl an der AOK lag?

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 52

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Ridiculum schreibt:
    Soeben beim Uniklinikum Essen angerufen, Daten angegeben und die freundliche Frau am Telefon gab mir wider:„Innerhalb von sechs bis acht Wochen rufen wir Sie zurück".
    Ob es wohl an der AOK lag?
    Hmm ich musste jetzt seit März warten auf meinen Terminvorschlag.
    Zwischen der ersten Anfrage und dem Terminvorschlag haben insgesamt 5 Monate gelegen.

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 35

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Hallo,

    also ich werde deinen Thread mal abonieren, damit ich ihn wieder finde

    Ich musste auch ein halbes Jahr auf meinen Termin in Essen warten, aber er ist diesen Freitag und danach kann ich dir gerne davon berichten.

    Ich wünsch dir alles Gute!

    Lieben Gruß

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 93

    AW: Der erste Schritt zur Diagnose

    Zum großen Teil klingt das alles ebenfalls ähnlich wie bei meinem Lebenslauf. Chaotisch, Ziellos, Lustlos, Demotiviert.

    Beschäftige dich noch etwas mehr mit ADHS. Du wirst viele Punkte finden, die eine Rolle spielen und Erklärungsansätze bringen. Im Gegensatz zu Auri sehe ich Probleme als Ansätze, die eine Lösung verlangen. Sonst drängeln sie sich immer und immer wieder ins Leben. Das heißt, das man ein Thema analysiert solange es auftaucht, ein bischen wie in der Psychotherapie. Die assozizierten Gedankenströme tauchen nicht ohne Grund auf. Bei ADHS ist meine Vermutung das es noch chaotischer ist, als ohne ADHS und deshalb kaum eine Problemlinie zu erkennen ist. Fang einfach an alles aufzuschreiben. Das Alleine schon hilft bei der Neuordnung von Gedanken und befördert Lösungen zu tage, die erklären können.

    Ich möchte dir auch den Hinweis geben das Übergewicht zwar verpönt aber nicht dein Problem ist. Übergewicht wird heute als ein Symbol des Versagens dargestellt. Weil es zumeist ausschließlich auf mangelnde Disziplin und angeblich "falsches" bzw. "ungesundes" Essen zurückgeführt wird. Das ist schlicht falsch.
    Übergewicht entsteht aus vielen Gründen und Bewegungsmangel und Überernährung sind nur zwei Elemente aus diesem Kontext. Streß ist ein weiterer Faktor, Medikamente und Essucht spielen auch eine Rolle. Psychostreß ist DER Faktor überhaupt, der über den Umweg eines Hypercortisolismus Morbus Cushing ähnliche Symptome und bei besonders langfristigem Streß über Jahre hinweg erheblich zu einer massiven Gewichtszunahme führen kann. Besonders übrigens bei sensiblen Kindern bzw. Menschen. Weiterhin spielen Jahreszeiten, Alkoholkonsum, sonstiger Medikamentenkonsum, Drogenmißbrauch, Altern und der eigene Körperbau und Stoffwechseltypus eine erhebliche Rolle bei der Entwicklung von Übergewicht. (Das kannst du http://www.lizenz-zum-essen.de/texte...enWorkshop.pdf hier mal prüfen. Das Buch ist übrigens sehr empfehlenswert)

    Das nur mal zum Übergewicht jetzt kombinieren wir das mit dem ADHS selbst. Essen ist nötig, der Mensch muss Essen, das ist Lebenswichtig. Darum heißen Nahrungsmittel auch LEBENS-MITTEL. Mittel zum Leben. Notwendig. Das Essen wird über Appetit gesteuert und der wird unter anderem auch durch den Hirnstoffwechsel gesteuert. ADHSler haben nun genau im Hirnstoffwechsel Besonderheiten, die ein gestörtes Essverhalten ZU KOMPENSIEREN versucht. Das hat nichts mit Unbeherrschtheit zu tun, sondern liegt im Problem eines gestörten Stoffwechsels schon begründet. Ein körperlich und geistig Gesunder ißt bis er satt ist und das mit mehr oder weniger Esslust und Freude. Je nach dem wieviele Bücher der Diätgurus er gelesen hat mit ihren Anti-Ess-Freude-ProgrammenDas regt mich immer wieder auf was für ein Schmarrn da auch von offiziellen Stellen und von Ärzten gelabert wird. Das ist oft nicht mehr als Quacksalberei, für die mancher Ernährungsberater eigentlich schon hinter Gittern muss.

    Jedenfalls ist der gestörte Hirnstoffwechsel eine mögliche Ursache für enthemmtes Essverhalten. Ausserdem entsteht durch den Streß hoher Leistungserwartungen und ständiger Versagensängste und unlösbarer Probleme dann auch wieder viel Appetit. Die HPA Achse verlangt zur Gegenregulation Fettreiche, Nährstoffreiche Nahrung. Alternativ hilft auch Sport beim Abbau der Streßhormone, bzw. erhöht man mit mäßigem Sport ja dann auch seinen Kalorienbedarf, das ist aber meist viel weniger als viele ihren 30 Minuten Sporthoppelprogramm unterstellen . Trotzdem es hilft weil es vor allem die Streßhormonpegel reguliert und damit auch das viszirale Fett weniger wird, das mit dem Cortisolabbau assoziert ist.
    http://www.uni-duesseldorf.de/Jahrbu...kirschbaum.pdf

    Wer nun Computerspiele spielt hat noch mehrere andere Faktoren, vor allem wenn er auch noch ADHSler ist. Meistens schläft man wenig, das ist schlecht und bringt Hormonhaushalt und Stoffwechsel durcheinander, macht jedenfalls ebenso dick. Das andere ist dann noch die Unart des Organismus sich gegen die Müdigkeit mit massiven Hungerattacken des nächtens zu wehren, was wieder die Gesamtkalorienzufuhr pro Tag erhöht.

    Bist du also doch schuld? Nö. Denn wenn man im Reallife durch ADHS zum Versagen gebracht wird, hat man schlicht keinen Bock auf Reallife. Wenn man dann noch sensibel ist und soziale Anpassungsschwierigkeiten hat, dann kommen genaug Faktoren zusammen die einen dann vor das Computerspiel bringen.

    Warum sich ADHSler da auch so gut konzentrieren können: Es liegt daran, das diese Computerspiele definitiv und absichtlich stark auf das Belohnungssystem einwirken. Das kommt ADHSlern wiederum entgegen, läßt sie aber auch sehr entgleisen.

    Merke dir: Dein Hang zum Futtern, dein Hang zum Computerspiel, dein Versagen im RL und viele andere Faktoren sind nicht deine Schuld. Du wußtest es nicht besser. Jetzt weißt du das du höchstwarscheinlich auf eine bestimmte Art gehandicapt bist und dir Hilfe suchen solltest und einiges ändern solltest. Das schaffst du.

    Ich habe übrigens ca. 30 Jahre lang Computerspiele mal mehr mal weniger intensiv gespielt davon auch einige Jahre WOW und ich hatte auch nach 4 Jahren nur wenige Chars auf Maximallevel (Bei Dia2 hab ich noch viel mehr Chars gespielt und NIE einen auf maximallevel...) und kaum Endcontent gesehen, weil mir Raids zu anstrengend waren ... Ich habs als Tank dann probiert aber der Streß und Druck im Spiel!!! Da sind ja immerhin je nach dem 10-40 Leute also der ganze Raid vom Tank und seiner Qualität abhängig, das hielt ich dauerhaft nicht durch und hab dann diese Rolle aufgegeben.
    Ich habe auch massives Übergewicht, im Grunde wiege ich fast doppelt so viel wie der Durchschnitt. Hat viele Gründe, liegt vor allem auch an der gesundheitlichen Situation. Deshalb habe ich mir nach einigen Jahren Diätstreß gesagt ihr könnt mich alle mal und hab einfach selbst Informationen gesammelt. Zum Glück fällt mir das recht leicht, da ich in solchen Themen dazu neige in Hyperdingenskonzentration zu verfallen ...

    Jedenfalls lass dir von niemandem einreden und tu es dir auch nicht selbst an das du Schuldig bist. Du bist einfach mit weniger perfekten Genen geboren und letztlich dadurch mit deinen Schwächen geboren. Lebe damit. Das ist nicht so schlimm,. wenn man es akzeptiert.

    Ich rate dir übrigens nicht zu einer Diät. Das dauernde Jojoing macht dich nur erheblich fetter und es wird höchstwarscheinlich zum Jojoing kommen. Was dir helfen kann ist das MPH, das dir hilft deinen Appetit neu zu regulieren. Wenn du dann noch tust was Bulme schrieb, dir also deinen Grundumsatz zurechtrechnest (wenn du nur rumhockst, 100 Kilo wiegst, 1,80 Meter bist und halbwegs atheletisch veranlagt liegt dein Grundumsatz bei ca. 2200 Kalorien und dein Leistungsumsatz beim Rumhocken ca. 200-600 Kalorien. Pro Tag, nicht pro Woche... Du könntest also 5 Tafeln Schokolade oder ein Kilo panierte Schnitzel pro Tag mampfen oder 600 Gramm Reis, ungekocht.300 Gramm Tüte Chips geht auch oder 8 Bratwürste Ansonsten einfach 350 ml Mayonaise oder gleich einen Liter Sahne ...
    Ok es reicht der Witzigkeiten


    ADHS ist eine motivationelle Dysfunktion. Das du nix auf die Kette kriegst liegt dann schon daran. Natürlich gibt es auch andere Ursachen dafür. Wieso es ADHSler aber so massiv und dauerhaft trifft von Kindheit bis ins hohe Alter bei vielen und es sich bei einigen Auswächst? Das weiß ich auch nicht! Ein paar Rätsel sollen dir ja noch bleiben


    Lass dich nicht für deine Genetik verantwortlich machen. Das wäre Rassismus gegen dich selbst!


    Alles Gute dir!
    Geändert von Sinnstifter (17.07.2012 um 22:58 Uhr)

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