Zeige Ergebnis 1 bis 6 von 6

Diskutiere im Thema Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 41

    Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Hallo zusammen,

    vor ungefähr 8 Jahren bin ich zur psychologischen Beratung des Studentenwerks gegangen. Seit Ende 2007 bin ich in regelmäßiger psychiatrischer ambulanter Behandlung, wobei ich neulich den Psychiater gewechselt habe. In die Zeit fallen zwei Psychotherapien (erste VT, zweite TP) und viele Antidepressiva und sogar Neuroleptika wurden ausprobiert, wobei die medikamentöse Behandlung immer noch in der Mache ist. Die Psychotherapien waren nicht der Bringer, obwohl ich mit beiden Therapeuten gut hinkam. Aber er es drehte sich immer nur auf der Stelle.

    Folgende Medis kamen zum Einsatz (entspricht nicht der zeitlichen Reihenfolge): Citalopram, Fluoxetin, Duloxetin, Venlafaxin, Elontril, Seroquel, Olanzapin, Mirtazapin. Jetzt probiere ich es gerade mit Valdoxan. Eine positive Hauptwirkung habe ich bei keinem Medikament gespürt, geringe Nebenwirkungen nur bei einigen.

    Meine erste Psychiaterin hatte mir eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeitsstörung attestiert. Das würde nach meiner Eigenrecherche gut passen. Gut passen würde aber auch Dysthymie, denn viele meiner Probleme trage ich schon seit Kindheit mit mir herum. Ein wirklich lockerer und gelassener Mensch war ich noch nie und das frustriert mich mehr und mehr.

    Nun habe ich mich mal etwas über ADS informiert und da passen auch einige Symptome: innere Unruhe, leichte Ablenkbarkeit, Prokastrination, Ungeduld, niedrige Frustrationstoleranz, leichte Reizbarkeit, Verunsicherungsgefühle, Grübelsucht, Selbstorganisationsschwierigke iten, Aufmerksamkeitsprobleme bei längerem Zuhören. ADHS würde ich ausschließen, Hyperaktivität kann man mir wahrlich nicht vorwerfen.

    Dennoch treffen weiterhin typische Depressionssymptome auf mich zu: null Selbstbewusstsein, teilweise Selbsthassattacken, Schuldwahn, Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit.

    Da meine bisherige Behandlung keinen nennenswerten Erfolg brachte und mein jetziger Psychiater ein AD(H)S-Gutachten ins Spiel brachte, nachdem ich neugierig nach Ritalin gefragt hatte, wollte ich mal hier in die Runde fragen, was ihr davon haltet.

    Ich muss aber auch sagen, dass ich eigentlich kein typisches AD(H)S-Kind war. Ich war zwar nie eine Leidenschaftsbombe, aber mein Abitur habe ich ohne Schwierigkeiten mit 1,7 bestanden. Auch fiel es mir früher nie schwer, lange und konzentriert zu lesen. Und die Literatur war nicht oft trivial. Thomas Manns „Zauberberg“ hatte ich innerhalb von elf Tagen verschlungen, auch Dostojewski konnte ich lange am Stück lesen. In einem Nebenthread habe ich diesen Konzentrationstest gefunden und gemacht und da habe ich gut abgeschnitten („Insgesamt wurden 121 von 196 Aufgaben bearbeitet, wobei 85% richtig gelöst wurden. [...] Die Arbeitsleistung (Anzahl der richtig gelösten Aufgaben) ist im Vergleich mit anderen überdurchschnittlich. Und auch die Arbeitsgeschwindigkeit ist im Vergleich mit anderen überdurchschnittlich.“).

    Meine (Doktor-)Arbeit fällt mir aber immer schwerer, die Sorgen im Kopf beherrschen mich fast totalitär. Und ich mache ständig z.T. erhebliche Fehler aufgrund von Unachtsamkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. Seit dem Ende des Studiums 2009 wurde es immer ungemütlicher in mir, irgendwie kann ich nicht reifen.

    Was meint die Community?

    Grüße,
    S. (m,30)

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 5

    AW: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Hallo heideblitz,

    Symptome sollten auf jeden fall auch bereits in der Kindheit nachweisbar sein. Es ist natürlich gut möglich dass du als Kind dennoch gut zurecht gekommen bist mit Hilfe von antrainierten coping Mechanismen und den kindheitlichen Schutz und Sicherheit im leben. Dann könnten im Erwachsenen alter unter stetig höheren Anforderung und nicht mehr funktionalen coping Techniken deine Probleme und Energielosigkeit überhand nehmen. ADHS mit Kompatibilität Depression ist keine Seltenheit.

    Ich würde dir empfehlen dich stationär in einer guten Psychiatrie intensiv diagnostifizieren zu lassen. Dort dann auch adhs abklären. Auch kann man dich dort medikamentös besser einstellen, Spiegel bestimmen und bestimmte Kombinationen unter Aufsicht testen. Die geschilderten Symptome treffen auf sehr viel zu.

    Lg komorb

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 41

    AW: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Danke für deine Antwort, komorb.

    Ein stationärer Aufenthalt, egal welcher Art, kommt für mich nicht in Frage. Das habe ich bereits allen Psychiatern und Therapeuten gesagt. Erstens muss ich bis Februar meine Doktorarbeit unter Dach und Fach haben, wovon ich meilenweit entfernt bin, auch aufgrund gewaltiger Selbstwert- und Motivationsprobleme. Und zweitens müsste ich dazu hier im Institut mich öffnen bzw. eine längeres Krankgeschriebensein ankündigen. Geht nicht, dazu kann ich mich nicht überwinden. Es ist mir ein guter Ruf extrem wichtig. Außerdem habe ich es gelernt und verinnerlicht, dass Arbeit und Pflichterfüllung stets Vorrang haben.

    Wieso gibt es nicht ein Medikament, dass mir einigermaßen weiterhilft? Ich will keinen Medikamentencocktail, der dann meine Leistungsfähigkeit auf lange Dauer beeinträchtigt. Auf Gesprächstherapien habe ich keinen Bock mehr, ich will nicht weiterhin jede Stunde über dasselbe reden, weil ich damit schlicht nicht klarkomme, weil ich bestimmte Dinge aufgrund der eingeprägten Wertmaßstäbe nicht akzeptieren will, weil Leistung und Selbstwert bei mir eng miteinander verbunden sind und es Teil dieses Wertmaßstabs ist, diesen Wertmaßstab selbst nicht in Frage zu stellen. Außerdem müsste ich bei einem neuen Therapeuten wieder mit dem Erzählen von vorn beginnen. Nein, danke.

    Entspanntes Arbeiten kenne ich nicht, Feierabend heißt bei nie Feierabend im Kopf. Ich könnte jetzt viel von meinem dominanten, strengen und kühlen Vater schreiben. Aber das wäre Quatsch. Ich bin an dem ganzen Schlamassel allein schuldig. Jeder ist für sich selbst verantwortlich.

  4. #4
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 129

    AW: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Hallo Heideblitz!

    Deine Schilderung kommt mir stellenweise sehr bekannt vor. Mit den Medis ging es mir ähnlich. Zum Schluß gab es bei mir auch Valdoxan. Alles ohne Stimmungsaufhellung. Es war sogar noch schlimmer: Doxepin und Venlaflaxin hatten über Jahre verhindert, dass ich mich weiter entwickle. Erkenntnisse lahmgelegt.... Letztendlich war ich froh, dass das Zeugs nicht half.

    So kam ich dazu, mich mit meinen Symptomen auseinander zu setzen. Um ADS/ADHS austesten zu lassen, brauchst Du NICHT stationär gehen. Es gibt niedergelassene Psychiater die das machen und auch Kliniken.

    Alerdings hab ich den Eindruck, Du bist gerade ordentlich frustriert und genervt. Und noch nicht soweit, dass Du wen oder was an Dich ran lässt.

    Ich wünsche Dir trotzdem alles Gute!

  5. #5
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632

    AW: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Also Dysthymie (= anhaltende leicht getrübte Stimmung) und ADHS könnte man fast synonym verwenden. Einen undeprimierten ADHSler gibt es nicht. Es hängt von den äusseren Umständen und der inneren Veranlagung ab, ob sich daraus eine manifeste Depression entwickelt oder nicht. Aber Dysthymie ist sicherlich ein Grundzustand bei ADHS.

    An den Begriffen Hyperaktivität und Hypoaktivität solltest Du Dich auch nicht aufhalten. Diese Einteilung in Subtypen gilt inzwischen als veraltet. Man geht nun davon aus, dass es sich bei ADHS um eine Störung handelt. Und was man bisher als Subtypen diagnostizierte, in Wirklichkeit Variationen des Schweregrades sind.

    Im Klartext heisst das, dass bei allen ADHSlern alle drei Kernsymptome nachweisbar sein müssen: 1. Impulsivität, 2. Konzentrationsstörung und 3. Hyperaktivität.

    Die Hypoaktiven sind also auf ihre Weise genauso hyperaktiv wie die Hyperaktiven, nur macht es sich bei ihnen weniger nach aussen bemerkbar, sondern nach innen. Sie sind beispielsweise hyperaktive Dauerdenker und -grübler, während Hyperaktive ihre Nervosität mehr nach aussen tragen. Die innere Unruhe ist motorisch bedingt und bei beiden Subtypen gleichermaßen vorhanden. Die Hypos sind also keineswegs die ruhigen Träumerchen, als die sie immer verniedlicht werden, innerlich brodeln sie genauso.

    Dass Antidepressiva bei ADHSlern nicht wirken ist ein nächster Punkt, ebenso wie der, dass Neuroleptika sogar kontraproduktiv sind. Eingesetzt werden sie trotzdem gerne und in Massen, weil sie die mit ADHS verbundene quälende und ständige innere Unruhe dämpfen.

    Elontril hätte aber bei Dir wirken können. Nach meiner Erfahrung brauchen ADHSler aber, um denselben Effekt auszulösen, von Elontril weit höhere Dosen als Normalos. Und die werden ungern verschrieben, weil ab 300 mg das Risikio epileptischer Anfälle exponentiell steigt. Es wäre aber unter epileptischem Schutz durchaus möglich, höher zu gehen. Aber warum sollte man sich das antun, wenn man mit Mph ein wirkungsvolleres und letztlich sicheres Medikament zur Hand hat.

    Wenn Dir das noch hilft: Die Diagnose von Persönlichkeitsstörungen ist völlig für den Arsch. Und meist ohne jeden Aussagewert. Es sei denn es handelt sich um die schweren Fälle, als da wären schizotypische, Borderline oder dissoziale Persönlichkeitsstörung. Die anderen kannst Du aber getrost vergessen.

    Bleibt jetzt nur noch die Suche nach einem Psychiater, der sich mit ADHS auskennt zur Abklärung der Vermutungen. Also auf, frisch ans Werk!

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 41

    AW: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam?

    Hallo Artischocke und Eiselein,

    eure Antworten finde ich sehr hilfreich. Ich werde wohl nun doch eine zu bezahlende Diagnose anstreben. Weiter einen Psychiater suchen, der das ausschließlich auf Kassenbasis tun würde, ist mir jetzt zuviel. Mein aktueller Psychiater hat jemand empfohlen, die das für 150,- € tun kann. Ich werde mich da informieren.

    Zurzeit bin ich zurück auf Venlafaxin, seit heute bei 150 mg, Tendenz steigend. Meine Freundin sagte mir, dass ich in der Phase (225 mg) am besten drauf war. Ich werde mit der Dosis mit Einverständnis des Psychiaters wohl bis zu 375 mg gehen. Aber ich habe es nicht so in Erinnerung wie meine Freundin, könnte aber auch an überhöhten Ansprüchen meinerseits liegen.

    Außerdem ist mein Psychiater soweit, dass ich mir eine Lithiumbehandlung überlegen soll. Ich bin eigentlich dagegen. Mir wäre nach Eigenrecherche ein Mph lieber. Dies verschreibt er ohne entsprechende Diagnose nur temporär in Extremsituationen wie z.B. Prüfungsstress. Vielleicht auch deswegen, weil er auch mit Drogenabhängigen zu tun hat.

    Sonst geht es mir überhaupt nicht gut. Ich weiß weder ein noch aus. Es gibt so viel gleichzeitig zu tun und am 28. Februar endet mein Vertrag. Ich werde bis dahin nicht annähernd mit meiner Diss fertig sein - nicht annähernd. Verzweiflung gehört zu meinen Grundgefühlen, Zuversicht ist mir fremd. Ich halte eben nicht viel von mir selbst, kann erst mit Druck und Zwang mich zu einem Ergebnis schleppen. Mit wird stets empfohlen, ich solle meine Ansprüche senken. Aber welche Ansprüche bleiben dann noch, wenn man eh zu nix Bock hat? Der Urlaub hat mir gefallen (sicher auch wegen des regelmäßigen Alkoholkonsums), aber direkt nach der Rückkehr war ich wieder in alten Mustern. Die nächste Woche hätte ich auch noch frei, aber ich kenn' mich...

    Dass die Diagnose von "gewöhnlichen" Persönlichkeitsstörungen eher Alibifunktion hat, glaube ich mittlerweile auch. Entweder fehlte meiner Ex-Psychiaterin der Mut oder sie hat auf dem Gebiet zu wenig Erfahrung. Außerdem haben sie sowie mein jetziger Psychiater zu einer stationären Behandlung geraten, aber ich habe schlicht keinen Bock mehr auf Gesprächstherapien. Ich verspreche mir davon nichts mehr und würde auch mit dieser Haltung hineingehen. Es wäre nur ein andauerndes Auskotzen. Es kommt mir alles so vor wie Abgeschobenwerden. Man macht - verständlicherweise - das notwendige Standardprogramm mit dem Patienten und das war's - Medis, ambulante Therapie, Klinik - solange in einer Schleife, bis es hilft. So wie mit jedem anderen auch, der ähnliche Probleme hat.

    Ich kann mich null auf die Gegenwart konzentrieren oder das Leben genießen. Diese Grübel-, Sorgen- bzw. Angstsucht macht mich noch fertig. Und ja, Eiselein, nach innen bin ich sehr hyperaktiv, stets kurz vor der Explosion, die nie stattfindet.
    Geändert von Heideblitz (26.08.2012 um 16:53 Uhr)

Ähnliche Themen

  1. ADHS - ja oder nein...oder vielleicht oder vielleicht auch nicht
    Von naomagic im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 23.04.2012, 10:07
  2. Agitierte Depression oder ADHS?
    Von Redfox im Forum ADS ADHS bei Erwachsenen
    Antworten: 1
    Letzter Beitrag: 5.02.2011, 13:55

Stichworte

Thema: Depression oder vielleicht ADS? Gutachten ratsam? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
©2017 ADHS bei Erwachsenen Forum