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Diskutiere im Thema Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #31
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Nachtrag:

    Aber bei all dem stelle ich mir immer und immer wieder eine Frage:
    Wie kann all sowas zu Tage treten, teilweise so heftig, während man vorher 46 Jahre lang irgendwie durchgekommen ist, ohne das alles zu bemerken (wenn man von der Kindheit absieht)?

    Ich weiß, es ist müßig sich diese Frage zu stellen.
    Aber dennoch stelle ich sie mir immer wieder.

  2. #32
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.148

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    web4health schreibt:
    Für mich bleibt es so :

    ADHS und Dissoziation sind im Erwachsenenalter häufig wie Henne oder Ei. Was zuerst da war, ist eigentlich nicht entscheidend.
    Sehe ich auch so, das eine bedingt das andere. Der Beginn lässt sich allerdings kaum noch feststellen


    web4health schreibt:
    In der Diagnostik einer Fachklinik wie Bad Bramstedt wird sehr gründlich auf ADHS geschaut. Aber es wird eben nicht auf Dissoziation geschaut. Daher auch nicht gefunden. Roy Murphy ist ein toller Psychologe und Experte. Aber auch er oder sein Team kann nur das finden, was man sucht.
    HIer ist meine Toleranzgrenze erreicht! Ich bin durchaus der Meinung, dass sich die Fachleute öfter mal die Frage stellen sollten, warum ihre Therapien bei einer vergleichsweise großen Gruppe nicht anschlagen. Dazu müssten die Kliniken natürlich einiges im Bereich Qualitätskontrolle auffahren. Leider sind sie da doch eher schlampig - der Hinweis auf die angeblich so knappen Geldmittel ist für mich nicht zu akzeptieren.

    Einem Fachmann müsste eine Disso grundsätzlich auffallen! Unabhängig davon, welche Ursachen er für die Disso annimmt. Außerdem erwarte ich eigentlich von einem Fachmann, dass er sich einigermaßen mit den vielfältigen möglichen Ursachen auskennt. Sonst muss ich nicht zum Fachmann gehen! Ich erwarte aber auch von einem Fachmann, dass er imstande ist, seine Grenzen zu erkennen und evtl. eine andere Meinung einzuholen! Wäre ja auch ne Möglichkeit - Therapie geht nicht voran, schicke Patienten zu einem Kollegen mit der Bitte um einen kritischen Blick auf die bisherige Therapie!

    ADHS-Spezialisten, die ausschließlich auf ADHS schauen, sind in meinen Augen so schlecht wie ein Großteil der Psychiater, die notfalls über Jahre Antidepressiva verordnen, auch wenn nichts wirklich hilft. Je mehr von den Dingern auf den Markt kommen, umso länger dauern die erfolglosen Therapien - es wird einfach immer weiter probiert.

    web4health schreibt:
    Andererseits wird man auch in einer Traumafachklinik kaum eine Dissoziation "finden", wenn man nun ADHS und Dissoziation hat. Schlicht, weil dort Trauma bzw Dissoziation an andere Auslöser gekoppelt ist und man noch andere Vorstellungen von Dissoziation hat.
    Siehe oben, die Traumaleute beharren auf ihrer Position, auch wenn ihre Therapien über endlose Zeiten nichts bringen! Geht gar nicht!

    web4health schreibt:
    Der Gutachter hat eigentlich einen verdammt guten Job gemacht. Er hat aufgezeigt, dass da was nicht stimmt und völlig richtig (soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann) auf die Möglichkeit von Dissozativen Phänomenen hingewiesen.
    Dem stimme ich im Grundsatz zu.

    web4health schreibt:
    Ich beschreibe das immer wie eine Insel (z.B. Sylt). Wenn man von der Weststrandseite kommt, sieht man die Insel mit hohen Wellen und Sandstrand. Schön und gut. Vom Watt aus sieht die Insel ganz anderes aus. Es bleibt aber eine Insel. Einige Leute halten sich lieber am Wellenstrand auf, andere am Watt. Je nachdem, von wo man schaut sieht man unterschiedliche Facetten.
    Da werde ich wieder pingelig - das Bild gefält mir gut, sogar sehr gut! Aber der Fachmann müsste, kraft seiner Ausbildung, in der Lage sein, sich die Insel aus der Vogelperspektive anzusehen - dann sieht er nämlich beide Strandformen.

    Das Prinzip bleibt immer gleich - nur wer Fragen hat, erhält auch die richtigen Antworten. Wenn ich grundsätzlich nicht frage und nicht immer wieder meine Beobachtungen mit meinem Wissen bzw. meinen Erfahrungen abgleiche, dann komme ich nicht weiter.

    web4health schreibt:
    Vermutlich gibt es bei ADHS und Trauma eben viele Facetten und Erklärungen. Kein entweder-oder.
    Stimme ich auch zu - nur Grundprinzipien sind zu jeder Zeit, an jedem Ort gleich und überall zu finden!

    Aber: Jeder Mediziner lernt, dass als Ursache einer Unterernährung falsche Ernährung oder auch die Unfähigkeit zur Nährstoffaufnahme vorliegen kann. Diese Unterscheidung zu treffen, ist Aufgabe der Mediziner. Bei halbwegs klarem Verstand kann ich eine Unterernährung auch mit den Tipps aus Frauenzeitschriften beseitigen!

    Die teilweise mehrjährigen Odysseen der ADHSler sind absolut inakzeptabel! Schießlich machen die Shrinks bzw. Ärzte ihre Ausbildungen noch immer an Universitäten, die von der Gesellschaft finanziert werden - dann erwarte ich zumindest, dass sie ihr Fachwissen auch der Gesellschaft zur Verfügung stellen.

    Klar, wir können nur erkennen, was wir kennen - aber die Fachleute lernen in ihren Ausbildungen eigentlich alles kennen - trotzdem haben sie ein Problem mit dem Erkennen!
    Geht gar nicht!

  3. #33
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.148

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Fliegerlein schreibt:
    Nachtrag:

    Aber bei all dem stelle ich mir immer und immer wieder eine Frage:
    Wie kann all sowas zu Tage treten, teilweise so heftig, während man vorher 46 Jahre lang irgendwie durchgekommen ist, ohne das alles zu bemerken (wenn man von der Kindheit absieht)?

    Ich weiß, es ist müßig sich diese Frage zu stellen.
    Aber dennoch stelle ich sie mir immer wieder.
    Vorschlag:

    Weil es zu jeder Kraft eine Gegenkraft gibt - die Gegenkraft macht die Kompensation von Störungen möglich. Disso und ADHS sind so lange kompensierbar, bis die äußeren Belastungen stärker sind als die Kompensationskräfte - dann kommt der Leidensdruck.

    Die Ursachen für die nachlassenden Kompensationskräfte können die allgemein nachlassenden Kräfte sein, so dass eine vorher eher leichte Belastung zur Überlastung wird. Es kann aber auch sein, dass tatsächlich eine solche Flut an kraftraubenden Ereignissen auf einen einstürzt, dass die Kompensationskräfte nicht mehr ausreichen!

    Nur ne Überlegung

    Waldsteinie

  4. #34
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Waldsteinie schreibt:

    Klar, wir können nur erkennen, was wir kennen - aber die Fachleute lernen in ihren Ausbildungen eigentlich alles kennen - trotzdem haben sie ein Problem mit dem Erkennen!
    Geht gar nicht!
    Naja, ... also da würde ich schon etwas relativieren.

    Wir sehen ja selber schon, wie kompliziert das menschliche Wesen ist.
    Und noch immer lernt die Wissenschaft dazu, weiß noch lange nicht alles.
    Und ein derart komplexer Organismus und ein hochkomplexes Gehirn ist in seiner Vielfalt an möglichen Störungen kaum zu überbieten.

    Als ich angefangen habe, mich mit Elektronik zu beschäftigen, hat man noch mit Transistoren und Widerständen und allsowas zu tun gehabt, konnte Schaltpläne lesen und eine Schaltung Schritt für Schritt durchmessen und eine valide Fehlersuche durchführen.

    Bei der heutigen, wesentlich komplexeren Technik ist das kaum mehr möglich.
    Da sind die Fehlerquellen und das Zusammenspiel der Komponenten so vielfältig und kompliziert geworden, die Anfälligkeit auf Unverträglichkeiten usw., da KANN man gar nicht mehr alles wissen und alles überblicken und alle Fehlerquellen und vor allem die Kombinationen und Auswirkungen mit anderen Fehlern abschätzen oder gar voraussagen.
    Da muss man sich rantasten.
    Habe gerade so etwas mit meinem Computer hier.
    Seit Tagen suche ich nach einer Fehlerursache, aber ich habe nur Vermutungen, kann nichts davon bestätigen oder ausschließen.
    Das können die Speicher sein, die Spannungsversorgung, die Spannungsregelung auf dem Motherboard und noch zig andere Möglichkeiten, die gleiche oder ähnliche Symptome hervorbringen.

    Wie soll das erst beim Menschen sein, dem kompliziertesten Wesen überhaupt auf dieser Kugel?

    Insofern habe ich für all das durchaus, wenn auch begrenztes Verständnis.
    Kognitiv ist mir das alles klar und ich weiß auch, dass ich dem Gutachter an sich keinen Vorwurf machen kann/ darf.

    Ich weiß auch, warum wir all die Jahre unentdeckt bleiben, eben weil wir kompensieren konnten und diese Strategien irgendwann an die Grenzen geraten.
    Allein mit zunehmendem Alter sinkt die Streßrestistenz und irgendwann ist eine Schwelle überschritten und es erfolgt eine Kettenreaktion.

    Das ist in der Elektronik auch nicht wirklich anders.
    Irgendwo bekommt ein Bauteil durch Altersermüdungen Werte, die aus der Toleranz gehen und dann erfolgt eine Kettenreaktion bis zur völligen Funktionslosigkeit.

    Kognitiv ist mir das alles klar und mein Lebenslauf unterscheidet sich da kaum von den vielen vielen, die ich schon gelesen habe, allein hier im Forum.
    Das ist schon fast lehrbuchmäßig (was dann schon wieder Anlass zum Stutzen gibt, ich weiß)

    Ich glaube, ich stelle mir die Frage nicht mit dem Kopf ...

    Aber ein Universitätsstudium macht niemanden allwissend.
    Das ist so unglaublich komplex, ... wie soll das gehen.

    Trotzdem könnte es nach dem derzeitigen Wissensstand besser laufen, da bin ich sicher und gebe Dir recht!

  5. #35
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.138

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Hallo fliegerlein,

    Auf deine thread bin ich schon vor einige zeit gestossen, aber hatte damals nicht beantwortet.

    Jetzt ist viel geschrieben, hatte auch gelesen und kann auch vieles zustimmen.

    Da kann ich mal mit meine erfahrungen kommen: bei mich gab es alle von ADS, PTBS und hochsensibilität. Aber alle zu unterscheiden ist auch schwierig.

    Hochsensibilität war als erste deutlich (als kind) mit ADS... Dann hatte ich übel erlebt (auch wegen ADS) und tief verletzt und es gab PTBS (obwohl es für eine stinos sicher auch traumatisierend sein kann, was ich erlebt hatte).

    Symptomen von PTBS waren bei mich deutlich: alpträumen, heftige emotionen, flaschback und triggerreaktionen... Ich hatte gedacht, konzentrationschwierigkeiten kommen auch davon.

    Nach eine therapie sind die typische symptomen weg und es geht mich wirklich besser. Aber dissociation gab es noch, wenn es mich zu viel war. Darum würde ich dissociation nicht als sehr spezifisch sehen.

    Konzentrationschwierigkeiten hatte ich danach immer noch. Nun, wenn es von eine PTBS kommt ist anders: da war es eine trigger oder eine flashback der mich abgelenkt hatte. Bei ADS kann es eine bellende hund (auch wenn ich nie böses erfahren hatte mit hunden) oder irgendwelche reiz, auch wenn sie als armlos empfunden wird.

    Natürlich geht auch meine ADS-schwierigkeiten zurück wenn es mich gut geht und meine konzentration ist immer besser, je mehr ich altlast loslasse.

    So wie ich oft gelesen habe, sollen ADS-symptomen nicht durch etwas anders erklärbar sein. So ist es bei mich so gewesen.

    Wenn eine mix aus PTBS und ADS kommt können sich beiden hochschaukeln und ich denke, es ist sogar für eine fachman schwierig zu unterscheiden. Wieviel konzentrationschwierigkeiten und reizbarkeit kommt von PTBS und welche anteil von ADS? Schwierig zu sagen.

    Ich hoffe diese gutachten, auch wenn du damit nicht voll einverstanden bist, wird dich etwas bringen. Dann wegen behandlung: am bestens dort anfangen wo es auffällig ist, wo es dich stört und dann siehst du auch was noch gibt. Was dich hilft ist sicher auch gut.

    Der diagnose ist nicht wirklich das wichtigste (obwohl es einem geben muss), wichtiger ist dass du geholfen wird damit es dich besser geht.

    Wegen zusammenbrechen in deine alter: so etwas ist typisch! Wenn das leben schwierig ist, und leben mit ADS/PTBS ist schwierig, reichen die kräfte ein zeit und dann irgendwann mag der körper nicht mehr mit... Es passieren auch bei stress vieles im körper und wenn zu viel ist eben auch.

    Oft ist für menschen eine zusammenbruch eine möglichkeit etwas wirklich zu verändern in seine leben und davon kann man sich auch gut erholen, auch wenn es zeit und ruhe braucht.

    lg

  6. #36
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.148

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Fliegerlein schreibt:
    Naja, ... also da würde ich schon etwas relativieren.

    Wir sehen ja selber schon, wie kompliziert das menschliche Wesen ist.
    Und noch immer lernt die Wissenschaft dazu, weiß noch lange nicht alles.
    Und ein derart komplexer Organismus und ein hochkomplexes Gehirn ist in seiner Vielfalt an möglichen Störungen kaum zu überbieten.
    Kein Zweifel, sehe ich auch so! Das Wissen wächst auch immer weiter und es ist schwierig, alles zu überschauen. Aber gerade deshalb ist die ständige Reflektion so notwendig und gerade deshalb ist es so wichtig, dass man die "nachprüfbaren"Fakten in jedem Fall umfassend untersucht! Ich mache der ersten Psychiaterin, die ich vor Jahren konsultierte, keinen Vorwurf, dass sie nicht wirklich erkannt hat.

    Allerdings mache ich ihr den Vorwurf, dass sie keine echte Diagnostik betrieben hat, sie ging eher nach ihrem Gefühl bzw. nach meinem Verdacht. Geht gar nicht!

    Auch damals war es schon eine Alltagsweisheit, dass auch neurologische Defizite ausgeschlossen werden müssen, bevor man die Traumatheorie zugrunde legt. Klar, sie hätte ADHS wahrscheinlich nicht erkannt, aber bei einer entsprechenden Testung wäre schnell aufgefallen, dass ich ein enormes Handlungsdefizit hatte. Dieser HAWI-Test ist uralt und er gehört einfach in eine erste Diagnostik. Über die Objektivität lässt sich sicher streiten, aber in keinem Fall ist das gefühlte Urteil eines Psychiaters objektiv. Dieses ist in jedem Fall immer relativ. Es hat schon was Vernünftiges, dass diese Leute meist einen Doppel-Facharzt haben, eben Neurologe und Psychiater.

    Fliegerlein schreibt:
    Als ich angefangen habe, mich mit Elektronik zu beschäftigen, hat man noch mit Transistoren und Widerständen und allsowas zu tun gehabt, konnte Schaltpläne lesen und eine Schaltung Schritt für Schritt durchmessen und eine valide Fehlersuche durchführen.
    Auch da gebe ich Dir recht! Geht mir in meinem Beruf nicht anders! Du suchst natürlich auch erstmal die Fakten ab und es kann lange dauern, bis Du den Fehler behoben hast.

    Mich stört ja nur, dass die Fakten nicht abgesucht werden!


    Fliegerlein schreibt:
    Wie soll das erst beim Menschen sein, dem kompliziertesten Wesen überhaupt auf dieser Kugel?
    Widerspruch: wir wissen heute schon recht viel über diverse Zusammenhänge, wir wissen auch, was wir messen können und was nicht! Umso wichtiger ist es das Messbare zu messen und nicht einfach das Trial and Error-Prinzip einzusetzen! Und zu den Leitlinien jeder psychiatrischen Behandlung gehört es einfach, erstmal abzuklopfen, ob es einfache körperliche Störungen gibt, dann geht der Versuch mit den Medikamenten los! Natürlich gehört es dazu, mal die Frage zu stellen, warum jemand unter idealen Bedingungen plötzlich in der Endphase seines Studiums zusammenbricht - im schlimmsten Fall könnte es eine beginnende Demenz sein. Die lässt sich aber erkennen mit geeigneten Tests!


    Fliegerlein schreibt:
    Aber ein Universitätsstudium macht niemanden allwissend.
    Nein, allwissend wird niemand durch eine Ausbildung, ob Studium oder Lehre. Vermittelt werden nur Basiskenntnisse, die uns befähigen, die richtigen Fragen zu stellen! Nur da hapert es eben manchmal gewaltig.

    Beispiel: In einer Augenarztpraxis tauchte eines Tages die Frage auf, warum es oft Monate dauert, bis eine Winkelfehlsichtigkeit mit oder ohne ADHs erkannt wird. Die Leute fragten sich allen Ernstes mal, ob es vielleicht an den Fachleuten liegen könnte. Meist waren es nur Zufallsbefunde, weil alle Brillen nichts gebracht haben und u.U. erst nach längerer Behandlung mal die Probleme der Kinder wirklich auf den Tisch kamen.

    Die haben dort tatsächlich umgeschaltet und festgestellt, dass in den Sprechstunden nicht die richtigen Fragen gestellt wurden. Es wurden strukturierte Interviews eingeführt mit so banalen Fragen wie es z.B. mit den feinmotorischen Fähigkeiten der Kinder bestellt ist usw.

    Das erwarte ich eigentlich von guten Fachleuten. Bleiben wird immer ne Fehlerquote - ist einfach normal. Es geht aber wohl eher darum, die Fehlerquote so niedrig wie nur möglich zu halten.

    Fliegerlein schreibt:
    Trotzdem könnte es nach dem derzeitigen Wissensstand besser laufen, da bin ich sicher und gebe Dir recht!

  7. #37
    Chaotin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 50
    Forum-Beiträge: 5.295

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Fliegerlein schreibt:
    Nachtrag:

    Aber bei all dem stelle ich mir immer und immer wieder eine Frage:
    Wie kann all sowas zu Tage treten, teilweise so heftig, während man vorher 46 Jahre lang irgendwie durchgekommen ist, ohne das alles zu bemerken (wenn man von der Kindheit absieht)?

    Ich weiß, es ist müßig sich diese Frage zu stellen.
    Aber dennoch stelle ich sie mir immer wieder.
    Mein Psychiater hat mir zu Beginn der Medikamentation mit MPH (in Kombination mit ADs) gesagt, daß durch das MPH "Arbeit" in gang gesetzt wird. Zu Beginn war es bei mir die Arbeit am äußeren Chaos, etwas verzögert begann dann die Arbeit am inneren Chaos. (U.a. wurde Dissoziation diagnostiziert.) Durch das MPH habe ich die Kraft zu Veränderungen, zur Psychotherapie und zu einer Reha gewonnen.

    Vorher habe ich mehr schlecht als recht funktioniert und bin auch "irgendwie" durchgekommen. Das "irgendwie" war bei mir sehr kräftezehrend und es wurde ständig schwerer.

    Die Kraft zu einer Aufarbeitung hatte ich früher nicht.

    Soweit aus meiner Sicht.

    LG Patty

  8. #38
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.148

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Patty schreibt:
    Mein Psychiater hat mir zu Beginn der Medikamentation mit MPH (in Kombination mit ADs) gesagt, daß durch das MPH "Arbeit" in gang gesetzt wird. Zu Beginn war es bei mir die Arbeit am äußeren Chaos, etwas verzögert begann dann die Arbeit am inneren Chaos. (U.a. wurde Dissoziation diagnostiziert.) Durch das MPH habe ich die Kraft zu Veränderungen, zur Psychotherapie und zu einer Reha gewonnen.

    Vorher habe ich mehr schlecht als recht funktioniert und bin auch "irgendwie" durchgekommen. Das "irgendwie" war bei mir sehr kräftezehrend und es wurde ständig schwerer.

    Die Kraft zu einer Aufarbeitung hatte ich früher nicht.

    Soweit aus meiner Sicht.

    LG Patty
    Deckt sich mit meiner Erfahrung und meinen Kenntnissen von den neuesten Fachkenntnissen!

    Es geht nichts ohne den notwendigen Betriebsstoff. Sonst sitzen die Leute nur in den Psychotherapien, sind erschöpft und können einfach nicht mehr!

    In den Psychotherapien erleben sie dann, was sie immer erlebt haben! "Alle können das, warum können sie das nicht!" Abwehrhaltung oder Verdrängung. Dabei drückt u.U. schon das äußere Chaos dermaßen, dass gar keine Kraft mehr bleibt, um das innere Chaos zu bearbeiten.

    LG
    Waldsteinie

  9. #39
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.867

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Waldsteinie schreibt:
    Einem Fachmann müsste eine Disso grundsätzlich auffallen! Unabhängig davon, welche Ursachen er für die Disso annimmt. Außerdem erwarte ich eigentlich von einem Fachmann, dass er sich einigermaßen mit den vielfältigen möglichen Ursachen auskennt. Sonst muss ich nicht zum Fachmann gehen! Ich erwarte aber auch von einem Fachmann, dass er imstande ist, seine Grenzen zu erkennen und evtl. eine andere Meinung einzuholen! Wäre ja auch ne Möglichkeit - Therapie geht nicht voran, schicke Patienten zu einem Kollegen mit der Bitte um einen kritischen Blick auf die bisherige Therapie!
    Nein, das ist so nicht richtig.
    Wenn Jemand perfekt dissoziiert, dann weiß das die betreffende Person selber nicht. Und sehr oft ist es gerade bei schweren Dissoziationen so, dass die Betroffenen eine "funktionale Persönlichkeit" entwickeln, die es ihnen erlaubt ihr Leben zu meistern. Man sieht das diesen Betroffenen dann nicht an, dass sie dissoziieren. Das ist ja auch der "Sinn" der Dissoziation.

    Fliegerlein hat das ja geschrieben, dass ihm erst jetzt klar wird, dass er dissoziiert. Bei Missbrauchsopfern, die dissoziieren, kann es vorkommen, dass diese sich nicht an den Missbrauch erinnern (dissoziative Amnesie). Diese Person hat dann vielleicht psychosomatische Beschwerden oder Depressionen oder etwas ähnliches. Die Dissoziation steht da erstmal nicht im Vordergund und ist auch nicht ersichtlich. Weiter unten beschreibe ich das noch etwas ausführlicher.

    Klar, wir können nur erkennen, was wir kennen - aber die Fachleute lernen in ihren Ausbildungen eigentlich alles kennen - trotzdem haben sie ein Problem mit dem Erkennen!
    Geht gar nicht!
    Ja? Ich kenne die Weiterbildungsordnung für angehende Psychiater und kann das nicht bestätigen.
    Dazu kommt noch, dass die Forschung immer neue Erkenntnisse hat. Und neue Medikamente kommen auf den Markt. Ein Arzt ist zwar verpflichtet eine gewisse Anzahl von Fortbildungen wahrzunehmen, aber das entsprechende Angebot fehlt oft. So kommt es, dass gerade im Bereich Psychiatrie solche "Nischen" und neue Erkankungen wie ADHS oder Dissoziationen bei den Psychiatern kaum bekannt sind. Soweit ich weiß, gab es in "meinem" Bundesland z.B. im letzten Jahr keine Fortbildung zu Dissoziation. Und die einzige Fortbildung zu ADHS wurde von Medice (Pharmaunternehmen, das Medkinet Adult produziert) organisiert und durchgeführt und ist abgesagt worden.

    Weil es zu jeder Kraft eine Gegenkraft gibt - die Gegenkraft macht die Kompensation von Störungen möglich. Disso und ADHS sind so lange kompensierbar, bis die äußeren Belastungen stärker sind als die Kompensationskräfte - dann kommt der Leidensdruck.
    Bei ADHS stimme ich dir zu.
    Bei Dissos sehe ich es anders.
    Die Disso dient erstmal dazu, lebensfähig zu bleiben. Die Disso wird also in stressigen Zeiten, im Arbeitsalltag, etc. beibehalten bzw. wieder "abgerufen".
    Wenn der Stress bzw. die Belastung dann nachlässt und Jemand nicht mehr "funktionieren" muss, dann fällt die Disso ab. Die Disso ist so etwas wie ein Korsett, das den Körper aufrecht hält. Nur eben für die Psyche.
    Daher kommt es abends nach der Arbeit öfter zu Dissos bzw. die traumatischen Erlebnisse kommen wieder hoch. Die Disso fällt Stück für Stück ab und so ist erstmal erkennbar, was dahinter steckt und auch welcher Mensch dahinter steckt.

    Bei ADHSlern helfen die Medikamente, den Stress zu reduzieren. Daher kann die Disso dann abfallen und so kommen erstmal die weniger schönen Dinge an die Oberfläche.
    Das ist der Zeitpunkt, an dem viele ADHSler anfangen, ihre Medikamentendosis zu erhöhen, weil sie denken, die ADHS Symptomatik schlägt wieder zu. Aber das stimmt nicht, es sind die Dissos. Und die können ähnliche Symptome hervorrufen wie ADHS.

    Bei Fliegerlein könnte das eventuell der Fall sein. Dass eben das Leben jetzt soweit in Ordnung ist, dass das Korsett abfallen kann und jetzt eben die Dissos an der Reihe sind.

    Für schwere Disso gibt es Diagnosekriterien. Aber für mittelschwere bis leichte Dissos gibt es die nicht. Ich denke, dass die Mehrheit der dissoziierenden ADHSler eher leichte bis mittelschwere Dissos hat. Ein Arzt kann diese nicht "ordentlich" diagnostizieren, weil diese laut ICD nicht existieren und selbst wenn er wollte, fehlen dazu entsprechende diagnostische Verfahren.
    Für schwere Disso hat man Therapien entwickelt. Allerdings steckt die Entwicklung dort auch noch in den Kinderschuhen.
    Für leichte bis mittelschwere Dissos gibt es keine wissenschaftlich fundierten Therapien.

  10. #40
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.148

    AW: Unterscheidung AD(H)S, Disso, Hochsensibilität, PTBS etc: Wie?

    Hallo Fliegenpilz,

    die Diskussion ist zweifelsohne interessant.

    Aber hier spielt sich gerade ein "Turmbau zu Babel" ab, den ich nicht weiter aufdröseln will!

    Muss aber auch gestehen, dass ich leider den Thread nicht vollständig gelesen habe. Bin heute auf den Beitrag von Martin gestoßen - dem ich grundsätzlich zustimmen konnte. Nur sein Verständnis für die ADHS-Spezialisten wollte ich ein wenig relativieren.

    Allerdings habe ich schon eine leichte Wut auf die ganzen Wirrungen und die langen Irrwege in den Psychiatrien vor allem auch deshalb, weil ich die zu Rate gezogenen Fachleute mitunter sogar ziemlich direkt mit der Nase auf meine Probleme gestoßen habe!

    Ich jedenfalls weiß, dass ich heftig dissoziiere - aber nicht, weil ich danach gefragt wurde. Sondern, weil auch ich mich durch die Literatur durchgearbeitet habe und weil ich vor vier Jahren auf eine Therapeutin gestoßen bin, die mich ziemlich ernst genommen hat. Die zeigte mir damals auch auf, wie eine Dissoziation aussieht usw.

    In meiner frechen intellektuellen Freiheit habe ich es dann so übersetzt: Die Dissoziation ist die Wahrnehmung einer Bedrohung, die jedoch ohne Gefühlserleben abläuft usw.

    Wir einigten uns darauf, dass es so hinkommt und ich konnte auch gleich ein paar Beispiele aus meinem Leben aufzählen.

    Die Frau war übrigens klasse, die gab mir immer Hinweise und oft gleich noch nen Literaturtipp, so dass ich mehr als nur ein Mal ankam und ihr die Bestätigung oder auch Nicht-Bestätigung für ihren Verdacht geliefert habe.

    Na ja, mir ging es in meiner Antwort auf Martins Aussagen eher um die Frage der Reflektion im Erkenntnisprozess.

    Ich glaube an diesem Punkt schreiben wir beide gerade aneinander vorbei.

    Hat wohl eher was mit meiner ständig unterbrochenen Aufmerksamkeit zu tun .

    Vielleicht ist es auch nur mein Hyperfocus auf die Sturheit mancher Therapeuten (sowohl ärztliche als auch psychologische) - die ärgert mich schon ziemlich.
    Da lacht der Tiefenpsychologe und ich schätze mal Martin täte es auch .

    Könnte aber auch meine Impulskontrollstörung sein - sonst wäre ich nicht sofort auf den Beitrag angesprungen, sondern hätte mir den ganzen Thread durchgelesen und die Aussagen in den Gesamtkontext gestellt .

    Vielleicht hätte mein Geschreibsel auch eher in ein philosophisches Forum mit Spezialgebiet "Erkenntnistheorie" oder "Wissenschaftskritik" gehört.

    Sorry, war wohl störungstypisch


    LG
    Waldsteinie
    Geändert von Waldsteinie ( 1.07.2012 um 18:08 Uhr)

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