Tach zusammen,

ich war gestern bzgl. einer ADHS-Diagnose zum Zweitgespräch im Neuropsych. Zentrum Hamburg. Offen gesagt hat mich dieser Termin enttäuscht und stutzig gemacht. Erwarte ich vielleicht zuviel? Oder ist meine Enttäuschung berechtigt? Mich interessieren Eure Erfahrungen hinsichtlich der Diagnose und der Therapie, um ein gemeinsames Verständnis zu schaffen, was wir ADHSler von den Ärzten und Einrichtungen erwarten können und sollen.

So ist es bei mir gelaufen: Vor drei Wochen war ich in besagter Einrichtung zum Erstgespräch. Ich hatte mich gut vorbereitet, mit diversen selbst ausgefüllten Fragebögen (Brown/Scales, Jasper/Goldberg, Wender/Utah, Wender/Reimherr, Optimind etc. sowie Fragebögen, die von meiner Frau ausgefüllt wurden. Dazu hatte ich diverse Zeugnisse der Grundschule und Beobachtungsstufe dabei. Im Erstgespräch machten wir dann die quasi die gleichen Tests noch einmal, ein Anamnese-Interview, Intelligenz- und Konzentrationstests und eine Blutuntersuchung. So weit, so gut.

Gestern dann das Zweitgespräch. Kurz und bündig wurde mir mitgeteilt, "die ADHS-Diagnose sei ja recht eindeutig" (O-Ton). Mehr war da nicht. Keine Nachfragen bzgl. meines Lebenslaufs, bzgl. besonderer Probleme, bzgl. anderer Störungsbilder, keine Analyse/Interpretation/Erklärung zur Diagnose - nichts.

Ebenso vage war dann das Therapieangebot. Ich könnte an der Gruppentherapie teilnehmen, werde allerdings erst einmal auf die Warteliste gepackt, weil die aktuelle und nächste Gruppe voll sind. Möglicher Beginn, erst auf Nachfrage, im Spätsommer. Frühestens. Genaue Inhalte und erwartbare Ergebnisse der Gruppentherapie wurden mir auch nicht genannt. Ein Angebot für die Zwischenzeit? Gab es auch nicht. Eine medikamentöse Unterstützung? Erst nach der Therapie. Ich bin also erst einmal wieder auf mich allein gestellt.

Fazit: Es wurde kaum auf mich eingegangen. vieles blieb vage und beliebig. Mehr als ich vorher wußte, weiß ich nun auch nicht. Mit meinen Nöten, die ich durchaus habe (die vielfach im Forum geäußerten Gefühle, nicht verstanden zu werden, sich allein in der Welt zu fühlen, treffen auch auf mich gerade besonders stark zu), fühlte ich mich nicht ernst genommen. Gemäß des obigen Angebots würde ich erst einmal wieder Monate in der Luft hängen. Und auch für danach habe ich keinen konkreten Plan.

Daher wollte ich mich bei Euch mal erkundigen, was Eure Erfahrungen sind. Erwarte ich zuviel? Ist meine Enttäuschung berechtigt? Wie gehen andere Ärzte/Institutionen vor? Wer hat ähnliche/andere/bessere Erfahrungen gemacht?

ich freue mich über Eure Erfahrungen.

Vielen Dank,
Superbrat