Hallo.

Da hier immer mal wieder angefragt wir, was eigentlich zu einer fachgerechten ADS- / ADHS-Diagnostik bei Erwachsenen gehört, hier mal eine kurze, grobe Übersicht:


  1. Ausführliches, klinisches Interview.
  2. Eigen-Anamnese der aktuellen Problematik.
  3. Fremdanamnese der aktuellen Problematik bei aktuellen Bezugspersonen
  4. Eigen-Anamnese der Problematik in der Kindheit
  5. Fremdanamnese der Problematik in der Kindheit bei Bezugspersonen während der Kindheit und/oder Zeugnissen der Grundschulzeit.
  6. Ausschluss ähnlicher, psychischer Krankheits/Störungsbilder (chron. Depressionen, Borderline-PS, bipolare Störung (auch rapid-cycling/ultra-rapid-cycling), schizophrenia simplex, Asperger-Syndrom, Persönlichkeitsstörungen, Schlafstörungen, generalisierte Angststörung, demente Störungen, Störungen durch Substanzgebrauch (Cannabis, Alkohol, ...)....)
  7. Ausschluss physischer (körperlicher) Krankheiten als Ursache der Symptomatik (z.B. Schilddrüsenprobleme v.a. Morbus Hashimoto und Hypo-/Hyperthyreose sowie Nebenierentumore)
  8. Ermittlung und Graduierung der quasi immer vorhandenen Komorbiditäten (v.a. Depressionen, Angst-/Panik-/Zwangsstörungen, Sozialphobie, Abhängigkeit/Sucht)
  9. sowie des Weiteren noch zusätzliche, individuelle Abklärungen.



Eine fachgerechte AD(H)S-Diagnostik bei Erwachsenen umfasst alle aufgeführten Punkte.

Mit jedem fehlenden Punkt wird die Sicherheit der gestellten Diagnose geringer und die Möglichkeit einer Fehldiagnose steigt.

Ohne Eigen- und Fremdanamnese der Symptomatik in der Kindheit ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

Ohne Ausschluss ähnlicher, psychischer Krankheits-/Störungsbilder ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

Ohne Ausschluss physischer (körperlicher) Ursachen ist eine Stellung einer AD(H)S-Diagnose nicht möglich.

In allen diesen Fällen ist lediglich das Stellen einer Verdachtsdiagnose möglich.



LG,
Alex