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Diskutiere im Thema Kombinierte Persönlichkeitsstörung = Ausschluss von ADHS / ADS? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 17

    Kombinierte Persönlichkeitsstörung = Ausschluss von ADHS / ADS?

    Hallo, liebes Forum,

    ich weiß so langsam nicht mehr, woran ich mit meiner Problematik bin!
    Bin nicht mehr sicher, ob ich eine ADS-Diagnostik überhaupt noch anstreben soll, obwohl vieles einfach passt.
    Es gibt auch Ähnlichkeiten mit dem Asperger-Syndrom.

    Heute habe ich aber noch mal den Befund von der Tagesklinik gelesen, in der ich vor drei Jahren eine Therapie machte. Ich war total ausgebrannt, weil weder privat noch beruflich irgendetwas funktionierte.
    Die Diagnose lautete: Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher vermeidenden, abhängigen sowie zwanghaften Anteilen.

    Würde so eine Persönlichkeitsstörung denn überhaupt zu ADS/Asperger passen?

    Ich habe mich so viele Jahre verzweifelt gefragt, was meine Andersartigkeit ausmacht.
    Denn egal, in welches soziale Umfeld ich kam, ich wurde meistens nicht ernst genommen und schnell ausgegrenzt.
    Wer Interesse zeigte, tat es meistens nur, weil er sich einen Nutzen von mir versprach.
    Also nicht ich habe mich gefühlt, als sei ich auf einem fremden Planeten gelandet, sondern andere haben mich als fremdartig angesehen. Schon als Kind war ich immer unbeliebt.
    Mit Kollegen hatte ich immer wieder Probleme, ich wurde mehrfach gemobbt.
    Bekanntschaften und Beziehungen hielten nie, weil andere nicht mit meiner ruhigen, behäbigen und wenig spontanen Art umgehen konnten. Auch meine kindische Naivität ging ihnen auf die Nerven. Manchmal war es aber auch so, dass ich mich unverstanden fühlte und sehr zickig und teilweise auch beleidigend wurde.

    Um es so zu schreiben, wie ich es empfinde:
    Je älter ich werde, desto mehr habe ich das Gefühl wie eine geistig Behinderte behandelt zu werden!
    Wenn ich Bekannte mal darauf angesprochen habe, meinten sie nur:"Ach, das meinst Du nur. Das ist wegen Deiner stillen Art."
    Ein Dozent sagte neulich mal, ich wirke sehr verletzt, scheu und hilfsbedürftig.

    Fest steht, ich tue mich unwahrscheinlich schwer im Umgang mit meinen Mitmenschen.
    Mir fehlt irgendwie die Intuition, in entscheidenden Momenten das richtige zu sagen bzw. zu tun.
    Ich kann mich auch nur schwer in andere hineinversetzen. Ich denke oft, ich müsste jetzt das fühlen, fühle es aber nicht.
    Die Absichten anderer zu erkennen ist für mich ein Buch mit sieben Siegeln.
    Ich fiel auf die geheuchelte Freundlichkeit von Menschen rein und vergraulte die, die es mal gut mit mir meinten.

    Mein Ungeschick im Umgang mit Mitmenschen ist teilweise haarsträubend!
    Erst gestern kam ich mir wieder so komisch vor.
    Ich hatte eine Verabredung mit einer ehemaligen Kollegin. Sie rief mich vor dem Treffen extra an, um mich "vorzuwarnen", dass wir nicht allein sein würden. Sie kennt eben meine Unsicherheit gegenüber fremden Menschen. Mit ins Café kamen ein paar Verwandte von ihr und eine Bekannte. Ich war freundlich, aber zurückhaltend. Es entwickelte sich wie immer. Die anderen waren bald in einem angeregten Gespräch vertieft und ich wusste nicht, was ich dazu beitragen sollte.

    Aber viele Persönlichkeitsstörungen bringen ja auch diese Problematik mit sich.

    Nur ich brauche eine Diagnose und Hilfe!

    Denn ich scheitere ja auch im Berufsleben immer wieder, und zwar aufgrund von:
    - extremer Langsamkeit, die mir als Faulheit ausgelegt wird
    - mangelnder Flexibilität und schlechter Auffassungsgabe, was mir als Dummheit ausgelegt wird
    - Konzentrationsschwäche
    - Vergesslichkeit
    - meinem Unvermögen, mich in den Kollegenkreis zu integrieren
    - mangelndem Respekt gegenüber Vorgesetzten

    Außerdem bin ich sehr geräuschempfindlich, habe Probleme mit der Feinmotorik, Koordinationsstörungen und habe ständig Angst vor Veränderungen.
    In Stresssituationen kommt es zu Symptomen wie Zittern, Herzrasen und Fluchtgedanken.

    Diese Probleme müssen doch eine Ursache haben außer einer Persönlichkeitstörung!

    Ich bin 43 und bin erschöpft.
    Ich habe die ganzen Jahre versucht mich anzupassen und zu verbiegen, aber ich merke, dass es nicht mehr geht.

    Was kann ich machen?
    Soll ich wirklich weiterhin eine Diagnostik anstreben oder "nur" versuchen an meiner selbstunsicheren Persönlichkeit zu arbeiten?

    Liebe Grüße,
    Diandra

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 470

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Moin
    Also erstmal: Von Deinen Symptomen kenn ich so Einiges.

    Eine Persönlichkeitsstörung und ADHS schließen sich meines Wissens nach nicht aus.
    Oft scheint mir, dass eine wie auch immer geartete differente Hirnstruktur (ADHS, Aspi, hochsensibel, undsoweiter...) erst einen wunderbaren Nährboden für Persönlichkeitsstörungen bietet.
    Das heisst: Ist man eh schon etwas anders und eckt dadurch dauernd in der Gesellschaft an, bildet man mit der Zeit immer mehr Schutzmechanismen aus, die dann vermeidend, zwanghaft, undsoweiter sein können.

    Es ist also gut möglich, dass die Diagnose der PS nur die Spitze des Eisberges erfasst hat.
    Es ist genau so gut möglich, dass die kombinierte PS ein Versuch der Diagnostiker war, die von ihnen erkannten ADHS oder wasauchimmer -Teile zu erklären, die sie wahrnahmen.

    Fazit: Mach auf jeden Fall die ADHS-Diagnostik, sei Dir aber bewusst, dass es auch etwas Anderes, etwas völlig seltsam Kombiniertes (Du erwähntest Aspianteile) etc. sein kann.

    Was Dir letztendlich die Diagnose ADHS bringen würde, ist Gewissheit (man kann aber auch mit der Gewissheit einfach irgendwie anders zu sein gut leben lernen), einen Hinweis auf sinnvolle Theapiemethoden und die Verschreibungsmöglichkeit von Medis.
    Und nur für das Letzte ist die Diagnose essentiell.
    Alles Andere geht auch bei Verdachtsdiagnosen und groben Richtungen.

  3. #3
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Hi Diandra,

    mir viel spontan die Cafe-Situation auf
    Ich hatte eine Verabredung mit einer ehemaligen Kollegin.. Sie rief mich vor dem Treffen extra an, um mich "vorzuwarnen", dass wir nicht allein sein würden.
    An dieser Stelle glaube ich, brauchst du dir über deine Unsicherheit keine Sorgen machen - ich interpretiere mal munter darauf los: du fandest es blöd, dass die Kollegin einfach so bestimmt hat, noch Personen zum Treffen mitzuschleppen, eigentlich hattet ihr euch ja zu Zweit verabredetet. Passt das? Das Verhalten deiner Kollegin ist nämlich unhöflich: man kann fragen, ob man zu einer bestehenden Verabredung noch jemanden mitbringen darf - dich damit zu überfahren ist unverschämt!

    Ich habe die ganzen Jahre versucht mich anzupassen und zu verbiegen, aber ich merke, dass es nicht mehr geht.
    Genau das ist das Stichwort: Wenn man sich auf Dauer verbiegt, bricht man irgendwann durch!! Jeder muss sich mal anpassen, aber flexibel halt - du hast nicht nur das Recht, du MUSST sogar auf dich aufpassen und Grenzen ziehen und NEIN sagen! Wie mit dieser Kollegin ... in so einer Situation darfst du dir überlegen, ob du weitere Teilnehmer beim Treffen haben möchtest - wenn ja, gut, wenn nein, dann muss die Kollegin ihren Clan zu Hause lassen oder ihr müsste das Treffen halt abblasen und/oder verschieben.

    In Bezug auf die Notwendigkeit der Diagnose bin ich anderer Meinung als @ze_4 - natürlich ist es essentiell notwendig für die Medikation (Hustensaft bei einer Diagnose "Arm ab" hilft nicht viel ;-) ) -

    aber auch für den Umgang mit sich selber kann es wichtig sein. Geräuschempfindlichkeit, Koordination, egal um was es geht - es ist m.E. hilfreich zu wissen, woher manche Sympthome kommen

    • Beispiel Geräuschempfindlichkeit: ist es etwas physiologisches, reicht vielleich Ohropax? Oder ist es Reizüberflutung und du kannst die Empfindlichkeit senken, indem du ein Übermaß an Reizen vermeidest?
    • Beispiel "mangelnder Respekt" gegenüber Vorgesetzten: vielleicht ist der gar nicht so mangelnd - vielleicht hast du dir vielmehr zu lange unverschämtes Verhalten der Vorgesetzten gefallen lassen ... das platzt dann schon mal irgendwann aus dir raus! Vielleicht hast du einfach nur erkannt, dass dein Vorgesetzter Unrecht hat - du müsstes dann vielmehr lernen, wie du sourverän mit solchen Situationen umgehen könntest ....


    Ist auf jeden Fall ein harter Brocken, den du da zu wuppen hast - ich hoffe, du kannst hier viel Kraft und Mut im Forum finden!



    LG, habitbreaker

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 3.524

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Man kann sowohl Pest als auch Colera haben... ist leider so!
    Die meisten Menschen die ADHS haben, haben nicht nur ADHS (grade wenn erst im Erwachsenenalter festgestellt), weil sich meist durch unerkanntes ADHS noch anderes entwickelt. Oder aber man hat eben noch andere Schwierigkeiten. Du kannst ja auch Husten UND Schnupfen haben!
    Ich habe auch eine Persönlichkeitsstörung UND ADHS, ich dachte auch das eine schließt das andere aus, ist aber leider nicht so! Aber man kann mit beidem leben !

    Wünsch Dir viel Erfolg und eine gute Therapieform die für Dich passt!

    LG

    Rose

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 138

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Hallo Diandra,

    ze_4 schreibt:
    Also erstmal: Von Deinen Symptomen kenn ich so Einiges.
    das kann ich so direkt unterschreiben.

    Mit dem Asperger-Syndrom und Persönlichkeitsstörungen kenne ich mich nicht wirklich aus. Wie wurdest du denn in der Tagesklinik behandelt? Gab es Dinge, bei denen du gemerkt hast das sie dir gut tun?

    Wie hat es sich geäußert, dass du dich als Kind schon immer ungeliebt gefühlt hast? Aus welchen Gründen denkst du gemobbt wurden zu sein?

    Das was ich deinem Text entnehme ist, dass deine größten Probleme im Umgang mit anderen liegen. Gibt es Situationen in denen du dich auch unter anderen wohl fühlst? Wie fühlst du dich unter Freunden/Familie? Wie steht es mit deinem Selbstvertrauen? Grenzt du dich mittlerweile selbst aus / ziehst dich vor anderen zurück? Ich stelle diese Fragen, weil ich sie auch mir selbst vor einer ganzen Weile gestellt habe.

    In jedem Fall klingt es erstmal so, dass es dir gut tun würde wenn du dir professionelle Hilfe suchst. Dies kann einen Diagnosetermin für AD(H)S mit einschließen. Wenn du das Gefühl hast, es nicht alleine zu schaffe, dann quäle dich auch nicht alleine weiter. Du schreibst selbst, dass es nicht mehr geht. Hast du momentan Kontakt zu Ärzten bzw. Psychologen oder bist in Therapie? Inwieweit können dir nahestehende Menschen Halt geben?

    Ich wünsche dir viel Kraft

    MfG
    Chaoticus

  6. #6


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.805
    Blog-Einträge: 40

    AW: Kombinierte Persönlichkeitsstörung = Ausschluss von ADHS / ADS?

    Hallo.

    Diandra schreibt:
    Die Diagnose lautete: Kombinierte Persönlichkeitsstörung mit selbstunsicher vermeidenden, abhängigen sowie zwanghaften Anteilen.
    Also das klingt für mich genauso wie die Diagnose:

    "Tut uns leid, liebe Krankenkasse, sie ist zwar irgendwie anders, aber wir wissen nicht, was ihr wirklich fehlt und diagnostizieren daher dieses seltsame, jedoch trotzdem ICD-konforme Konstrukt, damit ihr uns die Kosten für den teil-stationären Aufenthalt bezahlt."

    Diese Diagnose ist nix halbes und nix Ganzes, denn ansonsten hättest du zumindest noch in die Schublade einer "richtigen" Persönlichkeitsstörung gepasst.

    So ist es nur eine Auflistung einiger deiner Charaktereigenschaften (Persönlichkeitsakzentuierung en), die m.E. pathologisiert werden, um der Krankenkasse eine "Diagnose" zu unterbreiten, ohne die eine Entlassung aus einer Klinik oder Tagesklinik aufgrund der Kostenübernahme nicht möglich wäre.

    So eine kombinierte PS mit "Anteilen" frei nach Wahl kann man absolut jedem Menschen diagnostizieren, sobald derjenige behandlungsbedürftige Probleme im Leben hat.





    LG,
    Alex

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Dankeschön für eure Antworten!

    @habitbreaker:

    Ich bin froh, dass Du die Sache mit meiner Bekannten auch so siehst, dass es eine sehr unschöne Situation für mich war.
    Es war tatsächlich unverschämt mich so zu überfahren. Ich wollte das ganze nur zuerst nicht überbewerten, weil man mir schon oft den Vorwurf gemacht hat, nicht spontan und unflexibel zu sein.

    Was die Geräuschempfindlichkeit betrifft, glaube ich, dass es tatsächlich eine Reizüberflutung ist.
    Ich habe auch Mühe, wenn ich mit jemandem in einem Café oder Restaurant sitze, ihn zu verstehen und die Lautstärke der anderen auszublenden.
    Ich bin überhaupt extrem geräuschempfindlich. Bei der Sirene eines Krankenwagens z.B. muss ich mir die Ohren zuhalten. Da werde ich gleich aggressiv.
    Ich kann mich in einem Büro auch nicht richtig auf die Arbeit konzentrieren, wenn dort den ganzen Tag das Radio dudelt.

    Was mein Verhalten gegenüber betrifft, da wirst Du recht haben.
    Ich habe mir oft zu viel gefallen lassen und irgendwann platzte mir halt der Kragen. Da müsste ich wirklich noch lernen, mit solchen Situationen souveräner umzugehen und nicht so impulsiv zu reagieren.

    @ chaoticus

    In der Tagesklinik habe ich Antidepressiva bekommen und es wurden jede Menge Gespräche geführt. Leider viel zu wenig Einzelgespräche.
    Das ganze hat mir nur wenig gebracht. Mir wurde nur gesagt, dass meine Aggressionen aus meiner Kindheit kommen und ich mehr Selbstvertrauen entwickeln müsse. Ich sei insgesamt überangepasst und würde zu wenig zu meinen Bedürfnissen stehen.
    Klar, habe ich mich im Laufe der Jahre auch krampfhaft bemüht mich anzupassen, weil ich nicht immer so als die extrem introvertierte, passive, unspontane und hypoaktive dastehen wollte. Beliebter gemacht haben mich meine Bemühungen aber nicht.

    Ja, in meiner Kindheit habe ich mich immer ungeliebt gefühlt.
    Meine Mutter hatte mich nicht gewollt und hat mich das sehr oft spüren lassen. Sie hat mich sehr oft runtergemacht, mich beschimpft und angeschrien. Ich hatte sehr viel Angst vor ihr. Sie hatte wohl ein Problem damit, wenn schon ein Kind, dann auch ein möglichst perfektes und kein Sorgenkind. Ich war immer schon sehr langsam, lernte spät laufen und Fahrradfahren. Als ich endlich mit dem Rad fahren konnte, kam ich ganz oft blutend nach Hause. Wahrscheinlich stürzte ich so oft, weil ich Gleichgewichtstörungen hatte.
    Auch wollte sie aus mir eine Balletttänzerin machen, weil sie selber darin in ihrer Jugend so erfolgreich war. Doch das konnte ich nicht leisten, weil ich sehr unsportlich und ungelenkig bin.
    Außerdem tat ich mich in der Schule schwer mit der mündlichen Mitarbeit, weil ich so schüchtern war.
    Mein Vater hat mehr Zuneigung für mich empfunden, aber er war immer sehr ehrgeizig und hat viel gearbeitet und hatte somit kaum Zeit für mich.

    Ich habe mich oft gefragt, warum ich in der Schule immer unbeliebt war und gemobbt wurde.
    Es lag wohl an meiner Schüchternheit und Ängstlichkeit. Ich war das ideale Opfer, weil ich mich nicht wehren konnte.
    Wobei ich zurückblickend auch sagen muss, dass manche Leute krampfhaft versucht haben negatives an mir zu finden.
    So hieß es z.B. ich gehe komisch, ich trinke komisch, ich spreche komisch (eine Bekannte meiner Mutter hat mich mal nachgeäfft, dass ich manche Worte so lang ziehe und es sich ein bißchen nach einem französischen Akzent anhöre).
    Meine Unsportlichkeit machte mich auch zu einem willkommenen Opfer. Ich wurde fast in jeder Sportstunde ausgelacht.

    Ich war nie ein Partymensch oder ein Discotyp.
    Am liebsten habe ich mich immer mit ein oder zwei Leuten getroffen. Bin dann gern essen gegangen, mal was trinken in einer netten Kneipe oder ins Kino. Ich hatte auch Spaß an Fahrradtouren und Spaziergängen.
    Bis letztes Jahr hatte ich auch noch ein paar Bekannte, aber auch diese Kontakte gingen in die Brüche. Es ging eigentlich überwiegend darum, dass man mich nicht so akzeptierte, wie ich bin. Oft hieß es, ich würde es eh zu nichts mehr bringen im Leben, ich sei total naiv und auch faul.
    Eine Bekannte versuchte auch regelrecht sich aufzuwerten, indem sie mich niedermachte.

    Ich bin ganz sicher, keine Sozialphobie entwickelt zu haben, aber ich verliere zunehmend das Interesse an neuen Kontakten, weil sich alles immer in eine sehr negative Richtung entwickelt.
    Trotzdem versuche ich es immer wieder.
    Vor kurzem habe ich auch einen Mann kennengelernt, den ich gern als guten Freund gehabt hätte. Leider entpuppte er sich als Alkoholiker und erschien dann schwankend zu unseren Treffen. Als ich nicht mit ihm ins Bett wollte, wurde er aggressiv und beleidigend.

    Mein Selbstvertrauen ist schon sehr lange auf einem Nullpunkt angelangt.
    Die Erfolgserlebnisse bleiben seit Jahren aus, und das zermürbt mich.
    Auch wenn ich trotzdem nie aufgeben möchte!

    Liebe Grüße,
    Diandra

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 17

    AW: Kombinierte Persönlichkeitsstörung = Ausschluss von ADHS / ADS?

    Alex schreibt:
    Hallo.



    Also das klingt für mich genauso wie die Diagnose:

    "Tut uns leid, liebe Krankenkasse, sie ist zwar irgendwie anders, aber wir wissen nicht, was ihr wirklich fehlt und diagnostizieren daher dieses seltsame, jedoch trotzdem ICD-konforme Konstrukt, damit ihr uns die Kosten für den teil-stationären Aufenthalt bezahlt."

    Diese Diagnose ist nix halbes und nix Ganzes, denn ansonsten hättest du zumindest noch in die Schublade einer "richtigen" Persönlichkeitsstörung gepasst.

    So ist es nur eine Auflistung einiger deiner Charaktereigenschaften (Persönlichkeitsakzentuierung en), die m.E. pathologisiert werden, um der Krankenkasse eine "Diagnose" zu unterbreiten, ohne die eine Entlassung aus einer Klinik oder Tagesklinik aufgrund der Kostenübernahme nicht möglich wäre.

    So eine kombinierte PS mit "Anteilen" frei nach Wahl kann man absolut jedem Menschen diagnostizieren, sobald derjenige behandlungsbedürftige Probleme im Leben hat.





    LG,
    Alex
    Hallo Alex,

    ja, jetzt, wo Du es so deutlich geschrieben hast, wird es mir auch bewusst!

    Irgendwie ist das gar keine richtige Diagnose. Es sind tatsächlich nur einige Charakereigenschaften genannt, die allerdings tatsächlich bei mir vorhanden sind. Selbstunsicher und zwanghaft (in Gedanken, nicht in Handlungen) bin ich wirklich. Abhängig in der Hinsicht, dass ich Probleme damit habe, Entscheidungen selbständig zu treffen.

    Und richtig: jeder Mensch wird zumindest zwei oder drei Kriterien einer beliebigen Persönlichkeitsstörung erfüllen.
    Jemand, der kühl und distanziert wirkt, ist ja auch nicht gleich schizoid. Jemand, der selbstbewusst ist und sich manchmal überschätzt, hat nicht gleich die narzisstische PS.

    Klingt bei mir tatsächlich nach einer Verlegenheitsdiagnose.

    Liebe Grüße,
    Diandra

  9. #9


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.805
    Blog-Einträge: 40

    AW: Kombinierte Persönlichkeitsstörung = Ausschluss von ADHS / ADS?

    Hallo.

    Diandra schreibt:
    Irgendwie ist das gar keine richtige Diagnose.
    Das ist so richtig, ja.

    Vor 20 Jahren hättest du vermutlich ein "Borderline-Syndrom" diagnostiziert bekommen, denn das war seinerzeit noch nicht genau definiert (wie heute die Borderline-PS) und die Diagnose, die man damals jedem verpasst hat, von dem man keine Ahnung gehabt hat, was dem eigentlich fehlt.

    Heutzutage ist das eben eine kombinierte PS, weil man dazu nicht die Kriterien einer Persönlichkeitsstörung erfüllen muss, sondern nur ein paar auffällige Charaktermerkmale besitzen muss (die jeder Mensch besitzt).

    [OT]Jemand mit einer narzisstischen PS hat übrigens kein großes Selbstbewusstsein (ganz im Gegenteil), sondern er "überkompensiert" sozusagen unbewusst ein fehlendes. (sehr grob gesehen)[/OT]




    LG,
    Alex

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 138

    AW: Verzweifelt! Bedeutet diese Persönlichkeitsstörung einen Ausschluss von ADS?

    Diandra schreibt:
    Auch wenn ich trotzdem nie aufgeben möchte!
    Richtig so!

    Du hast sehr viel durchgemacht und nicht viel Anerkennung bekommen. Es wäre ein Wunder, wenn dein Selbstwertgefühl dadurch nicht angeschlagen wäre. Nur Erwartungen ausgesetzt zu sein und keine Liebe zu erfahren, das hinterlässt tiefe Narben.
    Du schreibst auch, dass du dir in der Therapie mehr Einzelgespräche gewünscht hättest - hast du im Moment die Möglichkeit dazu? Eine Gesprächstherapie in der man sich aussprechen kann, ein vernünftiges Feedback bekommt, sowie die Bestätigung das man nicht alleine ist können mitunter erstaunliches bewirken.

    Was für Antidepressiva hst du denn bekommen und nimmst du momentan immer noch etwas ein? Auch diese können ganz enorm Einfluss auf den Antrieb (Müdigkeit, Leistungsfähigkeit, Schnelligkeit etc.) und andere Dinge haben.

    Viel Erfolg und gib nicht auf!

    MfG
    Chaoticus

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