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Diskutiere im Thema Diagnose "ADHS / ADS" viel zu schnell gestellt? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
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Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 11

    Diagnose "ADHS / ADS" viel zu schnell gestellt?

    Hallo ihr lieben.

    Ich hoffe ich hab' nicht überlesen, dass es das Thema schon gibt. Wahrscheinlich sind einige auch eher gegenteiliger Meinung,
    denn ich habe in manchen Beiträgen gelesen, dass manche von euch Probleme hatten den jeweiligen Psychiater von der ADS-Problematik "zu überzeugen".

    Ich komme mal zum Punkt^^, ich bin natürlich kein Psychiater , aber ich kenne ein paar Leute, die diese Diagnose gestellt bekommen haben und ich kann das nicht nachvollziehen. Meistens sind es Leute, die sich etwas von den anderen abheben. Ein bisschen "anders" und teilweise etwas schwierig sind. Ich habe manchmal das Gefühl, dass man sie in eine Diagnose reinsteckt, weil man nach Schema F vorgeht und dann eben die Tabletten verschreibt. Ich bin kein Statistikenfreund, aber es nun eine Tatsache, dass die Zahlen der AD(H)S-Patienten rasant gestiegen ist. Wenn wir in die USA schauen gibt's die Tablette quasi schon zum Pausenbrot für viele Kinder, die ein bisschen ruhig gestellt werden sollen.

    Versteht mich nicht falsch, natürlich gibt es Leute die wirklich daran leiden und denen durch die Medikamente geholfen wird.
    Und im Prinzip ist das ja nicht mein/euer Problem, aber ich mache mir schon Gedanken darüber, allein schon um von anderen mit der Diagnose ernst genommen zu werden (sofern man davon erzählt). Auch um sich selbst damit ernst nehmen zu können. Das ist nämlich mein Problem. Ich frage mich in letzter Zeit sehr oft, ob ich tatsächlich ein AD(H)S habe. Ich persönlich hatte die Diagnose ja schon mit 11 bekommen (aber auf Elternwunsch keine Medikamente bekommen). Ich habe gelernt mich in manchen Bereichen zu strukturieren (allein schon weil mir meine Defizite ständig vorgeworfen wurden), aber es ist ja dennoch anstrengend.

    Ich bin deshalb 8 Jahre später nochmal "erfolgreich" zum Psychologen und Psychiater gegangen. Ich bin insgesamt keine schlechte Schülerin (weshalb die Ärzte auch stutzig waren), aber meine Aufmerksamkeit ist doch stark eingeschränkt und dadurch habe ich oft Zeitprobleme. Ich möchte das jetzt auch nicht unnötig lange fortführen. Ich frage mich einfach oft, ob es ein AD(H)S ist oder ob ich einfach nicht so intelligent bin! Es ist ja nicht mal schlimm, dann ist es einfach so. Aber ich habe Angst mir etwas vorzumachen. Aufmerksamkeit hin oder her. Auch wenn einige Symptome bei mir zu finden sind. Es würde Sinn machen, dass ich deshalb z.B. in Mathe nicht gut bin (weil ich demnach auch abgeschaltet habe im Unterricht, denn "ich verstehe eh nichts"). Ich finde mich durchaus in vielen Berichten wieder. Aber es kann auch einfach damit zusammen hängen, dass ich einfach nicht so logisch denken kann. Ich möchte mir nichts vormachen...

    könnt ihr nachvollziehen, was ich mich beschäftigt?

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 135

    AW: Diagnose "AD(H)S" viel zu schnell gestellt?

    hallo,
    ich glaube das es heute, durch die modernen diagnoseverfahren einfach öfter auffällt das jemand adhs hat als früher. als ich noch ein kind war, war adhs zb noch nciht so ein thema wie heute. daher bestand weder der verdacht noch wurde ich getestet. ich wurde vor 7 jahren getestet, da musste ich noch in eine großstadt in die uniklinik um überhaupt getestet werden zu können. heute gibt es auch in meiner stadt ärzte die darauf spezialisiert sind. ich glaube nciht das es heute mehr adhs´ler gibt als früher oder das es eine modeerkrankung ist. früher wusste man einfach nur nichts damit anzufangen.

    liebe grüße nicole

  3. #3
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 161

    AW: Diagnose "AD(H)S" viel zu schnell gestellt?

    Hallo Mückie,

    ich denke auch, daß es mehr Diagnosen gibt, liegt daran, daß das Thema über die Jahre bekannter geworden ist. Als ich in den 70ern in die Grundschule ging, wollte man mich wegen meiner Unaufmerksamkeit und den extrem wechselhaften Leistungen auf eine Sonderschule schicken, da die Lehrer meinten, ich wäre lernbehindert. Meine Eltern haben sich das gottseidank nicht gefallen gelassen und mich zu einer Psychologin geschickt. Zwar hat die Psychologin auch nicht mehr herausgefunden als eine Aufmerksamkeitsstörung (ADS als "Krankheitsbild" war auch ihr derzeit noch nicht bekannt), aber beim Intelligenztest kam heraus, daß ich eine sehr hohe Intelligenz besitze und auch keine Lernbehinderung habe. Das Thema Sonderschule war damit vom Tisch. Sehr zum Leidwesen der Lehrerin, die keine "Problemfälle" in ihrer Klasse wollte. Ich wechselte in eine andere Klasse mit nur 18 Kindern (anstatt mit 34) und einem engagierten jungen Lehrer, und meine Leistungen verbesserten sich explosionsartig. Heute weiß ich, daß ich extrem unter der ständigen Unruhe litt, die 34 Kinder verbreiten können.

    Ich habe irgendwo mitbekommen, daß in Deutschland bei Kindern wohl tatsächlich zu viele, zu schnelle ADHS-Diagnosen gestellt werden. Aber nur, wenn sie dem idealtypischen ADHS-Bild entsprächen. Also ein Junge, hyperaktiv, laut, unaufmerksam, sehr impulsiv. Hingegen würden alle anderen, eher untypischen ADS / ADHS-Ausprägungen eher übersehen und seltener, bzw. sehr viel später diagnostiziert.

    Wenn du trotz Diagnose und ohne die Einnahme der Medikamente recht gut mit deinem Leben zurecht kommst, hast du wohl eine leichtere Form. Schätze dich glücklich und denke nicht weiter daran. Und natürlich gibt es, unabhängig von ADS oder nicht, Interessensbereiche, in denen man besonders gut ist. Und es gibt Dinge, die einen nicht so interessieren, auf die man keine Lust hat. Aber meine Erfahrung ist halt, daß Menschen mit ADS wesentlich stärker kämpfen müssen, um auch bei nicht so interessanten Themen akzeptable Leistungen zu erbringen.

    Gruß
    Trago

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 172

    AW: Diagnose "AD(H)S" viel zu schnell gestellt?

    Ich finde das Hauptproblem ist dass die typsichen Ad(h)s-Symptome bereits in der frühen Kindheit da sind und systematisch aberzogen werden. Denn sie werden ja als schlechtes Verhalten bewertet. Wenn dann Erwachsene mit Ad(h)s-Verdacht zum Arzt gehen, dann steht der vor der Schwierigkeit herauszufinden, was der Patient NICHT sagt bzw. beschönigt usw.

    Ich habe von mehreren Bekannten zu hören bekommen dass ich doch unmöglich Ad(h)s haben könne, mit den schrägsten Begründungen:

    - du hast doch studiert! (klar, Adhs bedeutet natürlich das man nicht intelligent sein kann....nee is klar...)
    - du bist doch so zuverlässig (joa, weil ich bis zur Perfektion gelernt habe meine Nachlässigkeiten, Vergesslichkeiten, Fehlleistungen zu vertuschen und das was klappt zu betonen....niemand sieht dass ich dafür ein vielfaches der Leistung bringen muss, die jemand ohne Ad(h)s schlicht durch konsequentes Durcharbeiten und größere Konzentrationsfähigkeit erreichen kann.
    - nee, also ich kenn welche mit Ad(h)s und die sind ganz anders als du (jo is klar, hab ich einen Fall gesehen dann reicht das um bei jedem sofort sehen zu können ob der was ähnliches haben könnte....oh mann....)

    Ja es gibt Fehldiagnosen und ja, es gibt viele Betroffene die auf unwissende sog. Experten getroffen sind und diese erst für dieses Thema erwärmen mussten.
    Aber das lässt sich umgehen!
    Guck hier bei den Buchtipps. Es gibt inzwischen sehr gute Bücher darüber wie die Symptome bei Erwachsenen aussehen und auch wie sie sich von Symptomen für andere (oft ähnliche) Störungen/Erkrankungen abgrenzen lassen.
    Such dir einen Adhs-Spezialisten, also einen der das wirklich zum Leitfaden seines Jobs gemacht hat. Ich denke es braucht Erfahrung um eine möglichst sichere Diagnose stellen zu können. Ein Arzt der einen Zusatzkurs über Adhs gemacht hat (mal platt ausgedrückt), wird dir nicht die Gewissheit geben dass es nicht doch was anderes sein könnte.
    Lass dich testen, dieser Test ist zwar nicht umsonst, hilft aber sehr dabei die anderen Möglichkeiten mit sehr ähnlichem Profil auszuschließen oder HInweise in entsprechende Richtungen zu geben!

    Übrigens denke ich dass jemand der einen flüssig lesbaren Text in gutem Deutsch, mit Satzzeichen, Absätzen und schlüssigen Argumenten hinbekommt, wie du es mit deiner Frage getan hast, kann definitiv nicht dumm genug sein, um damit mangelnde Leistungsfähigkeit zu begründen.

  5. #5


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 20.805
    Blog-Einträge: 40

    AW: Diagnose "ADHS / ADS" viel zu schnell gestellt?

    Hallo.

    Es gibt bei einer ADHS-Diagnose zwei Problemfaktoren:

    1. Es gibt keine 100%-ig sichere ADHS-Diagnose.

    2. Jede ADHS-Diagnose ist nur so viel Wert, wie die vorangegangene Diagnostik.

    Wir bekommen hier täglich mit, dass mit einigen, wenigen Fragebögen und/ohne Fremdanamnese und/oder ohne Anamnese der Kindheit und/oder ohne Ausschluss körperlicher Grundursachen oder sogar ohne jegliche der nach den Leitlinien zu erfolgenden Diagnoseschritte eine ADHS-Diagnose gestellt wird und das oft von Ärzten, die mit der Thematik weder ausreichend vertraut sind, noch eine entsprechende, einschlägige Erfahrung besitzen.

    Diagnosen, die auf solchen Wegen entstanden sind, kann man in der Pfeife rauchen, ohne, dass dabei Rauch entweicht.

    Dass die ADHS-Diagnose also tatsächlich oft zu vorschnell und eben auch oft falsch gestellt wird, ist also leider eine Tatsache, die sich nicht von der Hand weisen lässt.

    Hier gilt es für die Zukunft, den Fachärzten das nötige Wissen zu vermitteln und ihnen Gelegenheit zu geben, entsprechende Erfahrung zu sammeln.

    Leider ist es nicht möglich, einem nicht entsprechend qualifizierten Facharzt für Psychiatrie zu verbieten, ADHS-Diagnosen zu stellen, aber man sollte schon zur eigenen Beruhigung solche Diagnosen durch Stellen anfertigen lassen, die ein größtmögliches Wissen und eine größtmögliche Erfahrung damit besitzen oder seine bestehende, ambulant gestellte Diagnose dort überprüfen lassen.

    So. z.B. die ADHS-Ambulanzen an den Unikliniken, die man bis auf wenige Ausnahmen hierfür empfehlen kann.

    Auch dort ist keine 100%-sichere Diagnosestellung möglich, aber der Prozentsatz der Sicherheit ist größtmöglich.


    LG,
    Alex

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