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Diskutiere im Thema Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Hallo zusammen,

    Nach eigenen wenig hilfreichen Psychotherapieerfahrungen, frage ich mich, wie eine gute Psychotherapie für ADHSler aussehen sollte? Und da dachte ich mir, frage ich doch direkt mal an der "Quelle" nach.
    • Welche Wünsche habt ihr?
    • Was hat euch geholfen, mit eurem Leben besser klarzukommen, das man auch in einer Psychotherapie anwenden könnte?
    • Welche Themen und Probleme möchtet ihr gerne in einer Therapie besprechen und bearbeiten?
    • Wenn ihr schon eine hilfreiche Psychotherapie gemacht habt, was hat euch geholfen?
    • Welcher Art sollte die Therapie sein? Wollt ihr "nur" reden? Wollt ihr eure Vergangenheit bewältigen? Oder wollt ihr hauptsächlich an euren aktuellen Problemen arbeiten?
    Die Fragen sollen nur eine Hilfestellung sein. Ihr müsst die nicht Punkt für Punkt beantworten.

    Danke schonmal im Voraus.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 137

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Hallo Du, vielleicht können wir das Ganze zusammenlegen?

    Lg
    Savannah377

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 61
    Forum-Beiträge: 2.091

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Hallo Fliegenpilz

    deine Erfahrungen mit weniger hilfreichen (das ist sehr nett ausgedrückt) Psychotherapien teile ich.

    Welche Wünsche ich an eine hilfreiche Therapie hätte?

    Grundvoraussetzung wäre, das der Therapeut eine ADHS überhaupt als eigenständiges Störungs- oder auch Krankheitsbild anerkennt und nicht, so wie leider viele Psychotherapeuten es tun, als Erfindung abtun. Dazu müßte der Therapeut bereit sein mehr als nur seine eigene therapeutische Schule (Freud, Jung und was weis ich) als "Heils- und Segenbrindend" anzuerkennen. Ein klassischer Freud- oder Junganhänger wird nie eine andere Deutung von Verhalten zulassen, als seine eigene Schule sie akzeptiert.

    Ich habe da leider sehr bescheidene Erfahrungen gemacht - da waren meine Gefühle leider nicht sehr Freud- und/ oder Junggerecht und dann mußte da was an mir nicht stimmen - denn die Theorie stimmt - dann kann der Fehler ja nur bei mir liegen. ..... ich schweife ab.

    Also
    1.
    ich möchte einen Therapeuten, der über den Tellerrand gucken kann und sich mit den Besonderheiten der AD(H)S ausgekennt.

    2.
    Vergangenheitsbewältigung ist gut und wichtig - es muß aber die AD(H)S als Faktor mit einfließen. Nach meiner Psychotherapie fand ich meine Eltern noch schlimmer als vorher. Erst seit ich von meiner ADHS weis und auch weiß, dass meine Mutter eine ADS hat kann ich die Vergangenheit Verganenheit sein lassen. Meine Eltern waren tolle Eltern, sie waren nur von ihrer hyper-hyperaktiven Tocher vor 50 und mehr Jahren vollkommen überfordert -
    - das meine ich mit AD(H)S als Faktor einfließen lassen. Bei einem AD(H)Sler läßt sich eine wilde Tochter nicht mit dem Penisneid erklären - ich jedenfalls will keinen und wollte auch noch nie einen.

    3.
    Eine Mischung aus AD(H)Sspezifischer Verhaltenstherapie, Gesprächstherapie und Choating wäre toll.
    Viele erwachsene AD(H)Sler haben zig Copingstrategien entwickelt um mit ihrer AD(H)S mehr oder weniger gut klar zu kommen. Da ist es wichtig, dass:

    -durch anlytisch orientierte Therapieanteile die "Überlebensstrategien" richtig eingeordnet werden können,

    -durch gesprächstherapeutische Therapieanteile ergründet wird ob diese Strategienen noch Sinn machen oder vielleicht mit der Zeit sogar kontraproduktiv geworden sind

    -durch verhaltenstherapeutische Therapieanteile neue und bessere Strategien eingeübt werden

    -durch resourcen orientierte Therapieanteile neue Wege erarbeitet und gegangen werden können.


    So - so eine Therapie finde ich gut


    Alles Liebe Elvira

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    @ Savannah: Ich glaube, zusammenlegen kann das nur einer der Moderatoren. Und ich halte das auch nicht für so sinnvoll, weil du ja konkrete Tips und Erfahrungen für dich suchst. Mir geht es aber eher so ums allgemeine. Also mir geht es nicht darum, welche der bestehenden Psychotherapien bei ADHS am sinnvollsten sind, sondern was sich ADHSler von einer Psychotherapie wünschen und was sie erwarten.

    Mein Eindruck ist, dass selbst die momentan gängigen "ADHS-Verhaltenstherapien" nicht so optimal sind und besser an die Bedürfnisse von ADHSlern angepasst werden sollten.
    Ich habe mich durch eine Vielzahl von Literatur über ADHS und nichtmedikamentöse Therapien gearbeitet und ich habe dort kaum das gefunden, was ich gesucht habe.

    Meine Ärztin ist auf ADHS spezialisiert. Aber ich habe das Gefühl, sie versteht nicht, was es heißt, ADHS zu haben. Sie versteht nicht, dass bei mir einfach einiges anders funktioniert und dass ich manche Dinge eben nicht einfach so mal machen kann.
    In ihrem Behandlungszimmer lag ein Buch über Psychotherapie bei ADHS. Ich habe es mir besorgt, weil ich dachte, dass ich meine Ärztin so besser verstehen kann. Blöderweise habe ich mir den Titel falsch gemerkt und es gibt nicht nur ein blaues Psychotherapiebuch für ADHS. Also habe ich jetzt zwei. Und so hat das bei mir angefangen mit der Suche nach einer möglichst optimalen Psychotherapie für ADHSler.

    In den Büchern für Ärzte und Psychotherapeuten steht leider nicht drin, wie ADHSler ticken. Da stehen nur die Symptome drin. Aber man kann uns ja nicht einfach auf "normal" umprogrammieren. Das funktioniert nicht und ich persönlich möchte das auch nicht.

    @ Elvira: Wow! Du hast das klasse strukturiert, gegliedert und erklärt. Dein Vorschlag macht Sinn. Die einzelnen Bausteine bauen aufeinander auf und können flexibel auf den jeweiligen ADHSler angepasst werden.

    Ich schreibe später, wie ich mir eine Psychotherapie wünsche. Muss jetzt bisschen arbeiten. Mein Chef "wünscht" sich das

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztl. Diagnose erst als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 213

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Hallo ihr Lieben,

    also ich hatte eigentlich sehr viel Glück in beiderlei Hinsicht. Ich bin sehr zufrieden mit meinem Psychiater, was vorher ja nicht so war. Nur leider werde ich jetzt wohl oder übel einen bis 1,5 h längeren Anfahrtsweg hinnehmen müssen, da mein Doc jetzt die Klinik gewechselt hat und ich doch eher anhänglich bin. :-D Na ja, hatte erst überlegt, bei uns wieder ins Krankenhaus zu gehen. Da könnt ich immerhin in der Mittagspause hin, ist ja nur über die Straße. Aber da ich mit der gewissen Frau echt Probleme hattte, bin ich mir nicht so sicher, ob ich das machen will. Letztendlich werde ich garantiert den längeren Weg in Kauf nehmen. Aber egal, jetzt bin ich extrem vom Thema abgewichen.


    So, zum Thema Therapie. Ich muss sagen, ich bin mit viel viel Glück zu meiner Therapeutin gekommen. Meine Arbeitskollegin, selber Schizophren und damit auch in "Behandlung", hatte sich mit dem Thema ADHS näher beschäftigen wollen und ihre Therapeutin gefragt. Da hatte sich dann herausgestellt, dass sie ihre Doktorarbeit zum Thema ADHS bei Erwachsenen gemacht hat.
    Nur leider war/ ist die Frau stark gefragt, ich habe fast 8 Monate auf meinen ersten Termin gewartet.

    Die ersten Stunden verbrachte ich damit, ihr zu erzählen, wie mein Leben ablief. Kindheit, Schule, Studium, Ausbildung, soziales Leben und Arbeit ect.
    Dabei stellte sich eben auch herraus, gut, wusste ich eigentlich schon vorher, dass mein Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen total im Arsch ist.
    Also, ich gehe auch erst seit September zu ihr und ich muss sagen, es hat sich vieles verändert.

    Als erstes haben wir mein Hauptproblem auf Arbeit behandelt. Also ich bin etwas unterfordert, ist eben viel Handwerk und mein Gehirn wird nicht ausgelastet genug und damit hat mein Gehirn ganz viel Zeit ins Land der Tagträume abzuwandern. Na ja, auf jeden Fall verlor ich immer Biopsien, arbeite in einer kleinen Pathologie. Und dadurch gab es ganz viel ärger. Und ich wollt es einfach nicht wahr haben, das ich die Fehler mache bzw. würde ich immer zickig, wenns hieß, ich solle mich besser konzentrieren. Da dachte ich immer, hallo, ich habe ADHS, ich kann mich nicht konzentrieren.
    Na ja, auf jeden Fall haben wir drüber gesprochen und uns Hilfsmittel überlegt. Wenn ich mitbekomme, dass meine Gedanken abschweifen, dann stehe ich auf und gehe was trinken oder laufe kurz durchs Labor oder gehe mir Hände waschen oder erlaube es mir mal 5 Minuten, aktiv in meinen Gedanken zu versinken um dann wieder voll konzentriert weiter zu machen. Bzw. wir arbeiten eigentlich nach nem strengen Muster. Erst arbeiten wir die Biopsien ab, dann die kleineren Hautstücke, als je nach Größe, sind die Hautstücke in unterschiedlichen Kapseln und wir bearbeiten die immer von den kleinsten Hautstücken zu den großen. Na ja und da mich nur Biopsien ausbetten mit der Zeit langweilt, haben wir uns überlegt, dass es für mich am besten wäre, die durcheinander auszubetten.

    Dann musste ich mich mit meinen Problemen auseinander setzten. Ich sollte aufschreiben, womit ich meine Probleme habe und das versuchen zu gliedern. Ich muss sagen, dass war echt schwer. Zum einen, weil man sich aktiv mit seinen Fehlern auseinander setzen muss und zum anderen, hatte ich keinen Plan, wie ich das gliedern soll. Am Ende haben wir dann eine Übersicht erstellt, die Symptome des ADHS. Und dann so allgemeine Probleme, wie geringes Selbstwert gefühl, was ja aus der ADHS - Problematik hervorgeht.
    Auf jeden Fall fand ichs aufbauend, dass die ganzen Depressionen und der Selbsthass und dieser überzogene Ergeiz, was Schule und Noten ect betrifft, nur aufm ADHS resultiert und ich nicht dumm und vorallem nicht verrückt und nicht überlebensfähig bin.

    Also diese Gliederung haben wir beim letzten Mal aufgestellt und gestern haben wir begonnen, uns mit der ersten Problematik auseinander zu setzen.
    Ein großes Problem von mir, ist die Gliederung des Tages und das ich mir eigentlich immer zuviel vornehme und alles anfange und dann ins straucheln komme. Und so banal wie das auch klingt, haben wir uns einen Wochenplan genommen und eingetragen, was ich wann mache. Den soll ich jetzt ausprobieren, ob es klappt. Und ich werde ihn mir dann noch bunt gestalten und an die Tür kleben.

    Desweiteren meint sie, ich solle wieder meinen Hobbys nachgehen. Um selber Entspannung für mich zu finden. Weil ich die Zeit für mich nicht sinnvoll nutze, so das ich dann glücklich bin, ich hätte sie sinnvoll genutzt.
    Und sie hat mir zwei CDs gegeben, die die Aufmerksamkeit schulen. Dort sind verschiedene kleine Übungen drauf, um die Gedanken auf einen Punkt zu bringen und nicht im Raum rumschwirren zu lassen.

    Also ich muss sagen, meine Therapeutin gibt mir echt viel Mut. Ich fühle mich nicht dumm. Ganz im Gegenteil, sie zeigt mir, dass ich doch wirklich "intelligent" bin (habe ja immerhin auch nen IQ von über 130) und sie will, dass ich meine Kreativität mehr nutze. Und sie kitzelt die Kreativität auch aus mir herraus. Und sie redet einen auch nicht ein, wie schlimm ADHS ist. Ganz im Gegenteil. Gut es gibt Probleme, aber sie zeigt einen auch die Vorteile auf. Und wenn man mal ganz abtriftet und sich total bemitleidet, dann tritt sie einen auch förmlich in den Arsch.

    Oh man, tschuldigung, dass ich wieder mal so viel rumgeschwaffelt habe.
    Lg Julia

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Ne, Julia, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich finde das total klasse, was du geschrieben hast und sehr hilfreich. Vielen lieben Dank.

    Ich werde das spätestens am Wochenende mal zusammenfassen und meine eigenen Gedanken auch noch aufschreiben.

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 137

    AW: Wie stellt ihr euch eine hilfreiche Psychotherapie vor?

    Danke Julia,
    ich beneide Dich. Ich fang jetzt auch mit Therapie an und hoffe mein "Neuer" ist auch so drauf.
    Bin nämlich mittlerweile schon sehr verzweifelt. In vielen Dingen geht es mir genauso wie Dir.
    Zum Beispiel in Sachen Selbstwert, Ehrgeiz etc.
    Vielleicht kannst Du uns hin und wieder mal von Deiner Therapie bzw. Fortschritten berichten??

    Lg
    Savannah377

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