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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 181

    Ergebnis einer erneuten Diagnostik oder: einfach ADS und sonst doch ganz OK :D

    Hallo Ihr liebe Mitchaoten,

    ich hatte mir fest vorgenommen, euch noch von dem Ergebnis meiner zweiten Diagnostik zu erzählen. Nach einem halben Jahr voller Tests und Gespräche hatte ich Freitag das Abschlussgespräch mit diagnostischem Befund.
    Ich glaube meiner Forumsvorstellung kann man entnehmen, was hierzu von Bedeutung ist, aber ich fasse es noch einmal zusammen) damit ihr gar nicht extra nachschaun müsst, das Ergebnis, das ich teilen möchte, ist nämlich ein wirklich erleichterndes, das zu lesen hoffentlich Mut macht):

    Also, ich hatte mir im Juli letzten Jahres bei einer nahegelegenen Klinik zur AD(H)S-Diagnostik angemeldet, nachdem bei meiner Therapeutin der dahingehende Verdacht aufgetaucht ist und ich das ganze nach ein bisschen Forschen bei Google und Co. auch für möglich befunden hatte. Nach dem folgenden Gesprächstermin im August sagte man mir, dass ich bis Oktober weitere Tests machen lassen müsste und vermutlich zum Ende des Jahres ein Ergebnis bekäme (das ganze lief über die Institutsambulanz, ich musste also nicht dort bleiben, sondern halt immer mal wieder antanzen ^^).
    Aaaber: wie ihr ja vermutlich nachvollziehen könnt, ist gerade die Geduld nun nicht wirklich meine Stärke, so dass ich nach einigem Herumtelefonieren eine Ärztin ca. 100km von hier entfernt fand, die im September zwei Termine zur Testung für mich hatte, vorausgesetzt ich ließe ein EEG bei meiner Neurologin machen --> wurde umgehend erledigt! Diese Ärztin stellte dann im September meine offizielle ADS-Diagnose als erste, woraufhin ich die Klinik anrief und nachfragte, ob eine weitere Testung noch nötig wäre, oder ob sie meine Behandlung auch mit der bestehenden Diagnose übernehmen könnten, denn natürlich wollte ich nicht noch für jeden Termin Sprit auf 100 km und zurück verbraten, die Medis waren ja teuer genug.
    Die Klinik wollte allerdings die eigenen Test dennoch fortführen, auch unter der Prämisse, dass ich medikamentös nun schon behandelt wurde und sehr sark positiv profitierte. Daher die Zweitdiagnostik, deren Langwierigkeit mir dann allerdings nicht mehr ganz so viel ausmachte, ich wusste ja nun zum Glück, was Sache war und hatte zu dem Zeitpunkt auch wirklich keinen Grund für Zweifel mehr.

    Abgesehen vom Grund für die zweite Diagnostik ist aber wohl noch wichtig zu wissen, dass ich mich 2009 in der Psychosomatischen Klinik Bad Bramstedt stationär habe fehlbehandeln lassen ... (ich sage bewusst fehlbehandeln, denn dort sind, ganz abgesehen davon, dass man sich bei der Diagnose irren kann, viele Dinge wirklich vollkommen falsch gelaufen, so dass meine Eltern ernsthaft in Erwägung gezogen haben, eine Anklage zu stellen - ich wog nach Entlassung 40kg (vorher Normalgewicht 55kg) und war praktisch nicht mehr lebendig; nach Einschätzung meiner Therapeutin äußerst suizidgefährdet und auch nach eigener Einschätzung depressiver denn je). ich möchte damit natürlich nicht ausschließen, dass die dortige Behandlung für einige hilfreich sein mag, aber für mich persönlich war sie definitiv ganz und gar nicht die Richtige.
    In Bad Bramstedt wurden für mich die Diagnosen einer emotional-instabilen PS vom Borderline Typ, einer atypischen Bulimie und einer rezidivierenden Depression gestellt, und dazu noch zusätzlich die Verdachtsdiagnosen auf soziale Phobie, generalisiere Angststörung und Anteile der änstlich-vermeidenden PS - ein ganz schöner Haufen...
    Mit den ersten drei Diagnosen "auf der Stirn" - jedenfalls hab ich mich so gefühlt und bin von der wissenden oder wegen starken Untergewichts ahnenden Umwelt inklusive Ärzte auch betrachtet worden - bin ich daraufhin 2 Jahre herumgelaufen, in denen ich mich nach einer schlimmen Zeit schließlich bewusst ohne ärztliche/therapeutische Hilfe so weit herauskämpfte, dass es mir Anfang 2011 gelang, wieder ein halbwegs normales Leben zu führen, vernünftig zu essen, ein neues Studium zu beginnen, allein zu wohnen etc. Immer wieder beteuerten viele Menschen aus meinem Umfeld und ganz besonders meine Therapeutin (die ich hin und wieder treffe, allerdings außerhalb bezahlter Sitzungen, eher "freundschaftlich), dass sie das nie für möglich gehalten hätte angesichts meines Zustandes damals und ihrer Vorerfahrungen mit ähnlichen Fällen, dass sie bloß Sekundenbruchteile davon entfernt war, von meiner Arztin die Zwangseinweisung und -ernährung zu verlangen usw. An die Borderline-Diagnose hat sie allerdings schon damals nicht geglaubt und hat das mir gegenüber auch wiederholt deutlich gemacht (ich war vor dem Klinikaufenthalt ein Jahr lang bei ihr ambulant in Behandlung, sie kannte mich also recht gut). Insbesondere war sie sehr wütend, als sie im Bericht der Klinik auch noch lesen musste, dass ich mich angeblich in schlimmster Weise widersetzt hätte (sie fragte mich, ob ich überhaupt wüsste, was "widersetzt" bedeutet - ich bin nämlich viel zu nachgiebig und brav in allem, was aich viele meiner Probleme mitverursachte) und ich angeblich "stabil" entlassen wurde, nach einer Gewichtsabnahme von 15kg mir einem Gesichtsausdruck als wären mir die Augen ausgestochen worden.... Ich hab den Bericht noch nie gelesen, aber möchte es noch, um endgültig damit abzuschließen. Damals hätte es mir aber vermutlcih nur noch mehr Schläge in die Magengrube verpasst und mich zusätzlich geschwächt.

    Naja, aber auch wenn es mir dann seit Ende 2010 wieder wesentlich besser ging, blieben selbstverständlich noch gröbere Probleme erhalten, insbesondere Traurigkeit, Angst und Stimmungsschwankungen, so dass dann eben irgendwann der Verdacht aufkam, es könne noch etwas anderes vorliegen, da die Borderline-Therapie und entsprechende Medikation ja augenscheinlich nicht erfolgreich waren...
    So kam es zum ADS-Verdacht, der nun am Freitag ja auch endgültig bestätigt wurde!

    Und dazu klärte mich der Arzt sehr eindringlich darüber auf, dass Bordeline und ADS sehr häufig verwechselt würden. Er hatte den Klinikbericht von damals vorliegen und daneben meine Testergebnisse (unter Methylphenidat) und meinte ganz ausdrücklich, dass sie in den Ergebnissen die ADS abbilden und eine komorbid vorliegende mittelgradige Depression dazu - aber keine Borderline PS. Und dass diese in seinen Augen auch höchstens noch als Verdachtsdiagnose haltbar sei, vor allem, da ihre prägenden Symptome ja unter der entsprechenden Medikation nicht einmal mehr annähernd vorhanden sind.

    Und naja... wow ich hatte in diesem Moment das Gefühl, als sei ich "freigesprochen" worden und um ein Riesengewicht erleichtert - als nämlich damals im klinischen Vorgespräch die BPS-Diagnose anklang, habe ich satte drei Tage und Nächte nur geweint, und hatte nur die Gedankenschleife von "Das kann nicht sein, das stimmt nicht, das hab ich wirklich nicht" im Kopf, bis ich entschied, mich darauf einzulassen, denn es könne ja, egal wie mein Störungsbild heißt, nur besser werden und man würde mir schon entsprechend helfen.... hehe, Pustekuchen... ^^

    Einen entsprechenden Befundbericht setzt der diagnostizierende Arzt jetzt auf und schickt in mit genau dieser Aussage an meinen behandelnden Neurologen. Dessen Frau (sie haben eine Gemeinschaftspraxis) hat mich damals, als sie in Uraubsvertretung die Patienten ihres Mannes übernommen hat, ziemlich abfällig behandelt, als ich - unbedacht, ich wusste ja noch nicht viel uber ADS und die Vorurteile, die es zuhauf gibt - meinen Verdacht äußerte und hat mich fast dazu gebracht, das ganze Diagnostikunternehmen von vornherein sein zu lassen. Zum Glück hab ich es nicht gemacht und bin nach der ersten Diagnostik nochmal zu ihrem Mann, meinem eigentlichen Arzt, mit dem ich eigentlich gut klarkam, auch wenn ich erst kurz bei ihm in Behandlung war, und hab seine Ansicht erfragt und vor allem seine Haltung dazu, mit mir Medikinet adult zu versuchen - hat er ja wie ihr vielleicht wisst auch gemacht! Und, naja, also ich weiß, dass da Genugtuung mitschwingt , aber ein bisschen wünsche ich mir, dass er die klinische Äußerung zur BPS-Diagnose der in ihren Augen "renommiertesten Klinik in Norddeutschlang" beim ehelichen Abendessen mal erwähnt. Unwahrscheinlich aufgrund der Schweigepflicht, aber ich kann mir kaum vorstellen, dass man sich in einer Gemeinschaftspraxis nie gegenseitig mal auf dem Laufenden hält oder auch um Rat fragt, oder? Haha, erfahren werd ichs sowieso nie .

    Also, erster Felsbrocken von meinem Herzen gerutscht.
    Ich wurde dann noch gefragt, wie denn mein Essverhalten sich seit dem Erstgespräch entwickelt habe, damals war ich in einer bulimischen Phase mit leichen Untergewicht. Wann ich das letzte Mal erbrochen hätte.... ich musste ja scharf nachdenken! Und dann: OK, Weihnachten, einmal, das erste Mal seit im September die MPH-Behandlung begann. Aber kein Drang, es zu wiederholen, kaum negatives Körpergefühl, kein Selbsthass und Weihnachten ist auch einfach ne Ausnahmesituation, was Essen und vor allem anstrengendes familiäres Umfeld angeht. Das hat nichtmal der Herr Doktor in Frage gestellt .
    Appetitentwicklung und Hungerverhalten und Medikation habe ich auch ehrlich beantwortet: Appetit hat abgenommen, dafür ist ein gesundes Sättigungsgefühl nach einiger Zeit wieder aufgetreten. Außerdem haben mich die so stark spürbaren Erfolge der Behandlung mit MPH sehr motiviert, die Fortführung dieser nicht durch Gewichtsverlust zu riskieren und mein Selbstwertgefühl sowie die Sichtweise auf meinen Körper haben sich so stark verbessert, dass mein Essverhalten sich drastisch verbessert hat und ich nun zwar vegan und bewusst esse, mir aber kaum noch etwas wirklich verbiete, auch wenn die alten Zwangsgedanken natürlich nicht vollkommen verschwunden sind. Ich kann mit ihnen aber viel besser umgehen und sie validieren, wenn sie hin und wieder auftreten.
    Meine ehrlichen Schilderungen führten dazu, dass der aktuelle Befundbericht auch enthalten wird, das "die Essstörung zum jetzigen Zeitpunkt weitgehend remittiert" sei!
    Ich kann nicht anders, als mich über diese offizielle Bestätigung freuen. Natürlich weiß ich, dass es mir viel besser geht und ich viel erreicht habe in den letzten Jahren was meine psychischen Probleme angeht - aber trotzdem fühle ich mich, als wäre nun endlich etwas ganz offiziell und für niemanden mehr anfechtbar richtig gestellt worden! Als ob das, was mir damals auf die Strin geschrieben wurde, nun endlich abgewischt wurde und nicht nur von mir selbst mehrmals übermalt... erleichternd, frei, wundervoll....

    "Das bin ich, nichts weiter, jetzt wird alles wieder gut!", hab ich beim Rausgehen gedahct und - auch wenns kitschig klang - es war 10 Uhr morgens und die Sonne kam zum ersten Mal am Tag und seit Tagen raus. Wir hatten eine Woche lang Strum, Regen und Gewitter zuvor und ich hatte sie sehr vermisst!

    Danke für's Zuhören (-lesen) udn entschuldigt, dass es so lang geworden ist, aber ich musste es einmal erzählen und teilen!

    Was ich nun noch in den Griff kriegen muss, sind meine Schlafstörungen (siehe Uhrzeit) ^^. Und dann stimmt das mit dem "alles wird gut" wohl tatsächlich, denn ich habe die zwei mir liebsten Wesen auf der ganzen Welt friedlich schlafend an meiner Seite liegen (meinen Freund und meinen Hund), studiere, wovon ich immer geträumt habe, führe ein (soweit mit ADS möglich ) selbstorganisiertes Leben, der Frühling kommt und im Kühlschrank haben wir vegane Schokolade (Zartbitter), die ich seit Oktober wieder essen kann, ohne mich danach selbst zu hassen!! Und für all das hab ich mit Herz und Seele gekämpft und durchgehalten, obwohl ich immer wieder fast verloren hatte... Entschuldigt die Sentimentalität Es ist nur irgendwie ganz intensiv, nach der schlimmen Zeit. Ich bin so dankbar, ich hab so viel gelernt, ich bin so erleichtert und ich bin mit 22 auf einem der besten Wege für mich, denke, hoffe und vermute ich.

    Allerliebste Grüße und euch allen schöne Träume!! <3

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 138

    AW: Ergebnis einer erneuten Diagnostik oder: einfach ADS und sonst doch ganz OK

    Hallo Sayuri,

    großartig, dass du trotz der schwierigen Zeiten nicht aufgegeben und weiter gekämpft hast (und dir dadurch auch endlich erfolgreich geholfen wurde). Du kannst stolz auf dich sein und nun zuversichtlich nach vorne schauen. Sicher wirst du (wie wir alle) auch weiterhin kämpfen müssen, ich wünsche dir dafür die nötige Kraft und Ausdauer (die du dir ja schon bewiesen hast) um erfolgreich dein Leben so zu leben wie es dich glücklich macht.
    Es erfüllt mich immer wieder, von den positiven Empfindungen anderer zu lesen, die im Moment der "Erlösung" solch pure reine Freude empfinden. Alles Gute Sayuri!

    MfG
    Chaoticus

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