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Diskutiere im Thema Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    Hallo ihr!

    Eine Ferndiagnostik ist natürlich nicht möglich, aber mich würde trotzdem interessieren, was ihr als Betroffene denkt.
    Vor allem, da einige Sachen ja sehr zutreffen und andere wiederum ziemlich dagegensprechen.


    Ich habe meinen ganzen Vorstellungsbeitrag zitiert. Er ist ziemlich lang, konnte mich aber nicht kürzer fassen und habe daher das Wichtigste FETT markiert, da die Meisten von euch sicherlich nicht alles lesen möchten:

    vitamin schreibt:
    bin Mitte 20 und leide unter sehr ausgeprägtem Prokrastinationsverhalten (Aufschiebeverhalten) und ähnlich starken Konzentrationsstörungen.
    Vor Jahren sämtliche Kontakte zu Freunden und Bekannten abgebrochen, verschiebe es mich zu melden. Studium in den Sand gesetzt. Kann mich auf absolut nichts mehr konzentrieren, keine Hobbys. Ein paar Seiten eines leichtgängigen Buches am Stück zu lesen, ist ein Kampf. Bei Schwererverständlichem scheitere ich nach 2-3 Sätzen. Stupide Dinge gehen leichter von der Hand. Auch mit längerem Warten oder ähnlich Langweiligem habe ich keine sonderlichen Probleme. Oft passieren mir sehr schusslige Dinge. Das Einsteigen in einen falschen Zug hat mich schon einen längeren Urlaub gekostet. Führerschein habe ich nicht. Gut möglich, dass mich der Straßenverkehr überfordern würde.

    War ein ausgesprochen ruhiges Kind, 1-bis-2-Schnitt im Abgangszeugnis der Grundschule. Allerdings kam mir das auch ohne Anstrengungen zugeflogen. Habe zwar immer die Hausaufgaben gemacht, aber die waren kurz und einfach, hätte wahrscheinlich auch problemlos nebenher fernsehen können. Erinnere mich auch, dass ich manche Sachen, welche ich nicht auf Anhieb verstand, nie verstanden habe. Auch das Zuspätkommen besteht bereits seit dem Kindergarten, auch wenn sich das mit der Zeit verschlechterte.
    Auf dem Gymnasium gingen die Probleme dann los. Regelmäßig 1-2 Stunden Hausaufgaben, auf die ich mich wirklich hätte konzentrieren müssen. Diese kaum gemacht, im Unterricht ständig geistig abgedriftet. Mittelstufe sitzengeblieben, keine Verbesserung, Realschule (da ging es wieder ohne Anstrengung und mit Ausdemfensterschauen), danach mittelmäßiges Abi am beruflichen Gymnasium (auch das, ohne mich jemals Anzustrengen, insgesamt auf die Abiturprüfungen maximal 2 Stunden gelernt, leider).
    Da sich das Verhalten so fortsetzte, im Studium natürlich völlig versagt.

    Ich habe mich noch nie in meinem Leben hingesetzt und eine Stunde oder zwei am Stück konzentriert gearbeitet. Mehr als ein paar Minuten scheint mir fast unmöglich. Längeres Konzentrieren schaffe ich ja nichtmal bei Angenehmem. Als Jugendlicher waren gute Videospiele das einzige, worauf ich mich noch konzentrieren konnte.
    Ich weiß nicht mehr genau, wie das als Kind war. Erinnere mich, dass ich einmal ein Buch, in welches ich völlig versunken war, an einem Abend gelesen habe. Das war allerdings ein einmaliges Erlebnis. Ansonsten kaum länger am Stück mit einer Sache beschäftigt. Nie Instrumente gelernt oder irgendwelche konzentrationsintensiven Hobbys gehabt.


    Bin oft Müde. Habe das Gefühl, generell weniger Energie zu haben als die meisten Menschen. Bin aber über die Jahre auch ziemlich depressiv geworden. Dachte anfangs auch, das wäre die Ursache. Mittlerweile fast keine Antriebskraft mehr. Antriebssteigernde Antidepressiva (längerer Zeitraum, hohe Dosis) brachten keinen Erfolg und ich bin mittlerweile überzeugt, dass die Depressionen meinem Aufschiebeverhalten geschuldet sind.
    Ob dieses wiederum auf eine andere Problematik, wie z.B. ADS zurückzuführen ist, wäre für mich interessant zu klären.
    Therapien habe ich bisher keine gemacht, war leider auch seit 1-2 Jahren bei keinem Arzt mehr.

    Was ich außer Antidepressiva versucht habe:
    -Koffein: Hilft ein bisschen gegen die Müdigkeit, ansonsten kaum
    -Piracetam: Habe das Gefühl, dass es etwas hilft. Bewegt sich aber im Rahmen des Placebomöglichen
    -Modafinil: Definitv konzentrationssteigernd, aber mäßig. Anstatt nach einem Absatz, breche ich das Lesen nach wenigen Seiten ab.
    -Autogenes Training: Habe nicht geschafft, mich regelmäßig darauf zu konzentrieren.

    Was ich gerne versuchen würde:
    -Ritalin
    -Bupropion(?)
    -Therapie(?)
    Vielen Dank!

  2. #2
    Procrastiqueen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.336

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    was ich dazu denke, habe ich schon in deiner Vorstellung geschrieben, viel mehr wird dir hier auch nicht gesagt werden, denke ich, weil gerade wir "als Betroffene" und gaaaanz vorsichtig verhalten, wenn es um Diagnosen geht.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    Hallo,

    Interessant was du da schreibst. Bin selbst mitte 20 und kann mich in dem was du schreibst an vielen Stellen wiederfinden... Danke für das neue Wort, werde ich mir merken: Prokrastinationsverhalten :-)
    Bis auf die Langeweile, die sich bei mir schnell auftut und das ich keine stupiden Aufgaben erledigen kann beschreibst du in deinem Text nicht dich, sondern mich... :-)
    Antidepressiva (Citalopram) habe ich auch hinter mir. Während der Therapie hat sich dann bei mir herausgestellt, dass ich seit meiner Kindheit ADHS habe (Mischtyp). Kurzum wurden die AD's ausgeschlichen und zeitlgleich bekam ich dann Medikinet adult (also MPH).
    Bei mir hat sich dadurch vieles zum positiven gewendet, z.B. besseres Konzentrationsvermögen, auch stupide Tätigkeiten kann ich vollrichten... Das wichtigste war mir, dass ich wieder vernünftig meinen Job erledigen kann.

    Was ich dir aus meiner Erfahrung heraus nur Raten kann ist, such dir direkt einen Psychiater, der sich gut mit dem Thema AD(H)S auskennt. Am besten meldest du dich direkt bei einer Psychologischen Ambulanz in deiner Nähe und fragst nach, ob sie einen Spezialisten auf diesem Gebiet haben. In der Regel verläuft es so, dass du zunächst einen Test bei der Psychologin machen musst und das Ergebnis und das weitere Vorgehen bespricht dann der Psychiater mit dir.

    Ob du ADHS hast oder nicht kann dir hier natürlich keiner sagen, aber allein die Tatsache dass du unter deiner jetzigen psychischen Verfassung leidest ist jedem verständlich. Deshalb musst du so oder so dir Hilfe bei einem Fachmann suchen, wenn du etwas an deiner Situation ändern möchtest und das willst du ja scheinbar...

    Ich wünsche dir den nötigen Antrieb, den du dafür benötigst. Sicherlich braucht es viel Kraft, aber ich kann dir aus meiner eigenen Biografie sagen, dass es sich lohnt!

    Viele Grüße,
    Paddy

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    Hi Motzkugel,

    ja, dank dir für deinen Beitrag.

    =Motzkugel;187704]wir "als Betroffene"
    Ah, die Formulierung könnte tatsächlich negativ aufgefasst werden. Unbedacht von mir.

    Ja, Diagnostik im Erwachsenenalter ist sicherlich auch für Ärzte nicht einfach. Wollte auch eher wissen, ob meine Beschreibungen für manche schon allgemeine KO-Kriterien für eine ADS-Diagnose enthalten.
    Schlussendlich werde ich einem Arzt ja leider auch kaum mehr aus meinem Gedächtnis erzählen können, als ich das hier getan habe. Vielleicht wird es ein paar gezielte, hilfreiche Nachfragen geben. Aber ansonsten ist die Informationslage eher dürftig. In der Mittelstufe hatte ich, eine Zeit lang, fast alle 2 Wochen 4-Augen-Lehrergespräche, aber aus meinen Muster-Schüler-Grundschulzeugnissen geht nichts hervor.

  5. #5
    Procrastiqueen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.336

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    Sorry, sollte nicht so unfreundlich rüberkommen.

    Tatsächlich (das wird hier oft auch beschrieben, muss man manchmal nach suchen) gehört zu einer umfassenden Diagnose auch, dass Angehörige und Freunde Fragebögen ausfüllen müssen, sonst könntest du ja vielleicht auch einfach falsch erinnern wie du als Kind warst. Die Spezialisten wissen schon wie sie was werten müssen, es gibt ja trotz aller Unterschiede deutliche Gemeinsamkeiten bei ADSlern.

    Ich bin mir auch nicht ganz sicher worauf du mit der Konzentrationsschwäche abzielst, ist das ne Störung, oder meinst du bloß, dass du dich nicht konzentrieren kannst wegen fehlender Willensstärke. Weil das ist ja so ne Sache, die gern vorgeworfen wird.
    Konzentrationsschwäche IST ein Symptom von ADS.


    Wie Paddy schon sagte, wenn du so unter der Situation leidest, solltest du auf jeden Fall einen Experten aufsuchen.

    LG
    Motzkugel

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    Hi paddy!

    paddy schreibt:
    Interessant was du da schreibst. Bin selbst mitte 20 und kann mich in dem was du schreibst an vielen Stellen wiederfinden... Danke für das neue Wort, werde ich mir merken: Prokrastinationsverhalten :-)
    Dazu gibt's hier sogar einen ziemlich langen Faden, scheint unter AD(H)Slern nicht allzu selten: http://adhs-chaoten.net/ads-adhs-erw...verhalten.html

    paddy schreibt:
    Während der Therapie hat sich dann bei mir herausgestellt, dass ich seit meiner Kindheit ADHS habe (Mischtyp). Kurzum wurden die AD's ausgeschlichen und zeitlgleich bekam ich dann Medikinet adult (also MPH).
    Bei mir hat sich dadurch vieles zum positiven gewendet, z.B. besseres Konzentrationsvermögen, auch stupide Tätigkeiten kann ich vollrichten... Das wichtigste war mir, dass ich wieder vernünftig meinen Job erledigen kann.
    Schön, dass es dir zu helfen scheint. Wie kam man denn bei dir dann auf ADHS, wenn ich fragen darf?

    paddy schreibt:
    Was ich dir aus meiner Erfahrung heraus nur Raten kann ist, such dir direkt einen Psychiater, der sich gut mit dem Thema AD(H)S auskennt.
    Ja, das dürfte wichtig sein. Der Psychiater und die beiden Neurologen, bei denen ich in meinem Leben war, schienen nicht so ADHS-kompetent. Zumindest soweit ich das beurteilen kann, thematisierte meine starke Konzentrationsschwäche nur etwas.

    paddy schreibt:
    Ich wünsche dir den nötigen Antrieb, den du dafür benötigst. Sicherlich braucht es viel Kraft, aber ich kann dir aus meiner eigenen Biografie sagen, dass es sich lohnt!
    Dank dir!


    Sollte ich denn gleich den Weg über die Psychologische Ambulanz gehen oder könnte es auch sinnvoll sein, bei einer lokalen Selbsthilfegruppe nach Arztempfehlungen zu fragen? Geht man eigentlich erst als diagnostizierter ADHSler zu so einem Treffen oder gehen da auch Undiagnostizierte hin um sich zu informieren?

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Habe ich ADS? Oder nur eine starke Konzentrationsschwäche?

    vitamin schreibt:
    Schön, dass es dir zu helfen scheint. Wie kam man denn bei dir dann auf ADHS, wenn ich fragen darf?
    Ich musste zunächst einen Selbsttest ausfüllen und den durften dann meine Mutter und einige Freunde auch nochmal über mich beantworten. Im Laufe der Gespräche kam es dann zu einer Austestung, ob ich auf MPH's "positiv" anschlage... Für meinen Arzt steht ADHS außer Frage, aber ich habe mit ihm beschlossen, dass ich Wechsel zu einem, der sich auf das Thema spezialisiert hat. Er sagt selbst, dass er nicht tief genug im Thema ist, um mir außreichend helfen zu können und alle meine Fragen zu beantworten.

    vitamin schreibt:
    Sollte ich denn gleich den Weg über die Psychologische Ambulanz gehen oder könnte es auch sinnvoll sein, bei einer lokalen Selbsthilfegruppe nach Arztempfehlungen zu fragen? Geht man eigentlich erst als diagnostizierter ADHSler zu so einem Treffen oder gehen da auch Undiagnostizierte hin um sich zu informieren?
    Ich würde einfach mal bei deiner Ambulanz in der Nähe nachfragen und mich zusätzlich noch anderweitig informieren. Die Wartezeiten sind meist eh enorm...
    Soviel ich weiß muss man getestet sein um an einer Selbsthilfegruppe für ADHS teilnehmen zu können. Aber du kannst sicherlich über die Kontaktperson der Gruppe einige gute Tipps bekommen, wo du dich melden solltest und wo eher nicht...


    Meine Wörter sind heute so komisch, habe noch nicht geschlafen, liegt wohl daran... Sorry
    Hoffe du kommst weiter...


    Viele Grüße,
    Paddy

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