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Diskutiere im Thema Sport als Ersatz für Medikamente im Forum ADS ADHS Erwachsene: Diagnose und Behandlung
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #21
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    Tatsache ist, es gibt nicht den genau festgelegten Punkt an dem ein AD(H)S vorliegt oder nicht. Die Diagnostik versucht das, wird aber prinzipiell daran scheitern in meinen Augen, da die Natur diese Grenze nicht zieht. Das Problem ist einfach insgesamt zu komplex und von zuvielen Faktoren abhängig, als dass man erwarten könnte, irgendwann ein einzelnes, klar zwischen krank und gesund differenzierendes Merkmal zu finden. Das ist einfach die Natur dieser Dinge - manche sehen besser, andere schlechter und irgendein Mensch (nicht die Natur) entscheidet, ob eine behandlungsbedürftige Sehschwäche vorliegt, die eine Brille erfordert.

    In deinem Fall hat deine Ärztin für dich entschieden, dass deine Problematik nicht ernsthaft genug ist, dass ihr ein vergleichsweise drastischer medikamentöser Eingriff mit MPH gerechtfertigt erscheint.

    Das ist nunmal ihr Job und diese Entscheidung solltest du respektieren. Zumindest insofern, dass du selber darüber nachdenkst, inwiefern sie mit dieser Einschätzung richtig liegen könnte. Methylphenidat ist keine Nahrungsergänzung und kein alleskönnender Leistungsenhancer, sondern ein Medikament mit starken Wirkungen mit denen auch immer entsprechende Nebenwirkungen einhergehen. Der Job eines Arztes ist, abzuwägen, inwiefern positive Effekte eines Medikamentes im Verhältnis zu den negativen Effekten in deinem ganz individuellen Fall zueinander stehen. Der Einsatz eines Medikamentes wie MPH lässt sich nur dann rechtfertigen, wenn ansonsten klare Einschränkungen in verschiedenen Lebensbereichen bestehen. Der Übergang ist fließend und es kann durchaus sein, dass die Problematik im einzelnen Fall nicht schwerwiegend genug ist, die Medikamentierung zu rechtfertigen. Es ist teilweise recht schwierig, zu sagen, wo genau die Grenze zu ziehen ist. Zunächst sind alternative Möglichkeiten in Betracht zu ziehen, so z.B. die angesprochenen Dinge wie Sport, Ernährung oder eine Verhaltenstherapie usw. da all diese Dinge zur Problematik beitragen oder sie positiv beeinflussen können.

    Tatsache ist aber auch, die Medikamentierung ist in einigen Fällen eine sinnvolle Unterstützung. Die grundlegenden Ursachen hinter ADHS sind eben nicht an sich alleine durch Einstellung, Sport und Ernährung zu beheben. Diese Dinge sind als günstige Einflussfaktoren zu betrachten, nicht jedoch ihr Fehlen als die Ursache des Problems. In einem sehr schwach ausgeprägten Fall mag dieser Einfluss groß genug sein, die Problematik soweit zu verbessern, dass das Ergebnis zufriedenstellend ist.

    Man sollte sich da auch nicht von unserer Leistungsgesellschaft unter Druck setzen lassen. Dass man in sich selbst nicht in bestimmten Bereichen das Talent feststellt, das man sich gerne wünschen würde heißt noch lange nicht, dass man ein behandlungsbedürftiges Problem hat. Ich gehe auch nicht zum Hals-Nasenohren-Arzt, weil meine Gesangsleistung nicht ausreicht um ein erfolgreicher Sänger zu sein. Ähnlich könnte man es betrachten wenn man sich in einer Management-Position nicht wohlfühlt, weil man sich von der Menge der Arbeit überlastet fühlt.
    Das Problem besteht dann eher in den Erwartungen an sich selbst, denen man nicht gerecht wird als in einer Krankheit.

    Das alles wirft Fragen auf, die nur du selbst dir ehrlich beantworten können wirst. Du wirst dich einfach ehrlich selbst fragen müssen, wieso deine Ärztin der Ansicht ist, dass deine Probleme nicht ernsthaft genug sind, das Medikament zu rechtfertigen. Was spricht von deiner Seite aus wirklich dagegen, dass das so ist? Was schränkt dich persönlich deutlich mehr ein als den durchschnittlichen Mitmenschen in deinem Umfeld, der keine Medikamente nimmt und dennoch zufrieden zu sein scheint?

    Wenn du nach einer selbstkritischen Betrachtung immer noch anderer Ansicht bist als deine Ärztin wechsele den Arzt. In diesem Fall hat sie eventuell auch einfach wirklich zuwenig Verständnis für deine Probleme und verweigert eine Behandlung die dir helfen könnte. Du solltest jedoch zumindest fair genug sein, ihre Meinung als Arzt respektieren und reflektieren zu können bevor du das tust. MPH ist kein Hustenbonbon und es ist schon gut, dass die Verschreibung konservativ ist. Es ist in deinem eigenen Sinne, dieses Medikament nicht einzunehmen, wenn es nicht absolut notwendig wäre.

    P.S.:

    Sollte es sich dabei tatsächlich offiziell um eine Psychologin der Berufsbezeichnung her handeln darf sie dir dieses Medikament übrigens garnicht verschreiben, da sie kein Arzt nach gesetzlicher Definition ist. In diesem Fall ist es vielleicht nützlich für dich zu erfahren, dass der Beruf Psychologe keine medizinische Ausbildung ist, sondern ein Studium der Psychologie vorraussetzt, welches sich primär mit Verhaltenstherapie auseinandersetzt.
    Im Gegensatz dazu steht ein Psychiater, der ein Arzt mit herkömmlichem Medizinstudium ist und dieses mit einer Spezialisierung zur Behandlung psychischer Erkrankungen abgeschlossen hat. Ein solcher Psychiater ist die Adresse, die ein solches Medikament auch verschreiben darf. Auch dein Hausarzt unterliegt da Beschränkungen, da er nicht entsprechend spezialisiert darauf ist.

    Man sollte darauf hinweisen, dass du in diesen beiden Gebieten auf verschiedene, geringfügig widersprüchliche Philosophien treffen wirst. Das hat damit zu tun, dass die Ausbildung unterschiedliche Schwerpunkte legt. Während der Psychologe seinen Fokus auf den Verhaltensaspekt legt wird der Arzt seinen Fokus auf den körperlichen Aspekt legen. Oder banal ausgesprochen: der eine wird dir sagen dass du an deiner Einstellung arbeiten sollst, der andere wird versuchen deine Krankheit mit Medikamenten zu heilen.

    Die Realität jedoch ist: Keiner hat wirklich Recht. ADHS ist ein komplexes Phänomen und beide Seiten müssen beleuchtet werden. Ein kompetenter Arzt ist sich dem bewusst. Er wird wissen, dass er dich davon genausowenig mit einem Medikament heilen kann, wie es dir alleine helfen wird wenn du einfach nur Gewöhnheiten änderst. Nein, der korrekte Therapieansatz ist mehrgleisig - medikamentöse Unterstützung + psychotherapeutische Verhaltenstherapie.

    Sollte dieser Eindruck dem von deiner Psychologin entsprechen, so würde ich dir raten, dich über Spezialisten in deiner Umgebung zu informieren. Hole dir bei deinem Hausarzt eine Überweisung in die Psychiatrie und begebe dich damit zu einem psychiatrischen Facharzt mit Erfahrung auf dem Gebiet der ADHS-Diagnose und Behandlung. Die von deiner Psychologin gemachten Untersuchungsergebnisse kannst du verwenden, um die Überweisung zu rechtfertigen und dem Psychiater deine Probleme zu dokumentieren. Stell dich jedoch darauf ein, dass dieser dann seine eigene, komplette Diagnostik mit dir wiederholen könnte.
    Geändert von hypocampus ( 6.09.2011 um 14:18 Uhr)

  2. #22
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf AD(H)S
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    sorry, ich wollte hier gar nichts schreiben, kann den Beitrag aber nicht löschen.

  3. #23
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 32
    Forum-Beiträge: 147

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    Sport ist super, da ich krank war, habe ich das aber über den Sommer eingestellt. Ich habe in der Zeit angefangen Methylphenidat zu nehmen und bin seit dem nicht mehr so müde wie vorher. Nach dem Sport war ich dann nur eine Stunde lang wacher, aber eben auch körperlich etwas kaputt, daher hat mir die Stunde dann auch nicht so viel gebracht.
    Mit Sport fühle ich mich aber allgemein besser und werde darum auch bald wieder damit anfangen, als Ersatz für die Medikation reicht es bei mir jedoch nicht.

  4. #24
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 237

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    Eigentlich treibe ich auch gerne jeden Tag 1 Stunde Sport. Ich muß das schon deswegen, weil ich den ganzen Tag auf einem Stuhl sitze und nach 8 Stunden völlig steif und verspannt bin.

    Meistens kommt dann auch noch eine innere Unruhe dazu, so daß ich dann joggen gehe, um so diesen enormen Bewegungsdrang herauszubekommen.

    Ich schreibe eigentlich, weil das mit dem Sport treiben bei mir so eine Sache ist. Einige Zeitlang mache ich das jeden Tag, dann habe ich aber - was auch derzeit der Fall ist - einen Einbruch. Dann dauert das einige Zeit wieder, bis ich mich erneut dazu aufrappeln kann.

  5. #25
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 237

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    Eigentlich treibe ich auch gerne jeden Tag 1 Stunde Sport. Ich muß das schon deswegen, weil ich den ganzen Tag auf einem Stuhl sitze und nach 8 Stunden völlig steif und verspannt bin.

    Meistens kommt dann auch noch eine innere Unruhe dazu, so daß ich dann joggen gehe, um so diesen enormen Bewegungsdrang herauszubekommen.

    Ich schreibe eigentlich, weil das mit dem Sport treiben bei mir so eine Sache ist. Einige Zeitlang mache ich das jeden Tag, dann habe ich aber - was auch derzeit der Fall ist - einen Einbruch. Dann dauert das einige Zeit wieder, bis ich mich erneut dazu aufrappeln kann.

  6. #26
    jay


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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 15

    AW: Sport als Ersatz für Medikamente

    Sport ist bei ADHS eine gute Ergänzung aber definitiv kein Ersatz für Medikamente! Bei mir wirkt Sport entweder um "runter zu kommen" oder um etwas wacher zu werden. Das hängt von der Tageszeit ab ;-) Abends schlafe ich besser ein, wenn ich Sport gemacht habe. Am Tag nach dem Sport bin ich meistens etwas lethargisch und komme schwerer in die Gänge - eine Dosiserhöhung um 1/4 Tablette gleicht diesen Zustand wieder aus.
    Alleine durch Sport könnte man mein ADHS nicht behandeln. Ohne Sport wären die Symptome allerdings ausgeprägter. Man braucht einfach einen Ausgleich, ob mit oder ohne ADHS.

    Bewegungsmangel äußert sich eben durch körperliche und psychische Anspannung, geringe Leistungsfähigkeit, Unruhe, Antriebsschwierigkeiten, Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsstörungen. Bei Nicht-ADHS´lern genügt etwas Sport und Entspannung, da sie nicht chronisch darunter leiden. Bei ADHS ist es leider meistens ein Dauerzustand - auch mit Sport.

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