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Alles rund um ADS / ADHS-Diagnose, Diagnoseverfahren für ADHS / ADS und nicht-medikamentöse Therapieverfahren wie Psychotherapie, Neurofeedback, Biofeedback, Soziotherapie, Ergotherapie und andere
  1. #1
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 59

    Was soll man da antworten?

    Hallo, bekam vor 2 Wochen meine Diagn. Adhs. Wegen Metylph. ist sich mein Thera unsicher, da ich bis vor nem halben Jahr noch magersüchtig war, jetzt aber wieder Normalgewicht habe. Er hat bedenken, dass ich durch das reduzierte Hungergefühl noch mal rückfällig werde.
    Aber mein Problem ist ein anderes, und zwar meinte er, ich wäre ja all die Jahre ohne Medis ausgekommen und hätte sicherlich Strategien entwickelt bzgl. der Symptome. Er wollte wissen, was ich mir von einer Medikation erwarte...
    Ich antwortete: Das mein Leben strukturierter wird, und das ganze Gedanken- Grübelchaos weniger wird.
    Er meinte nur, dass er sich das erst mal überlegen müsste, da ich keine besondere Erwartunghaltung hätte...

    Habe ich was falsches gesagt? Was hätte ich denn antworten sollen? Was waren eure Beweggründe für die Medis?

    Ich muß sagen, ich habe Probleme, mich verständlich auszudrücken, also das zu sagen was ich wirklich meine, meist finde ich nicht die passenden Worte...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 39
    Forum-Beiträge: 66

    AW: Was soll man da antworten?

    Hallo Sandy79,

    So ein Typ! Mit den selbstentwickelten Strategien macht er es sich recht einfach. Die kosten viel mehr Kraft, als wenn es gleich vernünftig funktioniert. Irgendwann kann es dazu kommen, dass es nicht mehr weiter geht. Bei mir war es letztes Jahr fast soweit.
    Und das ewige Gedankenkreisen (Grübeln) bekommt man mit Strategien nicht weg. Sie hindern einen am konzentrierten Arbeiten und lassen einen zudem nicht anständig ein- und durchschlafen, weswegen man müde und wiederrum unkonzentriert ist.

    Die Bedenken mit der Magersucht sind allerdings wirklich nicht von der Hand zu weisen! Ich wurde auch wegen Essstörungen etc. befragt. Da ich nicht Esstörungsdiagnostiziert war, konnte es mir nicht nachgewiesen werden... Ich hatte mit MPH noch mal einige Kilo abgenommen, bis ich die Reißleine gezogen habe.

    Mein Hauptbeweggrund war/ist die Arbeit. Ich muss Versuche planen, durchführen, auswerten und Literatur lesen. Mein Chef meinte, dass ich ein Strukturierungsproblem habe und viel zu wenig für meine viele Arbeit rauskommt.
    Das und die Fotos meiner Wohnung im Normalzustand haben bei meiner Ärztin gezählt.

    LG miebmieb

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 59

    AW: Was soll man da antworten?

    Ja, für das Grübeln hab ich leider keine Strategie...vor allem wurde bei mir vor Jahren auch ein Grübelzwang diagn., der mit Setralin behandelt werden sollte. Aber nach ein paar Wochen mit dem Medi, und ner Dosis, die sogar nen Elefanten umgehauen hätte, war immer noch keine Besserung da. Also hab ich die Medis wieder abgesetzt und so weiter gelebt.
    Schlimm ist es besonders abends im Bett. Ich denke an was, dann schweift mein Gedanke ab, ich denke an was anderes, irgendwas bringt mich immer wieder zu völlig neuen Gedanken und ich hab das Gefühl, mein Kopf kann/will gar nicht abschalten. Selbst wenn ich todmüde bin und andaueren gähnen muß...

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Was soll man da antworten?

    Mich hat zu den Medikamenten bewegt, dass es Symptome gibt, die ich eindeutig nicht so ohne weiteres einfach mit Strategien umgehen kann, bzw. sehr schwer.

    Die da wären:

    - Gedächtnisprobleme

    Ich arbeite im Labor und muss da bei Arbeitsfolgen behalten, was ich noch vor einer oder zwei Sekunden gerade getan habe. Das klappt nicht immer. Und es gibt nicht immer irgendeine Möglichkeit, sich da Hilfestellungen zu geben, in dem man Markierungen irgendwelcher Art setzt. Ich kann mich darauf konzentrieren aber das ändert am Problem an sich recht wenig.

    Auf meinem Nebenjob im Kiosk merke ich diese Einschränkung auch sehr deutlich. Ich muss auf die Kühlschränke schauen und die fehlenden Sachen nachfüllen. Früher habe ich aufschreiben müssen. Dadurch war ich wesentlich langsamer - und trotzdem habe ich teilweise falsch aufgeschrieben. Da hilft dir das Notieren nichts wenn deine Notizen falsch sind, weil du in dem Moment bereits einen Aussetzer im Kurzzeitgedächtnis hast, in dem du dir Sachen notierst.

    -Aufmerksamkeits und Vigilanzprobleme

    Ich muss auf der Arbeit im Labor eine monotone, mehrfach durchgeführte Handlungsabfolge auch mal plötzlich in bestimmter Weise abändern. Eine Flüssigkeit kommt in Gefäß 1 -25, in 26 kommt etwas anderes. Ich gerate bei der monotonen Handlungsabfolge in Gedanken und verpasse die Situation in der etwas geändert werden müsste.

    Ich höre "nicht richtig zu". Selbst in wichtigen Besprechungen bezüglich Arbeitsabfolgen habe ich Probleme, alles mitzubekommen. Ich höre manche Anweisungen nicht. Gerade bei vielen Informationen auf einmal gehen einige unter, ich vergesse Teile und es fällt mir schwer die wichtigen Informationen besonders einzuprägen.

    Manchmal habe ich zwar genaue Arbeitsanweisungen in Protokollform vor mir, bilde mir jedoch ein, zu wissen was dort steht und bin mir in dieser Sache solange sicher, bis mein Fehler offensichtlich zu Tage tritt. Grundsätzlich trotz dieses Sicherheitsgefühls reinzuschauen wäre eine Strategie um das zu verhindern. Manchmal aber schaue ich zwar rein, aber lese sie nicht richtig, vergesse Informationen sofort wieder oder verwechsele Informationen miteinander ohne es zu merken. Das sind Sachen wo ich nicht wüsste wie ich da selbst Einfluss drauf nehmen sollte.

    Viel lässt sich durch ordentliche Planung verbessern aber manchmal ist es soviel und die Verhältnisse so wechselhaft, dass ein Plan nicht exakt eingehalten werden kann. Nicht alles kann geplant werden und mir fehlt oft die Fähigkeit flexibel auf spontane Änderungen angemessen zu reagieren, gerade wenn ich bereits sehr damit bemüht bin andere Aufgaben zu bewerkstelligen. Im Labor ist eine gewisse Unkalkulierbarkeit der Ereignisse Tagesordnung. Im Kiosk äußert sich das so, dass ich mir im Kopf zu merkende Sachen wiederhole, dann werde ich angesprochen und schon würfelt das die Erinnerung durcheinander und ich mache Fehler.
    Meine Arbeitszeiten im Kiosk sind jeden Tag unterschiedlich und werden am Wochenende vorausgreifend für die Woche geplant. Ich habe zwar einen Plan, manchmal habe ich jedoch in dem Moment Fehler begangen, in denen ich ihn mir notiert habe. Steht der Termin dann an so habe ich den falschen Plan im Kopf. Dreimal (!!) ist es mir inzwischen passiert, dass ich nicht oder bis zu einer Stunde+ zu spät gekommen bin, Viermal ist mir das sogar passiert, wenn ich das eine Mal einrechne wo ich ankam obwohl nicht ich sondern mein Kollege Schicht hatte. Zum Glück ist mein Chef locker und weiß von meinem Problem. Ich versuche dennoch das besser in den Griff zu bekommen, indem ich mir routinierte Planungsvorgänge aneignen will. Manchmal verwechsele ich auch einfach den Wochentag der gerade ist. Jedoch ist auch das behebbar wenn der Blick in den (elektronischen Kalender) zur alltäglichen Gewohnheit geworden ist. Als Tipp: Mit Hilfe von iGoogle kann man sehr gut planen wenn man sich anmeldet und den personalisierten Kalender verwendet. Man kann sich kostenlos per SMS, Email und Popup erinnern lassen wenn man möchte. Das funktioniert ganz gut, fehlt nur noch eine 100% konsequente Anwendung.

    Dasselbe Problem mit Terminen während der Laborarbeit - manche Meetings haben komische Abstände wie zweiwöchentlich oder alle 4 Wochen woanders. Das sind jedoch Probleme wo ich mir sage dass man sie mit routinierter Planungsarbeit in den Griff bekommt wenn man es zur Gewohnheit werden lässt ständig darauf zu schauen.

    Nach einer ausführlichen Beschreibung der Problematik nun die Erklärung, wo mir das Medikament wirklich hilft:

    - Gedächtnis:
    Ich kann mir besser merken was ich zuletzt getan habe, bzw wenn ich nicht ganz sicher bin, was als nächstes getan werden soll habe ich festgestellt, dass das Medikament meine Fähigkeit verbessert, den Faden wiederzufinden. Auch wenn ich gerade nicht aufgepasst haben sollte, so habe ich doch besseren Zugriff und Sicherheit in meinen Erinnerungen als ohne Medikament. Einem Gedanken wie "Oh shit, wo warst du jetzt?" folgt nun oft anstelle "verdammt, ich hab null plan!!!" ein "ähm mal nachdenken, achja, stimmt".
    Auf der Arbeit im Kiosk wird der Effekt sehr deutlich. Ich schreibe mir garnichts mehr auf. Ich kann mit einem kurzen Blick sehen was fehlt, denke nicht weiter drüber nach, bin im Lager und erinnere mich schlicht daran, was ich gesehen hatte als ich auf die Kühlschränke geschaut habe. Beim Abrufen der Gedächtnisinhalte bin ich meist fehlerfrei und ich meine sogar, dass ich nun sogar besser darin bin als mein Kollege. Es erstaunt mich teilweise sogar, wieviele Informationen ich nun in kurzer Zeit aufnehmen und etwas später meist fehlerfrei wiedergeben kann. Der Effekt tritt nur mit Medikamentenwirkung ein, ohne Medikament oder lange Zeit nach der Einnahme wenn die Wirkung nachgelassen hat kehrt das Problem zurück (auch wenn ich den Eindruck habe, dass ich auch ein wenig meine Merkstrategie zu verbessern gelernt habe ohne sagen zu können was der Grund ist).

    Als weiteren Nebeneffekt bin ich teilweise wirklich sauschnell im Kiosk geworden. Ich erinnere mich an die Tage vor der Medikation, wo mein Chef mit einem zornigen Gesichtsausdruck mit anpackte und extra schnell arbeitete um mir mal zu zeigen, dass ich mich ja mal beeilen solle. Mir fällt der Unterschied selbst nicht auf. Eines Tages kam dann sogar der Hinweis, dass wir da was ändern müssen, da mein Kollege sehr viel schneller sei als ich und er da nicht mit anpacken müsse. Ich habe den Eindruck, mein Kollege hat auch deswegen öfter arbeiten können und mehr verdient als ich. Teilweise mache ich nun ein Arbeitspensum, für das ich früher deutlich über eine Stunde benötigt hätte in einer halben bis einer dreiviertel Stunde. Das Verhältnis zu meinem Chef ist sehr viel besser seitdem das so ist. Ich arbeite weniger, er schreibt mir inzwischen öfter mal mehr Stunden auf und ich habe neulich sogar mal einen Zehner so auf die Hand bekommen wo er meinte "Das brauchen wir jetzt so garnicht zu notieren, einfach als kleiner Bonus".

    Diesen Geschwindigkeitsunterschied nehme ich erst bewusst wahr, wenn ich mal ohne Medikation arbeite. Teilweise fühlt sich das sogar an wie eine bremsende Trägheitskraft, die mich aktiv daran hindert, mich schneller zu bewegen. Ich kann es aber es ist sehr anstrengend für mich.

    Aufmerksamkeit: Ich kann Gesprächen konzentrierter folgen und kann teilweise auch verschiedene Gespräche zur gleichen Zeit verfolgen, so mein Eindruck. Wie gesagt, oft bemerke ich Fehler bereits kurz bevor sie passieren, die ich sonst durchgezogen hätte ohne es rechtzeitig zu bemerken. Die geschilderten Probleme mit der Planung bestehen weiterhin. Das sind Verhaltenssymptome an denen das Medikament wenig ändern kann. Ich habe auch mit Medikament meine Planung neulich wieder einmal verpeilt und mein Chef musste mich anrufen damit ich komme. Ich habe einfach nicht vernünftig auf den Plan geschaut. Das sind Dinge, die man mit Verhaltensänderungen abstellen muss.

    Bei den genannten Symptomen jedoch hilft das Medikament deutlich, das muss ich klar feststellen. Ich habe vor der Diagnose mal meine Fehlerquote am Tag im Labor gezählt. Das Resultat waren etwa 35 Fehler, die meisten geringerer Natur wie zur falschen Tür in Gedanken gehen. Dann gab es eine ganze handvoll Fehler die unter gegebenen Umständen zu ernsteren Problemen führen könnten, die ich aber nochmal durch Nachdenken und Korrekturen ausbügeln konnte. Und dann waren da drei bei denen ich mir sagte dass die grundsätzlich nicht akzeptabel für mich sind. Ich habe das mal an einem Labortag mit Medikament wiederholt. Das Resultat waren etwa maximal 5 kleinere Fehler, die alle von geringerer Bedeutung waren und keine großen Auswirkungen hatten - wie in Gedanken zu falschen tür zu gehen zum beispiel.
    Geändert von hypocampus (14.08.2011 um 20:36 Uhr)

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 59

    AW: Was soll man da antworten?

    Danke für eure Antworten, besonders dir hypocampus. So sehe ich das nämlich auch. Was haben mir die ganzen Strategien gebracht, wenn ich bis heute in meinem Leben so Probleme habe. Eben weil ich für diese Dinge, die typischen Symptome, keine Strategien entwickeln konnte.
    Es beeinträchtig mich. Im privaten, wie auch im beruflichen.
    Ich denke auch das ich mit Medis strukturierter bin, und mein Gedankenchaos etwas eingedämmt wird, so das ich auch mal etwas ruhiger werden kann.

    Und das ich nicht mehr so schnell von 0 auf 180 bin. Damit nerv ich nämlich jeden, und vergrauele die, die mir wichtig sind.

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