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Diskutiere im Thema Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
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Für alle Themen rund um ADS / ADHS und das Asperger-Syndrom oder Autismus bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 76

    Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Hallo!

    Es gab schon mal einen Thread, in dem es um Kinder von Aspergern ging. Leider ist der schon geschlossen. Deshalb eröffne ich einen neuen.
    Es fällt mir schwer, das Thema zu beginnen, es wird nicht nur nett. Also kein "Asperger sind so besonders und liebenswürdig".

    Ich habe mich seit vielen Jahren gefragt, warum ich so gar keine emotionale Unterstützung von meinen Eltern bzw. von meiner Mutter bekommen habe und mit meinen ADS-Schwierigkeiten und meinen Gefühlen allein gelassen wurde.

    Vor ein paar Wochen kam mir ein Gedanke wie ein Blitz: Meine Mutter könnte Asperger-Autistin sein. Es war in der Familie bekannt, dass sie keinen Humor hat (wobei das nicht stimmt, manchmal hat sie einen Humor, der angenehm sarkastisch und "schwarz" ist). Ich habe in den letzten 20 Jahren mehrfach versucht, ihr meine Gefühlswelt zu erklären und verständnislose Blicke geerntet, und auf meinen Wunsch hin, sie möge mir doch mal Vorschussvertrauen geben, Dinge sagen wie "Ich glaub an dich" oder "Du schaffst das schon" sagte sie nichts weiter als dass ich ihr nie einen Grund gegeben hätte, mir zu vertrauen. Auch vor ein paar Wochen in einer anstrengenden Phase erklärte ich ihr, wie wichtig es für mich wäre, wenn jemand sagen würde "Ich glaub an dich" oder "Du schaffst das". Ihre Antwort war wieder ähnlich. "Warum soll ich dir sagen, dass du das schaffst? Ich sehe das nicht".

    Sie versteht Bilderwitze oft genausowenig wie Analogien und Metaphern. Sie hat sich als einzig gesunde, funktionierende Alleinherrscherin der Familie definiert und erhebt sich arrogant über mich und auch meinen Vater, weil wir so emotional und nicht funktional sind. Mich hat das sehr getroffen, denn solange ich lebe, habe ich gemeint, ich sei ein schlechtes Kind, weil ich nichts über die Gefühle meiner Mutter wusste und sie mich nicht in den Arm genommen hat, wenn sie mich vom Kindergarten abgeholt hat.
    In ihrem Beruf ist sie sehr etabliert und kann auch nach ihrer Verrentung nicht völlig ausscheiden, da sie stereotyp immer den gleichen Kommunikationsmechanismus pflegt: Sie die Helfende, die Anderen auch Helfende oder Kranke oder Faulpelze. Und sie ist sehr zuverlässig im Gegensatz zu mir.

    Sie ist narzisstisch. Sie hat eine Vorstellung davon, wie ihre Familie aussehen soll, und die faulen, überemotionalen Familienmitglieder machen das nicht mit. Da lässt sie auch ungeniert vor Verwandten Spitzen über mich und meinen Vater fallen. Lange habe ich mir das gefallen lassen und im Lauf der letzten ca. 17 Jahre immer besser pariert. Ich bin wirklich unbarmherzig geworden. Jetzt überlege ich, den Kontakt abzubrechen, weil ich es nicht mehr ertragen kann, von den Menschen, die mir Selbstvertrauen geben sollten, Unverständnis zu bekommen. Und sie zeigt mir immer wieder ihre Verachtung darüber, dass ich so emotional bin und offensichtlich keine "Lust" habe, ordentlich zu funktionieren. Für sie bin ich entweder ein faules Luder oder , wenn ich versuche zu erklären, wie ich mit ADS (nicht) funktioniere, psychiatrisch ein Pflegefall.
    Es ist allerdings moralisch nicht ganz leicht, denn man muss ja Nachsicht haben mit Menschen, die die Gefühlswelt der Anderen nicht nachempfinden können. Aber als Kind von so jemandem? Es macht mich sauer, dass meine Mutter sich als die einzig Gesunde darstellt und sich so unangreifbar gemacht hat, indem sie funktioniert wie am Schnürchen. Und sie ist ja auch eigentlich nett. Nur eben emotional für mich nicht hilfreich bis eine Katastrophe.

    Ich versuche wirklich, ein Leben zu führen, das sich lohnt. Mit ADS ist das aber weniger leicht als ohne. Wie gehen Andere damit um, dass sie von einer wenig emotionsfähigen Mutter nicht den nötigen Zuspruch bekommen?

    Den Kontakt abbrechen? Sich streiten? Verlangen, dass sie zum Psychiater geht, damit sie bescheinigt bekommt, dass nicht ich allein der Fehler der Familie bin, sondern auch sie Mängel hat?

    Für mich ist es besonders schwer zu differenzieren, was an ihrer "Kälte" und ihrer Ignoranz Asperger sein könnte und was eine ganz gewöhnliche narzisstische Persönlichkeitsstörung.
    Wie auch immer- ich möchte gern Erfahrungen von Anderen hören, die vielleicht Ähnliches erlebt haben.

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Hallo,

    ich kann nur bedingt mit Erfahrungen dienen.
    Immerhin war mein Vater mit Gewissheit narzisstisch, auf jeden Fall ein ausgewachsener und unerkannter/ nicht diagnostizierter AHDS-Betroffener, was ebenfalls leicht zu verwechseln ist.
    Nicht nur Du, sogar die Fachleute haben oft genug Probleme damit, Asperger, ADHS und Narzisstische PS auseinanderzuhalten, das ist auch sehr schwer.
    Es gibt aber durchaus einige Punkte, anhand derer man das differenzieren kann.

    Einen z.B. hast Du selbst schon genannt:

    Grubenvogel schreibt:
    Hallo!
    Sie versteht Bilderwitze oft genausowenig wie Analogien und Metaphern.
    Das findet sich bei Narzissten eher nicht.

    Der Rest passt in vielen Teilen natürlich schon.

    Ich kann mich erinnern, dass auch bei mir, als ich das erste Mal in einer Klinik war, der Verdacht auf eine narzisstische PS bestand.
    Das wurde dann sehr schnell fallengelassen, aus einem einfachen Grund (wird jetzt etwas mehr Text, sorry, aber das erklärt das Prinzip ganz gut):

    Als ich ankam und die ganzen Erstuntersuchungen und -gespräche stattfanden, habe ich immer auch meine zu dem Zeitpunkt vorhandene Suizidalität angesprochen.
    Das führte zu dem Verdacht auf eine narzisstische PS, wie mir später meine Bezugstherapeutin erklärte.

    Jedesmal, wenn man dort sowas angesprochen hat läuteten die Alarmglocken in der Klinik und das wurde gemeldet und man wurde zu einem Gespräch gebeten etc ... sicherlich sinnvoll, ich fands verwirrdend, aber egal.

    Bei meinem ersten Gespräch mit meiner Bezugstherapeutin sagte sie dann:
    "Da haben Sie aber ganz schön für Wirbel gesorgt gestern"

    Ich war völlig perplex und wusste gar nicht, was sie meinte und habe mich entschuldigt, denn ich wollte das doch gar nicht und schon gar nicht wollte ich da jemandem unnötig Arbeit machen etc.

    Ich erklärte, dass ich bis dato über meine Selbstmordgedanken nicht geredet habe, erst mit meinem Therapeuten und der habe mir gesagt, dass ich darüber in der Klinik unbedingt offen reden solle.
    Also habe ich offen darüber geredet ....

    Für die Therapeuten sah das aus wie jemand, der eben narzisstisch ist und immer noch schön extra einen draufsetzen muss, um sich über die anderen zu heben.

    Das war bei mir aber nicht der Fal.

    Auf die Ansprache meiner Therapeutin hätte ein Narzisst, wie sie mir erklärte, mit etwas reagiert wie:
    "Watt, das ist ja wohl auch voll zu erwarten, dass sich hier gleich alle um mich kümmern, dafür werden die ja schließlich bezahlt" und sowas eben.

    Das unterscheidet den Asperger von einem Narzissten.
    Mir war gar nicht bewusst, was ich da angerichtet/ ausgelöst habe, ich hab doch nur das getan, was mein Therapeut mir gesagt hat.
    Gut, ich hab das zu wörtlich genommen, wie für Asperger nicht unüblich, und das war dann einfach zu viel, aber ich wusste es nicht besser und es war mir furchtbar unangenehm, das alles dort ausgelöst zu haben.
    Das wäre einem Narzissten scheißegal, schließlich dreht sich die ganze Welt um ihn.


    Es ist natürlich unglaublich schwer, so etwas herauszukristallisieren und in der Klinik war das nicht die einzige Frage, die sie mir in dieser Richtung gestellt haben, ohne dass sich der Verdacht dann bestätigt hat.

    Grubenvogel schreibt:
    Den Kontakt abbrechen? Sich streiten? Verlangen, dass sie zum Psychiater geht, damit sie bescheinigt bekommt, dass nicht ich allein der Fehler der Familie bin, sondern auch sie Mängel hat?
    Von Jemandem verlangen, dass er zu einem Psychiater oder Therapeuten geht, kannste vergessen.
    Das funktioniert nicht.

    Meine Meinung ist, dass es besser wäre, das alles zu ignorieren.
    Das ist sauschwer und wird auch gewiss nicht ohne fremde, also therapeutische Hilfe gehen.
    ICh persönlich meine, dass es hier einfach besser ist, sich da selbst Hilfe im Umgang mit sowas zu holen und ein guter Therapeut, und davon gibts auch viele, wird sich das anhören und seine Schlüsse daraus ziehen können und Dir sagen können, dass eben nicht alles Deine Schuld und Schwäche war und ist.

    Dummerweise sind ausgerechnet wir ADHS nicht gerade mit großem Selbstwertgefühl gesegnet, was uns zum Einen zu perfekten Opfern von Narzissten macht und wir uns zum Anderen immer schön selbst die Schuld für alels geben...



    Grubenvogel schreibt:
    Für mich ist es besonders schwer zu differenzieren, was an ihrer "Kälte" und ihrer Ignoranz Asperger sein könnte und was eine ganz gewöhnliche narzisstische Persönlichkeitsstörung.
    Ist es auch.
    Aber mal ehrlich:
    Macht es einen Unterschied?
    Ist es weniger verletzend oder schlimm, wenn Du weißt, dass es Asperger und keine NPS ist?
    Beides sind schwerwiegende und ernsthafte psychische Störungen.
    Auch eine NPS ist eine Störung und die können genausowenig für ihr Handeln, wie ein autistischer oder zwanghafter Mensch...

    Zählt für Dich selbst nicht letztendlich, dass so oder so, Du nichts dafür kannst?
    Ganz egal, welche Störung dahinter steht?

    Klar gibt es Unterschiede, das ist auch mir klar und verständlich.

    Natürlich ist es bei einem Narzissten schwerer ... da hilft in meinen Augen nur die Flucht ....
    Einem Asperger kann man da immer noch mit Logik kommen und er tuts nicht in böser Absicht.
    Er ist sich nicht bewusst, dass er andere verletzt, während es dem Narzissten einfach schnurzegal ist.


    Ich habe mit meinem Vater irgendwann den inneren Frieden gemacht und in späteren Jahren, bin ich supergut mit ihm ausgekommen.
    Er ist ruhiger geworden und hat vieles an sich selbst zu reflektieren und verstehen gelernt und das hat viel geholfen.
    Da lag aber auch, wie gesagt, mit Sicherheit seine ADHS im Hintergrund und hat letztlich für all das gesorgt.
    ADHS ist halt auch sehr komplex ...

    Ok, ... viel Text, ich hoffe, dass ich Dir wenigstens eine kleine Hilfe sein konnte.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  3. #3
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Hallo liebe Grubenvogel,

    Dein Text hat mich sehr betroffen gemacht und ich musste ihn zweimal lesen,um alles aufzunehmen.

    Ich glaube,dass es auf die Frage nach dem "richtigen" Umgang mit einer so tiefgreifenden Störung,sei es eine NPS,oder eine ASS,keine allgemeingültige Antwort gibt.

    Viel hängt hier,wie auch in anderen Situationen,vom Schweregrad ab und dem Grad der eigenen Verstrickung,bzw.dem Ausmaß der eigenen Verletzungen und dem Potential für Weitere.

    Vor einigen Jahren wurde meiner eigenen Mutter die psychiatrische Verdachtsdiagnose NPS "mitgegeben",jedoch passt das,was Du schreibst auch hier "wie die Faust auf's Auge",ich hatte mir selbst auch Gedanken gemacht und-wie mein Vorredner schon schrieb-es ist oft wirklich nicht leicht,beides auseinanderzuhalten und letztendlich spielt die Bezeichnung ja eine untergeordnete Rolle.

    Hinzu kommt beim ADHS'ler noch der Faktor "Selbstwahrnehmung",der alles weiter verkomplizieren kann.Da bedarf es des genauen Hinschauens und der Vermeidung vorschneller Urteile-was am besten mit Hilfe klappt.

    Für mich ist momentan der Kontaktabbruch (noch) undenkbar,denn Mutter bleibt Mutter-zumal sie,wie Du ja auch schreibst,ein lieber Mensch ist,nur leider emotional oft nicht hilfreich bis subjektiv gefährlich.

    So bemühe ich mich,meine eigenen Grenzen zu ziehen und durchzusetzen,klar zu kommunizieren,dass mich z.B.etwas verletzt hat und auf der Wertigkeit meines Empfindens zu bestehen-auch,wenn es vielleicht für sie schwer nachvollziehbar ist.

    Ob das für Dich in Deiner Lage möglich, oder auch nur sinnvoll ist,kann ich nicht beurteilen.

    Auch stelle ich bei meiner Mutter fest,dass-evtl. u.a. durch das Alter-eine größere Offenheit,oder Weichheit entsteht. Was nicht heißt,dass das ein Automatismus des Alterns wäre.Es erleichtert jedoch mittlerweile tatsächlich die Kommunikation merklich.

    In meinem Fall hat sich die medikamentöse Behandlung der ADHS als einflussreicher Faktor herauskristallisiert,der hilft,die Beziehung von meiner Seite aus stabiler und achtsamer zu gestalten.

    Auch hier weiß ich nicht,inwieweit dieses Hilfsmittel Dir zugänglich ist(auch wenn ich glaube,genau darüber schon etwas von Dir gelesen zu haben;das will mir aber partout nicht einfallen ).

    Eventuell kann auch eine VT für Dich von nutzen sein-nicht,weil Du irgendetwas falsch machen würdest,sondern um Dir zu helfen,eingefahrene und so gar nicht (mehr) hilfreiche Verhaltensmuster zu erkennen und in Zukunft durch angemessene zu ersetzen.

    Die Idee,Deiner Ma eine Therapie aufzunötigen halte ich,so absolut nachvollziehbar sie für mich persönlich ist,für a)unrealistisch und b)möglicherweise kontraproduktiv für die Beziehungsgestaltung.

    Ich hoffe,dass Du einen guten Weg für Dich findest und nicht zögerst,um Hilfe zu bitten-sowohl hier online,als auch ganz konkret "da draußen".

    Ui,das ist jetzt lang geworden. Entschuldigung.Es würde mich freuen,Dir eine Hilfe gewesen zu sein.

    LG v. Luftkopf

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 76

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Danke, Fliegerlein. Ja, das hilft mir schon mal weiter. Du hast Recht, letztendlich ist es nicht entscheidend, warum sie mir keinen Rückhalt geben kann, ich muss mich eh mit Hilfe von Coaching, Therapie und Freunden durchs Leben bringen. Aber es ist so ungerecht!

    Ich habe eine neue Ausbildung begonnen und muss jetzt alles, was mich aufhält bzw mir den Mut nimmt, aus meinem Leben fernhalten. Leider scheint es so, als würden meine Eltern dazugehören, denn meine Mutter schafft es mit nur einem Halbsatz im richtigen Moment, mich für Tage minderwertig fühlen zu lassen und sagt dann ganz scheinheilig:" Du warst ja immer schon so empfindlich. Das liegt wahrscheinlich an deiner Krankheit." Das tut besonders weh, wenn du als erwachsenes Kind versucht hast, die Verantwortung für die Beziehung zur Mutter zu übernehmen und mit freundlicher, kompromissbereiter Haltung etwas von deinem momentanen Privatleben erzählst und dich gleich erinnerst, warum du dir beim letzten Mal vorgenommen hast, in Zukunft alles für dich zu behalten, was dir etwas wert ist.

    Ich nehme sie abwechselnd als narzisstisch mit stiller Freude an meinem Versagen wahr und als nette, liebe Frau, die eben einfach keine Gefühle versteht. Mit Logik und Verhaltenserklärungen à la Ursache-Wirkung/Handlung-Gefühl-Reaktion habe ich sie nicht erreicht. Obwohl meine Erklärungen und Analysen von Jahr zu Jahr besser und perfekter wurden.

    Es ist verrückt. Ich kam mir oft vor wie in einem Verschwörungsfilm, wo die Hauptdarstellerin nicht weiß, ob sie verrückt ist oder das Opfer von Leuten, die einen Vorteil durch ihre Verwirrung haben.

    Zum Narzissmus passt, dass sie alles Positive, was ich erreiche oder wofür ich von Anderen gelobt werde, kleinredet und meine Ziele schlecht macht, um anschließend, wenn ich den Mut nicht hatte, etwas zu beenden, zu sagen: "Ich hab dich doch nicht dran gehindert. Was projizierst du denn da auf mich? Du hast doch noch nie Durchhaltewillen gezeigt und hast alles abgebrochen."

    Und wenn ich etwas durchhalte und Erfolg erziele, kommt: "Na, da hast du aber Glück gehabt"...und ein Verweis auf meine Schlampigkeit oder Ähnliches.

    Und dann so etwas, was keine böse Absicht vermuten lässt: Ich singe bei einer Veranstaltung, wo auch sie beteiligt ist, kriege das Kompliment "Engel", und sie fragt irritiert, ob das wegen meiner blonden Haare sei. "Singen wie ein Engel" war ihr fremd. Und dann aber wieder ganz Narzissmus die Vermutung, dass jemand, der sie lobend auf mich ansprach, sicher nur höflich sein wolle. Aber vielleicht war auch das nicht böse, sondern der Versuch, mit den Jahren Smalltalk von ernst gemeinten Äußerungen zu unterscheiden....jedenfalls tut es nach wie vor weh, dass auf kein Ereignis, für das ich mich angestrengt habe oder das mir zugeflogen ist, ein "Ich bin stolz auf dich" folgte.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 76

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Das ist schön, Luftkopf33, dass du das nachvollziehen kannst. Ich halte es auch für unrealistisch, dass meine Mutter einer Therapie zugänglich wäre. Aber lesen würde sie vielleicht den einen oder anderen Link, den ich ihr schicken könnte. Wenn auch mit ungewissem Ausgang, denn sich selbst in solchen Schilderungen wiederzuerkennen und ehrlich zu sich selbst zu sein, ist keine ihrer großen Stärken.

    Ich bekomme seit Kurzem Ritalin, habe vor ein paar Jahren Medikinet probiert. Das hat aber auf die Beziehungsgestaltung keinen Einfluss. Im Gespräch rechtzeitig die Schotten dicht zu machen, damit ich nicht ins Leere in die Luft gehe, habe ich mir so beigebracht. Naja, vielleicht hat das MPH mir einmal gezeigt, wie entspannt man Emotionales regeln kann...aber das Runterholen hab ich selbst gelernt. Als Taktik, um nicht so ausgeliefert zu sein, statt an die Decke zu gehen.
    Etwas weicher und verständnisvoller wird meine Mutter auch seit ein paar Jahren. Trotzdem bleibt sie die selbe. Sie versteht nicht wirklich mehr, sie scheint sich nur öfter zu sagen: "Die Arme Irre Kranke...da kann ich nichts weiter tun, als ihr in ihrer Krankheit mal Kekse zu bringen." Das macht es ehrlich gesagt nicht soooo viel besser ...auch wenn es sehr lieb gemeint ist...oder eben auch nicht....es könnte auch die Zuckerbrot-Belohnung fürs Versagen sein, wenn man es von der möglichen Narzissmus-Seite betrachtet...VT steht im Frühjahr an, meine Coachess ist auch hilfreich. Aber es bleibt ja meine Familie und meine Autonomie, die ich allein händeln muss. Da hilft es mir, etwas von Leuten zu hören, die auch Verhalten in ihrer Familie umdefinieren müssen.
    Geändert von Grubenvogel (23.11.2015 um 20:35 Uhr)

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.926

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Für die eigene Verarbeitung denke ich - aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung -, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob es Asperger ist oder Narzismus.

    Asperger sind so - ich sag mal profan - geboren, kennen es nicht anders und meinen es - nach meiner Erfahrung - nicht böse, es ist nur ihre Form des Ausdrucks, auch wenn er für andere Menschen durchaus verletzend ist. Dennoch kenne ich mehr als einen Asperger, die sich bemühen, einen angemessenen Umgang zu pflegen und so durchaus auch Einfühlungsvermögen (wenn vielleicht auch begrenzt) zeigen.

    Einem Narzisten ist das ziemlich egal. Profan würde ich sagen: Haupsache, der Narzist! - Gemeinerweise würde ich noch anfügen, dass man eine erworbene Störung dieser Art auch noch behandeln und therapieren kann, auch wenn der Betroffene diese Erkenntnis der Betroffenheit von einer Störung nicht unbedingt teilt und es deshalb schon schwierig ist. (Ich weiss, dass das bis zu einem gewissen Grad jetzt herzlos klingen mag, aber das ist die ungefähren, wenn auch stark vereinfachte Ausgangslage.)

    Und das ist m. E. der Knackpunkt, der die Verarbeitung leichter macht und auch den Umgang bestimmt oder bestimmen sollte. Dennoch macht es im Erleben selbst vermutich nicht so sehr den Unterschied, denke ich.


    Wenn es denn geht, dann würde ich dir vielleicht raten, den Umgang erst einmal zu reduzieren und dir - wie bereits von meinen Vorschreibern schon empfohlen - Hilfe zu holen. Eine Annäherung ist ja durchaus wieder möglich, aber (und das ist jetzt wirklich nur meine Meinung) vielleicht hilft dir der Abstand auch erst einmal zu dir selbst zu finden und die Hilfe wirken zu lassen.


    Etwas "Hilfe" kannst du dir aber vielleicht auch schon selbst erarbeiten. Deute die Worte, wenn du kannst, die dich so verletzen um. Dann ist "empfindlich" "sensibel", was du augenscheinlich bist, denn du bist sehr sensibel für Stimmungen usw. und das ist wertfrei oder sogar gut. Damit lautet der Satz dann: Du bist sehr sensibel. - Und ja, z. T. könnte das auch am AD(H)S und dem Lebensweg, der damit zusammenhängt liegen. - Das hört sich doch gut an, wenn du mich fragst. Da deine Mutter offenbar keinen oder nur wenig Zugang zu (deinen) Gefühlen hat, ist es für sie empfindlich, was für mich z. B. sensibel wäre ...


    Das du dich nach ihrer Anerkennung und ihrer gezeigten Liebe sehnst, kann ich mir vorstellen und mir tut es als Mutter sehr weh, wenn ich so etwas lese. Aber auch da könnte dir nach und nach eine Therapie helfen und so lange kann ich dir nur raten (auch wenn es nur ein schlechter Ersatz ist), dir deine Annerkennung und Zuneigung anderswo zu suchen.

    Meinen Respekt hast du jedenfalls, denn ich denke mal, die neue Ausbildung ist vermutlich auf deinem "Mist gewachsen, da du ja zumindest von deinen Eltern keine Unterstützung hast, wie du schreibst und dazu gehört in der heutigen Zeit schon einiges - gerade, wenn man noch AD(H)S im Schlepptau hat. Hut ab! So weit muss man nämlich auch erst einmal kommen ...
    Geändert von ChaosQueeny (23.11.2015 um 20:41 Uhr)

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Ehrlich gesagt finde ich das es gar nicht nach Autismus klingt, was du da von deiner Mutter schreibst.

    Eine Diagnose hat mein Vater nicht (er meint er sei zu alt), aber es haben schon viele gesagt, die ihn länger kennen, das er "was autistisches hat". Es ist nicht so, das er keine Zuneigung zeigen kann, er zeigt es auf, sagen wir mal..... komische Art. Körperlichkeit wie Umarmung gab es nur zu Anlässen, wenn man das eben so macht, ganz feierlich zum Geburtstag.
    Ich bin aber mit ihm aufgewachsen, und ich kenne es nicht anders. Für mich ist das normal, so wie er halt seine Art hat Liebe zu geben. Ich verstehe das auch, weil ich eben genau so geprägt worden bin, das ist das, was Liebe zeigt. Manchmal ertappe ich mich selbst, oder mein Freund dabei, das ich seine schrägen Dinger übernehme um ihm zu zeigen das ich ihn liebe.

    Ich will damit sagen, das die Kühle die du empfindest, und so wie du es beschreibst (für mich) nichts mit Autismus zu tun hat. Asperger können auch Zuneigung zeigen.

    Ich habe allerdings auch ganz schwere Zeiten mit meinen Eltern durch, das ging sogar so weit, das eine Therapeutin ihnen mit Anzeige drohte.
    Ich habe mich für den Weg entschieden bei meinen Eltern zu bleiben, und mich zu verändern. Mehrere Theras sagten mir das ich entweder einen Cut setzen muss, oder lernen muss damit umzugehen, wenn ich in der Beziehung Zufriedenheit haben will. Und sie hatten recht. Dadurch hat sich alles um 180 Grad gewendet. Das hat aber auch so ca 6-8 Jahre und einige Therapien gedauert, der Prozess.

    Ich habe klein angefangen Grenzen zu setzen (innerlich und äusserlich), bin gerade anfangs auch oft wieder eingeknickt und verzweifelt, ich blieb aber konsequent. Dann habe ich mich Stück für Stück mehr getraut, ich bin auch einfach mal gegangen, und ich habe meiner Mutter bestimmt 2 Jahre in jedem Gespräch gesagt wo sie wieder verletzend war. Oh man..... das hat Tränen und Vorwürfe und Gebrülle auf beiden Seiten gegeben, aber sie hat es (bis auf ein paar Ausrutscher) richtig gut hingekriegt. Seit meiner ADHS Diagnose hat sie sogar angefangen zu versuchen zu verstehen. Das wäre ohne die Vorarbeit nicht möglich gewesen.

    Hast du denn deiner Mutter mal deine Gefühle und Gedanken über sie gesagt?
    Bei mir gab das erst ein Donnerwetter, dann bei Wiederholung Tränen und Gegenvorwürfe, dann ganz viel Selbstmitleid, dann war sie übervorsichtig und sagte fast vor jedem Satz das ich es nicht persönlich nehmen soll, und dann hat sie aber irgendwann ein Gefühl dafür bekommen, und ich auch für sie. Ich glaube ich nehme auch längst nicht mehr so viel krumm wie früher, ich bin auch nicht mehr so empfindlich und sehe hinter jeder Aussage schon eine Kritik.

    Ich finde es immer ganz schwierig, Personen, die einem nahe stehen, mit Diagnosen zuzupflastern. Denn keiner von uns kennt das Innenleben desjenigen, und man selbst weiss auch oft nicht, wie die eigene Sicht gefärbt ist.

    Ich würde dir raten ganz offen mit deiner Mutter über deine Ansichten und Gefühle und Sehnsüchte zu sprechen. Ohne ihr irgendwelche Diagnosen zu unterstellen. Selbst wenn sie eine davon hat, wird es sie nicht ändern, sondern eher Wut und Gegenwehr erzeugen, denn für sie scheint die Welt in Ordnung. Sowas geht erst, wenn man denjenigen für seine Probleme sensibilisiert hat. Sprich wenn du deine Sichtweise offen gelegt hast.

  8. #8
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.977

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Grubenvogel schreibt:
    Aber lesen würde sie vielleicht den einen oder anderen Link, den ich ihr schicken könnte. Wenn auch mit ungewissem Ausgang, denn sich selbst in solchen Schilderungen wiederzuerkennen und ehrlich zu sich selbst zu sein, ist keine ihrer großen Stärken.
    Das Phänomen ist mir (von meiner Ma) auch nicht unbekannt. Wobei ich vermute,dass das uns allen manchmal so geht,einige sind da nur extremer,als andere.

    Ich selbst z.B.habe mich vehement gg.die "Unterstellung",oft abgelenkt zu sein,gar ADHS zu haben,gewehrt.

    Allerdings ohne gleichzeitig mit dem Finger auf andere Leute zu zeigen und denen dafür alles mögliche zu "diagnostizieren".

    Grubenvogel schreibt:
    Etwas weicher und verständnisvoller wird meine Mutter auch seit ein paar Jahren. Trotzdem bleibt sie die selbe. Sie versteht nicht wirklich mehr, sie scheint sich nur öfter zu sagen: "Die Arme Irre Kranke...da kann ich nichts weiter tun, als ihr in ihrer Krankheit mal Kekse zu bringen." Das macht es ehrlich gesagt nicht soooo viel besser ...auch wenn es sehr lieb gemeint ist...oder eben auch nicht....es könnte auch die Zuckerbrot-Belohnung fürs Versagen sein, wenn man es von der möglichen Narzissmus-Seite betrachtet...
    Hervorhebung von mir

    Ganz ehrlich,ich habe mich lange wirklich mit dieser Frage herumgeschlagen. Ist das nun x,oder y? Es fällt noch immer oft schwer,doch habe ich für mich entschieden,das so zu interpretieren,wie es für mich hilfreich ist und nicht länger zu versuchen,alles einzeln einer bestimmten Störung zuzuordnen. Auf diese Weise kann ich meine Ma als Mensch betrachten mit guten Seiten,ohne meine Wachsamkeit zu verlieren.


    Was mich hierzu bringt:

    ChaosQueeny schreibt:
    Für die eigene Verarbeitung denke ich - aber das ist nur meine ganz persönliche Meinung -, dass es eben doch einen Unterschied macht, ob es Asperger ist oder Narzismus.

    Asperger sind so - ich sag mal profan - geboren, kennen es nicht anders und meinen es - nach meiner Erfahrung - nicht böse, es ist nur ihre Form des Ausdrucks, auch wenn er für andere Menschen durchaus verletzend ist. Dennoch kenne ich mehr als einen Asperger, die sich bemühen, einen angemessenen Umgang zu pflegen und so durchaus auch Einfühlungsvermögen (wenn vielleicht auch begrenzt) zeigen.

    Einem Narzisten ist das ziemlich egal. Profan würde ich sagen: Haupsache, der Narzist! - Gemeinerweise würde ich noch anfügen, dass man eine erworbene Störung dieser Art auch noch behandeln und therapieren kann, auch wenn der Betroffene diese Erkenntnis der Betroffenheit von einer Störung nicht unbedingt teilt und es deshalb schon schwierig ist. (Ich weiss, dass das bis zu einem gewissen Grad jetzt herzlos klingen mag, aber das ist die ungefähren, wenn auch stark vereinfachte Ausgangslage.)

    Und das ist m. E. der Knackpunkt, der die Verarbeitung leichter macht und auch den Umgang bestimmt oder bestimmen sollte. Dennoch macht es im Erleben selbst vermutich nicht so sehr den Unterschied, denke ich.
    Aus meiner Erfahrung heraus würde ich bisher sagen,es ist ein Balanceakt.

    Zunächst hat mir das Aufdröseln geholfen,gerade der Gedanke an eine NPS hat sehr starke Wut ausgelöst,die notwendig ist,um eine innere Abgrenzung zu vollziehen.

    Irgendwann war dieser positive Effekt aber verschwunden,denn a)wie gesagt,Mutter bleibt Mutter und es ist nicht angenehm,auf Dauer ein derart negatives Bild im Inneren zu haben und b)stimmt die Gleichung Asperger kann nichts dafür,Narziss schon,ergo...ja auch nicht ganz.

    Auch ein Mensch mit einer Persönlichkeitsstörung kann nichts dafür,so zu sein,auch er/sie kennt es nicht anders, beide nehmen sehr oft die Unangemessenheit ihres Handelns nicht war/verstehen sie nicht-nur aus anderen Gründen und,wie Du ja schreibst,auch Asperger können zumindest daran arbeiten,Ihre Sozialkompetenz zu verbessern-viele tun das aber auch (und durchaus bewusst) eben nicht.

    Vielleicht ist es aber auch so,dass sich diese Arten,damit umzugehen,abwechseln. Je nachdem,was der/die Betroffene jetzt kann und braucht. Um das zu erkennen,stecke ich eventuell selbst "zu tief drin".

    Ich weiß bis jetzt nur,dass mir die wütende Abgrenzung eine Zeitlang sehr geholfen hat,ja überlebensnotwendig war,und es aktuell eher sinnvoll ist,die Hintergründe beiseite zu lassen und mich darauf zu konzentrieren,ein gesundes Selbstbild und Selbstwert aufzubauen.

    *räusper*Es ging doch um persönliche Erfahrungen,oder? Sollte ich jetzt mal wieder gnadenlos ins OT geschossen sein,bitte Bescheid sagen.

    LG v. Luftkopf

  9. #9
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 54
    Forum-Beiträge: 226

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    Auch ich zaudere rum von wegen "persönlicher Erfahrung", auch mich berührt deine Fragestellung.
    Auch ich schwanke zwischen "ist ja eigentlich egal, was der Grund dafür ist, dass sie emotional nicht zu erreichen ist" und "Narzissmus ist wesentlich verletzender als Autismus, weil er immer wieder gezielt verletzend handelt und spricht, während Autismus nachvollziehbar einfach anders denkt und fühlt".

    Persönliche Erfahrung in der Herkunftsfamilie:
    Letztendlich kann ich mir zwar im Nachhinein erklären, warum in meiner Familie so wenig Emotion stattfand - und wenn, dann meist negative.
    Ich kann heute mit Bestimmtheit sagen, dass der eine Elternteil ein ADHSler ist (der wohl diesen "Verdacht" weiiiiiiiiiiit von sich weisen würde und der seine überschäumenden Emotionen bereits als später Jugendlicher ans Stachelhalsband genommen hat und immer emotionslos wirkte - wenn er nicht wütend war) und der andere Elternteil Alkoholiker war.
    Ich kann auch narzisstische Anteile und Verhaltensweisen bei beiden sehen - wobei ich keinem der beiden eine NPS unterstelle, da ich nicht weiß, in wie weit diese Verhaltensweisen durch überkompensierte ADHS bzw. durch Alkoholismus bedingt sind / waren.

    Wie gesagt, ich kann es mir inzwischen erklären.
    Ich bin auch heute nicht mehr wütend auf meine Eltern.
    Allerdings hätte ich meine Wut vermutlich auch inzwischen überwunden, wenn ich keine Erklärung gefunden hätte, denn die Wut hat mich nur gelähmt und verhindert, dass ich mich aus dieser ungesunden Beziehung löse.
    So viel Vernunft ist mir dann doch gegeben, dass ich so etwas nach Jahren realisieren kann

    Ich habe nicht nur - wie weiter oben empfohlen - den Kontakt zu meinen Eltern reduziert, ich habe ihn sogar (schon mit 18 ) ganz abgebrochen und erst wieder aufgenommen, als ich selber gefestigter war.
    Dann aber in homöopathischen Dosen - nur so viel, wie ich verkraftet habe, ohne wieder in irgendwelche emotionalen Abgründe zu fallen.
    Einerseits war das bestimmt hilfreich für meine Entwicklung - wie auch luftkopf schreibt.
    Andererseits habe ich nie zu dem Gefühl gefunden, Eltern gehabt zu haben und das ist etwas, das mich belastet, seit ich denken kann.
    Denn ich hatte welche.
    Sie waren täglich anwesend.
    Sie haben mich nicht körperlich misshandelt.

    Lange Jahre hindurch hatte ich das Gefühl, ich sei ein gefühlloses Wesen, weil mir meine Eltern so egal waren.
    Könnte ich - mit dem, was ich inzwischen gelernt habe - noch einmal von vorn anfangen, hätte ich wohl den Kontakt nicht abgebrochen.
    Aber ich hätte ihn stark reduziert.
    Ich hätte mir jemanden gesucht, der Ahnung hat von Störungen und von Familiendynamik.
    Hätte mir helfen lassen beim Auseinandersortieren und beim Entwickeln von Strategien, damit umzugehen.

    Denn ich bin davon überzeugt, dass viel von meiner sozialen Wunderlichkeit nicht ausschließlich ADHS-bedingt ist, sondern in meiner Geschichte liegt und dass ich weniger wunderlich sein könnte, wenn ich mir 30 Jahre früher von einem Profi hätte helfen lassen.

    Soll heißen: ja, es ist EIGENTLICH (also für die eigene emotionale Verfassung und Entwicklung) ziemlich egal, was hinter dem verletzenden Verhalten deiner Mutter steht.
    Es ist aber nicht egal, wenn es darum geht: wie gehe ich damit um?
    Und: darauf zu warten, dass ich alleine herausfinde, wie ich mit meinem Familien-Geschenk umgehe, kann ganz schön lange dauern ... und irgendwann ist es nicht mehr so leicht, eingefahrene Muster zu sprengen.
    Und: schön wäre es gewesen, wenn ich viel früher milder geworden wäre und aus meiner rigorosen Ablehnung herausgefunden hätte.

    Meine Kinder hätten sich vermutlich auch drüber gefreut, denn emotional verkümmert aufzuwachsen macht keine herzerwärmend liebevolle Mutter aus einem Menschen.
    Ich wünsche dir alles Gute

  10. #10
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.926

    AW: Kinder von Aspergern - emotionale Unterstützung fehlt

    @Luftkopf

    Ich glaube, die Frage und die daraus resultierende Feststellung: "Was brauche ich selbst jetzt grade?", gehört mit dazu! Und den Blick darauf zu richten, dass das wechseln kann, ist ein guter Hinweis.

    So wirklich OT finde ich es damit also nicht.


    @Miss Taik

    Ich danke dir sehr für deine Geschichte! Mir fehlen gerade die Worte, aber sie hat mich sehr berührt.
    Geändert von ChaosQueeny (24.11.2015 um 10:09 Uhr)

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