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Diskutiere im Thema Mangel in der kognitiven Empathie? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
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  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    Hmm., ich kenne das Problem auch, dass ich mit Menschen sehr gut mitfühlen kann, aber nur wenn sie ähnliche Situationen erleben wie ich sie bereits selber erlebt habe. Dann kann ich sogar sehr emotional werden, was sonst überhaupt nicht meine Art ist (von Ausrastern mal abgesehen). Und ich kenne es auch, dass ich zwar die Emotion eines anderen decodiere oder weiß, ich aber nichts empfinde, wenn ich in derselben Situation anders empfinden würde oder ich diese Situation nicht selbst erlebt habe!

    Aber wenn ich sehe, dass jemand sich freut, regt sich in mir garnichts, solange ich nicht weiß, wegen was er sich freut bzw. ich mich nicht auch über diese Sache an seiner Stelle freuen würde. Und ich weiß, dass ich zurücklächeln sollte, weil derjenige sich freut, und ich durch eine grimmige Miene seine Stimmung vermiesen würde. Bin ich gut drauf, mache ich das Zurücklächeln reflexartig, habe ich keine gute Laune, zeige ich, dass ich keine Lust habe, diese vorzuspielen; ich schaue dann einfach weg, um nicht allzu böse rüberzukommen.

    Wenn jemand weint, bin ich erstmal sehr verschreckt und habe keinen Impuls zu trösten; das kommt aber daher, dass ich im Trösten nie gut war und ich aus der Vergangenheit weiß, dass ich häufig etwas Falsches gesagt habe und es dem anderen häufig schlechter ging als vor meinem Tröstversuch. Und auch bei meinem Vater kenne ich es so, dass er früher unabsichtlich zu mir mal genau die falschen Sachen gesagt hat, wenn ich weinte (eher bei so "Frauenthemen" und Mobbing in der Schule, da war er einfach überfordert, aber den Mund einfach zu halten, konnte er auch nicht, denn ich war als seine einzige Tochter sein Liebstes); aber er hat manchmal in anderen Situationen auch wiederum als einziger Mensch genau die richtigen Sachen gesagt und getan. Und daher weiß ich, wie unangenehm es sein kann, falsch getröstet zu werden..., er hat das allerdings auch gleich direkt mit einem offenen - und häufig auch lautstarken - Feedback zu spüren bekommen. Ich ziehe mich in einer Tröstsituatioen dann kurz zurück, um die Lage zu checken, das heißt, ich schaue, ob da jemand ist, der im Trösten wohl besser ist als ich, oder ich überlege mir Dinge, die ich dann machen könnte, um dem Traurigen zu helfen, ohne weiteren Schaden anzurichten und ohne unauthentisch zu sein, denn wenn ich versuche, mich zu verstellen, fliegt das sofort auf und richtet auch Schaden an. Bei meinem Mann habe ich Glück, er will die Dinge lieber nur mit sich allein ausmachen; ich kann ihm, da wo notwendig, Problemlösungen anbieten.

    Ist nur blöd, wenn ich selber gerne getröstet werden will und ich so schlecht im Trösten anderer bin... Aber ich merke mir die Dinge, die mir helfen und wende sie zunehmend auch bei anderen an.

    In meiner Endteeniezeit, Twenzeit machte ich mit mir selber einen Wettbewerb im Lesen der Emotionen anderer und dem Ableiten adäquater Reaktionen darauf; ich überlegte mir, warum sich die Leute so und so verhielten, und wie das Verhalten in der Zukunft sein könnte (die Hypothesen, die ich dabei aufstellte, überprüfte ich dann mit meinen Beobachtungen); ich wollte perfekt werden in dieser Disziplin. Dabei schaffte ich im medizinischen Bereich (ich bin Physiotherapeutin und Ärztin), wirklich "parkettsicher" zu sein, ebenso in anderen, mir sehr vertrauten Kontexten, wo ich mich den anderen in nichts mehr nachstehend fühlte. Allerdings traten meine Probleme in mir unvertrauten Kontexten wieder auf, so dass ich diese Situationen mied und inzwischen richtiggehende Ängste davor entwickelt habe (ohne meinen Mann besuche ich keine Party mehr, eine Party ist eine zu unstrukturierte Situation mit zuwenig Vorhersagemöglichkeiten). Weil mir klar war, dass ich das Verhalten der anderen analysierte, und ich mir einbildete, aufgrund dieser Erfahrungen und Analysen eine ausgezeichnete "kognitive" Empathie entwickelt zu haben (die allerdings nie intuitiv ablief/abläuft, sondern nur in den vertrauten Kontexten "quasiautomatisch"), hielt ich mich selbst für einen Psychopathen. Ich dachte auch, gerade, weil ich oftmals in Filmen nicht weine, wo andere weinen müssen, selbst wenn ich die Emotionen der Protagonisten verstanden habe oder überhaupt, mich viele Dinge kalt lassen, selbst wenn ich vom Verstand her weiß, was da los ist. Ich sehe häufig, dass meine Mutter wegen vieler Dinge sehr schnell zu Tränen gerührt ist und finde es eher sehr seltsam, wegen was für Kleinigkeiten sie weinen muß.

    Ich erlebe mich in vielen Dingen eher als wirklich gefühlskalt im Vergleich zu anderen und in anderen Dingen als eher sehr emotional; ich denke, das liegt daran, dass ich andere Präferenzen habe als die Mehrheit der Menschen und nicht allein wegen mangelnder (kognitiver/affektiver) Empathie. (Ich analysiere das Verhalten der anderen, bis ich auf die Lösung komme oder frage meinen Mann/andere Vertrauenspersonen; damit ist der Fehler bei der kognitiven Empathie ausgeglichen.) Beim Psychopathentest habe ich ein Ergebnis wie der Durchschnitt, ich habe zwar psychopathische Anteile, aber bin kein Psychopath. Einen Schuß Narzißmus, der sich bei mir allerdings sehr untypisch/speziell ausdrückt, habe ich aber schon.

  2. #12
    Lysander

    Gast

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    ............
    Geändert von Lysander (11.02.2015 um 08:25 Uhr)

  3. #13
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    Hermine1977 schreibt:
    Ich erlebe mich in vielen Dingen eher als wirklich gefühlskalt im Vergleich zu anderen und in anderen Dingen als eher sehr emotional; ich denke, das liegt daran, dass ich andere Präferenzen habe als die Mehrheit der Menschen und nicht allein wegen mangelnder (kognitiver/affektiver) Empathie.
    Ich erlebe mich ebenso als einerseits gefühlskalt und andererseits überemotional und denke auch, dass ich eben auf andere Dinge "anspringe" als andere Menschen. Ich weine zB bei Szenen, in denen in einem Film jemand stirbt und es ist völlig egal, ob ich die Figur mag oder nicht - aber wenn im echten Leben jemand heulend vor mir steht und mir sein Leid klagt, fühle ich selten Mitleid, auch wenn das Leid wirklich schlimm ist, sondern fühle mich von den Gefühlen des Anderen einfach nur erschlagen und weiß nicht, wie ich reagieren soll.

    Ich denke, es liegt nicht allein an mangelnder affektiver oder kognitiver Empathie, dass ich so seltsam bin in meiner Empathie, ich glaube, teilweise liegt es auch daran, dass ich mir emotionale Reaktionen abtrainiert habe, weil sie mir nur Ärger eingebracht haben. Ich zeige scheinbar nicht besonders viele Emotionen, aber wenn, dann kracht´s. Das irritiert die Leute dann ziemlich und sie reagieren auf meine Gefühle auf irgendeine Art abwehrend: Sie verstehen´s nicht, finden es unangemessen, übertrieben und wollen mich beruhigen, schimpfen mit mir, wollen mich "trösten" oder einen Ratschlag geben. Aber dass ich einfach mal meine Gefühle haben darf...sowas ist anscheinend nicht drin. Mich nervt es auch, wenn ein Kommentar zu meinem Gesichtsausdruck kommt...nie darf ich einfach nur mal sein, ohne dass irgendwer seinen Senf dazu geben muss. Zumindest nicht in der Öffentlichkeit. Also hab ich mir einen möglichst offenen, halbwegs freundlichen und zu keinerlei Kommentar anregenden Gesichtsausdruck angewöhnt und außerdem, nicht zu viele Gefühle zu zeigen - weil die eh in 95 % der Fälle missverstanden werden!

    Vielleicht hab ich mir nicht nur abgewöhnt, emotionale Reaktionen zu zeigen, sondern auch verlernt, emotionale Reaktionen zu fühlen. Zumindest in manchen Situationen. Dass ich emotional nicht reagiere, wenn alle sich freuen - ich mich also nicht mitfreue - das war glaub ich schon immer so, da hab ich mir nichts abtrainiert. Aber ich könnte mir vorstellen, dass ich manchmal emotionaler wäre als ich es bin, wenn ich es mir nicht abtrainiert hätte. Eine konkrete Situation fällt mir jetzt gerade nicht ein.

    Asperger scheint mir inzwischen doch etwas unwahrscheinlicher, da ich menschliche Emotionen glaub ich extrem gut lesen kann...das ist ja auch ein Grund, weswegen ich möglichst neutral gucken will - weil ich es nicht mag, die Reaktionen der Mitmenschen mitzubekommen: Ich bekomme jeden Zweifel, jegliches Irritiertsein, jede Abneigung, jedes Misstrauen meines Gegenübers mit, als Reaktion auf mich. Und das wiederum irritiert mich und ich kann nicht bei dem bleiben, was ich eigtl. tun oder sagen wollte, es lenkt mich ab. Auch wenn mein Gegenüber mir positiv gestimmt ist und ich merke, dass er es voll toll findet, was ich von mir gebe, lenkt mich das ab. Ich kann diese Massen an Emotionen, die vom anderen kommen, nicht immer zeitgleich passend in den Kontext der sozialen Situation einordnen, ich weiß dann nicht, wieso der jetzt so reagiert wie er eben reagiert. Klar, wenn ich unzusammenhängendes Zeug laber, versteh ich schon, wieso der andere irritiert ist, aber manchmal sind die Leute auch irritiert, wenn ich eigtl. ganz normale Dinge tue oder sage und das irritiert mich dann wiederum.

    Wenn mich jmd. lange anguckt, dann denk ich mir: Was ist los? Will der mir was sagen? Wenn mich jemand einfach so anlächelt, denk ich mir: Was ist los? Findet der mich nett oder denkt der, ich hätte einen höheren sozialen Status als er und will sich bei mir einschleimen? Wenn mich ein Mann überaus nett anlächelt, denk ich mir: Will der was von mir? (Manchmal denk ich das auch bei ner Frau.^^) Wenn jemand mit mir spricht und mich dabei aber eigtl. ignoriert und immer woanders hinguckt (passiert mir manchmal mit Kunden, wenn ich im Verkauf tätig bin), denk ich mir: Was hat der für ein Problem? Wieso tut der so als wär ich nicht da?

    Also, ich sehe schon, was sich da für eine Emotion abspielt, aber ich weiß oft nicht, was die Leute dazu antreibt, sich so auszudrücken....was dahinter steckt. Es gibt auch einfach zu viele Möglichkeiten. Manchmal kann ich schon Verbindungen zwischen meinem Verhalten und den Reaktionen der Leute sehen, wenn ich halt aufmerksam genug bin, mich selbst zu beobachten und die direkte Reaktion darauf - aber oft genug auch nicht. Es ist für mich irgendwie alles so unzusammenhängend...
    Manche Menschen sind auch zusammenhängender, in sich schlüssiger als andere. Manche kann ich deshalb leicht vorhersagen, weil sie einfacher gestrickt sind - und andere sind für mich wie ein bunt zusammengewürfelter Haufen an Eigenschaften, die irgendwie nicht so richtig ineinandergreifen, sondern scheinbar willkürlich zum Vorschein kommen. Mal ist der Mensch so, mal so.

    Dann wirken die Menschen wie ein unzusammenhängendes Puzzle. Ich kann einzelne Emotionen sehen und nachvollziehen, aber oft sehe ich auch nicht, wo sie herkommen...und manchmal wechselt das so rasch, dass ich nicht mehr mitkomme. Wenn jemand in einer Stimmung bleibt, auf einem einigermaßen gleichbleibendem Stimmungsniveau, dann kann ich mich drauf einstellen und sogar adäquat drauf reagieren. Aber wenn die Leute andauernd ihre Emotionen wechseln, komm ich irgendwann nicht mehr mit. Ich kann doch nicht jeden Wechsel emotional mitmachen, drauf reagieren. Ich kann nicht jeden Wechsel mitfühlen und die dem zugrundeliegenden Gedanken und Gefühle begreifen, das Gesamtbild, die Person als Ganzes. Ich verstehe nur einzelne Teile - wenn ich mich richtig einfühlen könnte in die andere Person, in ihren gesamten Charakter, dann würde ich auch ihre Emotionswechsel verstehen. Bei manchen Menschen, die ich lange kenne, kann ich das.

    Ich weiß nicht, wieso das so ist und ich hoffe, mein Text ist zumindest ansatzweise verständlich, vielleicht kann ja jemand was damit anfangen. Ist ein wirklich seltsam undurchschaubares Thema für mich, deshalb möge man mir meine ausschweifenden Gedanken verzeihen.

  4. #14
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    Chamaeleon schreibt:
    Ich erlebe mich ebenso als einerseits gefühlskalt und andererseits überemotional und denke auch, dass ich eben auf andere Dinge "anspringe" als andere Menschen. Ich weine zB bei Szenen, in denen in einem Film jemand stirbt und es ist völlig egal, ob ich die Figur mag oder nicht - aber wenn im echten Leben jemand heulend vor mir steht und mir sein Leid klagt, fühle ich selten Mitleid, auch wenn das Leid wirklich schlimm ist, sondern fühle mich von den Gefühlen des Anderen einfach nur erschlagen und weiß nicht, wie ich reagieren soll.
    Ist bei mir auch so. Filmszenen, am besten noch untermalt mit dramatischer Musik, die können mich ziemlich mitnehmen. Im wahren Leben, ohne diese Musikuntermalung, reagiere ich hingegen oft kühl und abweisend.


    Chamaeleon schreibt:
    Ich zeige scheinbar nicht besonders viele Emotionen, aber wenn, dann kracht´s. Das irritiert die Leute dann ziemlich und sie reagieren auf meine Gefühle auf irgendeine Art abwehrend: Sie verstehen´s nicht, finden es unangemessen, übertrieben und wollen mich beruhigen, schimpfen mit mir, wollen mich "trösten" oder einen Ratschlag geben
    Diese Reaktion der anderen kenne ich und kann mittlerweile aber auch nachvollziehen, dass sie überfordert sind von meinen plötzlichen Gefühlsausbrüchen. Sie sind für andere nunmal nicht vorhersehbar, da ich nonverbal keine subtileren Emotionen vermittel. Wenn ich Emotionen zeige, dann sind sie halt auch sehr intensiv.
    Jedoch habe mir nie was abtrainiert, das war von klein auf so.


    Chamaeleon schreibt:
    Wenn mich jmd. lange anguckt, dann denk ich mir: Was ist los? Will der mir was sagen? Wenn mich jemand einfach so anlächelt, denk ich mir: Was ist los? Findet der mich nett oder denkt der, ich hätte einen höheren sozialen Status als er und will sich bei mir einschleimen? Wenn mich ein Mann überaus nett anlächelt, denk ich mir: Will der was von mir? (Manchmal denk ich das auch bei ner Frau.^^) Wenn jemand mit mir spricht und mich dabei aber eigtl. ignoriert und immer woanders hinguckt (passiert mir manchmal mit Kunden, wenn ich im Verkauf tätig bin), denk ich mir: Was hat der für ein Problem? Wieso tut der so als wär ich nicht da?
    Ich dürfte kein Kunde von dir sein*g* Schaue prinzipiell immer am Gesicht vorbei und fixiere etwas, was mich nicht ablenkt.
    So viele Gedanken würde ich mir nie darüber machen, warum die andere Person gerade einen anguckt oder so. Ich realisiere es und wenn mich jemand anlächelt und ich es bemerke, dann freue ich mich und lächel zurück. Ist doch nett sowas.
    Aber ansonsten interessiert es mich nicht weiter, da bin ich immer viel zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, als dass ich mir großartig den Kopf darüber zerbreche, wieso ich von diesem Typen angelächelt wurde.


    Chamaeleon schreibt:
    Ich kann einzelne Emotionen sehen und nachvollziehen, aber oft sehe ich auch nicht, wo sie herkommen...und manchmal wechselt das so rasch, dass ich nicht mehr mitkomme. Wenn jemand in einer Stimmung bleibt, auf einem einigermaßen gleichbleibendem Stimmungsniveau, dann kann ich mich drauf einstellen und sogar adäquat drauf reagieren. Aber wenn die Leute andauernd ihre Emotionen wechseln, komm ich irgendwann nicht mehr mit. Ich kann doch nicht jeden Wechsel emotional mitmachen, drauf reagieren.
    Das empfinde ich ähnlich. Sofern sie halbwegs logisch sind (viel psychologisches Hintergrundwissen helfen dabei), kann ich Emotionen gut nachvollziehen und eigentlich auch recht sicher erkennen, zumindest die Grundstimmung (ist jemand gut drauf oder schlecht drauf erkenne ich eigentlich recht intuitiv, ob ich jedoch Wut von Trauer, Frust oder Angst unterscheiden kann, kommt auf die Stärke der gezeigten Emotion an). Sobald jemand aber diese schnell wechselt, bin ich hoffnungslos überfordert und dann kann ich es auch oft nicht mehr nachvollziehen, bin gefrustet und ziehe mich zurück.
    Auch zu starke Emotionen überfordern mich, da ziehe ich mich ebenfalls zurück.

  5. #15
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    ReRegenbogen schreibt:
    Ich dürfte kein Kunde von dir sein*g* Schaue prinzipiell immer am Gesicht vorbei und fixiere etwas, was mich nicht ablenkt.
    So viele Gedanken würde ich mir nie darüber machen, warum die andere Person gerade einen anguckt oder so. Ich realisiere es und wenn mich jemand anlächelt und ich es bemerke, dann freue ich mich und lächel zurück. Ist doch nett sowas.
    Aber ansonsten interessiert es mich nicht weiter, da bin ich immer viel zu sehr mit meinen eigenen Gedanken beschäftigt, als dass ich mir großartig den Kopf darüber zerbreche, wieso ich von diesem Typen angelächelt wurde.
    Ich glaube, das ist schon ein signifikanter Unterschied zwischen uns und evtl. auch stellvertretend zwischen ADS und AS. Ich nehme Mikro-Mimiken wahr und zwar so viele, dass ich mir wirklich Mühe geben muss, da hinterherzukommen mit der Analyse. Ich weiß, was eine einzelne Mimik aussagt, aber Menschen wechseln ihre Mimik schon manchmal sehr oft und ich versuche dann, jedes Detail mit in mein Gesamtbild der Situation miteinzubeziehen. Ich muss mir Mühe geben, den Gesamtkontext zu sehen und mich nicht in mimischen Details zu verlieren. Mitbekommen tu ich viel - zu viel. Und jede Mimik kann verschiedene Aussagen bzw. Hintergründe haben. Wenn jemand skeptisch guckt - also jemand, mit dem ich interagiere - dann verunsichert mich das, weil ich nicht weiß, wieso er das tut...hab ich was falsches gesagt? Versteht er irgendwas nicht? Konzentriert er sich grad einfach nur?

    Das sind so viele Infos auf einmal und so viele Deutungsmöglichkeiten, da muss man schon extrem aufmerksam sein, um das alles richtig einordnen zu können. Manchmal im Flow kann ich das extrem gut, da kann ich dann sogar das Verhalten des anderen durch mein Verhalten steuern (ich würde das selbst Manipulation nennen, aber scheinbar ist das empathisches Verhalten), indem ich auf die vielen kleinen Infos des Gegenüber eingehe...ich meine, ich bekomme ja extrem viel mit, da müsste ich eigtl. eine extrem hohe Empathie besitzen, aber das ist eher selten, meistens erschlägt mich das einfach. Das kann auch dazu führen, dass ich überhaupt nichts mehr von der Mimik und irgendwelchen subtilen Aussagen mitbekomme...ach und überhaupt bin ich schlecht darin, subtile Aussagen mitzubekommen, irgendwelche versteckten Hinweise usw....bitte sagt es mir doch direkt! ("ihr" Menschen da draußen) Da bin ich dann einfach reizüberflutet.

    Dann nochmal was zu dem Filmschauen: Mir ist gestern aufgefallen, dass ich erst dann mitheule (ähem), wenn ich sehe, wie jemand im Film selber heult. Ich kann eine Situation analytisch verstehen und auch, dass das ja eine blöde Situation für Person A ist, aber das registriere ich einfach nur im analytischen Modus. Wenn dann Person A anfängt zu heulen oder wütend zu werden oder sonstwas, erst dann reagiere ich auch emotional. Das kommt mir wie eine verzögerte Reaktion vor. Auffällig an mir fand ich halt schon immer, dass ich soziale Beziehungen und emotionale Aussagen anderer analytisch angehe (in Filmen sowie im RL). Menschliches Zusammensein ist für mich eher eine Feldforschungsstudie. Ich fühle mich auch selten zugehörig, weil eben dieser emotionale Aspekt fehlt. Die Probleme anderer rühren mich meist nicht an, das kann aber auch daran liegen, dass ich einfach ganz andere Probleme habe und deshalb die gemeinsame Basis fehlt.

    Insgesamt komme ich so langsam zu dem Ergebnis, dass AS und ADS bei manchen Individuen wirklich nah aneinander liegen. In meinem Fall wäre das zB die analytische Herangehensweise an Dinge, die von anderen emotional und intuitiv angegangen werden. Trotzdem passt AS nicht ganz auf mich, dafür erkenne ich doch zu viel Mimiken, denke ich. Ich finde es aber interessant, die Gemeinsamkeiten zu finden, besonders die kognitive und affektive Empathie interessieren mich, weil ich merke, wie ich da anders bin. Da ich aber so furchtbar schlecht in der Selbstwahrnehmung bin, fällt es mir schwer, es bei mir selbst einzuschätzen...nur manchmal fällt mir halt was auf, was bemerkenswert ist, wie zB das mit der verzögerten emotionalen Reaktion.

    Ich habe hier auch lange nicht geschrieben, weil ich lange brauche, um über sowas nachzudenken und zu reflektieren (schlechte Selbstwahrnehmung, wie gesagt).
    Geändert von Chamaeleon ( 4.04.2015 um 18:47 Uhr)

  6. #16
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 30
    Forum-Beiträge: 750

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    was ist denn pathologisch und was nicht, und wer soll das wissen? die mehrheit?
    also ich bin mir nicht sicher, ob ich allgemeine gruppendynamik, als nicht pathologische effekte bezeichnen würde..
    ich war früher zu empathisch, so empathisch, dass ich für alles und jeden fühlte nur nie und nicht für mich. zumindest war es während meiner pupertät so.
    obwohl ich autistische züge habe, die besonders als kind und heute wieder ausgeprägt sind.
    dann würde ich die überschrift unterschreiben.
    woibei, wie gesagt, ich denke, dass empathie gar nicht so ausgeprägt ist, wie man es als adhsler erwarten würde,
    in der geschichte war auch nicht jeder as.
    ich nehme auch zu viel war, aber jetzt kann ich es händeln, schieben, ordnen, und auch in frage stellen.
    viele menschen, nehmen aber sehr viel wahr, dass weiß ich nun heute auch.
    es ist vielleicht auch so eine art neue spirituelle welle unserer zeit, die über verbindungen spricht, metaebenen an sich, kommunikation neu definiert, und mehr.
    es entwickelt sich vielleicht auch zu einer art religion, das erfassen von unterwewussten, strömungen, und infomationen, die im 'raum' sind,
    das gedachte kann man wohl auch nur bedingt verstecken. ist ja auch ganz effektvoll, der geist an sich,
    er produziert eine menge, dass man auch anfassen kann.
    sinne sind eben auch noch ein topf, dessen zutaten recht unentschlüsselt sind und noch aufregende entdeckungen bereit halten.
    so ist zu hoffen.

    trotzdem habe ich festgestellt mit vielen darüber sprechen zu können.
    und auch eben bei ganzen gruppen auf verwirrte blicke zu stoßen, wenn man die dinge plötzlich mal anspricht.
    kommt unter umständen nicht immer gut an

  7. #17
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 1.197

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    mir geht es aber genauso wie dir. Wenn ich einen Raum betrete oder wenn einer in einen Raum kommt und mich anlächelt den ich absolut nicht kenne, lächel ich nicht zurück. Letztens war es so, da kam einer rein, lachte und hob dir Hand und guckte zu mir, ich weiß nicht ob er mich anguckte, aber keiner hob die Hand oder lachte oder ka. Weiß nicht warum er das machte, ich kannte ihn gar nicht. Also machte ich auch nix.. Ich denke dann auch so "warum tut er das jetzt? kenn ich nicht, grüß ich nicht" 'Ich denke ich denke manchmal auch zu langsam. Wenn mir einer begegnet überleg ich auch erst dann sagt er "morgen" und ich dann auch danach. Ich hab manchmal das Gefühl, mein Hirn braucht Vorbereitung bei sowas, ich kann nicht so schnell auf sowas reagieren obwohl ich an einer Ampel zb schnell reagieren kann oder am Pc wo Reaktion gefragt ist,. aber ich kann es anscheinend nicht bei Menschen. Das ist genauso wenn mir jemand was erklärt, kommt es vor das mein Hirn langsam ist und ich erst später auch sage "ok"

    ich kann es auch absolut nicht leiden, wenn ich schnelle spontane Entscheidungen treffen muss oder wenn eine sagt "ich bring dir morgen was vom Bäcker mit" Dann will ich wissen was sie mitbringt und ob ich es eben esse...da sagte ich "ich will es aber wissen" dann meinte sie "lass dich doch überraschen" da meinte die andere" sie mag keine Überraschungen"


    oder als ich mit meinen Eltern und Bruder ausmachte zum Mittagessen Pizza zu bestellen. Aber da sagte mein Bruder, das er erst 14:30 uhr kommt und ich fand das überhaupt nicht gut, weil ich immer zu Mittag esse und nicht am Nachmittag. Ich komme mit so einer Umstellung gar nicht klar. Meine Mutter meinte dann nur "du kannst doch zwischendurch zu Mittag was essen" was ich gut fand, beruhigte mich. Er kam aber eher, schon 13 uhr somit war ich glücklich.


    Ich denke meine Kollegen ahnen mehr als ich selbst. ich kann mich eh schlecht einschätzen, das ich evtl Asperger haben könnte.
    Geändert von sourcream ( 4.09.2015 um 23:32 Uhr)

  8. #18
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 274

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    Kenne das auch. Mit der Medikation hat sich das aber sehr verändert.

    Ich habe auch kürzlich einen Artikel dazu gefunden. Ist im Bezug auf Kinder, trotzdem sehr interessant, dieser Zusammenhang http://adhspedia.de/Downloads/studien/Kognitive_und_emotionale_Empat hie_bei_Kindern_und_Jugendlich en_mit_ADHS_und_Stoerung_des_S ozialverhaltens.pdf

  9. #19
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 34
    Forum-Beiträge: 1.197

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    ich finde es beängstigend gerade weil ich durch die Kollegen irgendwie einen Draht zu diesem Thema gefunden habe. Weil sie mir meine Verhaltensweisen irgendwie reflektieren "lässt sich nicht überraschen" "isst das selbe" "es war wohl zu viel Input?" " lässt du dich nicht gern angreifen?" oder "keine Angst ich greif dich nicht an" "du bist auch gerne alleine oder?" oder "du unternimmst auch lieber alleine was?" Sogar mein Chef hat gemeint als ich von der Klinik kam wegen Depressionen, als ich gar nicht mehr an das Thema dachte "es lag es an ihren Freund oder?" Woher wusste er das? Weil ich ja mit ihm zusammenzog und ich später die Nähe nicht mehr aushielt

    Ich hatte schon von Asperger etc gehört aber mir immer Menschen vorgestellt, die sehr intelligent sind, die schaukeln, die immer eine monotone Sprechweise haben, Spezialinteressen, nichts mitbekommen wenn man sie anspricht. Manchmal denke ich immer noch so, das es evtl gar nicht sein kann das ich vielleicht auch einige Anzeichen habe. Weil ich immer an die behinderten Menschen denke mit Autismus.

    Wenn ich Videos angucke, sehe ich ein Kind was sich in der Welt nicht wohlfühlt Außer in der Wohnung, war ich etwas anders. Im Zeugnis stand ja in der zweiten Klasse "hat keinen Kontakt zu den Mitschülern" "es fehlt ihr an Konzentration" was anderes stand nie drin auch später nicht "ist nicht selbstbewusst" "ist viel zu ruhig" "müsste im Unterricht aktiver sein" ich versuche Puzzleteile zu sortieren um herauszufinden was dahinter steckt. Ich denke das es nicht auffällt wenn man 20 ist oder über 20, wenn man aber wie ich jetzt die 30 schon erreicht hat und immer noch so ist, sich nix ändert das man nicht offener wird oder nicht mehr Kontakt hat, keine Familie hat, immer noch kein Bedürfnis nach Sex hat mit jemanden. ist doch was faul. Im Vergleich zu einer anderen die jünger ist, die jetzt erwachsen wird, entwickelt sie sich weiter (mit Familie, und mehr Selbstbewusstsein etc ) und ich bleibe stehen hab ich das Gefühl. Stehen in meiner eigenen Welt.
    Geändert von sourcream ( 5.09.2015 um 14:47 Uhr)

  10. #20
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 828

    AW: Mangel in der kognitiven Empathie?

    Ich habe den Unterschied zwischen affektiver und kognitiver Empathie nun deutlich erleben dürfen. Situation 1: Ich stehe am Bahnhof, eine junge Frau (also eine jüngere als ich) steigt aus dem Zug, wird von ihren Eltern oder so begrüßt und fängt plötzlich an zu weinen. Und ich, obwohl ich nicht weiß, was sie zum weinen brachte, fange fast selbst an zu weinen, ganz reflexartig.
    Situation 2: Ich treffe einen Bekannten, wir gehen einen Kaffee trinken, er erzählt mir, dass sein Cousin gestorben ist und wie er gestorben ist und ich sage zwar "das tut mir leid", aber ich denke mir nur "aha". Gefühlt habe ich dabei aber gar nichts, kein Mitleid oder Mitgefühl. Ich weiß nicht, ob das nicht vielleicht ganz normal ist und dass alle immer nur Mitgefühl heucheln, aber in Wahrheit gar nicht mitfühlen und dass das Beileid nur eine gesellschaftliche Floskel ohne emotionalen Gehalt ist...?

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