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Diskutiere im Thema Ein Versuch, Asperger zu erklären im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
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Für alle Themen rund um ADS / ADHS und das Asperger-Syndrom oder Autismus bei Erwachsenen
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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 47

    Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Hallo!

    Bei mir besteht der Verdacht auf Asperger Autismus. Zwar habe ich noch keine Diagnose, doch ich lese derzeit in einem Buch von Toni Attwood und finde mich da komplett drin wieder.
    Er erklärt es auch ganz schön, finde ich.

    Nun habe ich mir überlegt, wie ich das zusammen fassen und auf mich beziehen kann um - nach der Diagnose - bestimmten Leuten zu erklären, was das ist, bzw. was mein Problem ist. Habe erst angefangen, aber wüsste gerne mal, was ihr so davon haltet. Wäre lieb, wenn ihr dann kurz schreiben könntet, ob ihr selbst betroffen seid oder nicht.

    Erklärung meiner autistischen Züge

    Ich habe vermutlich das Asperger Syndrom. Dies ist eine leichte Form von Autismus. Asperger Autisten sieht man das nicht direkt an, doch sie mögen irgendwie komisch, irgendwie anders erscheinen.

    Die meisten Kinder lernen intuitiv, wie man sich in sozialen Situationen zu verhalten hat.
    Autistische Kinder haben diese Intuition nicht. Sie müssen in jeder einzelnen Situation beobachten und abspeichern, wie sich andere Menschen verhalten und versuchen das situationsgerecht nachzuahmen.

    Normale Menschen spüren, wie es anderen geht, wie die Stimmung in einem Raum ist und passen ihr Verhalten unbewusst an, ohne darüber nachdenken zu müssen.
    Autistische Menschen können dies nicht spüren. Sie müssen stets ihr gegenüber beobachten, sein Verhalten interpretieren und dann entscheiden, wie sie darauf reagieren sollen.
    Daraus ergeben sich zwei Probleme:
    1. häufige Fehlinterpretationen
    2. das ist sehr anstrengend.

    Daraus ergibt sich auch die Tatsache, dass viele Asperger Autisten ganz gut mit einem Gesprächspartner klar kommen und ganz normal erscheinen. Wenn sie aber in einer Gruppe sind, überfordert sie das schnell. Es ist nahezu unmöglich, mehrere Personen gleichzeitig so genau zu beobachten.

    Ich habe mit den Jahren ganz gut gelernt, in sozialen Situationen zurecht zu kommen. Vermutlich merkt man mir nicht an, wie schwer mir das manchmal fällt und wie anstrengend der Umgang mit anderen Menschen ist.

    Die Kommunikation läuft nur zum Teil über die verbale Sprache ab. Mimik, Gestik, die Stimmlage, all dies gehört mit dazu. Diese nonverbale Sprache scheint den meisten Menschen in die Wiege gelegt. Doch für mich ist das wie eine Fremdsprache. Ich muss alles mühsam lernen zu verstehen und anzuwenden. Dabei kenne ich noch nicht alle Vokabeln und spreche mit einem Akzent. Oder ich versuche möglichst oft die mir vertrautesten Vokabeln anzuwenden - zum Beispiel jemanden anlächeln, das ist selten verkehrt.

    Wir Asperger Autisten brauchen naturgemäß viel Zeit in der wir alleine sind, um uns zu erholen. Dies sollte dann bitte nicht als unhöflich verstanden werden oder als Zeichen dass wir jemanden nicht mögen. Sondern es ist für uns überlebensnotwendig.

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 42
    Forum-Beiträge: 32

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Hallo MiraW ich bin diagnostizierte Aspergerautistin. Habe die Diagnose erst seit August.

    Also kleines Feedback zu deinem Text. Das ist für mich alles ziemlich oberflächliches, zusammenkopiertes Zeugs und gibt nur einen kleinen Teil von Aspergerautisten wieder. Wir sind auch nur Menschen und genau so unterschiedlich wie NTs. Es käme aber niemand auf die Idee neurotypische Menschen in ein paar wenigen Worten beschreiben zu wollen.

    Normale Menschen spüren, wie es anderen geht, wie die Stimmung in einem Raum ist und passen ihr Verhalten unbewusst an, ohne darüber nachdenken zu müssen.
    Autistische Menschen können dies nicht spüren.
    Das ist beispielsweise eine Aussage die nicht zwingend für weibliche Autisten gilt. Warum? Viele weibliche Autisten - ich auch - haben ein ausgezeichnetes Feingespür für Schwingungen in einem Raum.

    Die Kommunikation läuft nur zum Teil über die verbale Sprache ab. Mimik, Gestik, die Stimmlage, all dies gehört mit dazu. Diese nonverbale Sprache scheint den meisten Menschen in die Wiege gelegt. Doch für mich ist das wie eine Fremdsprache. Ich muss alles mühsam lernen zu verstehen und anzuwenden.
    Auch das hier ist stark verallgemeinert. Die Mimik und das Zwischen-den-Zeilen lesen kann ich tatsächlich nicht. Gleichzeitig reagiere ich aber hochempfindlich auf die Stimmlage und Körperhaltung meines Gegenübers. Ich merke oft schon Unstimmigkeiten, bevor ein neurotypischer Mensch dazu überhaupt in der Lage ist.

    Wenn du schon eine Zusammenfassung über Autisten machen willst, dann bitte beschreibe auch die Wahrnehmungsstörungen, die Reizüberflutung bis hin zu einem Meltown / Shutdown, die Spezialinteressen (nicht Inselbegabungen), das logisch-strukturierte detailgetreue Denken und Handeln, den Gerechtigkeitssinn, das Interesse an wissenschaftlichen Themen und Fakten ... nur um noch ein paar Punkte hinzuzufügen.

    Toni Attwood ist sicher ein sehr guter Schriftsteller. Er hat den Fokus jedoch primär auf männliche Autisten ausgerichtet. Ich empfehle dir das Buch Aspergirls von Rudy Simone. Dort geht es ausschliesslich um weibliche Autisten, denn die Symptome sind in einigen Bereichen geschlechtsspezifisch. Es wird dir helfen, dich besser zu verstehen.

    So, wie erkläre ich es meiner Familie? Ganz einfach: erkläre was DU fühlst, wie DU wahrnimmst und das Ganze in DEINEN Worten. Fremde Texte wiedergeben wirkt nicht glaubwürdig. Jeder Autist ist einzigartig in seinem Sein.

  3. #3
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Es gibt eine Website einer Betroffenen. Sie beschreibt sehr genau, wie sie ihre Symptome empfindet und was situativ bei ihr ausgelöst wird: Diana's Aspergerseite - Über mich ...

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Laciriel schreibt:
    Das ist beispielsweise eine Aussage die nicht zwingend für weibliche Autisten gilt. Warum? Viele weibliche Autisten - ich auch - haben ein ausgezeichnetes Feingespür für Schwingungen in einem Raum.
    [...]
    Die Mimik und das Zwischen-den-Zeilen lesen kann ich tatsächlich nicht. Gleichzeitig reagiere ich aber hochempfindlich auf die Stimmlage und Körperhaltung meines Gegenübers. Ich merke oft schon Unstimmigkeiten, bevor ein neurotypischer Mensch dazu überhaupt in der Lage ist.

    Wenn du schon eine Zusammenfassung über Autisten machen willst, dann bitte beschreibe auch die Wahrnehmungsstörungen, die Reizüberflutung bis hin zu einem Meltown / Shutdown, die Spezialinteressen (nicht Inselbegabungen), das logisch-strukturierte detailgetreue Denken und Handeln, den Gerechtigkeitssinn, das Interesse an wissenschaftlichen Themen und Fakten ... nur um noch ein paar Punkte hinzuzufügen.
    *sign*

    Ich habe ebenfalls ein ausgeprägtes Gespür für die "Schwingungen" im Raum und fühle mich dadurch sehr schnell überfordert.
    Auf Stimmlage reagiere ich auch sehr sensibel.
    Blickkontakt und gleichzeitig kommunizieren führt in kürzester Zeit zu einem Informations-Overload. So erkläre ich es auch meinem Gegenüber, möchte er mit mir ein konstruktives Gespräch führen, muss er damit klarkommen, dass ich nicht (oder nur sporadisch) ins Gesicht schaue, sondern etwas "neutrales" mit meinem Blick fixiere.

    Viel wichtiger finde ich tatsächlich auch die Wahrnehmungsstörung.
    Dazu neben dem schon aufgezählten, würde ich noch hinzufügen: die Stereotypien und Routinen. Stimming insbesondere.
    Das, vor allem zusammen mit den Meltdowns und teilweise auch den Shutdowns, ist wohl das nach Außen hin auffälligste.
    Und für mich persönlich auch das am schwierigsten händelbare, also nicht Stimming (das sieht nur merkwürdig aus, aber ist nicht mein Problem), aber vor allem die Meltdowns.

    Und die mangelnde zentrale Kohärenz sowie der Monotropoismus (der wohl mit ersterem zusammenhängt), das sind die Dinge, die es mir vor allem im Studium schwer machen.

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    also ich finde deinen Text gut. Ich bin nicht davon betroffen und habe wenig Ahnung davon und wenn jemand es mir so erklären würde dann fände ich das sehr gut, könnte mir vorstellen, wie es dem jenigen geht ( auch wenn es dass, wie die anderen Betroffenen hier schreiben vielleicht nicht komplex trifft) und vor allem was sich auch schön finde, ich habe eine große Sympathie und ein großes Verständnis für dich empfunden. Du wolltest ja auch wissen, ob man es Nichtbetroffenen so erklären könnte und deswegen denke ich ist dieses Feedback für dich vielleicht wichtig.

  6. #6
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    habitbreaker schreibt:
    Es gibt eine Website einer Betroffenen. Sie beschreibt sehr genau, wie sie ihre Symptome empfindet und was situativ bei ihr ausgelöst wird: Diana's Aspergerseite - Über mich ...
    hab mir die Seite gerade durchgelesen und ich finde nicht, dass sie besser beschreibt, was die Krankheit ausmacht - und die Beispiele von dem anderen in die Augen schauen können.. , in die Seele von anderen- mal ehrlich, dass sind doch auch alles Klichees - wenn ich jemanden in die Augen schaue, dann sehe ich dort seine Augenfarbe und ich denke, dass ist auch so, dass man das sieht und nichts anderes

  7. #7
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.907

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    ReRegenbogen schreibt:
    *.
    Das, vor allem zusammen mit den Meltdowns und teilweise auch den Shutdowns, ist wohl das nach Außen hin auffälligste.
    Und für mich persönlich auch das am schwierigsten händelbare, also nicht Stimming (das sieht nur merkwürdig aus, aber ist nicht mein Problem), aber vor allem die Meltdowns.

    Und die mangelnde zentrale Kohärenz sowie der Monotropoismus (der wohl mit ersterem zusammenhängt), das sind die Dinge, die es mir vor allem im Studium schwer machen.
    Kannst du uns nicht so ein Geweihten mal erklären, was Meltdowns und Shutdowns sind und was ist zentrale Kohärenz und Monotropoismus ?

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 243

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Monotropismus = ein Interesse, Polytropismus = mehrere Interessen

    (ich bin Poly ;-)

    Meltdown + shutdown = überfordert sein und daraufhin zusammenbrechen oder sich in sich zurückziehen; ich gehe auf "autopilot".

    Kohärenz = grob erklärt daß man den Wald auch bei vielen Bäumen noch sieht; Autisten sehen halt mehr die details, und können nicht so leicht beurteilen, was wichtig und was unwichtig ist.

    https://www.youtube.com/watch?v=3WIiL8vBjq0 (meltdowns erklärt)

    Sag mal, Mira,

    hast du jetzt ADS oder bist du Autist? Ich habe mich hier angemeldet, weil ich den Verdacht habe, Ads-ler zu sein. In meiner Familie kommen mir nämlich alle höchst selstasam vor.
    Geändert von Paukipaul (16.12.2014 um 22:30 Uhr) Grund: puuuh

  9. #9
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    Paukipaul hat schon den Großteil erklärt.

    Beim Monotropoismus geht es auch um die Unfähigkeit, mehrere Dinge gleichzeitig zu tun. Das man in einem Thema ist und dann nur in diesem Thema.
    Bei mir in der Uni wirkt es sich z.B. dadurch aus, dass ich große Schwierigkeiten habe, mehr als ein Fach zu hören.
    Dann ist mein Gehirn so in diesem Denkstil drin (jedes Fach hat seine eigene Logik mit der bspw. Sätze bewiesen werden), dass ich keinen Zugang zu der Denkweise anderer Fächer finde.

    Bedeutet nicht unbedingt, dass man nur ein Interesse hat.
    Jedoch werden das Spezialinteresse und die eingeschränkten Interessen auch durch den Monotropoismus erklärt.

    Zentrale Kohärenz und der berühmte Wald und seine Bäume, wie paukipaul schon schrieb.

    Das verlinkte Video erklärt schon ganz gut, was Meltdowns und Shutdowns sind.
    Wobei ich das mit dem "leeren Blick" nicht direkt als Shutdown sehe, das ist für mich erstmal "nur" Dissoziation. Erlebe ich fast täglich.
    Ein "echter" Shutdown bedeutet bei mir: lege mich ins Bett und schlafe mindestens 14-18h, bin den ganzen Tag über weggetreten, kann keinen klaren Gedanken fassen, habe Kommunikationsprobleme etc. Alle meine Körperfunktionen werden heruntergefahren, halt ein "Shutdown". Ist immer eine direkte Folge von Reizüberflutung.
    Von meinen Meltdowns habe ich einige Narben davongetragen. Das ist echt unlustig.

    Was die Sache mit dem Blickkontakt betrifft:
    Finde die Erklärung auf der Homepage gar nicht so schlecht. Punkt 1 und 2 beschreibt es tatsächlich ziemlich genau wie ich es auch wahrnehme.

    Stolpere gerade über einen Satz:
    "Lege ich meine Hand auf das Knie - dann fühle ich entweder die Hand, oder aber das Knie - niemals beide zugleich."
    Dachte, das sei normal?

  10. #10
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Ein Versuch, Asperger zu erklären

    ReRegenbogen schreibt:
    Was die Sache mit dem Blickkontakt betrifft:
    Finde die Erklärung auf der Homepage gar nicht so schlecht. Punkt 1 und 2 beschreibt es tatsächlich ziemlich genau wie ich es auch wahrnehme.
    Mir gefallen ihre Beschreibungen vor allem, weil sie ja klar sagt, dass sie ihre eigenen Empindungen beschreibt - ihre Erklärungen erheben nach meinem Verständnis keinen Anspruch darauf, allgemeingültige Aussagen zu treffen.

    Verblüffend finde ich, dass ich einige Ähnlichkeiten innerhalb meiner ADHS-Symptomatik wiederfinde ... hatte schon immer mal vor, meine Symptome angelehnt an ihre Beschreibungen aufzdröseln - das könnte ja jetzt mal ein Anstubs sein

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