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Diskutiere im Thema hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as) im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
Für alle Themen rund um ADS / ADHS und das Asperger-Syndrom oder Autismus bei Erwachsenen
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  1. #11
    like a Hobo...

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 639

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Mein kleiner Asbi hier zuhause ist nicht so extrem

  2. #12
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 172

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    @stefanus (hoffe, das Folgende hilft dir bei der "Selbstfindung", mir hat es zumindest geholfen ):

    Also ich habe es so verstanden, dass frühkindlicher Autismus und Asperger letztlich im Kern auf einem Defizit in der Fähigkeit beruhen,
    andere Menschen als besonders wichtige und hervorgehobene Objekte innerhalb der Welt wahrzunehmen.

    Das kommt ja auch bei Peter ******* im Video beim Autofahren sehr treffend zum Ausdruck (ab 2:15 Minute):

    "Ich nehme halt jetzt diese Strasse wahr und die Gegend, die um mich herum ist. Ich würde aber z.B. nie wahrnehmen, welche Menschen jetzt hier rechts und links von der Strasse sind; das sind für mich alles Objekte - d.h. wenn da jetzt Menschen rumlaufen, dann sind das sozusagen in erster Linie sich bewegende Pfosten, weil sie halt bekleidet sind, wie ein Baum, nur dass er sich bewegt. Das -habe ich gelernt- soll wohl bei anderen Menschen nicht so sein, die sehen das anders."

    Diese Aussagen von ihm finde ich interessant, weil es mich grade ganz stark an das erinnert hat, was Dr. Barkley mal als Vergleich beim Thema ADHS/ Autismus gesagt hat (siehe hier im Video) - nämlich dass die Idee, ADHS nur als Aufmerksamkeitsstörung zu aufzufassen (anstatt als universale Störung der Selbstkontrolle bzw. der exekutiven Funktionen) in etwa so wäre, als würde man Autismus nur als Händeklatschen und lustiges Sprechen verstehen (anstatt als Störung der Fähigkeit, Menschen als spezielle Objekte wahrzunehmen).

    Wörtliches Zitat: " To refer to ADHD as inattention is to refer to autism as handflapping and speaking funny - they are the most obvious symptoms of a failure to develop the ability to relate to others as special objects, as humans. And that is what autism really is underneath, the rest of it is just the most superficial set of symptoms."

    --> d.h. er plädiert also dafür, den Kern beider Störungen herauszuschälen anstatt sich nur von den oberflächlichen Symptomen ablenken zu lassen.
    Ich würde ihm vor allem zustimmen, dass eine möglichst ehrliche und präzise Beschreibung von beidem wichtig ist, um endlich die Unterscheidung/Komorbidität Asperger - ADHS klarer hinzubekommen, die ja oft seehr schwierig erscheint...

    Daher an alle (diagnostizierten) Aspies: Würdet ihr dem zustimmen, könnt ihr euch da wiederfinden?
    Geändert von Addler86 ( 7.09.2014 um 22:41 Uhr)

  3. #13
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 243

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    seh ich garnicht so

    wenn die straße voller betonpfosten ist, bin ich froh

    wenn da menschen sind krieg ich angst

    aber ich bin auch vielleicht gar kein Aspie, m Moment bin ich lediglich Autist.

    Auf der anderen Seite sind Autisten Menschen wie du und ich. Und die haben alle Ihre eigene Sichtweise auf Dinge.

  4. #14
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 37
    Forum-Beiträge: 84

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Stefanus schreibt:
    also wenn ich solche Videos wie das hier bei Youtube anschaue, dann finde ich Asperger doch ziemlich eindeutig, kann aber natürlich auch wieder daran liegen, dass das heftige Extremfälle sind. Könntet ihr euch mit solchen Aspergern identifizieren (jetzt an die Asperger gerichtet)
    Das ist ziehmlich einfach gesprochen, (vor allem was das "eindeutige" angeht) zumindest in meinen Augen. Dies mag mit Sicherheit auf die von dir aufgeführte Reportage zutreffen. Aber das liegt meiner Ansicht nach, dass es sich um einen Beitrag für den "normalen" durchschnittsmenschen Menschen handelt, für den auch Sendungen wie Big Brother etc. herausgebracht werden da muss natürlich ein Extrembeispiel her. Beim Autismus hadelt es sich zum einen um ein sehr um ein (sehr breites) Spektrum und es ist trotz aller gemeinsamen Auffälligkeiten dennoch sehr individuell. Nicht jeder Aspie klopft 3x3 mal an die Tür und sagt 3x "Penny".

    Ich bin mit einer Aspie länger eng befreundet (noch ehe sie ihre Diagnose hatte und mittlerweile kenne auch ein, zwei andere) und kann sagen, dass viele Aspies (genau wie wir ) im Laufe ihres Lebens lernen viele auffällige Merkmale zu kaschieren und entwickeln eigene Mechanismen um besser zurecht zu kommen. Andere Leute haben mir gesagt, sie wäre komisch, fand ich aber gar nicht - anders ja, komisch/seltsam auf keinen Fall.

    Aspie Frauen zum Beispiel sind darin viel besser, als Männer und werden sehr häufig übersehen. Was ebenfalls nicht zu Vergessen ist, dass sie sich zwar genau wie wir nicht ändern können, aber dennoch durchaus in der Lage sind sich an neue Dinge, oder Veränderungen zu gewöhnen - nur eben langsamer. Andere Dinge wie zum Beispiel Lichtreize, Geräusche, Menshenmassen, Körperkontakt mit Fremden etc. sind und bleiben unangenehm.

    Aspies haben eine eigene Art zu denken und Dinge zu sehen, viele Menschen Empfinden das als anstrengend und sagen z.B. das sie Kalt sind, aber in Wirklichkeit sprechen sie einfach Dinge direkter an. Klar gibt es auch richtig extreme unterschiede z.B. in Punkto Emotionen von anderen Nachvollziehen, etc. etc.

    Ich persönlch empfinde die Aspie-Denkweise als angenehm und komme damit besser klar als mit der Denke von "normalen" weil es für mich zumindest nachvollziehbar ist. Was das Sozialverhalten angeht ist es für mich, als wäre es eine andere Sprache (die Rational ist und gewissen Mustern folgt), wenn man die Sprache verstehen lernt und fließend spricht - bemerkt man keinen Unterschied und viele Dinge werden selbstverständlich. Wie das bei Sprachen so ist eben. Aspie Humor ist z.B. einfach nur epic.

    Meine Freundschaft mit ihr schätze ich sehr, auch wenn es manchmal für uns beide (aber vor allem für sie) anstrengend ist. Wir kennen gegenseitig unsere Stärken/Schwächen, sind ein super Team und helfen/ergänzen/unterstützen uns gegenseitig. Zusammen kriegen wir alles hin - sie liefert die Formen, ich die Farben - so machen wir das. (ja ich darf das)

    Meine Erfahrung ist: Wenn man aus einem Aspie schlau werden will - einfach Fragen.

    PS: Vielleicht ist es ja für den einen, oder anderen interessant. Es gibt einen tollen Film über Asperger: Im Weltraum gibt es keine Gefühle. Macht glaube ich vieles besser klar als dieser NDR Beitrag und nebenbei ganz unterhaltsam
    Geändert von Phreakazoid (16.09.2014 um 22:30 Uhr)

  5. #15
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Guten Morgen,

    auch wenn das Thema schon ein wenig betagt ist, so kann ich vll. dennoch auch ein wenig beitragen, und auch wenn vieles schon beschrieben wurde, vll. einiges auch bestätigen oder erweitern.

    Zunächst mal ist man heute, mit dem aktuellen Wissen, dazu übergegangen, nicht mehr zwischen Autismus und Asperger zu trennen, sondern alles zusammen unter die ASS, die Autismus Spektrums Störung zu fassen, denn wie auch bei ADHS, haben wir es bei Autismus mit einem Spektrum zu tun, und wie bereits geschrieben, mit einem sehr breiten.

    Und das erklärt auch, warum einige so sehr auffällig sind, andere eher unscheinbar, es ist eben ein Spektrum und wie so oft, findet man im Fernsehen nicht unbedingt die leichteren Fälle, sondern jene, die polarisieren.
    Allerdings zum Glück nicht immer, da gibt es auch durchaus sehr gute Beiträge.

    Vor einiger Zeit habe ich mal eine Wissenschaftssendung der BBC gesehen, in der es allgemein um das Gehirn und das "Genie" und die Definition dazu ging, aber unter anderem wurde dort auch bezug auf Autismus genommen.
    Man zeigte dort AUfnahmen aus FMRT's (funktionalen Kernspintomografien, die dem Gehirn direkt bei der Arbeit zuschauen können, zumindest innerhalb enger Grenzen).
    Ohne das weiter vertiefen zu wollen:
    So konnte man im Gehirn zwei Bereiche für die Wahnehmung von Objekten ausfindig machen.
    Eines von den beiden war aktiv, wenn die Probanten Gegenstände betrachteten, aber ein ganz anderes dagegen leuchtete auf, wenn es sich bei den Objekten um Menschen handelte.
    Man konnte daran sehr gut erkennen, dass (neurotypische) Menschen eine klare Trennung haben, ob sie Menschen oder Gegenstände wahrnehmen.

    Bei von Autismus betroffenen Probanten war dies komplett anders.
    Der Bereich für die Wahrnehmung von Menschen ist bei ihnen unterentwickelt oder gar nicht vorhanden, je nach Ausprägung (nicht vergessen:Spektrum).

    So wie bereits beschrieben wurde, nehmen Menschen im Autismus Spektrum andere Menschen also nicht so wahr wie dies bei neurotypischen Menschen der Fall ist.

    Und das sind Dinge, die nicht erlernbar sind, denn diese Funktion lässt sich nicht einfach herstellen.
    Also werden ASS-Betroffene immer auch eine andere Wahrnehmung haben.

    Aber sie können dennoch einiges lernen, natürlich.
    Ich habe z.B. eine ganze Sammlung von Büchern über Ausdrucksanalytik (also Körpersprache, Gestik/ Mimik) im Bücherschrank, dazu Fachliteratur über Menschenkenntnis und Charakterkunde und all sowas.
    Dazu habe ich Ausbildungen zum Pesonaltrainer usw.
    Damit kann ich etliches recht gut kompensieren, so wie das bei vielen autistischen Betroffenen der Fall ist.

    Allerdings hat diese Art der Kompensation auch einen Haken, denn sie ist, ... ich nenne es "Datenbankbasiert".

    Neurotypische Menschen können Gestiken und Mimiken erkennen und deuten und können daraus ihre Schlüsse ziehen und zwar auch dann, wenn sie in einer Situation, einem Kontext sind, der zum ersten Mal auftaucht und auch dann, wenn ihre kognitiven Ressourcen gerade anderweitig beschäftigt sind.
    Genau das kann ich nicht.

    Wenn eine Mimik in einer mir unbekannten Situation auftaucht, kann ich das nicht adaptieren und bin nicht in der Lage, aus dem bereits bekannten die nötigen Rückschlüsse für das Neue zu schließen.

    Es ist wie eine große Exceltabelle, in der alle Gestiken und Mimiken, zusammen mit Kontextinformationen abgespeichert sind und dort muss ich nachschauen, um zu wissen, was sie bedeuten.
    Das ist aber dennoch immer ein kognitiver Prozess.
    Auch wenn ich ihn zu großen Teilen ebenfalls automatisiert habe, so wie bei dem Beispiel mit dem Autofahren.
    Irgendwann merkt man nicht mehr, dass man auf seine "Datenbank" zugreift und es läuft automatisiert ab, zumindest weitgehend.
    Dennoch ist es ein wenig anders, es ist "nicht so ganz" automatisch, denn ich muss trotzdem bewusst auf die Personen achten und die Mimiken und Gestiken bewusster beachten.

    Das ist ok und funktioniert weitgehend gut, bis eben Situationen eintreten, die ich nicht in der "Datenbank" habe oder aber meine Aufmerksamkeit so weit beansprucht wird, dass ich keine Chance mehr habe, bewuss auf die Gesichter zu achten.
    Gespräche mit mehreren Menschen z.B. sind solche Situationen oder ein höherer Stresslevel (der sich in der Umgebung von mehreren Menschen ganz automatisch einstellt).
    Während nichtautistische Menschen da noch weiter funktionieren, weil sie dafür ja eine eigene Gehirnregion haben, geht bei mir ab diesen Stellen die Fähigkeit mehr und mehr verloren.

    Im "normalen" Alltag kann ein Betroffener also durchaus, innerhalb seiner Fähigkeiten, eine Menge kompensieren, aber ab bestimmten Punkten geht das nicht mehr und bis dahin nimmt das, auch wenn es weitgehend automatisiert ist, kognitive Ressourcen in Anspruch, die dafür freigehalten werden müssen.


    Zu dem Punkt, warum sich viele ADS-Betroffene auch in der Beschreibung von ASS wiederfinden und auch sogar die im Netz zu findenden Screening-Tests positiv auf ASS ausfallen:
    Das liegt daran, dass die Beschreibungen und die Screenings lediglich nach Symptomen suchen und die sind in beiden Fällen sehr ähnlich.
    Die Ursachen für diese Symptome dagegen sind mitunter grundverschieden.

    So kann es bei einem ADS-Betroffenen vorkommen, dass er ebenfalls Schwierigkeiten damit hat, sitationsbedingt korrekt zu reagieren, weil er die von einer anderen person ausgesendeten Signale (Gestik/ Mimik) nicht oder nicht richtig erkannt hat.
    Aber das mag auch einfach "nur" daran liegen, dass er aufgrund seiner Aufmerksamkeitsinkonsistenz nichts mitbekommen hat.
    Vielleicht war er gedankenversunken, kurz abgelenkt, die Biene oder der Vogel oder was auch immer, da gibt es ja Millionen Sachen, die einen immer wieder ablenken.
    Dennoch hätte er die Signale erkennen können.
    Der ASS-Betroffene dagegen kann noch so angestrengt hinschauen, was er sieht ist ein Buch in einer Fremdpsrache, die er nicht spricht, geschrieben in Zeichen, die er ncht kennt.
    Als würde man in einem Buch in russischer Sprache lesen wollen das zudem in chinesischen Buchstaben geschrieben wurde ...

    Und so kommen viele, sehr ähnliche, Symptome zusammen, die diese beiden Störungen vermeintlich gemeinsam haben, während aber die dahinterliegenden Ursachen ganz andere sind und auch ganz anders gehändelt werden sollten.


    Ich könnt noch viel mehr dazu schreiben, einfach weil ich es auch hochinteressant finde, aber das ist ja schon wieder ein Monsterposting, also halte ich hier mal an und gratulieren jedem, der es bis hierher überhaupt geschafft hat .

    Liebe Grüße
    Fliegerlein

  6. #16
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Schön von dir zulesen, Fliegerlein ;-)
    Ich bringe mich hier auch mal ein, da ich das Thema nach wie vor sehr spannend finde und mich in den letzten Monaten viel damit auseinandergesetzt habe.

    Fliegerlein schreibt:
    Eines von den beiden war aktiv, wenn die Probanten Gegenstände betrachteten, aber ein ganz anderes dagegen leuchtete auf, wenn es sich bei den Objekten um Menschen handelte.
    Man konnte daran sehr gut erkennen, dass (neurotypische) Menschen eine klare Trennung haben, ob sie Menschen oder Gegenstände wahrnehmen.

    Bei von Autismus betroffenen Probanten war dies komplett anders.
    Der Bereich für die Wahrnehmung von Menschen ist bei ihnen unterentwickelt oder gar nicht vorhanden, je nach Ausprägung (nicht vergessen:Spektrum).
    Das finde ich sehr interessant und habe es auch schon öfter gehört, jedoch muss ich da auch an paukipauls Beispiel denken. Oder wenn sich ein Mensch neben mir befindet, während ich gerade eine Klausur schreibe, telefoniere oder Autofahre, fühle ich mich deutlich gestörter als von einem Gegenstand. Die Wahrnehmung von Menschen scheint eine andere zu sein (i.e. Menschen wirken eher störend) als bei NTs, aber nicht so, dass Menschen genauso wie Gegenstände wahrgenommen werden. Diese Schlussfolgerung ist meines erachtens nicht zulässig, da uns dafür das Wissen fehlt, fMRTs wirklich richtig auszuwerten. Aus solchen Bildern wurden schon einige Fehlschlüsse gezogen, das Gehirn ist offensichtlich deutlich komplexer.

    Fliegerlein schreibt:
    Auch wenn ich ihn zu großen Teilen ebenfalls automatisiert habe, so wie bei dem Beispiel mit dem Autofahren.
    Irgendwann merkt man nicht mehr, dass man auf seine "Datenbank" zugreift und es läuft automatisiert ab, zumindest weitgehend.
    Dennoch ist es ein wenig anders, es ist "nicht so ganz" automatisch, denn ich muss trotzdem bewusst auf die Personen achten und die Mimiken und Gestiken bewusster beachten.

    Das ist ok und funktioniert weitgehend gut, bis eben Situationen eintreten, die ich nicht in der "Datenbank" habe oder aber meine Aufmerksamkeit so weit beansprucht wird, dass ich keine Chance mehr habe, bewuss auf die Gesichter zu achten.
    Gespräche mit mehreren Menschen z.B. sind solche Situationen oder ein höherer Stresslevel (der sich in der Umgebung von mehreren Menschen ganz automatisch einstellt).
    Während nichtautistische Menschen da noch weiter funktionieren, weil sie dafür ja eine eigene Gehirnregion haben, geht bei mir ab diesen Stellen die Fähigkeit mehr und mehr verloren.
    Das beschreibt es recht gut. Wobei man hier auch sagen muss, dass im Spektrum selber auch die Fähigkeit vom lesen nonverbaler Signale sehr unterschiedlich ausgeprägt sind. Ich nehme Mimik etc. recht intuitiv auf, wenn ich Menschen beobachte. Sobald ein zweiter Faktor hinzu kommt (z.B. eine anspruchsvolle Diskussion, in der ich mich sehr auf meine eigenen Gedanken konzentrieren muss) bin ich nur noch schwer dazu in der Lage, mich auf die Mimiken zu konzentrieren. Es führt unweigerlich zu einem Overload, weswegen ich es schlicht vermeide.

    Fliegerlein schreibt:
    Zu dem Punkt, warum sich viele ADS-Betroffene auch in der Beschreibung von ASS wiederfinden und auch sogar die im Netz zu findenden Screening-Tests positiv auf ASS ausfallen:
    Das liegt daran, dass die Beschreibungen und die Screenings lediglich nach Symptomen suchen und die sind in beiden Fällen sehr ähnlich.
    Die Ursachen für diese Symptome dagegen sind mitunter grundverschieden.

    So kann es bei einem ADS-Betroffenen vorkommen, dass er ebenfalls Schwierigkeiten damit hat, sitationsbedingt korrekt zu reagieren, weil er die von einer anderen person ausgesendeten Signale (Gestik/ Mimik) nicht oder nicht richtig erkannt hat.
    Aber das mag auch einfach "nur" daran liegen, dass er aufgrund seiner Aufmerksamkeitsinkonsistenz nichts mitbekommen hat.
    Vielleicht war er gedankenversunken, kurz abgelenkt, die Biene oder der Vogel oder was auch immer, da gibt es ja Millionen Sachen, die einen immer wieder ablenken.
    Dennoch hätte er die Signale erkennen können.
    In dem Moment, in dem ich mich auf Mimik konzentrieren muss um sie zu lesen, erfasse ich sie jedoch nicht intuitiv. In sofern sollte die Aufmerksamkeitsinkonsistenz keine große Problematik in diesem Bereich bedeuten, da auch mit Problemen in der Aufmerksamkeit die unterbewusste Interpretation der Mimik möglich sein sollte. Zumal viele ADHSler wunderbar viele Dinge gleichzeitig machen können, ohne wirklich aufmerksam bei der Sache zu sein.
    Ich glaube nicht, dass die Ursachen von ADHS und AS grundsätzlich verschieden sind.
    Anlass zu dieser Vermutung gibt mir die Intense World Theory von Henry Makram. Sie stimmt ziemlich genau mit meiner Wahrnehmung überein.
    Ein recht guter Artikel über Makram und seine Forschung:
    Autismus: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des menschlichen Gehirns | ZEIT ONLINE
    Viele Probleme sind auch allgemein anerkannt als Folge der Reizüberflutung. Das viele zurückziehen, Routinen, Stereotypien, motorische Manierismen etc. Mittlerweile ist die hyper- bzw. hyposensitivität auch im DSM 5 als Kriterium verankert.
    Auch im ADHS-Bereich ist der Bereich der Wahrnehmung einer, der am häufigsten erwähnt wird.
    Reizüberflutung, Schwierigkeiten seine Aufmerksamkeit auf eine Sache fokussieren kann, weil andere Reize immer wieder auf einen einwirken und nicht ignoriert werden können, Geräuschempfindlichkeit etc.
    Die Probleme in den exekutiven Funktionen lassen sich auch dadurch erklären, dass man die Informationen nicht vernünftig filtern kann (im Sinne von Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen).
    Die Ausprägung scheint aber eine andere zu sein und es gibt wohl noch Unterschiede, die ich noch nicht ganz fassen kann.
    Z.B. dass viele ADHSler sogar eine gewisse Reizstimulierung benötigen und oft neue Dinge anfangen, weil ihnen sonst langweilig wird.
    Ich schwanke zwischen den beiden Extremen.
    Mal überwiegt bei mir der ADHS-Anteil und ich will Neues erleben, Abenteuer, Action. Und dann wieder der autistische Part, der jede Veränderung ablehnt und immer alles gleich macht, sich wochen-/monate-/jahrelang mit denselben Themen beschäftigt und auf spontane Planänderungen mit Panikattacken reagiert. Letzteres überwiegt.
    Ich habe noch keine Erklärung, wie ich es schaffe beides in mir zu vereinen und noch weniger, wie ich damit umgehen soll, wenn ersterer Part überwiegt und mitten im "Abenteuer" dann doch wieder die andere Seite zum Vorschein kommt und entsprechend negativ reagiert. Anstrengend.

    Aber gerade das zeigt mir, wie schwer man beides voneinander trennen kann.
    Es gibt halt für mich noch unerklärliche Unterschiede, s.o., aber auch immer wieder spannend: Multiple Tasking vs. Monotropismus. Eine Bekannte von mir (wirkt, als wäre sie im ADHS-Spektrum) macht immer gefühlt tausend Dinge gleichzeitig. Fernseh gucken, lesen, spülen, kochen.
    Ich mache immer alles einzeln. Lesen und Musik hören geht nur gleichzeitig, wenn der Lesestoff vom Typ "seichte Kost" ist und die Musik nicht von meinen Lieblingsinterpreten.
    Das sind so Unterschiede, die mich immer wieder rätseln lassen.
    Vorstellen kann ich mir aber auch, dass es verschiedene Ursachen intraspezifisch gibt.
    Stelle es mir graphisch so vor, dass auf der x-Ache die Sensiitivität aufgezeichnet ist und auf der y-Achse die Dichte der Normalverteilung, die darstellt, wie die Reizsensitivität (angenommen es gibt eine Möglichkeit diese zu messen) in der Bevölkerung verteilt ist. Rechts der mitte, beim 0.8-Quantil beginnt die Hochsensibilität, bei 0.9-0.95 der ADHS-Bereich und bei 0.99 dann der autistische Bereich.
    Dies ist natürlich eine starke Vereinfachung und ich glaube, dass es nur eine Ausprägungsart von ADHS und Autismus wiedergibt, es aber eben noch andere Ursachen gibt (hier auch auffallend, dass autistische Frauen den Fokus stärker auf den Bereich der Sensitivität legen, während autistische Männer eher die die Hauptroblematik in der nonverbalen Kommunikation sehen - es scheint also noch ein interessanter Unterschied zwischen den Geschlechtern zu geben).

    Okay, ich hör mal auf.

  7. #17
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Schon mal Vorweg:
    Achtung!! Das ist jetzt mal wieder ein echtes Fliegerlein'sches Monsterposting!!
    (Aber auch gespickt mit vielen Zitaten, also vielleicht nich soooooo schlimm)


    ReRegenbogen schreibt:
    Die Wahrnehmung von Menschen scheint eine andere zu sein (i.e. Menschen wirken eher störend) als bei NTs, aber nicht so, dass Menschen genauso wie Gegenstände wahrgenommen werden.
    Nur ist das genau das was Autisten selbst beschreiben..
    Sie selbst gaben Anlass, darüber genauer nachzuforschen und die FMRT-Studien durchzuführen.
    Von eben den Betroffenen selbst stammt die Aussage, dass ihnen Menschen nicht anders erscheinen, als "sprechende Gegenstände".
    Was genau das nun aber bedeutet, dürfte wohl schwer zu erklären sein, denn wie soll ich wissen, wie die Wahrnehmung von Menschen bei anderen Menschen aussieht?
    Klar, man kann das in gewisser Weise erklären, aber gewiss nie ganz ausreichend.
    Das ist ein bisschen wie mit Farbsehfehlern.
    Ich weiß, dass ich Grüntöne anders wahrnehme und kann das auch anhand der Farbtests und Demonstrationen erklärt bekommen, aber ich werde nie in der Lage sein, tatsächlich mit den Augen eines farbnormalsichtigen Menschen sehen können, werde das also nie aus erster Hand wissen können.
    Das ist eine Krux, denn die Betroffenen wissen ja nicht, wie andere Menschen Menschen wahrnehmen, sie können aber sagen, dass es für sie vom "Stellenwert" her keinen Unterschied macht.

    Das nun aber Menschen als störend empfunden werden, wenn man z.B. die erwähnte Klausur schreibt oder Auto fährt, das kann nun wieder eine ganze Menge andere Gründe haben.
    Zunächst haben Menschen eines, das Gegenständen fehlt: Augen .
    Viele Menschen mögen es nicht, wenn sie auch nur das Gefühl haben, beobachtet zu werden.
    Man muss kein Autist sein, um dann unsicher zu werden.
    Wenn einem bei der Arbeit einer über die Schulter geschaut wird, dann reagieren viele verunsichert, Gründe dafür gibt es Menge, geringes Selbstwertgefühl, Angst davor bei Fehlern erwischt zu werden, kontrolliert zu werden, schlechte Erfahrungen damit, in solchen Situationen niedergemacht zu werden, Versagensängste und das alles in unterschiedlichen Zusammenstellungen und Ausprägungen.
    Warum das so ist würde mich auch mal genauer interessieren und ob es dabei Unterschiede zwischen neurotypischen Menschen und jenen im Spektrum gibt.


    ReRegenbogen schreibt:
    Diese Schlussfolgerung ist meines erachtens nicht zulässig, da uns dafür das Wissen fehlt, fMRTs wirklich richtig auszuwerten. Aus solchen Bildern wurden schon einige Fehlschlüsse gezogen, das Gehirn ist offensichtlich deutlich komplexer.
    Das stimmt natürlich.
    Letztlich fangen die Wissenschaftler gerade erst an, das alles kennen zu lernen.
    Vor nicht mal 100 Jahren und weniger, haben sie noch Gehirne aufgeschnitten um dem Menschen im wahrsten Wortsinne "ins Gehirn zu schauen".
    Was haben sie dabei gelernt?
    Das man an einem toten Gehirn nichts über seine Funktion lernen kann.
    Immerhin konnte man bestimmte Regionen erkennen und definieren, welche später die Grundlage für die Zuordnung der Funktionen wurden.
    Wenn man sich die ganzen Begriffe anschaut, wird man feststellen, dass das nichts weiter als Positions- und Formbeschreibungen sind, mehr nicht.
    "Lobus frontalis" ist nur Latein für vorderer Lappen, also Frontallappen.
    "Präfrontaler Cortex" heißt nichts anderes als "vordere Rinde"
    Das sind Orts- und Formbezeichnungen, mehr nicht.
    Das ist wie mit einem Handy .... wenn man es öffnet und in feine Scheiben schneidet, weiß man nichts über dessen Funktion, außer dass es keine mehr haben wird.
    Aber immerhin kann man Baugruppen und deren Beschaffenheit beschreiben .

    Mit den FMRT's kann man nun einen Schritt weitergehen und dem Gehirn in gewisser Weise bei der Arbeit zusehen, wenn auch nur sehr oberflächlich.
    Aber das bringt die Forscher durchaus schon einen großen Schritt weiter.
    Zumindest kann man nun erkennen, welche Gehirnregionen bei welchen Aktivitäten beteiligt sind und welche weniger.
    Und man kann diese Beobachtungen mit anderen vergleichen, bei denen diese Funktionen anders zu sein scheinen oder mit Menschen, bei denen durch äußere Einflüsse, teilweise Beschädigungen aufgetreten sind, seien es z.B. Unfälle oder Schlaganfälle etc.

    Damit weiß man aber natürlich immer noch nicht, was genau dort passiert und wie was verschaltet ist.
    Aber man weiß dennoch schon eine Menge, auch wenn es nur ein Anfang ist.

    Und zumindest ließ sich reproduzierbar beobachten, dass Menschen andere Gehirnregionen aktivieren, als Gegenstände und dass bei Betroffenen im autistischen Spektrum nahezu nur die Region ansprach, welche bei neurotypischen Menschen bei Gegenständen aktiv war.
    Und es deckt sich mit den Beschreibungen der Betrofffenen.

    Aber dennoch hast Du natürlich recht, da bleiben noch viele Fragen offen...

    ReRegenbogen schreibt:
    Das beschreibt es recht gut. Wobei man hier auch sagen muss, dass im Spektrum selber auch die Fähigkeit vom lesen nonverbaler Signale sehr unterschiedlich ausgeprägt sind.
    Auf jeden Fall, ... deshalb ist es ja ein Spektrum.
    Das dürfen wir nie außer Acht lassen!
    Ich schreibe das natürlich nicht mit jedem Satz, aber es ist wichtig, das sowohl in bezug auf ADS, wie auch ASS immer im Hinterkopf zu behalten.
    Natürlich werden Symptombeschreibungen nicht immer nur die ganz leichten Fälle wiedergeben, denn man möchte ja schon gerne auch eine klare Beschreibung haben, um sich ein Bild davon machen zu können.
    In der Praxis haben wir es letztlich mit einem Mischmasch aus Symptomen und deren Ausprägungen zu tun.

    ReRegenbogen schreibt:
    Ich nehme Mimik etc. recht intuitiv auf, wenn ich Menschen beobachte. Sobald ein zweiter Faktor hinzu kommt (z.B. eine anspruchsvolle Diskussion, in der ich mich sehr auf meine eigenen Gedanken konzentrieren muss) bin ich nur noch schwer dazu in der Lage, mich auf die Mimiken zu konzentrieren. Es führt unweigerlich zu einem Overload, weswegen ich es schlicht vermeide.
    Kann ich bestätigen, das geht auch mir so.
    Nun kann man natürlich entgegenhalten, dass wir es dann ja wohl doch nicht so intuitiv machen, denn wenn wir etwas mehr an kognitiven Ressourcen beanspruchen, wird diese Fähigkeit schon recht schnell "abgeschaltet", während andere das noch lange können.

    Wobei das auch für neurotypische Menchen gilt, auch die bekommt man in einen solchen Overload, nur dauert es anscheinend bei denen ungleich länger, bzw. bedarf mehr Load.
    Bei uns scheint die Schwelle zu diesem Punkt weitaus niedriger zu liegen.


    ReRegenbogen schreibt:
    In dem Moment, in dem ich mich auf Mimik konzentrieren muss um sie zu lesen, erfasse ich sie jedoch nicht intuitiv.
    Das würde ich als ein Zeichen werten, dass es bei Dir ansonsten tatsächlich sonst intuitiv abläuft.
    So ähnlich ist es z.B. auch beim Schalten während des Autofahrens.
    Wenn jemand plötzlich bewusst auf den Schaltvorgang achten muss, Gas wegnehmen, kuppeln, schalten, Kupplung kommen lassen, gleichzeitig wieder Gas nachführen, dann fangen viele an zu holpern, denn man macht das ja schon lange nicht mehr bewusst.
    Beim Lernen hat man diese Abläufe automatisiert.
    Oder beim Gehen ... wer plötzlich auf seine Schritte genau achtet und versucht, sie bewusst zu steuern, der stolpert über seine eigenen Füße.

    Wenn ich mich bewusst auf die Mimik konzentriere, ist das nicht anders als sonst, eher besser, was den Rückschluss nahelegt, dass ich es per se' nicht intuitiv mache und auch nur unzureichend automatisiert habe.

    ReRegenbogen schreibt:
    In sofern sollte die Aufmerksamkeitsinkonsistenz keine große Problematik in diesem Bereich bedeuten, da auch mit Problemen in der Aufmerksamkeit die unterbewusste Interpretation der Mimik möglich sein sollte.
    Doch sicher und wie.
    Denn um etwas unterbewusst interpretieren zu können, muss ich es auch mindestens mal wahrgenommen haben, bewusst oder unbewusst, aber die Information muss irgendwie aufgenommen worden sein.
    Und wenn jemand abgelenkt ist, woanders hinschaut, woanders hinhört, gehen anderweitige Informationen verloren.
    Wenn ich von einem Satz nur einige wenige Wörter sehe, kann ich ihn u.U. nicht richtig interpretieren, weil mir vielleicht Schlüsselinformationen fehlen.
    Und intuitiv oder nicht, wenn ich diese Wörter nie gesehen habe, war's das.
    Manchmal reicht ein einziges Wort und schon hat man einen ganz anderen Zusammenhang.

    Und wir dürfen nicht vergessen, dass wir hier bei diesen Dingen von seeeehr subtilen Unterbrechungen in der Wahrnehmung reden.
    Das sind kürzeste Zeiträume, Millisekunden vielleicht, die wir abwesend sind, vielleicht sogar kurzzeitig dissoziiert sind (Stichwort Overload), die aber ausreichend, solch feine Signale, die ein Mensch aussendet nicht wahrzunehmen.
    Und wenn die Sinne voll nach innen oder sonstwo gerichtet sind, dann ist die Wahrnehmung für so etwas ganz schnell beim Teufel.

    ReRegenbogen schreibt:
    Zumal viele ADHSler wunderbar viele Dinge gleichzeitig machen können, ohne wirklich aufmerksam bei der Sache zu sein.
    Ich fürchte, dass ich mich jetzt wieder sehr unbeliebt machen werde, aber DAS ist ein großer Irrtum.
    Das können ADS'ler mitnichten....
    Das ist eine ganz große Fehlinterpretation und wird gerne als vermeintlicher "Vorteil" der ADS dargestellt, was aber ein sehr fataler Irrtum ist.
    Zwar machen sie tausend Dinge gleichzeitig, aber im Endeffekt ist zum Einen KEIN Mensch zu echtem Multitasking fähig, und zum Anderen bedeutet Multitasking ja auch, dass man am Ende die vielen Tasks auch erfolgreich abgeschlossen hat und da findet man bei ADS'lern eher das exakte Gegenteil.
    Tausend Projekt und kaum eines wird wirklich zu Ende gebracht.
    Genau das gehört ja zu den Punkten, die in der Symptomatik aufgelistet und Diagnosekriterien sind.

    Und was wir auch nicht vergessen dürfen ist:
    Bei Dingen wie Gestik und Mimik reden wir nicht davon, dass ein Mensch mehrere Projekte gleichzeitig macht, wie ein Buch lesen, ein Modell bauen, den Rasen mähen und und und, sondern hier reden wir von Prozessen, die in Millisekunden ablaufen und die wir nicht mal wirklich bemerken und da reißt unsere Aufmerksamkeit immer wieder ab, während Nichtbetroffene deutlich besser konsistent ihre Aufmerksamkeit dem Gegenüber widmen können.
    Aber viele Dinge gleichzeitig, sorry, das, fürchte ich, ist nicht korrekt.
    Kein Mensch kann zwei Gedanken gleichzeitig denken.

    Es gibt in einigen Bereichen aber so etwas wie "Autopiloten"
    Die erlauben es, dass Dinge sozusagen im Hintergrund ablaufen.
    Und diese Autopiloten sind bei uns hier und da gestört, sowohl bei ASS-, wie auch bei ADS- Betroffenen.


    ReRegenbogen schreibt:
    Ich glaube nicht, dass die Ursachen von ADHS und AS grundsätzlich verschieden sind.
    Man weiß es nicht, zumindest noch nicht.
    Es wurde in der Vergangenheit auch schon immer wieder überlegt, ob ADS nicht eine Art "Milder Autismus" sein könnte.
    Aber die Vermutungen wurden auch immer wieder ad acta gelegt und heute ist man der Ansicht, dass es sich bei beiden um verschiedene Störungen handelt und erstmal wurde das auch von der DSM berücksichtigt, welche in der Version V nun erlaubt, dass beide Störungen gleichzeitig diagnostiziert werden können.
    Bislang galt eine der Diagnosen als Ausschlusskriterium für die jeweils andere.

    ReRegenbogen schreibt:
    Anlass zu dieser Vermutung gibt mir die Intense World Theory von Henry Makram. Sie stimmt ziemlich genau mit meiner Wahrnehmung überein.
    Ein recht guter Artikel über Makram und seine Forschung:
    Autismus: Im Namen des Vaters, des Sohnes und des menschlichen Gehirns | ZEIT ONLINE
    Viele Probleme sind auch allgemein anerkannt als Folge der Reizüberflutung. Das viele zurückziehen, Routinen, Stereotypien, motorische Manierismen etc. Mittlerweile ist die hyper- bzw. hyposensitivität auch im DSM 5 als Kriterium verankert.
    Richtig.
    Ja ... es ist eben auch nach wie vor noch nicht gänzlich auszuschließen und es gibt natürlich (zum Glück) auch immer noch Vertreter der Theorie, dass ADS und ASS zusammengehören.
    Hoffen wir, dass sich darüber mal Klarheit findet.

    ReRegenbogen schreibt:
    Auch im ADHS-Bereich ist der Bereich der Wahrnehmung einer, der am häufigsten erwähnt wird.
    Reizüberflutung, Schwierigkeiten seine Aufmerksamkeit auf eine Sache fokussieren kann, weil andere Reize immer wieder auf einen einwirken und nicht ignoriert werden können, Geräuschempfindlichkeit etc.
    Richtig.
    Aber es gibt auch andere Erkrankungen, die mehrere gleiche Symptome, aber andere Ursachen haben.
    Das muss nicht mal eine psychische Erkrankung sein:
    Ein viraler Infekt, eine echte Grippe, eine Lungenentzündung.
    Die Liste von Erkrankungen, die zunächst mal sehr ähnlich sind, ist endlos lang und Verwechslungen sind häufig, eben aufgrund dieser Ähnlichkeiten.
    Hoffen wir, dass auch darüber mit zunehmendem Wissen, mehr Klarheit entsteht.
    So wirklich sicher bin ich mir auch nicht.


    ReRegenbogen schreibt:
    Die Probleme in den exekutiven Funktionen lassen sich auch dadurch erklären, dass man die Informationen nicht vernünftig filtern kann (im Sinne von Prioritäten setzen, Entscheidungen treffen).
    ZU den EF muss man wissen, dass sie wie eine Pyramide stufenweise aufeinander aufbauen.
    Die lebenswichtigsten und fundamentalsten zuerst, darauf baut dann die nächste auf und so weiter, bis man am Ende besagte Pyramide hat.
    Ganz oben auf der Pyramide findet man z.B. die am wenigstens überlebenswichtigste und komplexeste, die Selbstwahrnehmung, welche sich bis in die dritte Lebendekade hin entwickelt.

    Was passiert nun aber, wenn schon von Anfang an die Entwicklung nicht oder nur langsamer und unvollständiger abläuft?
    Es ist wie mit einer echten Pyramide oder einem Gebäude.
    Das Fundament ist wacklig und unfertig aber es muss schon das nächste Stockwerk drauf ... das kann nur schiefgehen.
    Da die EF aufeinander aufbauen, muss die untere weitgehend fertig sein, damit die nächste kommen kann, denn sie braucht die untere.
    Da gibt es Abhängigkeiten.

    Aber natürlich lassen sich die Probleme in den EF durch Filterschwäche erklären, keine Frage.


    ReRegenbogen schreibt:
    Die Ausprägung scheint aber eine andere zu sein und es gibt wohl noch Unterschiede, die ich noch nicht ganz fassen kann.
    Dito

    ReRegenbogen schreibt:
    Z.B. dass viele ADHSler sogar eine gewisse Reizstimulierung benötigen und oft neue Dinge anfangen, weil ihnen sonst langweilig wird.
    Das lässt sich relativ gut erklären, aber dann würden wir hier zu sehr das Thema verlassen.
    Das wäre ein guter eigener Thread.
    Ich glaube sogar, dass dazu schon mal hier im Forum einiges geschrieben und erklärt wurde, aber ob ich das wiederfinde? ...


    ReRegenbogen schreibt:
    Ich schwanke zwischen den beiden Extremen.
    Mal überwiegt bei mir der ADHS-Anteil und ich will Neues erleben, Abenteuer, Action. Und dann wieder der autistische Part, der jede Veränderung ablehnt und immer alles gleich macht, sich wochen-/monate-/jahrelang mit denselben Themen beschäftigt und auf spontane Planänderungen mit Panikattacken reagiert. Letzteres überwiegt.
    Das kommt mir sehr vertraut vor, denn mir geht es genau so.
    Wobei der autistische Part bei mir überwiegt.

    Dann dürfen wir natürlich nicht vergessen, dass all das eine Welle von Komorbiditäten und Kompensationstrategien hinter sich herzieht.
    Ist die autistische Seite tatsächlich autistisch, oder Dissoziation?
    Oder instinktive Flucht vor Reizüberflutung und Einbau von "Zwangspausen"?
    Das ist eine Komplexität, an der ich auch regelmäßig an meine kognitiven Grenzen stoße.

    ReRegenbogen schreibt:
    Ich habe noch keine Erklärung, wie ich es schaffe beides in mir zu vereinen und noch weniger, wie ich damit umgehen soll, wenn ersterer Part überwiegt und mitten im "Abenteuer" dann doch wieder die andere Seite zum Vorschein kommt und entsprechend negativ reagiert. Anstrengend.
    Ich fange gerade an, in diese Region zu gelangen.
    Vieles geht da wohl über den Weg der Akzeptanz.
    Es ist wie es ist, warum auch immer ist egal.
    Inzwischen kann ich es mehr und mehr akzeptieren und mich darauf einlassen, es zuzulassen und alldem seinen Raum zu geben.
    Aber ja: Es ist mordsanstregend, so oder so.
    Aber mir hilft, wenn ich nicht auch noch versuche so sein zu müssen, wie die anderen.
    Das allein entlastet.


    ReRegenbogen schreibt:
    Aber gerade das zeigt mir, wie schwer man beides voneinander trennen kann.
    Wenn man ADS gemischt mit ASS liest, dann findet man immer wieder die Aussage, dass beide Störungen zusammen zu einem wirren, teilweise extrem widersprüchlichen Gemisch werden.
    Etwas, das ich für mich bestätigen kann und das mir irgendwie sagt, dass es sich um grundverschiedene, wenn auch ähnliche Störungen handeln muss, die sich gegenseitig beharken.

    ReRegenbogen schreibt:
    Es gibt halt für mich noch unerklärliche Unterschiede, s.o., aber auch immer wieder spannend: Multiple Tasking vs. Monotropismus. Eine Bekannte von mir (wirkt, als wäre sie im ADHS-Spektrum) macht immer gefühlt tausend Dinge gleichzeitig. Fernseh gucken, lesen, spülen, kochen.
    Ich mache immer alles einzeln. Lesen und Musik hören geht nur gleichzeitig, wenn der Lesestoff vom Typ "seichte Kost" ist und die Musik nicht von meinen Lieblingsinterpreten.
    Das sind so Unterschiede, die mich immer wieder rätseln lassen.
    Die aber auch wunderbar diese extreme Widersprüchlichkeit wiederspiegeln, die auftritt, wenn beide Störungen gleichzeitig auftreten.
    Aber es kann natürlich auch genausogut sein, dass andere Einflüsse genau das gleiche bewirken.
    Die Liste der Komorbiditäten ist lang, die Erfahrungen und Traumatisierungen in der Vergangenheit sind auch oftmals heftig ... all das kann genauso auch zu solchen krassen Widersprüchen führen denke ich.
    Kompliziert oder?
    Unglaublich interessant aber nicht minder kompliziert.

    ReRegenbogen schreibt:
    Okay, ich hör mal auf.
    Ich dann jetzt auch ... erstmal
    Das war jetzt mal wirklich wieder ein Fliegerlein'sches Monsterposting.
    Sorry dafür.
    Aber daran siehst Du, wie sehr ähnlich es mir geht, Du stehst auch da nicht allein

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein (27.09.2014 um 14:11 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  8. #18
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 176

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Jetzt mal ohne alles gelesen zu haben, ich finde dass beim Autismus auch eine "Konzentrationsstörung" als Folge der Überflutung von Einzeleindrücken vorliegt, ohne dass es grundsätzlich am Interessemangel an Menschen liegt, sondern es liegt an der Reizfilterstörung und am Mangel an zentraler Kohärenz. Alle Menschen sind soziale Wesen, und für Autisten sind soziale Interaktionen schwieriger aufgrund der Reizfilterschwäche, alle Informationen einer sozialen Interaktion zu verarbeiten und dabei noch gleichzeitig die eigenen Emotionen wahrzunehmen. Auch Autisten haben grundsätzlich das Bedürfnis nach sozialer Interaktion, nur dauert es bei ihnen länger, sich darauf einzulassen, weil sie erstmal Struktur erleben müssen; das Gegenüber muß verstandesmäßig berechenbar werden, um es zu verstehen, denn die intuitive Verarbeitung funktioniert nicht bzw. erst nach viiiel längerem Training als bei anderen. Das Gegenüber muß erstmal Stück für Stück erfaßt werden können, und zwar mit dem Verstand (Analyse) oder aufgrund von in der Erinnerung abgespeicherten vertrauten einzelnen Eigenschaften, dann können auch Emotionen entstehen (für den Normalo ist es ja so, dass er zuerst einen Gesamteindruck hat und dann erst evtl. auf Einzelheiten achtet, also umgekehrt). Dazu wird häufig Hilfe benötigt, Erklärungen durch vertraute Personen wie das alles so funzt, sind nötig und hilfreich. Weiterhin darf kein Zwang entstehen und auch keine Stigmatisierung spürbar sein!

    Beim Autismus sind übrigens nicht nur die sozialen Interaktionen beeinträchtigt, sondern auch die exekutiven Funktionen. Ich nehme an, dass die sozialen Schwierigkeiten durch die exekutiven Beeinträchtigungen entstehen, da soziale Interaktionen sehr komplex sind, auch die ToM erfordert eine hohe Fähigkeit im Bereich der zentralen Kohärenz und der Eigenwahrnehmung von Emotionen, denn wenn man nicht weiß, was wichtig und was unwichtig ist und was man in dieser oder jenen Situation fühlen würde, kann man sich auch nicht in die Sichtweise eines anderen einfühlen.

  9. #19
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
    Forum-Beiträge: 3.798

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Hallo Hermine,

    volle Zustimmung, für Dein ganzes Posting und besonders hierfür:

    Hermine1977 schreibt:
    ... ich finde dass beim Autismus auch eine "Konzentrationsstörung" als Folge der Überflutung von Einzeleindrücken vorliegt, ohne dass es grundsätzlich am Interessemangel an Menschen liegt, sondern es liegt an der Reizfilterstörung und am Mangel an zentraler Kohärenz.
    Das ist wirklich so und das ist auch etwas, das ich für mich sehr stark erkenne.
    Diese Reizüberflutung ist sehr schlimm und ich denke, dass die bei ADS wie ASS nahezu gleich sind.

  10. #20
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: hier ein sehr guter Artikel auf englisch über das Asperger Syndrom (as)

    Ich antworte etwas kürzer, da ich ne kaputte Hand habe.
    In den meisten Punkten stimme ich mit dir überein, Fliegerlein.
    Was ich aber noch korrigieren möchte: Mir ist schon klar, dass Multitasking in dem Sinne, dass man mehrere Dinge gleichzeitig mit voller Aufmerksam tut, nicht existiert.
    Weder bei ADHSlern noch bei NTs. Würde auch soweit mitgehen, dass ADHSler es noch weniger können.
    Aber das hält die wenigstens davon, es nicht trotzdem zu versuchen.
    Ich kenne nicht viele ADHSler, kann sie an einer Hand abzählen, aber alle vereint eins: sie tuen am liebsten mehrere Dinge gleichzeitig.
    Zwar alles nicht unbedingt zu vollster Zufriedenheit, es kann ja gar nicht funktionieren, aber doch bin ich fasziniert, wie diese Personen wirklich schaffen,
    einem Gespräch zu folgen und gleichzeitig einen Artikel zu lesen und nachher sowohl das Inhalt des Gespräches als auch den Inhalt des Artikels wiederzugeben.
    Klar wird sich dabei nicht aktiv und konzentriert am Gespräch beteiligt und der Artikelinhalt vermutlich eher überflogen als konzentriert verarbeitet.
    Aber darum ging es mir auch nicht.
    Wenn ein ADHSler dazu in der Lage ist, vollkommen intuitiv nonverbale Signale wie z.B. Mimik und Gestik zu verarbeiten, dann benötigt es nur recht wenig Aufmerksamkeit.
    Da viele ADHSler geradezu dazu neigen, gerne vieles gleichzeitig zu machen (quasi vieles gleich-unaufmerksam *g*), gehe ich davon aus, dass auch Interpretation von Mimik etc. bedacht wird, selbst wenn die Person gerade mit was anderem beschäftigt ist (die Planung des Abendessens oder was weiß ich).
    Da die Aufmerksamkeit recht gering ist, ist die Fehlerquote vermutlich entsprechend höher als bei nicht-ADHSlern, die nicht versuchen, gleichzeitig dem Gespräch zu folgen, nonverbale Signale zu empfangen, ablenkende Geräusche zu ignorieren, das Abendesse zu planen u.s.w., sondern nur die ersten beiden Punkte aktiv und aufmerksam verfolgen.
    Aber trotzdem müssten ADHSler auch bei Ablenkung immer noch besser sein als Autisten, die versuchen, konzentriert dem Gespräch zu folgen und eigene Gedanken zum Thema zu formulieren.

    Hoffe ich drücke mich gerade nicht zu kompliziert aus.

    Anderer Punkt war die Wahrnehmung von Menschen.
    Im Asperger-Autisten-Forum klang es für mich, als würden Menschen durchaus anders wahrgenommen werden als Objekte. Allein schon, weil der Mensch immer auf einen zugehen und etwas von einem fordern könnte.
    Möglicherweise ist das aber auch ein Entwicklungsschritt, der von manchen vollzogen wurde und von anderen nicht.
    Um Menschen von Objekten zu unterscheiden muss ich vor allem den Menschen eigene Gedanken und Gefühle zusprechen. Daran hakt es oft - und erklärt wohl, warum beides gleich wahrgenommen wird.
    Als Kind war es bei mir auch so, dass Menschen nicht unbedingt Wesen mit eigenen Gedanken waren. Außer Nahestehende (Eltern, Geschwister), von denen man irgendwann wusste, dass sie eine eigene Wahrnehmung haben (manchmal werden sie wütend, oder weinen, haben halt offensichtlich Gefühle). Aber die Entdeckung, dass nicht nur meine Eltern und Geschwister, sondern auch andere Menschen Gefühle und eigene Gedanken haben, die kam recht spät. In dem Moment wurde ich gleichzeitig auch "schüchterner", weil mir klar wurde, dass meine Handlungen auch von diesen Menschen bewertet werden können. Sie können mich nett oder gemein, klug oder blöd finden.
    Vermutlich ist das der Entwicklungsschritt, der Menschen zu Menschen macht und von Objekten unterscheidbar. Aber gleichzeitig holt man dieses Defizit vermutlich nie ganz auf, so dass ich mir vorstellen kann, dass die fMRT-Ergebnisse durchaus Sinn ergeben können, kognitive Empathie ist auch heute noch eine Schwäche von mir und hat möglicherweise auch ihren Grund darin, dass Menschen anders wahrgenommen werden. Aber trotzdem ist für mich ein Mensch definitiv was anderes als ein Baumstamm. Oder so. Naja. Vermutlich würde ich mit einem Baumstamm ähnlich diskutieren.

    Beim Autismus sind übrigens nicht nur die sozialen Interaktionen beeinträchtigt, sondern auch die exekutiven Funktionen. Ich nehme an, dass die sozialen Schwierigkeiten durch die exekutiven Beeinträchtigungen entstehen, da soziale Interaktionen sehr komplex sind, auch die ToM erfordert eine hohe Fähigkeit im Bereich der zentralen Kohärenz und der Eigenwahrnehmung von Emotionen, denn wenn man nicht weiß, was wichtig und was unwichtig ist und was man in dieser oder jenen Situation fühlen würde, kann man sich auch nicht in die Sichtweise eines anderen einfühlen.
    Das ist auch das, was ich mit der Reizfilterung meine. Es sind z.B. beim treffen von Entscheidungen so viele Faktoren zu bedenken, eigene Präferenzen etc., dass man schlicht die Übersicht verliert, da man irgendwie nicht in der Lage ist, vernünftig Informationen zu filtern und nach Wichtigkeit zu sortieren. Das betrifft eben auch sämtliche andere Punkte.
    Wenn jemand z.B. traurig ist und man weiß, die Person ist traurig, dann sollte man angemessen reagieren.
    Ich kann es nicht, weil ich nicht weiß, WIE ich reagieren soll. Es gibt so viele mögliche Optionen. Diese zu sortieren, mit dem eigenem Empfinden abzugleichen ("was würde ich in der Situation mögen?") und dann die beste auszuprobieren, dauert so lange, dass die Person in der Zwischenzeit schon wieder gut drauf ist...
    Da ich spontan reagieren sollte, gibt es zwei Dinge, die ich automatisch anwende: 1. Lösungsansätze bieten oder 2. zuhören und hoffen, man muss nichts weiter tun als nicken und "ja, das ist blöd/traurig/unfair" zu sagen. Wobei letzterer Fall wiederum komplizierter ist als es sich anhört, da ja auch der eigene Gesichtsausdruck und die Stimmlage wichtig sind. Puuh.
    Also trösten ist eine wahre Kunst!

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