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Diskutiere im Thema Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
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  1. #1
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 24
    Forum-Beiträge: 764

    Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Hallo Leute!
    Wie einige von euch vielleicht schon wissen mache ich ein freiwilliges soziales Jahr im Assistenzdienst. Das beinhaltet Pflege und Betreuung..
    Unter anderem arbeite ich dort auch mit Autisten, die meisten von ihnen sind schon erwachsen und können nicht sprechen, aber oft ihre Bedürfnisse durch führen an der Hand, zeigen oder Geräusche äußern.
    Ich finde Autisten wirklich faszinierend, aber schade, dass ich sie ab und zu nicht verstehe, obwohl sie sicher verstanden werden wollen.. vor allem in Situationen, wo etwas passiert, was ihnen nicht passt, und sie dann total an die Decke gehen, aggressiv werden, auch gegen andere. Das schließt leider auch körperliche Gewalt nicht aus, oft nichts schlimmes, aber so simple Dinge wie Kratzen, kneifen, mit gegenständen werfen.. Oder einfach zerren oder Schubsen.
    Oft ist es nicht klar, welchen Auslöser das hat. Das ist ja immer etwas anderes. Beruhigen kann ich sie schon, aber das dauert oft, und manchmal haut es auch nicht hin.

    Wer hat schonmal mit Autisten gearbeitet und findet sie genau so faszinierend wie ich und kann mir vielleicht etwas darüber sagen, über seine Erfahrungen etc?
    Ich weiß, jeder Mensch ist anders, egal ob Autist oder nicht, aber einige Sachen haben sie ja doch gemeinsam...=)

    LG, Lihibra

  2. #2
    Eti


    fliegFederflieg

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 848

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Ich habe mit erwachsenen Menschen mit Autismus und einer geistigen Behinderung gearbeitet.
    Mir waren diese Menschen immer sehr Nah.
    ich konnte sie gut verstehen.

    Ich habe die Erfahrung gemacht, dass es wichtig ist ihre "persönliche Musik" ( ich meine damit die Persönlichkeit) zu hören, akzeptieren und zu vertreten wo sie es nicht selber können. Sie brauchen manchmal Hilfe um ihre Wünsche gegen aussen vertreten und umsetzen zu können.meine Erfahrung ist dass sie klare Strukturen und klare Informationen möchten, wenn in ihrer Grundstruktur/ Gewohnheit etwas abweicht. ( Hilfe von Piktogrammen, Tagesabläufe/ Agenda)
    Wenn neue Mitarbeiter gekommen sind, bin ich mit ihnen zusammengesessen und mit den Menschen mit Autismus und wir haben den Neuen gemeinsam erklärt was sie mögen und was nicht. So konnte sich der Mensch mit Behinderung besser auf die neuen einlassen.

    Ich hatte nieAngst bei einer Eskalation. Eine Person wollte sich lieber zurück ziehen und die andere Person wollte sich bewegen um sich abkühlen. Das Aufnehmen ihrer Bedürfnisse um eine solche Situation Händeln zu können, ersparte die Notfallmedikation und die Verletzungsgefahr des auch noch anwesenden in einer Eskalationsphase.
    Für mich war es stets wichtig den Fokus auf den Hintergrund ihrer Not zu setzen und herauszufinden was von A nach E führte. Ich fand immer logische Hypothesen wie es zur Eskalation geführt hat. Oft waren es Gründe wie: Mitarbeiter kennt den Mensch zuwenig und verhält sich unangebracht durch nicht zuhören der Musik des Menschen, rüppelhafte Entscheidungen nicht gut eingeführt und erklärt und somit unverständliches Verhalten für den Menschen mit besonderen Bedürfnissen.
    Mir hilft vielleicht dass ich selber die Tendenz habe mein Leben über Struktur zu lösen und die Isolation von mir selberkenne.

    Geniesst man das Vertrauen eines Menschen mit Autismus erlebte ich es als sehr schön und besonders.
    Geändert von Eti ( 8.02.2014 um 04:18 Uhr)

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 65

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Ich habe einen Autisten auf einem Asperger Treffen kennengelernt, er kam mit seinem Betreuer uns zugucken, wie wir die künstlichen Berge im Teamwork rauf und runter gekrakzelt sind. Ich war mir nicht sicher, ob er das alles wahrnimmt, seinen Betreuer hat er kaum beachtet und dahin geguckt, wo keiner war. Derjenige war schon etwas älter!

    Ehm, Autisten sind nicht geistig behindert. Der IQ kann nur tiefer liegen,als bei Asperger, der von normal bis hoch gilt!

  4. #4
    Eti


    fliegFederflieg

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 848

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Baileys-19 schreibt:
    Ehm, Autisten sind nicht geistig behindert.
    Grundsätzlich nein aber es gibt Menschen mit einer geistigen Behinderung die auch von Autismus betroffen sind.
    Oder Autisten die auch von einer geistigen Behinderung betroffen sind.

  5. #5
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Im Rahmen des so genannten autistischen Spektrums gibt es
    zwei "Hauptgruppen": Kanner-Autismus, auch frühkindlicher
    Autismus, der auf jeden Fall mit einer geistigen Behinderung
    einhergeht und den Asperger-Autismus, der primär die
    sozialen Fähigkeiten einschränkt, aber grundsätzlich nicht
    den allgemeinen Intellekt.

    Zu deiner Frage @Lihibra: nimm die Menschen zuächst als
    individuelle Persönlichkeiten ernst.
    Ich finde Autisten wirklich faszinierend,
    ... das hat für mich ein wenig "Geschmäckle", als handele
    es sich um Tiere im Zoo - was du sicher nicht so meinst!

    Ich will damit sagen: nimm die Menschen nicht durch die
    "Autisten"-Brille wahr, sondern einfach durch die Menschen-Brille ...
    du wirst welche kennenlernen, die du nicht magst, genauso
    wie due andere vielleicht besonderst magst - wie mit allen
    anderen Menschen auch ...

    Versuch "einfach", dich auf den individuellen Menschen
    einzulassen, auf seine jeweilige Art zu kommunizieren -
    Unterhalte dich mit den Kollegen, stelle Fragen, soviele
    du hast! Wenn du dich irgendwann bei der Arbeit unwohl
    fühlst, dann versuche zeitnah, das mit deinen Vorgesetzten
    zu klären. Vor allem, sobald du ein Gefühl der Überforderung
    hast!!

    Du lässt dich da auf einen sehr verantwortungsvollen Job ein -
    auf keinen Fall sollst du irgendwas alleine durchziehen müssen,
    weil du vielleicht meinst, Fragen bedeutet fehlende Kompetenz -
    im Gegenteil! Gerade am Anfang ist Unsicherheit in diesem
    Job ein alltäglicher Begleiter und Rückfragen ist immer gut!

    Ich wünsche dir auf jeden Fall viel Erfolg und tolle Erlebnisse!
    LG, habit

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 227

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Kanner-Autismus, auch frühkindlicher Autismus, der auf jeden Fall mit einer geistigen Behinderung einhergeht
    Das ist so nicht richtig, Kanner-Autisten sind gehäuft aber NICHT immer geistig behindert. Kanner-Autismus bedeutet nur das frühkindliche Auftreten der typischen Autismus-Phänomene (die bei allen autistischen Ausprägungen auftreten)


    • Störungen der zwischenmenschlichen Beziehungen
    • Gestörte Kommunikation und Sprache
    • Begrenzte Interessen sowie stereotype Bewegungen und Verhaltensweisen


    Beim Asperger-Syndrom tritt keine Verzögerung der sprachlichen Entwicklung auf.

    Neben Kanner und Asperper-Autismus gibt es den atypischen Autismus und das Rett-Syndrom.

    Hier gibts mehr dazu

    Autismus - Onmeda.de
    Geändert von xyberlin (19.02.2014 um 11:40 Uhr)

  7. #7
    OMMM-Beauftragte

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 5.742

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Atypischer Autismus und Rett sind zwei verschiedene Typen: Was ist Autismus?
    Zum Kanner-A.: hast Recht, danke für deine Korrektur! Intelligenzm. ist häufig, aber nicht zwingend

    Bezogen auf Lihibras Frage wollte ich zunächst blos durch die
    Unterscheidung in "Hauptgruppen" deutlich machen, dass
    es Menschen im autistischen Spektrum mit und ohne eine
    geistige Behinderung gibt ... ohne das direkt fachlich so
    vertieft aufzudröseln, weil das ja nicht Lihibras Frage war ...
    LG, habit
    Geändert von habitbreaker (19.02.2014 um 08:52 Uhr)

  8. #8
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 36
    Forum-Beiträge: 614

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Ich sitze auch mit einem Autisten im Büro. Am Anfang hab ich meine Unsicherheit dadurch gelöst, zu fragen, ob das für ihn ok ist, oder einfach zu beobachten was er nicht mag.

    Z.B. brauch er seinen geregelten Tagesablauf, immer zur gleichen Zeit Pause, etc., nicht zu viele störende Geräusche (einer der Gründe, warum ich dankbar in dieses Büro umgezogen bin!), man sollte ihm nicht zu nahe kommen und sicher auch nicht anfassen. Arbeitstechnisch ist die Kommunikation kein Problem. Ich frage dann, obs gerade passt und er Zeit hat, eine Frage zu beantworten.

    Meine Erfahrung ist, am besten direkte Kommunikation, keine evtl. Zusatzinformationen, die gerade nicht wichtig sind, das macht ihn nur nervös; akute Sachen, die sofort lösbar sind, kein Problem; nur keine vorausschauenden "Warnungen" wie "es könnte evtl. sein, dass am Tag xy dieses oder jenes passiert/gemacht werden muss".

    Das ist wahrscheinlich sehr individuell. Und ZU vorsichtig sein, ist sicher auch nix. Manchmal erlebe ich das bei Kollegen und denke, das ist jetzt aber übertrieben. Und wenn sie Therapie oder Begleitung haben, lernen sie sicher auch besser mit einigen Situationen umzugehen.

    Manchmal finde ich die Kommunikation auch recht witzig. Er hat manchmal einen trockenen Humor. Außerdem wirkt es manchmal etwas kindlich oder auch komisch, weil eben so direkt kommuniziert wird. Man gibt ihm z.B. eine Info, er sagt "ok" und tippt weiter an seiner Arbeit, dann steht man da wie ein Trottel. Aber im Prinzip war das ja auch ausreichend. Naja, ich finds zumindest amüsant. Da kann man noch effektive Gesprächsführung lernen!

    Und von seiner Struktur kann ich mir noch was abschauen, bei meinem Planungschaos!
    Geändert von Anna_NL (20.02.2014 um 00:04 Uhr)

  9. #9

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 359

    AW: Die Arbeit mit Autisten. Hat jemand ein paar Tipps?

    Du weißt ja noch nicht, wie die Autisten dort sein werden, ich habe welche in der Familie. Hart sind nur die, die nicht sprechen gelernt haben. Mit denen kann man als Außenstehender eben kaum in Kontakt treten während nahe Verwandte mit ihnen dennoch kommunizieren können. Aber solche harten Fälle wirst Du da ja hoffentlich nicht haben. Denn die sind für Außenstehende echt nur schwer zu verstehen und ticken halt auch aus - bei jeder Gelegenheit - da darf man dann auch nicht überreagieren und helfen wollen, sondern man muss sie auch mal in Ruhe ihre Sache in der Art machen lassen, wie sie es eben wollen. Gerade so ein Sozialarbeitersyndrom : "aber ich will sie doch verstehen und helfen" kann einem da im Weg stehen. Ich glaube, das wirst Du merken. Es ist nicht einfach.
    Man braucht deswegen für das Zusammensein und -arbeiten vor allem eins: INNERE RUHE. Deswegen hoffe ich, dass Du selbst kein hyperaktive ADSler bist. Das verträgt sich selten, weil die Weltsicht einfach sehr unterschiedlich ist.
    Selbst für leichtere Fälle braucht man glaube ich auch nur vor allem nicht so sehr Geduld sondern halt diese Ruhe wie ein Fels in der Brandung. Man weiß nie, was in ihnen vorgeht. Und im schlimmsten Fall sehen sie Deine Faszination für sie eben auch nicht - denn sie können und wollen sich eben nicht in andere Menschen hineinversetzen. Das macht das ganze so schwer. Man steht als Fels in der Brandung mit aller Ruhe da und steht doch vor einem opaken Spiegel. Irgendwas sieht man, aber so richtig verstehen kann man es eben nicht. Das wäre jetzt meine Kurzbeschreibung. Die Realität ist wesentlich komplexer und kann kaum in einem Forumsbeitrag abgebildet werden.

    Geändert von slippyamelia (24.02.2014 um 13:17 Uhr)

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