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Diskutiere im Thema Diagnose stigmatisierend? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Asperger, Autismus
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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 21

    Diagnose stigmatisierend?

    Hi

    Hatte eine interessante Unterhaltung mit meiner Ärztin. Habe diagnostiziertes ADHS und habe mich deshalb in Behandlung begeben. Bei der zweiten Sitzung hat mich meine Ärztin gefragt, ob ich Asperger kenne. Zu dem Zeitpunkt hatte ich mich noch kaum mit dem Thema beschäftig und wusste nicht so richtig damit umzugehen. Nun sind ein paar Sitzungen vergangen und werde im Umgang mit Asperger behandelt. In der letzten Sitzung haben wir nochmals ausführlich über das Thema gesprochen und meine Ärztin meinte, dass eine Asperger Diagnose stigmatisierend ist und sie deswegen lieber darauf verzichtet. Außerdem meint sie, dass man mit der Information eher Vorsichtig umgehen sollte, und nur in Notfällen davon sprechen sollte.
    Nach reiflicher Überlegung ist mir nun auch klar geworden, dass es vermutlich wirklich besser ist, wenn nicht unbedingt nötig, keine Diagnose zu haben, denn schon bei der ADHS Diagnose hatte ich Probleme, wie ich damit umgehen soll. Außerdem ist mir auch schon bei Gesprächen mit Freunden, wo nur die Vermutung auf Asperger bestand, aufgefallen, dass Asperger oft als Behinderung gesehen wird und man dadurch noch eher in eine Opferhaltung gedrängt wird.

    Interessante Annahme, die wohl auf Vergleichswerten beruhen muss.

    Wie sehen die diagnostizierten Asperger das?

    Außerdem bin ich noch auf folgenden für mich interessante Information gestoßen http://de.wikipedia.org/wiki/Depersonalisation und erkenne mich darin eigentlich sehr gut wieder. Nur leider schaffe ich es nicht daraus irgendwelche Schlüsse zu ziehen, da aus meiner Sicht die Grenzen extrem verwischt werden.

    lg make
    Geändert von make (26.04.2012 um 17:31 Uhr)

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 28
    Forum-Beiträge: 370

    AW: Diagnose stigmatisierend?

    Ich bin zwar selbst nicht betroffen, kann mir aber echt gut vorstellten, dass deine Ärztin da recht hat.

    Bei Tourette ist es beispielsweise ja auch so: Nur in etwa einer von zehn Erkrankten hat den Zwang, Kraftausdrücke auszusprechen - aber für den Großteil der Bevölkerung wird Tourette immernoch und ausschliesslich damit gleichgesetzt.
    Das liegt an der großflächigen Versorgung mit Halb- und Nichtwissen und daran, dass kaum jemand folgenden Satz verinnerlicht hat: "Wenn ich keine Ahnung hab, einfach mal die Klappe halten"
    Geht mit der ADHS vielen auch so - ich könne ja zB. auch kein ADHS haben, weil ich mehr als zehn Seiten eines Buches am Stück lesen kann (wenns spannend ist).
    Ich denk, der Gedankengang bezüglich Asperger könnte dann so gehen:
    Asperger => Autismus => sitzt den halben Tag stumm in der Ecke, redet mit / antwortet niemandem und löst dabei komplexe Mathematikaufgaben, ohne mit der Wimper zu zucken.
    Da würd ich dann lieber auch drauf verzichten, davon zu erzählen.

    Die meisten plappern halt stur das nach, was sie aus den gmx.de-Nachrichten oder Spielfilmen etc. haben ... egal, ob sie damit Äpfel mit Birnen vergleichen.
    Mich wundert allerdings, dass trotzdem noch niemand auf mich zugekommen ist und gesagt hat "Hey, ich habs völlig falsch gesehen ... du bist ein Halbgott".
    ... I´d really like that.

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AW: Diagnose stigmatisierend?

    Nun, die Diagnose ist ja wohl wichtig um eine passende Behandlung einzuleiten. Es ist ja wohl nicht ganz nach den regeln der Künste einem Patienten zu sagen "ich denk du hast vielleicht eine gebrochene Hand anstelle der verrenkten Schulter, die wir bisher behandelt haben, aber weil du nicht mit Gips rumlaufen solltest behandeln wir mal das Ellenbogengelenk ... " Äh ...

    Eine ganz andere Frage ist ob du mit der Diagnose hausieren gehen willst. Ich tue das nicht, andere machen das ... das hat aber nichts mit der Diagnosenstellung ansich zu tun.

    Also: Wenn der Verdacht auf Asperger da ist dann lass es sauber (!) abklären und dann auch wirksam behandeln; du musst es ja nicht rumerzählen.

  4. #4
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 157

    AW: Diagnose stigmatisierend?

    Genau! Das finde ich sogar teilweise unverantwortlich von der Ärztin! Zu sagen "Sie haben, das und das - aber ich gebe Ihnen die Diagnose nicht, weil es mir einfach nicht gefällt sie Ihnen zu geben!" zeugt sogar eher von einer Inkompetenz im Bereich Autismus.

    Eine Autismusdiagnose muss so früh wie möglich gestellt werden! - Warum das so wichtig ist, kann man erahnen und wiederspiegelt sich auch bei allen Spätdiagnostizierten.

    make schreibt:
    Hi
    In der letzten Sitzung haben wir nochmals ausführlich über das Thema gesprochen und meine Ärztin meinte, dass eine Asperger Diagnose stigmatisierend ist und sie deswegen lieber darauf verzichtet.
    Ach und eine ADHS-Diagnose findet sie nicht stigmatisierend? sry, das musste irgendwie raus...

    Im Gegenteil ist - trotz der großen Verwechselungsgefahr von Asperger-(Autismus) und AD(H)S - Asperger sogar eher die in der desinformierten Öffentlichkeit "erwünschte bzw. beliebtere" Diagnose.

    ADHS = Zappelphillip
    Asperger = Mathe-Genie, Hobbyfanatiker, hochbegabt wie Albert Einstein

    Mit welcher würde man eher hausieren gehen? Am besten sollte man aber natürlich mit gar keinem von beiden (außer in Notfällen) und daher verstehe ich die Besorgnis der Ärztin nicht. Plapperst du etwa alles aus über deine Diagnosen, Defizite, wann du eine Grippe hattest und Eigenarten in der Öffentlichkeit mit jedem du triffst?

    Außerdem meint sie, dass man mit der Information eher Vorsichtig umgehen sollte, und nur in Notfällen davon sprechen sollte.
    Was ja richtig ist aber dennoch keine Begründug dafür eine Diagnose dem Patienten zu verheimlichen und so bestimmte Therapien oder Nachteilsausgleiche verweigert werden.

    Nach reiflicher Überlegung ist mir nun auch klar geworden, dass es vermutlich wirklich besser ist, wenn nicht unbedingt nötig, keine Diagnose zu haben, denn schon bei der ADHS Diagnose hatte ich Probleme, wie ich damit umgehen soll. Außerdem ist mir auch schon bei Gesprächen mit Freunden, wo nur die Vermutung auf Asperger bestand, aufgefallen, dass Asperger oft als Behinderung gesehen wird und man dadurch noch eher in eine Opferhaltung gedrängt wird.
    Gegenfrage: Ist dir schon auch mal in den Sinn gekommen die ADHS Diagnose streichen zu lassen? Dann hätte man doch gar keine Probleme mehr...

    Aus den Augen aus den Sinn! Klappt doch auch bei ADHS - oder etwa nicht?

    Wie sehen die diagnostizierten Asperger das?
    Mir wurde im Bereich Autismus sowohl:

    - Asperger-Syndrom, - Autismus, als auch - autistische Psychopathie (vertreten aber als Autismus-Spektrum-Störung) diagnostiziert. Ich gehöre also ins Spektrum und sehe mich auch nicht als "Asperger" weil ich diese Diagnose als eine Art kläglicher Versuch empfinde, die Autismus-Art "genauer beschreiben zu wollen". Eher erkenne ich mich im Kanner-Syndrom wieder (als HFA), doch die ICD-10 macht sowieso fast keinen Unterschied zwischen Asperger und Kanner. Bei Asperger erwarten die Therapeuten immer weniger "Verrücktheit" als bei Kanner, sowie eine motorische Ungeschicklichkeit, die ich aber nicht habe. Stereotype Bewegungen sind ebenfalls für den literarischen Asperger eher "ungewöhnlich" für andere Menschen, weshalb ich gegen dieses Wort eine gewisse Ablehnung empfinde, wenn intern (Ärzte, Therapeuten, Lehrer, Ämter usw.) bei mir von "Asperger" gesprochen wird. Wenn es "Autismus" oder sogar "Autismus-Spektrum" genannt wird, dann wäre auch alles richtig, aber "Asperger" klingt so als ob alle genau wissen würde um was es sich handelt.

    Soweit für mich das Problem, dass ein Unterschied zwischen Asperger und Autismus in der Medizin gemacht wird. Ich meine, dass Spektrum ist so groß (und fließt sogar in das ADS-Spektrum hinein), das Asperger etwas veraltet klingt... Wird es in Zukunft auch nicht mehr geben. Dann heißt nur noch alles Autismus-Spektrum-Störung bzw. ASS oder/und AD(H)S.

    Nun jedoch zum Problem mit Asperger (ich wiederhole, damit ist nicht das Wort 'Autismus' gemeint!) in der Öffentlichkeit, die man aber ganz einfach umgeht in dem man einfach nichts von der Diagnose erzählt:

    Da gibt es z.B. 4 Typen:

    Leute, die von Asperger nur in den Nachrichten und Filmen gehört haben: Der häufigste Typus! Für diese Leute gilt Asperger - entgegen jedglicher Wahrheit oder was immer das bedeuten mag - als eine "leichtere Form des Autismus". Sie vergleichen Asperger sehr mit Sheldon Cooper, jedoch zurückgezogener und meißtens Mathe-Besessen. Das Asperger alle Primzahlen bis 3000 auswendig können ist für sie Pflicht, da es keinen Asperger in Filmen oder Büchern gibt, die das nicht können! Oftmals vergleichen sie Asperger mit den computerbesessenen Nerd der ohne zu zögern 6 Stunden am Stück ohne Fehler programmieren kann und in Folge dessen eben Probleme mit der sozialen Kommunikation besitzen, die sie jedoch als Schwäche nicht mehr wahrnehmen, da Asperger so viele Stärken besitzen. Asperger sind immer hochbegabt und schlau, zerstreut und schnell abgelenkt um weiter an ihren Interessen zu arbeiten. Autisten sind demnach das Gegenteil.

    Leute, die von Asperger in den Nachrichten, Filmen und auch von Medizinbüchern etwas gehört haben, aber es mit (Kanner-)Autismus vermischen: Der seltenere Typus! Für diese Leute leben (Asperger-)Autisten in einer "anderen Welt" - Was immer das auch genau bedeuten mag... Diese Leute sind deshalb lernbereit, da sie zudem etwas verwirrt sind, nicht den Unterschied zwischen "Autismus und Asperger" verstehen und deshalb auch etwas neugieriger. Viele Ärzte sind in diesem Bereich, wenn auch nicht alle. Für sie sind Asperger ebenfalls immer hochbegabt, müssen jedoch keine Primzahlen auswendig können. Soziale Probleme und Schwächen sind denen bekannt, meißtens sogar die Reizfilterschwäche. Unhöflichkeit und fehlender Blickkontakt können jedoch für sie Pflicht sein. Sie verstehen wenn Asperger eher ihre "kindlichen Hobbys" haben oder große Probleme in der Gesellschaft. Defizite sind teilweise für sie genau so wie die Defizite der klischeehaften Kanner-Autisten. Ebenso sind "zwanghaft erscheinende" Rituale, Tics oder Ablenkbarkeit von Gegenständen ein gewisser Begriff für sie. Sie haben jediglich nur das Informationsdefizit, wie als ob man noch nie persönlich in Verbindung damit kam - jedoch kaum Falschinformationen aus Medien besitzt. Eher denken sie sich "etwas neues aus".

    Leute, die von Asperger in den Nachrichten, Filmen und auch von Medizinbüchern etwas gehört haben, aber es mit (Kanner-)Autismus verwechseln
    : Der seltenere Typus! Für diese Leute gilt Asperger als der klischeehafte Kanner-Autist mit Intelligenzminderung, der den ganzen Tag lang sabbernd in der Ecke sitzt und gegebenfalls mit Gegenständen spielt. Blickkontakt ist unmöglich, leben in einer "eigenen Gefängniswelt" und können rein "gar nichts!"

    Leute, die etwas von Autismus/Asperger gehört haben, aber es mit dem Savant-Syndrom verwechseln: Der häufigere Typus!! Für diese Leute gilt "Autismus = Inselbegabung" aus einer Überinterpratation der 50% der Savants sind Autisten (Stimmt - aber nicht umgekehrt...) sowie wegen dem Film 'Rainman'. Asperger und Autismus ist für sie kein Unterschied und verwenden es zwar synonym, kommen aber ganz vom Thema ab und reden von Inselbegabungen: Asperger müssen also alle Primzahlen bis 50.000.000 auswendig, eine Stadt nach einem Rundflug 1:1 nachzeichnen oder (nach einem wohlmöglich Rainman-fanatischen Prof. den ich traf) auf einen Blick die Anzahl runtergefallener Streichhölzer erkennen können. Mit Glück trifft man Leute, die wenigstens wissen, dass Savants große Einschränkungen im Alltag besitzen.


    Das würde ich jedenfalls so in mehreren Zeilen beschreiben, insgesammt finde ich die Desinformation der Leute aber deutlich geringer als bei AD(H)S. Es gibt kaum eine Person, die nicht irgendwo irgendetwas falsches von ADHS oder ADS gehört hat. Aber es gibt viele Personen, für die der Begriff Autismus oder Asperger immernoch ein Rätsel bleibt - und es auch eigentlich ist!

    Sagt man: "Ich habe ADHS!" = Pfui, nur schlecht erzogen und macht kein Sport! Erfindung der Pharmaindustrie!
    Sagt man: "Ich habe Asperger!" = Du kannst alle Primzahlen auswendig? (oder) Du kannst mir aber doch in die Augen sehen...?

    Beides ist schlecht und falsch, aber Asperger ist in der Öffentlichkeit wesentlich positiver aufgenommen als ADHS. Asperger exisitert für die Leute immerhin. ADHS nun mal nicht.

    Wildfang schreibt:
    Also: Wenn der Verdacht auf Asperger da ist dann lass es sauber (!) abklären und dann auch wirksam behandeln; du musst es ja nicht rumerzählen.
    Sauber bedeutet in dem Fall: Einen Autismus-Spezialisten zu kontaktieren, sowie eine ausführliche Diagnostik mit diesem. (Davon gibt es wenige und die Wartezeiten sind lang...) Wie bereits bemerkt gibt es kaum Ärzte , die sich damit auskennen.
    Geändert von Aleã (26.04.2012 um 20:15 Uhr)

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