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Diskutiere im Thema Testung auf ADHS auch in Reha? im Forum ADS ADHS Erwachsene: Ärzte und Kliniken
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  1. #1
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    Forum-Beiträge: 27

    Testung auf ADHS auch in Reha?

    Hallo, liebe Forumchaoten!

    Nun hab ich gleich 2 Fragen zum Thema Reha:

    Ich habe am 15.12. Aufnahmetermin in der Beckerklinik am Möhnesee (Sauerland). Die sind für Burnout und sonstige affektive Sachen zuständig, insbesondere für BurnOut in Gesundheitsberufen, weshalb die Rentenversicherung mich da hinschickt. Da ich meine ADHS Diagnose aber erst seit kurzem habe, hat das wahrscheinlich noch nicht Berücksichtigung gefunden. Andererseits benötige ich wahrscheinlich keine ausgesprochene ADHS Abteilung, da die wahrscheinlich dort viel kognitive Verhaltenstherapien zum Thema Alltagsstruktur anbieten und ich kein Strukturproblem habe. (Reizüberflutung und Unruhe sind meine Themen). Die Selfigruppe gestern meinte entsetzt, ich soll unbedingt in eine spezialisierte Klinik (z.B. Bad Arolsen) gehen. Dazu müsste ich nun alles umschmeißen, alle Termin würden sich verschieben, was ich auch ätzend fände. Hat jemand Erfahrung mit Möhnesee? Meint Ihr, es macht trotzdem Sinn (wegen dem BurnOut). Testen die da auch trotzdem noch weiter? Da die Diagnose ADHS noch nicht ganz gesichert ist.


    Frage 2 ist ähnlich: Meine 23jährige Tochter (Zwangserkrankung (Gedanken) vom Feinsten, mittelgradig depressiv) hat jetzt demnächst Aufnahme in Bad Bramstedt. Die haben sie dort gefragt, ob sie auf die Zwangs- oder auf die ADHS-Abteilung will. Da sie die Zwangserkrankung wesentlich quälender findet, möchte sie erst mal dort hin gehen, zumal auch bei ihr die ADHS noch nicht diagnositiziert wurde (aber wirklich alles darauf hinweist). Testen die in Bad Bramstedt dann trotzdem auf ADHS? Es gibt doch soviele Doppeldiagnosen,dass es hoffentlich nicht so ist, dass dann dort nur die Zwangserkrankung behandel wird. Da mache ich mir ziemlich den Kopf drum, dass das endlich Linderung für sie bringt. Hat auch da jemand Erfahrungen?

    Liebste Grüße und Danke im voraus! Ruthgina

  2. #2
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 52
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    AW: Testung auf ADHS auch in Reha?

    ruthgina schreibt:
    Andererseits benötige ich wahrscheinlich keine ausgesprochene ADHS Abteilung, da die wahrscheinlich dort viel kognitive Verhaltenstherapien zum Thema Alltagsstruktur anbieten und ich kein Strukturproblem habe. (Reizüberflutung und Unruhe sind meine Themen).
    Das ist nicht unbedingt das Problem.

    Das Problem ist, dass Kliniken, die nicht auf ADHS spezialisiert sind oder nicht mal das nötige Fach- und Hintergrundwissen um diese Störung haben, schlicht Gefahr laufen, Betroffene falsch zu behandeln.
    Man kann eben einen Menschen, der einen Burnout oder eine Depression hat, ohne dass eine ADHS zu Grunde liegt, nicht genauso behandeln wie jene, bei denen das der Fall ist.
    Und die meisten behandeln eben, durchaus auch erfolgreich, nach Behandlungsmethoden, die auf erste Patientengruppe zugeschnitten sind.

    Das kann bei einem ADHS-Betroffenen gut gehen, geht aber meist gewaltig in die Hose, allein schon weil man bei diesen Patienten voraussetzt (und das bei Nicht-ADHS-Betroffenen ja auch durchaus voraussetzen kann) dass sie über die nötigen Fähigkeiten im Bereich der exekutiven Funktionen verfügen.
    Das aber ist eines der Hauptproblemgebiete bei einer ADHS, .... um nur ein Beispiel zu nennen.

    Wenn die genannte Klinik eine tiefenpsychologisch fundierte Klinik ist, dann stehen die Chancen, dass es daneben geht, deutlich höher, weil in der tiefenpsycholgisch fundierten Schule AHDS noch nicht so den richtigen Platz gefunden hat (zumindest war das vor ca. 5 Jahren noch so der Fall, als ich diese Erfahrung selbst machen "durfte") .

    ruthgina schreibt:
    Meint Ihr, es macht trotzdem Sinn (wegen dem BurnOut).
    Kann funktionieren, kann aber auch gründlich daneben gehen ...
    Bei mir war es in der ersten Klinik, einer tiefenpsychologisch fundierten Klinik, ebenfalls Reha über die Rentenversicherung ein ordentlicher Schuss in den Ofen, ... eher ist da einiges noch schlimmer geworden.
    Aber das ist MEINE ganz eigene und persönliche Erfahrung und ich kann kaum als Maßstab gelten.
    Da gibt es tausend Gründe, warum es doch auch klappen kann.

    ruthgina schreibt:
    Testen die da auch trotzdem noch weiter? Da die Diagnose ADHS noch nicht ganz gesichert ist.
    Nur, wenn sie auch entsprechend ausgerüstet sind und das dürfte wohl nur in den Kliniken der Fall sein, die darauf auch ausgerichtet sind.
    Im Zweifelsfall anrufen und nachfragen.

    Was bedeutet denn eigentlich "nicht ganz gesichert"?
    Kannst Du das etwas näher erklären?

    ruthgina schreibt:
    Testen die in Bad Bramstedt dann trotzdem auf ADHS? Es gibt doch soviele Doppeldiagnosen,dass es hoffentlich nicht so ist, dass dann dort nur die Zwangserkrankung behandel wird. Da mache ich mir ziemlich den Kopf drum, dass das endlich Linderung für sie bringt. Hat auch da jemand Erfahrungen?
    Da ich selber in Bad Bramstedt war, kann ich das bestätigen.
    Die Unterbringung in den einzelnen Stationen hat nichts mit dem Behandlungsprogramm zu tun.
    Wir hatten auch in den ADHS Gruppen Patienten aus anderen Stationen und wenn der Verdacht einer ADHS besteht, dannw erden dort auch die Testungen durhgeführt.

    Aber sie sollte sich auch hier überlegen, was mehr Sinn macht.
    Eine Zwangserkrankung (ich selber habe eine zwanghafte PS) kann durchaus auch ihre Wurzeln in der ADHS haben und das wiederum kann sich in der Behandlung der Störung auswirken.
    Auch hier kann es durchaus sein, dass die ADHS als Ursache mit einbezogen werden sollte (wenn man z.B. im wahrsten Sinne des Wortes versucht, sein inneres Chaos zu bezwingen).

    Andererseits macht es aber auch Sinn darüber nachzudenken, mit welcher Betroffenengruppe man die meiste Zeit des Tages verbringen möchte, denn auch das macht ja viel aus.
    Man lernt ja auch außerhalb der Therapiestunden durch die Menschen um einen herum.

    Als ich damals auf der ADHS-Station war, war diese noch gemischt, also keine reine Station nur für ADHS-Patienten, sondern genauso auch für Depressionen, Burnout etc.
    Da waren also auch Patienten ohne ADHS darunter und das war auch gut so.

    In BB ist aber seitdem gründlich umgebaut worden und auch die Stationen haben sich geändert.
    So oder so, ich kann davon aus meiner Zeit nur Gutes berichten.
    Für mich war es auf jeden Fall ein Riesenunterschied, einmal in einer Klinik ohne tiefergehende ADHS-Spezialisierung und eben einer mit ADHS-Spezialisierung gewesen zu sein.

    Liebe Grüße
    Fliegerlein
    Geändert von Fliegerlein ( 3.12.2015 um 12:06 Uhr) Grund: Fehlerkorrektur

  3. #3
    Bin hier neu, seid lieb zu mir

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    Forum-Beiträge: 27

    AW: Testung auf ADHS auch in Reha?

    Hallo, Fliegerlein!

    Herzlichen Dank für Deine ausführliche Antwort. Sehr hilfreich! Hab es gleich an meine Tochter weitergleitet. Beruhigend.

    Ich wurde von meinem ersten Psychiater mit einem relativ kurzen Fragebogen getestet und biografisch befragt. In Kombi mit meinen Symptomen und unter Betrachtung der vielen anderen Tests (im Sinne von Ausschlussdiagnostik, ich hab sonst absolut nichts, keine PS, keine Depression oder sonstiges) kam er zu der Diagnose ADHS. Der jetztige Psychiater (der andere ist leider kurz drauf schwer erkrankt) übernahm die Diagnose, fragte noch kurz, meinte, es sei alles typisch was ich da berichte und hielt sich da nicht länger auf, verschrieb sofort Strattera (worüber ich dankbar war). Aber ich bin unsicher, ob die Diagnostik da ausreicht, was man so hört ist das sonst doch viel aufwendiger?

    Ich rufe heut nachmittag mal in Möhnesee an und frage, ob die Ahnung von ADHS haben und auch testen.Tiefenpsychologisch sind die, glaube ich, nicht ausgerichtet. Da geht es typischerweise um Achtsamkeitstraining, Entspannung, Ergotherapie, Sport. Lauter Zeug, das ich in meinem Job schon selbst angeboten habe bzw. selbst privat betreibe. Unendlich viel erhoffe ich mir von dort ohnehin nicht. Ein Jobwechsel samt einer angemessene Medikation zur Dämpfung der Unruhe und zum besseren Filtern der zuviel ankommenden Reize erscheint mir an sich ausreichend. und bisschen ausruhen und Frieden schließen mit dem Jobmisserfolg. eine Umschulung wurde mir ohnehin schon genehmigt.

    Danke Dir und schönen Tag! ruthgina

  4. #4
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    AW: Testung auf ADHS auch in Reha?

    ruthgina schreibt:
    Ich wurde von meinem ersten Psychiater mit einem relativ kurzen Fragebogen getestet und biografisch befragt. In Kombi mit meinen Symptomen und unter Betrachtung der vielen anderen Tests (im Sinne von Ausschlussdiagnostik, ich hab sonst absolut nichts, keine PS, keine Depression oder sonstiges) kam er zu der Diagnose ADHS. Der jetztige Psychiater (der andere ist leider kurz drauf schwer erkrankt) übernahm die Diagnose, fragte noch kurz, meinte, es sei alles typisch was ich da berichte und hielt sich da nicht länger auf, verschrieb sofort Strattera (worüber ich dankbar war). Aber ich bin unsicher, ob die Diagnostik da ausreicht, was man so hört ist das sonst doch viel aufwendiger?
    Naja kommt drauf an.

    Sicher, es sollte eine ausführliche Diagnostik durchgeführt werden, vor allme eine Differentialdignostik, um andere Störungen auszuschließen, aber das sind alles Dinge, die ein erfahrener Arzt, der sich auf dem Gebiet auch auskennt, auch durchaus ohne Testbögen herausfinden kann.
    Die Biografie, andere Störungen wurden schon ausgeschlossen ... das ist ja schon mal einiges.
    Klar, ein EEG (und EKG wg. der Medikamente) wäre anzuraten und an sich gehört zu einer Diagnose auch ein sog. strukturiertes Interview.
    Auch Bluttests, z.B. um Schilddrüsenfehlfunktionen auszuschließen, sofern das nicht anderweitig sichergestellt ist (bei mir war das der Fall, da ich regelmäßig zum Fliegerarzt musste und diese Tests dazugehörten)

    Aber ich denke auch, dass es Ärzte gibt, die dafür sowas wie einen Blick haben, einfach aus der Erfahrung heraus.
    Die erkennen einen ADHS'ler, wenn er vor ihnen sitzt.

    Bei meinem Arzt/ Thera z.B. war das auch so.
    Bereits in der ersten Stitzung hatte er den Verdacht auf ADHS in seine Unterlagen notiert (das hat er mir sehr viel später gezeigt).
    Ok, ... danach hat er sich sehr viel Zeit gelassen und viele Sitzungen gingen durchs Land, bis er die Diagnose offiziell gestellt hat.
    Aber auch das zunächst ohne die einzelnen Testungen ... seinen Wort nach war das auch nicht nötig und die strukturierten Interviews hat er mehr oder weniger ohnehin in die einzelnen Sitzungen einfließen lassen.

    Allein schon, weil bei mir eben auch weitere Erkrankungen vorlagen, Depressionen, Zwanghaftigkeit, Burnout Angststörung ... das muss man halt genauer filtern und da sind die Fragebögen auch oft genug einfach nicht hilfreich, weil das Gesamtbild zählt und andere Störungen erst abklingen müssen etc.

    Mich hat er erst nach etwa einem halben Jahr damit konfrontiert.

    Dass ich anschließend in BB nochmal genau getestet wurde, war auch explizit mein Anliegen, weil ich die Zweifel sonst nie losgeworden wäre (naja .. was man da so loswerden kann, wenn man zwanghaft ist und Zweifel Teil des Symptomspektrums sind, aber immerhin wurde es besser).

    Dort war mein Erstgespräch bei Dr. Murphy, dem Leiter der ADHS-Station und auch er hat gleich nach diesem Gespräch in seinen Bericht den hochgradigen Verdacht auf ADHS, mit dem Zusatz "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" gestellt.
    Die Diagnose selber war ja schon seitens meines Arztes gestellt, aber die sollten das ja erstmal bestätigen, daher mussten sie zunächst einen Verdacht eintragen.
    Die Testungen und strukturierten Interviews bestätigten das dann.

    Wenn Du selber bzgl. der Diagnose unsicher bist, kann ich nur empfehlen, das entsprechend testen zu lassen, allein damit Du für Dich einen Haken an die Frage setzen kannst.

    Es kann aber dennoch schon ganz interessant und lehrreich sein, sich in einer Klinik mit ADHS-Spezialisierung zu begeben, allein weil man da vieles über die ADHS, deren Auswirkungen und Beeinträchtigungen und Kompensationsmöglichkeiten lernt, aber eben solche, die für ADHS-Betroffene auch funktional sind.

    Vieles von dem, was man einem Nicht-ADHS-Betroffenen an Hilfsmitteln mitgibt, funktioniert bei einem ADHS'ler einfach nicht.
    Es mach Sinn, so etwas zu wissen und sich darauf entsprechend einstellen zu können, wenn man nicht immer und immer wieder gegen die selben Mauern rennen möchte, was ja genau das ist, was einen ADHS'ler letztendlich zu Boden gehen lässt und dann die Sache nur noch verschlimmert, ...
    Geändert von Fliegerlein ( 3.12.2015 um 13:25 Uhr) Grund: Satz ergänzt

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