hi liebe MitchaotInnen

Ich muss mal meinen Frust ablassen, sorry wenns ein Totalverriss wird, sicher gibt’s noch andere Meinungen die ich natürlich respektiere. Vielleicht seh ich alles auch etwas zu streng, vielleicht weiß ich grad einfach nicht wie es weitergehen soll und bin deswegen genervt oder mein Ads ja auch einfach mal grad wieder rum...

Also ich bin seit Anfang der Woche in der Deister Weser Klinik in Bad Münder in Reha und mit dem Behandlungskonzept und dem Setting hier überhaupt nicht einverstanden.

Ich bin jetzt 47 jahre alt und habe die Diagnose Adhs im Erwachsenenalter seit Anfang dieses Jahres als ich wegen meinem dekompensiertem Tinnitus in der Schön Klinik in Bad Arolsen in Behandlung war. Ich hab zwar schon bereits mehrfache stationäre Therapieerfahrung, da ich den Tinnitus schon seit 10 Jahren habe, allerdings wurde bisher immer auf Depression behandelt. Erst in Arolsen wurde meine Bezugstherapeutin aufgrund meiner Lebensbeschreibung hellhörig und veranlasste dann die entsprechenden Tests welche alle eindeutig ausvielen.

Aufgrund der Schwere meiner Symptome, die ständige Reizoffenheit, verminderte Stressresistenz und vor allem durch den dauernd präsenten Tinnitus bin ich bereits seit sehr langer Zeit krankgeschrieben und denke das es früher oder später auf Rente hinauslaufen wird. Meine beruflichen Ziele sind ziemlich auf Eis gelegt deswegen und Tages oder Wochenstrukturen so gut wie nicht mehr vorhanden. Bin dauernd umgezogen hab tausend jobs geschmissen und jedes schlagloch ausgelotet. Ich will aber -zumindest jetzt noch nicht aufgeben und dafür kämpfen in irgendeinem Bereich eine -wenn vielleicht auch kleine- sinnstiftende Tätigkeit zu finden.

Bisher gings allerding immer ziemlich drunter und drüber in meinem Leben und erst seit ich weiß das Chaos einen Namen hat und ich nicht alleine damit bin, dann im Juli mit medikamentöser Therapie begonnen habe, habe ich ganz langsam das Gefühl das der Boden unter mir nicht mehr ganz so wackelig ist und nicht gleich alles aufeinmal aus dem Ruder läuft sobald eine Mücke einen Klecks auf die Fensterscheibe gemacht hat oder irgendeine andere Kleinigkeit mein Gleichgewicht erschüttert und mich aus der Bahn wirft.
Ich würde mich außerdem auch eher als sehr rezeptiv/sensibler Typ einschätzen, was sicher den Tinnitus mit begünstigt.

Bewogen nach Bad Münder zu gehen, was vor allem die Tatsache das trotz mehrmahligem Widerspruch meine Wunschklinik in Bad Bevensen nicht genehmigt wurde und Bad Münder die einzige mir bekannte Rehaeinrichtung im Umfeld war, welche eine Adhs spezifische Behandlung in ihrem Internetauftritt als Alleinstellungsmerkmal anführt. Das ist für mich deswegen wichtig weil nur das eine Aussicht wieder arbeitsfähig zu werden.

Der Therapieplan der ersten zwei Wochen und die Erfahrungen anderer Mitpatienten nähren meine Befürchtungen das auf ADHS behandelt zu werden Wunschdenken bleibt. Keine Konzentrationsübungen, keine weiterführenden Adhs Infos oder Infos zur Medikationstherapie, Adhs Betroffenengruppen, Neurofeedback o.ähnliches. Keine Anleitungen zur Alltagsbewältigung und Strukturhilfe oder so. Die Chefärztin die sich angeblich persönlich um die Adhs ler kümmert ist auch nicht anwesend.
Stattdessen das ganz normale Programm einer ganz normalen psychosomatischen Rehastation: Gesundheitstraining, Progr, Muskelrelaxation, Wassergymnastik, Wirbelsäulengymnastik, Depressionsgruppe, Entspannungstraining. Gesundheitsprogramm Alltagsdrogen. :

Das einzige was mich etwas interessieren würde ist:

Selbssicherheitstraining. Yippihey: das kann ich gebrauchen.

Das andere sind alles Sachen die ich in ihrer positiven Wirkung gar nicht in Frage stellen möchte, sicher haben die ihren Wert und Erfolg, wenn man sich noch nicht mit Adhs auseinandergesetzt hat, mal eine Auszeit braucht .
Als Adhsler aber mit so ausgeprägten Symptomen wie mir kann ich aber in meiner Verzweiflung genausogut auf´s REWE Dach von Bad Münder klettern und laut Lapaloma brüllen und dann erwarten das es mir davon besser geht und hoffen da richtig zu sein.

Ich will wissen wodurch die dauernde Ablenkung entsteht, warum ich dauernd Dissoziiere bei jeder Kleinigkeit, wie ich meine Stimmungsschwankungen in den Griff bekomme, was Aufmerksamkeit bedeutet und wie ich sie üben kann, wie ich endlich an dem dran bleiben kann was mir wirklich Spass macht und wie ich mit meiner Reizschwäche umgehen soll… (ist vielleicht ein langer Weg) und den Tinnitus kompensieren kann.

Ich hab stark die Befürchtung (ob sich das dann so erhärten wird sei mal dahingestellt) das das Adhs-Konzept hier einfach benutzt wird um von der RV und KK möglichst breitgefächtert belegt werden zu können.

Dazu kommt noch das ich als sehr rezeptiver Mensch sehr großen Wert auf das Setting und die Atmosphäre lege. Das muss nicht viel sein, eine Kleinigkeit genügt oft.

Hier ist in meinen Augen aber alles so komplett lieblos uns so unsäglich gestrig. Nirgends W-Lan, kein kostenloses TV auf dem Zimmer (es sei denn man zahlt 25 euro für zwei Wochen) zerschlissene Sofas im Foyer, Verblichene Kunstdrucke auf gelbfleckigen Tapeten, nach Sakrotan und alten Windeln richende Flure und: in meinem Zimmer richts nach Abwasser und Klo und es zieht.

Die ungeschmückte Nordmanntanne für 9,99,- vom Baumarkt vor´m Speisesaal wirkt dann schon fast verzweifelt zynisch.

Ich würde das alles auch hintenanstellen, Wäscheklammern in die Nase stecken und mir das Ningeln verkneifen wenn der Therapieplan nicht so öde wäre und es nicht so stinken würde hier, sorry.

Sehr positiv fand ich allerdings die Sprechstunde bei meinem Arzt. Irgendwie direkt und gleichzeitig etwas verpeilt, chaotisch und auf Anhieb sympatisch. Aber sehr geduldig und verständnisvoll. Und toll sind natürlich die Begegnungen mit den anderen MitpatientInnen.

Ich werd Anfang nächster Woche nochmal mit meinem behandelnden Arzt reden, meinen Unmut schildern.

So jetzt wisst ihr Bescheid. Zumindest kann mir niemand mehr vorwerfen ich hätte Ihn nicht gewarnt.