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Diskutiere im Thema Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie? im Forum ADS ADHS: Coaching
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  1. #1
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    Frage Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Hi ihr Lieben!

    Ich leide unter Motivationsschwäche, schiebe also sehr gerne unangenehme Tätigkeiten wie Aufräumen, Putzen, Papierkram erledigen usw. auf.

    Und wenn ich etwas geschafft habe, was ich seit Monaten (wenn nicht Jahren) aufgeschoben habe, dann bin ich für einen kurzen Moment erleichtert und stolz auf mich, sage mir "Toll, du hast es geschafft!" ABER dieses High Gefühl hält nicht lang (höchstens 1-2 Tage) und dann bin ich für die nächste Tätigkeit genauso unmotiviert und kann mich wieder tage-, wochen-, monate-oder jahrelang nicht aufraffen, damit anzufangen.

    Leider kann mein Mann (vermutlich selber ADSler, zu Hause ein "Muffel" hoch drei) nicht als Coach fungieren, denn meine Leistungen "sieht" er meistens nicht. Lob gibt es meist nur, wenn ich frage, ob er das toll findet. Aber das war´s. So ergeht es jedes Mal, egal ob ich das Garagehäuschen (das er regelmäßig zumüllt) entrümple und sorgfältig aufräume (die Regale habe ich wie im Keller selbst gekauft und montiert, weil er da keine Notwendigkeit sah) , was mir fast den ganzen Tag gekostet habe, ob ich die Bäume im Garten gepflanzt habe (alle!), ob ich das Büro oder das Wohnzimmer neu gestrichen habe oder den Kellerschacht geputzt habe...egal was!

    Das ist sehr frustrierend.

    Kürzlich las ich, dass ADHS besonders gut auf Los/Belohnungen ansprechen.

    Das Problem bei Erwachsenen: wenn man keinen Coach/Therapeut hat, ist niemand da, um diese Belohnungen zu geben/Lob auszusprechen.

    Kann man sich dann selbst belohnen?

    Wenn ja: wie?

  2. #2
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Egal, was ich über AD(H)S lese, ich habe das Gefühl, dass mir jemand einen Spiegel vorhält!

    Hier ein Auszug aus einem Artikel von Martin Winkler, der ziemlich genau mein Motivationsproblem beschreibt:

    Einige Experten sprechen im Zusammenhang mit ADHS auch von einem Belohnungs-Defizit-Syndrom (Reward-Deficit), da Erfolge nicht stabil wahrgenommen und auf die eigene Anstrengung zurückgeführt werden. Vielmehr erleben ADHSler zwar häufig ein Erfolgsgefühl, etwa nach einer bestandenen Prüfung. Dieses Gefühl ist jedoch nicht lange "haltbar" . Eine Kleinigkeit wie eine Bemerkung, ein Gesichtsausdruck oder auch nur der Vergleich zu einer anderen Person mit einer minimal besseren / anderen Leistung setzt eine Abwärtsspirale in Gang. Die Aufmerksameits-Steuerung ist auch hier "defekt". Es geling nicht ausreichend lange ein gutes Gefühl von Stolz oder Zufriedenheit zu halten. Vielmehr sackt der Emotionszustand sehr schnell wieder ab.

    https://sites.google.com/site/adhsbe...ei-erwachsenen

  3. #3
    ADHD-Squirrel

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 437

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Ich benutze Seiten wie https://habitica.com um mich für Sachen zu motivieren. Ganz kurz die Seite erklärt: Man erstellt sich einen Charakter (wie in einem Rollenspiel/Videospiel) und gewinnt Erfahrungen und Punkte durch Aufgaben/Quests. Diese Aufgaben kannst du selbst bestimmen, oder auch mit anderen Leuten selbsterstellte Aufgaben erledigen.

    Beispiel: Ich hatte totale Probleme damit mein Geschirr nach dem Essen wegzuräumen und es stand tagelang rum. Also hab ich mir auf der Seite die tägliche Quest gegeben "Geschirr in die Küche räumen"

    Wenn man eine Aufgabe nicht erledigt, dann verliert der Charakter Lebenspunkte. Wenn man sie erledigt, bekommt man Erfahrungspunkte

    Nach und nach (nach vielen Wochen) hatte ich es wirklich verinnerlicht mein Geschirr konsequent jeden Tag in die Küche zu räumen. Dazu kam dann später noch "in die Spülmaschine räumen", "Spülmaschine anmachen", "Spülmaschine ausräumen" usw usw

    ich achte darauf mir wirklich KLEINE Aufgaben zu schreiben. Also kein "Räum die Küche auf", sondern eher ein "Wisch Arbeitsplatte XY ab"


    Was mir auch ein wenig hilft: Das Wissen das "MOTIVATION" als Vorraussetzung schon mal der falsche Ansatz ist: Ich bin so gut wie nie wirklich langanhaltend motiviert. Der Ansatz ist also nicht "ich warte bis ich motiviert bin" sondern "einfach machen".


    Klingt natürlich alles super, aber in der Praxis kämpfe ich damit jeden Tag und lasse alles schleifen. Aber ich gebe mein bestes und versuche mich selbst nicht mit schlechtem Gewissen noch weiter runterzuziehen.

  4. #4
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 136

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Alter Yasmine, dein Zitat von Winkler ist ein absoluter Volltreffer. Genau das hab ich bis zum Erbrechen mit meinen Therapeuten durchgekaut.

    Und keiner hat es je verstanden. Da kam immer nur: Jetzt freuen sie sich halt mal. Feiern Se doch mal groß! Oder Sie dürfen sich auch darüber freuen!

    DAS IST NICHT DAS *#%"-PROBLEM!
    Verdammte Hacke, ich spür es einfach nicht so! Da ist maximal Erleichterung, dass der Druck weg ist und vielleicht ein klitzekleines Flackern von Freude, aber das ist so, als würd man ein Streichholz anzünden. Das brennt fünf Sekunden und zurück bleibt ein zerbröselndes, verkohltes Etwas von Gefühl. Was soll ich denn da feiern?

    Glaubst Du, dass hat je einer mal kapiert?

  5. #5
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.173

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Fandorin schreibt:
    Alter Yasmine, dein Zitat von Winkler ist ein absoluter Volltreffer. Genau das hab ich bis zum Erbrechen mit meinen Therapeuten durchgekaut.

    Und keiner hat es je verstanden. Da kam immer nur: Jetzt freuen sie sich halt mal. Feiern Se doch mal groß! Oder Sie dürfen sich auch darüber freuen!

    DAS IST NICHT DAS *#%"-PROBLEM!
    Verdammte Hacke, ich spür es einfach nicht so! Da ist maximal Erleichterung, dass der Druck weg ist und vielleicht ein klitzekleines Flackern von Freude, aber das ist so, als würd man ein Streichholz anzünden. Das brennt fünf Sekunden und zurück bleibt ein zerbröselndes, verkohltes Etwas von Gefühl. Was soll ich denn da feiern?

    Glaubst Du, dass hat je einer mal kapiert?
    "Sich feiern und sich feiern lassen", das lernt man nicht beim Therapeuten, da muss schon das wirkliche Leben her!

    Mein bester Lehrmeister ist mein Chor. Da gibt es Lektionen, nach Fehlern sofort wieder umzuschalten, in dem man sich über seine Fehler "freut". Durch Lachen kann man seine Gedanken verändern (sagt auch Dalai Lama). Und man lernt auch "Beifall entgegen nehmen".

    Und durch singen lernt man sich zu spüren.

  6. #6
    Iam


    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 214

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Ggeht mir ganz genau so.

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

    Fluttershy schreibt:
    Ich benutze Seiten wie https://habitica.com um mich für Sachen zu motivieren. Ganz kurz die Seite erklärt: Man erstellt sich einen Charakter (wie in einem Rollenspiel/Videospiel) und gewinnt Erfahrungen und Punkte durch Aufgaben/Quests. Diese Aufgaben kannst du selbst bestimmen, oder auch mit anderen Leuten selbsterstellte Aufgaben erledigen.

    Beispiel: Ich hatte totale Probleme damit mein Geschirr nach dem Essen wegzuräumen und es stand tagelang rum. Also hab ich mir auf der Seite die tägliche Quest gegeben "Geschirr in die Küche räumen"

    Wenn man eine Aufgabe nicht erledigt, dann verliert der Charakter Lebenspunkte. Wenn man sie erledigt, bekommt man Erfahrungspunkte

    Nach und nach (nach vielen Wochen) hatte ich es wirklich verinnerlicht mein Geschirr konsequent jeden Tag in die Küche zu räumen. Dazu kam dann später noch "in die Spülmaschine räumen", "Spülmaschine anmachen", "Spülmaschine ausräumen" usw usw

    ich achte darauf mir wirklich KLEINE Aufgaben zu schreiben. Also kein "Räum die Küche auf", sondern eher ein "Wisch Arbeitsplatte XY ab"


    Was mir auch ein wenig hilft: Das Wissen das "MOTIVATION" als Vorraussetzung schon mal der falsche Ansatz ist: Ich bin so gut wie nie wirklich langanhaltend motiviert. Der Ansatz ist also nicht "ich warte bis ich motiviert bin" sondern "einfach machen".


    Klingt natürlich alles super, aber in der Praxis kämpfe ich damit jeden Tag und lasse alles schleifen. Aber ich gebe mein bestes und versuche mich selbst nicht mit schlechtem Gewissen noch weiter runterzuziehen.
    Das muss ich unbedingt mal ausprobieren.

  7. #7
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Fluttershy schreibt:
    Ich benutze Seiten wie https://habitica.com um mich für Sachen zu motivieren. Ganz kurz die Seite erklärt: Man erstellt sich einen Charakter (wie in einem Rollenspiel/Videospiel) und gewinnt Erfahrungen und Punkte durch Aufgaben/Quests. Diese Aufgaben kannst du selbst bestimmen, oder auch mit anderen Leuten selbsterstellte Aufgaben erledigen.
    Herzlichen Dank für diesen Tipp, Fluttershy!

    Ich bin eigentlich keine PC Spielerin (im Gegensatz zu meinem Mann und meinen Kindern), deswegen wäre ich nicht im Traum auf die Idee gekommen, ein solches Spiel zu benutzen, um meine Motivationsschwäche in den Griff zu kriegen!

    Beispiel: Ich hatte totale Probleme damit mein Geschirr nach dem Essen wegzuräumen und es stand tagelang rum. Also hab ich mir auf der Seite die tägliche Quest gegeben "Geschirr in die Küche räumen"

    Wenn man eine Aufgabe nicht erledigt, dann verliert der Charakter Lebenspunkte. Wenn man sie erledigt, bekommt man Erfahrungspunkte
    Das ist im Grunde wie die Punktpläne für ADS Kinder!

    Nach und nach (nach vielen Wochen) hatte ich es wirklich verinnerlicht mein Geschirr konsequent jeden Tag in die Küche zu räumen. Dazu kam dann später noch "in die Spülmaschine räumen", "Spülmaschine anmachen", "Spülmaschine ausräumen" usw
    Super!

    Mit Alltagsroutinen habe ich allerdings weniger Probleme als mit Aufgaben, die man nur 1 Mal erledigen soll. Also z.B. den Keller aufräumen, ein Zimmer streichen, den Flug für den Urlaub buchen.

    Wie machst du das für solche Aufgaben?

    ich achte darauf mir wirklich KLEINE Aufgaben zu schreiben. Also kein "Räum die Küche auf", sondern eher ein "Wisch Arbeitsplatte XY ab"
    Sehr gut. Genauso soll man es auch mit ADS Kindern machen. Da mein Sohn sich bei den Hausaufgaben überhaupt nicht organisieren konnte, habe ich ihm auf dieser Weise geholfen (das 1.Mal hat er seinen Schulranzen auf seinem Tisch umgekippt und vor dem Haufen stand er ratlos da und fragte mich: " Mama, was soll ich jetzt machen?". Also habe ich ihm Schritte für Schritte gezeigt/erklärt, wie er das machen soll: Schulranzen öffnen, Hausaufgaben nehmen, auf den Tisch legen, Heft öffnen, prüfen, welche Aufgaben ich heute habe, das Math Buch nehmen, auf den Tisch legen, an der richtigen Seite öffnen, usw. Ich hatte ihm sogar eine Karte geschrieben mit allen Schritten, die ich auf dem Tisch geklebt hatte. )

    Jetzt habe ich mir vorgenommen, das Zimmer meiner Tochter zu streichen und so werde ich vorgehen.

    1. Liste der benötigen Materialien erstellen
    2. Materialien besorgen
    3. Zimmer vorbereiten ( Tür/Fenster abkleben, Plastikfolien legen)
    4. Zimmer streichen
    5. Material putzen/aufräumen

    Dann den Zeitplan herstellen:
    Montag 1. + 2.
    Dienstag 3.
    Mittwoch+ Donnerstag 4. + 5.

    Danach brauche ich eine Belohnung, um mich für die weiteren geplanten Aufgaben zu motivieren.


    Was mir auch ein wenig hilft: Das Wissen das "MOTIVATION" als Voraussetzung schon mal der falsche Ansatz ist: Ich bin so gut wie nie wirklich langanhaltend motiviert. Der Ansatz ist also nicht "ich warte bis ich motiviert bin" sondern "einfach machen".
    Einfach machen...das Problem ist eben das Aufschieben der Soll-Aufgaben wegen der fehlenden Motivation.

    Klingt natürlich alles super, aber in der Praxis kämpfe ich damit jeden Tag und lasse alles schleifen. Aber ich gebe mein bestes und versuche mich selbst nicht mit schlechtem Gewissen noch weiter runterzuziehen.
    Ja, ich stelle mir oft die Frage, ob ich nicht zu hart mit mir bin. Denn mal ganz ehrlich, an Prokrastination leiden nicht nur ADSler! Meine Mama z.B., mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit keine ADSlerin, schiebt gern das Aufräumen der Küche nach dem Essen auf den Abend und abends auf den Morgen! Und wenn ich sehe, wie es in der Wohnung meiner Cousine kürzlich aussah, dann habe ich gedacht, so eine schlechte Ehefrau bist du wirklich nicht. Meine Cousine schien die Unordnung aber nicht zu stören.Die Wohnung meiner Schwägerin-mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit selbst ADHSlerin- sieht und sah immer aus, als ob eine Bombe bei ihr explodiert hätte, auch an den Tagen, wo wir eingeladen waren! Aber das scheint sie nicht sonderlich zu stören!*gg*

    Diese Gelassenheit fällt mir leider total. Ich produziere sehr schnell Chaos , leide aber darunter, weil ich eine reizarme, also geordnete Umgebung brauche. Ich glaube, dass dieser Leidensdruck mich täglich "motiviert", mich jeden Tag aufzuraffen, um die Arbeit zu erledigen.Dabei innerlich schimpfend, warum ich das erledigen musste, wie langweilig/sinnlos diese Arbeit ist und wie gerne ich ein Mann wäre, um das nicht machen zu müssen!. Aber jedes Mal empfinde ich diese Zeit als langweilig, sinnlos, erdrückend, ich gucke immer wieder auf die Uhr, frage mich, wann ich endlich fertig sein werde, um mich endlich entspannen zu können oder was Sinnvolles zu machen, was mir Spaß macht. ICH HASSE HAUSARBEIT!!!!!!! Aber ich sehe keinen anderen Weg, als sie täglich/wöchentlich zu erledigen, weil wir sonst sehr, sehr schnell in einer Müllhalde leben würde (Ordnung ist nun mal nicht das Lieblingswort meines Mannes und meiner Teenies!).

    Und dann kommt auch noch dieses Gefühl, vor einem Berg zu stehen (typisch: die Küche nach dem Kochen/Essen!) und nicht zu wissen, wie ich diese "Monsterarbeit" eledigen kann, womit ich anfangen soll und die Angst, ich werde es nicht schaffen, ich werde den halben Tag dafür brauchen. Dann kommt noch die Ablenkung: ich setze mich am PC, gehe in den Garten und blättere in eine Zeitschrift, usw. So dass ich die Küche nicht um 13 aber manchmal erst um 14, 15 oder sogar 16 Uhr aufräume! Und dann schimpfe ich gegen mich selbst, weil ich bis dahin getrödelt habe und nach dem Aufräumen keine Zeit mehr für sinnvolle Beschäftigungen wie Sport treiben habe!

    So läuft es bei mir seit immer..aber zumindest schaffe ich es einigermaßen mit den Alltagsaufgaben. Schwieriger sind eben diese einmaligen Aufgaben, wo man also keine Routine entwickeln kann.

    Ich glaube, dass die Angst, wieder dieses Gefühl zu spüren, stundenlang/tagelang etwas Sinnloses/Langweiliges zu machen, mich davon abhält, überhaupt damit anzufangen. Und wenn es am Ende der getanen Arbeit auch keine Belohnung wie Geld, ein Gutschein, oder zumindest ein Applaus gibt (wie beim Chor, gell Gretchen? )dann ist es noch schwieriger, sich dazu aufzuraffen.

    Merke: mein Mann (vermutlich auch ADSler) ist der Totalaufschieber. Aber ihn scheint das im Gegensatz zu mir nicht zu stören. Den ganzen Tag vor dem PC trödeln, obwohl der Rasen wieder gemäht werden soll (das erledige ich deswegen seit Jahren selbst), no problemo! Seit Sage und Schreibe 15 Jahren warte ich darauf, dass er die Sockelleisten im Flur im OG schraubt!

  8. #8
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Fandorin schreibt:
    Alter Yasmine, dein Zitat von Winkler ist ein absoluter Volltreffer. Genau das hab ich bis zum Erbrechen mit meinen Therapeuten durchgekaut.

    Und keiner hat es je verstanden. Da kam immer nur: Jetzt freuen sie sich halt mal. Feiern Se doch mal groß! Oder Sie dürfen sich auch darüber freuen!
    Mich wundert es nicht, dass dein Therapeut dich nicht verstanden hat. Der ist wahrscheinlich "normal" und kann sich nicht vorstellen, was es bedeutet, so zu spüren (oder eben nichts spüren, also keine Freude/keinen Stolz).

    DAS IST NICHT DAS *#%"-PROBLEM!
    Verdammte Hacke, ich spür es einfach nicht so! Da ist maximal Erleichterung, dass der Druck weg ist und vielleicht ein klitzekleines Flackern von Freude, aber das ist so, als würd man ein Streichholz anzünden. Das brennt fünf Sekunden und zurück bleibt ein zerbröselndes, verkohltes Etwas von Gefühl. Was soll ich denn da feiern?
    Maximale Erleichterung, dass der Druck weg ist...GENAU so erlebe ich das auch! Aber Freunde/Stolz? Wie du schriebst, ein Hauch von Sekunden (ein Tag lang max), und dann ist wieder beim Alten! Nict mal nach einer bestandenen Prüfung, die wirklich nicht leicht war, wo ich 25/25 Punkte bekommen habe, war ich auf meine Leistung stolz! Zuerst habe ich die Prüfung auf dem letzten Drucker vorbereitet, dann war ich vor/während der Prüfung so aufgeregt, dass ich in der Nacht kein Auge zugemacht habe, danach war ich sicher, dass ich durchgefallen war und als das Ergebnis ins Haus flatterte: Riesenerleichterung, aber kein bisschen stolz, nach dem Motto, das schafft ja jeder! Ach du S*******!Sorry..

    Aber nie im Leben wäre ich vorher darauf gekommen, dass die Ursache eine neurobiologische "Andersartigkeit" ist!

    Glaubst Du, dass hat je einer mal kapiert?
    Nee, glaube ich nicht, dass Normalos so was kapieren können!

  9. #9
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Gretchen schreibt:
    "Sich feiern und sich feiern lassen", das lernt man nicht beim Therapeuten, da muss schon das wirkliche Leben her!

    Mein bester Lehrmeister ist mein Chor. Da gibt es Lektionen, nach Fehlern sofort wieder umzuschalten, in dem man sich über seine Fehler "freut". Durch Lachen kann man seine Gedanken verändern (sagt auch Dalai Lama). Und man lernt auch "Beifall entgegen nehmen".

    Und durch singen lernt man sich zu spüren.
    Dann muss ich mich einem Chor bald anschließen, liebe Gretchen!

    Aber wieso freust du dich über deine Fehler? Weil du darauf etwas lernst und besser wirst?

    Ich denke, den Beifall ist die Belohnung, die dich motiviert, weiter zu machen, zu trainieren, besser zu singen.

    Und die Freude, die du beim Singen spürst, steigert deine Motivation. Das habe ich oft über ADS Kinder gelesen: sie können sich bei Aufgaben, die ihre Aufmerksamkeit fesseln, die ihre Neugier wecken, die ihnen Spaß machen, gut konzentrieren. Das soll daran liegen, dass Spaß/Freude den Dopaminspiegel in einem Teil des Gehirn erhöht.

    Vielleicht wird deswegen Kunst als Therapie bei psychisch Kranken eingesetzt (meist allerdings nicht singen, sondern eher Malen/Zeichnen, usw.).

    Der Hacken bei unschönen Aufgaben wie Haushalt, Papiere aufräumen, usw., ist dass sie keinerlei Freude machen und dass keiner dich nach getaner Arbeit lobt oder belohnt.

    Ich denke, mein Mann funktioniert in der Arbeit relativ gut, weil er weiß, dass die Aufträge seine Chance auf eine Prämie steigern. Die Freude nach einer Prämie hält nicht sehr lang, aber das reicht, um mich zum Weitermachen zu motivieren.

    Nachtrag: dieser Gehirnteil heißt Nucleus accumbens:

    http://www.adhspedia.de/wiki/Prokrastination

    Eine weitere Möglichkeit stellt besonders im Zusammenhang mit dem lerntheoretischen Erklärungsansatz das Verstärkungsdefizit ADHS-Betroffener hinsichtlich drohender Bestrafungen dar. Das neuronale Belohnungssystem (Nucleus accumbens) im Vorderhirn ist schwerpunktmäßig dopamingestützt organisiert[16] und unterliegt vermutlich deutlichen Funktionseinschränkungen, weshalb mit neurobiologisch zu verortenden Verarbeitungsproblemen hinsichtlich Verstärkungsreizen gerechnet werden kann (siehe auch: Striatofrontale Dysfunktion). Während die Betroffenen somit gegebenenfalls hypersensitiv auf kurzfristig einsetzende Belohnungen reagieren, haben drohende Konsequenzen paradoxerweise nur geringe Auswirkungen auf das Verhalten. Dies prädestiniert geradezu zu aufschiebendem Verhalten, gerade dann, wenn sowohl Belohnung, als auch Bestrafung langfristig sind.
    Das ist auch ein interessanter Aspekt: wenn ich keine Angst vor den Auswirkungen meines Aufschiebeverhaltens habe, dann kann ich mich um so schwerer motivieren, eine Aufgabe anzufangen. Und das ist nun mal der Fall bei häuslichen Aufgaben: wenn ich das Zimmer meiner Tochter nicht streiche, droht mir keine negativen Konsequenzen. Erledige dagegen meine Arbeit in meinem Beruf nicht, dann droht die Kündigung.

    Das Problem ist also, dass es grundsätzlich schwierig ist, sich für Aufgaben zu motivieren, die nicht gelobt/belohnt werden UND wenn keine schlimme Konsequenzen erfolgen werden, wenn wir sie nicht erledigen.
    Geändert von Yasmine ( 8.07.2017 um 17:40 Uhr)

  10. #10
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 178

    AW: Belohnt ihr euch selbst? Wenn ja: wie?

    Ich habe übrigens dieses Buch kürzlich bestellt:

    https://www.amazon.de/gp/product/317...?ie=UTF8&psc=1

    Siehe Punkte 22, 23 und 24!

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