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  1. #1
    Sunshine

    Gast

    Auszüge Themenchat "ADHS Coaching" (anonymisiert)

    Auszüge aus unserem Themenchat ADHS Coaching, die natürlich anonymisiert wurden, da jeder Themenchat anonym ist, auch wenn das ein oder andere Thema nicht so sehr privat erscheint. Dafür das es unser erster eigener Chaoten-Themenchat war, ist er super gelaufen, war sehr interessant und wir haben sehr viel wissenswertes erfahren. Wir möchten uns noch einmal bei allen Beteiligten bedanken!

    Im Chat wurden einige Begriffe genannt, bei denen nicht jeder weiß, was sie bedeuten, deswegen hier die Begriffserklärungen, die im Text auch noch in kursiv dargestellt sind:

    eruieren: Feststellung, Untersuchung
    Imaginationsarbeit: die Fähigkeit, Konzepte, Ideen oder Bilder zu entwickeln oder sich an etwas zu erinnern, was materiell nicht vorhanden ist (Vorstellungskraft)
    VT: Verhaltenstherapie
    WS: Workshop
    Coachee: englisch für jemanden der einen Coach in Anspruch nimmt, man kann auch Klient sagen


    Chat-Auszüge:

    Habt ihr beide die Ausbildung/Kurs zum Coach gemacht ? Wenn ja, die zum ADHS-Coach oder eine andere Coach-Ausbildung ?

    Coach 1: ich bin Sozialtrainer ADHS vom Kind bis zum Erwachsenen, psychologischer Berater, systematischer Familientherapeut, Konfliktcoach, Krisenintervention, Coach im allgemeinen, alles mit den entsprechenden Ausbildungen, die anderen Sachen lass ich jetzt mal weg.

    Coach 2: ja, haben wir - durch die arbeit mit betroffenen Kindern haben wir uns weiter mit dem Feld der betroffenen erwachsenen beschäftigt und die Ausbildungen gemacht. haben uns zusätzlich sehr intensiv mit dem Bereich ADHS und Hochbegabung beschäftigt und Ausbildung gemacht ...ein sehr interessantes Gebiet!


    Wie würdest du den Unterschied zwischen Coaching und Verhaltenstherapie beschreiben?

    Coach 1: Verhaltenstherapie geht sehr häufig von einem Krankheitsbild, also einem Problem aus. Im Coaching nehme ich den Ansatz von Fähigkeiten und potenzial des Klienten, und baue darauf auf. Coaching ist der Positivansatz ich bin dort nicht der Therapeut, sondern der Moderator und Berater.


    Heißt das dass du die Lösungsansätze mit dem Coachee gemeinsam erarbeitest? Bei der VT gibt es ja Aufgaben.

    Coach 1: Coaching ist ein gemeinsamer Prozess, wir schauen uns an welche Potenziale nicht genutzt sind, entwickeln sie gemeinsam bis zum Ziel.


    Ist das in einer VT nicht auch so, also dass man lernt Potentiale zu nutzen?

    Coach 1: ja, aber die Ansätze sind anders. VT beruht auf einer Negativannahme, Coaching auf der Positivannahme, es geht auch um Wertschätzung. Ich arbeite Kurzzeit und lösungsorientiert, im Coaching ist ein erreichbares Kurzziel wichtig, darauf wird aufgebaut.


    Ist ein Coaching räumlich gebunden?

    Coach 1: nein ist es nicht


    Wenn ich da als Neuling ankomme, wie fängt das ganze denn an? Und wie entwickelt sich dass dann?

    Coach 1: Wir entwickeln gemeinsam ein Bild der gegenwärtigen Situation, wir ermitteln den Grund der Coachingmaßnahme, dann suchen wir nach einer Zukunftsvorstellung, was will ich eigentlich erreichen mit dieser Maßnahme. Wir reflektieren nochmals den aktuellen Zustand, eruieren dann was davon auf keinen Fall in Zukunft noch eine Rolle spielen soll, entwickeln einen Weg zum Ziel und schaffen kleine Zwischenschritte die ohne Probleme zu erreichen sind. Die Arbeit ist durchsetzt mit Imaginationsarbeit usw. Ich müsste jetzt ca.15 Einzelschritte anführen, die Arbeit ist sehr individuell, sehr emphatisch aufgebaut. Es gibt kein Patentrezept das auf alle anwendbar wäre. ich setze ebenso häufig systemische Elemente ein, um die visuelle Verständnisarbeit zu unterstützen.

    Coach 2: wichtig ist vor allem, wie schon gesagt wurde, dass die Arbeit sehr individuell ist und auf den Klienten und seine Bedürfnissee gemeinsam mit ihm abgestimmt wird, was für den einen die optimale Methode ist, ist bei dem anderen vielleicht nicht so hilfreich


    Zum einem der Kostenpunkt. Wie viel bezahlt man da so im Schnitt für 1 Sitzung, wie lange dauert diese ca. und in welchen Abständen finden die statt also mit was man so ca. pro Monat rechnen muss?

    Coach 1: Das ist unterschiedlich, Durchschnitt im Bundesgebiet von 80-150 € per Stunde, bei mir Zeitstunde.


    Muss ich in der Regel selbst aufbringen?

    Coach 1: ja, es gibt aber Finanzierungsangebote.


    Wie kann ich einen ADHS-Coach über die Krankenkasse bezahlen lassen - abrechnen lassen, ohne das ich privat zahlen muss ?

    Coach 1: das ist ein sehr großes Problem, eigentlich unmöglich. Die einzige, aber auch sehr unwahrscheinliche Lösung heißt : persönliches Budget, dafür musst aber den SGBIX §17 bemühen, nachweisen das du bei einem niedergelassenen Therapeuten keinen Termin bekommen kannst, Antrag muss bei deiner Krankenkasse gestellt werden.


    Wo findet das Einzelcoaching statt?

    Coach 1: Bei jedem dafür ausgebildeten Coach, hier in der Praxis, aber auch bundesweit.


    Darf ich die Frage präzisieren? Manchen Coaches gehen in die Wohnungen, andere arbeiten in einer Praxis.

    Coach 1: Ich arbeite in der Praxis, bei Bedarf auch bei dem Klienten.


    Wie lange ca. in Zeitstunden braucht ein Erwachsener 30-40 Jahre einen Coach?


    Coach 2: Das kann man leider nicht allgemein beantworten. Es kommt darauf an, wo die Probleme liegen, wie festgefahren die Strukturen sind, ob die Arbeit allein mit dem Klienten oder auch mit dem Partner oder der Familie gemacht werden sollte.

    Coach 1: so ca. zwischen 10 und 15 stunden am Anfang.danach ca. 4-5 monatliche Feedbacks.
    Coach 2: auch per Mail oder Telefon! es gibt auch die Möglichkeit, nach Workshops mit Tandempartner weiter zu arbeiten.

    Coach 2: Wie schon erwähnt - es gibt nicht das Patentrezept oder die Patentlösung für alle


    Wie groß/hoch ist die Wahrscheinlichkeit zurück in alte Strukturen zu fallen nach Beendigung?

    Coach 1: Wie bei allem anderen auch, es gibt keine Garantie, ich habe es aber noch nicht erlebt....ehrlich nicht.


    Mir ist aufgefallen, dass ich im Grunde genommen einen Daueransprechpartner bräuchte, z.B. um Überreaktionen zu vermeiden, mit denen ich mir viel selber zerstöre

    Coach 2: Da wäre die Tandemlösung die ideale. Eine 2. Person die du kennst, die dich versteht, die mit dir einen WS besucht hat, oder die mit dir zusammen ein Coaching durchlaufen hat. Den Daueransprechpartner kann man auch bei Aufgaben wie aufräumen, Zeiteinteilung usw. nehmen


    ... letztendlich funktionieren bei mir erlernte Dinge nur ungefähr zwei Wochen, wenn dann eine Pause eintritt, muss ich komplett wieder bei Null anfangen..

    Coach 2: Man kann den Zeitraum aber auch ausweiten - es ist ein Training! und du brauchst Geduld und Zuversicht in deine Fähigkeiten.


    Es gibt also keine Hoffnung darauf, sein Problem endgültig "zu kurieren"?

    Coach 1: Kurieren nicht, aber dir zeigen wie du damit umgehen kannst, so das deine Lebensstruktur wieder Sinn und Glück enthält.

    Coach 2: ADHS ist nicht heilbar- aber du kannst Strategien entwickeln, die dir helfen, den Alltag besser zu regeln und das geht auch wenn man älter ist als 30, es ist nie zu spät.


    Wie kann ich einen Wochenplan/Tagesplan machen und den auch einigermaßen durchhalten? Sämtliche Pläne schaffe ich so 2-3 Wochen und dann wieder das alte Fahrwasser.

    Coach 2: Du musst vor allem mit kleinen Schritten anfangen - das gehört zu einem individuellen Coaching dazu wenn du nur eine Aufgabe schaffst, dann nimmst du dir eben nur eine vor! Es nutzt nichts wenn du einen Riesenberg vor dir hast, den du sowieso nicht bewältigen kannst, später wird es dann mehr. Und vor allem lob dich , wenn du das eine Ziel erreicht hast - und denk nicht an 95 andere, die du nicht geschafft hast. Du bist du und es muss für dich machbar sein...

    Coach 1: genau... und vergiss nicht dich zu belohnen, das meine ich wirklich.


    .. dann werd ich ja nie fertig mit einem Punkt...eben ich sehe leider die 95 anderen ständig

    Coach 2: Dazu brauchst du vielleicht jemanden von außen, der dich an die Hand nimmt – im übertragenen Sinn - und von außen anleitet und auch lobt, bis du es dir selber erlaubst.

    Coach 1: Geduld auch mit sich selbst kann man lernen, auch dafür ist ein Coach da.


    Kann man sich das auch selbst beibringen? Hatte noch nie eigentlich eine Struktur..

    Coach 2: Selber ist total schwer - aber machbar - kommt darauf an, ob du selber streng und konsequent sein kannst.

    Coach 1: Ich versuch dir mal Mut zu machen: du hast die Fähigkeit deine "Probleme" zu beschreiben und zu isolieren, wenn du das kannst, kannst du sie auch ändern.


    Kann momentan einen Coach nicht bezahlen ...deshalb suche ich ja nach Möglichkeiten die umsetzbar sind...

    Coach 2: Hast du eine gute Freundin, die dir auf die Füße treten kann?! - mach doch mit ihr aus, dass sie dich unterstützt du musst ihr aber sagen, was du von ihr erwartest - und ihr nicht böse sein, wenn sie es einfordert. Wer dich kennt, weiß sowieso, dass du etwas andere Strukturen hast - wahrscheinlich macht dich das auch so sympathisch, dass sie dich mögen, du hilfst vielen, wenn du offen bist, dann können sie dich auch besser einschätzen.


    Muss ich eine klare Diagnose haben für ein Coaching?

    Coach 2
    : Nein, musst du nicht - es geht ja darum, dir zu helfen, Struktur in dein leben zu bringen, dazu reicht Symptomatik! es geht ja nicht um Medikation.


    Ich möchte hier gerne fragen: Ich werde seit 2 Jahren von einer fachkundigen Frau betreut ,sie ist aber seit kurzem mehr eingebunden in ihre "richtige Arbeit“, die sie jetzt mehr in Anspruch nimmt, so dass ich nicht jeden Tag eine Mail bekomme und kaum anrufen kann. Soll ich mir einen neuen suchen?

    Coach 2: Dann bleib bei ihr so lang es geht, denn vertrauen ist total wichtig


    Auch mit nicht so vielen Mails?

    Coach 2: Das musst du entscheiden - aber zu einem guten Coaching gehört auch, dass man sich irgendwann abnabelt und selbständiger macht - nimm es als Herausforderung. du hast ja noch Rückhalt - aber du wirst eigenständiger.

    Coach 1: Ich antworte oft auch nur auf Mails wenn sie dringlich sind. Ich vertraue auf die Selbstlösungsfähigkeit. man kann auch "Zeichen" festlegen wenn man eine Antwort haben "muss". Ich habe Klienten die nur Dinge "wegschreiben" wollen, weil es ihnen danach schon besser geht, dass ist auch eine Art der Hilfe.


    Ein Coaching soll ja nicht der einzige Punkt sein, der bei einer Behandlung zum Tragen kommt, sondern bildet ein Standbein einer multimodalen Therapie. Inwiefern besteht im Regelfall ein dauerhafter Kontakt zwischen dem Coach und den anderen involvierten Fachleuten und gibt es Möglichkeiten, auch z.B. die medikamentöse Behandlung an das laufende Coaching anzupassen?

    Coach 1: Ja die Möglichkeit der Anpassung gibt es. Als Beispiel wende ich auch Elemente der NLP an, z. Bsp. Ankerpunkte setzen. Damit habe ich schon wirklich gute Erfolge erzielt, weil die Klienten oft zum ersten mal erleben können was ruhig sein, überhaupt bedeutet : NEUROLINGUALES PROGRAMMIEREN, MAN PFLANZT BESTIMMTE BEFEHLE INS SYSTEM EIN DIE MIT BESTIMMTEN ALS SEHR SCHÖN EMPFUNDENEN MOMENTEN VERKNÜPFT WERDEN, diese kann man dann in Sekunden abrufen. z.Bsp. in Prüfungssituationen, Stresssituationen usw. Damit haben wir auch schon Dosisreduktion erreichen können, aber die Medis sind wie eine Brille, wenn man sie braucht ist man froh sie zu haben. .... Anmerkung User: was dann in etwa analog zur Psychotherapie mit/ohne Medikamenten wäre.

    Coach1: Außerdem kommen wie schon gesagt systemische Aspekte dazu, auch weitere alternative Methoden sind möglich und auch erfolgreich.

    Coach 2: Du hast vollkommen Recht - leider besteht gerade in unserer Gegend ein sehr großes Problem, kompetente "Mitstreiter" zu finden- es gibt in einem Umkreis von über 100 km keinen Arzt, der sich kompetent mit dem Gebiet auseinandersetzt - wir haben schon zu vielen Kontakt aufgenommen, wurden aber oft enttäuscht, weil es zu "arbeitsintensiv" sei, sich mit diesem Problem auseinander zusetzen .... Naja, was derzeit leider noch eher der Regelfall, als eine Ausnahme ist.


    Gruppencoaching... Ist ja ein Begriff, der immer mal wieder auftaucht, näheres findet man dazu aber eher nirgendwo. Macht so was generell Sinn und falls ja, ggf. unter welchen besonderen Bedingungen beim Betroffenen?

    Coach 2: Ist auf jeden Fall eine Möglichkeit - viele Dinge sind besser für das Einzelcoaching, da es kein einheitliches Bild gibt, aber viele Dinge ähneln sich doch und es kann auch entlastend sein, zu sehen, wie es andere Betroffene händeln. Man kann am "Modell" sehen, wie es gehen kann und dann versuchen es zu übernehmen. ADHS Betroffene haben die tollsten Strategien entwickelt - im wahrsten Sinne des Wortes zu überleben - und man kann voneinander profitieren.


    Coach 1: Gruppencoaching, ja das ist so ein Ding, wenn überhaupt dann mit max.10 Personen, sonst geht die Individualität völlig unter. Ich neige eher nicht dazu, denn gerade bei der ADHS-Thematik sind sehr viele wirklich intime Dinge ein Thema. Damit meine ich nicht unbedingt sexuell-intim, auch andere alltägliche Dinge können einen sehr intimen Charakter haben. Ich würde da lieber einen Workshop ansetzen, wie ich es ja auch tue, darin sind wichtig Gruppenarbeit, Tandembildung, wie meine Kollegin schon schrieb, auch zu sehen : ich bin nicht alleine!

    Coach 2: Zudem kommt hinzu, dass hinterher mit einem Tandempartner weiter gearbeitet werden kann - hat zum einen finanzielle Vorteile, aber auch sehr große inhaltliche, da der andere weiß, worum es geht und da ist, wenn man ihn braucht.

    Coach 1: Einzelcoaching-Workshop-Tandem-S​elbsthilfe-Selbstständigkeit, das sind meine Themen in dieser Reihenfolge.


    Würde eventuell eine Kombination beider Verfahren auch von Anfang des Coachings an einen Sinn ergeben? Also Einzel + Gruppencoaching? Ich denk hierbei auch an die leidige Kostenfrage, also das gemeinsame Problem der Betroffenen und der Coaches

    Coach 2: In einem Workshop können Grundlagen gelegt werden, die dann individuell bei Bedarf weiter ausgearbeitet werden können... warte mal.. wie meinst du das genau? ob beides nebeneinander Sinn macht? Anmerkung User: Genau das, ja.

    Coach1: Ich kann keine generelle Antwort geben, ich setze bei ADHS den gleichen Preis ein, also Einzelcoaching hat den Preis eines Workshops. Damit komme ich persönlich den ADHS Klienten entgegen. Wie andere es machen kann ich nicht sagen. Ich würde diese Mischform eher nicht anwenden, die Arbeit soll effektiv sein und keine wirtschaftlichen Beweggründe haben.

    Coach 2: Ich denke, dass es hilfreich sein kann, die Basis im Workshop zu legen und dann zu sehen, wer allein klar kommt - eventuell mit Mailkontakt oder Telefon, wer mit dem Tandempartner arbeiten kann - aber auch hierfür sollte es das gemeinsame Gerüst geben - oder wer ein Individualcoaching - eventuell auch mit dem Partner braucht - es gibt keine Patentantwort!


    Stichwort: Stark strukturiertes AD(H)S. Nicht wenige von uns (die Dunkelziffer dürfte da hoch sein, weil viele dadurch "unerkannt" bleiben) leiden ja unter dieser Sonderform und haben mit der Zeit besonders starke Strukturen ausgebildet. Gibt’s bei dieser Form von AD(H)S bei einem Coaching besondere Problematiken (gerade durch die sehr "soliden" Strukturen) und ggf. auch besondere Ansätze und Verfahrensweisen beim Coaching?

    Coach 1: Ja, da geht um ersetzen von alten Mustern, die kann man nicht einfach wegnehmen, man muss sie ersetzen mit neuen effektiven Strukturen, außerdem würde ich überprüfen mit welchen persönlichen Glaubenssätzen du ausgestattet bist..


    Glaubenssätze ... was hat man sich darunter vorzustellen?

    Coach 1: Das sind die Grundstrukturen deiner Existenz, Beispiel: ich bin nicht gut genug, ich bin nicht attraktiv, ich bin es nicht wert Erfolg zu haben, oder geliebt zu werden usw. diese Instruktionen sind so tief abgespeichert das du sie schwerlich finden kannst, ohne Hilfe.


    Du hast vorhin die systemische Familienaufstellung erwähnt. Wie bzw. welche Erfahrung hast du da, welche Gefühle kommen da bei den ADHSlern hoch und wie gehen sie damit um?

    Coach 1: Sehr gute Erfahrungen, die Klienten sehen wie wichtig die Medikation für sie ist, sie sehen wie Situationen verändert werden können um das Umfeld zu verändern, aber noch wichtiger ist es eigentlich.... die Freunde und angehörigen in die rolle des Klienten zu versetzen, dann endlich können sie sich in den Zustand des Betroffenen hineinversetzen. Man kann herausfinden ob Medis noch wichtig sind, Wirkung zeigen, oder ob sie ein Gewohnheitsfaktor geworden sind. Sehr kompliziert theoretisch zu vermitteln.


    Mir ging es darum, wenn die gleichen Gefühle hochkommen, entstehen bei mir Aggression usw.

    Coach1: Nein, der Therapeut kann die Gefühlsintensität steuern.


    Also geht es dabei hauptsächlich um die Wirkung der Medikamente?

    Coach1: Nein, es geht um Verständnis für die eigene Situation.

    Anmerkung eines Users zum User der die Frage gestellt hat: Denk mal die Verarbeitung der unter Medikation (wieder) aufkommenden Gefühlswelt gehört auch primär zum Standbein Psychotherapie

    Coach 1: Ja, und die wird so gesteuert, vom Therapeuten das es nicht zu Zusammenbrüchen kommt. Das wird außerhalb des Coachings durchgeführt, auch nur wenn es der Klient wünscht, eine Aufstellung darf nicht aufgedrückt werden!


    Würde es zu weit führen, grob zu erzählen, was in einer Aufstellung passiert? Was ist eine Aufstellung?

    Coach 1: Das ist eine kurzzeit-lösungsorientierte Arbeit. Ich versuch es mal einfach zu erklären... ein Klient hat ein Problem, er möchte eine Auflösung dieses Problems herbeiführen, aber ohne viele Therapiestunden. Man bildet eine Personengruppe die nicht ohne bezug zum Problem sein kann. Der Therapeut lässt den Klienten Personen aussuchen die dann Familienmitglieder des Klienten personifizieren, der Therapeut weißt diesen Personen dann ihre rollen zu, in diesem Moment fühlen und reagieren diese Personen dann auch wie die entsprechenden Familienmitglieder. Der Klient hat die Möglichkeit diese Personen im Raum zuzuweisen, so wie er deren Bezug empfindet, also Opa neben Oma usw. Er kann den Personen fragen stellen die nie geklärt wurden usw. aber man kann auch Situationen aufstellen, Arbeitsstelle, Schule,​ Krankheit usw.


    Das ist also dann rein situationsbezogen auf ein konkretes Problem?

    Coach 1: Ja, diese Dinge erkläre ich normalerweise in Workshopdauer, lässt sich nicht in 10 Sätzen beschreiben. Natürlich kommen Gefühle hoch, sollen es ja auch, aber der Therapeut lässt sie nicht eskalieren.... Ende des ganzen: man führt eine neue Situation herbei indem die Stellung der Personen, oder Dinge zueinander, neu ordnet.


    Aber die Problematik ist, dass ich mich in der Situation nur schwer davon lösen kann..

    Coach 1: Dann ist die Ausleitung des Therapeuten nicht in Ordnung, wenn du Dinge mitnimmst belasten sie anschließend dein Leben, da ist was falsch gelaufen. Ich mache die Auflösung in einem Abschlussritual.

    Coach 2: Die Gefühle sind ja sowieso da - du unterdrückst sie nur, das heißt aber nicht, dass du damit klar kommst - es kann eher sein, dass sie unkontrolliert hervorkommen, da ist es besser, es ist in einem geschützten Raum und du kannst sie bearbeiten.. alles ist aber nur sinnvoll, wenn gewünscht.


    Ich habe an mehreren Stellen gelesen, dass auch enge Angehörige coachen können bzw. nach einem Coaching unterstützend wirken können. Mit der Vorstellung habe ich ein gröberes Problem. Mir wäre das zu eng, ich würde mich ständig unter Beobachtung und unter Druck fühlen, Außer der Angehörige geht selbst in eine Art "Elterntraining", Ich hätte Angst dass sich da ein ungutes Gefälle einschleift..


    Coach 2: Dann ist es auch nicht das richtige für dich - ein Coaching kann nur klappen, wenn das Vertrauensverhältnis da ist. sonst mauerst du oder verbiegst dich. Es kann klappen, aber nicht mit jedem. Besser ist es, die Angehörigen auch einzubeziehen, dass sie das Krankheitsbild verstehen und einordnen können.

    Coach 1: Natürlich, man sollte die engen Angehörigen mit in die Coachingmaßnahme einbauen, nicht mit dem Klienten aber begleitend. Was nützt es den Klienten an die Hand zu nehmen wenn er zu Hause wieder in das alte Umfeld kommt. Im kinderbereich ist das bei mir Voraussetzung für ein Coaching, bei Erwachsenen führe ich Workshops für Angehörige durch, ohne Bezug zum direkten Betroffenen.

    Coach 2: Es nimmt auch einem Angehörigen teilweise das Gefühl der Hilflosigkeit, wenn sie wissen, wo ihr Platz ist - wie sie helfen können - und wo es nicht angesagt ist.

    Coach1: Verständnis ist da und muss nicht erst gebildet werden

    Coach 2: Familie ist auch wichtig, denn sie ist der Bezugsrahmen, in dem man lebt - hier reicht auch oft Aufklärung.


    Werden immer nur Einzelpersonen gecoacht oder kann auch eine ganze Familie gecoacht werden? Wenn z.B. alle betroffen sind.

    Coach 1: Geht natürlich, ist manchmal sogar richtig spannend.

    Coach 1: Familiencoaching löst manchmal sehr schnell Missverständnisse auf, fördert die Kommunikation innerhalb der Familie.


    Also kein Ameisenhaufen?

    Coach 1: es ist machbar wenn die Grundstrukturen okay sind, aber ich würde zuerst eine gemeinsame Stunde durchführen, um zu sehen ob es durchführbar ist.


    Gibt es generell Unterschiede beim Coaching von Frauen und Männern?

    Coach 1: Ja, Männer haben sehr oft Probleme ihre ROLLE zu finden, zu definieren. Es mangelt am Selbstbild. Was ist oder soll Mann sein? Frauen haben Visionen, finden leichter Ziele, sind eher bereit Trennungen in Angriff zu nehmen. Im ADHS Coaching ist es ziemlich genau so, was das loslassen von fehl-Strukturen angeht. Männer sind hilfloser- ja es ist so und ich meine das nicht wertend!


    Oh, Frauen sind eher bereit Trennungen in Angriff zu nehmen? Das hätte ich nicht gedacht, ich dachte es wäre umgedreht?

    Coach 1: Doch es ist so.

    Coach 2: Es wandelt sich! Frauen werden entschlossener! Oft fehlt aber der Mut zur Konsequenz. Ihr müsst nicht die Trennung vom Partner unbedingt sehen, es geht auch um Trennung von Mustern und Rollenvorstellungen.


    Ist auch ein ADHS Coach an eine Schweigepflicht gebunden, so wie jeder Arzt, also ich meine gesetzlich?

    Coach 1: Ja natürlich auch gesetzlich, ich arbeite ja auch für Gerichte.


    Tandemlösung mit Partner wie lange dauert ein WS? Was ist mit Aggression--wegen genervt vom Partnercoach?

    Coach 1: Workshop 45 Stunden an 2 Wochenenden über 2 1/2 Tage.

    Coach 2: Das ist sehr schwierig und führt häufig zu noch mehr Komplikationen im Alltag - er ist ja nicht nur dein Coach, sondern eben auch dein Partner - vielleicht auch Vater deiner Kinder usw. zu viele Rollen, die auseinander gehalten werden müssen. Würde ich nicht unbedingt empfehlen außer ihr habt eine super stabile Beziehung!
    Geändert von Sunshine (13.03.2010 um 22:00 Uhr) Grund: Farben ergänzt

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