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Diskutiere im Thema Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand... im Forum ADS ADHS: Coaching
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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Ich sitze gerade vor meinen Hausaufgaben aus dem Coaching.

    Darunter ist eine Frage zu beantworten: "Womit kann ich mich motivieren?"

    Nun, die letzte Sitzung hat mich stark ins Nachdenken gebracht. Ich stehe momentan am Ende meines Studiums. Ich habe 3 Bewerbungen auf eine Doktorandenstelle geschrieben, zwei Ablehnungen erhalten, eine Einladung zu einem Bewerbungsgespräch für das ich viele Kilometer Zug gefahren bin. Das letztere wird wohl nichts mehr da ich lange Zeit keine Rückmeldung erhielt. Nebenbei habe ich sehr viel Stress meine Diplomarbeit fertigzustellen, ich schreibe in letzter täglich zwischen 6 und 8 Stunden daran. Da war ich in der Vergangenheit wohl wirklich zu faul bzw. habe die benötigte Zeit vollkommen falsch eingeschätzt.
    Nebenher musste ich während der ganzen Diplomarbeit noch arbeiten, zunächst abends bis in die Nacht sprichwörtlich als Tellerwäscher, nun eine Stunde täglich als Getränkeauffüller in einem Kiosk. Das ist notwendig um meinen Lebensunterhalt zu gewährleisten, da ich keine Unterstützung mehr erhalten kann aufgrund meiner Studiendauer von 14 Semestern. Bafög fällt neben der überschrittenen Regelstudienzeit auch altersbedingt weg, mein Vater unterstützt mich lange Zeit schon nur noch mit einem Betrag von dem ich nur die Miete zahlen kann. Auch er sieht nicht ein, wieso er weiter mehr zahlen sollte, ich musste mit ihm vereinbaren, dass ich einen Bildungskredit aufnehme, der nun ebenfalls abgelaufen ist.
    Folglich bleibt mir nur die Möglichkeit, nebenher zu arbeiten. Ich gebe zu, das hätte ich früher tun können, da war es Faulheit. Da mein Vater bis dato jedoch kommentarlos zahlte und bei meinen Kommilitonen das auch nicht anders aussieht bei gleicher Studiendauer bin ich dummerweise davon ausgegangen, dass es so weitergehen würde. Mit Abschluss der Regelstudienzeit kam dann der Druck von meinem Vater, die Kürzung des Geldes und die Notwendigkeit zu arbeiten entstand in einer Zeit, in der das nun wirklich nicht so günstig ist, nämlich während der Diplomarbeit.

    Vor der Diplomarbeit habe ich aufgrund des Drucks meines Vaters die zu absolvierenden mündlichen Diplomprüfungen im Eilverfahren abgehandelt, das heißt 9 Monate lang habe ich nichts anderes gemacht als komplett pausenfrei durchgelernt. Dann hatte ich ein paar Wochen Urlaub, da ich nicht sofort anfangen konnte mit der Diplomarbeit. Und nun seit 10 Monaten Diplomarbeit, das heißt morgens bis nachmittags im Labor. Danach die beschriebenen Nebentätigkeiten. Ja, da ist noch Zeit frei, die ich mehr für das Schreiben hätte nutzen können. Um dann direkt danach zur Arbeit zu gehen. Da war ich wohl auch zu faul und deswegen hab ich jetzt wieder den Stress. Ich musste um einen Monat verlängern, da ich es nicht geschafft hätte. Zusammengefasst kotzt mich mein Leben seit fast zwei Jahren irgendwie ziemlich an und ich hoffe dass ich bald mal wieder in eine entspanntere Situation kommen kann.

    Ich schreib schon wieder zuviel im Forum wie man ja sieht. Ich verliere zu schnell den Blick aufs Wesentliche, ich werde gleich weitermachen, die Hausaufgaben fürs Coaching fertigstellen, dann weiter schreiben.

    Wegen dem Stress auf der Stelle, der auch letztendlich dazu führte, dass ich diese Diagnose bekam, gerate ich in eine Art antriebslosen Schwebezustand. Irgendwie fühlt es sich an als beobachte ich mein Leben und wie es nicht richtig läuft. Und ich denke mir dazu "Du musst etwas tun!" Aber ich gleite immer wieder in eine Art Lähmungszustand ab, in dem ich vergesse, mich auf die Wichtigkeit vieler Dinge zu konzentrieren, die momentan enorm bedeutsam sind. Es sind so viele. Ich habe das Gefühl, dass alles aus dem Ruder läuft sobald ich mal eine Minute nicht aufpasse. Ich brauche immer einen Impuls, meist einen unangenehmen, um irgendetwas zu ändern. Den Rest der Zeit sind mir die Dinge klar aber ich ändere nichts oder verdränge irgendwie. Sobald Probleme aufkommen werde ich mir bewusst: Ja, da bist du selbst schuld dran. Ändere etwas.

    So wie ich mir jetzt gerade bewusst bin, dass ich unbedingt weitere Bewerbungen schreiben muss. Weil ich ansonsten bald arbeitslos dastehe. Aber da ist ja auch noch viel anderes, viele Leute wollen irgendetwas von mir, ich muss viele verschiedene Erwartungen erfüllen, die alle nicht interessiert, was der jeweils andere erwartet. Und ich habe Probleme, die Prioritäten zu organisieren, alles unter einen Hut zu bringen.

    Im Coaching ist das Wort "Faulheit" gefallen. Ich weiß nicht ob meine Coachin (Coach-Frau??) mir wirklich mitteilen wollte, dass sie mich für faul hält. Ja, ich meine sie hat sogar in einem Zusammenhang mal gesagt, das es Faulheit ist.

    Verstehen nichtmal die Leute uns wirklich, die ein coaching veranstalten??

    Ich hab da jetzt wirklich selbstkritisch drüber nachgedacht. Ich bin sicher oft faul, keine Frage. Vielleicht hat mein Umfeld Recht. Vielleicht muss ich mich nur mehr anstrengen. Jedoch geben mir ein paar Dinge zu denken.

    Die Frage "Womit kann ich mich motivieren?" hat mich sehr zum Nachdenken angeregt. Hintergrund ist, dass ich ihr vermittelt habe, dass mir ein bisschen Grundlagen der Psychologie bewusst sind. Dass wir um Verhalten zu erlernen einen Konditionierungsvorgang durchmachen müssen. Dass ich hauptsächlich negativ konditioniert bin, das heißt, ich mache Dinge erst dann, wenn sie unangenehm werden. Diese Frage soll bezwecken, dass ich mir nun Dinge ausdenke, mit denen ich erwünschtes Verhalten belohnen kann, damit ich mich positiv konditioniere.

    Und jetzt kommt das was mich stutzig macht - ich finde es extrem schwer, auf diese Frage für mich persönlich eine Antwort zu finden. Was kann mich genug belohnen, dass es eine Änderung im Verhalten herbeiführen kann?? Ich weiß es absolut nicht. Der Alltag bietet mir keine großartigen Möglichkeiten. Ich weiß, dass andere sich damit motivieren, dass sie sich ein Eis gönnen. Oder ihre Lieblingsmusik hören, ein Buch lesen oder was weiß ich. Aber ich finde in all diesen Dingen keine "Belohnung" auf die ich mich wirklich freuen könnte. Das ist für mich alles zu unspektakulär. Andere empfinden scheinbar sehr oft ein Glücksgefühl wenn sie etwas essen - Süßigkeiten zum Beispiel. Ich kaufe mir extrem selten Süßigkeiten, so toll finde ich die nicht. Ich empfinde das normale Essen auch eher als Notwendigkeit als als etwas auf das ich mich freue. Andere sind glücklich wenn sie aufgeräumt haben und das Zimmer ordentlich ist. Für mich ist es dann einfach ordentlich. Allerhöchstens die Gewissensberuhigung dann etwas Sinnvolles getan zu haben löst etwas Befriedigung in mir aus. Ich empfinde Aufräumen als gesellschaftliche Norm die ich erfüllen soll, zu der ich aber selbst keinen Antrieb irgendeiner Art verspüre.

    Wenn ich mal etwas habe, das mir wirklich Spaß macht dann nur kurz. Es motiviert mich oft nicht längerfristig. Computerspiele zum Beispiel. Ich spiele ganz gerne mal am Computer. Aber wenig davon motiviert mich lange. Ich kenne Leute, die jahrelang auf einem Spiel hängenbleiben und das bis zum semi-professionellen Status treiben. Ich kann das nicht. Was nich unbedingt schlecht ist, will ich sagen. Das berüchtigte World of Warcraft hatte ich mal zwei Monate lang getestet. Dann hatte ich keine Lust mehr. Ich fands sehr cool, aber dann war der Reiz weg. Meine Freunde versuchten mich unablässig zu überreden wieder mitzumachen - aber ich hab keinen Bock mehr. Ich hab hier ein Stephen King Buch liegen. Ich hab das vor 6 Jahren angefangen und zur Hälfte gelesen. Dann aus welchen Gründen auch immer keine Lust mehr darauf gehabt. Vor ein paar Monaten hatte ich wieder Lust drauf, ich habe es neu begonnen. Jetzt bin ich wieder bei der Hälfte und wieder liegt es seit einem Monat nur rum. Als Kind hab ich mehr gelesen aber dann die Bücher immer in eins durch - innerhalb von ein paar Tagen nonstop-Lesen. So ist das mit allem bei mir - die Motivation kommt und geht und ich kann nicht erklären, was der Auslöser ist. Die Motivation ist ganz extrem da - oder garnicht.

    Upps etwas abgedriftet - naja, Tatsache ist, das Problem dabei, mich zu etwas zu konditionieren liegt alleine schon in der Tatsache, dass ich keine Reize finde, die mich angemessen belohnen würden.
    Wenn ich mich zurückerinnere habe ich sowas früher oft mit Drogen getan. "Arbeit geschafft, erstmal einen Joint zur Entspannung." Oder ein Bierchen vom Kiosk holen. Aber der Alltag? Ich kann mich einfach über wenig Sachen wirklich freuen. Ich finde beim besten Willen nichts, keine Idee was ich machen könnte, womit ich mich für einen geschafften Punkt im Tagesplan belohnen könnte. Drogen sind ja wohl kaum das Mittel der Wahl dazu.

    Und da wird mir beim Nachdenken bewusst, dass das Teil meines Problems ist. Ich glaube nicht, dass ich ausschließlich faul bin. Ich bin auch oft einfach antriebslos. Ich hatte schon das Gefühl, dass da ein Unterschied besteht und habe gerade recherchiert. Ich habe Recht. Faulheit ist der mangelnde Wille, etwas zu tun. Antriebslosigkeit ist im Gegenzug keine wirklich freie Entscheidung. Manchmal bin ich faul. Manchmal sage ich mir "Heute keinen Bock etwas zu tun". Vielleicht zu oft, das mag stimmen. Aber es gibt auch oft genug die andere, oben sehr ausführlich beschriebene Situation. Das Gefühl, wie gelähmt zu sein, dem Willen dabei antriebslos zuzuhören was er zu sagen hat. "Du musst noch dieses und jenes erledigen". Es hören, aufnehmen, wissen. Und dennoch nichts tun und sich am Ende fragen, wieso hat man eigentlich nichts getan???

    Das ist der Unterschied zwischen Antriebslosigkeit und Faulheit. Und die Antriebslosigkeit macht mir das Leben schwer.

    Ich weiß: Antrieb entsteht in unserem Belohnungszentrum. Unser Belohnungszentrum lehrt uns Verhalten durch Antrieb. Wir ändern Verhalten, wenn wir im Resultat dafür belohnt werden.
    Das jedoch funktioniert mit Dopamin. Was tun, wenn genau diese Sache beeinträchtigt ist? Wie bei ADHS? Wenn ich mir meine Gedanken oben so anschaue wird mir einiges bewusst: Ich bekomme nur sehr selten genug Dopamin freigesetzt um mein Verhalten zu ändern. Es sind immer neuartige, intensivere Stimuli als bei anderen Menschen dafür notwendig. Deswegen bin ich auch so - nur die Gegenseite funktioniert wirklich effektiv. Ich ändere mich meist nur dann, wenn die Konsequenzen unangenehm genug werden. Das ist aber nicht gut, denn es macht depressiv auf die Zeit. Nur negatives Feedback endet in erlernter Hilflosigkeit.

    Wie ändere ich daran etwas? Wie finde ich etwas, das mich motivieren kann? Wie komme ich raus aus dem Gefühl, dass mir alles entgleitet wenn ich mich nicht extrem anstrenge und auf alles hyperfokussiere?

    Das war ein sehr langer Text. Teilweise frei heraus assoziierte Gedankengänge. Entnehmt daraus und diskutiert, was euch in den Sinn kommt. Ich bin momentan etwas frustriert mit der Lage. Wenn ihr mir etwas Verständnis entgegenbringen könntet wäre ich dankbar, denn meine Umwelt kann das nicht. Niemand der es nicht kennt versteht das glaube ich. Ich glaube nicht, dass ich nur faul bin. Sicher bin ich auch mal faul. Aber für mich gibt es irgendwie nur die Extreme - komplett abschweifen und alles verlieren - oder komplett hyperfokussieren und mich extrem stressen.

    Meine Frage an euch ist vor allem jedoch: Wie macht ihr das? Welche Ideen für die alltägliche Selbstbelohnung habt ihr, welche verwirklicht ihr? Ich bin für Anregungen sehr dankbar.

    Denn eines steht fest: Ich WILL etwas ändern. Ich brauche lediglich angemessene Instrumente das auch zu können.
    Geändert von hypocampus (11.08.2011 um 12:27 Uhr)

  2. #2
    mit Nebenwirkung

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 48
    Forum-Beiträge: 4.672

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Hallo hypocampus,

    melde mich mal zaghaft zu Wort...

    Ich sag' mal gleich vorweg:Ich habe keine Idee, keine Antwort in dem Sinne.

    Ich erkenne mich in deiner Gefühlswelt 1:1 wieder...auch wenn unsere Leben sich total unterscheiden. (ich studiere nicht, muss nix lernen, keinen Abschluss machen und habe bis jetzt auch keine großen finanziellen Sorgen)


    Aber ich fühle mich genau so, wie du es beschreibst... gelähmt ...immer mit der quälenden Frage: Bist du faul, oder warum machst du nicht einfach etwas?

    Und auch für mich gibt es keine Belohnung. Nichts was mich langfristig erfreut, was ich mir wünsche... gar nix...ausser vllt. meine Ruhe zu haben, aber auch dassist nicht wirklich mein Wunsch, sondern eine ...quasi aus der Not geborene Notwendigkeit... ich btauche meine Ruhe...hätte aber lieber was ganz anderes.


    Aber ich weiß, was ich nicht brauche... Ich brauche keine Kritik, um zu sehen, dass ich etwas verändern muss... und ich brauche auch keine Vorwürfe.
    Ich nehme an, das geht dir genauso.

    Dass du danach gefragt wirst, wie du dich motivieren kannst, und dir gleichzeitig gesagt wird, dass du (vermutlich?) faul bist...ist für mich, als ob sie sagt: Überleg dir mal, was du essen willst, aber eigentlich bist du eh zu dick...
    Verstehst du was ich meine?
    Da hat man doch schon gleich das Gefühl, dass man überhaupt nicht mehr drüber nach denken muss... sie gibt ja vor, dass du eigentlich keine Motivation brauchst, sondern nur weniger faul sein müsstest...


    Ich finde diesen Therapieansatz eigentlich nicht in Ordnung. Denn das ist ja das, was uns auch andere immer wieder gerne mitteilen (dass wir faul sind, nicht wollen, usw)... dafür brauche ich keine Therapie...
    Ich habe von meiner VT auch mehr Macken bekommen, als dass sie reduziert worden wären. Hier im Forum habe ich aber erfahren, dass das nicht zwangsläufig bei solch einer Therapie sein muss, sondern, dass der/die Therapeut(in) unpassend war.

    Ich weiß nicht, wie groß in deiner Gegend die Auswahl ist, an Coachs und ich weiß auch nicht, ob das vllt. eine Ausnahme war und sie sonst sehr einfühlsam und hilfreich für dich ist... aber aus meiner Erfahrung kann ich nur sagen, wenn du zunehmend unter der Therapeutin und ihren "Methoden" leidest, dann trenn' dich von ihr (kann man ja auch ansprechen, wenn man mutig genug ist, bevor man sich trennt, vllt. hat sie ja eine überzeugende Erklärung).
    Wir haben ja gelernt, dass wir uns Menschen suchen sollen, die uns gut tun! Das gilt sicherlich noch einmal mehr, für unsere Therapeuten....


    Wie gesagt, konstruktive Anregungen, kann ich dir leider nicht geben...

    Liebe Grüße
    happypill

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    wow, erstmal kompliment zu deinem schreiben.

    sehr reflektiert:
    die tägliche motivation ist eins meiner hauptprobleme.... vorallem, es gibt tage da läuft alles und andere da geht gar nichts.

    p.s. und bei mir ging leider auch immer alles besser mit a... tritt - was sehr anstrengend war. oder mit zureden, ich werde es allen zeigen,
    augen zu und durch, durchbeissen, es kann nur noch besser werden u.s.w.

    gruss

  4. #4
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.871

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Meiner Meinung nach liegt das Problem nicht nur in der fehlenden Motivation.

    Momentan steckst du, so liest es sich für mich, mitten im Chaos und befindest dich daher in einer Krise. Du weißt nicht, wo du anfangen sollst und du hast keine Ahnung, wie du das alles bewältigen sollst. Dazu kommt, dass du in deiner Vergangenheit ähnliche Probleme hattest und dass du damals schon Probleme deswegen bekommen hast, die teilweise zur heutigen Problematik beitragen. Und selbst wenn du mit Sache X anfängst, wirst du wahrscheinlich ein schlechtes Gewissen habe, weil da noch A,B und C warten, die auch noch erledigt werden wollen. Du wist also auch Probleme haben, dich genau auf diese eine Sache zu konzentrieren, weil deine Gedanken permanent zu den anderen tausend anderen unerledigten Sachen abschweifen. So ist es zumindest bei mir.

    Was mir hilft:

    1. Ich schreibe mir alles auf, was erledigt werden muss. Sehr detailliert und wenn möglich schreibe ich mir hinter jede Aufgabe, wie lange ich wohl dafür brauchen werde.

    2. Ich überlege mir, was mir am wichtigsten ist. Was muss unbedingt dringend erledigt werden und was hat noch etwas Zeit? Wenn du dabei Probleme hast, dann frag einen Freund oder in der Arbeit einen Kollegen. Ich gehe ab und an meine Pläne mit anderen durch. Hilfreich ist auch die Frage: Was würde passieren, wenn ich X nicht sofort mache? Was passiert, wenn ich X überhaupt nicht mache?
    Bei diesem Schritt ist es auch wichtig, sich zu überlegen, was man selber will und was andere von einem wollen. Ich habe einige Dinge aus meinen Plänen gestrichen, weil ich gemerkt habe, dass ich das eigentlich gar nicht machen will, sondern dass ich damit nur Erwarten erfülle würde, die andere an mich stellen. Ich selber bleibe dabei auf der Strecke.

    3. Ich nehme drei Blätter. Die beschrifte ich jeweils mit "Kurzfristiges", "Mittelfristiges", "Langfristiges". Die Aufgaben, die ich machen möchte, schreiben ich dann nach den gesetzten Prioritäten da rein.

    4. Ich unterteile die Aufgaben in möglichst kurze Zeitintervalle. Wichtig ist: Der Zeitablauf darf nicht zu lange sein. Die einzelnen Aufgaben sollten in möglichst kurze Zeitintervalle unterteilt werden.
    Ein Mensch mit ADHS ist "zeitblind". D.h. je länger die Konsequenz bzw. die Motivation hinter dem Ereignis stehen, desto schwächer wirkt sie. Das ist schon bei normalen Menschen so, bei ADHSlern ist das um einiges verstärkt. Wenn ich z.B. den ganzen Tag Zeit habe, die Küche aufzuräumen, weil der Mann meiner Träume abends zum essen vorbeikommt, dann könnt ihr sicher sein, dass ich meinen Hintern erst gegen Nachmittag hochkriege. Vorher denke ich immer, ochja, ich habe ja noch genügend Zeit, das mache ich später... Die Konsequenz wird mir erst dann bewusst, wenn sie greifbar ist. Genauso ist es mit der Motivation auch.

    Dazu kommt noch die Tatsache, dass es mir unglaublich schwer fällt, solche "Großprojekte" in Angriff zu nehmen. Beim Küche aufräumen, weiß ich oft nicht, wo ich anfangen soll. Und daher fällt es mir auch schwer anzufangen, weil es mir zu kompliziert ist. Ich sehe nur einen riesengroßen Berg. Und ich bin schon oft genug an diesen Bergen in meinem Leben gescheitert.
    Daher ist es wichtig, dass ich diesen Berg in Kleinstschritte unterteile. Z.B. räume ich erstmal den Tisch ab. Um mir die Hürde des Anfangens so gering wie möglich zu machen, stelle ich mir eine Eieruhr auf 5 Minuten und sage mir, dass ich jetzt diese 5 Minuten den Tisch abräume. Das ist eine überschaubare Zeit und 5 Minuten sind nicht viel. Die Aufgabe ist klar definiert und innerhalb des Zeitraums zu schaffen. Wenn der Tisch dann frei ist, fühle ich mich gut, weil ich immerhin DAS geschafft habe. Meine Motivation stellt sich langsam ein.
    Sorry, ich habe noch nichts gefunden, um mich fürs Putzen zu motivieren. Wie ich es drehe und wende, ich finde es ätzend.

    Außerdem schaffe ich es, mich innerhalb dieses kurzen Zeitraums nur auf diese eine Sache zu konzentrieren. Bei längeren Zeiträumen fällt mir das schwer und dann fange ich tausend Dinge an und bringe nichts zuende.

    Wenn ich erstmal eine Sache hinbekomme habe, fühle ich mich nicht mehr ganz so schlecht. Und das motiviert mich dann, weiter zu machen. Ich habe was geschafft und ich will noch mehr schaffen!


    Um meine zu erledigenden Aufgaben in Angriff zu nehmen, habe ich zwei unterschiedliche Vorgehensweisen:

    a) Ich erstelle mir einen Tagesplan. Wichtig: Pausen einplanen, lange Pausen. Und Pufferzeiten.

    b) Ich entscheide spontan, was ich mache. Einzige Regel: Ich muss hauptsächlich Aufgaben aus dem dem "Kurzfristigen" Blatt erledigen. Ich darf aber auch Aufgaben von den anderen Zettel machen, wenn mir gerade danach ist.

    Weiter ist für mich der gekonnte Umgang mit negativen Gedanken wichtig. Diese kommen bei mir immer wieder. Die Stimmen, die mir sagen, dass ich eh nix auf die Reihe kriege, dass ich mal wieder viel zu spät dran bin, dass ich nie was durchhalte, der ewige Versager bin, etc. Die werden immer wieder kommen und sie sind wichtig. Sie halten mich in der Spur und bewahren mich vorm Größenwahn. Wenn ich ihnen allerdings zuviel Macht über mich und mein Leben gebe, befinde ich mich auf dem besten Weg in eine Depression.

    Daher habe ich auch positive Gedanken etabliert. Anfangs habe ich sie mir aufgeschrieben, damit ich sie nicht vergesse. Ich habe nette Briefe und Postkarten, Zeitungsartikel etc. aufgehoben, in denen was positives zu mir steht. Wenn mir mal wieder der Gedanke ans Aufgeben kommt udn mir jegliche Kraft zum Weitermachen fehlt und mich die negative Stimme (du schaffst es nicht, du hälst nie was durch...) in meinem Kopf quält, dann hole ich eine Sache raus, die ich schon geschafft habe. Bei einem schwierigen Fall im Büro ist es die Dankesmail einer Kundin, bei der ich einen schwieirgen Fall gelöst habe. Ich habe es also schon geschafft, ich kann es also wieder schaffen! Mittlerweile brauche ich kaum noch Briefe und Postkarten. Die positiven Erlebnisse kann ich bei Bedarf abrufen. Es gelingt mir nicht immer gleich gut. Und es ist schwer. Aber es ist machbar und es ist ein verdammt tolles Gefühl, wenn man stolz auf sich selber ist und sein kann!

    Für mich kommt die Motivation daher direkt aus der Erledigung der Sache. Wenn ich ein Großprojekt abgeschlossen habe, dann gönne ich mir dafür ab und an was. Ein neues Buch, ein Hörspiel, etc. Aber mir persönlich sind diese Belohnungen viel zu weit weg von der Sache als dass sie für mich wirklich als Belohnung wirken könnten.

    Außerdem erlaube ich mir bewusst schlechte Tage. Jeder hat sie. Sie sind kein Weltuntergang. Und ja, ich darf mich manchmal absolut besch.... fühlen und böse auf die ganze Welt sein. Und an solchen Tagen ist es erlaubt, dass ich wenig hinbekomme. Was ich mir selber nicht erlaube, ist, dass ich an solchen Tagen nichts hinbekomme. Ich brauche am Tag mindestens eine Sache, die ihc geschafft habe. Und wenn ich nur fünf Minuten den Müll runtergebracht habe. Das ist wichtig für meine Achtung vor mir selber.


    Diese Vorgehensweise ist sicher nicht für jeden geeignet. Manches kann man abwandeln und so gestalten, dass es für einen selber passt. Mir hilft das so. Es ist mein ganz persönlicher Weg, der zwar etwas holprig ist, aber der auch ziemlich sonnig und im Grünen ist und er bringt mich ans Ziel.

    So, ich muss dann mal an meine Aufgaben. Die erledigen sich leider nicht von alleine. Die Übersichtsblätter sind immerhon schon gemacht.
    Geändert von Fliegenpilz (11.08.2011 um 16:19 Uhr)

  5. #5
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 1.625

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Hallo hypocampus,

    ich weiß genau, wie du dich fühlst. Mir ging es schon häufig so, seit ich im April vor 3 Jahren von zu Hause ausgezogen bin. An deiner Stelle würde ich mich nicht fragen ob ich faul bin. Sieh´ es doch mal so: Du sitzt ja nicht nur Tag für Tag zu Hause rum und vertrödelst die Zeit, sondern tust wirklich sinnvolle Dinge. Nur leider ist es in der heutigen Gesellschaft so, dass von den Menschen um einiges mehr verlangt wird als es noch vor einigen Jahren der Fall war. Die Gesellschaft hat extrem hohe Erwartungen an Einzelpersonen, und wer nicht rund um die Uhr funktioniert, fühlt sich einfach nur schlecht.

    Von Oktober bis April hatte ich eine Phase, in der es mir alles andere als gut ging. Ich arbeite als Bürokraft für eine Zeitarbeitsfirma und hatte in diesen Monaten einen sehr zeit- und kraftraubenden Einsatz. Jeden Tag bin ich 90 Minuten morgens in der Früh mit den Öffentlichen zur Arbeit gefahren und abends dieselbe Strecke wieder zurück. Der Job selbst war extrem stressig, 10-Stunden-Tage im Büro waren eher die Regel als die Ausnahme. Ich konnte mir selten eine Mittagspause leisten, sonst wäre noch mehr liegen geblieben. Ich bin als Zeitarbeiterin für einen Nebenjob angewiesen, weil mein Gehalt gerade mal ausreicht um meine Grundbedürfnisse zu decken. Letztes Jahr war ich 6 Monate arbeitslos und hatte aus dieser Zeit noch Schulden abzubezahlen. Außerdem will ich mir auch mal was gönnen und muss dazu noch mein Fernstudium finanzieren.

    Aber dieser Job hat mich dermaßen kaputt gemacht, dass ich außerhalb der Arbeitszeit fast nichts mehr auf die Reihe bekommen habe. Deshalb habe ich mich schweren Herzens entschlossen, im letzten Semester keine Prüfung im Studium abzulegen. Ich bin jeden Morgen zwischen 4:30 und 5:30 Uhr aus dem Haus gegangen und war abends erst zwischen 19:30 und 20:30 Uhr wieder zu Hause. Danach war ich total erledigt, denn im Winter werde ich eh so schnell müde. Leider ist mir das erst spät bewusst geworden, dass der Job nicht nur in der Einarbeitungsphase so heftig war. Sonst hätte ich das Studium schnell für einige Monate ad acta gelegt und nicht erst kurz vor Ende des Semesters. Ich hätte mich auf den Nebenjob konzentrieren sollen, denn ich habe das Geld gebraucht. So habe ich wegen Schusseligkeit auch meinen damaligen Nebenjob verloren und geriet in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten.

    Du solltest du nur so viel zumuten, wie du möglich bist zu leisten. In meinem jetzigen Job habe ich wenig zu tun und arbeite nur 7-8 Stunden täglich, aber langweilig wird mir trotzdem nicht. Zu Hause wartet mein Nebenjob auf mich sowie der Haushalt und das Studium. Das ist mehr als genug an Verpflichtungen. Ich halte mich auch strikt an den Plan, nicht mehr als 1-2 Termine nach der Arbeit unter der Woche anzunehmen. Wenn ich sehr spät nach Hause komme, ist der Tag gelaufen und ich nur gerädert.

    Was dir vielleicht auch helfen könnte, ist das Aufstellen eines Tagesplans an Erledigungen. Ich werde versuchen, das in einem anderen Thread hier zu posten, damit du siehst wie ich das meine. Dann kannst du deine To-Do-Liste Punkt für Punkt abhaken. Mir fällt es auch schwer, mich täglich zu motivieren. Schließlich hatte ich lange zu Hause gelebt und abgesehen von der Arbeit unter der Woche keinerlei Pflichten gehabt. Ich vermisse die Zeiten, in denen ich jeden Abend nach Hause komme und einfach nur tun und lassen kann, was ich will. Manchmal geht das natürlich schon, jeder hat das Recht auf einen Gammeltag. Aber unsere Pflichten sollten wir schon so weit es geht erfüllen.

  6. #6
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Hey hypocamps,

    Ich kann dich sehr gut verstehen, auch wenn ich selber nicht so viele Nebenjobs habe.
    Aber das mit der Antriebslosigkeit mach ich auch gerade durch.
    Deinen Beschreibungen entsprechend scheinst du überhaupt nicht faul zu sein Im Gegenteil!
    Das Problem ist, dass Nicht-AD(H)S ler sich nicht in uns hineinversetzen können und
    es so oft zu Missverständnissen kommt. Hab ich selber auch mitgemacht!
    Kann dir leider keinen Tipps geben, bin selber erste kurzfristig auf ADHS diagnostiziert worden.


    Wünsch dir auf jeden Fall viel Erfolg!

    Lg,

    Lia

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 27

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Also auch ich bin ich der Situation, dass ich sehr häufig nicht begreifen kann, warum ich meine Zeit oft regelrecht vertrödele. Zwei freie Tage und die Wohnung ist immer noch nicht aufgeräumt, die Rückware des Versandhandels immer noch nicht auf der Post, die Email meiner Freundin nun schon in der 3. Woche unbeantwortet und, und, und. Wie kann man zeitweise nur so unproduktiv sein? Obwohl man genau weiss, dass das mal wieder mit noch grösserem (Zeit)Stress enden wird...

    Bei Klausuren und später dann auch bei beruflichen Prüfungen, sowie meiner Diplomarbeit habe auch ich mich zeitlich immer wieder verschätzt. Anfänglich dachte ich immer "Ich hab' doch noch so viel Zeit!" und dann wurde mal wieder nur "auf Lücke gelernt". Klar, in einer Nachtschicht - den Energie-Drinks sei Dank! Unglaublich, dass ich so irgendwie durchgekommen bin...

    Persönlich habe ich das Gefühl, dass Motivation und Antrieb sich immer wieder ändern. Habe auch mal Zeiten, wo ich viel schaffe und dann mal wieder fast nada, niente, nix.

    Aber ich arbeite dran... Grössere Sachen teile ich mir in kleine Etappen auf. Anstatt z.B. die ganze Wohnung zu putzen, fange ich mal im Bad mit dem Waschbecken an... vielleicht noch die Toilette... aber wischen tue ich morgen. Und manchmal bin ich erstaunt, dass es sogar "freiwillig" mehr wird. Bin dann auch fast stolz, dass ich meine Vorgabe übertrumpft habe. (Jaja, ich weiss, hört sich albern an.)

    Alles, was es zu erledigen gilt, schreibe ich auf eine Liste... denn ich kann mir nicht immer alles merken und wenn z.B. nur das Aufräumen im Kopf rumschwirrt und ich darauf "keine Lust" habe, geht es sofort hinüber ins "abhängen". Auf der Liste kann ich aber ein wenig selektieren... da hat's vielleicht etwas, was jetzt gerade dann doch ok wäre zum Erledigen... und es ist schön, wenn man etwas abstreichen kann.

    Gibt es denn etwas, was dich auch gerne eher langfristig begeistern könnte, hypocampus? Eine Reise, ein aufregendes Erlebnis o.ä.? Ich hatte mir mal eine versiegelte Spardose, also so eine Blechbüchse zugelegt und jedes Mal, wenn ich einem Kauf wiederstanden habe (ein anderes Problem), habe ich Geld in die Spardose getan. Keinen festen Betrag, denn ich hab' nicht immer ein 5 Euro Stück da gehabt... also mal wurden es nur 2 Euro, dann aber auch mal 10 Euro. Ziel des ganzen war im Übrigen ein Kurztrip nach Paris. Vor Beginn dieser Aktion habe ich mir einen Reiseführer zugelegt gehabt und nach jedem "Reinschmiss" einen weiteren Abschnitt darin gelesen. Du hattest ja geschrieben, dass es finanziell momentan alles andere als rosig ausschaut. Daher wäre mein Vorschlag erst was für später... oder du arbeitest mit Spielgeld o.ä. welches stellvertretend für Geld steht, welches du dann später im Job verdienen wirst. Da wir ja schnell gelangweilt sind, reisst einen ein Eis als Belohnung vielleicht nicht wirklich vom Hocker, aber vielleicht etwas grösseres... aufregenderes... inspirierenderes?

    Hast du ansonsten Freunde, die deine Problematik kennen und dich ein wenig unterstützen könnten? Persönlich habe ich schon Bewerbungen für andere geschrieben, auch mal die Wohnung einer Freundin geputzt etc. (komisch, da siegt dann meine soziale Ader wieder... oder liegt's daran, dass man dann sozusagen einen Termin hat?) Ich denke, dass es immer gut ist zu wissen, dass man auf Unterstützung zählen kann und wenn hier und da etwas wegfällt, hat man weniger auf den Schultern lasten.

    Wo kannst du vielleicht Abläufe noch optimieren? Ja, ich weiss, dass es recht daneben ist, aber ich benutze sehr häufig Pappteller und Plastikbesteck. Auch meinen Morgen-Kaffee gibt's aus 'nem Becherchen. Schon alleine der Gedanke, dass ich nach den Mahlzeiten nicht (oder nur kaum) abwaschen muss, erleichtert mich manchmal. Auch koche ich immer grosse Portionen und friere auch ein. Einmal Überwindung, aber davon habe ich dann auch tagelang etwas. Schön zu wissen, dass man seine Mahlzeiten für die nächsten Tage schon zusammen hat. Und ADSler können ja recht kreativ sein, nicht wahr?

    Was das Lernen anbetrifft, so haben mir kleinere Lerngruppen gut getan. Diese hielten wir in für mich extrem uninteressanten Fächern ab. Wenn die Leute dann vor der Tür standen, gab's kein zurück mehr. Es musste gelernt werden! Und vieles fiel mir auch gleich leichter... mal wusste der eine etwas mehr, mal der andere... doch, das war ganz gut für mich! Hättest du vielleicht jemanden, der dich ein wenig pushen könnte! Jemand, der mal einen Samstag bei dir verbringt und sozusagen dein "Kommandant" ist... der dich motiviert weiterzuschreiben und dich z.B. jede Stunde auf eine Pause "rausholt" und dich mit Power aber auch wieder ans Schreiben schickt. Die Idee stammt im Übrigen von den Fitness Boot Camps in den USA. Einer schreit dir die ganze Zeit zu, welche Übungen du machen sollst.

    Auch wenn ich mich (noch) nicht so gut auskenne, finde ich es voll daneben jemanden mit ADS als "faul" zu betiteln. Hat sie das wirklich Ernst gemeint oder wollte sie dich eventuell nur provozieren, damit du "loslegst"? Wenn du dich bei ihr nicht wohlfühlst, such' dir unbedingt jemand anderen! Nimmst du Medikamente? Ich weiss nicht, wie das bei ADS-Medis ist, aber können die eventuell auch sedieren? Ich will dir wirklich nicht zu nahe treten, aber du wirkst sehr bedrückt... Îch kann nur aus meiner eigenen Erfahrung berichten, dass ich in meiner kurzen depressiven Phase extrem müde und desinteressiert... bzw. antriebslos war... Auf der anderen Seite muss ich dir aber auch mal ein Kompliment aussprechen: ich find's prima, wie du dich selbst reflektierst und versuchst deine Probleme in den Griff zu kriegen. Finanzielle Sorgen, der Papa sitzt dir im Nacken, Job-Absage, Doppelbelastung Arbeit-Studium etc.- ich glaube, das würde auch einen "normalen" Menschen schnell an seine Grenzen bringen. Und wie viele "Normalos" haben nicht schon ihr Studium geschmissen! Super, dass du überhaupt dran geblieben bist. Das Ziel ist das Interessante - nicht der Weg dahin!

    Und ehrlich gesagt hatte ich beim ersten Verdacht auf ADS auch einen totalen Hänger! "Alles klar - werd' mein Leben also nie in den Griff kriegen!" war mein Gedanke. Logisch, es ist auch erstmal schwierig damit umzugehen! Wäre genau das gleiche bei einem Diabetiker, der sich erstmal damit anfreunden muss, sein Leben lang Spritzen setzen zu müssen. Ich hoffe, dass dir im Forum viele Tipps gegeben werden können und die Dopamine oder was auch immer dafür zuständig ist, dir in nächster Zeit gnädig sind!

  8. #8
    Spasslernen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 60
    Forum-Beiträge: 1.331

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Hey Hypocampus,

    ich habe bei Dir nicht den Eindruck, das Du faul bist. Eher momentan überfordert,

    mit Deinem Schreiben Deiner Diplomarbeit und der Finanzierung Deines Studiums,

    versuche Dir den Tag etwas übersichtlicher zu strukturieren, mit entsprechenden

    Ruhephasen für Dich - zum Beispiel mit ´ner Dritteleinteilung - 1 Drittel für Pausen,

    1 Drittel für Deine Diplomarbeit und weniger als ein Drittel für Deinen Job.

    Du bist kein Roboter.

    Tschüß Hypocampus

    Dein Zoppotrump

  9. #9
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 152

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Hallo hypocampus,

    ich kann dich voll verstehen. Vor meiner Diagnose war ich völlig verzweifelt mit meiner "Faulheit". Ich hasste sie. Dieses untätige rumsitzen, Zeit zu vertrödeln und einfach nicht in den Gang kommen. Ich dachte, es wäre einfach nur eine schlechte Wesenseigenschaft, und da ich diese nicht wollte, könnte ich sie einfach abstellen. Ging nur leider nicht... Das machte mich dann noch verzweiflerter und depressiver...

    Nachdem ich mich mit dem Thema ADS mehr auseinander gesetzt habe und mir Strategien, ähnlich wie Fliegenpilz beschrieben hat, erarbeite, wird es schon besser. An guten Tagen bin ich oft überrascht, wieviel ich schaffe und wie leicht mir manches von der Hand geht...

    Aber ich habe leider immer noch sehr schlechte Tage, bei denen es mir vorkommt, alleine eine Spülmaschine (Dinge, die ich an guten Tagen mal so nebenher erledige) einzuräumen, ähnelt einer K2-Besteigung. SelbstTätigkeiten, die mich normalerweise motivieren und an denen ich richtig Spass habe, fallen mir an den Schlechten extrem schwer bzw. kann sie nicht bewältigen.

    Leider weiss ich auch noch nicht, wie ich diese schlechten Tage in den Griff bekomme. Leben möchte ich nicht damit und aktzeptieren erst recht nicht, aber eine Lösung habe ich bisher auch noch nicht für mich gefunden...

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 210

    AW: Bin ich faul? Bitte um etwas seelischen Beistand...

    Vielen Dank an euch alle für die einfühlsamen Worte.

    Es gibt jemanden, der mein Problem wohl besser ausdrückt als ich das jemals könnte:

    Intention Deficit Disorder


    Momentan stehe ich genau vor dieser Wand. Mir wächst alles über den Kopf. Ich hoffe wirklich, dass ich einen Weg finden werde, damit klarzukommen in der Zukunft.

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