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Diskutiere im Thema Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg" im Forum ADS ADHS Bücher
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.631

    Beitrag AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Wo Sie nur immer herkommen, diese ADHS-Musterbürger. Da hat ja unser web4health auch ein glückliches Händchen dafür. Das PR-Muster ist immer das gleiche. Es taucht immer eine junge hübsche charmante Dame auf, die Ihre ADHS voll im Griff hat. (Werden die irgendwo geclont?) Und mit beiden Beinen voll im Leben steht. Stimulanzien haben sie allenfalls mal probiert. Inzwischen kommen Sie aber sehr gut ohne zurecht. In ihrer Freizeit schreiben sie meist Bücher, spielen Geige im Kammerorchester bei Jugend musiziert oder machen gerade an einer Abendschule das Abitur nach. Die reinste Idylle, dieses ADHS.

    Ich will jetzt wirklich so langsam auch mal den zahnlosen Straßenschläger, den versifften Obdachlosen, das Drogenwrack, die Babyhure auf Crack, einen ordentlichen Fettsüchtigen, einen Serienvergewaltiger, einen jugendlichen Intensivtäter, einen versoffenen Hooligan, die 8-köpfige Hartz-IV-Familie in der verwahrlosten Wohnung, den notorischen Querulanten, das Mitglied einer Straßengang, die 13-jährige Mutter oder wenigstens einmal einen notorischen Autobahnraser im Fernsehen sehen – also Leute, die ein Bild von ADHS vermitteln können, wie es in der Wirklichkeit tatsächlich auch vorhanden ist. Und was ja auch den Grund dafür ausmacht, warum wir in der Gesellschaft überall so hoch angesehen, überall so beliebt und stets willkommen sind. Schon im Kindergarten waren wir ja aufgrund unserer zuvorkommenden Pflegeleichtheit gern gesehene Gäste, und während der Schulzeit stieg unserer Beliebtheit bei Lehrern und Mitschülern dann ins Ungemessene... bis zur Einladung in die Talkshow war es dann nur noch ein kleiner Schritt...

    Ein großer Teil unserer Artverwandten sitzen derweil eben im Jugendknast, in der Psychiatrie, in der Forensik, in der Entzugsklinik, unter der Brücke, in der Drogenszene, im betreuten Wohnen, auf dem Strich, in der Frührente, in defizitären Sozialwohnungen, in der Arbeitslosigkeit oder in minderbezahlten Idiotenjobs und prekären Beschäftigungsverhältnissen. Das ist die Wahrheit. Und die ist eben kein Ponyhof.

    Allmählich muss ja der Eindruck enstehen, dass es sich bei dieser ganzen ADHS-Geschichte um eine reine Pippifax-Veranstaltung handelt, jedenfalls um nichts, was sich nicht mit ein paar Achtsamkeitsübungen und einem Leben an der frischen Luft in den Griff kriegen ließe. Die tatsächliche Auswirkung von ADHS jedenfalls, nämlich die schleichende und kontinuierliche Unterhöhlung und schließlich Vernichtung des Lebens auf allen Gebieten, dem schulischen, dem familiären, dem gesellschaftlichen, dem beruflichen, also dem Leben in all seinen Aspekten, ist seltsam genug noch bei keiner dieser Sendungen jemals zum Ausdruck gebracht worden.

    Die einen sind halt ein bißchen verträumt, die anderen ein bißchen lebhafter. Aber wenn sie sich nur ein bißchen am Riemen reißen, auf das hören, was man ihnen sagt, und sich ihrem angeborenen Hang zur Faulheit mittels einiger To-Do-Listen entledigen, kommt ganz unweigerlich das pure Daseinsglück, das erfüllte Leben par exellence dabei heraus – dieses Bild, das hier immer wieder mutwillig in der Öffentlichkeit verbreitet wird, kommt mir schon ein bißchen arg eindimensional vor. Und, liebe Leute, wer soll das eigentlich glauben? Jeder, der ein bißchen Ahnung von dem Thema hat, wird sich hier doch ehrlich gesagt an den Kopf fassen... Also, ich bin hier wie ihr merkt, doch etwas verschnupft.

    Ich habe wirklich nichts gegen die Bücher schreibende Dame. Ich dilletiere ja selbst in diesem Genre. Aber es handelt sich hier eben um absolute Ausnahmeerscheinungen von ADHS, die dem breiten Publikum aber als repräsentativer Einblick aufgebunden werden. Tatsächlich ist es jedoch so, dass viele Menschen mit ADHS Bücher nicht einmal lesen, geschweige denn schreiben können, und dies nicht einmal unbedingt aufgrund mangelnder Konzentrationsfähigkeit, sondern weil sie tatsächlich nicht lesen können, weil sie es nie richtig gelernt haben. Dieses ständige Rekurrieren auf ADHS-Musterbürger, die in vollendeter Spießeridylle mit Kind und Kegel ihr glückliches Leben auf dem Ponyhof genießen und wahrscheinlich selbst noch ihre Steuererklärung pünktlich abgeben und den Müll stets akkurat trennen – das sei ihnen ja alles gegönnt – ich weiß nur nicht, wohin das führen soll. Und mit ADHS und seinen Komorbiditäten hat es ja nun wirklich nichts zu tun... Cui bono?

    Also, ein bißchen mehr Realität in der Darstellung könnte hier durchaus nicht schaden, denke ich, man muß ja nicht gleich die Hardcoreschiene auffahren – aber die gehört eben auch dazu...


  2. #12
    Erklärbärchen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 35
    Forum-Beiträge: 4.902

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Treffer, versenkt Señor Eiselein!

  3. #13
    Neues vorgestelltes Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht
    Forum-Beiträge: 2

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Ich denke ich werde die Geschichte von Mina lesen oder hören und bestimmt ist es auch was für den ein oder anderen
    Es muss ja nicht soweit kommen, dass ich mir in die Hose mache , nur weil mich jemand schief ansieht. So ist es der jungen Frau nämlich passiert.
    Ich habe Mina auch im TV gesehen und in die Hörprobe reingehört und habe mich echt wiedererkannt.
    Ein Grund warum ich hier bin!

  4. #14
    Mei


    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 64

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Also, ein bißchen mehr Realität in der Darstellung könnte hier durchaus nicht schaden, denke ich, man muß ja nicht gleich die Hardcoreschiene auffahren – aber die gehört eben auch dazu... https://adhs-chaoten.net/images/smilies/001.gif
    Ich verstehe was du meinst.
    Aber die Autorin würde ich nun wirklich nicht als Musterbürgerin bezeichnen. Mag in den Interviews zwar größtenteils so dargestellt werden. Wobei ich da eines gehört habe, wo es hieß, dass sie keiner geregelten Arbeit nachgehen könne. Und sowas würde ich nun von einer Musterbürgerin nicht erwarten. Ein Musterbürger funktioniert in den meisten Fällen, wie man es von ihm erwartet (gesellschaftlich gesehen).

    Aber klar, etwas romantisch ist das Buch schon. Sie hat halt Glück, was viele nicht haben. Mann und Familie die sich um sie kümmern. Die ihr überhaupt ermöglichen als Autorin zu arbeiten.
    Dennoch sind m. E. wichtige Aspekte in dem Buch vorgekommen, die an das Thema ADS heranführen.
    - Bereits in der Kindheit Probleme Anschluss an andere Kinder gehabt
    - Große Ablenkbarkeit
    - Starke Vergesslichkeit
    - Probleme Dinge zu Ende zu bringen, Abbrüche der Ausbildungen (insgesamt 4x)
    - Motorische Störungen
    - Suchtprobleme mit Alkohol, aber auch mit Drogen
    - Depressionen mit Suizidgedanken
    - Fehldiagnosen weil die Ärzte keinen Schimmer hatten
    - Autoaggressives Verhalten
    - Anorexie
    - Impulsivität

    Sie ist nun kein besonders krasser Fall und wie gesagt, sie hat irgendwo Glück recht viel Unterstützung gehabt zu haben. Das hat nunmal nicht jeder. Ich auch nicht.
    Aber ich finde nicht, dass das Buch besonders realitätsfern ist.

    Dass nicht alles so glimpflich ausgeht, finde ich auch, dass das mehr thematisiert werden sollte, sei es nun in Büchern oder in Zeitungsartikeln. Und das bloße To-Do-Listen nicht ausreichen, sollte auch klar sein oder klargemacht werden. Den Teil finde ich übrigens auch etwas irritierend. Ich fürchte, wenn meine Oma sich evtl. doch mal das Buch antut, dass sie sagen wird "Mach das doch auch mal".... Dass das gar nicht so einfach ist, versteht man dann nicht. Ich weiß, dass die mir nun als Einzelmaßnahme nichts bringen würden.
    Auch finde ich nicht wirklich gut, dass sie sehr auf die Nebenwirkungen von Methylphenidat fixiert gewesen ist, was bei ihr wohl überwiegend die Appetitlosigkeit war. Bei ihr verständlich, dass das eher negativ gewesen ist, da sie ja ohnehin schon sehr viel Gewichtskontrolle betrieben hatte, die unterhalb des Normalgewichts stattgefunden hat. Bestätigt nur besorgte Leute, dass Medikamente doof sind, ohne die Vorteile und Erleichterung für viele Patienten überhaupt zu beachten.

    Aber mal davon abgesehen, finde ich dass einige Schwierigkeiten doch ganz anschaulich dargestellt werden und zumindest einen groben Einblick in ADS bietet. Und sei es nur zur Hilfe der Betroffenen, die sich in vielen Details wiedererkennen und so Hilfe bekommen können, weil sie einen konkreten Verdacht entwickeln können und sich an die richtigen Stellen richten können, bevor sie von Psychiater zu Psychiater geschickt werden und andauernd falsche Diagnosen bekommen.
    Und das finde ich persönlich sehr wichtig. War nämlich letzte Woche beim Psychiater. War leider der falsche, was ich mir aber eigl. schon vorher dachte. Der hat mich nicht ernst genommen mit meinem Problem. Hat sich eher lustig gemacht über ADHS, vor allem bei Erwachsenen und Methylphenidat völlig verteufelt. Bin auf die Empfehlung meines Hausarztes hingegangen, weil er meinte Patienten mit ADHS gingen zu ihm und hoffte evtl. zumindest an eine andere Adresse weitergeleitet zu werden. Leider Fehlanzeige. Stattdessen bekam ich ein Antidepressiva und wurde so quasi nach Hause geschickt. Sehr unangenehmer Termin gewesen und ich bin froh, dass ich direkt im Anschluss einen Termin noch bei meiner Therapeutin hatte, die mich aufgefangen hat. Mir gings nämlich echt nicht gut, war verzweifelt und hab beinahe schon wieder die Hoffnung verloren.

    Was ich sagen will: Lieber ADS so thematisieren als überhaupt nicht oder nur im totalen Negativen, wo man Schauermärchen von der bösen Pharmaindustrie und Drogenmafia hört.
    Geändert von Mei (21.07.2017 um 23:42 Uhr)

  5. #15
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsener
    Forum-Beiträge: 1.647

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Mir gefällt ihr Schreibstil,aber den Ausdruck"Kinderkoks" finde ich total daneben.

  6. #16
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 49
    Forum-Beiträge: 274

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Habe das Buch nun auch gelesen, nochmal muss ich nicht und würde es weiterverschenken, wenn jemand möchte (PN)

  7. #17
    Ist interessiert

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 52

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    hypie1 schreibt:
    Mir gefällt ihr Schreibstil,aber den Ausdruck"Kinderkoks" finde ich total daneben.
    So unterscheiden sich die Wahrnehmungen: ich musste bei dem Ausdruck ziemlich stark grinsen und mir hat er gefallen

  8. #18
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 250

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Eiselein schreibt:
    Dieses ständige Rekurrieren auf ADHS-Musterbürger, die in vollendeter Spießeridylle mit Kind und Kegel ihr glückliches Leben auf dem Ponyhof genießen und wahrscheinlich selbst noch ihre Steuererklärung pünktlich abgeben und den Müll stets akkurat trennen – das sei ihnen ja alles gegönnt – ich weiß nur nicht, wohin das führen soll.
    Da fällt mir ein. Ich habe noch bis Mittwoch Zeit für meine Steuererklärung 2016. Sonst steigt mir das Finanzamt aufs Dach. Die drohen schon mit Zwangsgeldern.

    Ansonsten: Danke, dass das mal jemand gesagt hat. Sprichst mir aus der Seele, Eiselein.

  9. #19
    Fühlt sich hier wohl

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Forum-Beiträge: 584

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Ich habe angefangen es zu lesen und dann genervt abgebrochen. Mich interessiert es NULL etwas über ihre unsichtbaren Freunde in der Kindheit zu lesen.

    Was mich aber fassungslos macht ist ihr Umgang mit den Problemen, das ist in meinen Augen unfassbar und verantwortungslos. Jemand der mehrfach Kinder beim einkaufen vergisst, der mehrfach körperliche Schäden durch Unfälle hatte und dann ohne Medikamente am Strassenverkehr teilnimmt, handelt, nach meiner Ansicht, grob fahrlässig.


    Ansonsten stimme ich Eiselein zu. Solche Bücher braucht kein Mensch. Es wirkt auf mich wie eine naive Verniedlichung.

  10. #20
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADS / ADHS
    Forum-Beiträge: 201

    AW: Wohl vor kurzem neu erschienen "Neben der Spur, aber auf dem Weg"

    Eselein spricht mir aus der Seele. Ich gehöre zu denjenigen, deren Leben durch ADHS (falls ich ADHS tatsächlich habe) den Bach runtergeht und zwar auf allen Ebenen: beziehungsmäßig (Ehe, Freundschaften), beruflich, psychisch...und ich habe weder die Kraft Bücher über mein Leben zu schreiben noch werde ich bei Talkshows eingeladen, falls ich welche schreiben werde...

    Dennoch habe ich vor, meine Erfahrungen irgendwann, irgendwo niederzuschreiben: Psychiatrie (mehrmals geschlossene, ein Mal sogar mit Zwangsjacke fixiert), starke Depressionen, Selbstmordversuchen, Mobbing (Schule, Ausbildung, Beruf), Einsamkeit, Eheprobleme, einsamer Kampf, um meinem ADS Kind zu helfen, Vorwürfe/Vorurteile (ich sei an den Veraltensstörungen meines Kindes Schuld) , usw. Da werde ich sicher nichts beschönigen. Und nein, mit fast 50 bin ich nicht glücklich, habe beruflich nichts erreicht, mein Mann will die Scheidung und leide wieder unter Einsamkeit, Depression, usw.

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