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Diskutiere im Thema Pressemitteilung der Bundespsycho- therapeutenkammer zu ADHS/ADS im Forum ADS ADHS Allgemeines
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
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    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
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    Pressemitteilung der Bundespsycho- therapeutenkammer zu ADHS/ADS

    Eine hochinteressante Pressemitteilung der Bundespsychotherapeutenkammer zum Thema ADHS bei Kindern und Jugendlichen gibt es hier zu bestaunen.

    http://www2.bptk.de/uploads/080924_adhs.pdf


    Die Ahnungslosigkeit, mit der hier fabuliert und blindwegs in die Gegend hinein behauptet wird (schon in der Überschrift), löst einiges an Bestürzung aus, macht diesem Berufsstand allerdings wieder alle Ehre.

    Im Prinzip ist die Forderung nach einer kombinierten Therapie aus Stimulanzien und Psychotherapie mehr als berechtigt.

    Was allerdings nirgends auftaucht, ist die simple Tatsache, dass es kaum Psychotherapeuten gibt, die sich mit dem Thema ADHS auseinandergesetzt haben, bei Kindern wenige, bei Erwachsenen fast gar keine.

    Dies zeigt allein schon die Tatsache, dass sich offenbar in der gesamten Kammer niemand fand, der eine Pressemitteilung zu diesem Thema mit Sachverstand hätte schreiben können.

    Eine Erhöhung der Zahl der Psychotherapeuten und damit eine Verringerung der Wartezeiten bringt nichts, wenn diese sich mit dem Thema ADHS nicht auskennen.

    Eine Psychotherapie bei einem ahnungslosen Psychotherapeuten ist erfahrungsgemäß sogar kontraproduktiv. Aus diesem Grund bringt auch eine Quotenregulierung nichts.

    Aber leset selbst. Um Diskussionsbeiträge wird eifrigst gebeten.

  2. #2


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene(r)
    Alter: 43
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    Naja, was erwartest du denn da?

    Das ist der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, glaubst der will arbeitslos werden?

    Grundsätzlich hab ich an dem, was da steht, persönlich nichts auszusetzen, ganz im Gegenteil.

    Und die Psychotherapeuten-typische ich sag mal "große Skepsis" Medikamenten gegenüber ist denk ich im Allgemeines sehr berechtigt, wenn man sich mal anschaut, wie viele psychisch Kranke schulmedizinisch mit Medis zugedröhnt werden, die dann alle Probleme nur zudecken aber eben nicht lösen.

    Ist eben billiger und sehr viel bequemer, als sich mal mit einem Menschen zu beschäftigen und sich zu fragen, woher das denn eigentlich kommt.

    Letztendlich gibts bei den Meinungen der Fachleute halt auch bei ADHS das eine Extrem, dass ausschließlich mit Medikamenten gearbeitet wird und das andere Extrem, dass man davon von vorne rein überhaupt nix wissen will und die Kinder und Erwachsenen statt dessen zu den Alpakkas oder zum Heilpraktiker schickt.

    Dass beides genau gleich falsch ist, darüber braucht man denke ich nicht zu diskutieren und dieser Mann wettert ja mitnichten über die medimentöse Therapie an sich und dass dann in seiner Auflistung diese am Schluss steht entspricht mit Sicherheit auch nicht der Priorität, die er bei sich oder seinen Kindern ansetzen würde, ist aber in dieser ja öffentlichen Pressemitteilung find ich nachvollziehbar, da sonst die entsprechenden 100%-Chemiker gar nicht anfangen würden, überhaupt nachzudenken.

  3. #3


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 9.522
    Ich seh es wie Alex, was er schreibt ist grundsätzlich in Ordnung. Zudem muss man auch noch bedenken, dass die Bedarfsplanungsrichtlinie Ärzte fast ständig nachverhandelt wird. Sie legt fest, wieviele Ärzte welcher Fachrichtung für eine bestimmte Bevölkerungszahl notwendig sind. Danach entscheidet sich wiederum indirekt, ob ein Arzt, der sich in einer gegend niederlässt, mit den Krankenkassen abrechnen darf oder nicht. Wenn er sagt, dass es relativ wenig Kinder- und Jugendpsychotherapeuten gibt, hat er recht. Wenn er eine Mindestquote fordert geht es ums Geld.

    Die hohe Verordnungszahl stimmt und die zitierte Studie scheint methodisch in Ordnung zu sein. Einzig der ständige Wechsel zwischen verordneten Einzeldosen, Anzahl der Verordnungen pro Jahr und Kosten pro Jahr macht es schwierig, die Ergebnisse untereinander zu vergleichen. Ein zusätzliches Problem ist, dass die Medikamente pro Präparat und Hersteller und nicht nach Wirkstoff in die Liste eingehen so dass sich auf den Spitzenplätzen relativ viele Präparate finden, die einen bekannten Namen haben oder für die es noch keine Nachahmerpräparate gibt. Zusätzlich werden zum Teil Retard- und sofort wirksame Präparate mit gleichem Namen und Wirkstoff zusammengefasst. Auffällig ist auch, dass sich unter den Top Zwanzig auch isotone Kochsalzlösung eines Herstellers mit nur knapp 18% (bezogen auf Medikinet(retard)) als Medikinet. Zieht man dann noch in Betracht, dass die Gesamtzahl der Verordnungen zwischen den Altersgruppen stark schwankt und darum ein Medikament vom fünften auf den ersten Platz wechselt, obwohl es weniger Verordnungen des Medikaments in der anderen Altersgruppe gibt, kann man nur sagen, dass er die Zahlen hier aus dem Zusammenhang gerissen hat um sie dramatischer erscheinen zu lassen. Ach ja, in der Altersgruppe der 14-18 Jährigen sind vier der Top Fünf Arzneimittel Präparate zur Empfängnisverhütung für Frauen, wohlgemerkt unter allen Verordnungen für Patienten beiderlei Geschlechts.

    Ob die Folgen einer Langzeitanwendung nicht ausreichend erforscht sind, hängt davon ab, was man für ausreichend hält. Eine kurze Suche in einem einschlägigen medizinischen Verzeichnisdienst brachte mehr als 500 Veröffentlichungen hauptsächlich aus den Fachbereichen Psychiatrie, Neurologie, Innere Medizin, Kardiologie, Radiologie. Natürlich kann ich nicht beurteilen, wieviele davon belastbare Aussagen enthalten, aber ein wenig wurde auf dem Gebiet schon geforscht.

    Was ist nun? Also im Prinzip hat er recht mit seiner Forderung, die Psychotherapie stärker in die Behandlung einzubinden. Die, die er aus der Statistik anführt, stellt er so offensichtlich missverständlich und ohne Bezug dar, dass sie in dieser Form in einer wissenschaftlichen Arbeit mit Sicherheit abgelehnt würden (es wurden schon Praktikumsprotokolle wegen geringerem abgelehnt). Fazit: Es scheint so, als ginge ihm es wohl auch um das Wohl der kleinen Patienten, aber vor allem schlicht und einfach ums Geld.

    Trotzdem ist eins eindeutig richtig, die 'flankierenden Maßnahmen' werden zu oft vernachlässigt.

    Clown

    P.s.: Ich habe heute länger an einem wissenschaftlichen Text gearbeitet, darum hört sich der Beitrag noch danach an. Das verliert sich aber im Lauf des Abends

  4. #4
    Ist hier zuhause

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    Alter: 43
    Forum-Beiträge: 2.632
    Prima, dann schreib ich glei mal an die Kammer und frag nach, wo sich der nächste ADHS-Psychotherapeut für Erwachsene in meiner Wohnortnähe (50 Kilometer Umkreis) befindet.

  5. #5


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    Forum-Beiträge: 9.522
    Also Eiselein, :cscs: du hast mal wieder nicht genau gelesen. Es geht hier um Kinder- und Jugendpsychotherapeuten. Die wissen vielleicht vom Hörensagen, dass es es Erwachsene gibt, können aber nichts mit ihnen anfangen. In ihrer Ausbildung kommen auch sogenannte "speziell kindliche Störungen" vor, zu denen AD(H)S gehört. Die Ausbildung sieht etwas unterschiedlich aus, je nachdem ob derjenige davor ein medizinisches, psychologisches oder pädagogisches Studium absolviert hat. Nur die Ärzte unter ihnen dürfen wiederum Medikamente verordnen, Psychologen und Lehrer nicht. Er fordert auch keine Zusatzausbildung für ADHS, denn das sollten sie ja sowieso kennen.

    Du kannst dich aber darauf verlassen, dass du dir mit 10 337 anderen einen Psychotherapeuten teilst, der in nicht ganz der Hälfte der Fälle Arzt ist. Dass er eine Ahnung von einem bestimmten Störungsbild hat, muss nicht sein. Er muss nur die Therapieerlaubnis haben, also Medizin- oder Psychologiestudium und Therapieausbildung. Also brauchst du nicht nach einem ADHS Spezialisten zu fragen.

    Die Quote, die er Fordert bedeutet auch konkret, dass 20% der Kinderarztstellen in einer Region von Kinder- und Jugendpsychotherapeuten besetzt werden müssten. Das mit der gleichen Rechtskonstruktion nach der 40% der Psychotherapeuten Ärzte sein müssen (dort wird es damit begründet, dass es sonst vorkommen kann, dass es in einer Region niemand gibt, der Psychotherapie machen und Medikamente verschreiben kann).

  6. #6
    Ist hier zuhause

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    Also, fragen wird man ja wohl noch dürfen.

    Des war eigentlich ernschd gemeint, i frag da tatsächlich nach.

    Wenn ich Dich also recht verstanden habe, kennt sich die Kinder und Jugendpsychologin Cordula Neuhaus deshalb mit ADHS auch bei Erwachsenen aus, weil es ihr vor ihrem Psychologiestudium noch gelungen war, einen vernünftigen Beruf zu erlernen, sodass ihr das Psychologiestudium dann nicht mehr wesentlich schaden konnte?

    Oder habi jetzt scho wieder was falsch verschtanda?


  7. #7


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    Eiselein schreibt:
    Wenn ich Dich also recht verstanden
    habe, kennt sich die Kinder und Jugendpsychologin Cordula Neuhaus
    deshalb mit ADHS auch bei Erwachsenen aus, weil es ihr vor ihrem
    Psychologiestudium noch gelungen war, einen vernünftigen Beruf zu
    erlernen, sodass ihr das Psychologiestudium dann nicht mehr wesentlich
    schaden konnte?
    Das hast Du falsch verstanden. Als erstes kommt das Psychologiestudium. Wenn man das erfolgreich hinter sich gebracht hat, darf man aber im Gegensatz zum Mediziner noch nicht mal in die Nähe von Patienten kommen. Darum muss die studierte Psychologin dann noch eine Therapieausbildung machen. Dafür muss sie ein Psychologie-Diplom haben. Je nach Richtung dauert die mindestens 5 Jahre, allerdings in Teilzeit. Gleichzeitig muss die Psychologin in einer Klinik, die in dieser Richtung arbeitet und Ausbildungsberechtigt ist mit Patienten arbeiten, was sie ja eigentlich nicht darf. Hat sie diese Ausbildung abgeschlossen, ist sie Psychologische Psychotherapeutin und darf Patienten behandeln. Das bedeutet Cordula Neuhaus hat Psychologie studiert. Hat dann eine Therapieausbildung mit Schwerpunkt Kinder und Jugendliche gemacht und da ziemlich sicher die Grundlagen zum Thema ADHS erfahren. Dass sie sich auch mit Erwachsenen auskennt liegt entweder daran, dass sie sich auf eigene Faust fortgebildet hat oder dass sie den Hintergrund und die Folgen bei Jugendlichen kennt und eine gute Quelle hat, um die Erlebniswelt von Erwachsenen mit diesem Problem kennen zu lernen. Warum ihr das Psychologiestudium nicht geschadet hat, ist schwer zu sagen. Sowas soll aber gelegentlich vorkommen.

  8. #8
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    "Gleichzeitig muss die Psychologin in einer
    Klinik, die in dieser Richtung arbeitet und Ausbildungsberechtigt ist
    mit Patienten arbeiten, was sie ja eigentlich nicht darf."


  9. #9


    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 9.522
    Ja Eiselein, es ist so.

    1) Nur mit Therapieausbildung darf man mit Patienten arbeiten.
    2) Für die Therapieausbildung muss man Psychologe sein (alternativ Arzt, bei Kindern auch Pädagoge).
    3) Für die Therapieausbildung muss man in einer Klinik mit Patienten arbeiten.

    Ich gebe aber zu, dass ich was vergessen habe. Die zuständige Stelle (bei uns Regierungspräsidium Stuttgart) darf eine vorübergehende Erlaubnis erteilen mit der man in der Ausbildung befristet Patienten behandeln darf. Es geht also schon.

  10. #10
    Ist hier zuhause

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    "Ich gebe aber zu, dass ich was
    vergessen habe. Die zuständige Stelle (bei uns Regierungspräsidium
    Stuttgart) darf eine vorübergehende Erlaubnis erteilen mit der man in
    der Ausbildung befristet Patienten behandeln darf. Es geht also schon."

    A jo, echt? :wink2: Darf ich raten, wenn es sich um eine Koriphäe der Psychiatrie handelt, der das befürwortet, dann unterschreibt der Regierungspräsidialbeamte in Schdugard den Wisch schon mal schneller und unbesehener der Tatsachen, insbesondere dann, wenn im grad wieder die Mittagspause droht?

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