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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 18

    Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschung

    Hallo zusammen,

    wollte mal ein Thema in die Runde werfen, dass mich schon immer faszinert hat: Die Wahrnehmungspsychologie.
    Ich lese gerade den (zwar schon recht alten, aber in vielen Dingen immer noch recht aktuellen) Klassiker "Die Sinne und der Prozess der Wahrnehmung" von James J. Gibson Neugierigen Lesern, die vor wissenschaftlicher Literatur (die trozu großer Detailliertheit recht allgemeinverständlich geschrieben ist) nicht zurückschrecken, kann ich dieses Buch sehr empfehlen!

    Zum Hintergrund meiner Faszination für dieses Thema: Ich habe während meines Studiums (Musik- und Bewegungserziehung) immer wieder auf verschiedene Weise mit Wahrnehmungs"übungen" zu tun gehabt. Bestimmte Aufgaben zum lauschen, ertasten, bewegen... Daran hat mich absolut fasziniert, mit welch einfachen Mitteln wir unsere Wahrnehmung von uns selbst und unserer Umgebung, recht eindrucksvoll verändern können. (Letzten Endes oft nur zeitweise, da wir auch in der Art, wie wir etwas wahrnehmen ziemliche Gewohnheitstiere sind, denke ich). Beispiele folgen vielleicht später.

    Aber zurück zu Gibson. Sein Ansatz war gegenüber herkömmlichen Wahrnehmungstheorien in den 60ern relativ revolutionär, da er die Sinne als komplexe, miteinander verbundene Systeme auffasste, anstatt lediglich als passive "Eingangskanäle". Außerdem betont er die Aktivität des Wahrnehmenden als Erkundung seiner Umwelt, über, die er sich klar werden möchte, : "man sieht nicht, man blickt; man riecht nicht, man "schnüffelt; man hört nicht, man horcht; man spürt nicht, man tastet usw...."

    Eine kleine Zusammenfassung von Gibsons Ansatz zitiert aus Wikipedia (für alle,die nicht schon oben auf den Link geklickt haben ):
    "… in spezifischer Umwelt
    Gibson hat, besonders im Bereich der visuellen Wahrnehmung, die Anordnungen, Gegebenheiten der menschlichen Umwelt untersucht und in ihrer Spezifik beschrieben, wie sie zu Angeboten für menschliche Handlungen werden. Damit wird der kognitivistische Versuch der Beschreibung menschlicher Umwelt als unspezifische physikalische aufgegeben. Menschliche Wahrnehmung als Orientierung (mental) ist nach Gibson darauf gerichtet, die Angebote einer Situation d.h. die Möglichkeiten zu handeln zu erkennen. Diese Orientierung wird von Menschen in verschiedenen Bereichen im Lauf des Lebens aufgebaut und ist die Erkenntnisbasis unseres Handelns. Sie kann in amnestischen Prozessen (z.B. bei Schlaganfall und Demenz) auch wieder verloren gehen, obwohl die Wahrnehmungsfähigkeit im engeren Sinn, als sensorische Fähigkeit, nicht verloren geht.

    … aktiv
    Gibson betont, dass man z.B. motorisch gelernt haben muss, um zu sehen, nämlich Bewegungen des Körpers, Kopfbewegungen, unsere Augenbewegungen zu steuern, damit man überhaupt das sehen kann, was man sehen will. Allein beim Sehen mit einem Auge sind zehn Augenmuskeln (M.) beteiligt, die gezielt gesteuert werden müssen: Für die Steuerung der Iris-Öffnung entsprechend der Lichtintensität: Musculus sphincter pupillae, M. dilatator pupillae; für die Steuerung der Linsenkrümmung – in Abhängigkeit von der Irisöffnung – zur Nah- oder Fernsicht: M. ciliaris (aus M. tensor chorioidae: Brücke'scher Muskel- und Fibrae circulares – Müllerscher Ringmuskel – bestehend); weiterhin für die Bewegung des Augapfels die Musculi bulbi (M. rectus medialis, M. rectus lateralis, M. rectus superior, M. rectus inferior, M. obliquus superior, M. obliquus inferior). Dazu kommen die entsprechenden Muskeln des zweiten Auges, die Muskeln des Nackens, des Oberkörpers, der Beine, um sich auf Objekte auszurichten, die man wahrnehmen will. "Abbilder" auf einer "passiven Retina", Repräsentationen von "Features" – Ausgangspunkte zahlloser Abhandlungen zur Wahrnehmung – können dagegen nie organismische Wahrnehmung funktional erreichen.

    Indem Gibson die Aktivität ernst nimmt, setzt er ein Subjekt voraus, das intentional in spezifischer Weise mit seiner Umwelt umgeht. Damit wird die unspezifische Herangehensweise der meisten psychologischen Theorien überwunden, die weder einen Begriff der spezifischen Umwelt von Organismen mit spezifischen Angeboten (affordance, Angebotscharakter) für spezifische Organismen, noch einen Begriff der Spezifik der funktionalen Organisation von psychischen Prozessen von Organismen haben."


    Letzten Endes setzt er sich eigentlich mit genau dem Gebiet auseinander, das für ADHS relevant ist: Wie ist unsere Wahrnehmung organisert? Nicht jede Reizquelle wird auch als Reiz selbst wahrgenommen. Was als Reiz wahrgenommen wird sind "bestimmten Strukturen und Transformationen von Energieformen, die auf Rezeptoren einwirken". Wie sind Handeln und Wahrnehmen in einer Art Feedback-Loop miteinander verbunden?
    Wenn ich dies zusammenbringe mit meine Erfahrungen aus Tanz, diversen Körperarbeitsmethoden, dann glaube ich, dass in dieser Richtung einiges möglich sein könnte, um eine (verhaltens-?)therapeutische Arbeit ganzheitlich und integrativer mit Alltagsmustern zu verbinden. Vielleicht auch eine Art Mischung aus Ansätzen von eher verhaltensorientierter Arbeit als auch tiefenpsychologischer - wenn man davon ausgeht, dass wir die Art, wie wir wahrnehmen (neben wahrscheinlich genetischen Faktoren) sehr früh im Leben erworben haben: Mit unseren ersten Bewegungen und Interaktionen mit der Umwelt - was im frühen Lebensalter vor allem den Eltern - oder sonstigen Fürsorgepersonen - bedeutet. Also ich denke mir, dass es eine Art therapeutischer Arbeit geben könnte, die in beide Richtungen arbeitet: Lernen, die Gewohnheiten und die Umstände, die zu ihrem Entstehen geführt haben zu "verstehen" als auch das aktive Einüben von neuen "Gewohnheiten".
    Ich frage mich, ob es Forscher gibt, die diese Sichtweise von Wahrnehmung in ihrer Theorie über AHDS integriert haben? Weiß da wer was? Ich hätte Lust das bisschen, was ich weiß, weiterzudenken...

    Ein kleines Selbstexperiment, dass ich letztens gelegentlich gemacht habe: Einfach mal in einer Wartesituation oder einer Pause bewusst die Augen auf verschiedene Richtungen und Entfernungen scharstellen. Also z.b. in der Strassenbahn den Blick schweifen lassen. Von so Details wie dem Griff am Sitz direkt vor mir, zur Ampel an der Kreuzung, die man durchs Fenster sehen kann, zum Fussel auf meinem Pullover, zu meinen Fingernägeln, zur Frisur des Mannes 2 Reihen vor mir usw... Das ganze für je nur ein paar Sekunden. Vielleicht manches sogar nur eine. Ich habe immer mal wieder den Rhythmus gewechselt.

    (grafisch dargestellt etwa so: ____ __ __ ___ ________ _ __ ___ _ ______ ) Auch habe ich damit gespielt mal mit meinem Blick zu "springen" und mal zu "wandern"

    Bevor ich euch das Ergebnis meines Experiments vorwegnehme.... warte ich vielleicht lieber mal, ob jemand anders es ausprobieren will zu machen und vielleicht hier von berichtet


    Über sonstige Gedanken zu meinen (noch relativ unsortierten) freue mich mich natürlich auch...

    LG
    Jenje

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschu

    Hallo Jenje, dein Beitrag ist spannend. Wenn ich mal wieder am PC bin, schreibe ich dir von meinen Erfahrungen. LG Gretchen

  3. #3
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.213

    AW: Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschu

    Hallo Jenje,

    ich bin jetzt ein bisschen aus dem Konzept gekommen, nach deinem Austausch in dem anderen Thread.

    Ich schreibe dir mal über mein persönliches "Wahrnehmungs-Training" per PM, wenn du freigeschaltet bist.

    (Dauert ein bisschen, weil vorher all deine Beiträge gelesen werden.....).

    Ansonsten, wenn du bei Google "ADHS Ergotherapie" eingibst, findest du eine Menge.



    Als mein Kind Anfang der 90-er Jahre wegen ADHS untersucht wurde, war eine der ersten Maßnahme
    eine Ergotherapie-Verschreibung. Da wurde es gründlich getestet und Behandlungsbedarf festgestellt.

    Leider kam es nicht dazu, denn zu der damaligen Zeit gab es sehr wenige Ergo-Praxen, und der Therapeut
    fiel nach wenigen Stunden wegen Krankheit aus.

    Was mein eigenes Wahrnehmungs-Training betrifft, - wenn man schon zwischen 50 und 60 ist, sind die
    Fortschritte vermutlich nicht mehr so groß wie in jungen Jahren und mir fällt auf, dass ich mich mit Methylphenidat
    wesentlich leichter tue.

    Kennst du übrigens den Film "Rhythm is it"? Sicherlich, gell!

    Bis irgendwann mal
    LG Gretchen

    - - - - - - - - - - Beiträge zusammengeführt (< 3 Minuten Zeitunterschied) - - - - - - - - - -

  4. #4
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.790

    AW: Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschu

    die Anregung nehme ich gerne an, aber mit "Klassikern" tue ich mich mitunter schwer, ich hab mir aber eben eine Textprobe eines neueren Buches zum Thema Wahrnehmung runtergeladen

    sorry, ich verstehe den ZUsammenhang zwischen deinem Threadtitel und der Buchempfehlung eines Buches aus den 60ern nicht so ganz. Kannst du vielleicht näher erläutern, was du womit bezwecken möchtest ?

  5. #5
    bin eine Piratin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 51
    Forum-Beiträge: 1.790

    AW: Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschu

    und netterweise hat Amaz.. diesen Service speziell für Adhsler, sie immer wieder auch auf ganz anderen Seiten (nicht hier) durch kundenfreundliche Cookies und Werbebanner daran zu erinnern, welches Buch sie sich noch anschauen wollten. Da geht einem doch das Herz auf, das ist Kundennähe und ein Herz für Benachteiligte !

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 18

    AW: Stand der ADHS-Forschung(en) und eigene Gedanken z Thema Wahrnehmungsforschu

    so, ja...
    also nun auch hier weiterschreiben...
    hm... also Moselpirat... wie erkläre ich das mit dem Titel...

    Also, ja, klar, das Buch von Gibson ist schon alt (wobei, wie ich mir hab sagen lassen, von einigen Kleinigkeiten abgesehen, wo bezüglich Nervenbahnen mehr herausgefunden wurde - z.B. im Zusammenhang mit dem Fasziensystem, noch immer recht aktuell...)
    Meine Frage bezüglich Stand der AHDS-Forschung (und da sind wir beim heute) ist einfach die, dass ich mich frage, ob es ADHS-Spezialisten gibt, die sich mit Gibson auseinandergesetzt haben - oder vergleichbaren Ansätzen von Wahrnehmungspsychologie - denn ich nehme mal an, dass es auch in diesem Gebiet, wie in so vielen, verschiedene "Schulen" gibt... Wenn ja, dann würde mich deren Sicht auf ADHS interessieren.
    Etwas verständlicher formuliert?

    LG
    Jenje

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