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bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 21

    Böses Kind

    Hallo

    Habe da mal so eine Frage, bin neu hier...

    Am Sonntag hatten wir (meine Mutter und ich) eine heftige Diskussion.

    Letzthin habe ich jemanden erzählt, dass ich geschlagen (für mich fühlte es sich an wie "abgeschlagen") wurde als Kind.

    Meine Mutter meine ich solle aufhören mit dem herumerzählen, sie hätte mich nicht oft geschlagen.
    In meiner Wahrnehmung war es anders.

    Ich sei...böse, laut, gemein, brutal gewesen und hätte ihr die gemeinsten und wüstesten Wörter nachgerufen und sie auch gereizt.
    (Wörter waren wirklich schlimm A..... war noch harmlos). Ich hätte frech gelacht, gemein (bei der Erzählung fühlte ich mich wie Rapunzel,
    der um das Feuer tanzte und hämisch grinste), ich hatte sie bis ans äusserste gereizt. Und oft aus dem nichts. Und so hätte sie halt mal die
    Kontrolle über sich verloren (da es ihr auch nicht gut gegangen ist)

    Als ich ihr dann sagte, ich hätte mich oft entschuldigt aber die Entschuldigung wurde dann abgewiesen, war es, als würde ich nochmals
    geschlagen oder missachtet oder gedemüdigt.

    Ich erklärte ihr dann am Sonntag, dass ich oft keine Macht über mich hatte, und es einfach getan hatte...hat sie irgendwie nicht
    akzeptiert oder wollte es nicht glauben.

    Nach so einem "Anfall" war ich dann immer erschöpft und kaputt und war oft in meinem Bett und habe geheult...

    Meine Frage, habt Ihr dies auch so erlebt? Und ist es möglich, dass fast wie zwei Personen in einem leben?

    Weil eigentlich liebe ich die Harmonie und bin ein hilfsbereiter Mensch...

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 69

    AW: Böses Kind

    Willkommen cloverleaf,

    darf ich fragen wie alt du bist (ungefähr reicht)?
    Das ist im Zusammenhang mit Gesprächen über die "Erziehung" durch die man gehen musste (oder noch geht) nicht ganz unerheblich.

    Grundsätzlich darf einen niemand schlagen, ich hoffe das weißt du.
    In unserem Rechtssystem wird jedoch unterschiedlich gewertet, je nachdem wie das Motiv der Person eingeschätzt wird die geschlagen hat. Auch gegenüber Kindern wird, ab einem bestimmten Alter, zum Beispiel betrachtet ob sie geschlagen wurden weil es sich um Notwehr handelte.

    Dann kommt die Grauzone der Verzweiflung, wo auch die juristische Einordnung einer Gewalttat in Betracht zieht unter welchen inneren Einflüssen eine Person stand.
    Und zu den Straftaten fallen alle Arten von Schlägen die zur Strafe, bzw. zu "Erziehungszwecken" eingesetzt werden. (Und natürlich alles dem noch niedere Motive zu Grunde liegen.)

    Aus deiner Schliderung würde ich vermuten das sich deine Mutter nicht körperlich wehren musste. Und sie vertritt den Standpunkt es war Verzweiflung?
    Was ist dein Standpunkt? Oder geht es dir um etwas anderes?

    Zu der Frage des eigenen Erlebens muss ich ganz klar ja sagen.
    Ich war oft auch ein "böses Kind". Aus den Erfahrungen die ich später als Erwachsener mit Kindern und Jugendlichen gemacht habe, muss ich allerdings sagen das fast alle Menschen in der Pubertät "böse Kinder" sind.
    Die einen mehr, die anderen weniger. Und dementsprechend ist die Verzweiflung der Menschen im Umfeld ebenfalls unterschiedlich groß.

    Meine pessimistische Sicht der Dinge ist das es jedesmal falsch war wenn jemand mich "erzieherisch" geschlagen, gedemütigt oder sonst wie schlecht behandelt hat.
    Und gleichzeitig sehe ich es so das es nichts gab was sie hätten richtig machen können.

    Die Erfahrungen mit den eigenen Erziehern ist individuell. Aber ich habe schon oft erlebt das es beiden Seiten helfen kann wenn man bedenkt das man auch etwas verstehen kann ohne es zu verzeihen.

  3. #3
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 241

    AW: Böses Kind

    es gibt so gut wie keine von grund auf bösen kinder.. meiner erfahrung nach entwickelt sich das verhalten von kindern in abhängigkeit davon, wie sie von ihren eltern oder anderen menschen behandelt werden.. schläge und miese lieblose erziehung lösen widerstand aus.. je mehr deine mutter immer wieder geschlagen und dich beschimpft hat, desto mehr bist du ausgeflippt, weil menschen es nun mal nicht mögen, geschlagen und beschimpft zu werden.. hätte deine mutter anders reagiert, hättest du ihr sehr viel weniger probleme bereitet..

    eins muss ich allerdings von der warte der mutter aus sagen.. es ist nicht immer leicht, ruhig zu bleiben, wenn man vom leben sowieso schon genervt ist und man dann abends heim kommt und einen dort das chaos erwartet oder junior gerade alles probiert, um einen zum wahnsinn zu treiben.. wenn das öfter passiert, entwickelt sich das recht schnell zu einer art kreislauf, der nicht mehr so leicht auszuhebeln ist.. das kind reizt den erwachsenen, der erwachsene schimpft oder schlägt zu, das kind ist sauer, reizt wieder, der erwachsene schlägt zu.. du siehst das muster, das weder dem kind noch dem erwachsenen gut tut.. also hör damit auf, dich selbst nieder zu machen, weil du ein "böses" kind warst und versuch deiner mutter nachzusehen, dass sie in ihrem nicht wissen, wie sie hätte reagieren können und was sie ausgelöst hat, dich schlecht behandelt hat..

  4. #4
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 47
    Forum-Beiträge: 21

    AW: Böses Kind

    Ich bin 45 und bin mit 39 diagnostiziert worden....

    Bei mir hat es anscheinend schon vor der Pubertät aus angefangen....einfach aus dem nichts explodiert....

    Es geht mir auch nicht darum den Schuldigen zu finden, ändern kann man es nicht mehr und was dich nicht
    umhaut, macht dich stärker oder so...

    Für meine Eltern war es eine schwierige Situation...meine Mutter war körperlich schlecht "zwäg", mein Vater
    anscheinend keine grosse Unterstützung...und ich denke schon, dass sie mit der Situation überfordert war
    und nicht mehr weiter wusste...

    Aber kennt Ihr das auch so...dass es einfach getan hat und ihr dem wie hilflos ausgeliefert wart?
    Wie eine andere Person noch im Körper hausen würde?

  5. #5
    Ist öfter hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 241

    AW: Böses Kind

    nicht einfach so aus dem nichts.. wir kennen die auslöser nur nicht immer.. ich hab mal mit elf jahren oder so eine frau (eine bekannte meiner eltern) beschimpft.. erst 35 jahre später hab ich rausgefunden, weshalb ich das getan habe.. viele situationen aus dem inneren, bei denen wir erstaunt fragen, wo das jetzt herkam, stammen aus unserer vergangenheit, aus situationen, die wir damals erlebt haben, aber nicht bewusst einordnen konnten..

  6. #6
    Eti


    fliegFederflieg

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 848

    AW: Böses Kind

    cloverleaf schreibt:

    Meine Frage, habt Ihr dies auch so erlebt? Und ist es möglich, dass fast wie zwei Personen in einem leben?

    Weil eigentlich liebe ich die Harmonie und bin ein hilfsbereiter Mensch...
    Für mich gibt es aus heutiger Sicht keine bösen Kinder.
    Solche Explosionen habe meiner Ansicht nach einen Grund.
    Ein Ausdruck das etwas für das Kind gerade gar nicht in Ordnung ist.
    Für mich sind das nicht 2 Personen, sondern ein starker Ausdruck von Bedrängnis von einem Teil der Persönlichkeit der verteidigt werden muss.

    Ich war ein Trotziges, aufbrausendes, ebenso ein hübsches, verträumtes, langsames und etwas entwicklungsverzögertes Mädchen.
    Meine Mutter meinte einmal als ich 21 J. alt war, dass sie mich manchmal richtig gehasst hat.
    Einerseits war es eine Erleichterung dass ich doch richtig spürte und anderseits war es für mich sehr traurig. Weil ich auch da noch nicht wusste was dahinter steckte.

    Ich hatte eigentlich mit meinem Verhalten Hilfe gerufen und habe mich nicht verstanden gefühlt.
    Meine Mutter fasst mich bis heute immer wieder am Ober- oder Unterarm an, obwohl ich es überhaupt nicht mag. Ich glaube sie möchte mich so besser erreichen, verstehen und mir näher sein. Ich sage immer wieder ich mag es nicht. Sie kann ihren Impuls nicht unterdrücken. Ich habe nun Friede gefunden mit meinen Eltern und ich kann besser auf mich achtgeben und mich auch abgrenzen. Ebenso wird meine Eigenart auch besser akzeptiert. Darum ist es ganz gut wie es ist uns ich kann mit dem Leben.

    Heute nach langer Therapie weiss ich dass meine Mutter mein Verhalten gehasst hat und nicht Grundsätzlich mich als ihre Tochter. Wir konnten nicht 1 Minute im selben Raum sein ohne dass es krachte.
    Ich konnte sie auf eine leise Art, innert Sekunden zur Weissglut bringen. Ich habe immer alles liegen gelassen, eine Explosion im Zimmer gepflegt, Hausaufgaben aufgeschoben, nichts weggeträumt und bin nie sofort gekommen wenn sie mich gerufen hat. Mich stört es bis heute wenn man mich ruft, stört durch ansprechen und dann noch etwas von mir will... Ach ja das Übliche in unserer Sparte.

    Manchmal wusste ich wirklich nicht was ich wieder getan habe, etwas so wie ich auch nie genau wusste was man von mir wollte in der Schule. Nun weiss ich dass das Undefinierbare wohl das Aufmerksamkeitsdefizit war, dass ich nie fassen konnte und durch hartnäckigen Fleiss so beeinflussen kann, dass ich gerade so durchkommen bin.
    Ich war von der Schule oft so erschöpft, dass ich es knapp nach Hause schaffte und alles in den Eingang knallte und liegen liess. Und zwar täglich. Was natürlich nie sehr freundlich aufgenommen wurde….

    Ich zog mich nach einem Anfall auch zurück und war sehr traurig und Orientierungslos.
    Fühlte mich Regelmässig sehr unverstanden. Ich wurde nie gesucht und getröstet. Die anderen aus der Familie haben nie mitgekriegt wie es mir geht. Ich wurde durch ein Art "Liebesentzug" durch nicht beachten meiner Gefühle gestraft. Heute frage ich mich inwiefern meine Eltern damals selber Mühe hatten dies überhaupt so differenziert zu erkennen und nicht anders konnten. Sie haben nämlich auch einiges richtig gemacht wie ich mit dem heutigen Wissen deutlich sehen kann.

    Aus heutiger Sicht hätte ich wohl jemanden gebraucht der geduldig meinen Trotzanfall abwartet und mir dann liebevoll zuhört, gemeinsam Gedanken zur Welt und warum was so ist macht und mit mir Kompromisse sucht und effektive Strategien trainiert. Jo das hätte mir wohl sehr geholfen. Darum danke ich im Herzen meinem Therapeuten und meinen Umfeld wo ich vieles erschliessen konnte.

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 5.927

    AW: Böses Kind

    Ich kenne das nur aus meiner frühen Kindheit, dass die Wut und der Zorn in mir aufstiegen und ich innerhalb von Millisekunden eigentlich ein völlig anderer Mensch war. Das hat mich so übermannt, dass ich mich nicht dagegen wehren konnte. Es war ähnlich, als wenn ich unter einer dicken Haube von Wut und Zorn sass und es für mich kein Entkommen gab.

    Ich wollte aus der Situation raus und konnte es einfach nicht - ich war dem hilflos ausgesetzt, was mit mir geschah ... - Der einfache Grund? Ich bekam meinen Willen nicht ... Der Ausraster dazu also eigentlich völlig überzogen ... Und trotzdem spielte ich für längere Zeit immer wieder "Turborakete" mit dem besonderen "Extra" ...

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