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  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 182

    Vom langen Weg zum eigenen Hoffnungsschimmer

    Hallo zusammen,

    ich möchte vorab warnen, dies wird sicher ein längerer Text.
    Er soll im "Besten Falle" hilfreich für andere sein, niemals aufzugeben.
    Hört auf das Bauchgefühl... das hätte ich schon viel früher machen sollen, aber nun zum Anfang :

    Heute bin ich Mutter von drei Jungs (fast 16, 13 und 9 Jahren), 17 Jahre verheiratet und könnte eigentlich ganz zufrieden sein.
    Mein Weg zur Einsicht begann eigentlich mit meinem Zweitgeborenen.

    Er hatte schon im Kindergarten Schwierigkeiten im sozialen Zusammenleben mit anderen Kindern.
    Erst als er fast 6 Jahre war, wurde mir von Seiten der Kindergärtnerinnen von Problemen im Umgang mit anderen Kindern berichtet.
    Wir als Eltern hatten bis dahin uns immer nur gewundert, warum er manchmal so schnell an die Decke ging,
    bei Kleinigkeiten, wie wir fanden.

    Das Thema wurde von uns nicht direkt als Problem gesehen, da wir dachten, dass Kinder immer mal Stress haben.
    Bbis zu dem Tag, an dem mein kleiner jähzorniger Spross sich entschied der Mutter seines Freundes, wo er zum spielen war,
    anzudrohen sie mit Steinen zu bewerfen.

    Diese rief mich extrem sauer an, ich solle sofort meinen ungezogenen Sohn abholen. Es gab noch ein paar sehr unschöne Kommentare
    ihrerseits an mich und der Hinweis, das beide Kinder ab sofort keinen Kontakt mehr haben werden.
    Ich verstand die ganze Situation nicht. Ich bekam auch nicht raus, was überhaupt vorgefallen war.
    Vor diesem Tag an hat die besagte Mutter bei jeder Gelegenheit meinem Sohn (persönlich) aber auch mir gesagt, was für ein " XXXXloch das Kind
    ist und ich hoffe das er mal so richtig einen auf die xxxx bekommt".
    Das war für mich nicht zu verkraften.
    Es ist ja ok, wenn jemand nicht mit mir zurecht kommt, aber einem Kind so etwas direkt ins Gesicht zu sagen, dass
    zeugt für mich nicht vom erwachsen sein. Ich habe dort direk angerufen und bin wirklich sehr wütend geworden.
    Sie war sich keiner Schuld bewußt und fand ihre Reaktion völlig vertretbar.
    An diesem Punkt musste ich was unternehmen.

    Dann gab es einen Nachmittag, an dem sich jemand von der Erziehungsberatungsstelle vorstellte und allen interessierten
    Eltern Einblick in die Arbeit dieser Stelle geben wollte.
    Ich dachte mir, gute Idee, mache mal einen Termin und hol dir Hilfe. Ich erhoffte mir, dass ich verstehe was in meinem Kind vielleicht vorgeht.
    Der Termin kam und ich saß eine Stunde bei dem Herrn. Beim nächsten Termin wollte er das Kind kennenlernen.
    Natürlich benahm sich mein Sohn vorbildlich und am Ende sagte er mir unter vier Augen, dass der Junge völlig in Ordnung sein,
    es wäre nur eine Phase und ich solle mich nicht so aufregen.
    Außerdem kam der Hinweis, dass ich viel größere Probleme mit mir selbst hätte und mich viel mehr um mich statt um die Kinder kümmern solle.

    Er bescheinigte mir quasi, das ich Problem sehen würde die garnicht da seien.

    Ich war danach hoch empört, weil ich mich nicht erstgenommen fühlte. Es konnte doch nicht sein das ich mich so sehr täuschte.
    Der Kindergarten hatte mich damals übrigens ermutigt, wegen meines Sohnes den Termin bei dieser Beratungsstelle wahrzunehmen
    und hat es auch für richtig empfunden.
    Nach meinem Feedback waren auch die guten Damen etwas verwundert.

    Dann kam die Grundschule, mit 6 Jahren ganz normal eingeschult, allerdings in die Klasse, in der sich all die Kinder versammelten,
    mit denen er im Kindergarten schon Erfahrungen gesammelt hatte. Die wußten mittlerweile ganz genau, welhen Knopf sie bei meinem
    Sohn drücken müssen, damit er so richtig schon austickt.
    In der ersten Schulwoche hatte ich dann schon eine wütende Mutter vor unserer Tür stehen, die sich aufregte, dass ihr Sohn einen Kratzer
    auf Hand (3 cm lang) hatte. Mein Sohn hätte ihren geschubst. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon so fertig mit den Nerven,
    das ich im Gespräch mit ihr zu weinen begann und mich für meinen Sohn entschuldigte, aber auch darauf hinwies, das mein Sohn
    nicht nicht zu Hause wäre und ich somit nichts dazu sagen könne.

    In Nachhinein weiß ich das diese Mutter mit der oben schon Erwähnten sehr gut befreundet ist. Vermutlich wurde sie von dieser auch angestachelt.

    Jetzt nahm ich den zweiten Anlauf. Ich suchte mir einen Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche.
    Dieser "testete" meinen Sohn knapp 1,5 Stunden und sagte uns, wir hätten ein "gymnysiales HB-Männchen". Vielleicht kennt das noch jemand von früher.
    Wir sollten uns keine Sorgen machen, auch ADHS wäre ausgeschlossen. Für Verhaltenstherapie empfände er ihn zu jung, aber wenn wir wollten
    könne er uns Ergotherapie verschreiben.
    Gesagt getan, denn auch die Klassenlehrerin fand das eine gute Idee.

    Nach etwas über einem Jahr, war der Ergotherapeut der Meinung, dass sich unser Sohn gut entwickelt hätte und wir eine Pause machen sollten.
    Unser Sohn war tatsächlich ruhiger geworden und nur noch seltener in Streit verwickelt. Wir waren erstmal zufrieden und dachten der Weg
    hätte sich für alle gelohnt.

    Zwischendurch gab es dann zwar noch Phasen, wo er nicht zur Schule gehen wollte, wegen diverser Klassenkameraden aber das bekamen wir
    mit Rückhalt der Lehrerin so hin.
    Uns hielt einfach der anstehende Schulwechsel zur Weiterführenden Schule über Wasser. Unser Sohn freute sich auch das er neue Klassenkameraden
    finden würde, die nicht voreingenommen wären.
    Er hatte Glück, denn er bekam die Zusage für eine 5. Klasse mit musischem Schwerpunkt, wie er es sich gewünscht hatte.

    Bis zur 6. Klasse lief alles gut, wie wir glaubten. Dann kam durch Zufall raus, das er von Nachbarjungs und deren Freunden (gehen auch auf die Schule)
    im Schulbus gemobbt wurde. Ich hatte mich zu dem Zeitpunkt schon gewundert, warum er immer wieder blaue Flecken hatte.
    Nachdem ich das Ausmaß langsam erfasste wurde ich richtig sauer und versprach meinem Sohn, das wir uns wehren.
    Ich würde alle Register ziehen, die mir zur Verfügung stünden. Es sollten die Krieg bekommen, die ihn unbedingt haben wollten.

    1. Klassenlehrer informieren : Ab einem gewissen Alter des Kindes sieht es doof aus, wenn die Mutter das macht. Somit musste
    mein Sohn sich überwinden. Dann trat ich in Aktion.
    2. Schulpsychologin kontaktieren : Nach einem von meiner Seite aus verweinten Gespräch, in dem sie mir sehr gut den Rücken stärkte führte
    sie auch Gespräche mit meinem Sohn und war deutlich besorgt um ihn.
    Sie unterhielt sich dann auch mit dem Klassenlehrer und machte auf den Druck aufmerksam unter dem mein Sohn stand.
    Gleichzeitig empfahl sie mir dringend das Kind einem Psychologen vorzustellen.
    In der Schule wurde den entsprechenden Kinder erfolgreich mit Konsequenzen gedroht, wenn sie nicht von unserem Sohn ablassen würden.

    Wir suchten und fanden nach einiger Zeit eine Psychotherapeutin die das Kind in vier Terminen komplett durchtestete.
    Ergebnis : ADS und Hochbegabung mit entsprechenden Probleme, aufgrund des jahrelangen Mobbings.

    Mitte 2013 bekam er dann Ritalin und erneut Ergotherapie verschrieben. Er ist leider immer noch sehr verschlossen und kann keine
    körperliche Zuneigung vertragen, aber er hat mittlerweile 2-3 gute Freunde und sein Saxophon. Sein Instrument erlaubt es ihm abzuschalten und
    über die Musik kann er sich scheinbar uneingeschränkt ausdrücken. Ich kann es nicht besser beschreiben, er hat versucht es mir mal
    zu erklären. Es geht langsam bergauf.

    2013 fielen mir dann gewisse Parallelen bei unserem Jüngsten auf. In Absprache mit seiner Klassenlehrerin habe ich dann auch ihn
    testen lassen und siehe da, das gleiche Ergebnis. Nur das er noch nicht so "belastet" war, weil sein Leidensweg noch nicht so lange dauerte.

    Wir haben uns die Entscheidung nicht leicht gemacht, den Kindern Ritalin zu geben. Das waren zumindest bei mir viele schlafarme Nächte.
    Aber irgendwann muss man mal jemandem vertrauen und nach einiger Zeit, bestätigten die Kinder und deren Lehrer das alles deutlich beser
    liefe.
    Jetzt musste ich mich ernsthaft mit dem Thema beschäftigen und es dauerte tatsächlich noch über ein halbes Jahr, bis mir klar war warum ich
    so bin, wie ich bin.

    Im Dezember 2013 habe ich mir ein Tattoo machen lassen, um mich immer daran zu erinnern, das ich kämpfen muss wenn wieder was
    schief läuft. Und das mein Kämpfen aus Taten bestehen muss und nicht aus Worten.
    Knapp zwei Monaten nach dem Tattoo fiel es mir dann wie Schuppen von den Augen.
    Das Leben geht manchmal schon komische Wege. Mein Tattoo ist meine komprimierte Diagnose meines Lebens.

    Ich kümmerte mich um einen Termin zur Diagnostik und musste bis Januar 2015 auf den ersten Termin warten.
    Noch ein paar Wochen und ich habe vermutlich endlich einen Weg gefunden, Hilfe im Umgang mit mir selbst und der Welt zu bekommen.

    Ich bin so froh, dass die Kinder die Chance haben ihr Leben einfacher zu erfahren und nicht alle Hürden nehmen müssen, die sich
    mir in den Weg gestellt haben. Das ist für mich ein kleines Glücksgefühl, auch wenn die Kinder das noch nicht verstehen können.

    Ich bin jetzt über 40 Jahre und verstehen endlich den Grund meines immerwährenden Auf und Ab.

    groteske Grüße

    P.S.: Der lange Text tut mir ehrlich leid, aber es ist auch ein wenig Verarbeitung...

  2. #2
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Interessiert/Eigenverdacht auf ADHS / ADS
    Forum-Beiträge: 7

    AW: Vom langen Weg zum eigenen Hoffnungsschimmer

    Hey grotesk ich verstehe dich gut, grad wenn man einen so langen weg hinter sich hat! Mir ging es ähnlich! Wiso wurde denn bei deinem erstgeborenen zuerst ads ausgeschlossen? Und dann doch wieder diagnostiziert? Wie kommt das?

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Alter: 45
    Forum-Beiträge: 182

    AW: Vom langen Weg zum eigenen Hoffnungsschimmer

    Guten Morgen chaosladyy,

    da hab ich vielleicht etwas wirr geschrieben, sorry.
    Bei meinem Ältesten wurde nichts diagnostiziert. Er hat zwar ähnliche Schwierigkeiten, bekommt es aber dennoch gut kompensiert.
    Er möchte nichts davon wissen und sieht AD(H)S zumeist als einfache Ausrede.
    Ja, auch sowas gibt es innerhalb einer Familie.

    Der Mittlere (fast 14) hat die jahrelange Odysse hinter sich.
    Warum man es nicht schon mit 6 Jahren diagnostiziert hat liegt vermutlich daran, so erkläre ich es mir, dass man nicht ordentlich
    getestet hat. Das dauerte damals nur knapp 1,5 Stunden und dann waren die fertig.
    Die zweite Testung, Jahre später, ging über 4 Termine mit jeweils 1-1,5 Stunden. Die waren viel genauer.

    Es ist schon ärgerlich was wir, vorallem er, uns (sich) hätte(n) ersparen können, wenn es frühzeitig erkannt worden wäre.

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