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Diskutiere im Thema Nostalgie zur Selbstwertsteigerung? im Forum ADS ADHS Allgemeines
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 116

    Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    In dem 'Social Network' namens "Stayfriends" habe ich heute folgenden Artikel gelesen, den ich in einem Auszug hier wiedergebe:

    Der wehmütige Blick zurück in die Vergangenheit galt lange als Flucht vor der Gegenwart und wurde nicht selten in der Nähe depressiver Verstimmung eingeordnet. Jetzt erfährt die Nostalgie wissenschaftliche Rehabilitation. Wir hätten diesem Gefühl viel zu verdanken, sagt Sozialpsychologe Constantine Sedikides von der Universität Southampton. Der Pionier des neuen Forschungsgebietes fand in seinen Studien heraus, dass Nostalgie uns einen Vorrat an Hochgefühlen verschafft, von denen wir zehren können, wenn wir uns einsam fühlen. Doch nicht nur das, auch unser Selbstbewusstsein bekommt einen Schub.

    Nun frage ich mich, ob ich deswegen so extrem wehmütig bin, zur gleichen Zeit, wie meine ganze Symptomatik verstärkt hochgetrieben wurde (durch den enormen Druck auf meiner früheren Arbeitsstelle). Jedenfalls fühle ich mich mit diesen Erinnerungen - nicht nur, ich habe Kontakt zu Leuten gesucht, die ich seit knapp 20 Jahren nicht mehr gesehen habe und sonst vielleicht nie mehr wieder - irgendwie besser. Da ja typischerweise bei unsereins das Selbstbewusstsein bzw. Selbstwertgefühl doch eher in Richtung Keller neigt, wäre eine solche Wehmütigkeit eine instinktive Reaktion zur Steigerung desgleichen. Jedenfalls meine ich, es jetzt so bei mir identifizieren zu können.

    Hat jemand auch schon diese Erfahrungen gemacht, dass in Phasen, wo sich ADHS-Anzeichen stärker bemerkbar machen, Euch auch eher oder mehr nostalgische Erinnerungen kommen?

  2. #2
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Nostalgie ist die Lüge, die Welt sei mal besser gewesen als heute.
    Nostalgie ist auch die Lüge, mir sei es mal besser gegangen als heute.

    Es ist die Nostalgie die erst das Unglücksempfinden erschafft, daß alles erst im Laufe der Zeit schlecht geworden und aktuell schlecht sei.
    Darin sehe ich kein Hochgefühl.

    Natürlich kann auch ich mich nicht von Nostalgie freisprechen. Das ist eine ganz normale menschliche Eigenschaft.
    Aber genützt hat sie mir bisher nicht viel...

  3. #3
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 6.847

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Da für mich Bekanntes immer beruhigender und angenehmer ist, ist Nostalgie für mich fast immer mit positiven Dingen besetzt.

    Es ist ein Rückzugsort und für mich ein Stück Heimat, die ich auch pflege.

  4. #4
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.214

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Also in meinem Alter hält man wahrscheinlich öfter mal Rückschau.

    Und dass ich im Leben trotz allem viel Glück gehabt habe, gibt mir
    ein gutes Gefühl.

    Und die viele Musik, der ich ab meiner Kindheit "gelauscht" habe,
    die Farben, die Düfte, Berührungen, die in meinem ZNS gespeichert sind,
    alles ist, wie Creatice schreibt, beruhigend und angenehm.

  5. #5
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Bummel77 schreibt:
    Nostalgie ist die Lüge, die Welt sei mal besser gewesen als heute.
    Nostalgie ist auch die Lüge, mir sei es mal besser gegangen als heute.
    Ich sehe in der Rückschau auch Situationen - meine Güte, habe ich da derart aufgedreht reagiert, wie schrecklich - weil mir trotz der Kindheitsdiagnose, die ja dann in Folge nicht beachtet und dann sogar abgesprochen wurde, mein 'ADHS-typisches' Verhalten nicht bewusst war.

    Aber, ich sehe auch, dass ich früher einmal Freundschaften geschlossen habe, die es selbst überlebten, dass man sich fast 20 Jahre nicht gesehen und nichts von einander gehört hat. Das macht mir Mut. Damit verbinde ich Erinnerungen, in denen ich gerne mal etwas schwelge.

    Erst gestern habe ich meinen Klassenlehrer aus der 5. Klasse Realschule, Schuljahr 1983/84 besucht - ich bin danach weggezogen, daher war es wirklich nur ein Schuljahr. Wir sassen in der Schule, im Lehrerzimmer zusammen. Er war damals ein Jungspund, weinige Jahre nach der Ausbildung, heute steht er vor der Pensionierung. Und meine Person/Persönlichkeit ist ihm immer in Erinnerung geblieben, vorwiegend positiv. Das ist zwar keine enge Freundschaft - kann es damals auch nicht gewesen sein, wegen dem Lehrer-Schüler-Verhältnis -, aber da ist etwas hängengeblieben. Ich habe ihm dann Unterlagen mitgegeben, mit der schriftlich formulierten Bitte, Begebenheiten aus der damaligen Zeit aufzuschreiben, sofern ihm noch präsent, die zur (Neu)Erstellung der Diagnose hilfreich sein können. Trotz seiner positiven Erinnerungen an mich gab es da meine ich ebenfalls eine Klassenfahrt, auf der es mir eine Explosion getriggert hat und mich dann meine Mutter hat frühzeitig abholen müssen. Mal sehen, was als Rückmeldung von ihm zu mir kommt...

    Bummel77 schreibt:
    Es ist die Nostalgie die erst das Unglücksempfinden erschafft, daß alles erst im Laufe der Zeit schlecht geworden und aktuell schlecht sei.
    Diese undifferenzierte Sichtweise kann ich nicht teilen. Im Gegenteil: Sobald ich einen Azt habe, der nicht so eine Nulpe ist und mir mit nichtssagenden Ankreuztestchen und blöden Sprüchen über die vermeintliche Inkompatibilität meiner Berufswahl mit ADHS kommt, habe ich die Chance auf eine (medikamentöse) Therapie. Und damit dann die Chance auf ein besseres bzw. etwas weniger durch die ADHS-Symptomatik erschwertes Leben.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 27
    Forum-Beiträge: 796

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Nostalgie ist die Lüge, die Welt sei mal besser gewesen als heute.
    Nostalgie ist auch die Lüge, mir sei es mal besser gegangen als heute.
    Wieso soll das eine Lüge sein?

    MIR ging es eindeutig mal besser
    und ICH finde dass das Leben früher besser war. Auch hart, aber anders...ich finde in dem Fall besser. Alles war entschleunigter, man nahm sich noch Zeit für bestimmte Dinge, verdiente meist noch ausreichend um die Familie zu ernähren, verließ den Partner nicht beim erst besten Streit usw usf...

    Ich finde Lüge ist ein sehr hoch gegriffenes Wort hier. Ich habe dann das Gefühl man würde mir sagen ich würde lügen. Das kann jemand Außenstehender aber definitiv nicht beurteilen!

  7. #7
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    ayapap22 schreibt:
    und ICH finde dass das Leben früher besser war. Auch hart, aber anders...ich finde in dem Fall besser. Alles war entschleunigter, man nahm sich noch Zeit für bestimmte Dinge, verdiente meist noch ausreichend um die Familie zu ernähren, verließ den Partner nicht beim erst besten Streit usw usf...
    Zustimmung dahingehend, dass der Alltagstress nicht so stark war, wie mitunter heutzuttage.

    Wenn ich jedoch daran denke, wie schmutzig der Fluss in unserem Dorf damals wohl war! Gut, er sieht heute immer noch so braun aus, als hätten die Amis das Geheimrezept für Coca-Cola einfach aus der Zusammensetzung jenes Flusswassers erhalten. Aber im Vergleich zu ca. 1980, wo ich auch mal drin gebadet habe (und was weiss ich alles dort eingeleitet wurde, z.B. durch die Papierfabrik vor Ort - man, das muss mich abgehärtet haben, immerhin habe ich auch ein paar Schlucke erwischt und das überlebt...), ist dessen Wasser doch heute fast schon als steril zu bezeichnen.
    Übrigens hat es über jenen Fluss eine Fussgängerbrücke: Damals: Die Holzbretter, die den Boden bilden, waren längs, also auch die Holzmaserung. Wehe du bist bei Nässe dort mit dem Fahrrad gefahren, da hat es einen schön hingehauen. Heute: Holzbretter quer mit Rillen, kein Ausrutschen mehr bei Nässe. Aber Schild: Radfahrer absteigen. Man sieht schon an jenem Beispiel: Manches war früher besser (keine eigentlich unnötigen Verbote), manches war schlechter. Und manches ist heute besser aber anderes schlechter (ich bin da als Kind und später jahrelang mit dem Fahrrad rübergefahren, wieso 'muss' ich da jetzt plötzlich absteigen?).

  8. #8
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 583

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    ayapap22 schreibt:
    Wieso soll das eine Lüge sein?

    MIR ging es eindeutig mal besser
    und ICH finde dass das Leben früher besser war. Auch hart, aber anders...ich finde in dem Fall besser. Alles war entschleunigter, man nahm sich noch Zeit für bestimmte Dinge, verdiente meist noch ausreichend um die Familie zu ernähren, verließ den Partner nicht beim erst besten Streit usw usf...

    Ich finde Lüge ist ein sehr hoch gegriffenes Wort hier. Ich habe dann das Gefühl man würde mir sagen ich würde lügen. Das kann jemand Außenstehender aber definitiv nicht beurteilen!
    Hm, du bist 24 und redest, als hättest du schon 40 Jahre Arbeitsleben hinter dir. Woher willst du denn wissen, dass deine Meinung der Wahrheit entspricht, wenn du das gar nicht mitbekommen hast und fühlst dich als Lügnerin beschimpft, wenn jemand anderer Meinung ist?
    Es verwundert mich ein wenig.

    Nun, dieses "früher war alles besser"-Gerede hat für mich nichts mit Nostalgie zu tun, da man sich dabei meist auf Dinge bezieht, die mit einem selber nichts zu tun haben (z.B. "früher konnte man noch seine Familie ernähren" - obwohl man "früher" gar keine Familie zu ernähren hatte und somit gar kein "Insiderwissen" besitzt).
    Nostalgie ist für mich dieses Gefühl das sich einstellt, wenn ich mein altes Märchenbuch aufblättere, den Geruch der Seiten aufsauge und mich dabei daran erinnere, wie ich früher im Bett lag und meine Mutter mir Dornröschen vorgelesen hat.
    Oder wenn ich gewisse Musik höre, die mich an vergangene emotional bewegende Ereignisse oder aber auch einfach an bestimmte Zeiten erinnert, mit denen ich positive Gefühle verbinde.
    Nostalgie ist für mich, wenn ich mich bewusst an schöne vergangene Zeiten erinnere und dabei so ein leichtes Gefühl von Sehnsucht empfinde aber eben auch einfach ein ziemliches Glücksgefühl.
    Es kann gut sein, es kann aber auch schlecht sein. Wenn man sich z.B. ganz alleine fühlt und dann an Zeiten erinnert wird, in denen man Teil eines großen Freundeskreises war. Dann kann es auch umschlagen und man fühlt sich nur noch einsamer.

    Was das "früher war alles besser" betrifft, weiß man, dass es einfach nicht so ist. Vllt. verlässt man heute seinen Partner früher, dafür war aber bis in die 90er hinein sexuelle Vergewaltigung innerhalb der Ehe nicht strafbar. Frauen hatten bis in die 70er hinein kaum Rechte.
    Viele sind in Ehen verharrt, haben Gewalt über sich ergehen lassen, Alkoholismus war früher ein noch viel größeres Problem (nur sozial anerkannt, es galt als normal, nicht als Krankheit), viele Frauen mussten darunter leiden aber konnten sich nicht trennen oder haben sich nicht getraut.
    Und das mit dem Geld verdienen.... ich höre gerne mal meinen Eltern und Nachbarn zu, wenn die von ihrer Kindheit reden. Was mir besonders auffällt: Sie haben alle einen deutlich geringeren Lebensstandard gehabt, nicht nur wegen der technischen Entwicklung, sondern auch, weil die Ansprüche damals schlichtweg viel geringer waren. Vier Kindern in einem Zimmer? Normal.
    Nach der Hochzeit mit den Schwiegereltern in einer 2-Zimmer-Wohnung leben? Auch normal. Urlaub? Höchstens mal ins Sauerland.
    Das ist nur ein Beispiel von vielen. Es ist nicht härter geworden, eine Familie zu ernähren, man bedenke einfach mal so Sachen wie Elterngeld, Familien haben noch nie so viel Geld vom Staat bekommen wie heute! Aber die Ansprüche sind heute doch ganz andere als vor 30 Jahren. Und das ist auch nicht schlecht oder falsch, der Wohlstand ist deutlich gewachsen und jeder Mensch sollte ein Recht dazu haben, an diesem Wohlstandswachstum teilzuhaben und dieses auch einverlangen.
    Früher hat man als Alleinerziehender übrigens den vollen Steuersatz gezahlt, d.h. der verheiratete Mann OHNE Kinder musste weniger Steuern zahlen als der Single mit 4 kleinen Kindern zuhause, die er ernähren muss!
    Nur noch als weiteres Beispiel zum Thema "früher war alles besser".

  9. #9
    Wohnt hier

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 40
    Forum-Beiträge: 1.008

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    @ayapap22:
    Wann oder ob Du überhaupt lügst, kannst weitestgehend nur Du selbst wissen und beurteilen.
    Ausnahmen wären z.B. Flagranti-Situationen.
    Ich nenne die Nostalgie eine Lüge, weil ich mich dank ihr selbst belüge.
    Wenn ich diesem Nostalgiegefühl alles glaube, und dann weitererzähle, irre ich eher anstatt zu lügen.
    Aber der Lüge an mir selbst habe ich mich schuldig gemacht. Beispiele gefällig?

    Bsp.1)
    Nostalgie: "Ich habe es damals geschafft, weiterzukommen!"
    Realität: Ich wurde mit durchgeschliffen unter dem omnipräsenten Vorzeichen, daß Gnade vor Recht ergangen sei.

    Bsp.2)
    Nostalgie: "Ich habe als Kind draußen gespielt im Sonnenschein und mit meinen Freunden."
    Realität: Ich hatte kaum Freunde. Meistens schien die Sonne eben NICHT. Und die Kinder, mit denen ich spielte, waren dieselben, die mich ärgerten und quälten.
    Da ich erst später einen Computer bekam als andere, konnte ich natürlich nicht den ganzen Tag vorm Rechner sitzen. Aber meistens eben doch daheim in meinem Mief.

    Bsp.3)
    Nostalgie: "In meiner Kindheit gab es noch nicht diese Turbo-Leistungsgesellschaft."
    Realität: Zu den Zeiten meiner Kindheit hat einem jeder 2. Erwachsene Dauerpredigten über "Leistung" gehalten, daß mir schlecht davon wurde.
    Martin Bangemann (FDP) ließ sich im Wahlkampf auf einem Plakat hinter dem Spruch "Zukunft durch Leistung!" abbilden.
    Und auch wenn ich meiner Zeugnisse aus der Kindheit nicht mehr habe, weiß ich dennoch, daß meistens irgendein Kommentar drin stand, daß sich meine Leistungen bessern müßten.

    Ein anderes Beispiel, das ich eher hier und da mal höre, und dessen Torheit ich zu meiden suche:

    Nostalgie: "Früher wurden Kämpfe noch fair, 1:1 und ohne Waffen ausgetragen, und niemand hat nachgetreten."
    Realität: Ich habe die Anzahl der Gelegenheiten einfach vergessen, zu denen sich die halbe Klassengemeinschaft auf mich oder andere einzelne Mitschüler stürzte.
    Die Nachbarjungs verschossen Steine mit Zwillen auf Menschen, Haustiere und Autos (und so ein Stein konnte weh tun, wenn er traf! Ehrenwort!).
    Und ebenso war es normal, daß bei einer ausgearteten Rauferei der zornige Oberhandgewinner nachtrat.
    Das Sprüchlein "Sowas hat's früher nicht gegeben!" wurde auch damals ständig von irgendwelchen Erwachsenen aufgesagt. Den Grad seiner Glaubwürdigkeit kenne ich nur zu gut...

    Wir Menschen benutzen Nostalgie unter anderem zum Selbstschutz. Nostalgie geht direkt über in das Verdrängen unangenehmer Erinnerungen. Es bleiben die schönen Aspekte unseres Erinnerungsvermögens, die uns dann vorgaukeln, daß früher alles besser gewesen wäre.

    @ISBD:
    Meine Sichtweise resultiert aus dem Wissen, daß wir in unseren Erinnerungen die Negativaspekte weglassen. Beim anschließenden Vergleich mit der aktuellen Situation meinen wir zu erkennen, daß es uns heute schlechter gehen würde, ohne daß dem so ist. Undifferenziert? Hmmm... vielleicht...

  10. #10
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: Ärztliche Verdachtsdiagnose auf ADHS /ADS
    Forum-Beiträge: 116

    AW: Nostalgie zur Selbstwertsteigerung?

    Bummel77 schreibt:
    Wir Menschen benutzen Nostalgie unter anderem zum Selbstschutz. Nostalgie geht direkt über in das Verdrängen unangenehmer Erinnerungen. Es bleiben die schönen Aspekte unseres Erinnerungsvermögens, die uns dann vorgaukeln, daß früher alles besser gewesen wäre
    Wenn ich mich angenehm an die Mitstudenten aus der Zeit meines unvollendeten Theologiestudiums erinnere, dann ist mir im Hintergrund sehr präsent, dass ich damals studientechnisch versagt habe (und ich meine auch zu wissen warum: Danke, ADHS!). Mir bleiben die negativen Aspekte jener Zeit, sehe jedoch auch, dass ich auf anderem Wege etwas aus mir gemacht habe. Und sogar das, was ich damals gelernt habe und auf den ersten Blick aussah wie '3 Semester etwas gelernt, was man dann sowie nicht braucht, weil man es ja nicht bis zum Abschluss geschaft hat', konnte ich inzwischen oder kann es immer noch für mich doch auf andere Weise irgendwie gewinnbrigend einsetzen.

    Ich hatte auch lange eine Scheisswut auf meine Mitschüler, die mich recht häufig angingen, nur um eine Explosion von mir zu triggern. Die habe ich heute nicht mehr. Es spielt keine Rolle mehr, denn die wussten nicht, was sie getan haben. Das war mies, aber es gab in dieser Lebensphase auch gute Begegnungen, mit Personen, denen ich und die mir heute mit Respekt begegnen.
    Ich habe heute eine Scheisswut auf meinen letzten Chef in Bern, dem ich ca. einem Jahr vor meinem Weggang diesen Sommer schriftlich mein ADHS zu Protokoll gegeben habe und bei dem ich heute davon ausgehen muss, dass er aufgrund dieser Information nicht nur mein Asthma gegen mich eingesetzt hat, um mich kaputt zu machen. Soll ich vor so etwas Respekt empfinden? Nein! So etwas durch einen Vorgesetzten, in einer skrupellos ausgenützen Machtposition mir gegenüber, durchgemacht zu haben, ist eine ganz andere Form von Sadismus, als von Mitschülern, de facto Gleichrangigen, geärgert zu werden.

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