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Diskutiere im Thema Die Wahrnehmung von Romaninhalten im Forum ADS ADHS Allgemeines
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    like a Hobo...

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen:
    Forum-Beiträge: 639

    Die Wahrnehmung von Romaninhalten

    oder so ähnlich.
    Ich weiß nicht, wie ich es besser ausdrücken soll, in der Überschrift.

    Ich versuche es mal zu erklären.
    Ich lese Bücher.
    Nicht regelmäßig. Es gibt Zeiträume, da schaffe ich es nicht, zu lesen. Da bekomme ich kein Bezug zu dem Buch.
    Dann aber wieder gibt es Zeiträume, in dem ich Romane verschlinge.
    Ich merke dann aber nicht, das ich lese. Ich tauche in das Buch ein, bin mitten drin, ich lese die Geschichte nicht, ich lebe sie. Ich bin mit dabei.
    Ich bin dann so sehr drin, das ich um mich herum dann auch absolut nichts mitbekomme. Man muß mich dann schon mehrmals ansprechen, um mich wieder "in diese Welt" zu holen.

    Das Problem, was ich aber oft habe ist, das ich die Handlung des Buches anscheinend anders wahrnehme, als andere Personen. Ich habe ienen ganz anderen Fokus in dem Roman. Und wird dann über dieses Buch gesprochen, dann versteht man mich oft nicht, oder ich die anderen nicht.
    Ein Beispiel:
    Das Krähenmädchen
    Ein schwedischer Psychothriller.
    Mich hat das Buch total gepackt. Ich habe es innerhalb von zwei Tagen verschlungen und brennend auf den zweiten Band "Narbenkind" gewartet.
    Für mich war der Hauptfokus da drin der Missbrauch von einem Mädchen und die daraus entstandene seelische Zerstörung, die multiple Persönlichkeit einer Frau. Psychologin und Mörderin. Eine grausame Kindheit die dazu führte, das dieses Mädchen als erwachsene Frau komplett verschwand, aber in der Psychologin weiterlebt und immer mal wieder die Oberhand bekommt und sich dann für die Kindheit rächt.
    Natürlich erfährt man bei den Ermittlungen der Polizistin auch von Pädophilen, einem Kinderpädophilenring und so weiter. Ja. Grausame Dinge, besonders wenn man selber Kinder hat.
    Aber wie gesagt, das war für mich gar nicht der Hauptfokus.
    Nun beschreibt eine Bekannte von mir dieses Buch als *****vorlage für Pädophile und kann meine abtuende Haltung hier absolut gar nicht verstehen.
    Ich kann ihren Fokus auf die Hintergrundgeschichte und die Drumherumgeschichte nicht verstehen.

    Und nicht nur hier. Das war schon öfters so, auch mit anderen Freunden oder Bekannten. Kommt ein Buch ins Gespräch, dann diskutieren wir uns da echt in Rage, und ich komm dann da auch nicht mehr raus, aus dem Kreisel. Mich wühlt das dann auf, beschäftigt mich, "bedroht" mich.

    Versteht ihr, was ich sagen will?

    Warum empfinde ich Romane so völlig anders, wie andere Leute? So stark, das es sogar zu Streits kommt?

  2. #2
    N o r d f r a u

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 62
    Forum-Beiträge: 8.212

    AW: Die Wahrnehmung von Romaninhalten

    Hallo sanatee,

    mir geht's genauso mit Lesen, allerdings lese ich nicht immer hochgeistige Bücher und mit zunehmenden
    Alter, wenn es um Krimis/Thriller geht, lieber etwas nicht so Aufwühlendes. Trotzdem geht noch häufig eine
    Nacht drauf, wenn ich etwas Spannendes in den Händen halte, zum Einschlafen lese ich aber lieber etwas,
    was ich schon kenne, auch weil es mich interessiert, wie ein Buch, dass ich mit Anfang 20 gelesen habe,
    jetzt auf mich wirkt (ich war damals eine große Anhängerin von Simone de Beauvoir).

    Ich lese gerade die Krimis von Deborah Crombie, weil ich immer Sehnsucht nach England habe.
    Ich bin erstaunt, wie manche AutorInnen es immer wieder schaffen, ADHS-Betroffene zu beschreiben:

    ".......Wenn sie ihn anfangs damit aufgezogen hatte, dass er sich durch das Medizinstudium gemogelt habe,
    hatte er geglaubt, im Grunde ihres Herzens bewundere sie seine Unbekümmertheit. Aber dann war ihm klar
    geworden, dass sie darin einen Charakterfehler sah, den es zu beheben galt.

    Was sie nie begriffen hatte, war, dass seine Schwächen zugleich auch seine Stärklen waren, untrennbar verbunden
    mit einer intuitiven Auffassungsgabe und der Fähigkeit, schnelle Entscheidungen zu treffen, und dass es genau
    diese Eigenschaften waren, auf denen sein Erfolg als Notfallmediziner beruhte. ....... Es war der Adrenalinkick, der
    ihm fehlte, das Gefühl, dass alles ineinander floss und die Zeit schneller verging als sonst. ......"

    Deborah Crombie, "Denn nie bist du allein".

  3. #3
    Kennt sich hier aus

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 968

    AW: Die Wahrnehmung von Romaninhalten

    So stark ist das bei mir nicht, aber ich merke, dass eine Geschichte die mich mitreist, ich richtig in Gedanken aktiv mitentwickle.. und die dann schon mal ein bissel stärker von dem abweichen, was der Autor wirklich schrieb. Aus dem gleichen Grund kann ich aber auch nur schwer ein Buch nochmal lesen, weil eben mir dann auffällt, wie meine Version von dem des Buches abweicht (mal abgesehen davon, dass ich dann weiß, wie die Geschichte ausgeht, und dann nicht mehr so spannend ist


    Wobei es bei mir so ist, dass so ein paar Hauptgeschichten immer so paralell in Gedanken laufen lassen und wenn ich etwas spanndes lese, dies dann in diesen Hauptgeschichte einbaue und verändere, dass am Ende überhaupt nichts mehr von der ursprünglichen Geschichte übrig bleibt..

  4. #4
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 2.275

    AW: Die Wahrnehmung von Romaninhalten



    Manchmal keinen Bezug zum Text zu bekommen und manchmal wiederum im Roman zu leben - oh, da kann ich ein Lied davon singen!

    Im zweiten Fall habe ich einmal derart gelitten, dass ich, auf den Grund meines Kummers angesprochen, die Geschichte aus der Sicht einer bestimmten Figur erzählte, als wäre sie mir selbst wiederfahren. Tagelang gab es kein anderes Gesprächsthema für mich. Ich benutzte die Namen der Charaktere, als handelte es sich um Bekannte von uns.

    Und auch meine Wahrnehmung des Romans unterscheidet sich scheinbar oft von derjenigen anderer Leser...
    Insbesondere habe ich die Erfahrung gemacht, dass ich dem, was zwischen den Zeilen steht, viel mehr Gewicht gebe...
    Das hatte früher im Deutschunterricht manchmal dazu geführt, dass einige sich fragten, ob ich dieselbe Geschichte gelesen habe Habe ich.
    Geändert von jetztaber (24.09.2014 um 00:00 Uhr)

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