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Diskutiere im Thema AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers im Forum ADS ADHS Allgemeines
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #1
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 328

    AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Hallo!

    Hab vor kurzem ein sehr interessantes Gespräch mit einer Kommilitonin geführt, die bereits seit knapp zehn Jahren unterrichtet. Irgendwie kamen wir dabei auf AD(H)S (es scheint wohl überdurchschnittlich viele ADHS-ler in ihrer Klasse zu geben).

    Sie outete sich dann als radikale Vertreterin von Medikamenten. Es gehe einfach nicht an, dass drei Schüler den Unterricht so störten, dass die restlichen 25 nicht mehr zum Lernen kämen. Und deshalb sei es eine Verantwortungslosigkeit der Eltern, ihre Kinder nicht zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme zu zwingen. Ihr Verhalten sei einfach eine Zumutung für die anderen.


    Hab sie dann gefragt, ob denn bei den Schülern, die regelmäßig Ritalin und Co. nehmen, eine nachhaltige Leistungsverbesserung festzustellen sei.
    Da wusste sie erstmal überhaupt keine Antwort drauf Hauptsache, der Unterricht wird nicht mehr gestört. Das System verlange von ihr, so viele Kinder wie möglich zum Lernziel des Lehrplans durchzubringen, und der Rest sei nicht ihre Aufgabe.



    (Wohlgemerkt, sie ist eben schon lange genug in diesem Beruf, um nach und nach zu dieser Erkenntnis gelangt zu sein. Früher sei sie deutlich hilfsbereiter gewesen, aber am System kaputtgegangen.)

    Bin daraufhin echt ins Zweifeln gekommen: Haben wir AD(H)S-ler wirklich die Verantwortung vor unserer Umwelt, sich ihr anzupassen..? Oder ist eine "gewisse" Anpassung ein Muss, und alles drüber Hinausgehende eine persönliche Entscheidung...?

    Oder zeig ich grad mal wieder viel zu viel Verständnis für alle anderen außer mich selbst..?

  2. #2
    Procrastiqueen

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Alter: 33
    Forum-Beiträge: 1.336

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Also... ich bin überhaupt keine Vertretrin von Anpassung im Sinne von "Alle müssen ruhig und brav sein und nicht aufmucken"

    AAAABER
    Ich fühle mich genauso gestört wenn jeder seinen "Egotrip" durchzieht und meint er brauche für alles ne Sonderregelung.

    Anpassung ist da aber nicht das richtige Wort, meiner Meinung geht es darum auf seine Umgebung zu achten und das müssen Kinder eben auch lernen.

    Trotzdem geht das gar nicht an, dass Lehrer nur noch darauf bedacht sind die Kinder ruhigzustellen. Was aber vollkommen logisch ist, wenn man 25 Schüler hat. Ich geh jetzt mal nicht auf das marode Schulsystem ein...

    Aber zu deiner Frage: Ich finde wir AD(H)Sler haben nicht weniger Verantwortung Rücksicht zu nehmen als alle anderen. Ich mache deshalb aber nicht jeden Unsinn mit.

    Wenn es um die Kinder geht, sollte man sich aber echt mal die Frage stellen, ob es sinnvoll ist nur an der Beseitungung der negativen Effekte zu arbeiten, anstatt viel lieber an der Förderung der positiven Seiten. Ich kann mir vorstellen, dass an einem Unterricht, der ADS-Kindern Spass macht, auch Stino-Kinder Spass haben. Man muss halt eine Balance finden, denn die nicht-ADS Kinder dann zu benachteiligen kann es ja auch nicht sein.

    Na ja es hapert an vielen Stellen, leider...

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 416

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    isteddu schreibt:
    Es gehe einfach nicht an, dass drei Schüler den Unterricht so störten, dass die restlichen 25 nicht mehr zum Lernen kämen. Und deshalb sei es eine Verantwortungslosigkeit der Eltern, ihre Kinder nicht zur regelmäßigen Medikamenteneinnahme zu zwingen. Ihr Verhalten sei einfach eine Zumutung für die anderen.
    Genauso ist es ja auch! Wenn man möchte, dass sein Kind normalen Unterricht an einer normalen Schule bekommt, dann muss man halt auch dafür sorgen, dass es zivilisiert daran teilnehmen kann. Und da einem ADHS-Kind (mit heutigen Mitteln ) natürlich kaum zu vermitteln ist, dass eine gewisse Disziplin wichtig ist, muss man halt entweder die Medikamentenkeule schwingen oder das Kind auf eine andere Schule schicken.
    Und weil Kinder alle Dinge halt erst lernen müssen, muss man sie zu manchen wichtigen Sachen halt zwingen. Zum Zähneputzen zwingt man sie schließlich (zum eigenen Wohl) auch, dagegen sagt niemand was. Und ob ich ausgegrenzt werde oder eine Zumutung für die anderen bin, weil ich nur 3 Zähne im Mund und Mundgeruch auf 3 Meter habe oder weil ich alle den ganzen Tag ablenke und jedem auf den Sack gehe, macht auf lange Sicht psychisch nur einen geringen Unterschied!
    Geändert von Käsebrot (19.10.2012 um 22:29 Uhr)

  4. #4
    Gesperrt

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 26
    Forum-Beiträge: 259

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Der Sinn von der Medikamention mit MPH ist nicht das "Ruhigstellen", sondern die Unterstützung für AD(H)S´ler dem Unterricht zu folgen, konzentrierter zu arbeiten, den Bewegungsdrang abzustellen und die Motivation zu erhöhen Aufgaben in Angriff zu nehmen.

    Wenn eine Lehrerin (bzw. studierte Pädagogin) das nicht weiß bzw solch schwachsinnige Aussagen von sich gibt, dann hat sie meiner Meinung nach in ihrem Beruf nichts verloren.

    Ich fasse mir auffjedenfall an den Kopf bei sowas....

    lg Frederico

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 281

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Auf der einen Seite kann ich diese Frau verstehen sie hat
    ihre Vorgaben und kann im Prinzip gar nicht anders denken.

    Nun gut mein Teil an Anteilnahme ist abgedeckt........

    Fakt ist das Kinder mit ADHS durchaus stören können, ich
    denke das Hauptsächlich Problem ist wie so oft nicht der
    Schüler, sondern die Menschen aussen herum.
    Die Kinder sollen am besten wie kleine Roboter alles
    schnell lernen.Für individuelle Förderung bleibt kaum Zeit.

    Ich habe mittlerweile schon mit ein paar Eltern Kontakt
    gehabt von....." mein Kind lässt sich zwar ständig ablenken
    aber ADHS ist es sicher nicht".... über.... "Hat von dem
    einen Arzt ADHS diagnostiziert bekommen das er es hat
    Medis ziehen aber nicht also kann er es gar nicht haben"...
    zu..."ja sie hat wohl ads aber ich würde sie am liebsten auf
    die normale schule packen das sie merkt das man etwas
    für gute noten machen muss"


    Der erste Gedanke nach unendlichem Mitgefühl für solche Kinder
    ist einfach,die meisten Menschen wollen nicht anders sein,
    bloß nicht aus der Norm fallen.Der Druck normal zu sein ist mega hoch.
    Ich gehe davon aus das immer noch eine menge Erwachsene und Kinder
    sich lieber so durchquälen,weil sie einfach nicht aus der Reihe fallen wollen.


    Nun zu dem eigentlichen, wobei ich ja teilweise schon darauf eingegangen bin.

    Es liegt nach wie vor daran das zum

    1. ADHS in den meisten Köpfen als blödsinn/Modekrankheit verankert ist
    2. das die Normalen Menschen noch in der Mehrheit sind und somit,
    daran gemessen wird was normal ist.

    Ich fordere Aufklärung,und dann können wir auch etwas erreichen.

    Was mir dazu noch durch den Kopf geht...
    sicher diese Lehrerin nimmt ja das ADHS Problem wirklich wahr
    aber ihr fehlen einfach die Zeit und die Mittel (sehr wahrscheinlich
    auch eine auf diese Krankheit abgestimmte Ausbildung) um solche
    Kinder anständig zu fördern. In manchen fällen klappt es ja auch mit
    Verhaltenstherapie.
    Geändert von laepche (20.10.2012 um 08:48 Uhr)

  6. #6
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 38
    Forum-Beiträge: 2.435

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    kurz: ein lehrer, der die klasse nicht so motivieren kann...mit kindern nicht umgehen kann.... sollte den beruf wechseln....

    kurz mal etwas aus (meiner logik) der mathematik und wahrscheinlichkeit..... es kann und ist unrealistisch, dass der anteil an störenden kindern
    bei dieser lp... höher ist als in einer anderen klasse mit anderer lp....

    statt - ein grosser teil der kinder aus dieser klasse "zu therapieren" - ist es ev. sinnvoller die lp zu wechseln....

    (sorry, habe nicht alles gelesen.... doch im moment schaffe ich es nicht rational über kinder-schule-lp zu argumentieren)

    - trotzreaktion?

    uff... und das die wahrscheinlichkeit besteht.... das ein anders-denkendes kind auf ein stark sequetielle-denkenden lehrer
    trifft, ist einfach in verhältnis sehr hoch.... man könnte diesen lehrern auch "unwissen" andichten - unvermögen aus dem grossen breiten denken
    ins kleine zu kommen... :-)

    dem system die schuld geben.... na ja, das ist auch eine lösung.... für wen?

    auch nicht logisch für mich, dass kinder heute anders sein sollten als früher... daraus schlussfolgere ich, wenn denn heute mehr
    kinder lernschwierigkeiten haben sollten, hat sich die umgebung zum negativen entwickelt... und NICHT die kinder. so liegt es in
    der verantwortung der erwachsenen dafür zu sorgen, das diese generation nicht kaputt gemacht wird!

    setzt mal die 25 erwachsenen für ein paar stunden in einem raum - still sitzend.... auch nicht adhsler würden durchdrehen, machmal
    sollte man sich fragen, was wir erwachsenen unseren kinder zu muten und unsere anbitionen (druck) überdenken.
    Geändert von Smile (20.10.2012 um 10:30 Uhr)

  7. #7
    Ist hier zuhause

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 4.257

    AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Einer der besseren Lehrer meines Sohnes kann mit dem ADHS - Klassenkasper super umgehen. Selber schon zugeguckt. Vorbildlich. Schulungs- und Intuitionssache ...


    ---
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  8. #8
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Hallo alle,

    Bei mich geht die galle hoch wenn ich so was höre wie dass man sich anpassen muss, andere nicht stören u.s.w.

    So was ist realistisch nur wenn nicht nur auf die stinos eingegangen wird von ADSler aber auch umgekehrt... Aber ich kenne gut dass ich mich anpassen muss, auch wenn es laut, hektik, chaotisch und unstrukturiert und habe immer noch meine mühe um einiges zu bitten.

    Kann eine lehrer kindern ihre platz selber bestimmen in der klasse? Ich bin immer gerne vorne gesetzen um sachen besser mitzubekommen mit weniger ablenkungen. Heute noch, bei jede kurs, jede sitzung setzte ich mich ehe nah von der mensch der redet, wegen meine ablenkbarkeit.

    Wie laut ist es in diese klassen? Einme reizoffenes kind wird sicher rasch stören nur weil es ihm zu viel ist...

    Hat man zeit dazwischen wo man sich bewegen darf (tut es auch stinos gut!), kleine pausen?

    Ist der unterricht spannend gestaltet?

    Diese denken dass ADSler sich nur anpassen müssen, ist nicht nur in der schule zu finden, aber überall!

    Mich anzupassen bin ich nicht mehr so bereit wie früher (bin auch nicht mehr so jung und so belastbar). Ich passe mich an wo sich aufwand und ertrag in verhältnis bleiben. Ich quäle mich damit nicht mehr. Ich mache was in meine möglichkeit liegt und was sinn macht. Ich erwarte auch ganz frech von andere dass sie sich an mich anpassen... Mit mich nicht zu schnell reden, nicht 2 gleichzeitig reden, wenn ich eine frage stelle, keine laute zwischengespräch bei teamsitzung und solche sachen...

    Anpassung ist immer von beide seite nötig. Nicht nur von der minderheit.

    lg

  9. #9
    Kopfkino deluxe

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 44
    Forum-Beiträge: 678

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Es wäre zu schön, wenn diese eine Person in meiner Klasse es auch akzeptieren würde,
    dass sie mit ihrem lauten Verhalten den fast den gesamten Rest der Klasse (ca. 25) stört.
    Es wird jede Woche im Wochenrückblick angesprochen,
    dass man von Erwachsenen Rücksicht verlangen kann
    und Ruhe herrscht, wenn man für sich arbeiten soll.
    Doch es passiert einfach nichts!

    Ich denke, diese Frau hat auch ADHS mit stark ausgeprägter Hyperaktivität.
    Tragisch nur, dass sie es nicht akzeptieren würde
    und noch tragischer dazu, sie ist Epileptikerin.

    Mir wurde ja ein "Maulkorb" auferlegt, dass ich im Unterricht nichts mehr davon erwähnen darf,
    ADS zu haben und aufgrund dessen diese Konzentrationsprobleme.
    Meine Ausbilder sagten mir nun, ich könnte mir Ohrenstöpsel anschaffen
    oder in einen anderen Raum wechseln, während der Eigenarbeit.

    Äh... HALLOOO???
    Ist das etwa Sinn der Sache?!

  10. #10
    Chaoprinzessin

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 46
    Forum-Beiträge: 12.422

    AW: AD(H)S - aus der Sicht eines Lehrers

    Hallo Ileka,

    So was kommt mich bekannt vor... Ich musste ähnliches so oft erleben dass es sich nun aufgestaut hatte.

    Letzte samstag am abend mit leute... War mich ziemlich hektisch, sage ich es auch. Irgendwann sage ich dass ich ruhe brauche, aber kein sau ist fähig mal 2-3 sekunden zu schweigen! Ich gehe raus (ruhe untne leute geniessen geht es nicht) bleibe nicht lange weil es doch auch laut war.

    Für mich tönt es nach "passt dich an oder geht", obwohl andere doch mal etwas kleines (ich meine wirklich etwas kleines) für mich machen können.

    Aber es heisst auch immer wieder, ich nehme mich zu wichtig, erwarte von andere zu viel, sie haben nähmlich auch ihre bedürfnissen. Ja, und? Ich bin fast kaputt gegangen mich an andere anzupassen, ich komme in diese welt dauernd an meine grenzen und darft nicht erwarten dass mal jemand anders sich zusammenreisst als ich? Ist es stinos schon zu viel mal abzuwarten? Ich hatte gedacht, ADSler sind so ungeduldig und können nicht abwarten...



    lg

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