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Diskutiere im Thema Nun hätte es losgehen können - aaaaber! im Forum ADS ADHS Allgemeines
bei ADHS bei Erwachsenen Forum
  1. #11
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 29

    AW: Nun hätte es losgehen können - aaaaber!

    Tja, da war er also, der erste Tag mit MPH.

    Im Gegensatz zu meinen ersten Eindrücken von gestern hatte ich heute, außer leichtem Schwindel und leichter Entspannung nichts gemerkt. Doch, auf dem Heimweg war ich nicht ganz so offensiv unterwegs wie sonst.

    Ich hatte so ein - wie soll ich es bloß besser erklären? - "Kippgefühl". So zwischen - ah da wirkt was - ach ne doch nicht - och doch - och doch nicht. Das auch Hauptsächlich die ersten drei Stunden nach der Einnahme - sowohl bei der ersten als auch bei der zweiten.

    Ich glaube, die Filmerfahrung gestern konnte so gut funktionieren, weil da sonst nichts großartig störte und der kleine Level an Wirkung reichte, um mich bei der Sache zu halten. Heute aber, mit allen Einflüssen um mich herum, sind 10mg für mich wahrscheinlich schlichtweg zu wenig.

    However, ich werde natürlich nicht eigenständig die Dosis erhöhen und zwei auf einmal schlucken, sondern artig bis Dienstag so weiter machen, wie es mir der Neurologe gesagt hat. Dann reden wir eh wieder. Er hat ja schon bei der Beschreibung der Einstellung gesagt, dass wir bis zu 2 x 40mg hochgehen können und wahrscheinlich auch mehr als 10mg benötigen.

    Hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrung gemacht bei der Einstellung. Also beim ersten Test so für sich alleine und in aller Ruhe eine Wirkung ausmachen können aber dann im Leben außerhalb der eigenen vier Wände bei gleicher Dosierung nichts oder eben nur ganz, ganz wenig gespürt?

  2. #12
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 41
    Forum-Beiträge: 202

    AW: Nun hätte es losgehen können - aaaaber!

    WOssi schreibt:
    Hat vielleicht jemand ähnliche Erfahrung gemacht bei der Einstellung. Also beim ersten Test so für sich alleine und in aller Ruhe eine Wirkung ausmachen können aber dann im Leben außerhalb der eigenen vier Wände bei gleicher Dosierung nichts oder eben nur ganz, ganz wenig gespürt?
    Hallo WOssi,

    "in Geduld du dich üben musst, junger Padawan"

    Es ist für viele nicht ungewöhnlich, dass sie, wenn sie mit der Medikation beginnen, erstmal wenig bzw. gar nichts merken. Hinzukommt, dass gerade wenn man seinen Fokus darauf legt, was wohl genau dann passiert, wenn die Medikation genommen wird, man die Veränderung gar nicht genau mitbekommt, da man so damit beschäftigt ist, sich selbst zu beobachten.

    Außerdem kann es schon einige Wochen bis Monate dauern, bis man einen konstanten Effekt verspürt; auch wenn kein Spiegel aufgebaut wird, wie z.B. bei AD. Hier geht man davon aus, dass es mit der veränderten Dopmamintransporterdichte zu tun hat, die sich im Laufe der Einnahme innerhalb weniger Wochen normalisiert (Krause und Krause)

    Einige versprüren an sich keine großartige Wirkungen, die Menschen im Umfeld jedoch schon. Und insgesamt scheint es die Meinung einiger Fachleute zu sein, dass die Medikation im Erwachsenenalter nicht so gravierend anschlägt, wie es beispielsweise in der Kindheit postuliert wird (ebenfalls Krause)

    Die Erwartungen an eine Medikation, gerade wenn man erkannt hat, dass alles, was vorher versucht wurde und nix geklappt hat, sind häufig sehr hoch. LIegt sicher auch daran, dass man große Hoffnungen hat, endlich ein "normales" Leben zu führen. Eine Medikation kann dein Leben mit seinen Problemen jedoch nicht schlagartig verändern. Aber sie kann dazu verhelfen, das Chaos klarer zu sehen, die Tücken und Fallen zu erkennen und bestenfalls Strategien dazu erarbeiten lassen, damit das Chaos nicht mehr so dominant bleibt.

    Aber das ist wie gesagt immer bei jedem anders.

    Normalerweise wird bei Medikationsbeginn unretardiertes MPH tritiert, d.h. man beginnt bei zweimal 5mg pro Tag, das man alle 4-7 Tagen je nach Verträglichkeit um weitere 5mg steigert, bis man den gewünschten Effekt unter Beobachtung des Nebenwirkungsprofils erfährt. Dann wird i.d.R. auf ein retardiertes Produkt umgestellt. Aber auch diese vertragen nicht alle Betroffenen und einige profitieren eher von schnellfreisetzendem MPH. Aber wie gesagt: Alles ist höchstindividuell. Hier wird vermutet, dass es u.a. mit der mannigfaltigen Genveränderung, dem Stoffwechsel, Geschlecht, etc. zu tun hat. Hinzukommen psychologische Effekte, wie sie web4health ausführlich erläutert.

    Je nach Ausprägung und Subtyp des Syndroms kann die Wirkung halt auch unterschiedlich sein; so kann es für einen ADS'ler eher konzentrationssteigernd wirken, für den ADHS'ler eher beruhigend, für den Mischtyp beides ein bisschen oder nur eines von beiden. Zudem kommt, dass es "nur" bei ca. 75% (je nach Literatur leicht abweichend) der Betroffenen einen Response. also eine signifikante Wirkung mit zu tolerierenden Nebenwirkungen gibt. Da kann die Umstellung auf ein anderes Stimulanz, oder die Kombi mit einem AD durch den Arzt indiziert sein.

    Aufgrund der hohen Komorbiditätsrate im Erwachsenalter, ist in vielen Fällen eine Kombi angesagt.

    Zudem wirkt bei vielen eine gleiche Dosis zu einem anderen Zeitpunkt anders, als wenn man sie früher oder später genommen hätte. Und es gibt Leute, bei denen wirkt das MPH weniger, wenn sie zu viel Zeit zwischen den Einnahmen haben. Andersherum kann es fiese Nebenwirkungen bzw. zu einer Verschlechterung der Symptomatik führen, wenn du zu Raetardprodukte überlappend einnimmst, also die zweite Wirkspanne noch aktiv ist und die nächste schon anfängt zu wirken. Wie du siehst, das Einstellen auf MPH kann mit einer Kunst verglichen werden Da die Eigenwahrnehmung bei ADHS prinzipiell nicht so präzise ist, ist der Rolle des einstellenden Arztes eben so wichtig und die engmaschige (was aus wirtschaftlicher Sicht eigentlich für einen Arzt kaum noch möglich ist) Einstellung so wichtig.


    Du hast mit (wenn ich richtig liege) 2x10mg Medikinet adult angefagen, oder? Liegt sicherlich für einige Ärzte auf der Hand, weil das ja für Erwachsene zugelassen ist.

    Ich kann die raten mal ein Stunden-Tagebuch zu schreiben, indem du die Wirkungsweise im Stundenplan versucht zu beschreiben, um für dich zu erkennen, wann du das Gefühl hast, dass eine Wirkung vorhanden ist und wie sich dies bei dir auswirkt. Das könntest du dann mit zu deinem Doc nehmen und mit ihm besprechen. Und wie gesagt, Fremdeinschätzung hinsichtlich deines Verhaltens unter Medikation ist immer ein wichtiger Aspekt! Man bekommt es gerade am Anfang gar nicht richtig mit.

    Also: Weiterhin viel Erfolg, versuch' etwas gelassener zu werden und ganz wichtig: Setz' deine Erwartungen nicht zu hoch an (ist schwer, ich weiß). Du bist halt, wer du bist und das kann auch keine Medikation ändern.

    Die Symptome, die dazu beitragen, dass sich dein Leben zweitweise wie ein Karussel anfühlt kann sie möglichweise etwas lindern, sodass du hoffentlich auch mal von dem Karrussel absteigen kannst und deine Umwelt betrachten kannst. Das Karussel hat einiges an reparaturen nötig; da muss man dann erst einmal Ersatzteile besorgen und oft auch einen Hilfsmonteur engagieren. Und du wirst sehen: da ist ein ganzer Rummelplatz um dich, der darauf wartet, dir Attraktionen zu bieten. Es gibt aber auch einige dunkle Plätze auf deinem Rummelplatz; die gilt es auszuleuchten und es kann versucht werden, die dunklen Plätze zu mieten und erst einmal anzunehmen. Möglicherweise gelingt es dir, diese nach einiger Zeit auszugestalten und mit etwas Distanz zum Leben zu erwecken. Jedenfalls kann die Medikation als eine Art "Helm" betrachtet werden, die dich vor dem Aufprall schützt, falls du vom Karussel fliegst oder dir bei der Reparatur dunkler Baustellen mal das eine oder andere Bauteil von oben begegnet

    Um auch hier nochmals abschließend zu zitieren (von wem, weiß ich grad nicht Brown, Barkley, Fischer, Hallowell; auf jeden Fall englische Literatur): Die Medikation, wenn sie wirkt, lässt die Symtpome nicht verschwinden, aber sie macht sie weniger zerstörerisch!

    In diesem, ausufernden und metaphorischen Sinne

    El Synapso
    Geändert von Synapse (21.07.2012 um 09:08 Uhr) Grund: Lesbarkeit

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