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  1. #1
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc.)

    Hallo Community,

    ich brauche eure Hilfe, um diverse Problematiken die ich als Mensch so mit sich trage, zu ordnen und würde gerne erfahren wie ihr damit umgeht. Ich habe schon viel probiert, doch wenn die Selbstkontrolle nicht funktioniert, ist das wie ein Fass ohne Boden.

    Ich werfe jetzt erst einmal alle Begriffe in den Raum, die mir einfallen und versuche sie nach und nach durch Beispiele zu ergänzen. Von den Begriffen kann ich praktisch ein Lied singen, weil ich im Alltag immer wieder mit diesen Problemen zu kämpfen habe. Wenn ihr dazu eure Fälle aus dem Alltag schildern würdet und den ein oder anderen Tip habt, wäre mir und anderen sicherlich geholfen. Sehr interessant fände ich, wenn Betroffene berichten würden, wie der Alltag ohne Medikamenten war und wie sich der Alltag mit Medikamenten verbessert hat. Oft liest man ja, dass die Medikamente helfen. Leider fehlen dann konkrete Beispiele.

    Zu den Begriffen:
    - Rizüberflutung, Filterschwäche
    - enorm hoher Blickwinkel (dadurch nimmt man mehr war und die Ablenkbarkeit wird erhöht)
    - schlechte Selbstkontrolle
    - Vergesslichkeit, schlechtes Kurzzeitgedächtnis
    - Träumerei
    - Hyperfokus
    - Hypofokus
    - Zwang bzw. Drang zur Anpassung, damit man sich akzeptiert fühlt
    - Gefühlschaos, Gedankenchaos bzw. unkontrollierte Gedankensprünge
    - schlechte Konzentrationsfähigkeit auf eine Sache
    - Ablenkbarkeit und sich selbst dabei vergessen

    Ich versuche die Begriffe anhand von eigenen Erfahrungen und Beispielen zu schildern. Leider habe ich ein Gedächtnisproblem und kann nur unter bestimmten Voraussetzungen auf mein Gedächtnis zurückgreifen (Klingt komisch, ist aber so).

    Zu aller erst steht jedenfalls bei einem ADS'ler das Problem der Reizfilterschwäche. Überall wo sich etwas bewegt oder etwas ertönt, zieht das
    die Aufmerksamtkeit eines Betroffenen an. Selbst wenn es immer das selbe Geräusch ist, welches man Tag täglich hört, sei es das Flugzeug am Himmel das vorbeifliegt oder der Kuli der betätigt wird, damit die Miene ausgefahren wird. Immer und immer wieder lenkt das einen von seiner eigentlichen Tätigkeit ab bis eine Reizüberflutung hervorgerufen werden kann und man komplett abschaltet. Wird diese Problematik in der Kindheit schon nicht erkannt, manifestieren sich diverese Verhaltensmuster, die man sich nur schwer abgewöhnen kann. Die eigenen Strategien, die man sich als Erwachsener "antrainiert", um aus dem Schlammasell zu kommen, führen oft auch noch zu größerern Problemen (z.B. Drang zur Anpassung). Man versucht ja im Prinzip etwas zu kompensieren, was ein Nicht-ADS'ler "on the go" erlernt . Darunter leidet dann natürlich die Selbstkontrolle und das Selbstwertgefühl. Wie will man sich auch kontollieren und konzentrieren, wenn man immer abgelenkt wird. Bei einem Kind kann solch ein Verhalten noch am leichtesten beobachtet werden, da es noch keine Strategien entwickelt hat, sein ADS zu vertuschen. Es versucht nämlich immer nach Interesse zu handeln. Irgendwann erkennt es (unbewusst), dass es diverse motorische Handlungen oder Gedankengänge nicht lernen oder nachahmen kann, weil es andauernd getrieben wird durch diverse Reize. Da ein ADS'ler jedoch oft ein visueller Denker ist, fällt es ihm nicht schwer Handlungen, die man selbst nicht beherrscht in Gedanken wiederzugeben und fängt an zu träumen. Das Träumen dient also zur Kompensation (kurbelt zudem den Dopaminspiegel an). Blöd für das Kind. dass es dafür oft auch noch bestraft wird, wenn die eigene "Apotheke" des Körpers einem die Lebenslust aufrecht erhalten möchte. Sport treibt bekanntlich auch den Dopaminspiegel an. Hyperaktivität scheint somit neben Träumen auch ein guter Ausgleich zu sein.

    So, das wars erst mal von mir... Damit die Frage nicht untergeht, stell ich sie noch einmal. In wie fern haben die typischen ADS-Problematiken aufgehört oder haben sich verringert mit Beginn der Medikation?

    Gruß
    vakuum

  2. #2
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc

    Ich habe diesen Beitrag jetzt erst gelesen. In dem Text stecken so viele Informationen, dass ich erst einmal länger nachdenken muss.

    Aufgrund anderer Erkrankungen kann ich keine ADS-Medikamente einnehmen und daher auch nicht schreiben, was sich mit Medikamenten bessern würde.



    Auch ohne eine Behandlung habe ich im Laufe meines Lebens immer mehr Tricks herausgefunden und die tägliche Organisation funktioniert dadurch immer besser.

    Meine Ablenkbarkeit und Vergesslichkeit nimmt in den letzten Jahren leider wieder mehr zu (bin jetzt 54 Jahre alt) und ich muss auch noch Medikamente einnehmen, die meine Hirnleistung eher verschlechtert. Mein Leidensdruck wird trotzdem nicht größer. Ich nehme mir immer weniger vor und finde immer bessere Möglichkeiten alles zu ordnen und "Ballast" abzuwerfen.
    Es ist für mich inzwischen auch wichtig, dass ich tagsüber mehrere Stunden alleine bin, damit ich bei meinen Tätigkeiten nicht so oft abgelenkt werde. Beim Schreiben muss alles um mich ruhig sein.


    Wenn ich "träume", denke ich eigentlich über sehr viele Dinge nach. Meine Umgebung nimmt dann bei mir einen starren Blick in die Ferne wahr und ahnt nicht, dass ich in diesen Momenten sehr viele Lösungen von Problemen finde oder meinen Tagesablauf durchorganisiere. Auch viele kreative Ideen entstehen dann. Daher leide ich nicht unter meinen Tagträumen, sondern sehe sie als eine Bereicherung an. Besonders, weil ich in diesen Momenten überhaupt keinen Stress habe. Sehr gut kann ich in öffentlichen Verkehrsmitteln träumen (manchmal vergesse ich dann auszusteigen).
    Meine Strategien waren für mich bisher wohl noch kein Nachteil - glaube ich zumindest. Ich muss darüber noch ein bisschen nachdenken. Was für einen Nachteil können durch die Strategien denn entstehen? Ich könnte mir das nur vorstellen, wenn man sich irgendwie verstellen würde. Das habe ich nie versucht. Im Gegenteil. Es ist mir ganz wichtig, mir immer selbst „treu“ zu bleiben, weil ich andernfalls unglücklich werden würde. Das fällt mir aber auch leicht, weil ich von meiner näheren Umgebung glücklicherweise viel Bestätigung bekomme und die Wunden, die mir die "Außenwelt" zufügt, heilen dann schnell. Sicher habe ich auch viel Glück im Leben. Mein Humor hilft mir dabei auch sehr, denn wenn ich mal wieder nur Mist machen sollte, rufe ich meine Freundin an und wir lachen erst einmal kräftig über alles.
    Wenn ich nicht die anderen Krankheiten hätte, würde ich die ADS*-Medikamente trotzdem gerne einmal ausprobieren. Vielleicht würde mir dann vieles noch leichter fallen, aber ich denke, es geht auch so sehr gut. Aber wohl nur wegen der günstigen Bedingungen, in denen ich lebe.
    Viele sagen, dass ich eine große Weitsicht hätte. Könnte das nicht vielleicht am ADS mit dem Hyperfokus liegen? Ich bin jedenfalls meistens nicht unglücklich, dass ich ADS habe.

    Trotzdem würde es mich auch einmal interessieren, wie andere sich mit den Medikamenten
    verändert haben. Mir nahestehende Personen haben die Behandlung abgebrochen, weil sie bei denen leider nicht so hilfreich war, bzw. sie haben sie nicht vertragen. Es geht ihnen aber auch ganz gut ohne Behandlung. Da die Behandlung leider nicht bei allen hilft und auch damit nicht alles sofort gut ist, kann man auf einige "Tricks" wohl nicht verzichten.

    Mein Arzt hatte offenbar gute Rückmeldungen aufgrund seiner Behandlung mit Medikamenten erhalten. Ich möchte hier niemanden die Hoffnung nehmen, weil ich glaube, dass die Medikamente in den meisten Fällen zu einer Besserung führen.

  3. #3
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose seit Kindheit
    Forum-Beiträge: 5

    AW: ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc

    Ich kann dir leider nicht alle deine Fragen Beantworten, werde dir aber ein paar Erfahrungsberichte geben.
    Ich habe von meinem Arzt als unterstützung Ritalin verschrieben bekommen. Und zwar schon seit der achten Klasse. Was schlagartig besser wurde (und zwar von einer Stunde auf die nächste) war das Problem mit den Träumerein. Ich war damals manchmal so verträumt, dass man mich fast wecken musste bevor ein gespräch möglich war.
    Das Medikament erlaubte mir, mich in der Realität aufzuhalten.

    Heute, viele Jahre danach, habe ich die BMS angefangen und habe deswegen auch wieder angefangen Ritalin zu nehmen. Auch wenn es heute nicht mehr ganz so schlimm ist, habe ich mich dazu entschieden.denn ohne Ritalin wäre es mir nicht möglich, mich längere Zeit hinzusetzten und mich auf etwas zu konzentrieren. So wirkt sich das positiv auf die Leistung aus und schafft freude am Lernen.

    Ich hatte aber auch schon schlechte Erfahrungen wie z.B. innere Unruhe und Panikattacken, bin mir jedoch nicht sicher ob es an dem Medikament lag oder ob ich einfach nur eine schwere Zeit durchmachte. Jedenfalls sind diese Zustände wieder verschwunden als ich die Dosis reduzierte. Ebenso gegen die Patentlösung Ritalin spricht, dass meine Hyperaktivität nicht wegging.

    Das Fazit ür mich ist jedenfalls: Ritalin = bessere und sofortige, aber Zeitlich begrenzte Aufmerksamkeitsspanne

  4. #4
    Forum-Mitglied (nicht vorgestellt)

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Alter: 31
    Forum-Beiträge: 4

    AW: ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc

    bei mir ist das irgendwie seltsam bekomme nicht die speziellen medikamente ritalinetc. sondern medikament 3 wahl das die krankenkasse noch übernimmt. von der medikation ausgehend kann ich nur sagen wies bei mir ist.

    mus sagen das was ich bis jetzt alles gelernt habe ging nur durch die medikation weil es mir erst bewust wurde.das ist dadurch das meine vergeslichkeit nicht mehr so schlimm ist wie früher ist zwar immer och so das ich nicht weis was ich gestern gemacht habe aber sachen wo öfters sind wird dan zur rutine(öfters auftretende sachen kann ich mir eher merken bzw fallen mir doch hin und wieder ein.)

    ablenkbar bin ich wie eh und je daran hatt sich nichts geändrt mir wird es nur immer mal wieder bewust das es so ist.

    selst kontorlle weis ich nicht ob sich da was geändert hatt.

    konzetration ist besser gewordenblos bei sachen wo immer wieder kommen ist es schwer bei der sache zu bleiben

    träumereien ist bei mir immer noch so nur wirs es mir öfters bewust

    zwang zur anpassung habe ich immer noch auch wenn ich eigendlich nicht mehr raus gehe wodurch mein sozialverhalten ganz gering wurde ich aber nicht weis wie ich das hinbekomme deshlb komme ich in stationäre theraphi.

  5. #5
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 234

    AW: ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc

    @all
    Danke für die Berichte. Interessant wie sich die Problematiken kompensieren lassen können. Ohne Medis scheint es nur zu funktionieren, wenn das Umfeld stimmt. Ich denke man kann sich sehr glücklich schätzen, wenn es ohne Medis funktioniert.

    Ich würde gern mal ein ADS-Medi der ersten oder zweiten Wahl probieren. Da ich auf Medis durch meine Hochsensibilität sehr stark reagiere, bräuchte ich sicherlich nur eine geringe Menge des Wirkstoffes. Da liegt dann wahrscheinlich auch schon das Problem. Die Dosierung der erhältlichen Medis ist einfach zu hoch.

  6. #6
    Neues Forum-Mitglied

    Bezug zu ADS / ADHS bei Erwachsenen: ADS / ADHS Diagnose als Erwachsene (r)
    Forum-Beiträge: 372

    AW: ADS (Reizfilterschwäche, Zwang zur Anpassung, schlechte Selbstkontrolle, etc

    Hallo Vacuum,
    könntest Du nicht mit einer ganz geringen Menge des Medikaments anfangen und es ganz langsam steigern, bis Du eine leichte Nebenwirkung spürst, die Dosis dann wieder leicht reduzieren und diese dann einige Wochen so einnehmen?
    Mein Arzt hatte einmal gesagt, dass die Wirkung beginnt, bevor die Nebenwirkung einsetzt. Außerdem soll es bekanntlich bei einigen Patienten ja wochenlang dauern, bis eine Wirkung zu spüren ist.
    Ich reagiere auch (besonders zu Beginn einer Behandlung) sehr sensibel auf Medikamente. Bei meinen Schilddrüsenhormonen, die ich einnehmen muss, habe ich mit ganz kleinen Krümeln der Tablette experimentiert bis es mir gut ging. Bei einem anschließenden Labortest waren meine Werte perfekt und die Ärztin meinte, dass ich ein sehr gutes Körpergefühl habe.
    Ich meine, dass man die verordnete Dosis am Beginn weit unterschreitet. Das kann bei ADS-Medikamenten nicht gefährlich sein und im schlimmsten Fall einfach nur nicht helfen.

    Vielleicht sagt Dir Dein Körpergefühl mehr, als Du es Dir hättest vorstellen können. Versuche es doch einmal. Und wenn es mit dem ersten Medikament nicht funktioniert, dann probiere doch ein weiteres .
    Geändert von Celine ( 5.01.2011 um 22:17 Uhr)

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